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April 1973 - Das Hamburger CCH geht in Betrieb

Das zur Zeit größte und modernste Kongreßzentrum der Bundesrepublik und sogar Europas wurde im April 1973 in Hamburg in Betrieb genommen.

Im CCH - wie das „Congreß Centrum Hamburg" in Kurzform genannt wird - lassen sich nicht nur Mammutkongresse, sondern gleichzeitig auch Tagungen aller Größenordnungen sowie kulturelle, politische oder gesellschaftliche Veranstaltungen jeder Art durchführen. Der weitläufige Gebäudekomplex (Bild 1) enthält in fünf Geschossen 16 Säle unterschiedlicher Größe, die zum Teil miteinander kombiniert werden können.

Die vielfältigen Verwendungszwecke des Congreß Centrum Hamburgs erfordern eine entsprechende technische Ausstattung, denn Kongresse von heute können auf neue audiovisuelle Hilfsmittel ebensowenig verzichten wie auf die klassischen Lautsprecher- oder Dolmetscheranlagen. Neben der reinen Kommunikationstechnik ist aber auch der äußere Rahmen, in dem sich die Veranstaltungen abspielen, ein ausschlaggebender Faktor. „Licht lockt Leute" kann daher im übertragenen Sinn durchaus als Leitmotiv für das hier vorgestellte CCH angeführt werden. Philips lieferte neben der elektro-akustischen Ausstattung einen Großteil der im Kongreßzentrum installierten Lampen und Leuchten, so beispielsweise rund 15 000 Glühlampen, mehr als 10 000 Leuchtstofflampen und über 4000 Leuchten verschiedener Bauart.

Die Beleuchtung

Der größte Saal 1 im Kongreßzentrum hat 3000 Sitzplätze. Bild 2 gibt einen Eindruck von der Großzügigkeit und Weite des Raumes, für den Philips speziell angefertigte und angeordnete Leuchten zum Deckeneinbau entwik-kelte, so daß sich Architektur und Beleuchtung zu einer harmonischen Einheit ergänzen.
Die in Bild 2 aus der Bühnenperspektive und in Bild 4 aus dem Zuschauerraum sichtbare Deckenbeleuchtung besteht u. a. aus 145 stufenförmig angeordneten dreiflammigen Spiegelreflektorleuchten, deren Helligkeit kontinuierlich einstellbar ist.

Der als Festsaal konzipierte Saal 3 hat naturgemäß eine Beleuchtung erhalten, die ganz auf diesen besonderen Zweck abgestimmt wurde. Die Bilder 3 und 5 vermitteln nur schwach einen Eindruck von der Farbigkeit und Lichtfülle der 1350 von der Decke abgehängten Leuchten, die mit insgesamt rund 4000 roten, blauen und weißen Philips Leuchtstofflampen sowie mit je einer Comptalux-Reflektorlampe bestückt sind.

Auch hier ist - wie in allen Sälen und Konferenzräumen des CCH - die Lampenhelligkeit kontinuierlich einstellbar, und es kann außerdem durch elektronisch gesteuerte Lichtprogramme eine in tausendfachen Nuancen leuchtende Illumination hervorgezaubert werden. Innerhalb der Leuchten sind drei regelbare Stromkreise vorhanden, über die sich die Leuchtstoff- und Reflektorlampen nach Wunsch bzw. nach Programmierung schalten lassen. Wie auf den Bildern sichtbar, sind an der seitlichen Brüstung des Festsaals unterschiedlich große aluminiumeloxierte Beleuchtungskörper angebracht, hinter denen sich Philips TMS-Schie-nenleuchten mit 20- und 40-W-Leucht-stofflampen befinden. Die Bühne wird von der Decke mit 200-W-Glühlampen erhellt.

Der Saal 2 des Kongreßzentrums gehört mit seinen 1500 Sitzplätzen in fester Reihenbestuhlung zu den großen Veranstaltungsräumen, in denen neben Kongressen auch Konzerte, Unterhaltungsshows, Ballettabende oder andere gesellschaftliche Ereignisse stattfinden können. Als Deckenbeleuchtung findet man hier ein großflächiges Rohrrahmensystem, das mit Philips TL-Leuchtstofflampen bestückt ist (Bild 6). Die Unterrangbeleuchtung erfolgt ausschließlich mit dreiflamm igen Einbauwannen leuchten und die Saalrandbeleuchtung mit ein-flammigen Schienenleuchten, wogegen die Bühne von Halogenlampen angestrahlt wird.
Als ein weiteres Beispiel reizvoller Beleuchtung sei die in Bild 7 dargestellte Empfangshalle des CCH erwähnt.

Das Kinkelday-Rohrrahmensystem enthält rund 6000 Philips Glühlampen zu je 25 W. Die Vielfalt der Anwendungen und Ausführungen macht es unmöglich, an dieser Stelle einen kompletten Überblick über alle Lichtprojekte im CCH zu geben. Die Gesamtzahl der Philips Glüh- und Leuchtstofflampen wurde bereits eingangs angegeben, und als abschließender Hinweis auf die vielfältigen und differenzierten Anforderungen, die ein derartiger Kongreßbau in lichttechnischer Hinsicht stellt, sei erwähnt, daß drei Viertel der über 4000 von Philips gelieferten Leuchten Spezialanfertigungen sind, die teilweise sogar mit Lautsprechern, Klimaelementen und Sprinklereinsätzen ausgestattet wurden.
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Kommunikation

Alle 16 Säle sind mit umfangreichen elektroakustischen Anlagen ausgestattet, so daß bei jeder Veranstaltungsart ein optimaler Ablauf erreicht wird. Besonderes Augenmerk haben die Planer und Designer auf die akustischen Verhältnisse in den Sälen und ihre tontechnische Ausstattung gelegt. Auf die Gestaltung der Großsäle 1 und 2 hat die Akustik und Beschallung entscheidenden Einfluß gehabt: Schallqruppen an der Frontseite und in den Decken sowie ein Saalregiepult (Bild 8) stellen sicher, daß die Verständigung auf jedem Platz ausgezeichnet ist. Soll im Saal 1 diskutiert werden, kommen zusätzliche Deckenlautsprecher zum Einsatz. Bewegliche Lautsprecher unterstützen den Filmton oder spezielle Bühneneffekte.

Für Rede und Gegenrede lassen sich bis zu 300 Diskussionsmikrofone installieren, deren Zuteilung von einem fahrbaren Pult aus gesteuert wird (Bild 10). Entsprechende Anlagen sind auch in allen anderen Sälen vorhanden. Zur Einrichtung der Säle 1, 2, 3 und 4 gehören Regieräume mit allen für die laufende Bedienung und Überwachung erforderlichen Kontroll- und Schaltorganen (Bilder 9 und 13). Gemäß dem hohen Qualitätsanspruch erreichen die von Philips gelieferten Verstärkeranlagen und Ton-Regietische absolute Studionorm, d. h. sie entsprechen laut Ausschreibung voll dem „Qualitätsniveau der Studiotechnik" und den „technischen Daten der Rundfunk-Studiotechnik".

Zur Ausstattung der sechs Regietische des Hauses gehört u. a. die Möglichkeit, mehrkanalige Bandaufnahmen von Veranstaltungen mitzuschneiden. Sämtliche Tonanlagen korrespondieren so miteinander, daß laufende Programme in das ganze Haus übertragen oder ausgetauscht werden können. In den drei großen Sälen sind Hörschleifen installiert, um auch Schwerhörigen eine gute akustische Teilnahme am Veranstaltungsgeschehen zu ermöglichen.

Da 95% aller internationalen Kongresse erfahrungsgemäß fünfsprachig durchgeführt werden, sind die Säle 1, 2, 3, 4 und 6 diesen Ansprüchen entsprechend eingerichtet. Das CCH verfügt dort über 22 festinstallierte Kabinen mit Philips Simultan-Dolmetscheranlagen, die entsprechend den Richtlinien des Internationalen Dolmetscherverbandes (AMC) konstruiert sind (Bild 11). Bis zu sechs Sprachen lassen sich direkt in die 3000 drahtlosen Empfangsgeräte der Veranstaltungsteilnehmer eingeben. Für die kleineren Säle des Kongreßzentrums sind zwei transportable Dolmetscherkabinen vorhanden.
Die Künstlergarderoben sind mit Mithör- und Inspizienten-Rufanlagen ausgestattet.

Für CCH-Mitarbeiter und Veranstalter steht eine drahtlos arbeitende Personenrufanlage zur Verfügung. Außerdem sorgt eine Betriebs-Wechselsprechanlage für die Verständigung zwischen der Regie und dem Inspizienten bzw. den Beleuchtern, ergänzend hierzu können interne Nachrichten über eine Gegensprechanlage mit 60 Sprechstellen durchgegeben werden.

Zur aktuellen Gestaltung einer Veranstaltung verfügt das CCH über eine transportable Eidophor-Anlage, die im Saal 1 beispielsweise ein Fernsehbild in Farbe oder Schwarzweiß bis zu einer Bildgröße von 70m2 projizieren kann.

Zur Übertragung von hausinternen Programmen lieferte Philips zwei Schwarzweiß- und eine Farbkamera, die an 75 im Haus verteilte Kabelsteckdosen angeschlossen werden können und Übertragungen aus allen Veranstaltungsräumen ermöglichen.

Die Übertragungswagen der öffentlichen Sendeanstalten können das CCH über einen hauseigenen Anschluß direkt anzapfen. Zur Ausstattung der Regieräume der Säle 1 bis 4 und des Saales 6 gehören studiogerechte Stereo-Tonbandgeräte, Plattenspieler, Hallgeräte-, Misch- und Parallelpulte (Bilder 9 und 13).

Die Säle 1 bis 4 sind mit festinstallierten Philips Filmprojektoren ausgestattet (Bild 12). Alle vorkommenden Filmformate und Breiten (wie Cinemascope, Todd-AO, Breitwand, 16, 35 und 70 mm) können projiziert werden. Sollen Vorträge durch Dias ergänzt werden, so ist eine Parallelaufführung möglich, d. h. es lassen sich zwei Bilder zugleich auf die Leinwand projizieren. Damit ist eine bessere Kontinuität des bildlichen Stoffes gewährleistet. In allen anderen Sälen können Filme und Dias mit transportablen Projektoren gezeigt werden.

geparkt

Bild 1 Teilansicht des „Congreß Centrum Hamburg" (CCH).
Bild 2 Blick in den 3000 Personen fassenden, größten Saal des CCH.
Bild 3 Der Festsaal 3 (Teilansicht).
Bild 4 Die Decke des Saals 1.

Bild 5 Im Festsaal 3 sind mehr als 5000 Leuchtstoff- und Glühlampen installiert.
Bild 6 Der Saal 2 bietet 1500 Personen Platz.
Bild 7 Tausende von Glühlampen beleuchten die 2200 m2 große Empfangshalle des CCH
Bild 8 Saalregiepult und Wechselsprechanlage während einer Live-Show im Saal 1.
Bild 11 Blick aus einer der Dolmetscherkabinen in den Festsaal 3.
Bild 9 Regieraum des . Saals 1 mit Licht- und Tonil regieanlagen.
Bild 12 Vorführraum des Saals 1 mit Film- und Dia-Projektoren.
Bild 10 Fahrbares Zuteilungspult für die Diskus-1 sionsmikrofonan lagen.
Bild 13 Licht- und Tonregiezentrale des Festsaals 3.

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