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Die völlig andere Technik bei den Fese Kameras

Die Fese KOD und KOF Röhren Kameras hatten als die ersten modernen Orthicon Kameras vorne einen 5-fach Objektiv-Revolver drauf. Dort hätten bis zu 5 Objektive Platz gehabt, es wurden aber allermeist nur 4 Objektive und ein Testbild-Diaprojektor eingesetzt. Denn mit dem Testbild musste jede Kamera vor der Sendung noch einmal abgeglichen werden. Auch nach einem Röhrentausch war eine Justage zwingend erforderlich.

Doch wichtiger war die unterschiedliche Lichtstärke
der verscheidenen Brennweiten. Beim Fernsehen ist eben alles anders. Da muß oder sollte live von Objektiv zu Objektiv umgeschaltet werden können, so wurde die Forderung aufgestellt und die Fese wollte (und konnte) das auch realisieren. Es war ein unschlagbares Verkaufsargument zwecks Abwehr der Amerikaner und Engländer.

Die ersten riesigen Zoom-Optiken waren für den Studiobetrieb allesamt sehr lichtschwach.

Wir dürfen nicht vergesen, die Anstalten bezahlten damals fast jeden Preis, wenn ihre Anforderungen, und waren sie noch so überzogen, realisiert werden konnten. So konnte man also exorbitant hohe Preise durchsetzen.

Unterschiedliche Optiken hatten unterschiedliche Leitzahlen

hier drei verschiedene Brennweiten

Und die Optiken hatten noch eine besondere Eigenschaft, sie waren auf das 3" Orthicon optimiert und zwar auf die volle Target-Öffnung. Also die allseits von der Filmkamera und dem Fotoapparat her bekannten mechanischen Lamellenblenden funktionierten nicht so richtig, der Einfallsradius des Lichtes wurde damit ja extrem verkleinert und damit stimmte die Tiefenschärfe überhaupt nicht mehr.
Also haben sich die Feseingenieure etwas ganz Besonderes einfallen lassen, die Flüssigkeitsblende.

das Öl ist nach 40 Jahren raus
absolute Präzision war gefordert

Die Flüssigkeitsblende (auch Lichtstromregler genannt) der Fese.

Man nehme ein dezent mit Kohlestaub (es war eigentlich Rußstaub) verunreinigtes Öl und fülle es zwischen zwei absolut !!! planparallele Präzisions-Glasscheiben. Diese Glasscheiben bewegt man mit einer Präzisionsmechanik mal dicht an dicht und mal weit voneinander weg.

Sind die Scheiben dicht an dicht aneinander "gefahren", befindet sich nahezu kein Öl mehr zwischen den Scheiben und die Lichtstrahlen werden (fast) nicht abgeschwächt.

Je weiter die Scheiben motorisch auseinander
"gefahren" werden, desto mehr Öl mit mehr Rußpartikeln trübt die Sicht merklich, aber vor allem exakt nachvollziehbar definiert von der simulierten Blende.

Eine definierte Blende also mit "dreckigem" Öl
mechanisch und elektrisch exakt reproduzierbar, einfach toll. Bei dem richtigen Öl und dem richtigen Ruß war diese Blende auch noch qualitativ super, alos fantastisch gleichmäßig. Auch die kritische Öffnungsfläche blieb für das 3" Target immer gleich.

Es war eine geniale Idee, an der die Engländer und Amerikaner lange geknabbert hatten.

Es gab noch mehr Tricks in diesem Zusammenhang.

Bei 4 Objektiven musste man nicht nur die Lichtstärken mit dieser Blende ausgleichen können, es gab auch unterschiedliche Auflagemaße. Die Amerikaner mussten nach dem Blendenwechsel ganz kurz (also schnell) die Schärfe nachstellen. Das war bei häufigem Umschalten sogar den Regisseuren aufgefallen.

Auch das ließ sich mit dieser deutschen Blendenkonstruktion gleich mit realisieren. Man korrigierte (verschob) beim Wechsel zur nächsten Brennweite die Aufnahmeröhre ganz gezielt wenige Millimeter nach vorn oder zurück nach hinten. Und man mußte auf die vorher (für das aktuelle Bild) eingestellte Blende keine extra Rücksicht nehmen. Die Blende brauchte nur die zusätzlichen Helligkeitsunterschiede der Optiken auszuregeln.

Mit dem an der hinteren rechten Seite der Kamera sichtbaren großen Hebel wurden eine ganz Menge von mechanischen und elektrischen Funktionen gleichzeitig ausgeführt. Es war fast perfekt, deutsch eben und die Kamera wog dennoch weniger als die Hälfte der RCA Kameras.







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