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Die Lebensbiografie von Curt Riess - geschrieben 1977

Der Schriftsteller Curt Riess (1902-1993 †) hatte 1956/57 und 1958 zwei Bücher über den Deutschen Film geschrieben. Als Emigrant in den USA und dann Auslands-Korrspondent und später als Presseoffizier im besetzten Nachkriegs-Berlin kam er mit den intessantentesten Menschen zusammen, also nicht nur mit Filmleuten, auch mit Politikern. Die Biografien und Ereignisse hat er - seit 1952 in der Schweiz lebend - in mehreren Büchern - wie hier auch - in einer umschreibenden - nicht immer historisch korrekten - "Roman-Form" erzählt. Auch in diesem Buch gibt es neben den "Aufzählungen von Tatsachen" jede Menge Hintergrund- Informationen über seinen Werdegang, seine Reisen und das Entstehen der Filme, über die Schauspieler und Stars, das jeweilige politische Umfeld und die politische Einflußnahme. Die einführende Seite finden Sie hier.

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(30) H.H. (Heidemarie Hatheyer)

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Curd Jürgens und ich im „Bayerischen Hof" zu München

Ich saß in meinem Zimmer im „Bayerischen Hof" zu München und trank Whisky Soda mit dem noch relativ unbekannten Curd Jürgens. Vor mir auf dem Tisch lagen zwei Karten für die Premiere des Kabaretts „Kleine Freiheit" im oberen Stockwerk, man kann fast sagen auf dem Dachboden eines Mietshauses in Schwabing.

„Hast du Lust, mitzukommen?" - Natürlich hatte er Lust.

Während der Pause sah ich eine sehr interessante, reizvolle blonde junge Frau in Begleitung eines gutaussehenden Mannes.

Sie kamen geradewegs auf uns zu. Curd Jürgens stellte vor: „Meine große Kollegin, Heidemarie Hatheyer!"
Ich war sofort fasziniert und sehr direkt: „Kann man sich einmal wiedersehen?"

„Gern. Aber ich wohne nicht in München, sondern in einem Dorf, etwa fünfundzwanzig Kilometer von hier." Sie gab mir ihre Adresse und ihre Telephonnummer. Später sollte ich erfahren, daß ein solches „Entgegenkommen" für sie etwas Ungewöhnliches war.

Ich hatte alles auf einem Zettel notiert und wollte ihn in die Tasche schieben, als Curd Jürgens etwas boshaft lächelte: „Du kannst den Zettel gleich zerreißen. Sie ist in festen Händen. Du hast ihn ja gesehen."
Ich zerriß den Zettel.
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In Israel : Wollen Sie nicht für uns arbeiten ??

Ich blieb nur bis gegen zehn Uhr, dann brachte mich mein Fahrer Gerhard Brunzel auf den Flugplatz.

Rom und eine sehr reizvolle Frau, bei der ich nach Mitternacht eintraf. Ein paar Tage später Israel, dort blieb ich zwei Wochen und wobei ein Minister mir vorschlug, für das eben entstandene Land Spionage zu treiben.

„Sie sind ja schließlich bei der US Naval Intelligence." „Ich war. Aber als Amerikaner kann ich wohl nicht gut ..." Daraus wurde also nichts.

Was aber Heidemarie Hatheyer betraf ...
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Meine beiden ersten Ehen waren zerschellt ....

... - direkt oder indirekt - an Hitler zerschellt. Die erste, weil ich aus Deutschland auswandern wollte (Anmerkung : Riess mußte als Jude auswandern) und meine (arische) Frau nicht. Die zweite, weil der Krieg meine Anwesenheit in Washington und London notwendig machte - und meine zweite Frau Ingrid sich in New York vernachlässigt vorkam.

Trotzdem hatte ich das Gefühl, ich müßte wieder heiraten - und bald. Vielleicht hatte das damit zu tun, daß ich nirgends Wurzeln gefaßt hatte und Wurzeln fassen wollte.
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Und nun kam alles wie von selbst:

Ich sah sie wieder in einem Filmatelier, nahe bei Hamburg, wobei ich den Schauspieler Gustav Fröhlich besuchte. Angeregte Unterhaltungen während der Drehpausen. Die Frau interessierte mich, darüber gab es keinen Zweifel.

Drittes Treffen: In ihrer Garderobe in der Berliner Volksbühne, in der sie im „Wintermärchen" die Hermione spielte. Zu diesem Besuch fühlte ich mich gewissermaßen verpflichtet, denn ich hatte dem Regisseur Ludwig Berger, den ich von den USA her kannte - auch er war Emigrant - von ihrem Engagement abgeraten. „Sie ist viel zu herb für die Rolle!"

Nach den Kritiken - zur Zeit der Premiere fuhr ich nach St. Moritz - war ihre Hermione die einzig passable Leistung des Abends.

Ich wollte ihr irgend etwas Nettes sagen. Statt dessen stellte ich ihr die mir nicht zukommende Frage: „Ist der Herr aus München auch in Berlin?"

Sie lächelte. „Den gibt's nicht mehr."

„Würden Sie morgen nach der Vorstellung mit mir zu Abend essen?"

„Warum eigentlich nicht?"

Wir aßen nun fast jeden Abend zusammen. Mehr war vorläufig nicht. Aber ganz Berlin - ihr Berlin, das heißt die Schauspieler, die Filmleute, und mein Berlin, das heißt die Journalisten und Schriftsteller, glaubten viel mehr zu wissen, oder wie sie sich ausdrückten: alles!
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Ich schlug Heidemarie vor : Wir sollten heiraten ...

Und so schlug ich Heidemarie Hatheyer eines Tages vor, mich zu heiraten.

Es war ein recht seltsamer Heiratsantrag. Ich stellte ihr die Frage, die ich mir in den Wochen zuvor mehrmals selbst gestellt hatte: „Wie soll ich meinen Freunden in New York, in London und in Paris klarmachen, daß ich eine Frau heirate, die Heidemarie heißt?"

Sie lachte: „Was ist denn an dem Namen so Schlimmes?"

„Er klingt ... er klingt so ... deutsch-national!"

„Er ist in Österreich ,erfunden' worden. Und von meiner Mutter. Du kannnst deine Freunde beruhigen. Nicht Hitler hat mich getauft. Übrigens ... du könntest mich auch Heide nennen. Selbst wenn wir nicht heiraten sollten."

Denn sie war nicht so schnell zu diesem Schritt bereit wie mit mir zu Abend zu essen.
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Heidemarie veränderte mein Leben ...

Natürlich erschien sie nun auf allen Parties, die ich gab. Und so ganz allmählich, ohne daß es mir eigentlich so recht auffiel, blieben gewisse, bisher von mir gern gesehene Gäste fort. Das heißt, sie wurden nicht mehr eingeladen.

Dafür sorgte meine Sekretärin, und die erhielt ihre Instruktionen, oder sagen wir besser ihre Tips, von Heide, wie ich sie jetzt nannte.

Die hatte nämlich zu einer Zeit, da viele von ihnen nicht wußten, daß wir befreundet waren, von ihnen zu hören bekommen, was sie von mir hielten; es war nicht eben schmeichelhaft für mich.

Und sie hatte bemerkt, daß große Mengen Zigaretten und ganze Flaschen Whisky mitgenommen wurden, wenn ich gerade nicht hinsah.
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Eine bekannte Schauspielerin traf ich auf dem Kurfürstendamm

...., und sie beschwerte sich, daß sie nicht mehr eingeladen würde. Ich versicherte ihr, daß es ein Irrtum sei, zu glauben, Heide möge sie nicht.

Und erzählte Heide lachend von diesem Verdacht. Und die sagte ganz trocken: „So. Sie sagt, daß ich sie nicht leiden kann? Nun, da hat sie vollkommen recht!"

Übrigens, in der Zeit, in der diese kleine Geschichte spielt, waren wir bereits verheiratet.

Sie hatte, wie gesagt, Bedenken gehabt. Ihre erste Ehe war nicht sehr glücklich verlaufen. Dann waren da ihre zwei Töchter, Veronika, zwölf Jahre, und Regine, Gine genannt, zehn Jahre.

Ich gewann ihre Herzen, als ich sie gelegentlich eines Aufenthaltes in München zu einem feudalen Mittagessen einlud. Es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben, daß sie bei dieser Gelegenheit nicht platzten.

Übrigens waren die beiden Mädchen schuld daran, daß Heide sich schließlich bereit erklärte, mich zu heiraten. „Sie sind zu alt, als daß ich vor ihren Augen mit einem Mann zusammenleben möchte, mit dem ich nicht verheiratet bin."
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Zürich war wieder eine Art internationaler Treffpunkt geworden.

Ich kam in jener Nachkriegszeit übrigens oft nach Zürich. Es gab dafür viele Gründe, das heißt, es gab viele Menschen, die ich dort sehen wollte. Eigentlich kam jeder einmal hin:

Die amerikanischen Verleger, die Großen aus Hollywood, die wenigen Verwandten, die mir geblieben waren - mein Vetter Hans Straus etwa, der ein großer Mann bei RCA in New York geworden war; und ein anderer Vetter namens Bruno, der die Public relations für die gesamte französische Filmindustrie in der Schweiz machte; der Agent Felix Guggenheim, der in Beverly Hills residierte, aber im wesentlichen mit Deutschland seine Geschäfte machte, und dem ich sehr viel verdanke.
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Vera Kálmán

In Zürich lebte damals die bildschöne Vera Kálmán, die nie zu altern schien und immer guter Laune war: die Lebenslust in persona. Sie war die Witwe des Operettenkomponisten Emmerich Kálmán, seine Tantiemen brachten ihr eine Menge Geld.

Aber sie tat auch viel dazu. Sie sorgte für neue Platten, für Neuaufführungen. Manchmal war sie nur auf der Durchreise in Zürich, manchmal für längere Zeit. Sie war unermüdlich.

Sie stopfte sozusagen dreimal soviel Leben in ein Leben, wie wir anderen es vermögen. Das soll ihr mal einer nachmachen - und das gilt auch jetzt noch, da ich diese Zeilen schreibe. Sie scheint die Kunst zu besitzen, nie älter zu werden.
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Thomas Mann war nach Zürich zurückgekehrt .....

...., von wo er Mitte der 1930er Jahre in die USA gegangen war. Nach Deutschland wollte er nicht mehr zurück, jedenfalls nicht mehr für ständig.

Er empfand sich - mit Recht - als von dort vertrieben. Übrigens war er keineswegs verbittert und hielt die Bundesrepublik auch nicht für „faschistisch", wie es seine Tochter Erika tat, die seine Sekretärin - im besten Sinne des Wortes - geworden war.

Thomas Mann war mir gegenüber freundlich, ja freundschaftlich und zeigte bei jeder Gelegenheit, daß er etwas von mir hielt. Erika hatte mir ja den Krieg erklärt.
Ich habe bis zu ihrem viel zu frühen traurigen Ende - Gehirntumor - nie in Erfahrung bringen können, warum ich nicht mehr für sie existierte; auch Klaus nicht, der weiterhin ein guter Freund blieb und den das Zerwürfnis schon aus diesem Grunde schmerzte. Nur die Sache mit dem „Mephisto"?

Daß es nie zu einer Aussprache, geschweige denn zu einer Versöhnung kam, hatte natürlich auch mit meinem Eintreten für Erikas Exgatten GG zu tun und damit, daß ich gegen das Erscheinen des Buches „Mephisto" eingetreten war.
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Noch ein recht komisches Erlebnis ......

Mit - oder besser durch Erika - hatte ich noch nach Abbruch der Beziehungen zu mir ein recht komisches Erlebnis. Ich schrieb - das war wohl Mitte der 1950er Jahre - unter meinem oft benutzten Pseudonym C. R. Martin eine Serie für die „Welt am Sonntag". Der Titel: „Bücher, die Millionen lasen." Ein Kapitel war Thomas Mann und seinen „Buddenbrooks" gewidmet.

Darin zitierte ich den berühmten Brief des jungen Thomas Mann an seinen Verleger S. Fischer, in dem er ihn beschwört, nichts aus dem Romanmanuskript zu streichen.

Erika Mann geriet darüber in große Erregung und schrieb dem Chefredakteur der „Welt am Sonntag", Bernhard Menne, der bewußte Brief sei gelegentlich einer Razzia bei S. Fischer durch die SS, und zwar im Jahre 1936, entwendet worden.

Die Erklärung, wie C. R. Martin zu dem Brief gekommen sei, liege auf der Hand. Er müsse wohl der Anführer jener SS-Bande gewesen sein. Wenn er den Brief zurückgebe, seien die Erben Thomas Manns willens, von einer Anzeige und einem Strafverfahren abzusehen.

Auf die Idee, C. R. Martin könnte den Brief in einer der zahlreichen Thomas-Mann-Biographien gefunden haben, war sie wohl nicht gekommen.

Bernhard Menne, ehemaliger Emigrant wie ich, rief mich belustigt an. Ob ich in der SS gewesen sei, wollte er wissen. Ich antwortete ihm, das wisse er doch, besagte Razzia hätten wir doch gemeinsam durchgeführt.
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Karl von Schumacher - Chefredakteur der „Weltwoche"

Einer der gesellschaftlichen Mittelpunkte von Zürich war, zumindest für mich, Karl von Schumacher, Herausgeber und Chefredakteur der „Weltwoche", für die ich schrieb. Dieses Wochenblatt, in dem Manuel Gasser, übrigens ebenfalls bald mein Freund, den kulturellen Teil vorzüglich besorgte, hatte, wie erwähnt, in den Hitler-Jahren mit Mut einen strikten Anti-Nazi-Kurs verfolgt.

Ja dazu gehörte damals Mut, denn der deutsche Botschafter wurde ständig bei der Regierung in Bern vorstellig, um sich gegen diesen oder jenen Presseangriff zu wehren, und Bern versuchte meist, Schumacher in diesem Sinne zu beeinflussen.

Vergebens! Schumacher war so unerbittlich in seiner Verdammung der Nazis, daß das Gerücht entstand, er werde von den Engländern bezahlt.

Er war klein, sehr gepflegt, unheimlich gescheit - seine Artikel wurden in den Vereinigten Staaten und in England dauernd zitiert, er wußte fast immer vor den anderen, was geschehen würde.
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Ich hatte auch für Karl von Schumacher gearbeitet

Ich hatte für ihn 1947 von New York und später von Berlin aus berichtet, und dank meiner Artikel war die „Weltwoche" die einzige schweizer und fast die einzige europäische Zeitung, die vom ersten Tag der Berliner Blockade an der Überzeugung Ausdruck verlieh, daß die Russen nicht siegen würden.

Obwohl K. v. S., wie er zeichnete, viel wußte, machte er selten den Mund auf, und dann nur, um Fragen zu stellen. Und so erfuhr er mehr und immer mehr.

Übrigens zog er sich früh zurück. Zuerst dachten wir, er habe das Interesse an seinem Blatt verloren. Jedenfalls kam er nicht mehr in die Redaktion, er lebte auf seinem Schloß Mauensee, auf einer ihm gehörenden Insel inmitten des Sees gelegen - er war sehr reich geworden.

Dann zog er zu seiner Schwester nach Luzern. Parkinsonsche Krankheit. Er wurde ganz apathisch, er interessierte sich nur noch fürs Essen. Es war ein für alle seine Freunde höchst schmerzlicher Niedergang, von dem ihn schließlich der Tod erlöste.
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„Opi", der Verleger Emil Oprecht aus Zürich

Für mich war der wichtigste Mann in Zürich natürlich der Verleger Emil Oprecht, „Opi", der übrigens zwei meiner Bücher herausgebracht hatte, darunter die in Amerika so sensationell erfolgreiche Goebbels-Biographie, die in Deutschland anfangs keine Leser fand, aber 1975 wieder neu aufgelegt wurde.

Opi war ein Hans Dampf in allen Gassen. Er hatte das Schauspielhaus, dessen Präsident er war, zum Emigrantentheater par excellence gemacht. Man sah dem mittelgroßen, etwas behäbigen Mann gar nicht an, daß er - vor allem in der Hitler-Zeit - ein ungemein mutiger Verleger gewesen war und ein sehr tatkräftiger Theatermann.

Er spielte späterhin auch in der UNESCO eine wichtige Rolle. Das alles hätte er nie ohne die tatkräftige Mithilfe seiner Frau Emmie zustande gebracht.
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Opi starb viel zu früh. Leberkrebs ...

Leberkrebs, der sich über zehn Monate hinzog, und von dem nur einige wenige von uns wußten. Ich erfuhr von der furchtbaren Diagnose, als ich, Weihnachten 1951, von St. Moritz aus in Zürich anrief.

Emmie teilte mir weinend mit, was die Ärzte, als sie Opi aufschnitten, festgestellt hatten. Ich brach meinen Aufenthalt in St. Moritz ab und war am nächsten Tag bei ihr in Zürich. Übrigens kam Opi bald wieder aus dem Krankenhaus und schien guten Mutes. Er hatte tausend neue Pläne. Und er wurde auch sehr schnell wieder gesund, oder vielmehr glaubte er, er sei wieder gesund.

Ich besuchte ihn damals täglich zweimal und in den folgenden neun Monaten unendlich oft. Ich wußte, ich würde ihn bald verlieren, und ich hatte das Gefühl, daß ich mit ihm und in ihm etwas verlieren würde, was in jedem Sinne des Wortes unersetzlich war.
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Ich erinnere mich meines letzten Besuches bei Opi.

Er war in elender Verfassung von einer UNESCO-Tagung in Venedig zurückgekommen und hatte das Bett aufgesucht.

Ich brachte - das war kurz vor unserer Heirat - Heide mit. Er wollte sie kennenlernen. Als sie wieder gegangen war, sagte er zu mir: „Du mußt mir versprechen, daß sie an unserem Theater spielt!"

Ich versprach es, obwohl ich nicht recht an eine solche Möglichkeit glaubte. - „Ich freue mich auf eure Hochzeit. Ich bin natürlich Trauzeuge!"

Die Trauung, die wenige Wochen später stattfand, sollte er nicht mehr erleben.
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1952 - Übrigens : Heiraten war für mich gar nicht so einfach ...

Die Sache mit der Heirat war übrigens gar nicht so einfach. Ich brauchte, natürlich, die Einwilligung meines obersten Chefs, des Nachfolgers des Nachfolgers von Clay. Nachdem er nämlich gegangen war, lösten sich die Herren an der Spitze der US-Zone schnell ab.

Der augenblickliche Chef schüttelte den Kopf: „Unmöglich!" Ich sei „Geheimnisträger" - was immer das sieben Jahre nach Kriegsende bedeuten mochte. Natürlich könne er mich nicht hindern, in die USA zurückzugehen und dort eine Deutsche zu heiraten. Heide war zwar in Österreich geboren, aber gleich zweimal Deutsche geworden - einmal durch den sogenannten „Anschluß", dann auch durch die Ehe mit einem Deutschen.

Ich wandte mich an Clay, der zwar Privatmann in New York geworden war, aber noch immer über die besten Beziehungen in Washington verfügte und, wie Gustaf Gründgens gesagt hätte, „Die Puppen tanzen lassen konnte".

Clay verstand, daß Heide nicht in die USA wollte, das hätte das Ende ihrer Laufbahn als Schauspielerin bedeutet. Washington erklärte schließlich, ich könne zwar heiraten, aber ganz sicher nicht in Deutschland, sondern in einem anderen Land. In der Schweiz? Warum nicht?

Und was Heide anging - mußte es denn unbedingt eine Deutsche sein? Ich sagte, es müsse Heide sein, aber sie sei eigentlich Österreicherin. Nun, ich erreichte innerhalb weniger Tage durch meine Beziehungen in Wien, daß sie wieder Österreicherin wurde. Das heißt, sie bekam einen neuen österreichischen Paß.

Die letzten und völlig unsinnigen Schwierigkeiten kamen dann von einem bornierten Schweizer Standesbeamten, der sich als entsetzlicher Dickschädel entpuppte.

Er bestand darauf, Heide mit ihrem deutschen Paß zu trauen. Und gerade das sollte ja vermieden werden! Er wollte nicht einsehen, warum sie plötzlich Österreicherin sei, obwohl sie ja ursprünglich Österreicherin gewesen und auch in Österreich geboren war. Diese Schwierigkeit wurde schließlich durch ein Telephongespräch mit einem Schweizer Parlamentarier, dem Nationalrat Hans Oprecht, dem Bruder Opis, aus dem Weg geräumt.
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Paradox : Und während ich dies schreibe (1977), ist es bald 25 Jahre her, daß wir geheiratet haben.

Wir heirateten in Zürich, und es gab ein lustiges kleines Fest ..... - der Schatten von Opis Tod nur wenige Tage zuvor lag über ihm. Am Abend fuhren wir bei strömendem Regen nach München weiter, am nächsten Tag stand Heide wieder vor der Filmkamera, und ich flog nach Berlin, um zu schreiben, und auch, um ein passendes Haus zu suchen.

Dann kam Heide mit ihrer jüngeren Tochter, der blonden Gine; Veronika, von uns Vroni genannt, blieb in München im Internat der „Englischen Fräulein".

Schon bald begannen die Proben für Heides Auftreten im Schillertheater. Es handelte sich um „Rose Bernd". Und alles ging sozusagen nahtlos weiter. Unsere Bekannten und Freunde, die, wie bereits erwähnt, schon so lange von uns „alles" wußten, sagten unserer Ehe freilich keine lange Dauer voraus.

Mein Agent erzählte mir, die Journalisten seien sich darüber einig, daß Heide es nicht lange mit mir aushalten würde. Die Agentin Heides erzählte mir, in Schauspieler- und Filmkreisen sei es eine ausgemachte Sache, daß ich Heide davonlaufen würde.

Nun, sie alle haben nicht recht behalten. Und während ich dies schreibe, ist es bald 25 Jahre her, daß wir geheiratet haben.
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Fritzi Massary erschien fast jedes Jahr in Europa

Eine Freundin aus früheren Tagen, wenn ich sie so nennen darf, die in Beverly Hills lebte, erschien fast jedes Jahr in Europa, um ihre Tochter Liesl zu besuchen.

Es war die einmalige Fritzi Massary, jetzt nun wirklich eine ältere Dame, wie Ingrid sie genannt hatte, mit immer noch makelloser Figur und blitzenden Augen, mit der ich auch oft auf der Terrasse des Hotels Dolder saß, von der aus man über Wälder hinweg auf den Zürichsee blickt.

Einmal gesellte sich zu uns ihre Tochter Liesl, Witwe des Schriftstellers Bruno Frank, und rief ihrer Mutter aus einiger Entfernung zu: „Curt hat wieder geheiratet!" - Fritzi nickte. Sie wußte es ja bereits.

Liesl unbekümmert, und in einer Lautstärke, die andere Gäste aufhorchen ließ:

„Eine Schauspielerin!" - Fritzi: „Ich weiß, ich weiß!" - „Eine sehr gute Schauspielerin!"

Und Fritzi, in ihrem unnachahmlichen ironischen Ton: „Eine schlechte wird er heiraten!"
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