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Die Projektionstechnik im Kino war (und ist) nicht "ohne".

Beispiel: IMAX Speyer 12m hoch

Bei der Filmprojektion gab es jede Menge an technischen Besonderheiten, die heute bei der Beamertechnik wieder zum Tragen kommen. Da gab es Freilichtkinos mit völlig irren Projektionsabständen von bis über 100m.
Und es gab alte richtige alte Theater, die damals zu Kinos umgebaut wurden und die dann in "Loge 9" über dem "Rang 7" (ganz oben unterm Dach) ein kleines "Vorführräumchen" zugestanden bekommen hatten. Im IMAX "wohnt" der 70mm Kino-Projektor 12m über dem Boden. Doch davon später mehr.

Es gab da 1949 ganz besondere "Kinotechnik- Konstruktionen"

Schloss Wiesbaden Bierbrich 1938
und dann im Sommer 1945

Solch eine ganz einmalige Spezial-Konstruktion wurde Mitte 1949 in Wiesbaden im Biebricher Schloß geplant. Das ehemals repräsentative Biebricher Schloss war in den letzten Kriegswochen von 1945 doch arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Nur noch der Mittelteil (oben im Bild) war nutzbar. Der Ostflügel war total abgebrannt. Und bis Anfang 1949 war das Biebricher Schloß eine Unterkunft für Vertriebene und Getriebene aller Nationalitäten, quasi ein Asylheim.

Nach lokalen historischen Berichten wurde diese Nutzung Anfang 1949 verändert bzw. beendet und dann "wohnte" dort ab Mitte 1949 im (vom Rhein aus gesehen) im linken West-Teil die FSK, die "Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft" (übrigens, später war Nichts mehr freiwillig) und gegenüber im rechten (Ost-) Teil die FBL, die "Filmbewertungsstelle der Länder" für den deutschen Film sowie anfänglich auch die AFIFA.

Nun die kleine Geschichte über die ersten Anfänge . . .

Gerhard Redlich 2002

. . . nach dem verheerenden Krieg, als die meisten Deutschen wieder ein wenig Hoffnung schöpften und wieder in die Kinos gingen, um sich etwas abzulenken.

Der Vater des Autors Gert Redlich, - Gerhard Redlich, hatte Anfang Februar 1949 bereits wieder eine feste Anstellung als Kinotechniker bei der UFA-Handel, wohnte daher ab Herbst bereits in Wiesbaden und arbeitete im Büro der UFA-Handel in Frankfurt und sollte (neben anderen) auch dieses spezielle Kino bauen.

Projektiert wurde die Technik damals von Düsseldorf aus von den wenigen verbliebenen Ingenieuren aus den alten Vorkriegs-Reihen, die meist etwas lädiert, dafür aber lebend aus dem Krieg zurückgekommen waren.

Die Technik für das Wiesbadener "FSK"- Kino
wurde damals von einem Herrn Curt Oertel spezifiziert, der auch schon an die 60 war. (Davon kommt noch mehr auf diesen Seiten und auch noch hier bei "Hollywood am Kochbrunnen".) Das zweite Kino (für die bereits weiter oben benannte "FBL" im gegenüber liegenden anderen Flügel) wurde erst später gegen Ende 1952 gebaut.
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der fertige FSK Kinosaal Winter 1949

Das Biebricher Schloss nach dem Krieg

bekam also zwei (kleine) Kinos zum Zeigen und Beurteilen der flimmernden Streifen. Nach dem Krieg war alles anders geworden als vorher, als noch in Berlin entschieden wurde, welcher Film gut fürs Volk sei und welcher nicht. Das Biebricher Schloss hatte im Krieg auch fürchterlich gelitten und so wurde in vermutlich beengten Verhältnissen im verbliebenen unzerstörten Mittelteil das erste kleine Kino gebaut.

Der damals verfügbare Stand der 35mm Kino-Projektions- Technik (von Zeiss Ikon) war die Ernemann 7B aus dem Ernemann Werk im Ossiland, der damaligen SBZ. Die späteren Eugen Bauer Projektoren wie auch die legendäre Ernemann X (=10) gab es noch nicht. Damals ging das mit dem Import aus dem anderen Teil Deutschlands noch (aber es war sehr mühsam).

Umbau etwa Herbst 1949

Der Saal war einer der langen Flure . . .

. . . des alten Schlosses im zentralen Mittelbau im Erdgeschoss mit direktem Rheinblick. Und der arg malträtierte ehemalige Parkett- Fußboden sollte jetzt die Last der speziellen Konstruktion und die schweren Maschinen aufnehmen. Das ging also so nicht. Es mußte ein neues Fundament gebaut werden.

Als Besonderheit des FSK Kinos sollte die gesamte Kino- Projektion sowohl in den Saal der FSK (im Schloß) wie auch alternativ auf eine Aussenbildwand im Schloss-Park projezieren können, eine Idee des damaligen Leiters der FSK.

Dazu galten noch die scharfen Feuervorschriften von vor dem Krieg, denn es gab immer noch die hochgefährlichen brennbaren "Nitrofilme". Das Schloss war zwar durch eine Brandbombe nahezu halbiert worden, doch den Rest wollte man schon noch aufheben.
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hier die Projektionsfenster

Mauern für den Feuerschutz.

Und so wurde der alte verrottete bzw. (laut Augenzeugen teils mutwillig) zerstörte Fussboden herausgerissen und neue Mauern gezogen und ein massiver Stein-Sockel gemauert (wie in dem Bild oben zu sehen).
Hier sieht man genau, wo die kleinen Projektions- und Sicht- fenster eingebaut wurden, die später mit selbstschließenden Feuerschutzklappen bestückt wurden.

Technik "Made in Wiesbaden"

Die gewaltige Karoussell- Drehkonstruktion wurde von der Maschinenfabrik Wiesbaden in Wiesb. Dotzheim angefertigt und auch geliefert und mit der massiven Unterkonstruktion verschweißt. Man sieht, daß die spätere Last von mehreren hundert Kilo auf 9 massive kugelgelagerte Stahlräder verteilt war.

Gedreht wurde die Plattform natürlich noch von Hand, so viel Luxus konnte man sich damals dann doch nicht leisten - immer jeweils von Anschlag zu Anschlag.
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Kino-Saal-Projektion
Schlosspark-Projektion

Hier ein Blick auf die beiden Varianten

Die Anschläge waren natürlich genau justiert, damit man die Projektion nicht jedesmal neu ausrichten musste.

Der erste Blick auf die Saal-Projektion zeigt die Zeiss Ikon Feuerschutzklappen sogar noch in geschlossenem Zustand. Der Verstärker und der Gong waren mit dem Karoussell drehbar auf der Plattform aufgesetzt.

Der große Sicherungsschrank links an der Wand mit den beiden Saalverdunklern (so hießen Dimmer noch vor 60 Jahren) oben drüber war fest installiert, das brauchte auch nicht drehbar zu sein. Der Kühlwasser- und Abwasseranschluß sowie der Starkstromanschluß für die Projektoren waren natürlich flexibel ausgelegt.

Auf dem zweiten Bild ist die Plattform in Richtung Schlosspark gedreht und dort sind eigene Wasser und Strom-Anschlüsse installiert worden. Man sieht deutlich die offenen (aber vergitterten) Türflügel für den Weg ins Freie.

Alles in Allem eine stolze technische Leistung für 1949.

1949 immer noch der Traum eines jeden Kinobesitzers

So etwas hatte in Deutschland damals Keiner zu bieten, es war schon etwas Besonderes im Biebricher Schloss.

Daß es damals draußen im Wiesbadener Schlosspark nicht eine einzige wirkliche Filmvorführung gab, lag bestimmt nicht an der von der UFA eingebauten Technik. Laut der Buschtrommel ist Curt Örtel, seines Zeichens wissenschaftlicher Filmberater (er war eher Produzent und "Macher"), bald darauf weg- (oder in den Ruhestand) gegangen und um den damaligen Leiter der FSK gab es eine Gerüchteküche mit Privatflugzeug, verschwundenen Geldern und anderen tollen Legenden. (Falsch, sagt die Buschtrommel, der mit dem Flieger war der Leiter der FB, nicht der FSK.)

Knapp zwei Jahre später wurde ein Kino mit fast gleichem Vorführraum jedoch bereits mit zwei moderneren "Made in West Germany" Ernemann X (aber ohne Drehteller) auf der anderen Flurseite des zentralen Hauptteils des Schlosses für die FB errichtet.

Ob diese Projektoren dann abgebaut und entsorgt, verkauft oder verschrottet wurden, ist nicht mehr überliefert. Der Kontakt der UFA zur FSK und FB verlor sich lange vor 1960.

Schloss Wiesbaden Bierbrich 2008

Heute sieht das Biebricher Schloss so aus.

Und es gibt dort im vor Jahren wieder aufgebauten Ostflügel ein sehr schönes Kino.

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