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Kapitel 6

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Dieses kleine Handbuch der 35mm Kino- und Projektions- Technik aus 1953 ist 123 Seiten lang und beginnt mit der Einleitung und der Inhalts- Übersicht hier auf der einführenden Hauptseite.
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6. Störungen der Stromversorgungseinrichtungen

Zum Betrieb des Filmtheaters sind verschiedene Stromarten und Spannungen notwendig. Fast immer stammt die elektrische Energie aus dem Ortsnetz; es handelt sich um Fremdbezug, meist in Form von 380V Drehstrom (verketteter Dreiphasenstrom). Alle anderen Spannungen werden daraus erst mit entsprechenden Geräten im Kinogebäude hergestellt.

Die hauptsächlich benötigten Stromarten sind:
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  1. 380V Drehstrom (für Motoren)
  2. 220 V Wechselstrom (für Beleuchtung, Verstärker)
  3. 60-80 V Gleichstrom (für Bogenlampen)
  4. 4-8 V Wechselstrom (für Signal- und Pilotlampen)
  5. 6 V Gleichstrom (für Tonlampen)
  6. 24 V Gleichstrom (für Notbeleuchtung)
  7. 6 V Gleichstrom (für Haltemagnete der Kabinenfensterschieber).

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Volt Wechselstrom und 380 Volt Drehstrom Anmerkung : An dem merkwürdigen Sprachgebrauch, der Autor spricht von 220!! dürfen wir uns nicht stören. Das ist fast heute noch so. Dennoch bleibt es dabei - Volt bedeutet Spannung und nicht Strom.
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Wir übernehmen den Text aus 1953 im Original

Der 380-V-Drehstrom wird über Erdkabel oder Freileitung angeliefert und steht hinter dem (plombierten) Zähler zur Verfügung. Die Erzeugung von 220-V-Wechselstrom ist recht einfach: Jeder Leiter des Drehstroms hat gegen den Null-Leiter 220 V. Man muß darauf achten, daß nicht nur ein einziger der drei Leiter zur 220-V-Wechselstromlieferung herangezogen wird, um unsymmetrische Belastung des Drehstromnetzes zu vermeiden.

Störungen der gesamten Stromversorgung können dadurch eintreten, daß die Hauptsicherungen auch ohne Überlastung ausfallen. Das tritt durch allmähliche Korrodierung ein und kann durch gelegentliches Prüfen und Säubern vermieden werden.

Die vierte Ader beim "Drehstrom" ist der "Null-Leiter"

Beim 220V- Wechselstromnetz ist besonders auf einwandfreie Führung des Nulleiters zu achten. Zur Prüfung des Widerstandes im Nulleiter zieht man am besten einen Elektroinstallateur heran.

Böse Streiche, kleine Ursache, große Wirkung

Aber auch die anderen Sicherungen können dem Vorführer böse Streiche spielen. Bei den Diazed-Sicherungen fällt oft das Kennplättchen (Abb. 85) nicht heraus, sondern bleibt kleben, obwohl der Sicherungsdraht durchgeschmolzen ist.

Bei Sicherungsautomaten tritt dieser Fehler nicht auf. Diese lassen sich wiederum nach Herausfallen nicht gleich wieder einschalten, sondern müssen erst einmal mehrere Sekunden abkühlen.

Die Erzeugung des 6V-Wechselstroms für die Signal- und Pilotlampen, Steuereinrichtungen usw. erfolgt durch einen kleinen Transformator. Störungen in diesem Netz pflegen meist nur durch altersschwache Lämpchen einzutreten. Gelegentlich gehen auch Schalter oder Lampenfassungen entzwei, da es sich hierbei um Massenware handelt.

Die Bogenlampen brauchen eine hohe Stromstärke

Bei den Bogenlampen wird, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Gleichstrom benötigt. Während die Stromstärke durch örtliche Bedingungen (Schirm- (Leinwand-) bzw. Saalgröße) bestimmt wird, ist die Höhe der benötigten Spannung abhängig von der Bogenspannung und dem am Beruhigungswiderstand erzeugten Spannungsabfall.

Letzterer beträgt etwa 60% der Bogenspannung, so daß bei etwa 50V Bogenspannung eine Gleichspannung von etwa 80V erforderlich ist.

Deren Erzeugung aus dem Drehstromnetz ist auf verschiedene Art möglich. Die älteste erfolgt durch rotierende Umformer, und zwar in Form des Motorgenerators (Ein- und Zweianker-Umformer). Hier können Stöinmgen auftreten, wenn die Kohlebürsten verbraucht sind oder der Kollektor verschmutzt ist. Den Kollektor reinigt man mit ganz feinem Schmirgelleinen. Hat er starke Riefen, so muß er in der Werkstatt abgedreht werden (Abb. 86).

Beim Ersatz verbrauchter Kohlebürsten achte man nicht nur auf gleiche Maße, sondern auch auf gleiche Qualität. Beim Einsetzen prüft man, ob die Kohlen wirklich am Kollektor aufliegen und nicht im Bürstenhalter klemmen.

Daher werden die Kohlen mit Hilfe eines untergelegten Streifens feinen Schmirgelleinens auf dem Kollektor selbst eingeschliffen, wobei der Anker von Hand bewegt wird.

Schmierung der Lager nicht vergessen! Zu stark ausgelaufene Lager (meist nach langer Betriebszeit) müssen erneuert werden, da der Anker sonst klappert oder gar an den Polschuhen schleift.
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  • Anmerkung : Da wird von Kohlebürsten gesprochen, die dem jungen Leser heutzutage überhaupt nichts mehr sagen. Selbst der Begriff des büstenlsoen Gleichstrommotors wird einfach ohne Nachfrage kommentarlos hingenommen. Rechts ein Bild einer solchen sogenannten Kohlebürste.

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Die nichtrotierenden Umformer oder Gleichrichter (von 1953)

Zu den nichtrotierenden Umformern oder Gleichrichtern gehören die Quecksilberdampf-, Glühkathoden- und die Trockengleichrichter.

Bei Quecksilberdampftypen wird durch Alterung das Vakuum (Anmerkung : in den Röhren) schlechter, wodurch Zündschwierigkeiten auftreten, besonders bei niedrigen Temperaturen. Abhilfe ist nur durch Ersatz der Glaskolben möglich, doch ist die Lebensdauer moderner Gefäße außerordentlich hoch, so daß der Ersatz erst nach jahrelangem Betrieb notwendig wird.

Der Glühkathodengleichrichter muß erst eine bestimmte, vorgeschriebene Zeit lang angeheizt werden, ehe die Belastung eingeschaltet wird, sonst treten schwere Schäden der Glühkathode auf.

Auch der in letzter Zeit beliebt gewordene Trockengleichrichter altert, was sich durch Nachlassen der Spannung und geringere Stromabgabe bemerkbar macht. Hier läßt sich durch ein - meist von der Fabrik schon vorgesehenes - Höherklemmen der Trafo-Anzapfungen Abhilfe schaffen.

Während die Kühlung der rotierenden Umformer keine Gefahren in sich birgt, sofern bei der Installation die Luftwege nicht verbaut werden, ist das bei Gleichrichtern nicht der Fall.

Besonders dann, wenn Eigenkühlung durch thermischen Auftrieb und
Strahlungsabgabe vorgesehen ist, muß man auf guten Luftzutritt achten. Allerdings ist meistens Fremdkühlung durch Ventilator vorgesehen (Abb. 87). Dieser wird bei Einschalten des Gleichrichters zwangsläufig in Tätigkeit gesetzt und gibt den Gleichstrom erst frei, wenn genügend Kühlluft gefördert wird. Um Zerstörungen der Gleichrichterelemente zu vermeiden, muß man peinlich darauf achten. Andererseits kann ein Ausfall der Gleichspannung bei vorhandener Drehstromspannung auf Versagen des Lüfters oder Zwangsschalters zurückzuführen sein.

Bei modernen Umformern und Gleichrichtern fällt der erwähnte Vorwiderstand fort, da eine induktive und nahezu verlustlose Stromberuhigung vorgesehen ist. Oftmals kann dabei die Stromregulierung durch Verstellen eines kleinen Drehknopfes aus größerer Entfernung vom Gleichrichter vorgenommen werden. Bei einwandfreier Montage dieser Einrichtungen treten kaum Störungen auf.

Der Tonlampen-Gleichrichter und andere

Der 6V-Gleichstrom für die Tonlampen wird im allgemeinen mit Trockengleichrichtern erzeugt. Benötigt werden 5A, wobei eine kräftige Siebung des Gleichstroms von Oberwellen nötig ist, um störendes 100Hz-Brummen zu vermeiden. Beim Tonlampengleichrichter ist auf guten Luftzutritt zu achten. Sollte die Leistung nachlassen, so klemmt man am Trafo höher (Abb. 88).
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Die Pflege der Notstrom-Batterie

Für die Stromversorgung der Notbeleuchtung ist vorgeschrieben, daß sie von der Hauptbeleuchtung völlig getrennt und so angelegt und bemessen wird, daß sich die Besucher auch bei Versagen der Hauptbeleuchtung zurechtfinden können. Im allgemeinen wird diese Anlage von einer 24V-Akkubatterie (das waren ofene Blei-Säure Glaswannen) versorgt.

Deren Ladung erfolgt über einen Gleichrichter aus dem Netz. Es ist jedoch zulässig und üblich, die Notbeleuchtung direkt mit Wechselstrom zu betreiben, um die Akkubatterie nicht zu stark zu beanspruchen. In diesem Falle muß man eine Relaisschaltung verwenden. Fällt die Netzspannung aus, so schaltet des Relais auf Akkubatterie um und die Notbeleuchtung brennt weiter.

Dieses Relais muß aber betriebssicher arbeiten. Es empfiehlt sich daher, es von Zeit zu Zeit zu überprüfen. Die 24V-Akkubatterie besteht aus 12 Zellen von je 2V. Sinkt die Spannung unter 1,8V je Zelle, so muß mit der vorgeschriebenen Stromstärke geladen werden.

Da aus der Säure Wasser verdunstet, muß destilliertes Wasser nachgefüllt werden. Die Säurekonzentration von 1,24 (bei geladener Zelle) wird mit einem Säuremesser (Aräometer) geprüft (Abb. 89).

Beim Laden der Batterie wird Knallgas entwickelt und Säure in die Luft mitgerissen. Der Akkuraum ist daher gut zu lüften. Die Ladung ist beendet, wenn die Spannung pro Zelle 2,7V bzw. die Säuredichte 1,24 beträgt.

Ganz wichtig - die Alterung der Akkus

Die Akkuplatten sollen nicht aus der Säure herausstehen, sondern von ihr reichlich bedeckt sein. Bei alten Batterien pflegt sich am Grund der Gefäße Bleischlamm abzusetzen. Dieser muß entfernt werden, um Plattenkurzschluß zu vermeiden.

Wenn die Säure an den Klemmen des Akkus hinaufkriecht, werden die Anschlüsse zersetzt, und es bilden sich breiartige Ausblähungen von Kupfervitriol. Diese sind sorgfältig zu entfernen. Die blank gemachten Kontakte werden anschließend leicht eingefettet.

weitere wichtige Spannungen im Vorführraum

Schließlich wird noch eine Stromquelle für die Haltemagnete der Kabinenfensterschieber benötigt. Obwohl dazu Wechselstrom verwendbar wäre, wählt man doch wegen der Brummfreiheit gern Gleichstrom von etwa 6V.

Zur Erzeugung dient meist ein kleiner Transformator mit Trockengleichrichter. Bei neueren Ausführungen spart man den Transformator ein, indem man den Gleichrichter und die Haltemagnete direkt mit Netzspannung betreibt. Sind alle Schraubkontakte gut angezogen, so ist mit Störungen kaum zu rechnen. Man prüfe aber von Zeit zu Zeit, ob sich der Brandschleifenhalter leicht öffnet. Für die Brandschleifen ist doch wohl hoffentlich (brennbarer) Nitro-film und nicht etwa Sicherheitsfilm verwendet worden ?

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