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Es gab eine Artikelserie über die "Filmstadt" Wiesbaden . . .

Der rote Teppich vor dem Wiesbadener Kurhaus, wenn die Prominienz kommt.

und in dieser Serie wurde vom Autor Dieter Schreeb so Einiges an Satire mit eingeflochten. Leider ist Herr Schreeb inzwischen aus Wiesbaden weggezogen und stand nicht mehr für detailierte Fragen zur Verfügung. So wird immer wieder aus seinen alten Texten zitiert und kommentiert und aus anderen Texten und Zeitschriften ergänzendes Material eingebunden.

Die dort aufgeführten Informationen über die Art,
nach 1950 deutsche Filme zu "machen", über die Allüren der Schauspieler, der Regisseure und der Stadtväter sind beispielhaft für den Niedergang des Deutschen Films vor und nach 1960 insgesamt.

Kinos in Wiesbaden - von den Anfängen bis 1945

Emil Skladanowsky

Thomas Alva Edison, ein Allround-Genie, Mr. Eastmann, die Franzosen Louis und Auguste Lumiere, auch die Brüder Max und Emil Skladanowsky aus Berlin und weitere gehörten zu den Vätern des Kinos.

Im berühmten Berliner Varietétheater "Wintergarten" führten die Skladanowskys am 1. November 1895 zum ersten Mal ihre "lebenden Bilder" vor: Die Jahrmarkts-Attraktionen und Straßenszenen auf Zelluloid. Der 28. Dezember 1895 ist also laut der Filmhistoriker als Geburtsstunde des Kinos zu betrachten.

Dort hatten insgesamt 11 Kurzfilme der Gebrüder Lumiere im "Grand Café" ihre Premiere. Der bekannteste der jeweils etwa eine Minute langen Filme zeigte "Die Ankunft eines Eisenbahnzuges im Bahnhof La Ciotat" und hieß auch so. Die Filme waren kein großer Erfolg, aber es sprach sich rum.

Das Wiesbadener Kurhaus 1914

Wiesbaden hatte damals etwa hunderttausend aufs Vergnügen versessene Kur- und Badegäste per anno und so kam diese Erfindung der bewegten Bilder gerade recht. Am 30. Oktober 1896 erschien in einer Wiesbadener Zeitung eine Anzeige, die drei Tage "Kinematographie" ankündigte: "Lebende Photographie", erzeugt mit dem "Edison Apparat".

Diese besondere Attraktion wurde in der Friedrichstraße 27 im Saal der Freimaurer-Loge "Plato" zu recht stattlichen Preisen geboten: 50 Pfennig für Erwachsene, 30 Pfennig für Schüler; für eine (Reichs-) Mark gab es einen "reservierten Platz" !

Selbst horrende Preise (es war damals die teure Reichsmark und ein Arbeiter verdiente vielleicht 30 Reichsmark im Monat) konnten offenbar nicht abschrecken. Bereits am 3. Januar 1897 wurde das "Wunder aus Licht und Bewegung" wiederholt.

Ein paar Häuser weiter in der Wiesbadener Friedrichstraße 44 wurde in der Gaststätte "Karlsruher Hof" die nächste "Filmvorführung" gestartet. Und bereits am 12. März wurde dann zum ersten Mal in Wiesbaden fast "richtiges Kino" an der Ecke Marktstraße/ Mauergasse vorgeführt.

Und dann kam die Musik dazu

Die Kino-Orgel im Filmmuseum in FrRankfurt

Relativ schnell wurde der Stummfilm mit einem Klavier oder weiteren Instrumenten untermalt, bald auch mit sogenannten Kino-Orgeln. Auch wurde zum (Stumm-) Film hin und wieder gesungen, so gut es eben ging. Im Laufe der Entwicklung wurden dann sogar Grammophone mit dem Film so leidlich gekoppelt und der Opernstar sang beinahe live zu seinen Bildern.

So eröffnete am 20. Juli 1907 das "Auxetophon-Tonbild-Theater", also das erste wirkliche Wiesbadener Kino, seine Türen. Es konnte sich allerdings nicht lange halten. Das "Biophon-Theater" im Luxushotel Metropol/Monopol an der Wilhelmstraße lebte etwas länger. Die erste Vorstellung fand am 1. Sept. 1907 statt - ebenfalls mit sogenannten "Tonbildern". Der Chronik nach war das "Biophon" eine Zeit lang das wichtigste Kino der Stadt.

Es gibt sie heute noch, das Walhalla und das UFA

1938 UFA Palast mit Kino-Orgel
1955 UFA im Park Projektionsraum

Das heute noch erhaltene Walhalla-Theater nahe der Kirchgasse war auf Boulevardstücke und Varietévorführungen ausgerichtet. Aufgrund der Nachfrage wurden auch hier am 16. Oktober des selben Jahres zum ersten Mal mit einem "Buderus-Kinematoskopen" Filme gezeigt. Weiterhin gab es eine Woche danach im Großen Saal des Wiesbadner Kurhauses bewegte Farbbilder der Gebrüder Lumiere zu bestaunen, und das waren Jahrzehnte vor der Erfindung der Farbfilms.

Das "Kinephon-Theater" in der Taunusstraße war das zweite ständige Kino in Wiesbaden. Es öffnete am 18. Januar 1908 seine Pforten. Gezeigt wurden ebenfalls Tonbilder, aber auch Aufsehen erregende Dokumentationen wie die "Besteigung des Montblanc". Im Mai 1908 wagte sich das "Kinephon-Theater" sogar erstmals ins Freie und veranstaltete eine Vorführung im Kurpark. Dabei wurden unter anderem zwei in Wiesbaden von der "Allgemeinen Kinotheatergesellschaft" gedrehte Dokumentarfilme namens "Der Einzug des Deutschen Kaisers in Wiesbaden" und "Der Kaiser auf seinem Morgenritt" gezeigt.

Über die in Wiesbaden gedrehten Filme aus der Frühzeit der Kinematographie weiß man nur noch wenig. Aus einer Liste kann man Kurzfilme wie die "Kaiserfesttage in Wiesbaden", entstanden 1900, und der "Blumenkorso in Wiesbaden", 1908 gedreht, entnehmen, auch kleine Stücke über die Pferderennbahn in Erbenheim und Szenen aus dem "Nizza Deutschlands".

Der Filmpionier Oskar Meßter drehte während des Ersten Weltkriegs in der Stadt einen Kurzfilm "Bad Wiesbaden während des Krieges". Ob die für das Frühjahr 1917 angekündigte Premiere je stattgefunden hat, weiß heute niemand mehr.

Oskar Meßter war ein Multitalent

Die UFA Statue, vergoldetes Symbol des Erfolges, aber leider nur aus Gips
Das Capitol am Kureck 1949

Oskar Meßter war ein Multitalent wie Edison. Er verkaufte bereits 1896 seinen ersten selbstgebauten Filmprojektor. Im gleichen Jahr betrieb er das erste Berliner Kino und produzierte bald weitere Filem. Durch die Synchronisation von Grammophonen und Projektoren initiierte Meßter ab 1903 eine Welle von Tonfilmvorläufern. Mit Henny Porten schuf er den ersten Star am deutschen Filmhimmel. 1914 brachte er die erste deutsche Wochenschau heraus und nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er zu den Gründern der Ufa.

Der verlorene 1. Weltkrieg warf Deutschland zum ersten Mal um Jahre wenn nicht Jahrzehnte zurück. Es wurde in großem Umfang gehungert. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren für die Masse miserabel. In dieser depressiven Zeit war das Bedürfnis und Verlangen nach Ablenkung umso größer. Wie später, Anfang der 50er Jahre nocheinmal, schossen überall sogenannte Flohkinos aus dem Boden.

Andererseits wurden ab 1923 auch (bei uns in Deutschland) Luxuspaläste für die Schönen und die Reichen gebaut, die es immer schon gab. Und in Wiesbaden war es 1926 das "UFA Palast", ein Prachtkino an der nach dem Kaiser (oder zu Ehren des Kaisers) benannten Wilhelmstrasse direkt hinter der Fassade der edlen Geschäftshäuser, fast mit Blick aufs Kurhaus und den vom Bahnhof her defilierenden Kaiser. Natürlich gab es auch normale Kinos in Wiesbaden, die teils aus den Varieté Theatern hervorgegangen waren. Sie verlangten weniger Eintritt und waren entsprechend weniger komfortabel ausgestattet. In Chroniken finden wir 1927 das "Kino für Jedermann" in der Bleichstraße, das um 1934 gebaute Capitol am Kureck, das 1936 eröffnete Apollo in der Moritzstrasse und weitere Neubauten.

Nach jedem Krieg gab es richtige Dämpfer

Im Kurhaus Wiesbaden - der heutige Tiersch-Saal 1945

Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieg rummste es auch an mehreren Ecken in Wiesbaden, es war jedoch kein Vergleich mit Mainz und Rüsselsheim und Frankfurt und Offenbach usw. Ein Teil der Kinos war zerstört.

Als die Amerikaner dann hier ihr Quartier aufschlugen, reqirierten sie natürlich die verbliebenen intakten Gebäude für ihre Zwecke, vor allem das Kurhaus und den fast gegenüber liegenden unzerstörten UFA Palast und die Wiesbadener hatten das Nachsehen.

Das alles normalisierte sich erst so ab Ende 1946, als die ersten Vorortkinos wieder angelaufen waren.
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