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Über die Entwicklung der Sucher-Monitoren

Die Fese KOA von 1952
hier im Studio in Baden Baden

Am Anfang waren die Erfinder, Forscher und/oder Entwickler froh, wenn sie überhaupt ein Bild aus solch einem Versuchsaufbau zu sehen bekamen. Als dann die ersten elektronischen Fernseh-Kameras zusammengebaut wurden, mußte der Kameramann, wenn man den Bediener überhaupt so bezeichnen oder so nennen durfte, durch ein seitlich an der Kamera angebrachtes Fernrohr vorbei schaun, was denn die Kamera da so "sähe".

Erst der Betrachter am Kontrollpult - der Bildingenieur - und die Kollegen inder Bildregie konnten sich dieses Fernsehbild ansehen.

Als es bei uns nach nach Kriegsende endlich wieder los ging (etwa 1949/1950), wurden bei den verbliebenen Fachleuten keine halben Sachen mehr gemacht, zumal die andern europäischen Hersteller wie Philips und Pye auch bereits einen elektronischen Suchermonitor integriert hatten.

Bei uns in Westdeutschland fing es richtig an mit der ersten KOA Kamera der Fernseh GmbH in Darmstadt. Die Vorläufer mit dem Iconoscope hatten meines Wissens nach keinen elektronischen Sucher.
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Der Fese KOE-Monitor ausgebaut
Die SchärfeVorlage von 1946

Der Kamerasucher sollte mehr "können" als ein Fernseher

Von Anfang war klar, mit der normalen Fernsehtechnik konnte man dem Kameramann nicht die Möglichkeiten bieten, die er für (damals) vernünftige Bilder gebraucht hatte.

Dieser Sucher-Monitor mußte einen höheren Kontrast mit einer höheren Bild-Helligkeit bieten und natürlich eine ausgezeichnete Schärfe des aufgenommenen Bildes.

Rechts sehen Sie den sogenannten internationalen "RMA-Resolution"- Chart sogar von 1946. Das war das Maß der Dinge.

Und dazu brauchte man eine eigene Fersehröhre samt einer speziellen recht aufwendigen Elektronik, alles noch auf Röhrenbasis.
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Die erste Bildröhre der Fese KOA Kamera

Erinnern wir uns, die Fernsehkameras mit einem Iconoscope brauchten ganz extrem viel Licht, die Fernsehkameras mit dem Super-Orthicon brauchten immer noch viel Licht und der Kameramann wollte auch noch etwas sehen.

Die Bildschirm-Helligkeit erreichte man mit einem hohen Strahlstrom, deutlich höher als bei einem etwa gleichen großen Fernseher, wenn es den gegeben hätte. Die ersten Mini-Fernseher mit dieser Bildschirmgröße kamen Mitte der 1960er Jahre aus Japan, weil man in Deutschland dieser Größe keine Akzeptanz einräumte. Wir sind aber erst in 1952.
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Am Anfang waren "sie" froh, wenn es überhaupt "ging" bzw. funktionierte

Ich spreche von den wenigen Kameraleuten, die vom Film her kamen und dort exzellente Sucher-Optiken hatten. Sie konnten auch bei Dämmerung noch einiges erkennen. Beim Fernsehen war das anders.

Im Fernseh-Studio wie auch draußen bei Sportveranstaltungen aller Art war es taghell und die Suchermonitoren mußten mit recht großen und langen Balgen abgeschattet werden.
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In der KOC - 10 Röhren + Bildröhre

Der Sucher-Einschub auf der Seite liegend
Ein Blick auf die Bauteile von 1952

Die Bedingen waren damals hart und schwer zu erfülllen. Zuallerest war der Platz sehr knapp bemessen. Das Hauptgewicht lag auf der Aufnahmetechnik der Kamera rund um die Aufnahmeröhre. Dann sollte der Monitor langzeitstabil ein sauberes unverzerrtes Bild wiedergeben.

Das war aber gar nicht so einfach, denn die Aufnahmeröhre - speziell das Orthicon -  war sehr temperatursensibel. Im Bauch des Kamaragehäuses - also unten inder Wanne - gab es eine richtige Heizung mit Thermostat und zwei Lüftern, die die lange Röhre auf eine Betriebstemperatur aufheizen musste. Richtete ein Beleuchter irrtümlich mal einen dicken Scheinwerfer auf die alten (damals neuen) Röhren-Kameras, war as Bild fast immer sofort unbrauchbar. Ein Aufschrei ging durch das Studio.
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Von nun an eine komplett steckbare Einheit

Als 1960/62 die Transistoren kamen, war Umdenken angesagt

Der Transistor veränderte die Welt der Elektronik wie keine andere Entwicklung dieser Zeit. Und so ab 1956 arbeiteten alle Labors fieberhaft an dieser neuen Technik. Nichts von dem alten Gelernten war verwendbar, alles war anders und es war sogar besser, nämlich kleiner. Und die Geräte brauchten weniger Strom und entwickelten weniger Abwärme.



Bei der Fese wurde ein modulares Baugruppen-Konzept entwickelt und die Baugruppen wurden links und rechts außen ausschwenkbar bzw. klappbar angeordnet.



Ab der FESE Kameratype KOF (Kamera - Orthicon - Sereie F), die dann schon komplett transistorisiert war (mit Ausnahme der Aufnahme-Röhre), gab es diese Moduleinheiten als Stecksysteme zum sofortigen Austausch. Und das war eine erhebliche Erleichterung für die jeweilige Bild-Meßtechniker in den Sendern.

Un den 1970er Jahren - eine Standard Sucher Einheit

Als 1965 die Farbe im Fernsehen beschlossen war und dann 1967 eingeführt werden sollte, waren Farbbildröhren dieser Größe rar und unvollkommen. Die schwarz-weiß Sucher-Monitor- Bildröhren waren bereits perfektioniert und wurden nicht mehr bei der Fese im HV-Labor (HV=Hoch-Vakuum) selbst hergestellt. Die wurden bei Siemens in Stückzahlen für den Weltmarkt hergestellt und auch von der Fese von Siemens bezogen.

Das scharz weiße Sucherbilkd war unschlagbar scharf und hell und kontrastreich, die Entwickler bei der Fese in Darmstadt hatten ihre Schul-Aufgaben brilliant gelöst.

Die Sucher-Monitor Einheit war so gut, daß damit sogar die Fese HDTV Kamera KCH-1000 ausgerüstet wurde und diese Sucher-Type auch in den Philips LDK 9 usw. Kameras eingesetzt wurde.
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Der Sucher-Monitor der KCH 125 und der Philips LDK 9

Natürlich sind die langen Hälse der Bildröhren im Laufe der Entwicklung immer kürzer geworden, bei gleichen Eigenschaften und die Sucher konnten auch kleiner und leichter werden. Von LCD Suchern hatte man bilslang nur geträumt.

Zwischendurch kamen die Japaner mit Lowcost

Diese Qualität war wirklich niedrig, es waren billigste Consumer-Kameras mit nicht mal der halben Zeilenzahl wie bei den Studio-Profis.

Aber die Preise waren ja auch nur 1/10tel so viel wie von denen bei der Fese/BTS/Philips und damit überschwemmten Sie den Ausbildungs-Markt und dan auch den Hobby-Markt.

Und sie lernten in Japan schnell, daß man da etwas tun müsse und entwickelten ganz kleine Bildröhren mit erstaunlich guter Qualität.
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Wer ganz viel Geld "übrig" hatte, bekam "bunt"

Dieser Edel-Suchermonitor wurde bei der Fese angepriesen wie Sauerbier und dennoch konnte mir keiner der damaligen Vetriebler sagen, wieviele davon wirklich gebaut und auch verkauft wurden.

Auf jeden Fall war er mindestens 3 mal so teuer wie der gleichgroße schwarz-weiße Sucher. Das Bild ist aus einer Broschüre bzw. einem Flyer entnommen. Solch einen Farb-Sucher hatte ich nie in Natura zu sehen bekommen.
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Dann ging die (Bild-) Röhrentechnik so langsam zur Neige

Nicht nur die (Bild-) Röhrentechnik ging dem Ende entgegen, die ganze europäische und auch die amerikanische Broadcast- Industrie neigte sich ihrem Ende zu. Zu lange geschlafen und den Japanern so gut wie alle Felder kampflos überlassen - so lehrt die Geschichte. Da war "Eureka 95" ein Tropfen auf den heißen Stein, der aber nahezu folgenlos verdampft war.

Die Japaner hatten es nie offen zugegeben, die Entwicklungen dieser Hightech Industrie wurden von der Regierung kräftigst "gefördert". Und somit war es ein ungleiches Wettrennen.
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Einer der Meilensteine war die SONY DXC-M3

Speziell die Japaner bei SONY zeigten uns Europäern, wie klein und wie stabil man solche Kameras bauen konnte.

Diese M3 Kamera hatte noch drei Mini-Plumbicons als Aufnahmeröhren und eine kleine schwarz-weoße Sucher-Bildröhre in erstaunlicher Qualität.
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Immer kleiner mit hellen bunten LCD Displays

Bei den sogenannten "Consumer Cameras" fing es dann an. Die Kunden bzw. Käufer wollten nicht mehr in das scharze Gummi-Rohr "linsen" oder "blicken". Sie wollten ganz komfortabel sehen, was später die anderen auch sehen (sollen).

Am Anfang war es nur ein "einfaches" Farb-LCD Display, dann wurde es zum Touch-Display, mit dem man die gesamte Kamera konfigurieren und steuern konnte. Solch ein Display sparte immens viel (Batterie- oder Akku-) Strom gegenüber den kleinen Bildröhren, die ja immer noch diese Hochspannung gebraucht hatten.
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Und wie das heute aussieht . . . . .

finden Sie in jedem aktuellen Foto-Prospekt. Die Zeiten haben sich enorm geändert.
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