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Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 1980er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 13/1950 (1. Juli Heft)
Das Editorial

Nr. 13/1950 - 5. JAHRGANG - CHEFREDAKTEUR CURT RINT

Gelungener Start - das mit dem "UKW"

Diese Zeilen werden zur flotten Musik des UKW-Programms Nord vom Nordwestdeutschen Rundfunk geschrieben und zwar an einem Ort, der sich in der Luftlinie 185 km entfernt vom Hamburger Sender befindet. Natürlich schwanken Laut­stärke und Rauschspiegel tüchtig und völlig unberechenbar, ähnlich dem Kurzwellenfading, aber immerhin . . . 185 km!

Dabei ist die Antenne höchst einfach im Dachboden eines Einfamilienhauses als Dipol auf die Balken gezweckt, während die verdrillte Ableitung zehn Meter lang aus der Dachluke baumelt und das Gespann Supervorsatz Mende UKW V5 mit Graetz 152W unten im Wohnzimmer so gut es eben geht mit Antennenspannung versorgt. In guten Augenblicken werden Lautstärke und Klang groß, voll und wirklich be­friedigend. Und wenn eine zweite, ähnliche Antenne ange­schaltet wird, geistert der UKW-Sender Langenberg auf der gleichen Frequenz von 88,9 MHz hinter dem Rauschvorhang eben knapp verständlich; seine Energie hat aber auch 240km bis zum Empfangsgerät in meinem Zimmer zu überwinden.

Manchmal wird da auch übertrieben

Nun, zugegeben, es sind ziemlich brotlose Künste, die da mit „UKW-Fernempfang" betrieben werden. Man fühlt sich ein wenig in die alten Zeiten zurückversetzt, als man noch mit Quietsch-Audions plus zweimal NF auf die Jagd ging, aber es hat doch seine eigenen Reize. Inzwischen also ist das „Zweite Programm" vom NWDR gestartet worden und hat einen kleinen Zuhörerkreis gefunden, der sich an hemds­ärmelig gemütlicher Ansage und leichter Kost ergötzt. Die geistigen Anforderungen an die lieben UKW-Hörer sind wahrlich nicht groß, aber man meint in den Funkhäusern, dies sei der rechte Weg zum Hörerfang. Ob es stimmt, wird sich erweisen, aber vor Ablauf eines Jahres kann schwerlich ein Urteil gefällt werden.

Man tut beim NWDR jedenfalls, was man kann (als in Bremen im Rahmen der Landwirt­schaftsausstellung eine kleine Funkschau stattfand, auf der man UKW-Empfang vom Sender Moorfleeth bei Hamburg vorführen wollte, hat sich der NWDR sofort bereitgefunden, zwischen dem 25. Mai und 4. Juni den Hamburger UKW-Sender ganztägig laufen zu lassen). Die Rundfunkwirtschaft sollte dies zu würdigen wissen!

Sehr unterschiedliche Interessen

Wirklich? Das ist ein weites Feld, denn die Interessen von Sendegesellschaften und Radiohändlern gehen, wenigstens zur Zeit, nicht immer konform. Viele Einzelhändler betrachten die Bestände an „alten" Geräten (gemeint sind jene der eben auslaufenden Zwischensaison, treffend auch „Tote Zeit" genannt...) mit einiger Sorge. Man fühlt, daß es an der Zeit ist, die Lager zu räumen, um klar zu sein für die neuen Modelle, die uns binnen Monatsfrist beschert werden.

Dies wäre also die wirtschaftliche Seite. Die Technik zu betrachten ist erfreulicher. Viele Firmen haben sich alle Mühe gegeben, an Hand ihrer ersten Modelle von Einsatz- und Vorsatzgeräten Erfahrungen zu sammeln und dem Handel Gelegenheit zu bieten, seine theoretischen Kenntnisse von der UKW-Technik durch die Praxis zu untermauern.

Unterschiede auch bei den Händlern

Die Klugen unter den Fachhändlern taten es, soweit sie nur irgendeine Möglichkeit sahen. Viele bauten sich einen Dipol aufs Dach, experimentierten mit Antennenkabel und Ab­leitungen und wissen allerlei über Feldverteilung, Polarisation und vor allem über die Leistungsfähigkeit von Pendlern und Superschaltungen. Natürlich zahlen sich diese Bemühungen nicht sofort in barer Münze aus; dafür ist das Gebiet zu neu und die Jahreszeit zu ungünstig. Bei 30 Grad im Schatten ist Radio nur transportabel von Interesse da nützt der schönste Werbefeldzug nichts.

Wir besprechen in diesem Heft eine Reihe weiterer deutscher UKW-Vorsatz- und Einbaugeräte, unter denen die beiden besonders billigen Modelle von Philips und Nord-Mende auf­fallen. Beide kosten DM 35 ......... und erfüllen damit eine Forde­rung, die u. a. der technische Direktor des NWDR, Dr. Nestel, der Presse gegenüber geäußert hat: „Schafft billige Vorsätze!"

Millionen von Rundfunkhörern wohnen im Nahfeld starker UKW-Stationen wie Hamburg, Langenberg, auf dem Feldberg und später Hannover, Oldenburg und Detmold. Sie müssen Gelegenheit haben, für den Gegenwert eines Wochen­lohnes oder noch weniger am UKW-Rundfunk teilzunehmen, und dies bewußt um den Preis, die letzten Klangfeinheiten des UKW-Rundfunks nicht ausnutzen zu können.

Der Wunsch der Kunden steht ganz vorne an

Es bleibt weiter nichts zu tun übrig, als nochmals den von uns stets vertretenen Standpunkt zu wiederholen: die meisten Rund­funkhörer sind zufrieden, wenn sie auf UKW ein zweites Programm mit der gleichen Qualität wie das erste auf Mittel­wellen aufnehmen können. Wer's nicht glaubt, gehe nach Düsseldorf oder Hamburg in ein Radiogeschäft und höre sich die Gespräche zwischen einem Rundfunkhörer (der ein brauchbares Empfangsgerät besitzt und daher für den Kauf eines AM-FM-Supers vorerst ausfällt) und dem Fachmann hinter dem Ladentisch an. Der Refrain: „Zweites Programm . . . ganz schön, aber viel Geld gebe ich dafür nicht aus. Ist man bloß ein einziges Programm."

Es gibt da auch ein Nord-Süd Gefälle

In Süddeutschland steht man natürlich vor einer schwierigeren Situation. Dort gibt es bis zur Stunde noch kein zweites Programm. Der Hessische Rundfunk befragte zweitausend Rundfunk­teilnehmer aus Stadt und Land, ob sie am Kauf eines UKW-Empfängers interessiert wären, wenn sie damit ein zweites Programm aufnehmen könnten. Nur 14% aller Befragten würden sich für einen AM/FM-Super entscheiden, während 31% ein Vorsatzgerät erwerben möchten, das aber nur in Ausnahmefällen teurer als 70 Mark sein darf. Der Rest war vorerst wenigstens — noch uninteressiert.

Wir kommen einfach nicht um die betrübliche Tatsache herum, daß die Kaufkraft der Mehrzahl der Rundfunkteil­nehmer zu gering ist, um die idealen Forderungen der Nur-Techniker nach qualitativ hochwertigen Supervorsätzen oder AM/FM-Modellen zu verwirklichen. Fangen wir daher getrost an, einfachste (aber technisch einwandfreie) Vorsatzgeräte zu vertreiben. Jeder Käufer ist ein UKW-Interessent, und eines Tages wird es unsere Bemühungen belohnen . . . schließ­lich bildeten einmal Millionen von „Knipsern" mit ihrer 4-Mark-Box das unerschöpfliche Reservoir für die ernsthafte Amateurfotografie!

Karl Tetzner


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