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Wenn man lange genug sucht, findet man hier und da kleine Broschüren, Zeitungsartikel und sonstige Schriftgüter, die sich mit der Film- und Kino-Geschichte der Stadt Wiesbaden mal mehr und mal weniger akkurat beschäftigen. Einige Programmanzeigen und Texte waren sogar in einem Vorführraum vom Arkaden an die Wand gekleistert und sind dort abfotografiert und fragmentweise gescannt oder abgetippt worden.
Nicht immer ist der Autor auffindbar oder er ist breits vestorben und manche Artikel bedürfen des Kommentars, weil dort Einiges gar nicht oder nur teilweise stimmt.

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Die Geschichte der Filmstadt Wiesbaden (aus 2005)

Unseres Wissens nach von Hans Dieter Schreeb
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Einleitung:

Von Anfang an gehören Wiesbaden und der Film zusammen.

Anmerkung : Nach sorgfältigen Recherchen über die Film- landschaft von oder in ganz Deutschland ist der obige Satz etwas weit hergeholt und als Aussage eher lokalpatriotisch zu bewerten. Da sich aber sogar Kassel und Braunschweig als Filmstädte "fühlen", sei es hier mal so stehen gelassen. Unserer Meinung nach zehrt Wiesbaden eher von der ehemals prunkvollen Kaiserzeit und den vielen wohlhabenden Beamten, die hier wohnten und immer noch wohnen. Auch das ZDF und die Fachhochschule kamem ja erst viel viel später (1965 und 1971).

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Hier wurden zahlreiche Spielfilme gedreht, auch viele Werbe- und Dokumentarfilme. Bedeutende Institutionen der Filmwirtschaft sind in Wiesbaden zu Hause und eine Reihe von Filmproduktionen hatten und haben in der Stadt ihren Sitz. Unsere Serie erzählt die Geschichte der "Filmstadt Wiesbaden".

Das Kino hat viele Väter

Thomas Alva Edison, das Allround-Genie unter den Erfindern, zählt dazu, die Franzosen Louis und Auguste Lumi´Zre, auch die Brüder Max und Emil Skladanowsky aus Berlin. Die Skladanowskys führten am 1. November 1895 im berühmten Berliner Varietétheater "Wintergarten" zum ersten Mal ihre "lebenden Bilder" vor:
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Jahrmarkts-Attraktionen und Straßenszenen auf Zelluloid.
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Anmerkung: Hier verweisen wir auf die "Kleine Filmgeschichte", in der die Historie der Entwicklung des Films und des Kinos detailliert und weitgehend korrekt dargestellt wird.

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1895 - Die offizielle Geburtsstunde des Kinos

Die Filmhistoriker haben sich jedoch darauf geeinigt, den 28. Dezember 1895 als Geburtsstunde des Kinos auszugeben. An diesem Tag hatten elf Kurzfilme der Gebrüder Lumi´ere im "Grand Café" am Boulevard des Capucines in Paris Premiere. Der bekannteste der Filme (jeder etwa eine Minute lang) zeigte "Die Ankunft eines Eisenbahnzuges im Bahnhof La Ciotat" und hieß auch so. Obwohl der Zug nur in flimmerndem Schwarz-Weiß auf die Zuschauer zukam und obwohl das einzige Geräusch, das ihn begleitete, das monotone Klappern des Projektionsapparats war, fühlten sich die Zuschauer von dem Zug körperlich bedroht und reagierten panisch. Hundert Jahre später war genau dieser Film noch ein Highlight des französischen Pavillons auf der Weltausstellung in Hannover!

Finanziell waren die lebenden Bilder nicht sofort ein Erfolg. Am ersten Kinoabend wurden insgesamt 33 magere Francs eingenommen. Die Sache sprach sich aber rum, und binnen weniger Wochen bildeten sich vor dem Grand Café lange Schlangen. Bald darauf wurden die Filme der Gebrüder Lumi´ere rund um den Globus gezeigt.

1896 - Und jetzt nach Wiesbaden

Für eine Weltkurstadt wie Wiesbaden mit hunderttausend aufs Vergnügen versessenen Kur- und Badegästen per anno kam die Erfindung gerade recht. Am 30. Oktober 1896 erschien im Wiesbadener Tagblatt eine Anzeige, die drei Tage "Kinematographie" ankündigte: "Lebende Photographie", erzeugt mit dem "Edison Ideal Apparat". Die Attraktion wurde im Saal der Freimaurer-Loge "Plato" in der Friedrichstraße 27 geboten und zwar zu stattlichen Preisen: 50 Pfennig für Erwachsene, 30 für Schüler; ein "reservierter Platz" kostete sogar eine Mark!

Die Preise konnten offenbar nicht abschrecken. Am 3. Januar 1897 wurde das Wunder aus Licht und Bewegung wiederholt. Da wurde in der Gaststätte "Karlsruher Hof", Friedrichstraße 44, nur wenige Schritte von der Loge entfernt, die nächste Filmvorführung veranstaltet. Am 12. März wurde dann Ecke Marktstraße/ Mauergasse zum ersten Mal in Wiesbaden Kinematographie in einem kinoähnlichen Ambiente geboten.

Arnold Zweig hat in seiner Erzählung "Cinema" einen Kinoabend so beschrieben: "Im Halbschwarzen rund um ihn, in dem links zwei rote Lämpchen glimmerten, atmeten und rührten sich die Vielen, die den schlauchartigen Raum füllten, bewegten sich die Köpfe, scharrten Füße. Ein elektrisch betriebenes Klavier hämmerte etwas Marschartiges. Vorn aber, zuckend und scheinend, mit scharfen Lichtern und tiefen Schatten, schwirrend und doch fest umrissen, zog es vorbei, geschah es. Das grelle Märchen, unreinen Zaubers voll, ergriff die Seelen."

Der tönende Stummfilm

Gegen alle Vermutung war der Stummfilm nie wirklich stumm. Filmmusik - von Klavierspielern, einer Kinoorgel oder einem kleinen Orchester live erzeugt - gehörte von Anfang an zum Vergnügen. Es gab aber auch sehr rasch "Tonbilder", bei denen der Filmprojektor mit speziellen Grammophonen gekoppelt waren: Der allseits geschätzte Opernstar war mithin nicht nur zu sehen, er war bald auch zu hören, wenngleich jeweils nur wenige Minuten lang.

1907 - Das erste Wiesbadener Kino

Bezeichnenderweise war das erste Wiesbadener Kino das "Auxetophon-Tonbild-Theater" in der Dotzheimer Straße. Es eröffnete am 20. Juli 1907, konnte sich allerdings nicht lange halten. Mehr Erfolg hatte das "Biophon-Theater" im Luxushotel Metropol/Monopol an der Wilhelmstraße. Die Eröffnungsvorstellung fand am 1. September 1907 statt - ebenfalls mit "Tonbildern". Mehrere Jahre lang war das "Biophon" dann das wichtigste Kino der Stadt.

Der Erfolg dieses Etablissements machte auch andere Herren Direktoren munter. Im vergleichsweise riesigen (und sehr eleganten) Walhalla-Theater, eigentlich auf Boulevardstücke und Varietévorführungen abonniert, wurden am 16. Oktober des selben Jahres (1907) zum ersten Mal bewegte Bilder auf eine Leinwand geworfen und zwar mit einem "Buderus-Kinematoskopen". Eine Woche danach gab´s im Großen Saal des Kurhauses bewegte Farbbilder der Gebrüder Lumi´Zre zu bestaunen, sozusagen Jahrzehnte vor der Erfindung der Farbfilms.

1908 - Das zweite Wiesbadener Kino

Das zweite ständige Kino in Wiesbaden war das "Kinephon-Theater" in der Taunusstraße. Es öffnete am 18. Januar 1908 seine Pforten. Gezeigt wurden ebenfalls Tonbilder, aber auch Aufsehen erregende Dokumentationen wie die "Besteigung des Montblanc".

Im Mai 1908 wagte sich das "Kinephon-Theater" sogar erstmals ins Freie und veranstaltete eine Vorführung im Kurpark. Dabei wurden unter anderem zwei in Wiesbaden gedrehte Dokumentarfilme namens "Der Einzug des Deutschen Kaisers in Wiesbaden" und "Der Kaiser auf seinem Morgenritt" vorgeführt, Produktionen der "Allgemeinen Kinotheatergesellschaft".

1908 - Die ersten Film-Drehs in Wiesbaden

Über die Filme, die in der Frühzeit der Kinematographie in Wiesbaden gedreht wurden, weiß man nur noch wenig. In einer Liste werden Kurzfilme wie die "Kaiserfesttage in Wiesbaden", entstanden 1900, und der "Blumenkorso in Wiesbaden", 1908 gedreht, aufgeführt, auch kleine Stücke über die Pferderennbahn in Erbenheim und Szenen aus dem "Nizza Deutschlands".

1915-1917 - Oskar Messter in Wiesbaden

1896 - Oskar Messter bewirbt sein Berliner Kinematograph mit einem Film in Farbe

Während des Ersten Weltkriegs drehte der Filmpionier Oskar Meßter in der Stadt, und zwar den Kurzfilm "Bad Wiesbaden während des Krieges". Die Premiere war für das Frühjahr 1917 angekündigt. Niemand weiß, ob sie stattgefunden hat.

Meßter, ein Multitalent wie Edison, verkaufte schon 1896 seinen ersten selbstgebauten Filmprojektor. Im gleichen Jahr betrieb er das erste Berliner Kino und avancierte bald zum Filmproduzenten. Durch die Synchronschaltung von Grammophonen und Projektoren initiierte Meßter ab 1903 eine Welle von Tonfilmvorläufern. Mit Henny Porten schuf er den ersten Star am deutschen Filmhimmel; 1914 brachte er die erste deutsche Wochenschau heraus, und nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er zu den Gründern der Ufa.

Ufa und Wochenschau sollten für die Filmstadt Wiesbaden später große Bedeutung erlangen.

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs

Nach dem Ersten Weltkrieg waren die wirtschaftlichen Verhältnisse miserabel - in Wiesbaden wie im übrigen Reich. Es dauerte Jahre, bis die Zeiten golden wurden. Umso größer das Bedürfnis nach Ablenkung und Unterhaltung. In ganz Deutschland schossen damals "Flohkinos" aus dem Boden, aber auch "Filmpaläste" voller Luxus und Schönheit.

1926 - Der UFA-Palast an der Wilhelmstraße

der Hamburger UFA-Palst

Das Wiesbadener "Ufa im Park", 1926 eröffnet, war ein typisches Prachtkino dieser Zeit. An der Wilhelmstraße, der elegantesten Straße der Stadt gelegen, machte es auf den ersten Blick klar, was Sinn und Zweck sein sollte: Verzauberung. Man war noch nicht an der Kasse, da war man schon in einer anderen Welt. Die großen Kinopaläste und eben auch das Wiesbadener Ufa erinnerten an glanzvolle Theaterbauten. Entsprechend waren die Filmabende oft festliche Veranstaltungen, zu denen man sich regelrecht "fein machte".

Anfangs wurden im "Ufa-Palast" natürlich Stummfilme gezeigt - die großen Ufa-Produktionen dieser Jahre. Plakative Titel wie "Lucrezia Borgia", "Madame Dubarry", "Anna Boleyn", "Das Weib des Pharao" (Regie: Ernst Lubitsch) und "Fridericus Rex" standen auf dem Programm, aber auch Werke, die heute noch als herausragend gelten wie "Der Golem" und Fritz Langs "Der müde Tod" oder "Die Nibelungen".

Nicht nur edle Streifen, auch Mittelmäßiges wurde gezeigt

Natürlich wurde auch Alltagsware geboten, hastig zusammengeschusterte Lustspiele, mittelmäßige Importe oder von deutschen Kleinproduzenten (Edy Dengel) hergestellte Filme um Mädchenhändler und Adelsglück. Die Zensur sah ständig die Moral gefährdet, besonders durch "Aufklärungsfilme".

1929 - Der Tonfilm-Krieg zum Ende der 20er Jahre

Ende der "Zwanziger Jahre" begann der verbissene Kampf um den Tonfilm. Amerikaner und Europäer entwickelten unterschiedliche Systeme. In Deutschland setzte sich die Tobis, die große Konkurrentin der Ufa, mit ihrem Tonsystem durch: Im September 1929 wurde die knapp zweistündige Tobis-Produktion "Das Land ohne Frauen" als erster abendfüllender deutscher Tonfilm bejubelt.

Zur gleichen Zeit (??? es war früher - nämlich 1924 bis 1927 ???) wollte Hollywood den Weltmarkt mit der Warner-Brothers-Schöpfung "The Jazz Singer" und dem "Vitaphone-System" erobern. 1930 steckten Europäer und Amerikaner im "Tonfilmfrieden von Paris" ihre Claims ab.

Filme wie "Die singende Stadt" und "Der Schuss im Tonfilmatelier" nutzten die neuen Möglichkeiten. Gleichzeitig entstanden aber auch Klassiker wie "Der blaue Engel" und "Die Drei von der Tankstelle". Bereits im April 1930 hieß es in den Fachblättern: "Der Tonfilm hat sich inzwischen restlos durchgesetzt."

Das Ufa - das eleganteste Kino der Stadt

Bis 1945 war "das Ufa", wie die Wiesbadener ihr Prachtstück an der Wilhelmstraße kurz und bündig nannten, das eleganteste Kino der Stadt. Nach 1945 wurde es von den Amerikanern zu deren Truppenbetreuung genutzt. 1955 kam es wieder zurück in deutsche Hände und wurde grundlegend umgestaltet. 1999/2000 wurde das Haus ein weiteres Mal renoviert, diesmal für rund 3,5 Millionen Mark. Der aus Wiesbaden stammende Filmregisseur Volker Schlöndorff nannte das Kino nun mit Lokalstolz "ein Juwel unter den deutschen Lichtspielhäusern".

Bereits 1980 begann das "Deutsche Filminstitut", in Wiesbaden zu Hause, im Ufa sein Programm "Archivkino Caligari", anfangs mit einem Filmtag pro Woche. Den Schwerpunkt des Programms bildeten filmische Raritäten. 1990 startete die Stadt Wiesbaden im "Ufa am Park" ihr kommunales Filmprogramm. Nach und nach wurde der Kunstkinobetrieb ausgeweitet und aus dem Haus ein "kommunales Kino".

Ab dem Jahr 2000 - die "Caligari Film-Bühne"

Seit Januar 2000 wird das Kino - nun mit dem Name Unserer Serie "Caligari Film-Bühne" - wieder täglich genutzt und immer für beachtenswerte Filme. Die Technik ist auf dem neuesten Stand. Es ist sogar möglich, Stummfilme "von damals" in Originalgeschwindigkeit zu zeigen. Der Name des Kinos stammt übrigens von einem Meilenstein der Filmkunst, vom Stummfilm "Das Cabinet des Dr. Caligari" aus dem Jahre 1919.

Die anderen Kinos in Wiesbaden

Neben Luxuskinos wie dem "Ufa-Palast" gab es in Wiesbaden aber auch allzeit "Kinos an der Ecke", die spartanischer eingerichtet waren und selbstverständlich weniger Eintritt verlangten.

Ende der Dreißiger Jahre gab´s im "Capitol", am Kureck beheimatet, noch Stehplätze für 50 Pfennig. Begehrt waren die Plätze an der Heizung. - Bezeichnenderweise hat die Familie Ewert, die später alle Wiesbadener Kinos betrieb, 1927 mit einem "Kino für jedermann" angefangen. Es befand sich in der Bleichstraße und hieß wirklich so.

1936 eröffneten die Ewerts in der Moritzstraße das "Apollo", sozusagen ein Mittelklassehaus. Von 1938 bis 1953 gehörte auch das bereits erwähnte "Capitol" zu den Ewert-Filmbetrieben. Eingang und Foyer fielen dem Krieg zum Opfer, aber hinter der provisorischen Fassade befand sich glücklicherweise immer noch der mit Kinoatmosphäre gesättigte Zuschauerraum.

Die Kinos auf dem Gipfel des Erfolges

Die Fünfziger Jahre waren so etwas wie der Zenit der Kinobegeisterung. Beinahe an jeder Ecke gab´s ein Kino; in der Bleichstraße gleich drei Stück. Das eindrucksvollste davon war/ist das Groß-Theater "Arkaden", 1955 nach dreijähriger Bauzeit eingeweiht. Darüber hinaus existierten noch solch stolze Häuser wie das "Walhalla" in der Mauritiusstraße, das "Residenztheater" in der Luisenstraße und der "Filmpalast" in der Schwalbacher Straße.

Das "Residenz" lange vor dem Luisen-Forum

Das "Residenz Theater" war ursprünglich ein sehr renommiertes (privates) Schauspielhaus, wurde 1922 "Kleines Haus" des Staatstheaters und blieb es bis zu seinem Untergang in den Brandnächten von 1945.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus als klassischer Kinopalast wieder aufgebaut und hielt sich, bis das Fernsehen dem Kinoboom generell ein Ende bereitete. Dann wurde es bei mildem Bedauern des Publikums um 1963 geschlossen und komplett abgerissen, der Kaufhauskonzern Hertie nutzte das Gelände für seine Zwecke. Dasselbe kann man vom "Neuen Filmpalast" sagen.

Das Walhalla in der Mauritiusstraße

Das "Walhalla" in der Mauritiusstraße hatte in der Jahrhundertwende von 1900 mit viel Tamtam als "Spezialitätentheater 1. Ranges" begonnen. Hier konnte man in einem "Grand Restaurant" speisen und sich in einem Vielzweck-Theatersaal unterhalten lassen. Bei großen "Bühnenschauen" gab es Gesangsdarbietungen, Konzertmusik, Pantomime, Ballett, Zauberkünstler, Liliputaner, Tierdressuren, Akrobaten und Artisten. Selbst als das "Walhalla" vor allem Kino war, wurden noch solche Attraktionen geboten einschließlich Wassermusik. Es dauerte und dauerte, bis endlich das eigentliche Programm anfing. Beinahe wie heute bei Fußballübertragungen...

Die Wiesbadener Filmkunst-Theater

Das "Bambi", sozusagen im Keller des "Walhalla-Theaters" etabliert, war mit seinen 133 Plätzen Trendsetter: Hier wurden Filme gespielt, mit denen man das ganz große Publikum nicht erreichen konnte, die aber dennoch attraktiv waren. Später folgten das "Atelier" und das "Alpha", beide im "Basement" des Apollos untergebracht.

Den ambitionierten Filmfreund wollten die "Gilde-Filmkunsttheater" bedienen. In Wiesbaden gehörten das "Bambi" dazu, das "Gildetheater" auf der Wilhelmstraße (es hörte auf den Namen "Filmstudio") und später das "Passage"-Programmkino in der Wellritzstraße.
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Es gab auch ein AKI in der Krichgasse

Ein sehr spezielles Programm bot das "Aki" in der Kirchgasse. Hier liefen hintereinander die vier damals existierenden Wochenschauen und Dokumentarfilme vom Typ "Die Schönheiten Kanadas". Ganze Tage konnte man im "Aktualitätenkino" für ein paar Groschen verdämmern. Auch Liebespaare fühlten sich hier wohl.

1913 - Der Wiesbadener "Edwin Georg Dengel"

Kino ist immer Kino: Es muss etwas Aufregendes, nie zuvor Gesehenes passieren, und das möglichst von der ersten Minute an. - Einer, der dieses Wissen sozusagen mit der Muttermilch eingesogen hatte, war der Tausendsassa Edwin Georg Dengel, kurz "Edy" Dengel genannt. Den Wiesbadenern war er nach dem Ersten Weltkrieg als Leinwand-Held lieb und wert.

Sein Vater Georg Dengel hatte mit einem Kohlenhandel Kohle gemacht, das Geschäft aber 1913 an den Nagel gehängt und sich ganz aufs Filmgeschäft geworfen: Er hatte den "Süddeutschen Monopol-Filmverleih" gegründet und sich im Jahr drauf die "Kaiser-Lichtspiele" in der Rheinstraße zugelegt, eins der ersten repräsentativen Kinos in Wiesbaden. Später machte er in Biebrich ein zweites Kino auf, das "Monopol" in der Weihergasse. Es warf ebenfalls schönes Geld ab.

1918 - Dengel und die "AXA-Film Company"

Nach dem Ersten Weltkrieg (damals war er noch nicht nummeriert und hieß einfach Weltkrieg) machte sich der Stammvater Dengel ans Filmeproduzieren. Seine "AXA-Film Company" wurde am letzten Tag des Jahres 1918 ins Wiesbadener Handelsregister eingetragen. Sohn "Edy", bis dahin vor allem Filmvorführer und Transporteur der Filmbüchsen, wurde mit achtzehn Jahren der Kreative der neuen Firma, der ersten Wiesbadener Filmproduktion.

Die Figur, die er kreierte, hieß "Fred Repps" und war ein Detektiv amerikanischer Schule, mit der Pfeife im Mund und vielen "Stunts", wie man heute sagt. Damals waren das noch "Verfolgungsjagden über Stock und Stein". Der erste AXA-Film (der Name der Firma war einer populären Zigarettenmarke nachempfunden) hieß "Das Schloss des Schreckens".

Der Film wurde in Biebrich und rund um Biebrich gedreht und bot dem Publikum Erstaunliches: Unter anderem war ein Sprung des Detektivs auf einen fahrenden Zug zu bewundern, ein Kampf auf der offenen Plattform, ein Sturz aus dem fahrenden Zug und, Krönung des Ganzen, "der Todessprung von einer Brücke ins Wasser".

"Der Mann mit der Todesmaske"

Der zweite Film in der Fred-Repps-Serie (insgesamt entstanden fünf Filme nach gleichem Strickmuster) hieß nicht weniger reißerisch als der Debütfilm "Der Mann mit der Todesmaske" und wurde als "2. Sensationelles Abenteuer des berühmten Detektivs Fred Repps in 5 Akten" angekündigt. Diesmal sprang der todesmutige Detektiv vom brennenden Motorrad auf die fahrende Straßenbahn. Danach kam ein "Kampf auf dem Dache derselben, von demselben ein Sprung auf ein vorbeisausendes Auto". Anschließend: "Nachschleifen an einem in voller Fahrt befindlichen Auto."

Neben dem Hauptdarsteller waren die übrigen Schauspieler den Wiesbadenern vertraut, spielten sie doch großteils im Staatstheater. Natürlich freute sich das heimische Publikum auch, die Drehorte wiederzuerkennen. Alles in allem also das selbe Schema wie in der neuen Hollywood-Großproduktion "Bourne Identität", nur heute eben mit einem Weltstar in der Titelrolle und mit Groß-Berlin als Schauplatz.

Eine eigene Wochenschau von 1921

Die Firma AXA legte sich 1921 sogar eine eigene Wochenschau zu, die Neuigkeiten aus der Heimat brachte - von der Feldsträßer Kerb bis zum "Rhein in Eisfesseln" (1929). Die Firma Dengel, ein angesehenes Unternehmen, das sich auf die Lichttechnik von Fernseh- und Filmproduktionen spezialisiert hat, musste in diesem Frühjahr (2005) Insolvenz anmelden. Von der Filmproduktion im eigentlichen Sinn hatte sie sich schon lange verabschiedet. "Edy" Dengel starb im Oktober 1987 im Alter von 86 Jahren und immer noch unvergessen.

Anmerkung: Im Rahmen einer sehr sehr kühlen Nostalgie-Nacht im Mai 2012 (nach einer tropischen Mittagshitze) wurde einer der uralten Dengel Filme vor vielen Zuschauern und fast allen Mitgliedern der Dengel-Familie auf dem Vorplatz des Dotzheimer Heimatmuseums gezeigt.

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Die Wiesbadener Firma "Convent-Film"

In den 20er Jahren etablierte sich noch die eine oder andere Filmgesellschaft in Wiesbaden. Eine Firma "Convent-Film" in der Geisbergstraße produzierte den Spielfilm "Die Beute", und eine hochtrabend "Defi" genannte Gesellschaft - Abkürzung von "Deutsche Filmindustrie" - kündigte ein Werk namens "Der Spuk auf Schloss Eulenhorst" an. Ob und wo und wann es gespukt hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

1928 - Romantisch-beschwingte Herz- und Schmerz-Filme

Ab und an nutzten Berliner und Münchner Produktionen Wiesbaden und den Rheingau auch als Drehort von romantisch-beschwingten Herz- und Schmerz-Filmen. Daraus entwickelte sich sogar ein eigenes Genre, der "Rheinfilm". Das auffallendste dieser Werke war das Lichtspiel "Liebfrauenmilch", 1928 teilweise in Wiesbaden entstanden und ein Beispiel dafür, wie aller Glanz der Welt verlischt. Star dieses Films war Henny Porten, damals weltberühmt, heute nur noch Cineasten vertraut. Dieser Film - es ging um einen Weinhausbesitzer, seine Gattin, große Versuchungen und große Gefühle - beruhte auf einem Stück von Heinrich Ilgenstein.

Der Theaterdichter stand damals auf der Höhe seines beträchtlichen Ruhms. Große Kritiker hielten ihn für einen deutschen Ibsen, einem Gerhart Hauptmann ebenbürtig. Heute kennt ihn kein Mensch mehr, von seiner Verwandtschaft abgesehen. Was nun "Liebfrauenmilch" anging: "Es entbehrt aller aufgebauschter Gewagtheiten", schrieb ein Kritiker: "Es gibt nicht einmal einen Ehebruch."

1924 - Die "Van-Treek-Film-Compagnie" in Wiesbaden

Und da es beim Film immer wieder windig zugeht, soll auch an die Brüder van Treek erinnert werden. Sie ließen sich 1924 mit einer "Van-Treek-Film-Compagnie" in Wiesbaden nieder, drehten auch eine "Tragödie der Liebe", die unter dem Titel "Der Liebe Leid" Ende 1924 Premiere hatte und als "etwas düster" eingestuft wurde. Im folgenden Jahr sollte "eine Dorftragödie großen Stils" folgen. Sie kam aber nicht mehr, da sich die van Treeks über Nacht und "unter Zurücklassung einer größeren Schuldenlast" aus dem Staub machten. Geschädigte wurden gebeten, sich auf Zimmer 37 des Polizeipräsidiums in der Friedrichstraße zu melden...

Erst 1949 ging es eigentlich richtig los

1949 wurde Wiesbaden Filmstadt mit allem, was dazu gehört: Ateliers, Stars zum Anfassen, beeindruckende Regisseure, rote Teppiche vor Hotel-portalen, staunende Menschenmengen bei den Außenaufnahmen. Leider hielt die Freude nur wenige Jahre - so lange wie der Nachkriegs-Filmboom dauerte. Wenn sich´s irgendwie machen ließe, würde der "Medienstandort Wiesbaden" gern wieder dort hingelangen.

Dank Oberbürgermeister Redlhammer (1946-1951)

Dass die Stadt je "Filmstadt" war, verdankt sie ihrem damaligen, sehr umtriebigen Oberbürgermeister Redlhammer. Er, ein ehemaliger Diplomat mit viel Verhandlungsgeschick, war 1945 vom Magistrat als "Sonderberater" angeheuert worden. Im August 1946 wurde er von den Stadtverordneten zum Oberbürgermeister gewählt. Nicht jeder hätte den Mut gehabt, diese Aufgabe zu übernehmen.

April 1945 - In Wiesbaden war Vieles zerstört

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Wiesbaden zu einem Drittel zerstört.
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  • Anmerkung: Stimmt so nicht, es waren deutlich weniger Zerstörungen als ein aufgebauschtes Drittel.

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Die Leute hatten kaum etwas zu essen und das Geld war nichts wert. Wo noch ein Haus mit heilem Dach stand, wurden Flüchtlinge "eingewiesen", der Rest für die Besatzungsmacht beschlagnahmt. Ganze Stadtviertel waren für die US-Amerikaner geräumt und eingezäunt.

"Wer den Wind säht wird Sturm ernten" - der Lohn

Die Licht-, Gas- und Wasserversorgung funktionierte gerade noch so, nachts war die Stadt vollkommen dunkel. Am Tag ratterte die "Trümmerbahn" durch die Hauptstraßen und schaffte den Schutt weg. Das Rathaus, die Krankenhäuser, die Schulen lagen in Schutt und Asche oder waren schwer beschädigt. Aus dem Kurhaus war ein "Eagle Club" geworden und das Theater war anfangs für die Einheimischen nicht zugänglich. Vor allem aber mussten Arbeitsplätze geschaffen werden - für die Kriegsteilnehmer, die nach und nach zurückkehrten, soweit sie zurückkehren konnten, und für die vielen "einströmenden Ostvertriebenen".

1951 - Dr. Hans Heinrich Redlhammers Fünfjahres-Bilanz

Umso erstaunlicher die Fünfjahres-Bilanz, die Dr. Hans Heinrich Redlhammer 1951 vorlegte. Die kleine Schrift heißt: "Gewollt, geplant, erreicht - Fünf Jahre aus der Geschichte einer deutschen Stadt". Darin zählt Redlhammer auf, was alles wieder funktionierte und wie schön die Stadt bereits wieder geworden sei. Der Hohe Kommissar McCloy, der amerikanische Statthalter in Deutschland, habe laut der Soldatenzeitung "Stars and Stripes" gesagt, Wiesbaden sei "die aufblühendste Stadt Westeuropas". Ihre Geschäfte hielten einem Vergleich mit den Geschäften der Fünften Straße in New York stand.

Die richtigen Kontakte

Wie aus Wiesbaden, der ehemaligen Residenz- und Weltkurstadt eine Filmstadt wurde, beschreibt Redlhammer so: "Eine außergewöhnliche Fülle von Arbeit verlangte die Seßhaftmachung der Filmproduktion. Herrn Lubliner verdanke ich die Herstellung der Verbindung zu dem bekannten Filmschöpfer Kurt Oertel, dem ich nahelegte, seine Produktionsstätte in das Schloß Biebrich zu verlegen, als ich ihn gelegentlich der Verleihung der ersten Filmlizenz in Deutschland durch die amerikanischen Behörden in Frankfurt sah. Meine Anregung, die einen doppelten Zweck verfolgte, nämlich einmal, die Filmproduktion nach Wiesbaden zu ziehen, zum andern, dem schwer beschädigten Schloß eine neue Bestimmung zu geben, fiel auf fruchtbaren Boden."

Das Biebricher Schloß war auch "ruiniert"

Dazu muss man wissen, dass das Biebricher Schloss zu der Zeit nur noch in Teilen stand. In den Ruinen hatte sich fahrendes Volk mitsamt seinen Pferden eingerichtet und Huren gingen dort ihrem Gewerbe nach. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, hier und anderswo in Wiesbaden Filmproduktionen anzusiedeln. Der größte Coup war jedoch, die Berliner Afifa, eine Ufa-Tochter, dazu zu überreden, sich "Unter den Eichen" niederzulassen.

In den Fängen der Ufa

Dass dies gelang, hatte mit vielen Zeitumständen zu tun. Die Afifa - "Aktiengesellschaft für Filmfabrikation" - war 1921 als selbstständige Firma gegründet worden. Wie viele andere kleinere Produktionen geriet sie bald in die Fänge der übermächtigen Ufa, 1925 wurde sie sozusagen deren technische Abteilung, immer mit den modernsten Apparaturen ausgestattet. Als die Russen die "Schlacht um Berlin" schlugen, wurde bei der Afifa - am Tempelhofer Feld beheimatet - immer noch mit Volldampf gearbeitet.

Die russischen Soldaten staunten nicht schlecht, als sie die Ateliertüren aufrissen und dort Kameraleute hinter der Kamera und Schauspieler davor agieren sahen. Und vielleicht noch verrückter - bereits zwei Monate später, im Juni 1945, stellte die Afifa unter russischer Leitung tausend Farbkopien des sowjetischen Märchenfilms "Die Steinerne Blume" her, für heutige Verhältnisse eine schier unglaubliche Anzahl Kopien für einen Film. "Die Steinerne Blume" wurde zwar kein Renner, andererseits waren die Berliner und die Bewohner der "Ostzone" dankbar, dass überhaupt etwas im Kino flimmerte. Und die Afifa-Mitarbeiter waren glücklich, dass sie wieder Arbeit hatten.

Früh stand fest, die UFA soll zerschlagen werden

Die Alliierten waren sich einig, dass die Ufa zerschlagen werden sollte, zu übermächtig war in der Nazizeit der Propaganda-Einfluss der Ufa auf die "Volksgenossen" gewesen. Für Hollywood kam noch hinzu, dass mit der Vernichtung der Ufa ein für allemal ein bedeutender Konkurrent auf dem Weltmarkt ausgeschaltet wurde. Die Entflechtung bzw. zerschlagung der Ufa zog sich jedoch hin, und wer weiß, wie die Sache ausgegangen wäre, hätte sich nicht die Blockade Berlins angekündigt. Die Amerikaner bestanden jedenfalls darauf, dass die Afifa und ihr Kopierwerk nach Westdeutschland verlegt werden sollte; selbstverständlich in die amerikanische Zone.

Schwierige Gespräche

Und jetzt kam wieder Dr. Redlhammer ins Spiel. In seinen knappen Worten hört sich das so an: "Die Verbindung mit Oertel führte zu der Anbahnung von Verhandlungen mit der Afifa. Die Gesellschaft übernahm den Aufbau einer Ateliergruppe Unter den Eichen, wo sie gleichzeitig eine moderne Kopieranstalt aufbaute. Die Gründung erforderte schwierige Verhandlungen mit der amerikanischen Besatzungsmacht, die unter Mitwirkung des Syndikus des Film-Produzenten-Verbandes, Dr. Reichstein, geführt wurden."

Besonders stolz war der Oberbürgermeister über eine wirklich erstaunliche Tatsache: "Der Wurf gelang, ohne dass städtische Mittel eingesetzt werden mussten."

1949 - Das Afifa-Kopierwerk "Unter den Eichen"

Bis Mitte 1949 wurde Unter den Eichen das neue Afifa-Kopierwerk und das erste der vier geplanten Studios fertig, entstanden aus einer leerstehenden Reithalle und mit 800 Quadratmeter Grundfläche groß genug auch für die "Ansprüche verwöhnter Filmarchitekten". Das Gelände gehörte der Stadt und war früher ein Ausflugsziel mit Licht- und Sonnenbad und dem geschätzten Café Ritter. Während des Krieges waren hier Baracken für KZ-Häftlinge errichtet worden. 1949 standen noch einige von ihnen.

Der OB lobt weiter : Neue Arbeitsplätze bei der Afifa

Die neuen Anlagen gingen sofort in Betrieb. Entsprechend wurde Unter den Eichen von Anfang an nicht nur kopiert, sondern auch produziert. Noch einmal Originalton Redlhammer: "Für eine große Anzahl von Arbeitnehmern fand sich eine neue Beschäftigungsmöglichkeit; die verschiedensten Berufsgruppen erhielten zusätzliche Chancen. Nicht zuletzt profitierte davon das Fremdenverkehrsgewerbe."

Und was den Film selbst anging: "Zahlreiche weltbekannte Regisseure, Schauspielerinnen und Schauspieler, die an der Herstellung von Filmen mitgewirkt haben, äußerten übereinstimmend, dass unsere Stadt das echte Filmklima aufweise."

1949 - Der erste Spielfilm "Mordprozeß Dr. Jordan"

Der erste Spielfilm, der je in den Wiesbadener Studios Unter den Eichen gedreht wurde, hieß "Mordprozeß Dr. Jordan", ein Klassiker vom ersten Tag an. Dieser Film erzählt einen rätselhaften Kriminalfall, der sich tatsächlich 1912 in Wiesbaden ereignet hatte und 16 Jahre später eine dramatische Wendung erfuhr. Der Tropenarzt Dr. Jordan hatte angeblich seine Schwiegermutter ermordet. Wiewohl er heftig seine Unschuld beteuerte, war er zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nachdem seine Unschuld erwiesen war, wurde er rehabilitiert, doch sein Leben glich einem Trümmerfeld. Nach seiner Entlassung veröffentlichte Dr. Jordan dann sensationelle Artikel über den Justizirrtum, dessen Opfer er geworden war. Wenn man den Filmbildern trauen darf, erschienen diese aufrüttelnden Artikel im Wiesbadener Tagblatt.

"Gepflegt inszeniert"

Noch heute heißt es über "Mordprozeß Dr. Jordan": "Gepflegt inszenierter und bis zum Schluss spannender, in der Hauptrolle eindringlich gespielter Kriminalfilm".

Hauptdarsteller war Rudolf Fernau, damals und in den Jahrzehnten davor und danach der typische Filmbösewicht. Bis zum Erscheinen von "Mordprozess Dr. Jordan" waren seine beiden bekanntesten Filme "Im Namen des Volkes" (hier gab er einen skrupellosen und dämonischen Mörder) und "Dr. Crippen an Bord". Dieser Dr. Crippen war ebenfalls eine zwielichtige Figur. Ein Mann, der wegen Mordes an seiner Frau gesucht wurde und angeblich verschollen war, der aber immer wieder auf- und untertauchte.

Bei "Dr. Crippen" wie auch bei "Dr. Jordan" führte Erich Engels Regie, leicht zu verwechseln mit dem Brecht-Mitarbeiter Erich Engel. Engels war ein Filmroutinier, der in seiner langen Laufbahn eine Menge Kriminalfilme, aber auch viele sehr erfolgreiche Komödien geschrieben und gedreht hatte.

Der unglückliche Produzent - Heinz Rühmann

Der größte Name bei "Mordprozeß Dr. Jordan" war jedoch der des Produzenten - Heinz Rühmann. Seit "Die Drei von der Tankstelle", 1930 entstanden, war Rühmann der Publikumsliebling Deutschlands und blieb es bis zu seinem Ende. Er besaß Witz und wusste Wirkung zu erzielen. Es war gleichgültig, ob er in Soutane oder im Büroanzug auftrat, in Fliegermontur oder im Arztkittel. Er faszinierte in lustigen und traurigen Rollen, in harmlosen und gewichtigen, im Film und auf der Bühne.
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Anmerkung: Im Nachhinein haben sich solche Glorien als "erwünscht" herausgestellt. (Das ist eine galante Umschreibung von - so stimmte das gar nicht.) Bei späteren Drehs in den Riva Studios in München war Heinz Rühman bei weitem "nicht mehr so gern gesehen" wie er vor der Kamera erschein - wie der ZDF-Mann Günter Bartosch berichtete. Am Abend ließ er seiner Laune sogar soweit freien Lauf, daß ihn der Taxifaher beinahe aus dem Taxi geworfen hatte, so unverschämt soll er sich aufgeführt haben.

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Allerdings gab es 1945 einen Knick in seiner Karriere. Neider diffamierten ihn als Nazi; es tauchten Pamphlete auf, die ihn als Mitläufer und Mittäter darstellten. Dabei spielte vor allem die Scheidung von seiner jüdischen Frau eine große Rolle. Genau genommen bewies Rühmann gerade dabei Zivilcourage und Haltung, aber die Umstände waren schwer zu erklären. Wie auch immer, seine Filme wurden von den Alliierten erst einmal verboten und er selbst erhielt jahrelang kein Engagement für die Leinwand.
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1947 - Partner Alf Teichs war ein Fehlgriff - Die "Comedia"

Das brachte ihn dazu, 1947 zusammen mit Alf Teichs, einem ehemaligen Produktionsleiter der Terra, die Filmfirma "Comedia" zu gründen. In seinen Erinnerungen schönt Rühmann den Sachverhalt ein wenig. Da nennt er als Hauptantrieb fürs Filmproduzieren die Aussicht aufs Geldverdienen. Da will er zu Herta Feiler, seiner zweiten Frau, gesagt haben: "Früher ist viel Geld mit mir verdient worden, das kann ich jetzt selber machen." Seine liebe Frau warnte ihn: "Lass die Finger davon, du verstehst nichts von geschäftlichen Dingen!"

Doch hatte Rühmann entweder ein gesundes Selbstvertrauen oder er meinte, sein Partner Teichs werde schon wissen, wie es gehe. Letzten Endes ging es schlecht. Die "Comedia" (Signet: ein Januskopf und an drei Orten in Handelsregister eingetragen, in Wiesbaden, in München und in Berlin) ging 1952 in Konkurs; Rühmann haftete mit seinem Privat-Vermögen.

Rühmanns Erinnerungen (vermutlich späte 1980er Jahre)

In seinen Erinnerungen "Das war´s" sagt er: "Wir haben die falschen Filme zur falschen Zeit gedreht. Satirische Geschichten über Zustände im Nachkriegsdeutschland wollte niemand sehen. Von unserem Firmenzeichen - einer lachenden und einer weinenden Maske - blieb schließlich nur noch die letztere übrig. Nach dem Konkurs zahlte ich bis 1959 die Hälfte meiner sämtlichen Bezüge an die Gläubiger."

1949, als in Wiesbaden gedreht wurde, war Rühmann allerdings noch guten Mutes. Da hatte er bereits "Der Herr vom anderen Stern" (Rühmann trat da selbst als "Herr vom anderen Stern" auf) und die bedeutende "Berliner Ballade" (Regie: Robert A. Stemmle, Darsteller: Gert Fröbe, Aribert Wäscher, Tatjana Sais) hinter sich, auch "Die Kupferne Hochzeit" (Darsteller: Hertha Feiler, Peter Passetti, Erich Ponto) und "Das Geheimnis der roten Katze". In der "Roten Katze" spielte Rühmann einen stellungslosem Schauspieler, zusammen mit Gustav Knuth und Angelika Hauff.

1949 - Uraufführung im Walhalla und im Thalia

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  • Anmerkung: Das Walhalla und das "alte !!" Thalia - das waren 1949 die beiden größten verfügbaren Kinos in Wiesbaden. Das UFA war immer noch beschlagnahmt.

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Der "Mordprozess Dr. Jordan" wurde am 28. Oktober 1949 sowohl im Thalia - wie im Walhalla-Theater - festlich uraufgeführt. Oberbürgermeister Redlhammer trat mit seiner typischen Fliege und seinem etwas aus der Mode gekommenen typischen Schnurrbärtchen vors Publikum und begrüßte mit begreiflichem Stolz die Koryphäen im Publikum, die Großen des Wiesbadener öffentlichen Lebens, der Kunst und der Wissenschaft.

"Heute", sagte er, "erlebt ein Film seine Welturaufführung, der von einer Wiesbadener Filmgesellschaft in einem Wiesbadener Atelier mit einem großen Teil Wiesbadener Künstler hergestellt wurde, wobei die Stadt selbst und einige Wiesbadener Häuser die Szenerie abgegeben haben. So ist dieser Film ein echtes Kind unserer Stadt und dazu berufen, für Wiesbaden, seinen zähen Aufbauwillen und sein Kulturstreben zu werben. Glück auf die Erstgeburt der Wiesbadener Filmproduktion!"

Zahlreiche "Klamotten" - gemeint sind abgetakelte Streifen

Der zweite Film, der Unter den Eichen entstand, war die Klamotte "Wer bist Du, den ich liebe?" Eine junge Frau verliebte sich in den Schuldner ihres verstorbenen Vaters und alles wurde gut. Schöpfer dieses Werks war Geza von Bolvary, damals schon ein Altmeister der anspruchslosen Unterhaltung. Wenn man die Titel der Filme durchsieht, die er danach drehte, wird einem klar, warum das deutsche Kino im Abgrund landen musste. Da folgten der "Hochzeitsnacht im Paradies" (auch eine Wiesbadener Produktion) das Lustspiel "Schwarze Augen" und diesem "Meine Frau macht Dummheiten". Dann kam "Mein Leopodl", danach "Ja, ja, die Liebe in Tirol" und die "Schwarzwaldmelodie", ihr folgte das "Donkosaken-Lied". So ging´s weiter und weiter bis zum bitteren Ende.

1950 - Erste große Krise

Für die Wiesbadener Filmateliers kam schon 1950 die erste große Krise. 1.800 Quadratmeter Atelierfläche blieben über Monate hinweg ungenutzt. Aus Geldmangel kam kein weiteres Filmprojekt zustande. Es wurde über eine Filmbürgschaft des Bundes geredet, aber auch die ließ auf sich warten. Schließlich fasste sich die Stadt ein Herz und bürgte für zwei Filme: Die Stadtverordneten bewilligten gegen die Stimmen von FDP und KPD dem Filmwerk "Wenn eine Frau liebt" eine Bürgschaft von 100.000 Mark und der Rühmann´schen "Comedia"-Produktion für ein Lichtspiel namens "Camorra" 175.000 Mark.

"Camorra" kam in zwei Fassungen - einer deutschen und einer italienischen - und unter verschiedenen Titeln ins Kino. Der offizielle deutsche Verleihtitel ist "Schatten über Neapel". Kein Meter dieses Films wurde in Wiesbaden gedreht. In den entsprechenden Unterlagen wurde die "Comedia" stets als Münchner Filmfirma geführt und die eigentliche Attraktion des Films war eine rassige Italienerin namens Maria Montez.

Das mit der Bürgschaft ging gerade mal gut aus

Die Dreharbeiten zur Komödie "Wenn eine Frau liebt" begannen im April 1950 in den Studios Unter den Eichen. In dem Film ging es um ein Malerehepaar mit Geldsorgen. Sie endeten, als die Frau des Malers die Bilder ihres Mannes als ihre eigenen ausgab. Regie führte Wolfgang Liebeneiner, die männliche Hauptrolle hatte Johannes Heesters. Weder im Schaffen von Heesters noch in dem von Liebeneiner hinterließ das luftig-heitere Stücklein Folgen. Das Allererfreulichste an der Sache war wohl, dass die Stadt Wiesbaden bei ihrem gewagten Engagement kein Geld verlor. Bei der aufkommenden Italien-Begeisterung der Deutschen spielte selbst der Streifen "Camorra" sein Geld ein.

Der Boom der 1950er Jahre

Die Fünfziger Jahre, wie haben sie sich in der Erinnerung vergoldet. Von morgens bis abends ging´s aufwärts, die Nation hatte sich, wer weiß woher, die Unschuld geborgt, lebte in ewiger Morgensonne.

Die deutschen Filme hießen "Zwei Herzen voller Seligkeit" oder "Küss mich noch einmal" und waren angeblich alle heiter und beschwingt. Oder, wenn sie grüblerisch waren, grübelten sie auf eine Weise, daß es niemanden weh tat.

1951-55 - Anstelle von Kaisern kamen nun Filmstars

Früher hatte man Kaiser und Könige in Wiesbaden gesehen, nun kamen Filmstars. Man wusste nicht, was beeindruckender war. Curd Jürgens oder Paul Hörbinger oder Ivan Desny, konnten sie nicht mühelos mit jedem Großfürsten von ehedem mithalten? Selbstverständlich sahen die Meisten niemanden von den Berühmtheiten, die Unter den Eichen "drehten"; sie lasen von ihnen in der Zeitung. "Kurier" und "Tagblatt" berichteten gern in kennerhafter Manier, welch eindrucksvolle Bühnenbilder die Filmarchitekten in die Ateliers Unter den Eichen gestellt hatten, und man konnte sich das Geschehen in den Kulissen gut vorstellen. Wenn sich Eva Bartok oder Zsa Zsa Gabor im oder vor dem Kurhaus blicken ließen, schlugen die Herzen natürlich noch höher.

Und erst bei Sonja Ziemann, einem kommenden Weltstar, wie man glaubte. Sonja Ziemann hatte als Revuetänzerin angefangen, ihr Ruhm kam 1950 mit dem Quasi-Operettenfilm "Schwarzwaldmädel", dem ersten Farbfilm nach dem Krieg. Die Ziemann spielte hier ein adrettes Mädel aus dem Schwarzwald, dessen Anmut einen Maler aus der Stadt bezauberte. Rudolf Prack war dieser Maler, der schon viel Schlimmes gesehen hatte und nun endlich das wahre Glück fand.

Das "Schwarzwaldmädel" begründet den "Heimatfilm"

"Schwarzwaldmädel" wurde ein ungeheurer Erfolg. Deswegen folgte im nächsten Jahr "Grün ist die Heide", nach demselben Muster gestrickt und ebenfalls mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack in den Hauptrollen und wieder mit überragendem Kassenerfolg. Die beiden Filme etablierten eine neue Gattung Film: den "Heimatfilm". Er wurde geradezu idealtypisch für die Epoche. Alle drängenden bundesdeutschen Probleme - Integration von Flüchtlingen und Kriegsheimkehrern, vater- oder mutterlose Kinder, scheiternde Ehen, wachsendes Anspruchsdenken - wurden hier harmonisch dargestellt und in heiler Landschaft gelöst.

Sonja Ziemann spielt die "Knackige Griechin"

Auch in Wiesbaden drehte Sonja Ziemann: 1951 zum ersten Mal und zwar in "Die Frauen des Herrn S.", einer "Filmsatire". Die Geschichte spielte im alten Griechenland und nahm vorgeblich die Um- und Zustände der jungen Bundesrepublik Deutschland aufs Korn. Die Ziemann hatte die weibliche Hauptrolle, die "Euritrite", eine knackige Griechin im kurzen Kostüm, Paul Hörbiger spielte den grummelnden Sokrates. Loni Heuser ("Xantippe"), Oskar Sima, Fita Benkhoff, Rudolf Platte, Hubert von Meyerinck (später "Zack-Zack"), Werner Finck, Ralf Wolter, der alte Willi Rose und der junge Walter Giller spielten auch mit. Wenn diese Kanonen das Publikum nicht zum Lachen brachten, wer dann? Die Musik stammte von Lotar Olias und der erfolgreichste Schlager des Films war: "Du bist der Traum meiner schlaflosen Nächte". Für 4,50 Euro kann man ihn heute noch kaufen.

Über den Dauer-Star Sonja Ziemann

1954 spielte Sonja Ziemann wieder in Wiesbaden, diesmal in der Komödie "Die sieben Kleider der Katrin". Selbstverständlich war sie die Katrin. Ihre Partner waren Paul Klinger, Georg Thomalla, Wolf Albach-Retty und Gunnar Möller. Dieser spielte einen "Verkehrsflieger", Pilot würde man heute sagen. Die weiblichen Rollen hatten die Damen Doris Kirchner, Grethe Weiser und Käte Haack, ebenfalls eine "Bombenbesetzung", um weiter im Filmjargon zu reden.

"Die sieben Kleider", um die es ging, markierten sieben Stationen im Leben eines jungen Mädchens der Nachkriegszeit. Zum 18. Geburtstag gibt´s ein Dirndl und darin lernt sie Hans kennen und verliebt sich unsterblich. Doch Hans will das junge Mädchen nicht an sich binden. Tief enttäuscht wird sie das Dirndl nie mehr tragen. Es folgt ein Abendkleid, das ihr Franzi, ihre beste Freundin, borgt. Doch auch darin hat sie Pech. Ein weiteres trauriges Ereignis verändert dann ihr Leben einschneidend: Im Trauerkleid nimmt sie Abschied von ihrer Tante und ihrem bisherigen Zuhause. Jetzt muss sie sich selbst durchs Leben schlagen.

Ein gütiger Doktor Schörg vermittelt ihr eine Stelle als Krankenschwester und zeigt ihr auch sonst seine tiefe Zuneigung. Doch bevor Katrin im Brautkleid vor den Altar treten kann, muss sie sich noch einige Mal umziehen. Der Film wurde von der Filmbewertungsstelle im Biebricher Schloss als "jugendgeeignet" eingestuft, feiertagsfrei war er allerdings nicht.

1955 drehte Sonja Ziemann Unter den Eichen "Ich war ein hässliches Mädchen" mit Dieter Bosche und Karlheinz Böhm, Regie hatte der Altmeister Wolfgang Liebeneiner. 1956 folgte die Romanze "Dany, bitte schreiben Sie", jetzt wieder mit ihrem Traumpartner Rudolf Prack. Hier fällt die Ziemann, jung und hübsch, wie sie ist, beinahe einem Heiratsschwindler zum Opfer. Deshalb will sie von der Liebe erst mal nichts mehr wissen. Als sie versucht, ihr Brautkleid umzutauschen, wird sie, für alle Beteiligten sehr überraschend, als Sekretärin in dem Modegeschäft angestellt, aus dem das Kleid stammt. Der attraktive, charmante Chef war lange tabu, doch Dany dachte ja im Moment sowieso nicht an Liebe ...

Sonja Ziemann, mit einem Strumpffabrikanten verheiratet, lebte fest in Wiesbaden. Entsprechend nahm man aufgeregt an ihrem Ehe- und Liebesleben Anteil. Die Ehe mit dem Fabrikanten scheiterte und bei Dreharbeiten für den zeitkritischen Film "Der achte Wochentag" lernte Frau Ziemann 1958 Marek Hlasko kennen und lieben, einen ungeheuer begabten jungen polnischen Schriftsteller, den "James Dean der Warschauer Hinterhöfe".

Auf seiner Internet-Seite wirbt das Hotel "Bären" immer noch mit der Tatsache, dass Sonja Ziemann 1951 Gast des Hauses war und sich mit den Worten "Dem `guten Bären´ herzlichen Dank für die vielen Wochen und Monate seiner reizenden Gastfreundschaft" ins Prominentenbuch eingeschrieben hat. Da haben sich auch René Deltgen, O.W. Fischer, Gerd Fröbe und Uschi Glas verewigt, des Weiteren Walter Giller, Georg Thomalla, Otto Gebühr, Marika Rökk, Hans Albers, Rudolf Platte, Grete Weiser, Vico Torriani, die schon erwähnte Zsa Zsa Gabor und selbst eine Lolita. Andere Filmgrößen stiegen in anderen Wiesbadener Hotels ab. Die Filmlegende Harry Piel zum Beispiel oder Lilo Pulver, die Freude aus der Schweiz, die blutjunge Romy Schneider und Goetz George (beide begannen in Wiesbaden ihre Filmkarriere) und die Hollywood-Regisseure Anatol Litvak und Alfred Hitchcock.

Sie alle waren in Wiesbaden, weil es die Studios "Unter den Eichen" gab, ganz wie es Oberbürgermeister Redlhammer vorausgesehen hatte: "Nicht zuletzt profitiert von der Ansiedlung des Films das Fremdenverkehrsgewerbe."

Schicksalsschläge

1961 heiratete sie Hlasko, der in den Westen ging, immer mehr trank und immer weniger schrieb. 1969 nahm sich Marek Hlasko im Alter von 35 Jahren das Leben. Möglicherweise starb er auch ungewollt an den Folgen einer Überdosis Schlafmittel und zwar in Wiesbaden.

Für Sonja Ziemann, die das Publikum lange nur als naiv, unkompliziert und voller guter Laune gekannt hatte, hielt das Leben weitere Schicksalsschläge parat. Ihr einziger Sohn Pierre starb 1970 mit sechzehn Jahren an Rückenmarkkrebs, ihr Lebensgefährte Martinius Adolff kam 1974 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Aus den Briefen, die sie ihrem Sohn nach seinem Tode schrieb, entstand das Buch "Ein Morgen gibt es immer". 1989 heiratete Sonja Ziemann den Schauspieler und Regisseur Charles Regnier, Star von mehr als 100 Kino- und TV-Filmen. Er starb vor einigen Jahren in Frankfurt.

Wiesbaden - eine durchaus bemerkenswerte Filmstadt

Nicht alles, was Wiesbadener Filmfirmen produzierten, wurde Unter den Eichen gedreht, und nicht alles, was nach 1949 in den Studios Unter den Eichen gedreht wurde, war von einer Wiesbadener Produktion in Auftrag gegeben worden. Wenn man aber alles großzügig arrangiert, dann ist Wiesbaden seit Kriegsende eine durchaus bemerkenswerte Filmstadt und dies bis heute.

Anmerkung : Im Jahre 2005 ist auch das wieder eine sehr lokalpatriotische Wertung oder Aussage. Denn vom eigentlichen Film (-Flair und Ruhm) ist nicht viel übrig geblieben.

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1947 - Die "Nova Filmproduktion"in der Bahnhofstraße 25

1947 - da wurde noch in Reichsmark gerechnet und mit "Kompensationsware" bezahlt (Wein gegen Kohlen, Kohlen gegen Beton, Beton gegen Schuhe usw.) - gründeten der große Theatermann Karlheinz Stroux und sein Partner Georg Fiebiger, ein Filmpraktiker, die "Nova Filmproduktion". Firmensitz war Bahnhofstraße 25.

Hintergründe : Bewegtes Leben

Stroux war da noch keine Vierzig, hatte aber schon ein Theater-Leben hinter sich und den eigentlichen Ruhm noch vor sich. Er war ein Schüler Piscators, dem das Theater Verpflichtung, Dienst und Glaube war. In diesem Sinne hatte der junge Stroux dann selbst am Burgtheater in Wien und am Preußischen Staatstheater inszeniert. Ende 46 hatte Stroux Berlin verlassen und war in Wiesbaden Intendant des Staatstheater geworden. Hier gab´s Unstimmigkeiten, Stroux, "ein Rheinländer flämischen Blutes, den man nach seinem Aussehen einen blonden und blauäugigen Bruder Jean-Paul Sartres nennen könnte", wie ihn eine Zeitung damals charakterisierte, kündigte seinen Vertrag und warf sich auf den Film, von dem er nur sehr wenig Ahnung hatte: Vor dem Krieg hatte er gerade mal einen Kriminalfilm inszeniert.

Ein Theaterman versucht sich am Kino-Film

Aber nun musste es unbedingt Kino sein. In einem Interview verstieg sich Stroux zu der Aussage: "Ich hasse das bürgerliche Theater. Ein Theater des Zeitvertreibs, der Unterhaltung, der Zerstreuung ist mir ein Greuel. Ich fühle mich nur jenem Schauspiel verpflichtet, das einer großen Gemeinschaft dienen will, das die Gesellschaft reinigt, das unerbittlich ist, wahr, unerschrocken und frei. Aber wo ist ein solches Theater heute möglich? Wo ist die Gemeinschaft, der es dienen könnte? Wo ist der Dichter, der aus seiner Beschwörung des Wirklichen eine Gemeinschaft Erschütterter, Suchender, hoffend Gläubiger um sich zu sammeln vermag und allein schon damit Zukunft bildet, dass er eine Gemeinschaft bildet?"

Die Gemeinschaft der hoffend Gläubigen vermutete Stroux zu der Zeit offenbar beim Kintopp. Als erstes Werk stellte seine "Nova" die Parabel "Der große Mandarin" her: "Eine fantastische, gleichnishafte Geschichte aus dem alten China, in deren Mittelpunkt eine Schwarzschlachtung steht." Der Film schöpft Hoffnung für die Lösung von Zeitproblemen aus der Weisheit eines fernöstlichen Humanismus. Für Paul Wegener, der als Experte für asiatische Kultur diesen Film anregte, war es die letzte Rolle. Über Paul Wegener wäre nun noch viel zu sagen, und nicht unbedingt nur Rühmendes. Belassen wir es dabei, dass Wegener bald nach Beendigung dieses Films starb.

1952 - Unerfolgreich beendet

Stroux drehte mit seiner "Nova" noch einen weiteren Film, nämlich seinen Beitrag zum Goethe-Jahr 1949: "Begegnung mit Werther", basierend auf Goethes Erstling "Leiden des jungen Werther". Das "Lexikon des Internationalen Films" bemerkt dazu nur lakonisch: "Einer der raren Abstecher des Theaterregisseurs Stroux ins Medium Film."

Tatsächlich ging Stroux nach seinem Wiesbadener Gastspiel bei der Kinematographie nach Düsseldorf, wurde da der Nachfolger von Gründgens als Intendant des Schauspielhauses und erwarb sich bedeutende Verdienste um das deutsche Nachkriegstheater. Film hat er nie wieder gemacht, die Nova-Film wurde 1952 aufgelöst.

Der deutsche "Kulturfilm" - über Curt Oertel

Ein Mann, der für die Filmstadt Wiesbaden wichtiger war und blieb, ist Curt Oertel, ein renommierter Dokumentar- und Kulturfilmregisseur. Curt Oertel, 1890 geboren und am 1. Januar 1960 in Wiesbaden gestorben, hatte 1925 bei dem Klassiker "Die freudlose Gasse" die Kamera geführt. In den Dreißiger Jahren hatte er eine ganz eigene Filmgattung entwickelt: den deutschen "Kulturfilm".

Nach "Die steinernen Wunder von Naumburg" und "Die Naumburger Passion" hatte er "Michelangelo" geschaffen. In diesem Film hatte Oertel Leben und Werk des "Titanen" Michelangelo anhand von dessen Skulpturen und Bauten, Malereien und Zeichnungen zu einem historischen Szenarium genial verknüpft.

Dieses Meisterwerk wurde aber wegen seiner eigenwilligen formalen Qualität im Dritten Reich nicht sehr geschätzt. Womöglich wäre es vernichtet worden, hätte man nicht auf den Verbündeten Mussolini Rücksicht genommen. Die gebührende deutsche und internationale Anerkennung erhielt der Film erst 1950, als ihm unter dem englischen Verleihtitel "The Titan: The Story of Michelangelo" in Hollywood der Oscar verliehen wurde. "Michelangelo" existiert heute in einer Neufassung des bekannten Dokumentarfilmers Robert Flaherty, der den Film im amerikanischen Filmarchiv in Paris aufstöberte und aus dem Material einen um ein Drittel kürzeres Dokudrama mit neuen Texten schnitt, das in den USA Triumphe feierte, begeisterte Pressestimmen und den Oscar als bester Dokumentarfilm erhielt und dann auch in Europa ähnlich enthusiastische Reaktionen hervorrief.

Zwei Oscars für einen Film und dies mit fünfzig Jahren Abstand gibt´s wohl nur einmal !
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1946 - Es kommt leben ins Biebricher Schloß

Für Wiesbaden war Curt Oertel so wichtig, weil er sich 1946 überreden ließ, mit seiner Produktionsfirma ins Biebricher Schloss einzuziehen und dort ab 1946 Wesentliches für den Aufbau der nationalen Filmorganisationen wie der "Filmselbstkontrolle" und der "Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft" zu leisten.

Auch bei der Gründung des "Deutschen Filminstituts", das ja wie "FSK" und "SPIO" immer noch seinen Sitz in Wiesbaden hat, hat Oertel tatkräftig mitgewirkt. Geist und Organisation der "Filmselbstkontrolle" wurden wesentlich von ihm geprägt, exakter gesagt von Oertel und von Erich Pommer.

Pommer, eine Ufa-Legende (er hatte einst "Metropolis" produziert und Marlene Dietrich entdeckt) musste nach 1933 emigrieren. Im Ausland, in England, Frankreich und den USA produzierte er zwar Einiges, aber nach einem Herzinfarkt wurde sein Vertrag nicht verlängert. Krank und in wirtschaftlicher Not musste er mit seiner Frau in einer Porzellanfabrik arbeiten. 1944 wurde er in die USA eingebürgert und nach dem Krieg kam er als oberster Film-Offizier der amerikanischen Besatzungsmacht nach Deutschland zurück.

1952 - Wiesbaden - die "Geistige Heimstatt"

Oertel und Pommer machten nun gemeinsam Wiesbaden zu "einer geistigen Heimstatt des deutschen und einen Schnittpunkt des internationalen Films." 1952 schuf Curt Oertels "Film-Studiengesellschaft mbH" (im Grunde immer eine Ein-Mann-Firma) ihre letzte hervorragende Produktion: einen Luther-Film, der 1952 bei der Jahrestagung des Lutherischen Weltbunds in Hannover Premiere hatte. Die Dreharbeiten hatten im Herbst 1951 an den Stätten von Luthers Wirken in beiden Teilen Deutschlands begonnen. Auch die DDR-eigene DEFA unterstützte das Filmvorhaben, ein für die Zeit völlig ungewöhnlicher Vorgang. Oertel perfektionierte in "Der gehorsame Rebell" sein ästhetische Konzept: Er ließ die Bilder wirken und sparte mit Kommentaren.

Oertels Film war nicht der erste und nicht der letzte Luther-Film. Seit Stummfilmtagen hat sich das Kino mit dem Reformator ("Hier stehe ich und kann nicht anders") beschäftigt. Bereits 1953 fiel in der Nähe von Wiesbaden die erste Klappe für den nächsten Luther-Film, diesmal inszeniert von einem Hollywood-Routinier, der sich mit Horrorfilmen und B-Western einen Namen gemacht hatte.

Nach drei weiteren Luther-Dramen hatte in den letzten Jahren ein neuer Spielfilm namens "Luther" viel Erfolg, 2003 von der "Neuen Filmproduktion" hergestellt, einer Wiesbadener (und Berliner) Firma. Der Firmengründer Franz Thies hatte die Firma 1956 in Frankfurt ins Leben gerufen und war bald danach mit ihr nach Wiesbaden umgezogen. Mit ihren "Mainzelmännchen" hat sich die "NFP" in das Herz jedes Deutschen eingegraben. Zu den Arbeiten der Firma gehören auch äußerst populäre Fernseh-Serien wie "Die drei Damen vom Grill" und "Bülowbogen". "Luther" war nun das erste internationale Leinwandprojekt der NFP, mit Starbesetzung und in der Produktion von Alexander Thies, einem der Söhne des Firmengründers.

Das Filmstudio Unter den Eichen - kein deutsches Hollywood

Natürlich sah sich das Filmstudio Unter den Eichen gern als "Traumfabrik", wäre gern ein deutsches Hollywood geworden. Die Wirklichkeit war prosaischer. Neben (relativ wenigen) Kinofilmen sind Unter den Eichen über die Jahre hinweg vor allem Dokumentar-, Informations- und Werbefilme gedreht, geschnitten, vertont, kopiert und verschickt worden.

1951 - "Blick in die Welt"

Seit dem 1. Januar 1951 und bis zu ihrem Ende entstand hier auch die Wochenschau "Blick in die Welt". Sie war ein wichtiger Auftraggeber für das Kopierwerk auf dem Gelände. In der Erinnerung wirkt es, als hätte die erste wie die letzte Ausgabe ausgesehen.

Immer wurde das Neueste und "Aktuellste ??" aus allen Teilen der Welt versprochen, und letztlich sah man nur rund zehn Minuten lang irgendwelche Katastrophen ("Der schwere Vulkanausbruch in Sizilien"), Naturwunder, ein paar Schnipsel politische Ereignisse: der Bundespräsident beim Staatsbesuch in der Schweiz oder bei der Neujahrsansprache und ähnliches.

Beliebt war der Geißbock

Daran gemessen waren "Chinesische Flüchtlinge in Indochina" oder Überfälle der Nord-Vietnamesen auf Franzosen und/oder Amerikaner sensationell. Jeder Beitrag war ungefähr zwei Minuten lang. Zum Abschluss gab´s wie ein Betthupferl irgendetwas Skurriles oder Erbauliches, auch ein bisschen Sport. Die Kurz-Reportagen von Fußballspielen um die Deutsche Meisterschaft waren stets unterschnitten von ungläubigen, jubelnden oder desinteressierten Zuschauern, die nicht wussten, dass sie gefilmt worden waren. Besonders gern wurde der Geißbock am Spielfeldrand des 1. FC Köln gezeigt.

1986 - Schluss mit "Blick in die Welt"

Im August 1986 war unwiderruflich Schluss mit "Blick in die Welt". Zum Abschied zeigte man in Nr. 37 / 86 eine Momentaufnahme aus "Tadschikistan, der höchsten Sowjetrepublik", berichtete über Käse und Teppiche aus Jugoslawien, machte sich Gedanken über die Entstehung der Zierfischhaltung und zeigte ein Kindertanzturnier. Zu der Zeit war "Blick in die Welt" längst aus den meisten Kinos verschwunden und die übrigen Wochenschauen auch.

Die Wochenschau gehörte seit 1895 dazu - ein Rückblick

Im Grunde gehörten Aktuelles und Spielfilme sozusagen vom ersten Tag an zusammen. Kaum hatten die Gebrüder Skladanowsky 1895 im Berliner Varietetheater "Wintergarten" ihre ersten bewegten Bilder gezeigt, da wurde auch schon die filmische "Wochenschau" feste Attraktion im "Wintergarten"-Programm.

Die "Deutsche Expreß-Filmgesellschaft" versuchte sich gar mit einer Art Tagesschau: "Der Tag im Film - Erste deutsche tägliche kinematographische Berichterstattung". Natürlich ging der Express-Gesellschaft bald die Puste aus. Aber man hatte es wenigstens versucht.

Ganz wichtig : der jeweilige Zeitgeist

Die frühen Wochenschauen entsprachen ganz dem Geist der Zeit. Sie verherrlichten Militär und Kaiserreich. Eine neue Qualität erreichte die Wochenschau mit der Erfindung des Tonfilms. Ab jetzt verbanden sich Bild und Text plus untermalender Musik zu einem untrennbaren, je nachdem sogar aufwühlendem Ganzen. Die erste Wochenschau "mit Ton" brachte die Ufa am 10. September 1930 in die Kinos.

Zu Beginn des Dritten Reiches existierten insgesamt vier verschiedene Wochenschauen:

  • Die "Deulig-Tonwoche",
  • die "Bavaria-Wochenschau",
  • die "Ufa-Tonwoche" und
  • die "Fox tönende Wochenschau",


hergestellt von der deutschen Tochter des amerikanischen Filmkonzerns Fox.

Die einzelnen Wochenschauen produzierten zunächst unabhängig voneinander weiter und erstellten auch jeweils eigenes Filmmaterial. Neben Berichten über Auftritte von NS-Größen, Reden und Parteiveranstaltungen enthielten die Wochenschauen noch viele, nicht zentral gesteuerte Berichte über Kurioses und Bemerkenswertes aus aller Welt. 1939 wurde der fanatische Nazi Fritz Hippler zum Chefaufseher aller Wochenschauen ernannt. Damit wurden diese endgültig zum Propagandainstrument des Regimes; 1940 wurden schließlich die verschiedenen Wochenschauen zu einer einzigen verschmolzen: "Die Deutsche Wochenschau" war jetzt einheitlich im ganzen Reich und in allen Kinos zu sehen.

1945/46 - Kino und Neuerziehung

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in allen vier Besatzungszonen eigene Wochenschauen.

  • In der sowjetischen die Defa-Wochenschau "Der Augenzeuge",
  • in der amerikanischen die "Welt im Bild",
  • in der englischen Zone die "Neue Deutsche Wochenschau".
  • Die Franzosen brachten in Baden-Baden für ihre Untertanen "Blick in die Welt" heraus.


Der französische Unterstaatssekretär für das Informationswesen sagte klipp und klar: "Wir wissen ganz genau, welche wichtige Rolle das Kino bei der Neuerziehung des Volkes zu spielen hat, und aus diesem Grunde haben wir Wert darauf gelegt, in Deutschland die Mittel zu schaffen, die uns in die Lage versetzen werden, in Zukunft einen tief wirkenden Einfluss auf die Deutschen auszuüben."

Dennoch am "deutschen Nerv" gescheitert

Wenn überhaupt jemand für seine Aufgabe qualifiziert war, dann der französische Filmoffizier Marcel Colin-Reval. Er war vorher Filmjournalist gewesen, Chefredakteur der führenden französischen Fachzeitschrift "Cinématographie Fran´caise" sowie Leiter mehrerer Filmtheater; außerdem kannte er sich mit der Praxis der französischen und deutschen Filmproduktion aus - und scheiterte dennoch. Irgendwie trafen die Franzosen nicht den deutschen Nerv. Schließlich verkauften sie alles, was sie nach 1945 in Deutschland an Filmschulen und Filmbetrieben aufgebaut hatten, an private deutsche Investoren. So kam es, dass "Blick in die Welt" nach Wiesbaden übersiedelte.

Unter der Leitung von Walter Rode und Heinz Salomon arbeiteten zahlreiche Kameraleute und ein großer technischer Stab an Berichten über Neuigkeiten aus aller Welt. Ein Filmfachblatt berichtete damals: "Allwöchentlich schicken sie das mit der Kamera friedfertig ,Geschossene´ gen Wiesbaden. Stattliche Meterzahlen! Im Monat etwa zehn Kilometer belichtetes Filmband mit 40 bis 50 Sujets, von der hochpolitischen Aufnahme bis zum idyllischen Filmfeuilleton reichend.

Rund eine halbe Million Meter im Jahr! Und die siebentägige Praxis? Jeden Donnerstag dreistündige Redaktionskonferenz für die nächste Woche ... Sonnabend / Sonntag treffen die ersten Reportagen ein, auf ihrer Reise nach Wiesbaden von Station zu Station sorgfältig überwacht. Hinein in die Entwicklung! Ab Montagmittag beginnt der Schnitt, gleichzeitig Belieferung des Auslands mit aktuellem deutschen Material. Dienstag 24 Uhr Redaktionsschluss." Mit einem Wort, Tempo, Tempo, der Leser wartet.

Reine Idylle

Aus heutiger Sicht war selbst noch die Wochenschau reine Idylle und typisch für die entpolitisierte Adenauer-Ära. Konrad Adenauer jun., ein Enkel des großen Kanzlers, berichtete kürzlich über seine Erfahrungen mit der Wochenschau von ehedem. Als Junge schlich er sich ins "Aki", dem Aktualitätenkino am Kölner Hauptbahnhof, und warum? Um den Großvater zu sehen! "Wir sahen ihn ja nur so vier, fünf Mal im Jahr leibhaftig. Und wenn man ihn dann sah, da sagte man schon mal: Der Opa soll aber nicht so viel arbeiten, er sieht ja ganz schlecht aus auf der Leinwand! Die Wochenschau war unsere Hauptnachrichtenquelle, das erste Fernsehgerät kam uns ja erst in den Sechzigern ins Haus."

So oder so, gegen die "Glotze", wie man damals in gebildeten Kreisen vom Fernsehen sprach, kam der Film auf die Dauer nicht an. Zumindest nicht der deutsche und schon gar nicht die Wochenschau.

Die besten Köpfe des deutschen Films - vertrieben oder ermordet

Mit der Vertreibung respektive der Ermordung der Juden hat Deutschland einen Teil seiner Kultur verloren, der deutsche Film seine besten Köpfe und damit seinen früheren Weltrang. Er hat seine Bedeutung auch nie zurückgewinnen können.

Mit viel Steuergeld und mit mindestens ebenso viel gutem Willen ist seit 1945 die Renaissance des Films versucht worden, manchmal mit rührenden Mitteln, manchmal energisch und gut durchdacht. Mehr als die eine oder andere anerkennende Nennung bei der Oscar-Nacht in Hollywood, der Olympiade der Filmschaffenden, ist dabei nie herausgekommen.

Der in Wiesbaden geborene Regisseur Volker Schlöndorff erhielt 1980 für seine "Blechtrommel" den "Oscar", Caroline Link im Jahr 2003 für "Nirgendwo in Afrika", beide in der Kategorie "bester Auslandsfilm".

Nur wenige Preise - gerade mal 2 Auszeichnungen

Über Curt Oertel und seinen Michelangelo-Film (Oscar 1950 und 2003) ist schon berichtet worden. Ansonsten wurden seit 1945 gerade zwei aus Deutschland stammende Filmkomponisten ausgezeichnet, nämlich Franz Wachsmann und Hans Zimmer, außerdem Kasseler Studenten für einen Trickfilm und verschiedene deutsche Filmtechniker.

Eigentlich müssten Köpfe rollen

Bei den großen Film-Festivals wie Cannes oder Venedig sah es nicht anders aus. Mit gleicher Ausbeute bei den jeweiligen Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gäbe es beim Sport Aufruhr, würden "Köpfe rollen".

Dabei kann man die Misere nicht mal der öffentlichen Hand anlasten. Bund, Land Hessen und Stadt Wiesbaden tun eigentlich mehr, als man verlangen kann - und das von Anfang an. Kaum ein Land der Erde fördert zum Beispiel seinen filmischen Regienachwuchs so hingebungsvoll wie Deutschland. Es gibt Filmschulen, Förderprogramme, Plätze im Programmschema des Fernsehens für Debütfilme. Gegenwärtig reißen sich die Produktionsfirmen sogar um Nachwuchsprojekte; bei der dünnen Auftragslage muss jeder sehen, wo er bleibt. Man kann aber niemanden zwingen, ein zweiter Lubitsch zu werden. Auch ein Erich Pommer lässt sich nicht klonen.

Mithin wird gelehrt und studiert, und irgendwann ist der Debütfilm und die zweite oder dritte viel versprechende "Fingerübung" abgedreht, und plötzlich geht es nicht mehr weiter. Einige beißen sich dennoch durch, gleichgültig ob mit oder ohne Talent, der Rest bleibt auf der Strecke.

Es gab und gibt vielerlei Bemühungen

Wie auch immer, die Stadt Wiesbaden und die hier ansässigen Institutionen der Filmwirtschaft haben stets getan, was sie nur konnten, der Filmkultur auf die Beine zu helfen. Man kann die vielen gut gemeinten und teils auch wirklich guten Aktivitäten kaum aufzählen. Früher hat sich ein "Filmclub" darum bemüht, dass schon den jungen Leuten die Augen für die Schönheiten und Feinheiten des Films geöffnet wurden. Im Biebricher Schloss kann man seit zwanzig Jahren (genau genommen seit 1984) internationale Spitzenfilme ausschließlich in der unverfälschten Originalversion, teilweise mit Untertiteln, erleben.

"Filme im Schloss"

In der Reihe "Filme im Schloss" im Vorführsaal des Schlosses gibt es viele Wiesbadener und Rhein-Main-Premieren sowie deutsche Erst- und Uraufführungen ausländischer Filme, darunter Filme, die nicht in das reguläre Kinoprogramm gelangen. Zu den bisher veranstalteten und zum Teil noch nicht abgeschlossenen Reihen gehören Werkschauen über Alan Rudolph (ein amerikanischer Kultfilmer), Barry Levinson (Regisseur, Autor, Produzent, Schauspieler) und Michael Powell (ein Regisseur, der wie kaum ein anderer das britische Kino der dreißiger, vierziger und fünfziger Jahre verkörpert). Genau so gründlich werden die Stars Michelle Pfeiffer, Steve Martin und Clint Eastwood betrachtet. Auch kann man sich im Schloss "Verkannte Filme", "Neue Hollywoodstars" und "Regisseurinnen" ansehen - und sollte es auch.

Die "Trickfilm-Wochenenden"

Eine besondere Spezialität sind die Trickfilmprogramme, die im Biebricher Schloss geboten werden und die nach Ansicht der Kritiker und Spezialisten zu den attraktivsten ihrer Art in Deutschland gehören. Seit Jahren werden "Trickfilm-Wochenenden" veranstaltet, bei denen Preisträger von internationalen Festivals ihre Arbeiten vorführen oder sich wenigstens als "Star-Gäste" zeigen. "Filme im Schloss" wird in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Wiesbaden und der Filmbewertungsstelle veranstaltet.

1999/2000 - Herausragend : das "Caligari"

Seit einigen Jahren bietet auch die "Caligari FilmBühne" (hinter der Marktkirche) als kommunales Kino ein eindrucksvolles Programm. Als Neuestes hat sich die Leitung des Hauses eine Reihe "Filmstadt Wiesbaden" ausgedacht, bei der sich Wiesbadener Filmproduktionen in lockerer Folge präsentieren werden und beweisen, wie viel Filmleben im Verborgenen blüht. Dazu gibt es verschiedene Festivals. Das Filmfest "goEast", ein Festival für den mittel- und osteuropäischen Film, hat sich in wenigen Jahren etabliert und wird bundesweit wahrgenommen.

Für den Nachwuchs

Im "Caligari" werden aber nicht nur Cineasten bedient, auch an den Nachwuchs wird gedacht. Das Kommunale Kino bietet eine Menge "KinderKino", etwa "Felix, ein Hase auf Weltreise" oder "Mary Poppins".

Die Wiesbadener Ewert-Filmtheater

Ähnlich vorsorgend verhalten sich die Ewert-Filmtheater, die vereinten kommerziellen Wiesbadener Kinos. Da gibt es regelmäßige Schulvorstellungen "mit überwältigender Resonanz", wie die Ewert-Betriebe sagen. Für 2,50 Euro pro Schüler (zuzüglich eventuellem Überlängenzuschlag) finden dienstags und/oder mittwochs jeweils um 10 Uhr in den Ewert-Theatern Schulvorstellungen statt, alle begleitenden Lehrer haben freien Eintritt. Wird zu den aufgeführten Filmen detailliertes Material zur Unterrichtsvorbereitung benötigt, stellen die Ewerts dies, soweit vorhanden, kostenfrei zur Verfügung. Im Rahmen des Schulkinos laufen sogar Filme in der englischen oder der französischen Original-Fassung.

Das DIF - das Deutsche Filminstitut

Das Deutsche Filminstitut mit Sitz in Wiesbaden (und auch in Frankfurt) - abgekürzt DIF - macht sich ebenfalls um die Filmkultur verdient. Das DIF, die älteste filmwissenschaftliche Institution Deutschlands, sammelt seit 1949 Informationen und Materialien zu allen im Kino laufenden Filmen. Die DIF-Sammlungen vereinen heute umfangreiche Bestände an Filmen, Fotos und Plakaten sowie eine einzigartige Kollektion von Textmaterialien zum Thema Film und Kino. Hier werden natürlich in erster Linie Kenner einschließlich Film-Wissenschaftler und Film-Journalisten angesprochen.

Medienwirtschaft

Wer erst noch Wissenschaftler werden will, kann sich in der Wiesbadener Fachhochschule im Fachbereich Medienwirtschaft einschreiben. Die zuständigen Professoren sagen: "Mit seiner einzigartigen Kombination von Fächer- und Fachschwerpunktkombination aus Betriebswirtschaftslehre, Technik und Gestaltung bietet der Fachbereich 09 eine praxisorientierte Ausbildung zum Diplom-Medienwirt (FH) an."

Voraussichtlich ab Studienbeginn zum Wintersemester 2005/06 wird der bisherige Diplomstudiengang Medienwirtschaft durch einen Bachelor-Studiengang "Media Management" ersetzt. Dieser Studiengang soll dann in ein "konsekutives Bachelor-/Master-Konzept" integriert werden. Als postgradualer Studiengang soll voraussichtlich zum Studienbeginn 2006/07 ein "Master of Media Management" hinzukommen.

Kann man mehr verlangen?

Rückblick ins Jahr 1949 - Das Filmstudio "Unter den Eichen"

Das Filmstudio "Unter den Eichen" stand allzeit auf schwankendem Boden. Mehr als einmal in den Jahrzehnten seit 1949 konnte man nur hoffen und beten.

Wie immer im Leben hätte es natürlich auch ganz anders kommen können. Da hätte der Komplex - Hallen, Kopierwerk, ein umfangreiches Freigelände - eine so solide Grundlage gewinnen können wie sie die "Bavaria" in München oder "Studio Hamburg" in der Hansestadt haben. Doch es kam, wie es kam. Für die Mitarbeiter waren die Zeiten selten golden, und für die Afifa, der in den ersten Jahren Hallen und Technik auf dem Gelände gehörte, lag die Zukunft lange im Nebel.

Die "Lex Ufa" vom 7. September 1949

Einerseits war klar: Die Afifa war Teil des ehemals reichseigenen Ufa-Vermögens und die Siegermächte wollten dieses Vermögen "entflechten". Das Gesetz Nr. 24 der britischen und amerikanischen Militärregierung vom 7. September 1949 - die so genannte "Lex Ufa" - war eindeutig: Das Reichsfilmvermögen sollte bis zu seiner Versteigerung von Treuhändern verwaltet werden; die Verwendung der Bezeichnung Ufa wurde untersagt. Aber just an dem Tag, an dem das Gesetz in Kraft treten sollte, konstituierte sich die Bundesrepublik Deutschland. Bedeutete: die Deutschen hatten wieder was zu sagen - und ließen das Gesetz ruhen.

Verzögert und veschleppt

Erst im Juni 1953 konnte sich der Deutsche Bundestag dazu durchringen, ein Ufa-Entflechtungsgesetz zu verabschieden. Bei der Gelegenheit wurden verschiedene rigorose Regelungen der ersten Fassung aufgehoben. Misstrauische witterten, dass die Regierung Adenauer darauf aus sei, einen neuen zeitgemäßen Ufa-Filmkonzern zu etablieren. Jedenfalls zog sich die offiziell gewünschte Auflösung der Ufa hin - weitere sechs Jahre.

Wer kauft den Komplex "Unter den Eichen"

Dr. Heinrich Jonen, Chef und Eigentümer der Wiesbadener "Meteor"- Filmgesellschaft, ein ganz alter Filmhase, gab gleich 1953 ein Gebot für den Komplex "Unter den Eichen" ab. Er stellte sich vor, das Studio mit Hilfe des Landes Hessen zu kaufen. Im Gegenzug wollte er die Vollbeschäftigung des Betriebs garantieren. Wiewohl zu der Zeit für die Kinobesitzer gerade der "Gepäckmarsch von der Kinokasse zum Bankschalter" begonnen hatte - einfacher gesagt: obwohl zu der Zeit für die Kinobesitzer das Geschäft boomte, hatte das Unternehmen Unter den Eichen bereits die ersten Krisen hinter sich. Manchmal standen die Hallen monatelang leer und mussten mit Gelegenheitsarbeiten irgendwie über Wasser gehalten werden. Das lag unter anderem daran, dass in ganz Deutschland Studiobetriebe aus dem Boden gestampft worden waren. Dr. Jonen kam jedenfalls nicht zum Zug.

Karl Schulz von der "Taunus-Film"

In der Zwischenzeit hatte sich auch Karl Schulz gemeldet, Besitzer der Produktionsfirmen "Taunus-Film" und "Bühne und Film", ebenfalls ein Filmmensch von der ganz alten Schule. In seinem langen Leben war er Schauspieler, Regisseur, Herstellungs- und Produktionsleiter gewesen, und noch 1985 trat er als Darsteller in dem Filmwerk "Nessie, das verrückteste Monster der Welt" auf. Seine Karriere hatte schon in den Zwanziger Jahren begonnen, zu Beginn der Dreißiger war er bereits dicke im Geschäft. Allein im Krisenjahr 1931 hatte er drei Spielfilme produziert: "Zwei himmelblaue Augen", "Ich bleibe bei dir" und "Hilfe! Überfall!" Bei dem letzteren ging es um einen "Schränker", einen Kommissar, der diesen jagt und sich dabei in die Falsche verliebt, und einen "Flugzeugartisten"... Wie Kintopp eben war!

Karl Schulz unterbreitete den Liquidatoren des Ufa-Vermögens ein Angebot, die Anlagen Unter den Eichen für eine halbe Million DM zu kaufen. Das Grundstück selbst gehörte damals noch der Stadt Wiesbaden. Die Vermögensverwalter forderten das Vierfache des Gebotenen. Nach und nach ging Schulz mit seinem Angebot hoch, aber die Liquidatoren wollten nicht anbeißen, selbst nicht, als Schulz schon bei achtzig Prozent der geforderten Summe war. Man konnte leicht auf den Gedanken kommen, Studio Wiesbaden solle ausgetrocknet werden. In der Branche war es gängige Meinung, dass Überkapazitäten abgebaut werden sollten.

Karl Schulz konnte besser pokern

Um einen Hebel in die Hand zu bekommen, handelte Schulz der Stadt Wiesbaden das Gelände ab; die Stadt überließ ihm Grund und Boden für 317.815 Mark. Damit war nun ein Patt erreicht. Ohne Schulz konnten die Vermögensverwalter nicht verkaufen, ohne die Verträge der Afifa war das Gelände nichts wert.

Die Angelegenheit zog sich weiter hin - nochmals drei volle Jahre. 1959 wurde Schulz für etwas über 800.000 Mark dann tatsächlich Eigentümer des vorherigen Afifa-Schatzes. Aber erneut hatten sich die Verhältnisse umgekehrt, die Filmlandschaft war zur Wüste geworden.

Die Filmproduktion wurde zur TV-Produktion umfunktioniert

Das Fernsehen ("Pantoffelkino genannt") drängte den Film mehr und mehr an die Wand. So war es folgerichtig, dass sich der Hessische Rundfunk bzw. dessen Tochter "Werbung im Rundfunk" zu fünfzig Prozent an der "Taunusfilm" beteiligte. Der Hessische Rundfunk produzierte nun Shows und kleine Serien auf dem bisherigen Filmgelände.

1964 -
Ein einmaliger Glückstreffer- das ZDF kommt (vorübergehend)

1964 kam wirklich Leben in die Bude, da zog das ZDF Unter den Eichen ein. Zwanzig Jahre lang unterhielt das "Zweite" hier seine Sendezentrale. Als das ZDF seine Chefredaktion und die entsprechende Technik auf den Mainzer Lerchenberg verlegte, begann wieder das große Stöhnen. Eine Weile sah es so aus, als würde sich der neue Privatsender RTL hier niederlassen. Die Hessischen Mediengesetze waren aber nicht so, RTL ging nach Köln und blieb dort auch.

Unter den Eichen war nun ein filmfernseh-technisches Dienstleistungszentrum
, HR, SAT 1, RTL und unabhängige Filmproduktionen wie die Odeon-Film saßen hier. Renommierte Filmfirmen wie die Ifage und TV 2000 und andere waren auf dem Gelände zu Hause. Ende 1984 übernahm dann die "hr werbung" die restlichen Anteile an der "Taunusfilm", die sie sich später mit anderen teilte.

Damit schien sich alles zum Besten gewendet zu haben: Die Wochenschau "Blick in die Welt" hatte zwar das Handtuch geworfen, doch das Kopierwerk war weiterhin gut ausgelastet. Es hatte Renommee und hatte sich eine Nische erobert, in der man bestehen konnte. Man hatte sich darauf verlegt, ältere und historische Filme, die auf Nitromaterial gedreht worden waren und sich langsam auflösten, umzukopieren und so für die Nachwelt zu retten.

Wenn sich eine Monokultur rächt . . . .

Die Zukunft schien geradezu rosig. Man baute und modernisierte auf dem Gelände, Zukunft allerorten, da schlug das Schicksal erneut zu. Die "TaunusFilm" (man beachte die modernisierte Schreibung des Firmennamens) verlor ihren Großkunden RTL. Seit vielen Jahren hatte sie zusammen mit zwei Frankfurter Unternehmen das RTL-Regionalfenster "Guten Abend Hessen" im Auftrag hergestellt. Nun kündigten die Kölner den Auftrag. Bemühungen um einen Folgeauftrag blieben ohne Erfolg. SAT 1 sprang aus anderen Gründen ab. Die TaunusFilm-Produktions GmbH verlor Millionen.

Die HR-Tochter geht auch in die Insolvenz

Zu allem Unglück stellte sich heraus, dass Unregelmäßigkeiten vorgekommen waren; möglicher- weise hatte man sich auch nur verrechnet. Der Hessische Rundfunk sah sich jedenfalls nicht in der Lage, die zahlungsunfähig gewordene Tochter zu retten. Am 18. Februar 2003 wurde beim Amtsgericht Wiesbaden Insolvenzantrag gestellt. Seitdem ist die TaunusFilm GmbH nur noch ein moderner "Mediendienstleister mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen TV, Film und Postproduktion" und ein Hausvermieter. Auf dem sieben Hektar großen parkähnlichen Gelände kann man "klassische Mietflächen und hochmoderne Räumlichkeiten" haben.

Das Kopierwerk arbeitet tapfer weiter. Und immerhin sind noch siebzig zukunftsorientierte Firmen und Unternehmungen mit rund 500 Mitarbeitern auf dem Gelände tätig. Dazu gehören das Deutsche Rundfunk-Archiv, die Zentrale Fortbildungsstätte von ARD und ZDF und der Fachbereich Medien der Fachhochschule Wiesbaden. - So weit der Stand aus demJahr 2005.
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"Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen ..."

Und was hat die Filmgöttin Zarah Leander einmal in einer ganz harten Zeit gesungen? "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen ..."

Soweit einzelne Artikel von Hans Dieter Schreeb aus 2005
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