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Oktober 1972
Fachpressekonferenz - Rundfunk - Phono - Magnetband

Im Hause der Philips Electrologica Düsseldorf fand der zweite Teil der Fachpressekonferenz für die Bereiche Rundfunk-, Phono- und Magnetbandgeräte statt. Direktor I. Ingwertsen begrüßte die Gäste (Bild rechts) und leitete über zu den Referaten der Artikelgruppenleiter P. Brandt, E. Leupold und H. Willers. Auch hier standen neben den marktspezifischen Ausführungen die Geräteneuheiten im Vordergrund.

Unsere Bilder zeigen oben von links nach rechts: K. Tetzner und Gattin im Gespräch mit E. Leupold (1. v. r.) und H. Salzburg (Phonogeräteabtei-lung); H. Eiblmayr (Elektromeister / Deutsches Elektrohandwerk) und E. Pohi (radio-fernseh-phono-praxis) (r.) vor dem herausgeklappten Chassis des neuen Spulentonbandgerätes N 4416;

H. Willers erläutert die Besonderheiten der beiden neuen Cassettenrecor-der N 2211 und N 2510. Das mittlere Bild zeigt (von links): W. Roth (Funktechnik), L. Stoppel, A. Lambeck, H. Willers, I. Ingwertsen und P. Brandt (Deutsche Philips GmbH).

Im Bild unten links unterzieht B. H. Kettelhack (Funkfachhändler) die neuen Plattenspieler einer kritischen Betrachtung; im Bild daneben diskutieren die Fachjournalisten mit den Philips Fachleuten aus den betreffenden Artikelgruppen (v. I. n. r.) H. Offer (Magnetbandgeräte), Prof. Dr. C. Reu-ber (radio mentor electronic), H. Willers, W. Roth (Funktechnik), G. Kroll, U. Wedler (HiFi-Stereophonie), K. Tetzner (Funkschau), E. Pfau (freier Journalist), H. Salzburg, E. Leupold und E. Pohl (radio-fernseh-phono-praxis).

Aus der bunten Palette neuer Geräte des Rundfunk-, Phono- und Magnetbandbereiches stellen wir auf den folgenden Seiten eine kleine Auswahl aus dem HiFi-Sektor und dem Autoradiogebiet sowie einen Bericht über den Entwurf von Lautsprecherboxen vor.
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PHILIPS Kontakte
MARKTINFORMATIONEN DEZEMBER 1972
Trends und Tendenzen auf dem Elektromarkt

Dr. Lüder Beeken, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Philips GmbH, bei seinem Referat.

Philips präsentiert auch in einem Jahr ohne Funkausstellung technisch und wirtschaftlich interessante Produkt- und Programm-Entwicklungen. Trends und Tendenzen, denen sie folgen, zeichnen sich deutlicher ab vor dem Hintergrund der Weltmarkt-Entwicklung, der voraussichtlichen Entwicklung des deutschen Marktes und der Positionen, die Philips auf diesen Märkten einnimmt. Dr. Lüder Beeken, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Philips GmbH, vermittelte den Teilnehmern einer Philips Fachpressekonferenz in seinem Referat Background-Daten zur Lage.

Zur Weltmarkt-Situation

Bereits für 1969 wurde der Wert der Welt-Elektro-Produktion auf 440 Mrd. DM geschätzt. Daran sind - mit annähernd unveränderten Anteilen - die USA mit 44%, die UdSSR mit 12%, Japan mit 8-9% und die Bundesrepublik mit 8-9% beteiligt.
Der Philips Konzern hält einen Anteil von schätzungsweise 3% an der Welt-Elektro-Produktion.

Blick auf den deutschen Markt

Dem deutschen Weltmarktanteil entspricht eine hervorragende Position der Elektroindustrie in der Gesamtwirtschaft der Bundesrepublik. Sie nimmt mit 57 Mrd. DM Umsatz in 1971 nach der Nahrungsmittelindustrie und dem Maschinenbau den dritten Platz ein. Von 20 Mrd. DM in 1960 ist ihr Umsatz bis 1965 um 55% auf 31 Mrd. DM gestiegen; von 1965 bis 1970 war die Zuwachsrate mit 67% noch größer; das Wachstum hat sich beschleunigt.

Dem Umsatz von 57 Mrd. DM stand 1971 ein statistisch erfaßter Produktionswert von 51 Mrd. DM gegenüber. Davon entfielen:

  1. 57% auf Investitionsgüter
  2. 24% auf Vorerzeugnisse
  3. 19% auf Konsumgüter


An der Konsumgüter-Produktion partizipierten: die Unterhaltungselektronik mit 41% die Haushaltsgeräte mit 40% der Marktsektor Licht mit 19%

Von 1960 bis 1970 hatten Elektro-Konsumgüter mit Ausnahme des Jahres 1967 in der Bundesrepublik eine stetige Aufwärtsentwicklung mit starken Differenzierungen in den einzelnen Artikelgruppen.

1960 erreichte die Unterhaltungselektronik einen Umsatz von 1,7 Mrd. DM; 1970 betrug er 4,2 Mrd. DM, stieg also in 10 Jahren um den Faktor 2,5. Elektro-Haushaltsgeräte hatten im gleichen Zeitraum eine etwas bescheidenere Wachstumsrate. Hier stieg der Umsatz von 2,2 Mrd. DM in 1960 auf 4,1 Mrd. DM, also um das 1,8fache.

Eine glatte Verdoppelung ergibt sich im Lichtsektor von 1 Mrd. DM Umsatz in 1960 auf 2 Mrd. DM in 1970.

Hoher Konsumgüter-Anteil

Auf die besondere Struktur von Philips ging Dr. Beeken mit einem Vergleich ein: Die deutsche Elek-troproduktion hat ihren Schwerpunkt mit 57% bei Investitionsgütern: bei Philips haben Konsumgüter zur Zeit noch einen Anteil von 58% am Gesamtumsatz - allerdings mit sinkender Tendenz; das professionelle Geschäft gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Noch aber ist die Konsumgüter-Orientierung stark.

Mit 18,1 Mrd. DM Umsatz für 1971 liegt Philips an 14. Stelle der Liste der größten Industrieunternehmen der Welt - noch vor dem Volkswagenwerk, aber z. B. weit hinter General Electric. Unter den großen Europäern nimmt Philips den 3. Rang ein - hinter Shell und Unilever - und ist damit das größte Elektrounternehmen des Kontinents.

Auf dem deutschen Markt operiert Philips mit einem Umsatzvolumen von 2,5 Mrd. DM. Auf dem Gebiet der Unterhaltungselektronik ist die Deutsche Philips GmbH der zweitgrößte Anbieter in der Bundesrepublik.

Marktstrukturen im Wandel

Der Markt, auf dem sich das Unternehmen bewegt, ist schnellen, vielschichtigen Wandlungen unterworfen, die vom Verbraucher, von den Vertriebsstrukturen und vom industriellen Angebot ausgehen. Dr. Beeken nannte Beispiele:

  • • Während sich der gesamte Einzelhandel in der Bundesrepublik von 1965 bis 1971 mit einer Steigerung von 133 auf 206 Mrd. DM - das sind 55% - zufriedengeben mußte, steigerten die Warenhäuser ihre Umsätze von 12,4 auf 21,1 Mrd. DM, also um 70%. Gewachsen sind die Kaufhäuser vor allem über die Flächen-Expansion. Heute machen sie ihre Umsätze auf 2,3 Mill. m2; bis 1975 sollen es 2,8 Mill. m2 sein.
  • • Gleichzeitig haben sich in diesem Markt 750 Verbrauchermärkte mit 2,6 Mill. m2 Fläche und 10 Mrd. DM Umsatz sowie 660 C + C-Märkte mit nochmals 10 Mrd. DM Umsatzvolumen etabliert.
  • • Die Expansionswelle der Verbrauchermärkte scheint auszurollen, bei den C+C-Märkten geht die Expansion nicht uferlos weiter. Aber: Schon ist eine andere Entwicklung angelaufen, die große Aufmerksamkeit verdient: Tankstellen wandeln sich zu Minimärkten, seit die Pächter vom Benzin allein nicht mehr leben können.


Dr. Beeken ging detailliert auf die Probleme ein, die sich für eine große Konsumgüter-Vertriebsorganisation aus solchen Veränderungen im Markt ergeben. Er unterstrich die große Bedeutung der Distributionssysteme des Großhandels für die rationelle Gestaltung des Warenflusses und verwies auf das bislang einzigartige System der Philips Lagerorganisation mit großen Regionallagern als Schwerpunkten.
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Zur Konjunktursituation 1972

Dr. Beeken charakterisierte 1972 als ein Jahr mit guter Mengenkonjunktur. Er belegte seine Feststellung mit folgenden Fakten:

  • • Auftragseingang, Produktion und Umsatz liegen deutlich über den Vorjahreswerten.
  • • Das 2. Quartal dieses Jahres war insgesamt lebhafter als das 1. und die Beschäftigtenzahl stieg wieder geringfügig, lag aber noch um 1,5% unter dem Stand von Mitte 1971.
  • • Die Gesamtumsätze sind im 1. Halbjahr 1972 um 11,3% auf 29,6 Mrd. DM gestiegen.
  • • Mit 12% stieg der Gebrauchsgüter-Umsatz überdurchschnittlich; Investitionsgüter blieben mit 9,6% deutlich darunter.
  • • Die Produktionsziffern machen das Auseinanderklaffen des Wachstums von Gebrauchsgüterund Investitionsgüter-Industrie noch deutlicher: Der Zuwachs bei Konsumgütern betrug 19,3%, bei Investitionsgütern nur 9,3%.


Wichtigster Faktor für die positive Entwicklung der Unterhaltungselektronik im laufenden Jahr ist das Produktionsplus bei Farbfernsehgeräten mit 54,2% im ersten Halbjahr.

Blick in die Zukunft

Die Aussichten für die künftige Produktions- und Absatzentwicklung im Bereich der Unterhaltungselektronik nannte Dr. Beeken positiv. Am Beispiel des Fernsehmarktes rechnet die Marktforschung für Ende 1976 mit einem Bestand von
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  • 9,2 Mill. Farbfernsehgeräten
  • 14,4 Mill. Schwarzweiß-Heimgeräten
  • 4,4 Mill. Schwarzweiß-Portables

    = 28,0 Mill. Fernsehgeräte insgesamt.

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Bezogen auf die Zahl der Haushalte wird sich 1976 aus diesem Bestand eine Penetration *) von 123% errechnen. Weil dann 91% aller Haushalte mit Fernsehgeräten versorgt sein werden, kann man errechnen, daß in 32% der Haushalte ein Zweitgerät verfügbar sein wird. Heute sind das bei 85% Marktsättigung erst 6%.

*)Im Unterschied zum Sättigungsgrad werden hier auch Zweitgeräte erfaßt, so daß auch Werte über 100% möglich sind.

3. Vierteljahresbericht von Philips

Die günstige Umsatz- und Ertragsentwicklung, die sich bereits im ersten Halbjahr 1972 für den erweiterten Konsolidierungskreis der N. V. Philips' Gloeilampenfabrieken abzeichnete, hat sich auch im dritten Quartal fortgesetzt.

Der Umsatz ist in den Monaten Juli bis September um 6% auf 4,679 Mrd. Gulden gestiegen; für die ersten neun Monate 1972 errechnete sich eine Umsatzsteigerung um 9% auf insgesamt 13,804 Mrd. Gulden. Beide Steigerungsraten sind höher als erwartet. Das Betriebsergebnis verbesserte sich im dritten Quartal um 66% auf 459 Mio. Gulden. Für die ersten neun Monate 1972 wird das Betriebsergebnis mit 1,308 Mrd. Gulden angegeben.

Das entspricht einer Steigerungsrate gegenüber dem Vergleichszeitraum 1971 von 60%.
Der Reingewinn erhöhte sich im dritten Quartal 1972 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 170% auf 151 Mio. Gulden. Diese kräftige Zunahme führt das Unternehmen hauptsächlich auf den relativen Rückgang der Finanzierungskosten und auf das niedrigere Vorratsniveau zurück.

Diese Begründung gilt auch für die Steigerung des Reingewinns in den ersten neun Monaten 1972 um 131 % auf 416 Mio. Gulden.

Der für die ersten neun Monate 1972 ausgewiesene Gewinn nach Steuern entspricht einer Quote von 3,3% vom Umsatz und 8% vom Eigenkapital. Je Stammaktie im Nominal-
wert von 10 Gulden wurde in den ersten drei Quartalen des Jahres 1972 ein Reingewinn von 3,06 Gulden erwirtschaftet. Bei der Gewinnermittlung nach den Grundsätzen, wie sie in den USA angewandt werden, ergäbe sich ein Reingewinn von 3,80 Gulden je Stammaktie. Das Vorratsniveau konnte im dritten Quartal auf 30% vom Umsatz der letzten zwölf Monate weiter abgebaut werden. Zum gleichen Zeitpunkt 1971 betrugen die Vorräte noch 36%.

Die flüssigen Mittel per 30.9.1972 betrugen 1,307 Mrd. Gulden. Die Zahl der Mitarbeiter ist mit 367 000 per 30. 9.1972 zwar um 400 niedriger als am Jahresanfang, aber bereits wieder um 3 600 höher als zur Jahresmitte.

Das Schaufenster
Neuheiten, die in der letzten Zeit auf den Markt kamen:

FERNSEHEN

  1. Goya (D 26 K 260) Farbfernsehgerät mit 66-cm-Euro-color-Normhals-Bildröhre.
  2. van Gogh (D 22 K 250) Farbfernsehgerät mit 56-cm-Euro-color-Normhals-Bildröhre. Beide Geräte sind mit dem neuen K9-Chassis ausgestattet, Beschreibung siehe S. 4.
  3. Goya 110 L Vitrine (D 26 K 271) Farbfernsehgerät mit 66-cm- Euro-color-Normhals-Bildröhre und verschließbaren Jalousien.
  4. Aachen Luxus (D 24 T 212) Schwarzweiß-Fernsehgerät mit 61-cm-Bildröhre und D6N-Chassis.


TONBAND
HiFi-Stereotonbandgerät N 4414
HiFi-Stereotonbandgerät N 4416
HiFi-Stereotonbandgerät N 4510 (Tape-Deck)
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»Kontakte« Markt-Informationen • Dezember 1972

Auszüge aus den Referaten zur Marktsituation, gehalten auf der Philips Fachpressekonferenz am 6. Oktober 1972

Der Fernsehmarkt in Farbe und Schwarzweiß

Nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, sondern in ganz Westeuropa verlief die Entwicklung des Fernsehgeräte-Marktes wesentlich positiver als erwartet. Auf dem westeuropäischen Gesamtmarkt für Farbfernsehgeräte ergab sich im ersten Halbjahr 1972 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres eine Steigerungsrate von rund 70%.

Für das zweite Halbjahr wird nur noch eine Steigerungsrate von 40% - wegen der angespannten Liefersituation - erwartet, so daß insgesamt in 1972 ca. 4 Millionen Geräte (Farbe) abgesetzt werden, für 1973 rechnet man mit 5 Millionen Stück.

Auf dem Markt der Bundesrepublik verlief die Entwicklung ähnlich. Die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahr belief sich in den ersten acht Monaten 1972 auf rund 60%. Auf Jahresbasis wird sich die Steigerungsrate - ebenfalls wegen der Lieferengpässe - nur auf rund 40% belaufen.

Der Gesamtabsatz der Industrie dürfte ca. 1,5 Millionen Geräte betragen, davon gehen ca. 20% in den Export. Die Lagerbestände bei Industrie und Handel sind gegenwärtig außerordentlich niedrig, sie betragen weniger als eine 2-Wochen-Produktion.

Von den rund 22 Millionen Haushalten in der BRD besitzen z. Z. 85% ein Fernsehgerät. Davon wiederum sind rund 16% Besitzer eines Farbfernsehempfängers. Die Olympischen Sommerspiele in München haben zu einer erfreulichen Kontinuität des Farbfernsehabsatzes beigetragen, und wir nehmen an, daß auch das Weihnachts-Geschäft 1972 sehr positiv und die Ware weiterhin sehr knapp sein wird.

Ende 1972 werden ca. 3,5 Millionen Farbfernsehgeräte in westdeutschen Haushalten stehen. Auch für die nächsten Jahre erwarten wir eine günstige Entwicklung bei Farbfernsehgeräten, wobei den tragbaren Farbgeräten z. Z. noch keine großen Chancen eingeräumt werden. Hier dürfte erst nach 1975 mit einer steigenden Nachfrage zu rechnen sein. Wir schätzen, daß bis 1980 von den dann rund 24 Millionen Haushalten etwa 92% mit Fernsehgeräten ausgerüstet und davon ca. 60% Farbfernsehgeräte sein werden. Das wäre nach 14 Farbfernseh-Jahren in Deutschland eine sehr beachtliche Entwicklung.

Das Schwarzweiß-Fernsehgeschäft weist nur eine unwesentliche rückläufige Tendenz auf und wird - trotz des starken Anstiegs bei Farbfernsehgeräten - weiter von Bedeutung bleiben, wobei der Anteil tragbarer Geräte, der z. Z. rund 40% beträgt, noch ansteigen wird.

Der Rundfunkgeräte-Inlandsmarkt

Der Rundfunkgeräte-Inlandsmarkt umfaßt im Jahr 1972 gut 8 Millionen Stück, wobei sogenannte Spielzeug-Empfänger unter DM 25,- ausgeklammert sind. Nach unserer Meinung hält sich dieser Marktumfang bis 1975 auf etwa gleichem Niveau mit leichten Steigerungstendenzen. Hierbei werden sich allerdings innerhalb der einzelnen Geräteklassen teilweise beträchtliche Verschiebungen ergeben, die zu einer erheblichen wertmäßigen Steigerung führen. Die 8 Millionen Rundfunkgeräte des Marktangebots 1972 teilen sich wie folgt auf:

  • 24% Heimgeräte, hierzu zählen Tischgeräte, HiFi- und Stereo-Anlagen sowie Musiktruhen
  • 55% Kofferradios und Radio Recorder
  • 21 % Autoradios

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Wie sehen wir die Entwicklung in den einzelnen Geräteklassen?

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1. 90% der 22,4 Millionen Haushalte in der Bundesrepublik besitzen ein Rundfunk-Heimgerät. Wir schätzen, daß der klassische Tischempfänger-Markt bis 1975 um ca. 15% zurückgehen wird. Hauptursache für diesen Rückgang dürften die Kofferradios und Radio Recorder mit fest eingebautem Netzteil sowie der steigende Anteil der Stereo-Anlagen sein. Preiswerte Tischgeräte werden weiterhin den Weg zum Konsumenten finden, wobei speziell das Uhren-Radio von Jahr zu Jahr zunehmend an Bedeutung gewinnen wird.
2. Vermutlich werden bereits 1972 mehr als 850 000 Stereo-Anlagen inklusive Kombi-Geräten im Bundesgebiet abgesetzt werden. Bei den sogenannten Kombi-Geräten handelt es sich um Stereo- oder auch HiFi-Stereo-Tischgeräte mit integriertem Cassetten- und/oder Phonoteil. Hier erwarten wir bis 1975 noch beachtliche Steigerungen. Heute sind etwa 12% aller Haushalte mit einer Stereo-Anlage ausgestattet.

Die Sättigungsquoten, auf geteilt nach dem Netto-Verdienst, betragen:

bei über    DM 3 000,-    33%
zwischen    DM 2 000,-    
und    DM 3 000,-    25%
zwischen    DM 1 500 -    
und    DM 2 000,-    17%
zwischen    DM 1 000,-    
und    DM 1 500,-    11%
zwischen    DM 750,-    
und    DM 1 000,-    5%
unter    DM 750,-    1%

3. Von der Stückzahl her ist der mit Abstand wichtigste Bereich im Rundfunkgeräte-Geschäft die Gruppe „Kofferradio und Radio Recorder". Heute kommen auf rund 66% aller Haushalte mindestens ein Koffergerät oder Taschenempfänger, ein Drittel davon verfügt sogar über zwei oder mehr Geräte. Für 1972 schätzen wir einen Inlands-Markt dieser Gruppe von insgesamt ca. 4,5 Millionen Geräten (ohne Taschenempfänger unter DM 25,-). Bis 1975 wird der Markt von der Stückzahl her voraussichtlich geringfügig zurückgehen, vom Wert her gesehen wird dieser Rückgang allerdings durch höherwertige Radio Recorder mehr als kompensiert werden.

4. In der Bundesrepublik waren im Jahr 1965 nur 25% aller vorhandenen PKWs und Kombi-Fahrzeuge mit fest eingebauten Autoradios versehen. 1971 stieg dieser Anteil auf 42% und dürfte Ende 1972 etwa 45% erreichen. Die mittelfristige Prognose bis 1975 sieht weitere bemerkenswerte Steigerungen des jährlichen Absatzes vor. Diese Expansion wird im wesentlichen durch Autoradio-Kombinationen getragen, die bis 1976 einen Marktanteil von wenigstens 20% haben werden. (Autoradio-Kombinationen sind Autoradios mit integrierten Cassetten-Tonbandgeräten.)

Der Phonogeräte-Inlandsmarkt

Die Beurteilung des deutschen Phonomarktes orientiert sich an qualitativen und quantitativen Merkmalen.

Die qualitativen Merkmale sind in der Hauptsache aus folgendem abzuleiten:

  • a) Gegebenheiten des Schallplattenmarktes
  • b) die Entwicklung der Käuferstruktur
  • c) die Entwicklung der Produktkonzeption.

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zu a)

Der Schallplattenmarkt wies 1971 erstmalig einen Absatz von über 100 Millionen Stück aus; für 1972 ist aufgrund der bisher vorliegenden Zahlen, trotz einer gewissen Sommerflaute, mit einer Steigerung von ca. 20% sicher zu rechnen. In den folgenden Jahren dürften Steigerungsraten von ca. 17-18% zu erwarten sein.

Für Cassetten, die heute noch vergleichsweise geringere Stückzahlen aufweisen, nimmt man dagegen Steigerungsraten von ca. 50% an. Dieser steile Anstieg ändert nichts an der Tatsache, daß für die Schallplatte - und damit auch für das Abspielgerät - im ganzen gesehen - weiterhin eine positive Marktentwicklung prognostiziert werden kann.

zu b)

Bei der Käuferstruktur ergeben die letzten Jahre ein Bild der Polarisierung mit den Haupttendenzen „Jugendmarkt" und „gehobener Markt". Stark vereinfacht gesehen gehen ca. 40% der Phonogeräte heute an Jugendliche, was ziemlich identisch mit einem entsprechenden Anteil der Schallplattenverkäufe ist. Etwa 60% der Verkäufe entfallen auf Phonogeräte, die von Konsumenten mit gehobenen Ansprüchen getätigt werden.

Man unterteilt den Gesamtabsatz in Initial-, Zweitgeräte- und Ersatzgerätekäufe. Hierbei ist festzustellen, daß der Sektor Zweitgeräte etwa identisch mit dem Jugendmarkt ist.
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zu c)

Der Jugendmarkt verlangt hauptsächlich Abspielgeräte, deren Konzepte „zielgruppeneigene" Merkmale tragen. Jugendgeräte sind preiswert, handlich, leicht zu transportieren sowie in Form und Farben entsprechend ausgeprägt. Sie haben eine genügend große Leistung, die vermeidet, daß sie als nur billige Geräte ausgewiesen werden.

Der sogenannte gehobene Markt orientiert sich an anderen Kriterien: Hier spielt das steigende Qualitätsbewußtsein und der hochwertige Artikel generell eine bedeutende Rolle. Spezielle Argumente sind Bedienungskomfort, Schallplattenschonung, größere Ausgangsleistung und Erweiterungsfähigkeit zur Heim-Stereo-Anlage.

Die quantitative Beurteilung des Phonomarktes ist vergleichsweise einfach: Ohne Berücksichtigung des Industriegeschäftes (d. h. Chassis-Verkäufe für Truheneinbau) gehen wir von einem Gesamtmarkt aus, der rund 2 Millionen Phonogeräte umfaßt. Die strukturelle Verteilung ergibt hierbei etwa 60% Phonogeräte mit eingebauten Verstärkern und etwa 40% reine Abspielgeräte.

Für unseren Firmenbereich können wir auf dem Phonomarkt eine recht erfreuliche Bilanz ziehen: Im Jahr 1971 ergab sich eine Umsatzsteigerung von 25% und eine Stücksteigerung von 15%. Die bis heute vorliegenden Fakten erlauben bereits eine reale Schätzung für 1972: Die Umsatzsteigerung per Ende des Jahres wird bei etwa 20% und die Stücksteigerung bei etwa 12-13% liegen.

Der Tonbandgeräte-Inlandsmarkt

Obwohl die Compact-Cassette in unserm Hause 1963 das Licht der Welt erblickte, war der eigentliche Beginn des Cassetten-Zeitalters (Anmerkung : "erst") 1965 mit einer kombinierten Aktion von Geräteherstellern und Programm-Anbietern.

Vergleicht man die Verhältnisse 1965 mit denen von 1971, so ist festzustellen, daß sich der Totalmarkt für Tonbandgeräte aller Ausführungen auf das Zweieinhalbfache gesteigert hat. Aus den Beobachtungen der vergangenen Jahre läßt sich ableiten, daß mit dem Cassetten-Recorder ein weitgehend zusätzlicher Markt geschaffen wurde von einer Dimension, die mit dem Spulengerät allein nie erreichbar gewesen wäre.

Dabei kann nicht in Frage gestellt werden, daß die Expansion des Spulengeräte-Geschäfts ohne den Cassetten-Recorder noch etwas steiler ausgefallen wäre. Wenn jetzt ein Teilbereich des Spulengeräte-Marktes auf das Cassettengerat übergeht, so ist das sicher keine Ausnahmeerscheinung, sondern eine Marktbewegung, die langfristig in die Marketing-Überlegungen einbezogen werden muß. Dabei sollten der niedrige Durchschnittserlös des Cassettengerätes und sein höherer Importanteil nicht übersehen werden.

Innerhalb des gesamten Cassettengeräte-Marktes ist der Anteil der Stereo-Geräte für gehobenere Qualitätsansprüche inzwischen beachtlich geworden. Das wird auch daraus deutlich, daß sich anfangs nur unser Unternehmen in diesem Bereich mit Entwicklung und Produktion engagierte, während heute das Marktangebot an Umfang erheblich zugenommen hat.

Die Gedankenverbindung von Stereo und HiFi ist heute so eng geworden, daß der Wunsch nach dem Cassettengerat als ergänzendes Element zur HiFi-Anlage in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist.

Es stellt sich natürlich die Frage, ob mit der Entwicklung dieses HiFi-Cassetten-Gerätes ein prinzipieller Schritt gegen den Spulengeräte-Markt eingeleitet worden ist.

Die deutlichste Antwort darauf mag die Tatsache sein, daß wir neben dem HiFi-Cassetten-Recorder heute auch unser neues Spulengeräte-Programm der oberen Preis- und Qualitätsklasse vorstellen, dessen Entwicklung zeitlich parallel mit dem Entstehen des HiFi-Cassettengerätes verlief.

Damit dürfte klar werden, daß Philips dem Spulengeräte-Markt weiterhin seine Chance einräumt, und zwar mit einer deutlichen Tendenz zum hochwertigen Produkt. Hierunter fällt nicht allein die Ansammlung von Bedienungselementen und Funktionen, sondern ganz speziell der mechanische und elektronische Aufbau.

Wir nehmen zu Recht in Anspruch, mit dieser Produktreihe eine neue Generation im Tonbandgerätebau eingeleitet zu haben, deren Innovation in mehr besteht als in einer Veränderung der Formgebung.

Es sind immerhin fünf Geräte, bei denen es gelungen ist, u. a. durch konsequente Anwendung des Drei-Motoren-Betriebs und einen weitgehenden Verzicht auf mechanische Bestandteile, die Konstanz der Leistungsdaten, der Betriebssicherheit und der Servicefähigkeit zu gewährleisten. Qualität hat ihren Preis, und so ist auch das neue Geräteprogramm sicher teurer als das Stereo-Programm, das wir in der Vergangenheit vertrieben haben.

Insgesamt gesehen, glauben wir an die Zukunft des Spulengeräte-Geschäfts, sind allerdings der Meinung, daß die Struktur dieses Marktsegments in einigen Jahren anders aussehen wird als heute. Im Gegensatz zum typischen Cassettengeräte-Käufer, der in erster Linie das preiswerte, unkompliziert zu handhabende Gerät sucht, wird sich der Spulengeräte-Käufer immer deutlicher als ein Mensch profilieren, bei dem die Beschäftigung mit dem technischen Element seines Gerätes stark im Vordergrund seines Interesses steht.

Marktinformationen Dezember 1972 - Für Sie notiert...

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Japanischer Großauftrag für Philips P 800-Minicomputer

Minicomputer im Werte von rd. 7,6 Millionen DM werden von Philips Electrologica, Apeldoorn/Nieder-lande, an ein japanisches Unternehmen der Elektrotechnik geliefert. Entsprechend dem bereits unterzeichneten Vertrag erfolgt die Lieferung dieser 200 Philips Computer der Typen P850, P855 und P860 innerhalb eines Zeitraumes von 3 Jahren.

Iranian Lamps Ltd. unter Philips Beteiligung gegründet

Die Verwaltung der N. V. Philips' Gloeilampenfabrieken hat heute offiziell mitgeteilt, daß sie zusammen mit der Osram GmbH, München, der Industrial and Mining Development Bank, der iranischen Investment Co. sowie bestimmten iranischen Privatanlegern die Iranian Lamps Ltd. mit Sitz in Teheran gegründet habe. Das Gemeinschaftsunternehmen ist mit 5 Mill. hfl kapitalisiert worden.

Minicomputer-Großauftrag für Philips

Philips hat in seinem Bereich Data Systems / Industriegruppe Small Computer einen Vertragsabschluß über die Lieferung von P 850 Minicomputern im Werte von mehreren Millionen Pfund erzielt. Die Auslieferung, die im Rahmen eines OEM-Geschäfts (Einbau der Philips-Computer in Systeme eines anderen Herstellers) erfolgt, beginnt jetzt und wird sich bis 1975 erstrecken. Der unterzeichnete Vertrag umfaßt die ungewöhnlich hohe Liefermenge vor rund 5000 bis 6000 Minicomputern, die in Australien, Neuseeland und Südostasien installiert werden sollen. Philips beabsichtigt, in naher Zukunft die Namen der beteiligten Firmen sowie die Anwendungsgebiete für diese Computer bekanntzugeben. Zum selben Zeitpunkt wird auch eine Ankündigung des betreffenden Philips-Kunden über dessen neue Produkte erfolgen.

Rabatt, wenn Alarmanlage eingebaut ist

Versicherungsgesellschaften gewähren bis zu 25 % Steigende Eigentumskriminalität in der Bundesrepublik hat die Versicherungswirtschaft dazu veranlaßt, mehr zur Schadenverhütung zu tun. Wie jetzt in Köln mitgeteilt wurde, können beim Einbau anerkannter Alarmsysteme Rabatte bis zu 25% auf die Prämie für Einbruchdiebstahl- versicherungen von Geschäften, Lagern und Büros gewährt werden. Bei stark einbruchgefährdeten Geschäften machen die Versicherungsgesellschaften den Einbau einer elektrischen Alarmanlage künftig zur Voraussetzung eines Versicherungsvertrages. Nach Feststellung des zuständigen Verbandes scheitert etwa jeder dritte Einbruchversuch, wenn elektrische Alarmanlagen vorhanden sind. Das aus dem "Fachblatt für Selbstbedienung"
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Philips-Stirling-Lizenz für Ford Motor Company

Die Ford Motor Company, Detroit, der Philips-Konzern, Eindhoven, und die U.S. Philips Corporation, New York, haben soeben eine Vereinbarung über Lizenzen und ein Entwicklungsprogramm für Stirling-Motoren bekanntgegeben. Im Rahmen dieser Vereinbarung erhält Ford eine exclusive, weltweit gültige Lizenz.

Damit werden Ford, dem zweitgrößten Automobil-Hersteller der Welt, Philips-know-how und -Patente für Pkw-, Lastwagen-, Traktoren-, Omnibus- und Militärfahrzeug-Motoren sowie Industrie-und Schiffsmotoren zugänglich gemacht. Darüber hinaus erhält Ford eine nicht-exclusive Lizenz für alle anderen Typen von Stirling-Moto-ren. Die bereits mit verschiedenen europäischen Gesellschaften geschlossenen Lizenzabkommen bleiben von den neuen Lizenzvereinbarungen mit Ford unberührt. Ford wird Unterlizenzen an andere Gesellschaften zu angemessenen Bedingungen vergeben. Wenn Ford die Produktion von Stirling-Motoren aufnimmt, werden Lizenzabgaben an Philips fällig.

Im Rahmen eines Siebenjahresplanes hat ein einleitendes gemeinsames Entwicklungsprogramm bereits begonnen, das auf drei Jahre bemessen ist. Philips übernimmt Entwurf und Bau experimenteller Stirling-Motoren, die bei Ford getestet werden. Die Vereinbarung sieht vor, daß Ford die Beteiligung an diesem Programm in verschiedenen Phasen beenden kann, wenn bestimmte technische Ziele nicht erreicht werden sollten. Der im Prinzip bereits vor 150 Jahren von dem schottischen Geistlichen Dr. Robert Stirling erfundene Stirling-Motor arbeitet mit externer kontinuierlicher Verbrennung.

Philips beschäftigt sich bereits seit 1938 mit der Verfeinerung und Vereinfachung dieses Maschinentyps. Neuere Laborergebnisse, die von Philips-Wissenschaftlern unter der Leitung von Dr. R. J. Meijer in den Philips-Forschungslaboratorien in Holland erzielt wurden, eröffnen Möglichkeiten für wesentliche Weiterentwicklungen auf den Gebieten der mechanischen Vereinfachung, der Größen- und Gewichtsverminderung und der Kostenreduzierung. Diese Möglichkeiten, verbunden mit den dem Stirling-Motor eigenen sauberen Verbrennungseigenschaften, fanden das Interesse der Ford Motor Company.

Dank seiner kompakten zylindrischen Formgebung läßt sich der neueste Philips-Stirling-Motor leicht als mobiler Antrieb verwenden. Der Motor arbeitet mit vier Kolben und einer rotierenden Taumelscheibe mit besonderer Geometrie zur Umsetzung der oszillierenden Kolbenbewegung in eine rotierende Bewegung. Als Arbeitsgas in der Maschine dient ein Leichtgas, das durch abwechselnde Erhitzung und Abkühlung die Kraft für die Bewegung der Kolben liefert. Die Maschine kann mit praktisch allen Kraftstoffen betrieben werden. Philips-Labortests haben gezeigt, daß die Maschine sich durch günstige Emissionswerte und ein niedriges Geräuschniveau auszeichnet. Sie lassen außerdem gegenüber herkömmlichen Automobilmotoren mit vergleichbarem Leistungsniveau Kraftstoffersparnisse erwarten. Die Partner des Lizenz- und Entwicklungsabkommens sind sich klar darüber, daß zahlreiche Entwicklungsaufgaben in Richtung auf die Dauerhaftigkeit, Zuverlässigkeit, Serienproduktion und Wirtschaftlichkeit noch zu lösen sein werden. Das gemeinsame Entwicklungsprogramm von Ford und Philips schließt alle diese Aspekte ein.

Philips ordnet seinen Chemie-Bereich neu

Dem Philips-Firmenverband gehören in der deutschen Bundesrepublik einige im Chemie-Bereich tätige Unternehmen an, die bisher innerhalb des Konzerns als selbständige Einheiten fungierten.

In Anlehnung an die bestehende internationale Unternehmensstruktur und im Zuge einer Straffung der Aktivität wurde nunmehr eine organisatorische und juristische Zusammenführung sämtlicher innerhalb der Bundesrepublik auf dem Chemie-Sektor operierenden Philips- Gesellschaften vorgenommen.

Die Geschäfte der zur Chemie-Gruppe gehörenden Firmen Aglukon GmbH, Veterinaria GmbH und Zoan Chemie GmbH wurden mit Wirkung vom 1. Mai 1972 auf die schon bestehende Philips Duphar GmbH, Düsseldorf, übertragen, welche die Aktivitäten der integrierten Gesellschaften ohne Einschränkungen fortführen wird.

Die Zusammenfassung zu dieser Firmengruppe wird als solide Basis für das künftige Wachstum der Philips-Unternehmen im Chemie-Bereich angesehen.
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Die ersten Radio-Oldtimer kommen

Man glaubt es kaum. Wo ist die Zeit geblieben? Noch hat unsereins die Sperrholzkästen im Gedächtnis, mit den drauf gesetzten Lampen und den Skalen, auf denen man Königs Wusterhausen oder Daventry ablesen konnte, an denen man drehen mußte, bis das Piepsen wie ein vorweggenommener Sputnikton sich in den sanft schabenden Telefongeigenklang verwandelte. Das muß doch eben erst gewesen sein, möchte man glauben.

Aber siehe: Die ersten Radio-Oldtimer sind soeben auf den Markt gekommen, und das ist ein untrügliches Zeichen: Hier ist etwas schon so alt geworden, daß man es antik nennt und, wie bei den Autos von 1904, auf antik nachbaut.

Die Meldung heißt, eine Münchner Firma, „Brimborium" mit Namen, baue Rundfunkempfänger im Stil der zwanziger bis dreißiger Jahre. Da steht nun der von Hand geleimte und genutete Kasten, mit Laubsägemustern für den Tonaustritt, mit heimgedrechselten Drehknöpfen, ein wahrer Vater des weiland Volksempfängers.

Freilich (wer wollte es auch anders) ist das Eingeweide elektronisch und von heute, freilich ist der Lautsprecher hinter dem grauen Spannleinen einer, der Hi-Fi hergibt. Nur das Äußere ist ganz und gar wie alt.

O heilige Nostalgia, nun ist das Radio nicht mehr sicher vor deinem allumfassenden Segen. Dabei, wenn man es historisch betrachtet, ist das gar nicht so lange her, daß in Deutschland der erste Rundfunksender seine Töne in den sogenannten Äther sandte.

Fast auf den Tag genau sind es 52 Jahre, und nur dreißig Jahre (oder nur wenig mehr) ist es her, daß alle Welt mit dem Einheitsempfänger bedacht wurde, auf daß sie die Stimme ihres Herrn, und nur die, hörte im Deutschen Reich (Nr. IM). Und schon ist es Historie und Objekt snobistischen Überdrusses.

Man sollte seinen ersten Fernseher auf dem Dachboden lassen. Wer weiß, eh man sich versieht, ist die Zeit um, und man kann ihn wieder in die gute Stube lassen: antik, ein Erbstück, mit fast ovalem Schirm und achtzig Zentimeter tief. Mit echt Gelsenkirchener Barock-schränkchen und der Filzstiftmarkierung für ARD und ZDF. Ja, damals - so wird man sagen -, freilich damals: ARD und ZDF!

aus "Die Welt"
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Funkschau-Preis 1973

Nachdem der Funkschau-Preis 1969 und 1971 mit großem Erfolg durchgeführt wurde, haben Verlag und Redaktion der Funkschau nunmehr den Funkschau-Preis 1973 ausgeschrieben.

Seine Zielsetzung wechselt, aber im Grunde wendet er sich stets an alle Leser, die aktiv in der Elektronik tätig sind - an Ingenieure, Werkstattechniker, Funkamateure, Hobby-Elektroniker und alle jene, die mit Elektronik im weitesten Sinne beruflich oder aus Liebhaberei zu tun haben.

Zum zweiten aber wird eine Gruppe angesprochen: die Ausbilder und die Auszubildenden in unseren elektronischen Berufen. Der Funkschau-Preis ist mit insgesamt 10.000 DM dotiert und wird in zwei Abteilungen vergeben. Die erste Kategorie, für die 6.000 DM an Preisen zur Verfügung stehen, verlangt die Einsendung von interessanten Bauanleitungen, die für die sich wachsender Beliebtheit erfreuende Funkschau-Rubrik „Für Praxis und Hobby" verwendet werden können.

Es wird gefragt nach großen Bauanleitungen, deren Umfang nicht limitiert ist, vielleicht auch Meisterstücke aus Meisterprüfungen. Zum anderen aber auch nach Serien von kleinen Schaltungen, die von jedermann leicht nachzubauen sind und neben ihrem praktischen Wert vor allem die Freude am Selbermachen und an der handwerklichen Betätigung auslösen.

Die zweite Kategorie steht unter dem Motto: „Werden wir zukunftssicher ausgebildet - Bilden wir richtig und zeitgemäß aus?" Verlag und Redaktion fordern auf: die Lehrlinge in Handel und Handwerk und in der Industrie und die Techniker, die sich auf die Meisterprüfung vorbereiten, uns darzulegen, ob die heutige Lehrmethodik ausreicht, ob sie etwa veraltet ist, ob sie verbessert werden kann - wenn ja - wie? Immer aus der Sicht des Lernenden gesehen. Der Ruf geht ebenso an die Ausbilder - die Lehrmeister, die Lehrherren und die Berufsschullehrer - niederzuschreiben, wie sie diese Frage sehen und welche Lösungsvorschläge sie haben. Länge der Manuskripte: sechs Schreibmaschinenseiten (11/2zeilig geschrieben) maximal, Bildmaterial zusätzlich. Einsendeschluß: 1. 4. 1973.
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