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Eines der esten Kinos, die von der UFA umgebaut wurden

Ein Kinotechniker hatte damals sein Werkzeug in solchen Koffern - und die waren bis oben hin voll und schwer. Der schwere Lötkolben oben drauf war unabdingbar.

Aus den erhaltenen Unterlagen geht hervor, daß die UFA im Büro Frankfurt auch kleinste Kinos weit ab betreut hatte. Die Toppler Lichtpiele waren wirklich nur ein Kleinstadtkino mit ca. 200 Sitzplätzen in einer Scheune in der Innenstadt von Rothenburg o.T.. Die dortige Kinotechnik von vor 1950 war "vorsintflutlich", nämlich noch aus der Vorkriegszeit. Aber sie schien zu funktionieren. Gerhard Redlich mußte damals mit seinen beiden schweren Werkzeug-Koffern von Wiesbaden Dotzheim aus über Frankfurt mit der Bahn anreisen, so war es damals "gang und gäbe". Und dann wurde 2 Wochen fast rund um die Uhr gerackert - bis zur Wiedereröffnung mit all dem Rummel, den der Betreiber werbemäßig organisiert hatte.

In der lokalen Zeitung (vermutlich im Dez. 1950) in Rothenburg/o. Tauber erschein dieser Artikel:

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Dezember 1950 - Toppler-Lichtspiele im neuen Kleid

Inneneinrichtung und Apparatur wurden modernisiert!
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Durch die vorbildliche Zusammenarbeit von einheimischen Handwerksfirmen wurde unter der Leitung von Architekt Kerndter die großzügige Neugestaltung der Toppler-Lichtspiele in einer kaum zwei Wochen dauernden Spielpause vorgenommen. Die völlig neue Innenarchitektur verleiht dem Hause durch indirekte Beleuchtung und sorgfältig abgestimmte Farbtöne einen warmen und intimen Charakter. Dazu schafft eine neuzeitliche Heizungsund Belüftungsanlage eine behagliche Atmosphäre.

Das Wesentliche an der Umgestaltung ist jedoch die neue Licht- und Tonanlage, die von der bekanntesten Firma für Kinotechnik, der Ufa-Handelsgesellschaft (Frankfurt), geliefert wurde. Damit ist künftig die Gewähr für eine einwandfreie Wiedergabe der Filme geboten. Um der Bevölkerung den Kinobesuch nicht allzulange vorenthalten zu müssen, hat sich die bisherige Neugestaltung auf die Umbauarbeiten des Innenraumes und auf die Erneuerung der gesamten Apparatur beschränkt. Die weiteren Verschönerungsarbeiten und die Neugestaltung des Kassenvorraumes sowie der äußeren Fassade werden ohne Störung der Filmvorführungen im Laufe der nächsten Wochen durchgeführt.
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Zur Wiedereröffnung hat die Leitung des Kinos eine Reihe von Spitzenfilmen erhalten können. Am morgigen Sonntag wird der mit großem Beifall aufgenommene Zirkusfilm „Tromba" gespielt. Ihm folgt in der Vorweihnachtswoche die film-kabarettistische Zeitsatire „Berliner Ballade", die auf der Biennale in Venedig ausgezeichnet wurde.

In der Festwoche zeigt sich Marika Rökk in dem großen Revue-Film „Fregola" singend und tanzend. Außerdem findet am Sonntag, 18. Dezember, um 13 Uhr eine Kindervorstellung mit Märchenfilmen statt.

Die Inhaberin der Toppler-Lichtspiele, Frau Rottenberger, hat bereits in den Jahren vor dem Kriege für die fortschrittliche Weiterentwicklung des Theaters gesorgt und war jetzt nach Überwindung der Schwierigkeiten der Kriegs- und Nachkriegszeit wieder bemüht, durch Erwerb der besten neuzeitlichen Einrichtungen ihren Besuchern die Fortschritte auf dem Gebiete der Kinotechpik zugute kommen zu lassen. Die Leitung des umgestalteten Lichtspieltheaters liegt nach wie vor in den bewährten Händen des Kinofachmannes Christian Trapp, der lange Jahre Besitzer der im Kriege zerstörten Humboldt-Lichtspiele in Nürnberg war.
-seh-
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Nachtrag :

Der Film Zirkusfilm „Tromba" (97 Minuten) wurde 1949 gedreht und war damit damals ganz neu. Mit diesem Hinweise datieren wir diese Wiedereröffnung auf den Dezember 1950. - Es geht nicht mehr hervor, welche "neue" Technik damals eingebaut wurde, denn die Kino-Zeitschriften schreiben von alten Ernemann II Projektoren, die aber noch aus der Vorkriegszeit stammten. Die angeblich neuen Bauer B6 sind erst nach 1956 aufgeführt und von Cinemascope und Xenon Lampen ist überhaupt noch keine Rede.
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1949
Toppler-Lichtspiele Alter Keller 5, Tel. 612. Inh. Anni Rottenberger. Gschf.: Chr. Trapp, Rothenbg. o. T. - Mit Dia - 7 Tage - Plätze 224

1950
Toppler-Lichtspiele Alter Keller 5, Tel. 612, I. u. Gf: Anni Rottenberger u. Chr. Trapp, Rothenburg, 224 Pl. 7 Tg, 2—3 Vorstellungen pro Tag, Dia; Apparatur : Ernemann II, Verstärker : EKD, Strom: Wechselstrom 220 Volt. 15 Amp.
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Im Fränkischen Anzeiger finden wir in 2013 folgendes:

Der aus Schweinfurt zugezogene Wilhelm Fritz hatte schon 1937 die Toppler-Lichtspiele am Alten Keller von August Denzel übernommen und somit blieb der „Kino-Fritz“ bis in jüngste Zeit mit der Rothenburger Lichtspiel-Geschichte verbunden. Zusammen mit den Victoria-Lichtspielen boten die drei Kinos bis in die sechziger Jahre zusammen immerhin 800 Plätze.

Das Kino in Rothenburg war aber schon seit 1937 mit dem Namen Fritz verbunden. Damals übernahm der von Schweinfurt zugezogene Wilhelm Fritz von August Denzel die in einer mittelalterlichen Scheune untergebrachten Toppler-Lichtspiele. „Zigeunerblut“ hatte der Eröff­nungs­film am Kapellenplatz 1949 geheißen.

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