Das Buch der "Filmspiegel" aus Wien "aus dem Jahr 1941 !!"
Österreich war 1941 bereits an das grossdeutsche Reich von Hitlers Gnaden angeschlossen, aber als kleines Anhängsel. Und der Wiener Autor Rudolf Oertel faßt die bis dato bekannte Historie des Kino-Films aus Wiener Sicht zusammen. Bis etwa Seite 120 (von 310) kommen zwangsläufig NAZI-Kultur-Gedanken moderat zum Vorschein, dann aber wird es überraschenderweise sehr befremdlich nationalsozialistsch judenfeindlich, genau wie überall im 3.Reich auch. Die einführende Seite finden Sie hier.
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DIE LATERNA MAGICA
Die Vereinigung der Spiegelschrift und der "Camera obscura" führten zur nächsten entscheidenden Erfindung, der Laterna magica, die Athanasius Kircher 1646 zum erstenmal beschreibt.
Athanasius Kircher, 1602 zu Geisa im Eisenachschen geboren, trat 1618 in den Jesuitenorden ein, hielt sich dann, vor den Wirren des Dreißigjährigen Krieges flüchtend, studierend und lehrend in Koblenz, Aschaffenburg und Mainz auf, wurde Professor in Würzburg, flüchtete nach Avignon, um endlich nach Rom berufen zu werden, wo er bis zu seinem Tode 1680 blieb. Ihm gebührt der Ruhm, eine der wichtigsten Voraussetzungen der Kinematographie geschaffen zu haben: die Projektion.
Auch Kircher sind Prioritätsstreitigkeiten nicht erspart geblieben. So soll der französische Jesuit P. Millet de Chasles sie fast gleichzeitig erfunden haben, und besonders der Däne Thomas Walgenstein, der mit ihr in Europa herumzog und großes Aufsehen erregte, schien Kircher den Ruhm streitig zu machen. Wir wissen aber heute, daß sein Apparat bei aller Verbesserung dennoch von Kircher ausgeht.
Die Laterna magica verbindet die Camera obscura mit der Eigenschaft der konvexen Linsen, von einem um etwas mehr als die Brennweite entfernten Gegenstand jenseits ein vergrößertes Bild zu entwerfen, welches auf einem Schirm aufgefangen werden kann.
Eigentlich sind wir jetzt erst wieder an der Stelle, an der 1700 Jahre vorher schon Heron von Alexandrien war.
Die Projektion von lesbaren Schriften
Interessant war die Anwendung, die Kircher von seinem Apparat machte. Er warf Schriften auf 500 Fuß Entfernung an eine Wand, und zwar so deutlich, daß die Umstehenden sie lesen konnten; für die damalige Zeit eine erstaunliche Leistung.
Ein andermal ließ er lebende Fliegen, die er mit Honig anklebte, in mächtiger Größe auf der Zimmerwand erscheinen. Dann wieder malte er in bunten Farben eine Figur auf den Spiegel, oder er befestigte einen Hampelmann darauf und ließ das projizierte Bild zum Schrecken der Zuschauer Bewegungen ausführen. Kein Wunder, wenn Kircher wiederholt in den Ruf eines Schwarzkünstlers kam.
Kircher war sich des eigentlichen Wertes seiner Entdeckung, durch Einführung der Objektivlinse die erste eigentliche Projektionsanordnung geschaffen zu haben, nicht bewußt, er war gleich Agrippa von Nettesheim vom Gedanken an die Fernschreibekunst besessen. Er nennt sein Verfahren „Cryptologia" und „Stenographia" und hofft, mit größeren Apparaten 12.000 Fuß weit „schreiben" zu können.
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Der Kommentar von P. Liesegang
Wir haben hier den merkwürdigen Fall, sagt P. Liesegang, daß das Problem der, sagen wir Telegraphie, eine grundlegende Erfindung auslöste, auf welcher sich die optische Projektionskunst, ein der Telegraphie ganz fremdes Gebiet, aufbaute. Wir werden später ähnliche Fälle bei Faraday und Edison erkennen können. Erst andere nach Kircher, so vor allem Walgenstein, sind den Weg weitergegangen, der für uns wichtig ist.
Besonderen Spaß scheint es Kircher gemacht zu haben, nächtlicherweile mit seiner Kerzenlichtvorrichtung von seiner Stube aus Lichtbilder gegen ein Papierfenster des gegenüberliegenden Hauses zu werfen (in Rom hatte man nämlich damals Papierfenster), so daß die im Zimmer befindlichen Freunde sie verwundert erblickten. Diese Projektion im Düstern hielt er auch für sehr nützlich zur Bekehrung gottloser Menschen, indem man ihnen damit den Teufel zeige.
Im Dictionnaire des Abbe Furetiere von 1727 heißt es: „Die Laterna magica ist ein kleiner optischer Apparat, welcher in der Dunkelheit auf einer weißen Wand die verschiedensten schrecklichen Ungeheuer erscheinen läßt, so daß derjenige, der das Geheimnis nicht kennt, glaubt, daß dies durch Zauberei geschehe".
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Es gab natürlich viele Nachahmer
Kirchers Erfindung wurde allenthalben nachgeahmt. So berichtet Caspar Schott in seiner Magia Optica:
- „Auch bedienen sich dessen viel hin und wieder nach deß Kirchers Lehrgebot wunderliche Dinge vorzustellen / mit der Anschauer größtem Behagen und Verwunderung: unter denen zu Löwen der vortreffliche Sinnkünstler oder Mathematicus V. Andreas Tacquet unserer Genoßschaft Mitglied / deß V. Martins Martini ganze Reise aus China ins Niederland vorgestellt / wie er mir solches selbsten zu Rom erzehlet / und ich selbsten hab zu Rom viel dergleichen Dings durch diesen Kunstfund zuwerck gerichtet."
Wir hören hier also, daß Tacquet um 1654 in Löwen mit Hilfe des Kircherschen Verfahrens eine regelrechte Projektionsvorführung veranstaltete. Die erste Vorstellung dieser Art, der erste Lichtbildvortrag, von dem wir Kenntnis besitzen, wie Liesegang feststellt.
Die „Projektions-Uhr"
Bald fand man eine andere kuriose Verwendung in der „Projektionsuhr", einer echt barocken Idee: in der Laterne befindet sich eine drehbare, auf Glas gemalte Zifferscheibe, die von einer im Fuße des Apparates untergebrachten Uhr angetrieben wird, so daß auf der Wand der mit der Zeit sich drehende Zifferkranz erscheint.
Ein dort hängendes Schwert dient als Zeiger. Also eine Uhr, bei der sich nicht der Zeiger, sondern das Zifferblatt dreht und bei der man die Zeit auf der Wand abliest. Johann Zahn empfiehlt in seinem optischen Lehrbuch (1685) diese Laternauhr an Stelle der üblichen Nachtlampe zu benutzen,
„damit man beim Wachwerden sogleich auf der Wand die Zeit ablesen könne (eine Vorahnung unserer Leuchtzifferwecker). Wenn dabei das Öl der Lampe gar zu übel rieche, solle man ein Loch in die Wand machen und den Apparat neben anstellen."
Ein späterer Schriftsteller berichtet tatsächlich, daß „diese schöne Invention bei großen Herren gar nicht rar war". Und ein anderer malt uns aus, eine wie wundervolle Sache es sei, wenn man, so ein Freund nach der Zeit frage, die Fensterläden schließe und die Laterne anzünde, um dem erstaunten Gast auf der Wand die Zeit zu weisen.
Liesegang berichtet weiter .......
Liesegang berichtet auch von einem Leipziger Kaffeehausbesitzer namens Schröpfer (nomen est omen), der sich um 1770 auf den Kircherschen Vorschlag besann, Teufel und Gespenster zu projizieren, um damit auf die unwissenden Menschen Eindruck zu machen.
Dieser abenteuerliche Mensch schwatzte den Leuten vor, er könne die Geister ihrer verstorbenen Angehörigen heraufbeschwören. Er führte seine Opfer, die er in raffinierter Weise durch langes Fasten und den Genuß berauschender Getränke gefügig gemacht hatte, in ein ganz schwarz gehaltenes Zimmer, worin ein Altar mit einem Totenkopf und ein Licht standen.
Der Magus macht im Sand auf dem Boden einen Kreis, den beileibe niemand überschreiten darf - damit nämlich der Schwindel nicht bemerkt werde. Nun geht die Beschwörung und Räucherung los. Auf einmal verlöscht das Licht und unter furchtbarem Gepolter erscheint der vorgeladene Geist über dem Altar, ständig hin und her wallend.
Natürlich ist er nichts anderes als ein Laterna-magica- Bild, das von rückwärts gegen den aufsteigenden Rauch geworfen wird. Der Magus haut mit dem Degen gegen den Geist los, um ihn zum Reden zu zwingen. Dieser stimmt ein jämmerliches Geheul an, das macht der Gehilfe nebenan, indem er durch ein bis zum Altar laufendes Rohr schreit, und beantwortet dann die Frage mit einer fürchterlichen rauhen Stimme.
Endlich verschwindet der Geist wieder unter schrecklichem Gepolter, wobei die Anwesenden zum Abschied einen Denkzettel erhalten, indem sie an allen Gliedern heftig erschüttert wurden, was wieder der Gehilfe nebenan durch Antreiben einer Elektrisiermaschine besorgte, von der aus ein Draht unsichtbar über dem Boden lief. Natürlich war das Eintrittsgeld zu solchen Sitzungen nicht gering, der Zulauf aber groß.
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Ein Blick nach Frankreich
Auch in Frankreich war die Laterna magica sehr verbreitet und beliebt. Zur Zeit Louis Philipps durchzogen die kleinen Savoyardenknaben, die die Not von ihren Bergen auf die Wanderschaft in die großen Städte trieb, die Straßen von Paris, schwerbeladen und den Rücken gebeugt von der Last ihrer Guckkasten und sangen mit ihrer dünnen Stimme den naiven Vers:
„Venez voir amis pour un sous La lanterne magi - i - i - que Vous - y - verrez un peu de tout De ce monde comique ....."
Ein karger Verdienst für die armen Savoyarden, die noch nichts von den Riesensummen ahnten, die ihre Nachfahren, die amerikanischen Kinomillionäre, später scheffeln sollten.
Die Hausierer, die Jahrmärkte und das Wanderkino
Nicht nur auf dem Rücken der Menschen, sondern auf Mauleseln gepackt oder auf zweirädrige Karren gestellt, durchzog die Laterna magica mit den Hausierern das Land und tauchte bei den Jahrmärkten auf, so wie später einmal das Wanderkino.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde dann die Laterna magica sozusagen seßhaft (wie das Kino), und der Physiker Charles (Jaques Alexandre Cesar) veranstaltete zu Paris in seinem Cabinet du physique du Louvre Vorführungen, die sich eines großen Zulaufes erfreuten und in denen er lebende Köpfe auf die Wand projizierte.
Den Höhepunkt dieser ganzen Entwicklung aber stellen die Phantasmagorien des Belgiers Etienne Gaspard Robert, genannt Robertson, dar. Geboren 1763 zu Lüttich, gestorben 1837 zu Paris, wurde er der unerreichte Meister in der Kunst, Gespenster und Phantome zu projizieren.
Seine Seancen hatten einen in der Geschichte einzigartigen Widerhall. Er konnte das mysteriöse Interesse, das Cagliostro und Mesmer erregten, mit seinen Namen verbreiten. „Alle jenseitigen Gewalten schienen ihm zu gehorchen und selbst der Tod ihm Untertan" (Le cinema des origines á nos jours).
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Aber es war die Zeit nach der Aufklärung, in der er lebte, daher war er keineswegs bemüht, seine Kunst auf okkulte Fähigkeiten zurückzuführen, er suchte sie vielmehr wissenschaftlich zu erklären.
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Die wissenschaftliche Seite der LATERNA MAGICA
Es ist psychologisch nicht uninteressant zu verfolgen, wie er auf den Gedanken seiner Vorführungen kam. Er berichtet darüber in seinen umfangreichen Memoiren etwa folgendes:
„Der Pater Kircher, sagt man, hat an den Teufel geglaubt, und das Beispiel könnte ansteckend sein, denn dieser Priester war mit so großem Wissen begabt, daß man denken könnte, wenn er an den Teufel geglaubt habe, so mochte er seine guten Gründe hierfür gehabt haben. Wer hat nicht in seiner Jugend an den Teufel geglaubt? Ich gestehe freimütig, ich habe es getan, und ich habe auch geglaubt, daß ein altes Weib, meine Nachbarin, wie jedermann mir versicherte, mit Luzifer verkehre. Ich neidete ihr diesen Umgang, schloß mich in meine Kammer ein und schlug einem Hahn den Kopf ab, um den Herrn der Dämonen zu zwingen, vor mir zu erscheinen. Ich habe sieben bis acht Stunden auf ihn gewartet, und da er nicht erschien, habe ich ihn verhöhnt, beschimpft, verlacht und ihm zugerufen: Wenn du existierst, dann zeige dich, rüttle an dem Tisch, zeige deine Hörner, oder ich leugne dich und erkläre, daß du nie gewesen bist."
Der Teufel kam nicht, wie Robertson versichert, aber in ihm sei der Wunsch erwacht, diese Begegnung, so wie er sie sich in seiner Phantasie vorgestellt habe, seinen Mitmenschen vorzuführen. Und als er dann mit der Laterna magica des Pater Kircher bekannt geworden sei, habe er den Gedanken zu seinen Phantasmagorien gefaßt.
Die "Show" in der düsteren Kapelle des alten Kapuzinerklosters
Bald sammelten sich in der düsteren Kapelle des alten Kapuzinerklosters am Vendömeplatz die schaulustigen Pariser Bürger. Ein kärgliches Licht reicht gerade hin, den seltsamen Schmuck erkennen zu lassen, den mysteriöse Bilder, Grabplatten, Gebeine und Totenköpfe bilden. Der Eindruck des geräuschvollen Straßenlebens, den man von draußen mitbrachte, ist völlig verwischt.
In der Abgeschlossenheit dieses verödeten und verlassenen Gebäudes, inmitten der alten Grabstätten, fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Totenstille. Kaum wagt einer zu flüstern. Alles ist in banger Erwartung der Geister, die den Gräbern und Grüften entsteigen sollen.
Die Lampe verlöscht. Plötzlich wird die drückende Stille gestört durch das Heulen des Sturmes und das Prasseln des Regens, dem Blitz und Donner folgen. Die Totenglocke ertönt und ruft die Geister empor .....
In weiter Ferne zeigt sich ein schwaches Licht, man erkennt eine geisterhafte Gestalt. Langsam kommt sie näher, immer größer werdend, endlich steht das grausige Gespenst in gewaltiger Größe vor den entsetzten Zuschauern und droht, unter sie zu stürzen. Ein Schrei ..... das Phantom ist verschwunden. (Le Cinema.)
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Eigentlich war dieser Spuk ganz einfach
In welcher Weise Robertson diesen Spuk ins Werk setzte, das hat er selber später eingehend geschildert. Er bediente sich einer Laterna magica, die hinter dem transparenten Schirm auf Rädern geräuschlos vor- und rückwärts geschoben werden konnte.
Zunächst stand er nahe am Schirm und entwarf ein kleines Bild, dessen Helligkeit durch vorgehaltene Tüllstücke gedämpft wurde. Dann wurde der Apparat zurückgerollt und die Tüllstücke entfernt, wobei das Bild an Größe und Deutlichkeit zunahm. Eine durch Exzenter bediente Hebelvorrichtung stellte beim Verschieben des Apparates das Objektiv selbsttätig auf Stärke ein. (Liesegang.)
Neben Gespenstern und Teufelsfratzen ließ er auch mythische und historische Personen erscheinen, Götter und Helden der Vorzeit, Cäsaren und Könige, Rousseau, Marat und Robespierre.
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Der Höhepunkt der Vorführung war ......
Um der Vorführung einen letzten Höhepunkt zu geben, schloß er mit folgender Rede, während der Saal sich völlig verdunkelte:
„Ich habe nun alle Phänomene der Phantasmagorien durchwandert. Ich habe Ihnen die Geheimnisse der Priester von Memphis entschleiert und der Erleuchteten, ich habe getrachtet, Ihnen das Okkulte der Psyche zu zeigen, jene Effekte, die in leichtgläubigen Jahrhunderten übernatürlich schienen, es bleibt mir, Ihnen noch eines zu bieten, das allzu wirklich ist: Ihr Menschen, stark oder schwach, mächtig oder dienend, gläubig oder gottesleugnend, - schön oder häßlich, seht das Schicksal, das euch bestimmt ist, sehet, was ihr eines Tages sein werdet. . ."
Bei diesen letzten Worten begann das Licht eine Erscheinung zu formen und ein Totenskelett stand aufrecht im Saal.
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Die Spekulation auf die Instinkte des Publikums
Robertsons Projektion ist in Wahrheit bereits eine Projektion der Bewegung und der Charakter des Geheimnisvollen und Schaurigen, der seinen Vorführungen innewohnt, ist später im Film immer wieder, wenn nicht nachgeahmt, so neu entdeckt worden. Es ist eben das Wesensverwandte und die gleiche Spekulation auf die ewig gleichen Instinkte des Publikums.
1802 das Robertson Verfahren
Im Jahre 1802 wurde Robertsons Verfahren durch einen Deutschen namens Philipsthal nach England gebracht. Dort verloren die Vorführungen aber allmählich ihren grausigen Charakter, ja man vergnügte sich bald damit in Familie und Gesellschaft. Aus diesen Phantasmagorien entwickelten sich dann, begünstigt durch die Einführung des mächtig hellen Kalklichtes, dessen Erfindung in den Anfang der 1820er Jahre fällt (bisher hatte man ja nur das üble Öllicht), die Jahrzehnte hindurch beliebten Nebelbilder, die uns die Verwandlung einer Landschaft von Tag in Nacht oder von Sommer in Winter vorzaubern.
1840 - der Nebelbilderapparat
Der Nebelbilderapparat, der erstmalig von Child um 1840 angewandt wurde, besteht in seiner einfachsten Form aus zwei neben- oder übereinander angeordneten Projektionslaternen und einer Abblendvorrichtung, dem sogenannten Dissolver, womit man die Laternen abwechselnd in Betrieb setzen kann.
Wenn man nämlich den Hebel herüberschiebt, so wird das eine Objektiv (rechts), welches anfangs zu sehen ist, allmählich geöffnet und das andere gleichzeitig geschlossen. Hierdurch wird erreicht, daß sich das vom ersten Apparat entworfene Lichtbild nach und nach verdunkelt, während das Licht des zweiten Apparates, das man auf das erste Lichtbild fallen läßt, in gleichem Maße an Helligkeit zunimmt. (Liesegang.) Es ist ein langsames Überblenden, wie wir heute in der Filmsprache sagen würden.
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Es folgten Bilderreihen
Child projizierte auch allerhand Erscheinungen. Über dem Wasserfall bildet sich ein Regenbogen. Der Karawane in der Wüste zeigt sich die Fata morgana. Auch Bewegungseffekte kommen dazu. Schneefall, ziehende Wolken, emporschlagendes Feuer. Der ausbrechende Vesuv. Endlich Bilderreihen.
Das Auswandererschiff: Wir sehen das Schiff bei heiterem Wetter, dann wird es Nacht, der Mond geht auf. Die Szene verdunkelt sich, ein fürchterliches Unwetter bricht aus, der Blitz schlägt ein und das Schiff steht in Flammen. (Wer erinnert sich hierbei nicht unwillkürlich an das mechanische Theater Herons von Alexandrien? Der wichtige Unterschied besteht aber darin, daß es sich bei Child um Projektion handelt.)
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Das Agioskop
Bald reichten zwei Laternen nicht mehr aus, es entstand der dreifache Apparat, das Agioskop. Diese Apparate wurden im Laufe der Zeit immer großartiger ausgestattet und mit allen Schikanen ausgerüstet. Die Darstellung der Wolfsschluchtszene aus dem Freischütz erforderte gar sechs Apparate, die von vier Mann bedient wurden. Zuletzt verwendete man neun Apparate.
Damals war bereits die Photographie entdeckt, aber sie steckte noch in den Kinderschuhen, so mußten also alle Glasbilder mit der Hand gemalt werden und entsprechende Dimensionen haben, um die Einzelheiten erkennen zu lassen. Das bedingte wieder riesige Apparate. Bei einem „Stück" kamen Panoramabilder vor, die bei 20cm Höhe eine Länge von 90cm hatten. Darunter waren Glasgemälde von manchmal hoher künstlerischer Qualität.
Mit der Vervollkommnung der Photographie wurde die Herstellung der Laternabilder sehr erleichtert, da nun ein kleineres Bildmaß genügte. Allerdings trat an die Stelle der Kunst die Fabrikation. So wie mit dem Tonfilm die Kunst des Stummfilms zu Ende war, so verschwanden die handgemalten Bilder vor der Photographie.
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