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1945 - 1995 "Der unendliche Traum von der Traumfabrik"

In 26 Kapiteln blickt Horst Goscke auf 50 Jahre Wiesbadener Film-Euphorie zurück und skizziert Höhepunkte und Tiefpunkte der Wiesbadener Ambitionen, mal ein deutsches Hollywood zu werden. Viele bundesweit bekannte Filme und Personen werden aufgeführt und auch das zeitweise wirre politische Drumherum der Nachkriegszeit wird nicht vergessen.

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(24) Erinnerung an den Filmpionier Edy Dengel
Thema: "Die Firmen gehen weg. Hessen sei zu lahm."

1986 verläßt der „Senator"-Filmverleih, der 1979 in Wiesbaden gegründet wurde, die Stadt und zieht nach München. „Senator"-Chef Michael Krohne, zum Umzug befragt, erklärt: „Wenn die Bayern sich etwas in den Kopf gesetzt haben, ziehen sie es durch. Während man in Hessen noch überlegt, ob man ein Mediengesetz schaffen soll oder nicht, können die Bürger Münchens schon das erste private Fernsehen sogar ohne Kabel mit der normalen Antenne empfangen. Wiesbaden wäre für uns ein idealer Standort gewesen. Nun ist die bayrische Filmförderung ein Anreiz, dem man sich kaum entziehen kann."

1986 Die steinzeitliche Medienpolitik des Landes Hessen

Nicht nur Krohne schafft Anlaß, über Hessens Medienpolitik nachzudenken. Auch Rolf Richter, Geschäftsführer der „TaunusFilm", und Otto Erich Kress, Geschäftsführer der „Ifage", halten die wirtschaftlichen Aspekte des auf den Markt drängenden privaten Fernsehens vor Augen, mit Worten nicht zurück.

„Es gibt bereits mehrere ausländische Programmbetreiber, die den Blick auf Wiesbaden werfen", sagen sie. Manfred Kanther, CDU-Landtagsabgeordneter, nennt sogar einen Namen. Er spricht von RTL Plus. „Die private Fernsehanstalt sucht einen Standort in der Bundesrepublik " Und Oberbürgermeister Achim Exner: „Wiesbaden wäre ein tdealer Standort, darin stimme ich mit Kanther überein " Auch für RTL-Plus-Programmdirektor Helmut Thomas bietet Wiesbaden „ideale Voraussetzungen"

Aber: „Es gibt in Hessen keinerlei rechtlichen Rahmen für privates Fernsehen." Kanther verlangt von Exner, daß er „gegen die steinzeitliche Medienpolitik des Landes vorgehen soll" Und meint damit die Haltung der Landes-SPD, die private Anbieter von Fernseh- und Hörfunkprogrammen von den hessischen Bürgern fernhalten will.
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1987 - Die Privaten in Hessen nur über Kabel

1987 wird gegen die Stimmen der Grünen dann zumindest ein Gesetz verabschiedet, das die Weiterverbreitung von Satelliten-Programmen durch das Kabel in Hessen erlaubt. Das Senden von privaten Programmen aber ist weiterhin nicht gestattet.

Die „TaunusFilm" wurde modernisiert

Inzwischen hat die „TaunusFilm", die sich mit der „Ifage" zu einem „AV-Medienzentrum" zusammengeschlossen hat, ein Videosynchron-System installiert das in der Bundesrepublik zu den modernsten zählt. Der Computer erleichtert dabei die Vertonungsarbeiten wesentlich. Und Vertonungsarbeiten gibt es „Unter den Eichen" eine ganze Menge. „Miami Vice" wird hier synchronisiert. Und auch der „Hund von Baskerville" erhält im Tonstudio seine deutsche Fassung.

Der Hessische Rundfunk produziert die Serie „Hallo Zufall"

Mit Ursula Monn, Dieter Krebs, Ingrid van Bergen, Thomas Fritsch, Barbara Valentin, Ralf Wolter und Evelyn Hamann produziert das Unternehmen für das Vorabendprogramm des Hessischen Rundfunks unterdessen die 13teilige Serie „Hallo Zufall".

Und bei der „Odeon"-Film steht außer dem „Fall für zwei" die Serie „Das Nest" in der Terminplanung. Viel zu tun hat auch die Ilona Grundmann-Filmproduktion. Sie dreht in Wiesbaden gerade eine vierteilige Serie für das Schulfernsehen.

1919 - Mit einem Krimi begann Wiesbadens Geschichte als Filmstadt

Schußwechsel mit amerikanischen Gangstern - gedreht am Eisenbahnübergang an der Hammermühle - aus Edy Dengels „Schloß des Schreckens".
Zeitgenössisches Filmplakat aus Edy Dengels Produktion.
1986: Edwin Georg Dengel, ein James Bond der zwanziger Jahre, und „Lemmy-Caution" Eddie Constantine sind Star-Gäste der „Filmnächte". Rechts: Uwe Schriefer und Kulturdezernentin Margarethe Goldmann.

Außerdem ist mit Unterstützung der „TaunusFilm" und des Trickstudios Mettmann 1987 die Rekonstruktion eines Krimis entstanden, der filmhistorisch für das „Hollywood am Kochbrunnen" von großer Bedeutung ist.

Mit diesem Krimi begann nämlich 1919 Wiesbadens Geschichte als Filmstadt. Harald Schleicher, Uwe Schriefer und Meinold Schmitz hatten sich für die Wiederherstellung des Stummfilms engagiert, der vom gefährlichen Amerika und einem todesmutigen Detektiv erzählt. Fred Repp heißt der Unerschrockene. Am Hudson River bringt er nach aufregenden Verfolgungsjagden endlich einen schurkischen Mädchenhändler zur Strecke, gespielt wird der Ganovenfänger von Edwin Georg Dengel.
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Edwin Georg Dengel ist gerade mal 18 Jahre alt

Ganze 18 Jahre war Dengel damals alt. Aber unternehmungslustig wie selten einer. „Schloß des Schreckens" nannte er seinen Film, in dem die Biebricher Bachgasse zur Bowery Street wurde und das Wiesbadener Museum zum New Yorker Polizeipräsidium. Am Eisenbahnübergang an der Hammermühle kam es zu einem unerbittlichen Feuergefecht.

Jeder ahnt, wo die Ereignisse auf dem Hudson-River gekurbelt wurden - richtig: auf dem Rhein. Und das Schloß des Schreckens hatte der „Biebricher Bub" in der Weinbergstraße ausgemacht, in der Straße, in der knapp 50 Jahre später der Star des deutschen Nachkriegsfilms, Sonja Ziemann, wohnte. Die Villa Germania wurde Schauplatz entsetzlicher Vorgänge.

Ohne die Eigentümer von seinem Vorhaben zu unterrichten, drehte Dengel vor ihr seine Schurkengeschichte. Der Ärger kam nach der Uraufführung. Denn welcher Hausbesitzer ist schon erfreut darüber, wenn er sein Grundstück unvorbereitet als Gruselstätte wiedererkennen muß.
Das „Schloß des Schreckens" wurde zu einem filmischen Leckerbissen der „Wiesbadener Filmnächte 1987".


Okt 1987
Der 86jährige Edi Dengel stirbt

Wenige Monate später, im Oktober 1987, starb Edwin Georg Dengel im Alter von 86 Jahren. Der gesundheitliche Zustand des Wiesbadener Filmpioniers, der seinem Erstling noch viele weitere Produktionen folgen ließ, war schon seit Wochen nicht mehr der beste.
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„Ein Fall für zwei" als „Fall im WIESBADENER KURIER". In den Umbruchräumen der Zeitung gingen „Matula" Claus-Theo Gärtner und das Odeon-Aufnahmeteam wichtigen Recherchen nach.

Jörg Bourgett, dem Wirtschaftsdezernenten der Landeshauptstadt, bleibt es im November 1987 vorbehalten, eine Grabesrede auf das „Hollywood am Kochbrunnen" zu halten. Es war, um es ganz genau zu sagen, am Mittwoch, dem elften 11. 1987.
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In der Grabesrede die Mahnung :
"Weg von den Illusionen"

Man dürfe in Wiesbaden nicht länger der Illusion nachhängen, meint er, Film- oder Fernsehstadt zu sein.

Hier könne man nicht mit München, Berlin oder Hamburg konkurrieren, und das ZDF sei ja nun auch schon lange Vergangenheit.

Der schlechten Nachricht läßt der SPD-Lokalpolitiker dann aber - wie sich so etwas gehört - auch noch die gute folgen.

Als „Medienstadt", sagt er, habe Wiesbaden hervorragende Ausgangsbedingungen. Und dann spricht er von dem medientechnischen Ausbildungszentrum, das „Unter den Eichen" entstehen soll...
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