Sie sind hier : Startseite →  Film- und Kino-Historie→  "Hollywood" am Kochbrunnen→  hollywood-am-kochbrunnen-25

1945 - 1995 "Der unendliche Traum von der Traumfabrik"

In 26 Kapiteln blickt Horst Goscke auf 50 Jahre Wiesbadener Film-Euphorie zurück und skizziert Höhepunkte und Tiefpunkte der Wiesbadener Ambitionen, mal ein deutsches Hollywood zu werden. Viele bundesweit bekannte Filme und Personen werden aufgeführt und auch das zeitweise wirre politische Drumherum der Nachkriegszeit wird nicht vergessen.

.

(25) - 1991 - Medienzentrum Rhein-Main
Thema : Neubau unter den Eichen für 7 Millionen

Auch für den Medienbereich der Wiesbadener Fachhochschule erbaute die „TaunusFilm" „Unter den Eichen" 1991 das neue Gebäude. Studenten und Studentinnen finden hier die Nähe zur Praxis.

Im April 1991 erfolgt die Grundsteinlegung eines neuen Büro- und Werkstattgebäudes auf dem Filmgelände „Unter den Eichen". Vor allem der Fachbereich Medientechnik und Medienwirtschaft der Wiesbadener Fachhochschule soll von dem 7,6 Millionen teuren Neubau profitieren. Er wird als Mieter einziehen.

Geplant ist, daß den Studenten und Studentinnen auch die Aufnahmestudius zur Verfügung stehen, und daß sie bei aktuellen Produktionen mitarbeiten dürfen. Professor Dr. Hartwig Keim, der Intendant des Hessischen Rundfunks und Aufsichtsratsvorsitzende der „Taunus-Film GmbH", die bekanntlich zur Tochtergesellschaft der HR-Werbung wurde, ist bei der Grundsteinlegung dabei und auch Wolfgang Graß, der neue Geschäftsführer.
.

1990 - Strukturwandel der „TaunusFilm"

1978 wurde die Villa Clementine in der Wilhelmstraße Schauplatz einer „Buddenbrock"-Verfilmung.
1980: Teile eines Spielfilms, der das Leben einer jüdischen Familie in der Nazizeit schildert, entstehen in der Hermannstraße.
RTL-Showtime mit „Aber Hallo! "und Frank Elstner in den Ateliers der „Taunus-Film",
Auch Teile der TV-Serie „Hessische Geschichten" entstanden in Wiesbaden. Hier Günter Strack (r.) bei Außenaufnahmen an der Nerobergbahn.

Graß kommt von „Sat.l". Dort war er Programmdirektor und technischer Direktor. Begonnen hatte er seinen beruflichen Weg beim Hörfunk der ARD. Er war Redakteur beim SWF. 1973 wechselte er zum Hessischen Rundfunk, in dem er zum engen Berater von gleich drei Intendanten wurde, zuerst von Werner Hess, dann von Wolfgang Lehr und schließlich von Professor Dr. Keim. „Unter den Eichen" tritt Graß als Reformer auf. Mit Unterstützung des Hessischen Rundfunks leitet er noch
1990 einen Strukturwandel der „TaunusFilm" ein, öffnet sie für Gesellschafter vom freien Markt. Inzwischen gibt es Zusammenschlüsse mit der Tellux-Film GmbH in München und der Wagner Television GmbH (heute OMNIMAGO) in Ingelheim.

Fusioniert wurde auch mit der "Klaus Zufalls Synchron" Berlin - sehr zum Vorteil des Unternehmens. Graß: „Dort haben wir auch eine breite Palette von profilierten Sprechern und Sprecherinnen, die tagsüber für Synchronisationsaufgaben erreichbar sind."

Trickfilme von der Rita Pictures Film- und Fernseh- Produktions-GmbH

Auch eine Neugründung erfolgt. 1991 entsteht die Rita Pictures Film- und Fernseh-Produktions-GmbH. Sie ist hundertprozentige Tochter der „TaunusFilm" und stellt Trickfilme für TV-Serien her, so die ZDF-Serie „Sauerkraut". Gehämmert wird „Unter den Eichen" nur noch selten. Für den Bau von Film- und Fernsehkulissen hat man ein Tochterunternehmen in Heidenrod-Kemel errichtet. Und längst steht ein Studio in Frankfurt und in Kassel.

Aber auch in Köln findet man das 1953 in Herne/Westfalen gegründete Unternehmen, das auf verblüffende Weise zu seinem Namen kam. Er stammt von - ja, von einer Doppelliege, der sogenannten „Taunus"-Liege. Für das Möbelstück hatte Karl Schulz in der Nachkriegszeit einen Werbespot produziert. „Taunus" nannte er dann auch seine Film-Firma, zu der sich noch im selben Jahr die „Bühne und Film"-Gesellschaft gesellte, die dann in den Wiesbadener „Afifa"- Ateliers „Unter den Eichen" den Carl-Ritter-Film „Staatsanwältin Corda" herausbrachte. Lang ist's her ...
.

1992 - Filme produzieren oder mit Promotion- Veranstaltungen (über)leben

Inzwischen entsteht in den Studios der „Taunus-Film" die Sendung „RTL Hessen Live". Auch für „Sat.l" wird produziert, beispielsweise der Einschaltquotenheber „Schwarz greift ein", ein „Ifage"-Projekt. Die „Privaten" - vor Jahrzehnten wäre das undenkbar gewesen - gehen (wie das ZDF und die ARD) auf dem 70.000 Quadratmeter großen Gelände ein und aus.

Und wenn die Kameras einmal nicht laufen, findet in den Hallen vielleicht gerade die Präsentation eines neuen Auto-Modells statt. „Wo gestern noch große Shows wie ,Aber Hallo!' mit Frank Elsner aufgezeichnet wurden", liest man in einer Werbebroschüre, „können Sie Ihre Kunden und Händler in Studioatmosphäre motivieren." Dazu Graß: „Wir sind ambulante Händler, wir sind käuflich." Er und sein Stellvertreter, der kaufmännische Leiter Walter Richter, leiten, so profan es klingt, ein Dienstleitungsunternehmen. O-Ton: „Das größte private technische Dienstleistungsunternehmen für Film- und Fernsehproduktionen im Rhein-Main-Gebiet."

Hessen knausert mit den Millionen, die anderen nicht

King Kong „zierte" die Rhein-Main-Halle, die 1993 erstmals zum Tagungsort des „Europäischen Filmtheater Kongresses" wurde.

Aber Graß ist nicht glücklich. Nicht mit der Stadt und nicht mit der hessischen Landesregierung. Wer könnte das auch, wenn er etwas mit Film zu tun hat? Berlin, beispielsweise, investiert 1995 in das Medium runde 35 Millionen Mark, Bayern ist mit 29 Millionen Mark dabei, Hamburg mit 14 Millionen Mark, und Baden-Württemberg stellt 10 Millionen "zur Verfügung". Hessen nennt gerade 2,1 Millionen Mark und davon unterliegen dann noch 20 Prozent einer Haushaltssperre.

1994 - Die Zahlen sprechen für sich.

Auf die Unverhältnismäßigkeit der Summen, die in die Subventionierung der Theater fließen, und die zur Förderung des Films bereitgestellt werden, muß dabei erst gar nicht hingewiesen werden. Graß geht es nicht um Subventionen. In einem Vortrag, den er im Herbst 1994 vor der Industrie- und Handelskammer hielt, sagte er sogar, sie seien generell abzulehnen. Aber es geht ihm um eine bessere Zusammenarbeit. Wenn sich hier nichts ändere, meinte er in dem IHK-Vortrag, sei die Zeit des Medienstandorts Wiesbaden bald vorbei. Jetzt (1994), im Jubiläumsjahr des Films, erinnert er sich gerne an die Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit, die ihm in einem Gespräch mit Berlins Regierenden Bürgermeister Eberhardt Diepgen entgegengekommen ist.

1993 - „King Kong" blickt in Richtung Staatskanzlei

Eine dunkle Befürchtung steigt auf: Könnte sich vielleicht der Kreis, der sich 1949 mit der Übersiedlung der „Afifa" von Berlin nach Wiesbaden öffnete, in naher Zukunft mit dem Umzug der „TaunusFilm" nach Berlin wieder schließen? Man will es nicht "meinen". Auch deshalb nicht, weil zu Beginn des Jahres 1993 Wiesbaden vom Hauptverband Deutscher Filmtheater erneut als Filmstadt ins internationale Rampenlicht gerückt wurde. Der „Europäische Filmtheater Kongreß", zuvor in Baden-Baden zu Hause, siedelte in die Rhein-Main-Halle über. Und „King Kong", der Riesenaffe, der gerade noch den „Zoo-Palast", das Berlinale-Kino nahe dem Kudamm „zierte", blickte nun zähnefletschend in Richtung Bierstadter Straße 2, auf die Staatskanzlei, in der der Hessische Ministerpräsident seinen Sitz hat (hatte).

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2007 / 2017 - Deutsches Fernsehmuseum Wiesbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.