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Ein sehr lernintensives Arbeitsgerät - der Bildmischer

Diese technische Beschreibung haben wir weiter unten abgebildet, um auch dem Laien einen Einblick zu geben, was da täglich im Fernsehstudio an den verschiedenen Stellen abgeht und mit welchen Techniken und Geräten sich die Mitarbeiter an diesen Stelle beschäftigen müssen. Der hier beschriebene BTS/Philips DD35 Bildmischer hat fast die Komplexität eines Airbus- Flugzeuges mit dem Unterschied, daß damit niemand (von den Passagieren bzw. Zuschauern) abstürzen kann.

Der DD 35 ist ein sehr großer Bildmischer

Der etwas ältere BTS DD30 Mischer

Es ist das absolute digitale Prachtstück aus Darmstadt, auch wenn oben "Philips" drauf steht. Philips hatte die Robert Bosch Fernseh/BTS 1985 erst zur Hälfte und dann 1990 ganz gekauft. Darum mußte jetzt unbedingt "Philips" drauf stehen - aber wie gesagt - Made in Germany. Leider war es absolut destruktiv, denn viele Kunden wollten keine Philips-Produkte haben.

Warum ist der Mischer so groß ? In einem größeren Fernsehstudio hatte man mindestens 4 Studio-Kameras rund um die Bühne, mehrere Kameras im Zusschauerraum und dann noch einige fest installierte Kameras im Ansagestudio und vielleicht eine hinter der Bühne. Dazu kamen recht oft 6 oder 8 oder noch mehr Leitungen von außen von kleinen oder großen Ü-Wagen bei irgendwelchen großen Live Events. Auch wurden oft Szenen oder Filme oder Bilder von mehreren MAZen oder Filmgebern oder anderen digitalen Bildspeichern eingeblendet. Erinnern wir uns an die großen populären Fernseh-Shows mit "Einer wird gewinnen" oder "Wetten daß". Dort wurden durchaus 30 verschiedene Bildquellen gebraucht, oft sogar ganz kurz hintereinander - also fast nahezu gleichzeitig.

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DD35 - Ein Produktionsmischer mit hoher Universalität

Bedienfeld des neuen DD35-Mischers


von Dipl.-Ing. Frank Jung im Sommer 1998 - Herr Jung ist (war) Produktmanager "Digitale Mischer" bei Philips Digital Video Systems in Darmstadt, ehemals Bosch Fernseh, dann BTS usw.

Für wen ist dieser Atikel damals gemacht worden ?

Der Beitrag richtet sich gleichermaßen an Anwender, Systemplaner und Techniker. Es soll die nicht auf den ersten Blick erkennbare Universalität des jüngsten Mitglieds DD35 der nun erweiterten DD-Familie aufgezeigt werden, mit einem Überblick über grundlegende Neuheiten sowie deren Nutzungsmöglichkeiten im zeitkritischen Live-/On-Air Sendebetrieb.

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1. Einleitung

Optionale Ausführung des neuen DD35-Mischers
Bild 1 Traditionelles, bisher verwendetes Bedienfeld-Layout

Seit ihrer Markteinführung im Sommer 1993 durch Philips BTS wurden die digitalen Produktions- mischer der DD-Familie kontinuierlich weiter entwickelt. Durch das bereits seinerzeit bei BTS/Philips vorhandene Know-how im Bereich HDTV-Mischertechnik konnten schon frühzeitig Algorithmen der Signalverarbeitung konsequent in ASICs umgesetzt werden. Das Bedienkonzept sieht eine traditionelle Mischeffektstufen- orientierte Bedienung vor (Bild 1). Die DD-Modelle sind gekennzeichnet durch vielerlei Schnittstellen zu Studiogeräten aus eigener Herstellung oder anderer Hersteller (zum Beispiel Kreuzschienen, Unter-Monitor-Anzeigen, DVEs, Schnittsysteme usw.) und standardkonforme Signalqualität.

2. Produktentwicklung

Nach Diskussionen mit professionellen Anwendern, System- und Studioplanern, Studiotechnikern und Entwicklern sowie einer Vielzahl von kleineren Konzeptanpassungen während eines etwa 15 Monate dauernden Designprozesses, wurde zur NAB 1997 der erste Prototyp des neuen Flaggschiffes der Philips DD-Produktionsmischerfamilie, der DD35, vorgestellt.

Dabei ist der neue „High-End"-Produktionsmischer nicht nur als eine „lineare" Erweiterung des großen Philips-Mischers DD30 auf vier Misch-/Effekt-Ebenen anzusehen. Vielmehr wurde mit dem DD35 auch die Leistungsfähigkeit des Mischers verbessert. Das betrifft sowohl die Bedienmöglichkeiten als auch die zugrundeliegende, neu entwickelte Steuerungstechnik.

Die Wirtschaftlichkeit

Wirtschaftlich gesehen ist zu erwarten, daß der allgemeine Trend zur Konzentration von Arbeitsplätzen auch im Produktions-Studiobereich weitergehen wird. Demzufolge werden sich, auch bei gleichbleibenden Anforderungen an die Kerntechnik von Produktionsmischern, die Anforderungen an die Bediener in Zukunft mit höchster Wahrscheinlichkeit noch drastisch verschärfen.

Um genau diesem Benutzerkreis die täglichen Produktionsabläufe an der Schaltzentrale aller Signalquellen im Studio oder Ü-Wagen so einfach wie möglich zu gestalten, wurde das von den bisherigen DD-Mischem bekannte, offene Steuersystem wesentlich erweitert. Basierend auf dem erlangten Know-how, wurde bei der Entwicklung des DD35 strikt auf die Einhaltung der dort implementierten „Button-per-Function"- Philosophie geachtet.

Design und Architektur

Bild 2. Traditionelle Verarbeitungsstruktur (allgemein)

Design und Architektur entsprechen weitestgehend dem der heute im Markt befindlichen kleineren Modelle. So arbeitet auch dieses Modell nach dem Misch/Effekt-Prinzip unter Verwendung der „Next Transition"-Betriebsart. In Anlehnung an Bild 1 bedeutet dies, daß im Überblendmodul nur jeweils ein Bedienelement benutzt wird (Autotaste, Cuttaste oder Fader), um entweder zwei oder mehrere angewählte Bildquellen zu einer bestimmten Zeit ineinander zu Überblenden.

Vor der Überblendung (im einfachsten Fall ein reiner Mix) muß noch bestimmt werden, an welcher Stelle im Signalfluß diese „nächste" Überblendung stattfindet, das heißt ob es nur eine Überblendung von einem Hintergrundbild zum anderen ist, das Einblenden eines oder mehrerer Keysignale auf ein Hintergrundsignal (beispielsweise Schriftgenerator, Sprecher vor der Blauwand usw.) oder mehrere solcher Vorgänge gleichzeitig.

Eine Erweiterung der eigentlichen „Next-Transition" Betriebsart ist nun, daß man für jedes Überblendelement (Hintergrund [BGD], Key 1, Key 2, usw) auch gleichzeitig festlegt, mit welcher Blendart (beispielsweise Wipe, DVE-Ef-fekt, Mix) diese „nächste Überblendung" stattfindet.
Bild 2 zeigt die traditionelle Verarbeitungsstruktur auf.

Neu entwickelte Controller-Systeme

Neben dem komplett neu entwickelten Controller-System wird der DD35 mit zwei unterschiedlich langen, modularen Bedienpulten ausgeliefert. In den Pulten integriert ist eine neu entwickelte Menübedienung für größtenteils untergeordnete Funktionen. Die graphische Benutzeroberfläche wurde mit einem TFT-Farbdisplay übersichtlich gestaltet und funktionell einfach bedienbar entwickelt.

Grundfunktionen des Mischers können während der Live-Sendung allerdings auch ohne deren Benutzung gesteuert werden. Eine neue Betriebssoftware wurde derart konzipiert und umgesetzt, daß auch in Zukunft noch Erweiterungen im Mischer Platz finden können.

3. Neues in der Signalverarbeitungselektronik

Prinzipiell werden die in der bisherigen Mischerfamilie verwendeten Komponenten zur Signalverarbeitung, auch im DD35 eingesetzt. Das hat zur Folge, daß die Signalver- arbeitungsqualität und Funktionsvielfalt verwendeter Misch-und Keyprozesse sowie Trickmuster-Generatoren exakt so sind, wie es Anwender solcher Mischer bislang gewohnt sind. Das geht sogar so weit, daß die meisten Platinen direkt mit denen vom DD20/30 austauschbar sind.

Zwei Keyer pro M/E, ein Borderliner pro Keyer, ein Trickmustergenerator pro M/E, „PaintMode"- Maskierung pro M/E-Maskenspeicher (Standard), intelligente Einbindung externer DVEs mittels „FXLoop", Steuerung einer externen Kreuzschiene und fünf Auxiliary-Busse ( gehören zur Standardausstattung. Die Umschaltbarkeit von 4:3-auf 16:9-Bild-format per Setup oder auch zentralem Studioschalter ist obligatorisch.

Gewohnte Optionen wie Dual-Chroma-key pro M/E („DynaChrome") oder zweiter Trickmuster- generator pro M/E und ein zweikanaliger Montage-Prozessor zusammen mit frei positionierbaren Key-Schattengeneratoren pro M/E und Farbquantisierungseffekten wie Poste-rization und Solarisation werden auch für den DD35 angeboten.

Erweiterung von 32 auf maximal 48 seriell-digitale Eingänge

Neu ist die Möglichkeit, das DD35-System von 32 auf maximal 48 seriell-digitale Eingänge zu erweitern sowie auf insgesamt 10 oder 15 Aux-Busse aufzurüsten. Eine automatische Erkennung und Umschaltung auf 625- oder 525-Zeilenstandard ist heute „State-of-the Art".
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Bild 3. DD35-Verarbeitungsstruktur

Die eigentliche Signalverarbeitung wurde gegenüber dem DD30 zwar um eine M/E erweitert, doch tatsächlich handelt es sich bei dieser Erweiterung um mehr als nur die Hinzufügung einer zusätzlichen Mischstufe.

Neben der Erweiterung auf insgesamt drei eingebaute Downstream-Keyer- Stufen (DSKs) (in Bild 3) hat der DD35 in der P/P-(Program-Preset-) Mischstufe die Möglichkeit, bis zu drei zusätzliche, extern nachgeschaltete DSKs anzusteuern. Die DD35-Bedienung nutzt weitestgehend die Möglichkeiten extern angeschlossener Keyer (Fremdgeräte) aus, das sind zum Beispiel „Clip", „Gain", „Auto-Transition"- Zeiten, „Cut" und „Fade-to-Black.

Ausserordentliche Systemflexibilität

Die Vorteile einer solchen Lösung liegen auf der Hand. Für Standardproduktionen in zum Beispiel einer einzigen Landessprache können alle bereits im Mischer vorgesehenen Ressourcen direkt verwendet werden. Für multinationale Sportproduktionen hingegen erlaubt die Systemflexibilität einen individuellen Ausbau für zeitgleiche, parallele oder auch kaskadierte Einblendungen von Downstream-Keyquellen. Ein bestimmtes Programmsignal könnte dann zum Beispiel direkt im Ü-Wagen mit Kommentaren in spezifischen Landessprachen belegt und ohne weitere Nachbearbeitung ausgestrahlt werden.

Ist die Anzahl eingebauter Downstream-Keys speziell im Live-Betrieb nicht genug, könnte man sich (bereits auch im DD20/30) ein Feature zunutze machen, das seinen Schwerpunkt eigentlich in der Nachbearbeitung findet, den „Layer Mode".

Vier Keyer-Ebenen

Separat aktivierbar für jede Misch-/Effekt-Stufe, erlaubt dieser Betriebszustand je M/E die Erzeugung von vier Keyer-Ebenen (Layern) mit zugehörigem Summensignal. Die Priorität aller vier Keyer ist innerhalb der M/E frei wählbar. Am Ausgang der in diesem Modus arbeitenden M/E-Stufen werden Quellensignale erzeugt, die man sich als 1:1-Projektion aller zusammengefaßten Einzelkeysignale vorstellen kann, und zwar für das Summen-Stanzsignal selbst (Key) als auch für das gesamte Vordergrundsignal (Fill). In einer anderen M/E können diese Gesamtsignale pro Keyer oder in der P/P-Stufe pro Downstream-Keyer eingeblendet werden (aus zum Beispiel verschiedenen in Layer-Mode arbeitenden M/Es).

Mit nur einer Layer-M/E und Einspeisung in einen DSK sind dann sechs interne DSKs realisierbar. Mit drei M/Es, drei DSKs in der P/P-Stufe sowie möglicher Wipe-Umblendung im Program-Preset-Hintergrund, sind dann im DD35 sozusagen bis zu 14 Layer möglich.

Die optionale, serielle Tally-Schnittstelle

Bild 4. Mehrkanal-Tally-System (optional)

Eine weitere, wesentliche Verbesserung stellt die optionale, serielle Tally-Schnittstelle dar, mit der jetzt pro Anwendung drei verschiedene Tally-Anzeigekreise realisiert werden können. Das ist zum einen die standardmäßige Rot-Signalisierung für Quellen oder Mischebenen, die im Programmausgangssignal vorkommen, des weiteren noch eine Signalisierung von Quellen, die im Presetbereich angewählt wurden und nach der nächsten Überblendung auf Sendung gehen (Preset Tally / gelbes Tally), sowie ein zweiter, frei verwendbarer Tally-Kanal (grünes Tally). Dieser könnte zum Beispiel zur Anzeige von Quellen bei Disk- oder Bandaufzeichnung für spätere Ausspielung verwendet werden oder für die Tally-Signalisierung bei Anwahl von Ersatzquellen für Zweitverwerter (Bild 4).

Erweiterungen im DD35 mit dedizierten Farbgeneratoren

Vergleichsweise untergeordnete Erweiterungen im DD35 stellen ein dritter Farbhintergrundgenerator dar und die Möglichkeit, bildfüllendes „Weiß" als Quelle in jeder beliebigen Mischstufe anwählen zu können.

Schon in der Grundausstattung (bei allen DD-Mischern) hat jeder interne Keyer (außer DSK 3) zwei dedizierte Farbgeneratoren (Border & Fill). Die Wipe-Generatoren haben ebenfalls jeweils einen eigenen Farbgenerator zur Erzeugung von farbigen Trickmusterumrandungen. Alle Farbgeneratoren des Mischers bieten jeweils zwei Farben mit justierbarem, linearem Farbübergang an. „WiperWash" bewirkt hier zum Beispiel den Farbverlauf vom Trickmustermittelpunkt nach außen (radial). Ein optionaler Texture-Matte-Store erlaubt die Steuerung der Übergänge zwischen zwei Hintergrundfarben mittels Signal vom Trickmustergenerator.

Der flexible Einsatz einzelner Trickmustergeneratoren in unterschiedlichen Mischstufen hilft dem Kunden Anschaffungskosten zu sparen. „WiperFlex" ist eine Neuheit im DD35, die eine installationsspezifische Nutzung von M/E1-Trickmustergeneratoren auch in der P/P-Stufe erlaubt, und zwar wählbar für nur einen oder beide Generatoren.

Neu : „Pattern Memo"

Beim DD35 neu hinzugekommen ist auch „Pattern Memo", das analog zu Key Memory die zuletzt vorgenommenen Trickmustermodifikationen automatisch speichert und bei wiederholter Trickmusteranwahl zusammen mit dem gewünschten Muster abruft.

Zusammen mit der zusätzlichen Option, die internen DSKs 1 und 2 auch mit Chromakey auszustatten, wird die P/P-Stufe also tatsächlich zu mehr als man von den regulären M/Es erwartet.

Thema : Gerätegröße und Betriebssicherheit

Das DD30 Backend vom ZDF

Zum Abschluß des Signalverarbeitungsblocks hier noch ein kurzer Überblick zum Thema Gerätegröße und Betriebssicherheit:

Ebenso wie DD20/30 befindet sich die Videoelektronik des DD35 in einem 12 HE hohen 19-Zoll Gehäuse. Sowohl zur Luftzufuhr als auch bedingt durch internationale Sicherheitsnormen, muß nach UL- und CSA/NRTL, generell eine zusätzliche Höheneinheit eingeplant werden. Mithin wichtigstes Sicherheitsmerkmal der neuen Elektronik ist das speziell für den rauhen Sendebetrieb neu entwickelte Netzteil. Mit in der Elektronikbox optional bestücktem Redundanznetzteil erfolgt im (unwahrscheinlichen) Fehlerfall bei fortgesetztem Sendebetrieb auf dem Display automatisch eine Alarmmeldung. Der Austausch einer defekten Komponente kann dann „hot swappable" erfolgen, das heißt, ohne Unterbrechung des laufenden Betriebs.

Die redundante Stromversorgung des DD35-Pults als auch der Videoelektronik erfolgt primärseitig über zwei getrennte Netzzuleitungen, was bei Anschluß an zwei verschiedene Phasen zusätzliche Sicherheit bei eventuellem Stromausfall (auf einer Phase) gibt.

3.1. Bedienkonzept

unser erster digitaler DD30 Mischer im Museum

Wesentlich stärkeren Einfluß als das bisher beschriebene Leistungsvermögen auf die Akzeptanz eines komplexen Geräts dieser Klasse haben Ergonomieaspekte, Möglichkeiten und Einfachheit der Bedienung. Daß die beiden Bedienpultversionen (L und LX) trotz der eingebauten Möglichkeiten doch noch verhältnismäßig klein geworden sind, wird von vielen Anwendern besonders hervorgehoben.

Vorteil der kleineren „L"-Version („Live") ist die exakte Längenkompatibilität zum analogen Modell GVG300. Man hat hierbei insgesamt 24 direkt schaltbare Quellenanwahltasten in den M/Es und im Aux-Modul zur Verfügung. Vorteil der verlängerten „LX"-Version („Live eXtended") sind die insgesamt 32 direkt schaltbaren Quellenanwahltasten (auch Aux). Ansonsten sind alle Bedienmodule identisch.

Einsatz auch im Ü-Wagen

Um den Einsatz auch im Ü-Wagen zu erleichtern, wurden die bislang schräg angeordneten Bedienmodule für Aux-Busse, Display und Wipe vom Basispult getrennt. Diese Module können jetzt separat, mit bis zu 2,5 m langen Kabeln versehen, abgesetzt eingebaut werden, um damit die Bedienung (optional) an die Umgebung angepassen zu können.

Die Neuheiten im Einzelenen

Sechs entscheidende Neuheiten seien nun nachstehend etwas ausführlicher dargestellt:
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  1. • „MaKE Memo" — frei programmierbare Tastenmakros,
  2. • „Machine Control" — Live-Bedienung von Zuspielgeräten direkt vom Bedienpult aus,
  3. • doppelte Key-Bus-Reihen — zusammen mit Anzeigen für Quellennamen,
  4. • „Name Follow Video" — Quellennamentransfer von externer Studiokreuzschiene,
  5. • neues Farbdisplay — einfache Navigation komplexer Einstellungen,
  6. • eingebauter PC — quasi redundante Bedienung mit Harddisk-Speicher.

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3.2. „MaKE Memo"-Makros

Als wohl überragende Neueinführung seit Vorstellung von „E-MEM" kann das im DD35 vorgestellte „MaKE Memo"-System betrachtet werden. Prinzipiell handelt es sich hierbei um eine einfache Möglichkeit, immer wiederkehrende Tastendruck-Sequenzen zusammen mit einem Symbolnamen abzuspeichern und später wieder aufzurufen. Beim Aufruf wird die zuvor abgelegte Sequenz exakt in der eingegebenen Reihenfolge abgearbeitet, das heißt quasi „gleichzeitig". Generelle Absicht war es, dem unter Zeitdruck arbeitenden Benutzer die Arbeit soweit zu vereinfachen, daß Fehlbedienungen weitestgehend ausgeschlossen werden können.

„MaKE Memo" im Livebetrieb

Neben ganzen Sequenzen können auch Einzelaktionen wie GPO-Trigger, Abruf bestimmter Effekt-Register oder auch Quellenumschaltungen usw. derart vorprogrammiert werden, daß im Livebetrieb nur noch eine „MaKE Memo"-Taste nach der anderen von links nach rechts laufend gedrückt werden muß. Das entspricht dann dem Ablauf einer Aktionssequenz wie nach Drehbuch. Die zugehörigen Steuerbefehle sind zusammen mit dem zur jeweiligen Sendung oder dem Programm (Applikation) gehörigen Mischerkonfiguration auf einer eingebauten Festplatte speicherbar. Zur einfacheren Unterscheidung der vorprogrammierten Aktionen wurde für jede dieser Tasten ein eigenes Namensdisplay vorgesehen.

Als idealer Platz für diese mächtige Funktion wurde die für alle drei internen Keyer delegierbare Key-Bus-Reihe der P/P-Stufe ausgewählt, weil die Quellenauswahl von Downstreamkeyer-Signalen in der Regel sowieso nicht während einer Sendung geändert wird. Die Auswahl ist quasi statisch. Im DD35 wird zu diesem Zweck die jeweils angewählte DSK-Quelle mit ihrem Namen in kleinen Statusdisplays angezeigt, und zwar direkt über den Auto/Cut-Tasten des DSK-Moduls.

Durch einfachen Tastendruck kann der P/P-Keybus in den „MaKE Memo"-Modus umgeschaltet werden - dem Anwender stehen alle zur jeweiligen Applikation gehörigen Makros zur Verfügung.

Damit auch bei Speisung der externen Keyer durch interne Aux-Bus Quellen ein Key-Bus an gewohnter Stelle zur Verfügung steht, wurde die „MaKE Memo"-Funktionalität erweitert. Quellenanwahltasten kompletter Auxiliary-Busse können auch auf diese Tasten gelegt werden. Das schließt auch die mit „Ext.Aux" bezeichnete Möglichkeit zur Quellenauswahl an externen, angeschlossenen Kreuzschienen mit ein. Zusammen mit einer eigens dafür über dem P/P-Keybus angelegten Namensanzeigenreihe eine insgesamt runde Sache.

3.3. Machine Control

"Machine Control" ist nicht minder interessant. Dem Benutzer bietet sich hiermit die Möglichkeit, bis zu vier „Media Player" anzuschließen und fernzusteuern, das heißt Zuspielgeräte wie Digitale Diskrecorder, Laserdisk-Abspieler, Bandmaschinen oder andere Geräte, die über das BVW75-Protokoll gesteuert werden können. Man kann direkt vom Mischerbedienpult aus Zeitcode-Marken setzen und bis zu vier Maschinen gleichzeitig vorgewählte Zeitcodepositionen anfahren oder Aufzeichnungen abspielen lassen.

Ein kleines Statusanzeigenfeld gibt Auskunft über den momentanen Zustand jedes Zuspielkanals. Einzelne Kanäle oder auch Gerätegruppen können per integrierter Laufwerkstasten zusammen gestartet, gestoppt oder gespult werden. Komplexere Abläufe wie zum Beispiel zu unterschiedlichen Zeiten nötige Laufwerksbefehle können unter Zuhilfenahme des „MaKE Memo" beliebig vereinfacht vorprogrammiert werden. Durch eine Kopplung mit mischerintern ablaufenden Timeline-Sequenzen lassen sich somit auf einfache Weise immer gleich ablaufende Trailer-Sequenzen erstellen und abspielen, bei denen sich zum Beispiel die Inhalte täglich ändern.

3.4. Doppelte Key-Bus-Reihen

Doppelte Key-Bus-Reihen sind quasi zum Produktionsstandard geworden. Sie erlauben bei zwei Keyern pro M/E einen schnell erfaßbaren Überblick über den bestehenden Keyquellenstatus. Darüber hinaus ist eine schnelle Änderung der Quellenauswahl insofern möglich, als daß der Keybus vorher nicht noch umdelegiert werden muß, was beim einfachen Keybus der Fall sein kann.

Nur unter Verzicht auf die zugehörige Anzeige von Quellennamen wird diese
Bedienmöglichkeit auch bei Produkten der Mitbewerber angeboten. Der DD35 bietet diese Möglichkeit aber weiterhin (Option), das heißt zwei Key-Bus-Reihen plus Quellennamenanzeigen (Mnemonics).

3.5. „Name Follow Video" — externe Router Integration

Bild 5. „Name Follow Video" und externe Kreuzschienen-Steuerung

In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, daß alle größeren DD-Mischer schon im Basisgerät mit „Name Follow Video" eine sehr übersichtliche Verkopplungsmöglichkeit mit einer externen Kreuzschiene (zum Beispiel Philips Venus) bieten (Bild 5).

Neben der reinen Selektion von Eingangsquellen der externen Kreuzschiene per aktivierter „External Aux"-Auswahl, werden auch die zugehörigen (externen) Quellennamen direkt im Mischer angezeigt, und zwar oberhalb der Koppelpunkttaste mit der der zugehörige Kreuzschienenausgang angewählt wird. Bis zu 15 solcher Kreuzschienen-Ausgangssignale können auf diese Weise im DD35 benutzt und angezeigt werden. Zusammen mit mischerinternen Quellennamen können sie auf Unter-Monitor-Anzeigen (UMDs) ausgegeben werden. Für alle intern abspeicherbaren Quellennamen besteht die Möglichkeit, neben den vierstelligen Mnemonics auch achtstellige für die Ausgabe an UMDs einzugeben.

Für Kreuzschienen, die den Namenstransfer nicht unterstützen besteht immer noch die Möglichkeit, auf eine intern anlegbare Namenstabelle zurückzugreifen. Zwischenzeitliche Änderungen an der externen Kreuzschienenkonfiguration werden damit allerdings nicht automatisch erfaßt.

3.6. Einfache Navigation

Die meisten, speziell für den Live-Betrieb notwendigen Funktionen und Bedienparameter, sind direkt mit Tasten und Reglern vom Hauptbedienpult aus schalt- und veränderbar.

Verständlich ist aber auch, daß wegen der Vielzahl an Parametern nicht jede Bedienfunktion eines solchen Mischers direkt auf der Pultoberfläche verfügbar gemacht werden kann. Ein solcher Mischer wäre dann aufgrund der nötigen Bediener-Reichweite unübersichtlich und schlichtweg unbedienbar.

Menübedienung per Display stand in der Live-Produktion bislang nicht zur Diskussion, da der Bediener nach Regieanweisung meist keine Zeit mehr hat, das benötigte Menü ausfindig zu machen. Optimale Bedienbarkeit unter zeitkritischem Aspekt war daher als Richtschnur der Menü-Entwicklung zu betrachten.

Die Menübedienung

Neben der Implementierung von bereits in DD 10 bis DD 30 bekannten Funktionen wie „Auto-Delegation" und „Auto-Menü", wurde die Menübedienung zusätzlich mit einfacher Navigation in flacher Menü-Hierarchie "On-Air-tauglich" gemacht.

„Auto Menü" erlaubt beispielweise die automatische Auswahl des korrekten Displaymenüs, passend zum jeweils angewählten Kontext. Das heißt, je nachdem in welcher M/E auf eine Taste eines beliebigen Bedienpultmoduls gedrückt wird, folgt das Menü automatisch - ohne weiteres Nachdenken und explizit zu tätigende Aktionen wie „Doppelclicks" auf die Pulttasten. Zusätzliche Bedienfunktionen wie zum Beispiel „Positioning", „Sizing" und „Softening" von Keysignalen werden damit beim ersten Drücken irgendeiner Taste eines beliebigen Key-Moduls direkt im Display-Umfeld bedienbar gemacht. Das im DD35 neu eingeführte Farbdisplay vereinfacht die Arbeit dahingehend, daß der Status von ein/ausschaltbaren Funktionen durch subtil verwendete Farbgebung, ohne explizites lesen, eindeutig und schnell erkennbar ist.

Parameterwerte werden durch Balkendarstellungen angedeutet, können aber auch direkt mit zugehörigen, fein aufgelösten Zahlenwerten angezeigt werden. Neben der Einstellung mit Digipots (Inkrementalgeber) ist auch die Navigation der Zielparameter und ihre direkte Eingabe über die zum Master-Register gehörende Zehnerfeld-Tastatur möglich.

Schlüsselfunktionen, die in verschiedenen Menüs vorkommen, finden sich in der Regel immer bei der selben Menütaste wieder („ortsfeste Funktionen").
Bedien-Untermenüs wurden auf eine Submenü-Ebene beschränkt, bei Konfigurations- und Installationsmenüs sind gegebenenfalls mehrere Untermenüebenen vorzufinden.

3.7. PC-Power - (Anmerkung: wir haben 1998)

Denkt man an PCs, schweift der Gedanke auch unweigerlich um „Windows". Dabei werden Ängste vor unkalkulierbaren Wartepausen und den noch mehr gefürchteten Programmabstürzen wach - besonders im Umfeld von Live-Produktionen. Diesen Umständen wurde besondere Beachtung geschenkt. Unter Rücksicht auf ein solches „Absturzszenario" wurde das neue Steuerkonzept des DD35 so ausgelegt, daß es größtmögliche Sicherheit unter Ausnutzung aller denkbaren Annehmlichkeiten eines eingebauten PCs bietet.

Der generelle Einsatz eines PCs unter „Windows"-Betriebssystem (Win 95, NT) wurde, in betrieblicher Hinsicht, aus Zuverlässigkeitsgründen nicht weiter in Betracht gezogen (zum Beispiel Shut-down-Prozeduren und für Live-Betrieb meist unbrauchbar lange Systemstartzeiten von Server-Betriebssystemen).

Der DD 35 läuft unter dem VxWorks-Echtzeibetriebssystem

Bild 7. DD35-Steuerkonzept

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Sowohl das schon im MediaPool Video-Server verwendete VxWorks- Echtzeitbetriebssystem, als auch RISC-Controller (i960) spielen beim DD35-Steuersystem die Hauptrollen, um absolute Echtzeitanforderungen (Tastenbefehle, teilbildgenaue Parameterübertragung usw.), sowohl in der Kommunikation zwischen Pult und Videoelektronik als auch zur eigentlichen Elektronikbox-Steuerung erfüllen zu können.

Viele Jahre Entwicklungserfahrung hat sich Philips BTS mit diesen Prozessoren bereits beim Spirit DataCine-Filmscanner erworben. Ein fast zwingender Grund zum Einsatz dieser schnellen Technologie ist ohnehin die einfache Möglichkeit zahlreiche Schnittstellen-Ports mit hoher Baud-Rate zur simultanen Ansteuerung vieler externer Geräte (VTR-Steuerung via Machine Control, mehrkanaliges serielles Tally, externe DVE-Steuerung usw.) zur Verfügung zu stellen.

Es gibt dennoch einen PC

Der eingebaute PC dient in erster Linie nur zur Darstellung der Display-Menüs und ist via LAN-Karte separat ans Cheapernet-Netzwerk (ANmerkung: das ist noch 10 mBit/s Coaxial-Technik) der DD-Mischer angeschlossen.

Auch in Zukunft werden Leistungssteigerungen in der Computertechnik nicht ausbleiben. Durch Verwendung von Standard-PC-Komponenten verbessern sich sowohl die ohnehin schon gute Bedienfreundlichkeit weiter, als insgesamt auch die Leistungsfähigkeit des DD35 Produktionsmischers. Speziell im Hinblick auf noch kürzere Systemreaktionszeiten oder aber weiter gekürzte Ladezeiten von auf der eingebauten SCSI-Festplatte gespeicherten Makros, Registern oder Konfigurationen und weiter beschleunigter Anzeige von Betriebszustandsänderungen auf dem eingebauten Farbdisplay, ist diese Form des PC-Einsatzes in einem Mischer von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Mausbedienung und Graphiktabletts

Daneben ist automatisch die Möglichkeit gegeben, unterschiedlichste Graphiktabletts für zum Beispiel die Erstellung von „PaintMask"-Vorlagen zu verwenden oder auch andere Eingabeinstrumente (zum Beispiel Maus oder Trackball) nach Wunsch des Anwenders einsetzen zu können.

Mausbedienung der Menüs ist neben der Ansteuerung mit vorgesehener Bedienpulthardware auch quasi in gewohnter „Windows"-Manier möglich. Ohne spezielle Hardware wird damit gleich mehrfach die Steuerung kompletter Mischer-Elektronik-Boxen von angeschlossenen PCs aus ermöglicht, natürlich jeweils erst nach erfolgreichem Login.
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Bild 6. Keyer-Bedienmenü

Die mögliche Delegierbarkeit einzelner Bedienfunktionsgruppen an abgesetzte Arbeitsplätze stellt somit eine günstige Alternative zu dedizierten Bedienpulten dar (zum Beispiel zur Einstellung von Chromakey oder Masken). Windows 95 tritt dem Benutzer im Studio zwar wegen der auf den Live-Betrieb zugeschnittenen, eingebetteten Softwarebedienoberfläche nicht als solches in Erscheinung, unterstützt aber naturgemäß eine große Anzahl von Peripheriegeräten. Ein Beispiel für solche Bedienmenüs ist im Bild 6 (Keyer) zu sehen.

Durch die parallele Verwendung zweier Pultsteuerungen für Live-Anforderungen ist mit diesem Konzept förmlich ein redundantes Controllersystem geschaffen worden, das auch beim (unwahrscheinlichen) Ausfall einer Komponente noch genug Möglichkeiten für mehr als nur Notmaßnahmen läßt (Bild 7 - weiter oben zu sehen). Eine optionale, redundante Stromversorgung im Bedienpult ist erhältlich.

4. Fazit

Mit der Einführung des neuen Controllersystems zur Steuerung der bereits als praxistauglich anerkannten Signalverarbeitungselektronik wurde eine solide Basis geschaffen. Sie erlaubt auch für zukünftige Anforderungen genug Reserven zu mobilisieren, ohne gleich mit drastischen Leistungsverlusten zu reagieren. Wegen des offenen Systemansatzes des DD35 wird dem Anwender nach wie vor die Möglichkeit gegeben, sich seine bevorzugten Studiogeräte im direkten Mischerumfeld (zum Beispiel DVE, DSKs) nach künstlerischen oder wirtschaftlichen Aspekten selbst zusammenzustellen, ohne auf die Eigenschaften der Geräte eines bestimmten Herstellers beschränkt zu sein.

Heute ist der DD35-Produktionsmischer weltweit schon vielerorts im Live-Einsatz. Der prominenteste Einsatzbereich ist die im Juni (1998) stattfindende Fußballweltmeisterschaft in Frankreich, bei der insgesamt fünf DD35-Mischer im rauhen Ü-Wagenbetrieb ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen werden.
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