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Informationen über das Filmmaterial (aus den Kinotechnischen Taschenbüchern von 1951/1955)

Hier eine einfache Erläuterung, was es zum Beispiel mit dem "Nitrofilm" so auf sich hat und warum der so gefährlich war, daß damals 1935 auf der Funkausstellung die gesamte AEG Halle abgebrannt war.

Der fast jedem bekannte 35mm "Normal-" Film

Unter "Normalfilm" versteht man das auf beiden Seiten perforierte 35 mm breite Filmband. Auf diesem Filmband werden Bildfenster unterschiedlichster Größe - durch die Kamera - belichtet. Die Filmbilder liegen zwischen den Perforationsreihen. Auf ein Filmbild kommen meist vier Perforationslöcher, manchmal auch nur 2. Die Vorführgeschwindigkeit des Normaltonfilms im Kino ist 24 Bilder/Sekunde (= 0,456 m/sek).

Die Anwendung des Normalfilms liegt fast ausschließlich bei der Spielfilm-Wiedergabe im Lichtspieltheater (umgangssprachlich Kino), später auch beim Fernsehen und bei der Filmaufnahme zur Herstellung von Rückprojektions- Szenen.

Das Filmgewicht :
100 m Normalfilm wiegen ungefähr 690 g,
600 m Normalfilm wiegen ungefähr 4,41 kg,
1.300 m Normalfilm wiegen ungefähr 8,97 kg.

Filmmaterial: Normalfilm wird heute vorwiegend auf Sicherheits-Unterlagen kopiert. Nitrofilme, also leicht entflammbare Filme, werden nach und nach (Anmerkung: dies ist ein Text aus 1955) aus dem Umlauf gezogen.
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Normalfilm - anschauliche Format-Übersicht

Hier ein Blick auf die Größenverhältnisse des projizierten Bildes bei verschiedenen Filmverfahren:

 

Abb. 1: Normalbild-Wiedergabe. - Seitenverhältnis des projizierten Bildes (Breite zu Höhe) = 1,37 : 1

 

 

 

 

Abb. 2: Breitbild-Wiedergabe ohne Entzerrungsvorsatz. - Seitenverhältnis des Bildes =  1,85 : 1

Anmerkung: Das "neue" 16:9 Fernseh- Breitbildformat liegt bei 1,78 : 1

 

 

 

 

 
Abb. 3: Breitbild-Wiedergabe mit Entzerrungsvorsatz (Cinemascope). Seitenverhältnis = 2,35 bis 2,55 : 1.

Das Filmmaterial

Das Filmmaterial hat sich im Laufe der Entwicklung sehr positiv verändert. Aus dem hochexplosiven Nitrofilm ist der Sicherheitsfilm geworden und die Körnung des Materials ist einem nahezu kornfreien Film mit einer fantastischen Auflösung und absolut natürlichen Farben gweichen. Die wissenschaftlichen Filmmaterialien der NASA sowie der 70mm IMAX Kinos sind Beispiele für höchste Perfektion in Physik und Chemie.

Der Normalfilm (Nitrofilm) - ein Text aus 1951

Die AEG Magnetband-Halle auf der Funkausstellung ist 1935 abgebrannt
angeblich sei ein Nitrofilm in diesem Mechau Projektor im Keller der Halle explodiert

Die Filmunterlage von Nitrofilm besteht aus nitrierter, d. h. mit Salpetersäure behandelter Zellulose mit einem gelatinierenden Zusatz, in der Regel "Kampfer". (mit einem Gewichtsverhältnis 70 - 80% Nitrozellulose und 20 - 30% Kampfer).

Die Verbrennungsgeschwindigkeit des Nitro-Films
liegt im Vergleich zu Papier wie 1 : 5, d. h. ein Papierstreifen von derselben Breite und Länge würde fünf mal so viel Zeit zum Verbrennen brauchen wie ein Zelluloidstreifen. ( Umgekehrt: Die Verbrennungsgeschwindigkeit ist fünfmal höher als Papier.)

Die Entzündungstemperatur liegt zwischen 120° C und 180° C und die die Zersetzung beginnt bei 90° C. Die Zersetzungs- produkte beim Brennen unter erschwertem Luftzutritt sind sehr giftig: Blausäure, Kohlenoxyd und nitrose Gase. (also extrem giftig!!!).

Falls ein Nitrofilm entzündet worden ist,
muß man ihn mit offener Flamme unter reichlichem Luftzutritt abbrennen lassen, so daß möglichst keine Zersetzungsgase entstehen können. Falls sich diese Zersetzungsgase zu 35% bis 65% mit Luft mischen, entsteht ein hochexplosives Gasluftgemisch. Durch den großen Spielraum des Mischungsverhältnisses besteht also höchste Explosionsgefahr, deshalb muß das Entstehen dieser Gase unter allen Umständen verhindert werden.

So hatte sich anscheinend auch eine Filmrolle im Keller der Funkausstellung 1935 entzündet und ist dann explodiert und so sind die gesamten hölzernen Messehallen mitsamt der brandneuen AEG Magnetophone alle mit abgebrannt.

Die Filmspule in der (offenen) Metalltrommel

Man läßt Filmspulen, falls sie je einmal in Brand geraten, am besten in der Feuerschutztrommel des Projektors ausbrennen, weil der brennende Film weder mit Wasser noch mit sonstigen Mitteln zu löschen ist.

Es wäre nur dann erfolgversprechend, wenn die brennende Filmrolle bis unterhalb der Entzündungstemperatur abgekühlt werden könnte. Das ist aber in den meisten Fällen nicht möglich. Sofern außerhalb der Feuerschutztrommeln befindliche Filmteile entzündet werden, muß man diese unter reichlichem Luftzutritt ausbrennen lassen.

Der Sicherheitsfilm (Azetatfilm) auch Schmalfilm

Der Sicherheitsfilm, auch Azetat-Film genannt, (er wurde um 1908 bei Agfa entwickelt) besteht aus Azetylzellulose (mit Essigsäure behandelte Zellulose). Er löst den Nitrofilm mehr und mehr ab, weil er weniger feuergefährlich ist. Hauptmerkmale sind: Aufschrift am Filmrand: „Sicherheitsfilm", „Safety" oder „Non flam". Seine Entflammbarkeit ist weit geringer als die des Normalfilms; sie entspricht etwa derjenigen des Zeitungspapiers. Die Entflammungstemperatur liegt bei 400° C. Die Verbrennungsgeschwindigkeit dieses sogenannten „Sicherheitsfilms" ist gering, die Wärmeentwicklung liegt unter derjenigen von Papier. Bei der Verbrennung auftretende Dämpfe (Stickstoffdioxyd, Essigsäure, Kohlenmonoxyd usw.) reizen wohl die Schleimhaut, sind aber infolge ihrer geringen Menge nicht gefährlicher als solche von Papier unter gleichen Bedingungen.

Schmalfilm (Ozaphanfilm)

Der Ozaphanfilm ist kein Silberfilm. Das Bild baut sich hier nicht wie bei den fotografischen Schichten aus in Gelatine eingebettetem Silber, sondern aus einem organischen Farbstoff auf. Der aus Hydrozellulose (Cellophan) bestehende, mit einer lichtempfindlichen Diazo-Verbindung behandelte Film gibt bei Entwicklung mit Ammoniak ein schwarzblau gefärbtes Bild. Die Vorzüge des Ozaphan-Films sind seine geringen Anschaffungskosten sowie absolute Unempfindlichkeit gegen Verschrammen. Bei der Vorführung von Ozaphan-Filmen ist als Aufwickelspule eine sogenannte Friktionsspule zu verwenden, um Beschädigungen des Films zu vermeiden.

Der Ozaphan-Film kommt nicht als Aufnahmematerial in Frage, sondern wird nur als vorführfertiger Spielfilm geliefert.

Schmalfilm (Umkehrfilm)

Zur Ersparnis des Positiv-Kopierfilms und zwecks Erzielung eines besonders feinen Korns wird häufig eine direkte Positiv-Entwicklung des Aufnahmefilms vorgenommen. Vom Original-Umkehrfilm kann durch Kontaktkopie ein Umkehr-Duplikatfilm hergestellt werden, der nach dem eben geschilderten Verfahren von einem Positiv wieder ein Positiv gibt.

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