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Historisches Wissen (Fernsehen) aus den Jahren 1954 bis 1958

Diese Artikel stammen aus den Anfängen des deutschen Nachkriegsfernsehens etwa ab 1952 bis 1958 (schwarz/weiß), als das neue deutsche ARD Fernsehen die ersten Gehversuche startete und die bereits farbige Kinowelt einen neuen Konkurrenten entdeckte.

Das Fernsehstudio von 1958

Die studiogebundene Produktion des Fernsehprogramms erfordert einen Gebäudekomplex, der die eigentlichen Aufnahmestudios umfaßt, ferner Räume für die video-, film- und tontechnischen Ein-richtungen, für Starkstrom- und Klimaanlagen, Werkstätten und Magazine für die Bühnentechnik, Probenräume, Künstlergarderoben, Büros für Programmschaffende, für Technik und Verwaltung, Garagen für Übertragungs- und Filmwagen sowie zahlreiche Nebenbetriebe. Es ist zweckmäßig, die einzelnen Trakte nach Arbeitsbereichen zu gliedern und getrennte Verkehrswege zu den Studios zu schaffen.

Um die Studiozone gruppieren sich dann der Künstlerbereich, der Ausstattungsbereich, der in sich weiter aufgeteilte technische Bereich und die Büros. Je nach dem verfügbaren Gelände sind vertikale wie horizontale Zuordnungen möglich, sofern sich klare Verkehrsbeziehungen ohne störende Kreuzungen erreichen lassen und das Transportproblem der z. T. umfangreichen Ausstattungseinheiten auf kurzen Wegen gelöst werden kann.

Der Studio-Komplex enthält meistens mehrere Aufnahme-Studios unterschiedlicher Größe, die überwiegend als Mehrzweckstudios eingerichtet sind, jedoch kann es bei großen Anlagen auch zweckmäßig sein, den verschiedenen Produktionssparten besondere Studios zuzuordnen (Fernsehspiel, Unterhaltung, Dokumentarsendungen, Interviews u. a.).

Die Ausstattung von Spezialstudios

Ausgesprochene Spezialstudios kommen als kleine Ansagestudios (mit z. B. 50 m2) oder sehr große Theaterstudios (mit 1.000 m2 und mehr) vor, bei denen Plätze für Publikum und Orchester vorgesehen sind. Gelegentlich stehen benachbarte Studios durch schallsichere Tore in Verbindung und können nach Bedarf zusammen gelegt bzw. verbunden werden. Die übliche Studiogröße schwankt etwa zwischen 150 und 600 m2, bei Höhen von 8-14 m. Rechteckige Grundrisse mit Seitenverhältnissen von 3 :4 bis 1:1 haben sich als günstig erwiesen.

Die "Hörsamkeit" muß vor allem auf gute Wortverständlichkeit abgestellt sein, so daß die Nachhallzeiten je nach Größe zwischen 0,2 und 0,8 s liegen. Die Raumbegrenzungsflächen werden daher stark schallabsorbierend ausgestaltet, wenngleich die Eigenschaften des leeren Studios durch das Einbringen von Dekorationswänden meist ungünstig verändert werden.

Der Fußboden muß mit Rücksicht auf die Kamerafahrten außerordentlich eben sein, andererseits soll er die Tritt- und Fahrgeräusche weitgehend dämpfen. Die Forderungen an die Schallisolation nach außen sind wegen des unvermeidlichen Geräuschpegels bei Fernsehproduktionen nicht ganz so streng wie für Rundfunkstudios.

Die Beleuchtung im Studio von 1958

Umfang und Art der Beleuchtungseinrichtung hängen vom Lichtbedarf der Kamera ab. Das Superikonoskop zum Beispiel verlangt eine Beleuchtungsstärke von etwa 2500 Lux und damit 1 kW installierte Lichtleistung je Quadratmeter Studiobodenfläche. Beim Superorthikon genügt ein Viertel dieser Werte. Als Lichteinheiten werden Glühlampenscheinwerfer von 0,5-20 kW eingesetzt, aber auch Gruppenleuchten mit Glühlampen oder Leuchtstoffröhren. Für die Befestigung der Leuchten sind verschiedene Systeme eingeführt. Bei großem Lichtbedarf werden oberhalb der Dekoration teils feste, teils bewegliche Brücken eingebaut.

Die Beleuchtungseinheiten werden dann auf die Brücken gestellt oder von ihnen aus abgehängt. Bei kleinerem Lichtbedarf hängen die Leuchten einzeln oder in Gruppen an Gestängen, deren gewünschte Höhe durch motorisch- oder handbetriebene Seilzüge (Anmerkung: wir schreiben 1956) einzustellen ist. An Stelle der Seilzüge finden auch entlastete Scherenarme Anwendung. In steigendem Maße werden die Beleuchtungsgruppen an einem zentralen Schaltpult (Lichtorgeln) vorgewählt und durch Drucktasten geschaltet.

Klimaanlagen mit Kühlaggregaten führen die von der Beleuchtung erzeugte Wärme ab und sorgen für die Umwälzung aufbereiteter Luft im Studio. Die Frischluft kann durch Perforationen der Seitenwände, durch von der Decke herabhängende Kanäle oder durch seitliche Auslässe eingeblasen werden. Die warme Abluft wird meist an der höchsten Raumstelle abgesaugt. Dabei werden hohe Forderungen an die Vermeidung von Zugluft und Geräusch gestellt.

Dekorationen und Regieräume

Der Dekorationsaufbau ähnelt der Praxis in Filmateliers. Dabei müssen Kontrastumfang und Farbempfindlichkeit der Fernseh-Kameras berücksichtigt werden. Im Gegensatz zur Filmproduktion muß für eine Live-Sendung die gesamte Dekoration gleichzeitig aufgebaut sein; ihre Anordnung muß auf die Fahrten der Kameras und Mikrophone Rücksicht nehmen.

In vielbenutzten Studios wechseln die Dekorationen häufig, müssen in ihren Bauteilen daher genormt sein. Die Rückprojektion, d. h. Projizierung des Hintergrundes auf einen großen, halbdurchlässigen Schirm erfordert beim Fernsehen spezielle Projektoren für lange Betriebsdauer.

Zu jedem Studio gehört im allgemeinen je ein Bild- und ein Tonregieraum. Diese Räume können an einer Studioseite auf Bodenniveau oder höher gelegen sein und besitzen oft schallsichere Fenster zum Studio hin und gegeneinander. Alle bild-und tontechnischen Einrichtungen, die zur Steuerung des Proben- oder Sendungsablaufes gehören, sind in den Regieräumen zusammengefaßt.

Die videotechnischen Einrichtungen

Die videotechnischen Einrichtungen wandeln die den Kameras, Dia- und Filmabtastern angebotenen optischen Bilder in ein elektrisches Signal (Videosignal) von festgelegter Fernsehnorm um. Eine Impulszentrale erzeugt die fundamental wichtige Zeilenfrequenz - bei der 625-Zeilen-Norm z. B. 15 625 Hz - und formt aus ihr die Austastimpulse, die Zeilensynchron- und Bildsynchronimpulse, deren normgerechte Zusammenfügung das vollständige Synchronsignal bildet. Diese Impulsarten werden über Verstärker, Verteiler und konzentrische Kabel den Studiogeräten zugeführt und sorgen für vollkommenen Synchronismus aller Bildwandler.

Der Kamerazug

Ein "Kamerazug" besteht aus der eigentlichen Kamera (Kamerakopf), dem Kamerakabel und dem Verstärkerteil mit Kontrollpult. Der bis zu 40 kg schwere Kamerakopf (Anmerkung: wir schreiben 1956) wird auf ein Fahrstativ oder einen Wagen mit Schwenkarm ("Dolly") montiert. An der Vorderseite des Kopfes ist ein Objektivrevolver befestigt, so daß z. B. fünf Objektive mit extremen Brennweiteunterschieden von 1:10 schnell gewechselt werden können.

Hinter dem Objektiv liegt die Aufnahmeröhre mit ihren Ablenkeinrichtungen für den Abtaststrahl, die ersten Verstärkerstufen für das Bildsignal und mannigfache Regeleinrichtungen zur elektrischen Justierung. Die Kameras haben einen optischen oder elektronischen Sucher. Während der optische Sucher den Einrichtungen von Filmkameras entspricht, stellt der elektronische Sucher einen videofrequenten Empfänger dar, der auf dem postkartengroßen Schirm einer Wiedergaberöhre das eigene Kamerabild liefert. Der Kamerakopf ist über ein vieladriges Kamerakabel mit dem Verstärkerteil des Kontrollpunktes verbunden.

Wegen der Spannungsverluste und Laufzeitverzerrungen darf es nicht länger als wenige hundert Meter sein. Im Verstärkerteil wird das schwache Bildsignal weiter verstärkt (z. B. auf 1 V) und mit dem Austastsignal versehen. Am Kontrollpunkt werden sämtliche elektrischen Betriebswerte eingestellt und während des Betriebes den Bedürfnissen entsprechend nachgeregelt.

Auch die Blenden oder Graufilter der Objektive werden meistens vom Kontrollpunkt aus ferngesteuert. Hilfsmittel für die richtige Einstellung sind verschiedene Meßinstrumente, ein Kontrollempfänger ("Monitor") und ein Oszillograf. Für kleinere Studios rechnet man mit 2-3 Kameras, für größere mit 4 und mehr.

weitere videotechnische Einrichtungen

Dia- und Filmabtaster werden zentral aufgestellt und dem Studio, das Proben oder eine Sendung abwickelt, in erforderlicher Zahl zugeschaltet oder dem einzelnen Studio dezentral zugeordnet. Zur Übertragung längerer Filmsendungen sind wie in Filmtheatern zwei Filmgeber erforderlich.


Im Bildregieraum erscheinen auf entsprechend vielen Monitoren die Vorschaubilder aller beteiligten Bildquellen. Am Mischpult wird mit Hilfe von Reglern oder Drucktasten das abgehende Bild ausgewählt. Es ist möglich, die Bilder zweier Quellen durch "harten Schnitt" aufeinander folgen zu lassen, aber auch als "Überblendung durch Schwarz" und als "Durchblendung", wobei sich mit der Abdunklung des ersten Bildes das zweite aufhellt (Anmerkung: wir schreiben 1956).

Für besondere Effekte können mehrere Bilder überlagert werden. Trickeinrichtungen gestatten es, Teile eines Bildes ganz auszutasten und an deren Stelle Teile eines anderen Bildes einzutasten. Das abgehende Bild besteht dann aus zwei Teilbildern, die durch eine willkürliche Linie getrennt sind. Eine Schaltzentrale ermöglicht den zügigen Übergang zwischen Beiträgen aus verschiedenen Studios und von fremden Quellen (Außenübertragung, Eurovision). Vielfach gehören zu dieser Raumgruppe auch ein Ansagestudio und eigene Dia- und Filmgeber zur Füllung der Pausen. Die Bildsignale der Quellen usw. laufen hier auf und können an einem Schaltpult gewählt werden. Nach dieser Schaltstelle wird dem abgehenden Bildsignal in einem Signalmischer das Synchronsignal zugefügt. Mit geeigneten Meßgeräten wird das vollständige Videosignal noch einmal auf Pegel, Norm und sonstige Qualität hin kontrolliert, bevor es das Studio endgültig verläßt.

Die Abb. zeigt das Zusammenwirken der wichtigsten Gerätegruppen und den Weg des Bildsignals innerhalb des Studios. In einem Studiokomplex mit 6 Kameras, 4 Filmgebern und 1 Diageber enthalten die gesamten Videoeinrichtungen über 1.000 Elektronenröhren (Anmerkung: wir schreiben 1956). Da wegen der hohen Anlagekosten eine hundertprozentige Reserve nicht zu verwirklichen ist, muß im Interesse der Betriebssicherheit großer Wert auf die meßtechnische Überwachung aller Anlagen und auf die rechtzeitige Auswechslung von Verschleißteilen gelegt werden.

Die filmtechnischen Einrichtungen

Als Filmformate haben sich in der Fernsehtechnik der 35-mm-Normalfilm und der 16-mm-Schmalfilm eingeführt. Das 35-mm-Format besitzt eine Auflösung, die mehr als doppelt so groß ist wie die eines 625-Zeilen-Fernsehbildes. Wenn die Kosten des Filmmaterials eine untergeordnete Rolle spielen wie z. B. bei speziellen Fernsehfilmen, so wird dieses Format bevorzugt, da es eine willkommene Qualitätsreserve besitzt.

Für aktuelle Beiträge beherrscht jedoch das 16-mm-Format das Feld, da es mit seinen Aufnahmegeräten handlicher, im übrigen bedeutend wirtschaftlicher ist. Seine Auflösung entspricht, einwandfreie Bearbeitung vorausgesetzt, selbst bei hohen Filmempfindlichkeiten etwa der des Fernsehbildes. Während für 35 mm das Negativ-Positiv-Verfahren gebräuchlich ist, wird für 16mm vielfach Umkehrfilm verwendet, der die feinen Bilddetails am besten wiedergibt.

Der Filmton

Der Filmton wird bei den eigenen Aufnahmen der Fernsehanstalten in steigendem Maße als Magnetton aufgezeichnet. Dabei wird das Einstreifen- und Zweistreifenverfahren angewendet. Beim Einstreifenverfahren befindet sich am Rande des Films eine Magnetschicht (Randspur), in welcher bei der Aufnahme oder später bei der Verarbeitung das tonfrequente Signal aufgezeichnet wird. Während der Sendung sind dadurch Störungen des Synchronismus zwischen Bild und Ton völlig ausgeschlossen.

Das Zweistreifenverfahren benutzt einen gesonderten Tonträger, und zwar entweder einen perforierten Magnetfilm, dessen Antrieb mit dem des Bildfilmes elektrisch gekuppelt ist, oder das übliche Magnetband, das zur Synchronisation eine zusätzliche Tonspur erhält, deren Frequenz vom Bild-Wechsel der Filmkamera herrührt (Pilotton). Das Zweistreifenverfahren bietet freie Möglichkeiten beim filmischen Schnitt, ist aber während der Sendung nicht absolut betriebssicher.

Der Film im Fernsehstudio

Zur Herstellung eigener Filme werden dem Fernsehstudio filmtechnische Einrichtungen angegliedert. Hierzu gehören Filmkameras mit Zubehör, Lichtquellen, Fahrzeuge, Cuttertische, Synchronisierstudios, Vorführprojektoren und, falls höchste Aktualität gefordert wird oder keine unabhängigen Betriebe zur Verfügung stehen, auch Entwicklungs- und Kopiermaschinen. Unentbehrlich sind Schneide- und Synchronisiereinrichtungen sowie Abspiel- und Aufnahmegeräte für alle Tonverfahren.


Bei der Filmwiedergabe stehen 24 Bildwechsel je Sekunde der Filmnorm den Fernsehnormen mit Bildfrequenzen von 25 Hz in Europa bzw. 30 Hz in Amerika gegenüber. Die übliche Filmfortschaltzeit (etwa 16 ms) ist mehr als zehnmal so lang wie die Austastlücke zwischen zwei Fernsehbildern. Zum Ausgleich dieser Systemunterschiede sind mannigfache Verfahren entwickelt worden. Bei einer Gruppe, die an Bedeutung verliert, wird der Film kontinuierlich bewegt, bei der anderen Gruppe wird der Film wie üblich sprungweise transportiert.

Die Filmabtaster

Mit kontinuierlicher Bewegung arbeitet der gelegentlich noch verwendete Spiegelradabtaster. Durch die Rotation eines Rades, das mit vielen Präzisionsspiegeln besetzt ist, wird erreicht, daß jedes Filmbild während der Abtastzeit optisch feststeht. Dieser mechanisch-optische Ausgleich ist beim Lichtpunktabtaster ("flyingspot") von einem elektronisch-optischen Ausgleich abgelöst worden.

Lichtquelle ist hierbei der sehr helle und kleine Leuchtfleck einer Braunschen Röhre, der auf ihrem Schirm ein Fernsehraster schreibt. Dieses Punktlicht tritt durch alle Partien des Filmbildes und wird dadurch in seiner Helligkeit moduliert. Es fällt dann auf eine Fotozelle, die hieraus das Bildsignal erzeugt. Angenommen, der Film laufe nach oben und der Leuchtfleck schreibe das Raster von oben nach unten, so werden zuerst die ungeraden Zeilen (Zeilensprungverfahren) eines Filmbildes abgetastet. Danach wird mit Hilfe einer Doppeloptik dieser Lichtweg geschlossen und ein zweiter geöffnet, der den Lichtstrahl nach oben lenkt, so daß nun die geraden Zeilen desselben Bildes abgetastet werden. Jetzt ist das nächste Filmbild unten angelangt, wird wieder über den ersten Lichtweg abgetastet usw.

Da die Helligkeit des Leuchtflecks begrenzt ist, können nur hell kopierte Filme mit einem Kontrastumfang von maximal 1:60 wiedergegeben werden. Schrumpfungen des Filmmaterials stören die Funktion und müssen während des Filmlaufes optisch ausgeglichen werden. Die vom Lichtpunktabtaster gelieferten Bilder zeigen gute Gradation und hohen Störabstand. Das Gerät hat sich besonders in Mitteleuropa eingeführt. Es ist ersichtlich, daß keines der Verfahren mit kontinuierlichem Filmlauf eine Speicherwirkung des Bildwandlers erfordert.

Bei sprungweisem Filmtransport kann eine nicht-speichernde Aufnahmeröhre nur dann verwendet werden, wenn ein Schnellschaltwerk den Film während der kurzen Bildaustastlücke (etwa 1,4 ms) weiterbewegt. Solche Projektoren sind schon gebaut worden. Bei normal schaltenden Projektoren sind jedoch Speicherröhren nötig, deren Speicherzeit der Beleuchtungsstärke und Schaltzeit des Projektors angepaßt sein muß. Abgesehen vom Superikonoskop und Superorthikon hat das Vidikon wegen seiner einfachen Betriebsweise besondere Vorzüge. Es besitzt gute Speichereigenschaften, und sein Nachleuchten kann bei entsprechender Beleuchtungsstärke kurzgehalten werden.

Da die Helligkeit der Projektionslampe schnell und weitgehend geregelt werden kann, ist auch die Wiedergabe dunkel kopierter Filme mit Kontrastumfängen von 1:100 und mehr befriedigend. Ein solcher Abtaster besteht somit aus einem üblichen Filmprojektor mit vorgesetzter Fernsehkamera.

Da die Laufwerke aller dieser Filmabtaster mit der Bildfrequenz, z. B. 25 Hz, synchronisiert sein müssen, werden Filme, die mit 24 Bildern/s aufgenommen sind, um 4 Prozent schneller wiedergegeben, was in der Praxis unmerklich ist. Dennoch werden fernseheigene Filme vielfach mit 25 Bildern/s gedreht. In Amerika werden fünf Halbbilder (5 • 1/60 s = 1/12 s) des Fernsehens so auf zwei Filmbilder (2 • 1/24 s = 1/12 s) verteilt, daß das erste Filmbild zweimal, das zweite dreimal abgetastet wird.

Sehr gut speichernde Aufnahmeröhren sind für diese Methode Vorbedingung. In größeren Anlagen werden zuweilen mehrere Projektoren über Spiegelanordnungen wahlweise auf eine einzige Kamera gerichtet (Multiplexer).

Der Ton wird in bekannter Weise durch Lichtton- oder Magnettonvorrichtungen abgetastet. Zur Wiedergabe von Diapositiven (Diageber) können Lichtpunktabtaster oder normale Projektoren in Verbindung mit Fernsehkameras verwendet werden; nach dem zweiten Verfahren werden auch Papierbilder abgetastet. Diese Einrichtungen erhalten meist eine Fernsteuerung für den automatischen Weitertransport der Bildvorlagen.

Die tontechnischen Einrichtungen im Studio

Das Fernsehen hat seine tontechnischen Einrichtungen - Mikrophone, Verstärker, Regler, Schallaufzeichnungsgeräte usw. - unverändert von der Rundfunktechnik übernommen. Die Zahl der Mikrophonkanäle ist jedoch wesentlich größer als bei Rundfunk und Film, weil in jeder längeren Live-Sendung eine Vielzahl von Handlungsorten akustisch erfaßt werden muß. Der Einsatz von 20 und mehr Mikrophonen, die in die Dekoration hineingehängt oder in ihr versteckt werden, ist nicht ungewöhnlich. Muß das Mikrophon der Handlung auf größere Entfernungen folgen, so werden Angeln oder fahrbare Mikrophonausleger ("Galgen") benutzt. Fast ausnahmslos besitzen die Mikrophone eine einseitige Richtwirkung, wodurch das Umgebungsgeräusch gedämpft und die Wortverständlichkeit vergrößert wird.

Die drahtlose Tonübertragung über tragbare Miniatursender ist mit wechselndem Erfolg versucht worden. Die vom Hörspiel bekannten Einrichtungen zur Erzielung besonderer Klangeffekte werden auch hier benutzt. Vom Film wurde das Playback-Verfahren übernommen.

Der Tonregieraum und die Verständigungseinrichtungen

Im Tonregieraum sind alle Tonquellen auf ein Mischpult geschaltet. Hier sind auch Magnetband- und Schallplattengeräte für die Einblendung von Musik, Geräuschen und dergleichen aufgestellt. Nachdem der endgültige "Begleitton" ausgewählt, gemischt und nach Bedarf geschmacklich verändert ist, verläßt er das Studio über das Tonkabel. Der Tonregieraum befindet sich stets neben dem Bildregieraum und hat meistens eine schalldichte Sichtverbindung zu ihm.

Zur Verständigung zwischen den Arbeitsplätzen des Fernsehstudios dienen optische und akustische Signale, besonders aber Sprechverbindungen. Rotes Licht am Kamerakopf, im Sucherbild, am Misch- und Kontrollpult zeigt z. B. allen Beteiligten an, daß dieser Kamerazug auf Sendung geschaltet ist. Die Männer an den Kameras, der Bildregie und an den Kontrollpulten sind über Sprechgeschirre in ständiger Verbindung. In dieses Netz kann auch der Begleitton eingeblendet werden, was vorteilhaft ist, wenn ein Kommentator bestimmte Kameraeinstellungen von sich aus anfordert.

Von den Regieräumen können über eine verzweigte Lautsprecheranlage Anweisungen in die Studios und anderen Räume gegeben werden. Der Aufnahmeleiter, der seinen Platz im Studio ständig wechselt, wird drahtlos angesprochen. Das kann niederfrequent durch die Induktion einiger Drahtwindungen geschehen, die um das ganze Studio gelegt werden. Der Empfänger ähnelt einem Schwerhörigengerät. Sind mehrere Sprechkanäle erforderlich, so werden kleine Sender für den Meterwellenbereich im Studio aufgestellt. Gelegentlich wird an der Studiodecke eine Fernsehhilfskamera fest montiert, die dem Regieraum ein Übersichtsbild des Studios liefert.

Der Ü-Wagen (bewegliche Aufnahmeeinrichtung)

Für die Übertragungen außerhalb des Studios wird eine vollständige Video- und Toneinrichtung in einem oder mehreren Fahrzeugen untergebracht. Durchschnittlich werden je Übertragungseinheit drei Kameras vorgesehen, deren größter Aktionsradius durch die maximale Länge des Kamerakabels auf etwa 300 m beschränkt ist. Eine oder mehrere Kameras erhalten vielfach Objektive mit stetig veränderbarer Brennweite ("Gummilinse". Heutzutage Zoom genannt), womit ohne Bewegung der Kamera der Bildausschnitt sehr rasch und kontinuierlich geändert werden kann. Zusätzlich nach Bedarf werden Dia- und Filmgeber eingebaut und in einem weiteren Fahrzeug die erforderlichen Beleuchtungseinrichtungen transportiert. Befindet sich am Übertragungsort kein ausreichender Netzanschluß, so wird ein fahrbares Stromaggregat eingesetzt.


Es sind Bestrebungen im Gange, um der Fernsehkamera die Beweglichkeit der Filmkamera zu geben. Hierzu muß sie einerseits wesentlich handlicher als die Studiokamera sein, was durch Anwendung des kleinen Vidikons und der Transistortechnik angestrebt wird; andererseits muß sie vom Kabel frei werden, was mit Hilfe eines Tornistersenders im Dezimeter-Wellenbereich zu erreichen ist. Auf diese Weise kann die Kamera innerhalb der Sichtweite eines Mutterfahrzeuges beliebige Standorte einnehmen. Der Ton wird ebenfalls drahtlos übertragen. Mit der gleichen Technik sind Aufnahmen aus Schiffen, Flugzeugen und dergleichen möglich.

Für Filmaußenaufnahmen werden Kraftfahrzeuge verschiedener Größe passend ausgerüstet. In einem kleinen Autobus werden z. B. zwei Tonfilmkameras mit einer Aufnahmedauer von je 30 Minuten untergebracht, weiterhin Mikrophone, Verstärker, Aufnahmegeräte für Magnetfilm oder Magnetband sowie einige Lichtquellen. In Personenkraftwagen kann für schnelle Reportagen eine Kamera für einstreifige Tonaufnahme mit dem nötigen Zubehör transportiert werden. Der Speisestrom für die Geräte wird aus mitgeführten Batterien entnommen.

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