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Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

Qualität trotz Preissturz!?

Die bedeutenden Preissenkungen der Fernsehempfänger Ausgang Januar (1955), über die an anderer Stelle noch referiert wird, haben nebenbei auch die Frage nach der zukünftigen Qualität der Geräte aufgeworfen. Es erscheint unmöglich, so argumentieren die Skeptiker, daß bei diesen Preisen - 698DM für ein 43-cm-Tischgerät - die bisher so beachtenswerte Qualität der deutschen Fernsehgeräte gehalten werden kann. Man befürchtet also ein Absinken der konstruktiven und fertigungstechnischen Güte der Geräte mit allen ihren bedenklichen Folgen für die Bild- und Tonwiedergabe, Reparaturanfälligkeit, Gehäuseausführung usw. Eine solche Entwicklung sei vor allem dann zu erwarten, wenn aus marktpolitischen Gründen die Rabattkürzung für den Handel ganz oder zu einem Teil wieder aufgehoben werden müßte, während andererseits die nunmehr niedrigen Listenpreise bestehen blieben.

Sollte diese Entwicklung unter dem harten Druck der Konkurrenz tatsächlich eintreten, so wäre sie nicht nur sehr zu bedauern, sondern würde auch eine vollkommene Abkehr von der guten Tradition unserer Industrie bedeuten. Das deutsche Rundfunk- und Fernsehgerät hat seinen Ruf im Lande selbst und in der Welt - wie die letztjährigen Exportzahlen beweisen - vor allem seiner heutigen Bauweise und Ausstattung zu verdanken. Die überlegene Schaltungstechnik war daran ebenso beteiligt wie die betont luxuriöse Ausstattung der äußeren Hülle mit allen Feinheiten des Bedienungskomforts und jenem leichten Hauch des Prächtigen.

Nun liegen die Dinge auf dem Gebiet des Fernsehens jedoch um eine kleine, aber wichtige Nuance anders als beim Rundfunkempfänger. Bei letzterem ist die Spanne zwischen dem billigsten (Einkreiser) und teuersten Gerät (Spitzensuper mit motorischer Abstimmung) preismäßig und bezüglich des technischen Aufwandes sehr groß - etwa 1:10, wenn wir es als Verhältnis der Bruttopreise ausdrücken. Beim Fernsehgerät hingegen ist der Mindestaufwand wesentlich höher und daher die Spanne zwischen dem billigen und dem teuren Fernsehgerät viel geringer, sieht man einmal von jenen nicht unbedingt erforderlichen Zusätzen wie Luxusmöbel, Phono- und Rundfunkeinsatz ab.

Das Innere aber, das Chassis mit Bildröhre, unterscheidet sich bei den einzelnen Preisklassen relativ wenig, so daß immer mehr Firmen zur Konstruktion eines Einheits-Chassis übergehen. Es kann mit geringen konstruktiven Unterschieden vom billigsten Tisch- bis zur soliden Kombinationstruhe eingebaut werden; selbst die verschieden große Bildröhre ist nicht so sehr ausschlaggebend.

Inzwischen setzten die Konstrukteure von Fernsehgeräten mehrfach zum Versuch an, von dieser mittleren Linie des soliden Allzwecke-Chassis nach oben oder unten auszubrechen — nach unten etwa in Richtung weniger Zf-Röhren und geringerer Bandbreite und nach oben zum Chassis mit allen Feinheiten, von der getasteten Regelspannung bis zum raffinierten noise-gate am Eingang der Kippgeräte. Die Bilder der letztgenannten Empfängerkategorie stehen im Randgebiet der Sender fest und von Störungen unbeirrbar, selbst dort, wo das erwähnte einfachere Gerät mehr Antennenaufwand benötigt und trotzdem noch flaue Bilder bringt.

Wo aber die Feldstärke ausreicht und die Störungen nicht zu arg sind, reichen das Normalchassis und meistens selbst das billige Gerät aus; die Unterschiede gegenüber dem teurer gebauten Empfänger beschränken sich dann auf tragbare Kleinigkeiten. Wir haben es schon öfters gesagt: die letzten zehn Prozent der technischen Leistung kosten unverhältnismäßig viel Geld und kommen doch nur einem kleinen Prozentsatz der Fernsehteilnehmer wirklich zugute.

Sollte man also im Zeichen des Preisverfalls und der sinkenden Erlöse, denen zur Zeit noch kein Äquivalent in Form vervielfachter Umsätze gegenübersteht, den Trend zum ganz einfachen Chassis befürworten?

Vorstehende Überlegungen reizen beinahe dazu. Eine Antwort ist sehr schwer zu finden - aber wir müssen doch betonen: die komplizierte Fernsehtechnik erlaubt den Bau von „Fernseh-Einkreisern" nicht, so daß jede über den Rahmen des technisch Vertretbaren hinausgehende Verbilligung des Fernsehgerätes nur auf Kosten jener Merkmale gehen kann, die wir soeben als die spezifischen Eigenschaften der deutschen Erfolgsgeräte bezeichneten.

Vor allem muß hier der Fachhandel eine klare Meinung äußern und auf die Industrie einwirken, so daß der Gedanke an extrem „billig" gebaute Geräte nicht erst aufkommt. Wir glauben nämlich nicht, daß sich die neuen niedrigen Handelsspannen besonders gut mit einem erhöhten Kundendienst und vermehrten Reparaturen vertragen werden. Außerdem weiß der Wirtschaftler, daß die ganz billige Ware — gleichgültig in welcher Branche — nicht unbedingt am besten abfließt.

„Haben müssen wir sie — aber ob sie jedesmal verkauft werden, das ist eine andere Sache" sagt der Radiohändler und meint damit die ganz billigen Fernsehgeräte. K. T.

Fernseh Randnotitzen März 1955

Das Vertragswerk zwischen Bund und Ländern über Rundfunk und Fernsehen ist nach langen Beratungen im Entwurf fertiggestellt; eine redaktionelle Durcharbeitung wird nur unwesentliche Korrekturen ergeben. Es umfaßt einen Rahmenvertrag und drei Einzelverträge, die die Kurz- und Langwelle sowie das Fernsehen betreffen. Das Gesamtwerk geht nunmehr elf Kabinetten und von dort elf Parlamenten (nämlich dem Bund und zehn Ländern) zu. Man wird annehmen können, daß es dabei Änderungen erfährt, und daß es wohl rund ein Jahr dauern dürfte, bis es in Kraft treten kann - falls es überhaupt zu einer Einigung kommt! Wird sie nicht gefunden, dann haben wir die unangenehme Situation, daß weiterhin Unklarheit über den Rundfunk herrscht. Soll man dann weiter alles in der Schwebe lassen? Oder soll man einen Schritt tun, vor dem man sich bisher gescheut hat: nämlich das Bundesgericht in Karlsruhe anrufen, um eine Entscheidung zu erhalten? Wir sind der Ansicht, daß unklare Fragen für die Gesamtentwicklung des Rundfunks und Fernsehens nicht vorteilhaft sind. Im Zwielicht entstehen zu leicht Streitigkeiten und taktische Manöverchen, die weitgehende Planungen und die Zusammenfassung der Kräfte auf ein Ziel beeinträchtigen, wenn nicht gar verhindern.

Wir können uns das nicht leisten. Die Ingenieure einigen sich im allgemeinen leichter, denn sie gehen bei ihren Erwägungen grundsätzlich von der Zweckmäßigkeit aus und halten sich an Gedankengänge, die u. a. auch durch die in internationalen Verträgen festgelegten Vorschriften gefördert werden. Hinsichtlich der Organisation der Programmseite kann man das nicht feststellen. Es denkt niemand daran, die sich aus den verschiedenen Kulturlandschaften ergebende Vielfalt der Programmzusammensetzung zu beeinträchtigen.

Im Gegenteil: immer wieder wird darauf hingewiesen, daß es vorteilhaft wäre, bei allen Anstalten zusätzlich Regional Programme einzurichten. Aber jeder weiß, daß die hohen finanziellen Mittel für das Gemeinschaftsprogramm am zweckmäßigsten ausgenützt werden können, wenn nicht sieben oder acht Einzeletats für das Fernsehen aufgestellt werden, sondern über die Gesamtsumme sinnvoll disponiert wird. So wie der Kurzwellen- oder der Langwellensender über einen Gesamtetat verfügen muß, so müßte es auch beim Fernsehrundfunk sein; alle wirtschaftlichen Gesichtspunkte und Beispiele sprechen dafür.

Was steht dem eigentlich entgegen? Ein solcher Haushaltsplan könnte von einem Fernsehrat aufgestellt und kontrolliert werden, in dem Vertreter von Aufsichtsgremien aller Rundfunkanstalten Sitz und Stimme haben. Sie müßten bevollmächtigt für die Verwendung der von ihrer Anstalt aufgebrachten Mittel beschließen können, allerdings nicht nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Landesrundfunkanstalt, sondern eben im Blick auf das gesamte Bundesgebiet.

Es ist jetzt eine günstige Gelegenheit, entsprechende Absprachen zu treffen, nicht zuletzt unter Berücksichtigung der Tatsache, daß öffentliche Gelder besonders sorgsam verwaltet werden müssen. K. W.

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