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1945 - 1995 "Der unendliche Traum von der Traumfabrik"

In 26 Kapiteln blickt Horst Goscke auf 50 Jahre Wiesbadener Film-Euphorie zurück und skizziert Höhepunkte und Tiefpunkte der Wiesbadener Ambitionen, mal ein deutsches Hollywood zu werden. Viele bundesweit bekannte Filme und Personen werden aufgeführt und auch das zeitweise wirre politische Drumherum der Nachkriegszeit wird nicht vergessen.

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(17) - 1955 Bonjour Katrin in Wiesbaden
Thema : "Unter den EIchen wird zu klein !!!"

Harald Reinl ist mit den letzten Innenaufnahmen für „Solange du lebst" beschäftigt, Willy Birgel ist mitten in seinem „Rosenmontag", da kommt auch noch Eduard von Borsody mit „Der Major und die Stiere". Ein verrückter Juli ist das, dieser Juli 1955. Plötzlich ist alles zu klein. Rudolf Steppacher hat alle Hände voll zu tun, um dennoch jedem Produktionsteam ausreichend Platz für Atelieraufnahmen zu garantieren.

Aber die Hallen „Unter den Eichen" reichen nicht mehr aus. Die Schloßreithalle am Marktplatz wird zum Ausweich-Atelier und auch der Malersaal des Staatstheaters.

Großen Namen bleiben für später in Erinnerung

Dort zieht zeitweilig Eduard von Borsody ein und mit ihm Attila Hörbiger, Chris Howland und Hörbigers Tochter, Christel Wessely-Hörbiger. Bald wird sie sich Christine Hörbiger nennen und auch auf der Bühne einen großen Namen erspielen.

Wiesbaden wird - wie schon bei Romy Schneider - in ihrer Erinnerung bleiben als der Ort, an welchem einmal ihre Karriere begann. Viel Wandlungsfähigkeit verlangen Eduard von Borsody und das Drehbuch nicht von ihr. Sie hat die Tochter ihres Vaters zu spielen, und der wiederum spielt den Bürgermeister einer bayrischen Dorfgemeinde - in Wiesbaden, wohlgemerkt. Aber warum soll das nicht möglich sein, zumal Harald Reinl im Atelier nebenan ja augenblicklich mitten in Spanien lebt? Mitte der dreißiger Jahre allerdings.

Und draußen, auf der Filmstraße, da steht Willy Birgel in der Zeit um die Jahrhundertwende - irgendwo am Niederrhein. Noch lustiger wirds in der Kantine.
Damen und Herren in Plüsch- und Plenrensentracht sitzen zwischen Spanienkämpfern und G.I.s.

Räuber und Gendarm spielen auf den Felsen im Nerotal

Viel zu sehen gab es im Sommer 1955 für Schaulustige im Nerotal an der Felsen- gruppe. Attila Hörbiger saß auf einem Anstand im Baum für Aufnahmen im Baum für Aufnahmen zu der Kinokomödie „Der Major und die Stiere".

Spaziergänger im Nerotal stoppen erstaunt mit offenen Mündern den Schritt.

An einer hohen Kiefer nahe der Felsengruppe ist ein Anstand (auch Hochstand genannt) errichtet. Obendrauf sitzen ein Bayer und ein amerikanischer Offizier. Attila Hörbiger ist es und Fritz Tillmann. Beide benehmen sich so, als ob sie in nächster Sekunde einen Hirsch schießen wollten.

„Halt", schreit einer von unten. Und dann sehen die Spaziergänger auch eine Kamera, viele Kabel und Scheinwerfer.

Eine Szene für „Der Major und die Stiere" wird gedreht. Neben Eduard von Borsody steht Karl Schulz, der Produzent.
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Wir haben sogar eine Burg in Wiesbaden

In Sonnenberg, nahe der Burg, in einem Ausflugscafe, zieht Willy Birgel die Blicke auf sich.

Der große Ufa-Star probt mit Ruth Niehaus und Dietmar Schönherr eine weitere Einstellung für seinen Breitwandfilm.
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Der "Kampf" um das Filmgelände -
hinter den Kulissen . . .

Hinter geschlossenen Türen laufen inzwischen Beratungen, was man von seiten der Stadt und des Landes unternehmen kann, um das Filmgelände „Unter den Eichen", das nun öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben ist, zu erhalten. Deutsche Filmgesellschaften der Produktion und des Verleihs, liest man, seien nicht abgeneigt, sich zu einer Käufergemeinschaft zusammen- zuschließen. Schließlich dringt aus dem Hessischen Landtag die Nachricht, daß das Kabinett auch in Zukunft seine schützende Hand über die Wiesbadener Ateliers halten wolle.

Es soll auch wieder Bürgschaften geben

Geplant werde, heißt es, 1,2 Millionen DM an Bürgschaften bereitzustellen, um einer Produzenten-Gruppe die Herstellung einer ersten Staffel von vier Filmen zu ermöglichen.

Ein Revuefilm mit Caterina Valente und Peter Alexander

Musikalisch ging es zu bei dem Film „Bonjour Kathrin". Kurt Edelhagen lieferte den Sound dafür. Und Caterina Valente, Silvio Francesco (unser Bild) und Peter Alexander sorgten „Unter den Eichen" für die beschwingte Handlung.

1955 - Alfred Greven ist der erste Produzent, der die Staffelbürgschaft des Landes Hessen in Anspruch nimmt. Er plant einen Revuefilm. Und er engagiert hierfür zwei Showstars, die sich in den letzten Monaten einen kometenhaften Karriere-Aufstieg gearbeitet haben: Caterina Valente und Peter Alexander. Kurt Edelhagen und sein Orchester werden für den Sound verpflichtet, und Liederkönig Kurt Feltz soll außer den Song-Texten auch die Musik-Regie übernehmen. Erfolgskomponist Heinz Gietz ist für die Musik verantwortlich. Aus Hollywood wird Billy Daniels als Choreograph hinzugezogen. Und nun fehlt nur noch - wenn man einmal von der Story absieht - der zündende Filmtitel. Es wird ein Valente-Song sein, „Bonjour Kathrin" wird er heißen.

Anfang November 1955 ist Drehbeginn.

Auch für das Ballett des Staatstheaters, das sein Können beim Cha-Cha-Cha beweisen kann. Daniels, der Hollywood-Choreograph, ist von ihm begeistert. Er schwärmt förmlich von ihm und sagt, es habe „eine Freude an der Sache, die man in Amerika nicht kennt." Nach 45 Arbeitsminuten verlange dort jeder eine viertelstündige Kaffeepause. Mitten im Ballett: Helen Vita. Und sie beweist, daß sie nicht nur eine spitze Zunge, sondern viel Temperament in den Beinen hat. Auch Regisseur Karl Anton ist zufrieden. Ganz besonders mit der Technik, die er „Unter den Eichen" vorgefunden hat.

Der Hunger und Hans-Joachim Kulenkampff

In der Kantine fällt ein Darsteller durch seinen bemerkenswerten Hunger auf: Hans-Joachim Kulenkampff. Das Kotelett auf dem Teller kann nicht groß genug sein.

Caterina Valente und Peter Aelxander trifft man nach den Dreharbeiten woanders. Sie haben eine Vorliebe für Wiesbadener Spezialitäten-Restaurants. In der Taunusstraße ist eines davon, etwas versteckt hinter einer Toreinfahrt - das „Samowar". Balalaika-Klänge hört man hier. Und auf der Speisekarte steht viel Russisches.

Der Wodka, die Musik, das eigene Feuer lassen Peter Alexander nicht lange nur Gast im Halbdunkeln sein. Es packt ihn. Sein Großer-Jungen-Charme verzaubert nicht nur Caterina Valente und ihren Mann und Manager, Eric van Aro, sondern auch die Gäste an den anderen Tischen. Sie wissen noch nicht, daß Begegnungen mit Stars im Wiesbadener Alltag bald selten sein werden.

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