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Die UFA "wohnt" seit 1945 in Schloß Varenholz in Westfalen

Die verwunderliche Geschichte der UFA-Wiedergeburt beginnt 1949. In den ersten Spätsommertagen jenes Jahres kommt Arno Hauke, damals ein schlanker junger Mann von 27 Jahren, nach Schloß Varenholz in Westfalen, einem idyllischen Kavaliersbau der Hochrenaissance.

Anmerkung : Unter den Nationalsozialisten diente das Schloss als Schulungsstätte für  den "Bund Deutscher Mädchen" (BDM). Von 1945 bis 1949 war die "Universum Filmgesellschaft" in den Gebäuden untergebracht. Und dorthin wurden gegen Ende des Krieges die (vielen) Akten aus Berlin ausgelagert.
Die "UFA Handel in Frankfurt" agierte bereits wieder seit 1948 und baute in den drei Westzonen die zerstörten Kinos wieder auf. Der damals arbeitslose Techniker Gerhard Redlich wurde in Frühjahr 1949 in die Taunusstraße 52 nach Frankfurt zur UFA Handel geholt.

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Arno Hauke war jetzt einer der Treuhänder

Hauke ist Angestellter der "Deutschen Treuhand Gesellschaft", einer privaten Revisions- gesellschaft, die der Deutschen Bank nahesteht und sich seit Jahrzehnten mit nichts anderem befaßt, als Firmenbilanzen nachzurechnen und Jahresabschlüsse von Wirtschaftsunternehmen zu überprüfen.

Heute (1959) weiß der offizielle Lebenslauf des UFA-Herrn (des heutigen General- direktors), der vor seiner Einberufung gerade noch sein wirtschaftswissenschaftliches Studium im heimatlichen Breslau beenden konnte, über die Kriegszeit und die Nachkriegsjahre bis 1949 nur lapidar zu berichten: "Kriegsdienst, viermalige Verwundung, Rußlandeinsatz, bei Kriegsende im Range eines Oberleutnants im Lazarett, Tätigkeit von September 1945 bis Ende 1946 in größerem Wirtschaftsunternehmen, Aufgabenbereiche: Überwachung der Finanz- und Betriebsbuchhaltung sowie des Steuer- und Versicherungswesens, am 31. 12. 1946 auf eigenen Wunsch ausgeschieden, um neue Aufgaben bei der Deutschen Treuhand Gesellschaft zu übernehmen."

In Schloß Varenholz lagerten die Akten der alten UFA

Erst die Reise nach Schloß Varenholz sollte dem ereignislosen Buchprüferdasein Haukes eine unerwartete Wendung geben. Denn Schloß Varenholz war "während des Endsieges" gegen Ende 1944 die letzte Zuflucht der UFA; in den Kellergewölben und Tanzsälen der westfälischen Adelsburg lagerten die Akten und Geschäftsunterlagen der ehemals reichseigenen Filmgesellschaften. Einige UFA-Getreue hatten sie kurz vor dem Einmarsch der Russen aus den Panzerschränken der ehemaligen Reichsfilmzentrale in der Berliner Krausenstraße gezerrt, auf Lastwagen gepackt und mit preußischem Ordnungssinn in die Kavaliersfestung befördert.

"Die Treuhänder" sollten die Generalbereinigung vorbereiten

Doch niemand war mehr da, der mit den Aktenbergen etwas anzufangen wußte. Die Alliierten hatten den Propaganda-Filmkonzern, über den zuletzt Joseph Goebbels gebot, durch Militärregierungsorder beschlagnahmt. Während die Sowjets die UFA-Atelierstadt Babelsberg und die Tobis-Ateliers in Ostberlin-Johannisthal zunächst selbst verwalteten und alsbald der neugegründeten sowjetzonalen Filmgesellschaft Defa übereigneten, beauftragten die westlichen Alliierten in ihren drei Besatzungszonen deutsche Treuhänder, vorerst die Film-Schätze in ihren Regionen zu verwalten, bis in der erstrebten Generalbereinigung über das endgültige Schicksal der Vermögenswerte entschieden werde.

Der Treuhänder-Auftrag schien einfach, aber es erwies sich, daß er schwer durchzuführen war. Der Treuhänder für die britische Zone, der frühere UFA-Chemiker und Doktor der Philosophie Karl-August Klatte vermochte nicht zu überblicken, welche Werte der einst reichseigenen Filmgesellschaften - Guthaben, Grundstücke, Kinos und Film-Kopien - in seiner Zone verblieben waren. Er tat das Naheliegende: Er beauftragte die "Deutsche Treuhand" mit der Bestandsaufnahme.

Was war eigentlich noch da ? Ein Fahndung begann.

Die Gesellschaft stellte für die langwierige Fahndung eine Mannschaft zusammen; aber kurz bevor die Gruppe sich nach dem Regierungssitz des Treuhänders, nach Varenholz, in Marsch setzte, erkrankte ein Mitglied. An seinen Platz rückte, buchstäblich in letzter Minute, Arno Hauke.

Im Schloß Varenholz bot sich dem jungen Betriebswirt eine faszinierende Lektüre. Dem gelernten Buchprüfer entschleierte sich aus den Zahlenreihen der Bilanzen, Geschäftsberichte und Verträge der ehemals reichseigenen Filmgesellschaften die Geschichte der einst größten Traumfabrik der Alten Welt - ein listenreiches Spiel mit politischer Ambition und geschäftlicher Intrige, ein wirtschaftliches Roulette mit Millionenbeträgen, die innerhalb zweier Jahrzehnte verloren und wieder gewonnen wurden.

Wie Arno Hauke wieder zur UFA kam :

Im Düsseldorfer Europa-Palast, einem Filmtheater der UFA, waren Unterschlagungen entdeckt worden, und der neue Generaltreuhänder Dr. Walter Haupt, der den Kopier-Fachmann Dr. Klatte mittlerweile abgelöst hatte, erinnerte sich wohlwollend an den quieken jungen Mann, der die Buchführung der UFA mit der Sorgfalt eines Archivars vervollständigt hatte. Dr. Haupt: "Der macht viel Wind, den wollen wir uns holen."

Am 1. August 1951 überstellte die Deutsche Treuhand
ihren Angestellten Hauke an den Generaltreuhänder Haupt. Damalige Besucher des Dr. Haupt erinnern sich noch heute daran, wie sich Arno Hauke in Hab-Acht-Stellung vor seinem Chef postierte und auf Anforderung die UFA-Zahlen herunterschnurrte.

In dieser Situation kam Hauke - buchstäblich über Nacht - der Zufall zu Hilfe: Treuhänder Haupt erlag einem Herzschlag. Der 30jährige Hauke war der einzige, der das komplizierte Konzerngebilde überschaute. "Da sagten die Engländer zu mir, nun mach mal", beschreibt Hauke den entscheidenden Wendepunkt seiner UFA-Karriere. "Und ich machte."

Ein Monatssalär von rund 3.500 Mark war gigantisch viel

Der "Vorzimmergehilfe" wurde, für ein Monatssalär von rund 3500 Mark, zum UFA-Treuhänder für die britische Zone und gleichzeitig auch zum alleinzeichnungsberechtigten Geschäftsführer der ehemals reichseigenen Dachgesellschaft UFI bestellt. Als UFI-Chef überragte Hauke bereits die Treuhänder in den anderen Besatzungszonen.

Seine Aufgabe war klar umrissen: Zerschlagen - Abwickeln

Die Alliierten, denen der Konzern als Propaganda-Instrument suspekt war, hatten im Sommer 1950 im Gesetz Nr. 32 der Hohen Kommissionen verfügt, daß eine "übermäßige Konzentration wirtschaftlicher Macht" verhindert werden müsse. Die UFI-UFA sollte zerschlagen werden. Ein Liquidationsausschuß, bestehend aus den deutschen Treuhändern, sollte die einzelnen Teile des Filmvermögens "im Wege des öffentlichen Verkaufs an den Meistbietenden ... veräußern".

So sehr fürchteten die Alliierten den Mythos der alten UFA, daß sie in Artikel 8 der Lex UFI sogar verordneten: "Es ist verboten, die Bezeichnungen UFI und UFA sowie eine zur Vortäuschung dieser Bezeichnungen bestimmte Zusammenstellung von Buchstaben oder Zeichen zu benutzen..." Verstöße gegen dieses Gesetz sollten mit "Geldstrafe bis zu 200.000 Mark oder mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit beiden Strafen bestraft" werden.

Und Hauke begann - genau das Gegenteil . . .

Dennoch widmete Hauke seine Energien einem Bubenstück von respekterheischendem Ausmaß: Statt auftragsgemäß den Konzern zu liquidieren, machte er sich listig daran - buchstäblich unter den Augen der alliierten Kontroll-Offiziere und nur sich selbst verantwortlich -, den Konzern neu aufzubauen ("Kann Ihnen sagen, war 'n schöner Sport!").

Die Gedanken, die ihn damals anspornten, schildert er heute so: "Dachte mir, mußt mit dem Geld was machen. Wenn der Film eine Rolle spielen soll, geht es nur mit einem Konzern, der Gewinne und Verluste ausgleichen kann. Habe die Konzeption gehabt: Muß Konzernbasis haben, das sind die Theater. So fing ich an zu raffen."

Das UFA Kino-Imperium vergrößern

Hauke machte sich dabei die Erfahrungen zunutze, die er bei seiner Erkundungstour durch die britische Zone einstmals gewonnen hatte. Als erstes trachtete er, sein Kino-Imperium zu vergrößern.

In der einleuchtenden Erkenntnis, daß es später einmal schwerfallen würde, Lichtspieltheater wieder zu verkaufen, die mit komplizierten Betriebsverträgen an den Konzern gekettet waren, verlegte er sich auf den Bau von Pachttheatern. Das heißt: Wo immer ein repräsentables Grundstück war, das der Besitzer durch den Bau einer Lichtburg nutzen wollte, war Arno Hauke prompt zur Stelle. Er gewährte Baukostenzuschüsse oder finanzierte den Rohbau, schaffte Innenausstattungen herbei und kurbelte den Kintopp an. Als Gegenleistung forderte er langjährige Pachtverträge; die Pachtsummen wurden gegen die vorgestreckten Gelder verrechnet.

Wenn die Offiziere argwöhnisch wurden . . . .

Den Argwohn der alliierten Controller lullte Hauke derweil mit buchungstechnischen Pedanterien ein, die an den Unternehmerverstand der alliierten Aufpasser appellierten. Pünktlich alle zehn Tage legte Hauke seinen Überwachern sorgfältig ausgeschriebene Abrechnungen vor, die auf eindrucksvolle Weise demonstrierten, daß der Betrieb auf kaufmännisch unanfechtbare Art geführt wurde. Hauke: "Was meinen Sie, was die Buchhaltung gepinselt hat. War 'ne Mordsschreiberei, imponierte aber den Engländern."

Zwar bekamen die Aufpasser nicht selten Wutanfälle, wenn Hauke bei ihnen auftauchte und ihnen eröffnete, daß er wieder ein neues Kauf- oder Pachtobjekt ausfindig gemacht habe. Der Zorn verflog aber in der Regel, wenn Hauke ("Ich kann manchmal sehr gut Englisch") darauf aufmerksam machte, daß es zu den Aufgaben eines Treuhänders gehöre, das ihm anvertraute Vermögen nutzbringend arbeiten zu lassen.

Honig um den Bart schmieren - die "RANK"-Filme forcieren

Außerdem war Hauke darauf bedacht, in den Engländern keine Konkurrenzfurcht vor einer starken neudeutschen Filmfirma aufkommen zu lassen: "Die Rank-Filme habe ich in unseren Theatern natürlich immer sehr pünktlich abspielen lassen."

So ließen die Kontroll-Beamten ihren Treuhänder gewähren, und Hauke wagte sich bald mit größeren Projekten hervor. In Hannover errichtete er für drei Millionen Mark ein prunkvolles Filmtheater am Aegidientorplatz. Dabei scheute Hauke vor biederen Roßtäuschertricks nicht zurück. Als Bauherr firmierte nicht die UFA, die sich offiziell noch immer in der Liquidation befand, sondern Haukes Steuerberater Dr. Lommerzheim. "Als das Ding fertig war, bin ich zur Eröffnung hingefahren." Hauke hatte nicht versucht, den Engländern sein Vorhaben präzise zu verdolmetschen Dieses Mal argumentierte er so: ("Ich kann manchmal sehr schlecht Englisch").

Heute gesteht Hauke ein, daß er bei diesen Unternehmungen stets das Auftauchen des Staatsanwalts gefürchtet habe. "Dachte immer, die erwarten mich schon am Eingang, um mich abzuholen. War ja nach dem Gesetz alles verboten." Da er aber auch alle illegalen Unternehmungen korrekt verbuchte und abrechnete, verzichteten die Alliierten darauf, den Staatsanwalt zu benachrichtigen.
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1952 - Auf einmal waren es 41 UFA Filmtheater

Dank Haukes Tartufferien verfügte die angeblich in Liquidation befindliche Dachgesellschaft UFI schließlich über einen Park von 41 Filmtheatern - die Basis für einen neuen Filmkonzern. Anfang 1953 fühlte sich Hauke stark genug, in die nächste Konzern-Etappe vorzustoßen: Die UFA sollte wieder selbst Filme drehen und verleihen. Hauke: "Wenn man immer Wurst verkauft, will man sie schließlich auch mal selber machen."

Die Sorgen und Probleme der anderen Treuhänder

Keiner der anderen Treuhänder - für die treuhänderische Verwaltung des ehemals reichseigenen Filmvermögens galt noch immer die Einteilung nach Besatzungszonen - war für ein derartiges Unterfangen besser mit den erforderlichen Qualifikationen ausgestattet als er. In Geiselgasteig bewachte der Treuhänder "Thiery" mit dem biederen Eifer eines Denkmalspflegers "Europas schönste Atelierstadt", ohne den Drang zu höheren Filmtaten erkennen zu lassen.

Der Treuhänder für die französische Zone, "Carl Opitz", der in seinem Bereich lediglich über drei alte UFA-Pachtkinos herrschte, deren Rechtsverhältnisse zudem umstritten waren, konzentrierte sich auf repräsentatives Auftreten in den Sitzungen des Liquidationsausschusses.

Der Berliner Treuhänder und ehemalige Aufzugsvertreter "Feldes" war dem Düsseldorfer UFI-Chef Hauke zumindest insofern unterlegen, als Feldes die Berliner UFI -Werte - vor allem das riesige Atelier in Tempelhof - nicht mit der finanztechnischen Finesse zu verwalten vermochte, die zur Absicherung von Millionen-Projekten erforderlich gewesen wäre.

Hauke, den die Praxis der Berliner Treuhand-Abteilung verdroß, gab seinem Kollegen Feldes den Rat: "Schafft Euch doch mal 'n Hauptbuch an, schreibt drüber 'Mit Gott', und dann geht's los."
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In Berlin war sowieso alles anders

Feldes befand sich freilich in einer schwierigeren Situation als Hauke. Der Berliner Treuhänder hatte Mühe, Filmproduzenten in seine riesigen Atelierhallen zu locken. Während der Blockade-Monate hatten die Atelierkunden sich in den Hamburger und Münchner Hallen eingemietet, und auch in den darauffolgenden Jahren zogen sie es vor, in Westdeutschland zu drehen, wobei Länderbürgschaften ihnen die Arbeit erleichterten. In Berlin aber gab es kein staatliches Film-Kreditinstitut, und Feldes stand vor der Aufgabe, die riesige Produktionskapazität der Tempelhofer Hallen (damals rund 20 Filme jährlich) auszulasten.

Feldes hatte die grandiose und dennoch fatale Idee

In dieser Situation, es war um die Jahreswende 1952/53, schlug er dem Arno Hauke vor, in den Berliner Ateliers UFA eigene Filme zu drehen. Hauke stimmte zu und stellte für die eigens im März 1953 neu gegründete "Capitol-Film GmbH" Gelder zur Verfügung. Zusätzlich stieg noch der Berliner VW-Vertreter Eduard Winter in die Gesellschaft ein.

Ein eigener Verleih für die Capitol-Filme - der Prisma-Filmverleih

Ein eigener Verleih für die geplanten Capitol-Filme war gleichfalls- schnell gefunden. Der in Frankfurt, domizilierende "Prisma-Filmverleih" war dankbar berührt, daß ihm mit Hilfe von UFA-Geldern gewisse wirtschaftliche Schwierigkeiten abgenommen werden sollten. Prisma-Chef Franz Sulley verkaufte sein Geschäft an den Volkswagenhändler Winter und die hinter diesem Autokaufmann versteckten-Düsseldorfer und Berliner UFA-Herren zum Preise von 275.000 Mark, wiewohl sein Gesellschafterkapital nominal 551.500 Marks betrug.

Unter der Leitung-des alten UFA-Chefdramaturgen Dr. Richard Riedel, der einst das Drehbuch für den Willy-Birgel-Film "... reitet für Deutschland" geschrieben hatte, machten sich ehemalige UFA-Regisseure in den Berliner Ateliers an die Arbeit, um wieder die alten UFA-Genre-Bilder auf die Leinwand zu malen; die sich vornehmlich in ästhetischen Arrangements erschöpften.

1953 - Doch dieses Genre war nicht mehr gefragt . . .

Doch es erwies sich bald, daß das Publikum nicht bereit war, den edelmännischen Gefühlskult, der von den Kritikern zumeist mit der fatalen Vokabel "sauber" bedacht wurde, zu honorieren. Die Anstrengungen der Capitol endeten kläglich mit einer Pleite. Die Capitol-Produktionsstaffel von zehn Filmen (und einer Auftragsproduktion) erbrachte einen Verlust von über fünf Millionen Mark. Allein an dem gepflegten Liebeneiner-Film "Das tanzende Herz" verlor die Gesellschaft 1,3 Millionen Mark.

1955 - Die "Capitol-Film GmbH" ging pleite

Allerdings, schon Ende 1954, als sich das Desaster der Capitol abzuzeichnen begann, distanzierte sich Hauke vorsorglich in einem wortreichen Memorandum von der Produktionsstaffel, der er selbst zum Start verholfen hatte. Es habe sich gezeigt, schrieb Hauke, "daß der sogenannte UFA-Stil keine geschäftssicheren Fertigungs- und Auswertungsmöglichkeiten mehr bietet." Die Filme hätten die "Neigung des heutigen Theaterpublikums zu realistischen Darstellungen" nicht berücksichtigt.

"Der Mitarbeiterstab", rügte Hauke, "zeigt sich weder in der Lage, durch eigene Gedanken schöpferisch zu wirken, noch durch eine straffe und sparsame Geschäftsführung in etwa einen Ausgleich für die mangelnde künstlerische Fähigkeit zu bieten." Die ehemaligen UFA-Angestellten seien "von der sogenannten UFA-Tradition mehr belastet als angespornt" worden.

Einen Monat später sagte sich Hauke, der den Makel des verlustreichen Capitol-Unternehmens nicht zu tragen gedachte, endgültig von dem Unternehmen los. Ungeachtet seines Engagements verkündete er am 12 Januar 1955 seinen Beschluß, sich von "der Mitwirkung bei der Kontrolle der Capitol-Film GmbH" zurückzuziehen. So blieb die Verantwortung für das mißglückte Experiment dem Berliner UFA-Mann Feldes überlassen, der alsbald seinen Posten räumen mußte. Die Capitol stellte zum 31. Dezember 1955 ihre Geschaftstätigkeit ein.

1953 - Auch die neue Bundesregierung verabschiedete ein Gesetz zur Abwicklung und Entflechtung der UFA

Arno Hauke arrangierte sich derweil schon mit bestimmten "Kräften" in Bonn, die, wie er, insgeheim die Wiedergeburt eines neuen UFA-Konzerns anstrebten. Bereits im Juli 1952 hatte der Bundestag, in Befolgung einer Forderung der Alliierten, ein "Gesetz zur Abwicklung und Entflechtung des ehemals reichseigenen Filmvermögens" verabschiedet.

Die Bundesregierung hatte sich in einem Briefwechsel mit den alliierten Hohen Kommissionen bereit erklärt, den Grundgedanken der Lex UFI - Verbot monopolartiger Filmfirmen - in das Gesetz aufzunehmen. Doch das deutsche Gesetz, das erst am 6. Juni 1953 in Kraft trat und die alliierte Lex UFI ablöste, erfüllte die Forderungen der Besatzungsmächte nur scheinbar.

Der Paragraph 1 bestimmte zwar eindeutig: "Um eine übermäßige Zusammenballung wirtschaftlicher Macht in der Filmwirtschaft zu vermeiden und eine gesunde, vom Staate unabhängige und auf demokratischen Grundsätzen beruhende Filmwirtschaft in der Bundesrepublik zu schaffen, sind Gesellschaften der Filmwirtschaft, an denen das Reich unmittelbar oder mittelbar beteiligt war..., in private Hand zu überführen."

Die Alliierten ausgetrickst

Aber die folgenden 23 Paragraphen lasen sich eher wie eine Gebrauchsanweisung zur legalen, wenn auch diskreten UFA-Rückverflechtung (Ausschuß-Mitglied Dr. Vaillant: "Es stand fest, daß die UFA wieder kommen sollte"):

  • Die einst reichseigenen Filmbetriebe konnten, aber mußten nicht zum Zwecke der Entflechtung aufgelöst werden;
  • niemand sollte mehr als ein Filmatelier oder drei Lichtspieltheater erwerben können, aber die Kino-Kaufbeschränkung durfte "aus zwingenden filmwirtschaftlichen Gründen" durchbrochen werden;

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Und noch ein Trick für englischsprachige Offiziere

Zwar durften weder der Bund, die Länder noch sonstige Gebietskörperschaften oder gar politische Parteien irgendwelche Vermögensteile erwerben, doch war Banken der Ankauf nicht versagt.

1956 - Die Deutsche Bank kaufte einfach die UFI und UFA

Bei dieser Rechtslage kam es für Arno Hauke nur noch darauf an, sich rechtzeitig mit dem präsumtiven UFA-Käufer zu arrangieren. In der Düsseldorfer Zweigstelle der Deutschen Bank war der Filialleiter Freiherr von Ostman dabei, ein Konsortium zusammenzustellen, das unter der Führung der Deutschen Bank die UFA-Werte erwerben sollte. Mit dem Freiherrn aber war Hauke schon seit langem vertraut, denn durch die Düsseldorfer Kassen der Deutschen Bank flossen seit Jahren beträchtliche Summen aus dem Geschäft mit den alten UFI-Filmen.

Im Frühjahr 1956 erteilten die Beamten des Abwicklungsausschusses tatsächlich dem Käufer-Gremium, das von der Deutschen Bank angeführt wurde, den Zuschlag. Freiherr von Ostman wurde Aufsichtsratsvorsitzender der beiden Konzern-Dachgesellschaften, der neugegründeten "Universum-Film AG" und der "UFA-Theater AG".

Anmerkung: Das Aktionärskonsortium der "UFA-Theater AG" und der "Universum-Film AG" besteht aus: Deutsche Bank (mit Berliner Disconto Bank) mit 31,25 Prozent des Aktienkapitals, Dresdner Bank (mit Berliner Bank für Handel und Industrie) (21,25), Agfa AG für Photofabrikation (15), Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie. (14,5), Zeiss-Ikon (5), Bankhaus Burkhardt & Co. (3), Herbert Tischendorf (2,5), Geyer-Werke GmbH (2), AEG (1,5), Kurt Ulrich (0,5), der Witwe des verstorbenen Ulrich-Kompagnons, Erika Schulz (0,5). Der Kaufpreis für die "UFA-Theater AG" betrug acht Millionen Mark, für die "Universum-Film AG" 3,5 Millionen Mark. Außerdem mußten Verbindlichkeiten in Hohe von insgesamt 10,233 Millionen Mark übernommen werden, die innerhalb eines Zeitraums von 27 Jahren zu tilgen sind. Das Aktienkapital der "Universum-Film AG" wurde inzwischen von 3,5 auf 10,5 Millionen Mark erhöht. Zum Ausbau des Berliner Atelier- und Kopierwerkkomplexes wurden bis Ende 1958 7,2 Millionen Mark aufgewandt.

Und Arno Hauke wurde Generaldirektor

Dem Arno Hauke, der den Konzern erhalten und erweitert hatte, dankten die Käufer die Treuhändertätigkeit: Er blieb, für ein Gehalt von über 7.000.- Mark, auf dem Vorstandssessel, auf den ihn schon die Bonner Abwickler nach dem Ende der Treuhänder-Ära (1953) berufen hatten.

Nicht alle waren so blöd und hatten es nicht gemerkt

Die Tatsache, daß sich Großbanken mit vielen Millionen am risikoreichen Filmgeschäft beteiligten, weckte freilich in der Filmbranche beträchtliche Zweifel an der Lauterkeit des Verkaufs. "Es war ein politischer Kauf", kommentierte die unabhängige Korrespondenz "Filmpress".

Die Erinnerung an die politische Geburt der UFA im Jahre 1917, bei der damals vornehmlich die Deutsche Bank Hilfe leistete, provozierte die Korrespondenz zu der Frage: "Hinter der UFA stehen die Banken, aber wer steht hinter den Banken?"

Die Expansion geht weiter

Welchen Herren oder welchen Interessen auch immer die neue UFA zu dienen gedachte - noch war der Konzern nicht komplett: Rückgrat des wachsenden Unternehmens war nach wie vor die Kinokette, die sich freilich damit begnügen mußte, die von konzernfremden Verleihfirmen offerierten Filme zu spielen; denn die UFA-Gesellschaften beschränkten sich nach der Capitol-Pleite hauptsächlich darauf, ihre Ateliers an fremde Produzenten zu vermieten, ausländische Filme zu synchronisieren und in fremdem Auftrage Filmkopien in ihren Kopierwerken herzustellen. Es fehlte dem Konzern der hauseigene Filmverleih - der Prisma-Verleih war nach der Capitol-Pleite wieder veräußert worden -, der neuproduzierte UFA-Filme hätte verleihen können.

Schon vor dem Verkauf der UFA-Aktien an das Bankenkonsortium hatte Hauke nach einem geeigneten Verleih-Unternehmen gefahndet. Diesmal gedachte er nicht, wie damals beim Capitol-Prisma-Geschäft, sich mit einer Verleih-Gesellschaft mittlerer Größenordnung zufriedenzugeben. Er erwarb den größten Film-Verleih, der in der Bundesrepublik bestand, den Herzog-Verleih des Filmkaufmanns Herbert Tischendorf, der für sein Unternehmen rund drei Millionen Mark einstrich und damit das unbestritten beste Geschäft des deutschen Nachkriegsfilms machte.

1953 - Die "UFA-Wochenschau" wurde wiederbelebt

In jenen Jahren seit 1953 begann die UFA, was nach dem deutschen Gesetz nicht länger verboten war, ausgiebig ihren alten Firmen-Rhombus zu zeigen - freilich vorerst nur auf den Marmorfassaden der Kinos. "Um das legendäre Firmen-Zeichen endlich auch wieder auf die Leinwand zu kriegen", erwarb Hauke nun von dem finanziell erschütterten Allianz-Verleih für 270.000 Mark die Lizenz an der Allianz-Wochenschau "Welt im Bild". Sie stellte ihr Erscheinen ein und tauchte wieder als "UFA-Wochenschau" auf.

Den UFA-Konzern komplettieren

Die Komplettierung des Konzern-Gebäudes, die letzte Etappe der Haukeschen Wiederverflechtungspolitik, erschöpfte sich in einem Puzzle-Spiel mit Verträgen. So gründete Hauke beispielsweise, um die Gewinne seiner Theater AG vor der Steuer wegzuschieben, eine technische Firma ("UFA-Montage GmbH") und erstand die Firmen-Mäntel einiger Produktions- und Verlagsgesellschaften der alten UFA und der UFI, so die "UFA-Filmkunst", "Terra-Filmkunst", Berlin-Film", den "Wiener Bohème-Verlag" und den "UFAton-Verlag". Das Endresultat seiner Bemühungen kommentierte Hauke mit zwei Sätzen: "Ist 'ne ganz schnuckelige Gesellschaft geworden. Spuckt im Jahr so ihre Millionen aus."

Der neue Düsseldorfer Betonpalast

In seinem Düsseldorfer Betonpalast herrschte er längst souverän als UFA-Boß. UFA-Vorstandsmitglied Dr. Neudeck, vormaliger Landgerichtsrat und Treuhand-Jurist, erläuterte die unangefochtene Machtposition seines jüngeren Kollegen: "Herr Hauke ist kraft seines Schöpfungsaktes dazu legitimiert." Indes, der Schöpfungsakt war noch nicht beendet.
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1955 - Die UFA-Filmproduktion wiederbeleben

Konzern-Erneuerer Hauke war nun mit der schwierigsten Aufgabe der Konzerngründung konfrontiert: der Wiederbelebung der UFA-Filmproduktion unter dem alten Firmen-Rhombus. Doch während die Konkurrenten der Branche von Saison zu Saison auf eine neue UFA-Produktionsstaffel warteten, flüchteten sich die UFA-Herren hinter Bitten um Geduld ("Wir sind ganz, ganz junge Kinder") und warben in Appellen um Verständnis dafür, daß "wir sehr große Anfangsschwierigkeiten haben".

Mittlerweile hatte sich nämlich dem Betriebswirt Hauke die Erkenntnis erschlossen: "Der Name UFA ist nicht nur ein Werbezeichen, sondern auch eine Hypothek. Die UFA ist zur Legende geworden, aber die große Masse kennt nur noch den Namen. Die Filme, die von der UFA gemacht wurden, kennt kaum einer."

1956 - Zweifel an der Lebensfähigkeit der UFA Filmproduktion

Die "Frankfurter Rundschau" hatte Hauke schon 1956 vorgerechnet: "Weder in der Epoche des stummen noch in der Geschichte des tönenden Films hatte die UFA jene große Zahl von Erfolgen zu verzeichnen, die man ihr heute aus Gedächtnisschwäche zuschreibt ... Willy Forsts 'Maskerade' entstand im Wiener Atelier der Sascha, seine 'Mazurka' war ein Produkt der Rota, Trenkers 'Kaiser von Kalifornien' wurde von der Terra finanziert, die auch 'Auf Wiedersehn, Franziska' auf den Markt brachte. Käutners 'Romanze in Moll' war ebenso ein Film der Tobis wie Erich Engels 'Der Maulkorb'. Und 'Mädchen in Uniform' entstand für 150 000 Reichsmark im Rahmen eines unabhängigen Kollektivs." Die künstlerischen Erfolge, die der Konzern von 1920 bis 1945 zu verzeichnen hatte, lassen sich in der Tat an den Fingern beider Hände aufzählen.

"Ohne Zweifel haben die Besatzungsmächte die Auflösung der UFA aus Konkurrenzgründen betrieben", kommentierte das Blatt. "Aber die Liquidation bedeutete nichts anderes als die tödliche Spritze für einen Patienten, dessen Lebensfähigkeit wegen ... des inflationistischen Geschäftsgebarens schon vorher nur künstlich aufrechterhalten worden war."

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