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Edy Dengel und seine frühen Filme ab 1918

Sie sind hier auf den Seiten eines ganz frühen Filmpioniers, der bereits 1918 mit 17 Jahren einen ersten 35mm Kinokrimi produziert hatte. Es war in dem kleinen selbständigen Städtchen Biebrich am Rhein - später ein Vorort südlich von Wiesbaden.
Diese Aufarbeitung des deutschlandweit einmaligen Engagements eines 17jährigen ist mit einer Menge originaler Unterlagen aufgearbeitet und hier nach Jahreszahlen aufzufinden.
Am besten beginnen Sie auf der einführenden Seite hier.

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Edwin Georg Dengel feierte am 4. Feb. 1986 seinen Geburtstag
Ein Artikel im Erbenheimer Anzeiger, einer kleinen Werbezeitung

Edy Dengel, alias Bob Shelton, alias Fred Repps hatte Geburtstag.

Am 4. Februar 1986 feierte Edwin Georg Dengel, an der Kleewiese 4, Wildsachsen, seinen 85. Geburtstag.
Edy Dengel ist einer der letzten großen Stummfilmstars Deutschlands.

Die Leidenschaften des junggebliebenen Helden sind Film, Theater, Zirkus und der Fußball. Edy Dengel alias Bob Shelton, alias Fred Repps, bestätigte sich als Autor, Darsteller, Regisseur, Stuntman und Kinobesitzer, um nur einige seiner Tätigkeiten aufzuführen.

„Wenn andere für die Schule lernten, so lernte ich für's Leben", so Edy DengeL, der normalerweise keine Film- und Presseleute mehr an sich herankommen läßt und mit dem Redakteuring Karin Schehler großes Vergnügen hatte, ein dreistündiges Gespräch zu führen.

Klammheimlich baute sich Edy Dengel als Bub seinen eigenen Zirkus in Wiesbaden-Biebrich auf. Gemeinsam mit Nachbarsjungen kam er auf die Idee, dort Eintritt für die gebotene Unterhaltung zu kassieren. So nahmen die Buben an Sonn- und Feiertagen manche Reichsmark ein, denn sie hatten viele Kunststücke und Tricks auf Lager. Eines Tages erschien die Polizei bei Edy Dengels Vater, der eine Kohlenhandlung in Wiesbaden besaß, denn Edy Dengel hatte vergessen, Steuern abzuführen. Aus war der Traum vom Zirkus! Das hat Edwin Dengel aber gar nicht beeindruckt.
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Er fing nun an (es war Herbst 1918 !!), Detektivgeschichten zu schreiben. Fünf an der Zahl. Diese Bücher wurden von ihm später verfilmt, wobei er die Hauptrolle, den Fred Repps, einen Draufgänger ersten Ranges, selbst spielte. Die weibliche Hauptdarstellerin heiratete er später. Es war die Stummfilmerin Kitty Corvin.

„Das Schloß des Schreckens", so hieß mein erster Film, drehten wir in einer alten Villa (Villa Germania, Weinbergstraße - die Redaktion) in Wiesbaden", berichtete Edy. „Noch lange war die Besitzerin des Anwesens böse, weil wir ihr den Filmtitel vorenthalten hatten", fügt er augenzwinkernd hinzu.

  • Anmerkung : Das wurde irgendwie mißinterpretiert, denn Edy hat die Villa nie betreten. Gefilmt wurde "vor" der Villa, aber nie "in" der Villa.


Nach diesem ersten Film ging er an die Gründung einer eigenen Filmfirma, die sich AXA-Film-Co, Wiesbaden, nannte. Der Sitz der Firma befand sich (natürlich) in Biebrich.

  • Anmerkung : Wie er später einem anderen Zuhörer erzählte, war er noch nicht 21, also nicht volljährig und durfte so den Film nicht gegen Eintritt (Entgeld) vorführen und mußte deshalb eine "richtige" Firma gründen, die "AXA Film Companie GmbH".

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Das erste und einzige Taxameter (ein Taxi) im Raum Wiesbaden wurde angeschafft und Edy Dengel war in der Lage, in einem seiner Filme von einer (Biebricher) Straßenbahn auf einen Autobus, und dann auf sein Taxameter zu springen. „Manchmal mußte der Auspuff des Autos zugestopft werden, weil man sonst auf dem Film nichts hätte erkennen können. Die alte Mainzer Landstraße (eine Straße in Biebrich) wurde bei diesen Aufnahmen ständig unsicher gemacht".

Nachdem im zweiten Film (1920) eine alte Steinfabrik in Wiesbaden daran glauben mußte, denn sie wurde kurzerhand in die Luft gesprengt, verlegte sich Edy Dengel auf das Filmen von Cowboy-Produktionen. Hier spielte er den unvergeßlichen Bob Shelton.

Sein Ruhm drang bis nach Berlin, der damaligen Hochburg des deutschen Films. Von dort kam das Angebot der "Imperator Film Berlin", immer dort zu drehen. Doch er lehnte ab, weil seine gesamte Familie in Wiesbaden (falsch : in Biebrich) wohnte. Für die Herstellung eines Films in Biebrich benötigte Edwin Dengel damals 5.000 RM. Soviel kostete in Berlin ein Drehtag.
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Der nächste Film „EIN Mann mit der Todesmaske" (das war falsch zitiert, der Film hieß „Der Mann mit der Todesmaske") wurde gar von der Zensur verboten, weil er für die damalige Zeit zu reißerisch gedreht war. Edy Dengels Karriere war damit aber noch nicht zu Ende. Er begann Lustspiele zu schreiben und zu drehen. Damit wurde er sehr berühmt und selbst Hindenburg wurde auf ihn aufmerksam. Edy Dengel erhielt den Auftrag, sämtliche politische Ereignisse im Zusammenhang mit Hindenburg zu verfilmen.

Später begleitete er Adolf Hitler auf seinem Weg nach oben, bis zu dem Zeitpunkt, als er sich weigerte, in die Partei einzutreten.

  • Anmerkung : Dieser Teil der Zeit-Geschichte wird bei vielen sehr bekannten deutschen Unternehmern und Erfindern gepflegt ausgeblendet, so auch bei Dr. Fritz Schröter und Walter Bruch - beide Fernsehpioniere, und auch bei Eduard Rhein und vielen anderen.

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Die Zeit der Stummfilme war vorbei, Edy Dengel besaß mittlerweile auch einen eigenen Filmverleih und viele Lichtspielhäuser, z. B. in Wiesbaden, Schierstein, Biebrich und Dotzheim. Zwölf an der Zahl.

  • Anmerkung : Diese Infomationen der Autorin entbehren leider der Wahrheit, denn Edy Dengel "versorgte" die Kinos in Wiesbaden und Umgebung mit (teilweise seinen) Filmen. Nach anderen Aussagen besaß er nur ein einziges Kino, sein "Monopol"-Theater in der Weihergasse. Andere Kinos mit dem Betreiber oder dem Besitzer "Edwin Georg Dengel" sind in den dicken uralten Kino-Adressbüchern nicht aufzufinden.


Er drehte für Wochenschauen die ersten Autorennen auf dem Nürburgring. Andere Kinobesitzer gaben eigene Filme in Auftrag, denn wenn sich die Zuschauer selber auf der Leinwand erkannten, gab es große Begeisterung. Dies war die beste Werbung für die Lichtspielhäuser.

  • Anmerkung : Heute ist es die Selfie-Manie, die die sich selbst fotografierenden "Stars" so begeistert.


Auch zur Gegenwart kann ein Bezug zu Edy's Filmen hergestellt werden, denn er filmte, wie aus der Pferderennbahn in Erbenheim (ein kleiner Ort östlich von Wiesbaden, inzwischen auch ein Vorort) der Flugplatz Erbenheim wurde. (heute die Wiesbaden Air-Base der Amerikaner)

Zur 650-Jahrfeier in Idstein drehte er einen Film für den damaligen Kinobesitzer Meiningshaus. Technisch hielt sich Edy Dengel immer auf dem laufenden und erhielt sogar den Auftrag, das Hohe-Wurzel-Rennen in Wiesbaden zu filmen.

Heute lebt der große Stummfilmstar zurückgezogen mit seiner Frau in seinem schönen Haus in Wildsachsen. Bürgermeister Friedrich Flaccus gratulierte mit einem Kistchen Wein und Ortsvorsteher Bernd Mester brachte dicke, echte Havanna-Zigarren mit, worüber sich Edy Dengel besonders freute.

Der Künstlertreff Wildsachsen war vertreten durch Hannelore Kleinpaul und Karin Schehler, die Edwin Dengel an seinem Geburtstag zum Ehrenmitglied ernannten. Edwin Dengel freute sich besonders über das Geschenk des Erbenheimer Anzeigers, einen Druck von alten Gebäuden in Wildsachsen.

4. Februar 1986
Stummfilmgröße Edwin Dengel wird heute 85 Jahre alt

Als die Blder laufen lernte, war Edy ein Star

Hofheim-Wildsachsen „Wenn andere für die Schule lernten, so lernte ich fürs Leben", meint Edy Dengel, alias Bob Shelton, alias Fred Repps. Edy Dengel, einer der letzten deutschen Stummfilmstars wird heute, am 4. Februar 1986, 85 Jahre alt.

Seit zwölf Jahren lebt er in Hofheim und auch heute noch sind Film, Theater, Zirkus und Fußball seine Leidenschaften. Edwin Dengel arbeitete als Autor, Darsteller, Regisseur, Stuntman und Kinobesitzer, um nur einige seiner Tätigkeiten aufzuzählen.

Klammheimlich baute sich Edy Dengel in seiner Kinder- und Jugendzeit zusammen mit Nachbarskindern in Wiesbaden-Biebrich einen Zirkus auf. An Sonn- und Feiertagen traten sie auf und kassierten dann so manche (Reichs-)Mark. Das ging gut, so Edy Dengel, bis die Polizei bei meinem Vater auftauchte und meinen gut florierenden Betrieb schloß, weil ich gar nicht wußte, daß ich Steuern zu bezahlen hatte." Nach dieser Zirkuszeit habe ich angefangen, Detektivgeschichten zu schreiben und sie zu verfilmen. In allen diesen Stummfilmen spielte Dengel den Detektiv, Fred Repps. In dieser Rolle wurde Edy zum bekannten Stummfilmstar. Die Hauptdarstellerin, Kitty Korvin, wurde seine erste Frau.

Der erste Film, "Das Schloß des Schreckens", wurde "in" einer alten Wiesbadener Villa gedreht.

  • Anmerkung : Das war natürlich falsch, weil nur ein paar einzelne Szenen "vor" der alten Villa gedreht wurde, und nicht "in" der Villa.


Noch lange war die Besitzerin des Anwesens böse, weil Edy Dengel ihr den Titel des Films verschwiegen hatte.

Eine eigene Filmfirma entstand, der Name war schnell gefunden Axa-Film-Co, Biebrich.
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Edy Dengel in der Stummfilmmetropole Berlin

Der Ruhm wurde immer größer und so holte man Edy Dengel in die damalige Stummfilmmetropole Berlin. Hier drehte er Filme für die Imperator- Filmgesellschaft.

  • Anmerkung : Das sagte Edy Dengel aber anders, er sei nicht zu kaufen gewesen und nach Berlin wollte der Biebricher sowieso nicht.


Edy Dengel zog es vor, weiter in Wiesbaden Filme zu drehen, denn in Berlin war das Filmemachen zu teuer geworden. Ihn kostete in Wiesbaden ein Film 5.000 Reichsmark und das war genau so viel wie in Berlin für einen Drehtag ausgegeben werden mußte.

Die junge Axa- ........ hier fehlt ein Satz .....des Films „Der Mann mit der Todesmaske", sorgte für Werbung.

Nun (wann war das ???) kaufte Edwin Dengel einige Lichtspielhäuser im Rhein-Main-Gebiet (diese Infos über den Kauf von Kinos sind nicht belegt) und gründete eine eigene Verleihgesellschaft. Neben den vielen Tätigkeiten vergaß er aber nie das Filmen und Schreiben. Unter seiner Regie entstanden nun viele Lustspiele.

1925 schrieb er die Bob Shelton Bücher und drehte unter anderem den Westernfilm „Bob Shelton, der Aussiedler". Ende der zwanziger Jahre kam der Tonfilm auf und Edwin Dengel mußte sich nach einem neuen Betätigungsfeld umsehen.

„Ich fing an, die ersten Rennen auf dem Nürburgring zu drehen", meint der rüstige alte Herr. Diese Streifen wurden dann an die Wochenschauen verkauft und teilweise für die eigenen Kinos eingesetzt. Technisch mußte Edy Dengel immer auf dem laufenden bleiben. Das Hohe-Wurzel-Rennen in Wiesbaden wurde auch mit der Kamera festgehalten.

Das Zeitgeschehen in Filmen festzuhalten

Auf die Menschen der damaligen Zeit übten seine Filme große Wirkung aus. Edy Dengel begann, das Zeitgeschehen in seinen Filmen festzuhalten. Er bekam den Auftrag, Hindenburg auf seinen Reisen zu begleiten und drehte später auch den Aufstieg Hitlers. Edy Dengel war nicht bereit, in die Partei einzutreten und drehte nun Filme für die Kinobesitzer, die sich noch mehr Zuschauer versprachen, wenn sie ihnen einen Streifen über ihre eigene Heimatstadt anbieten konnten. Die Zuschauer waren begeistert, wenn sie sich auf der Leinwand entdeckten. Hinzu kamen auch Werbefilme, die Edy Dengel für große Firmen drehte.

Als Stummfilmer hängt Edy Dengel auch heute noch sehr an seinen alten Filmen, die teilweise hohen historischen Wert haben. Nach dem Krieg drehte Dengel keine Filme mehr und widmete sich den Lichtspielhäusern. Die Axa-Film Wiesbaden wird heute unter einem anderen Namen von seinem Sohn in Wiesbaden geleitet. Der Stummfilmstar lebt heute mit seiner Frau in Wildsachsen.

1986 haben zwei Filmfreunde die Filmnächte organisiert

Dort wurden besondere Filme aus und um Wiesbaden gezeigt. Dieser Event wurde in mehreren Artikeln in diversen Zeitungen und Blättern (von 1986 und 1987 ?) beschrieben.
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Wiesbaden intern präsentiert :
Die WIESBADENER FILMNÄCHTE 1986

Bei den Wiesbadener Filmnächten in den Herbert-Anlagen (also nicht oder noch nicht in den Reisinger-Anagen) fand man bei den Vorfilmen ein paar Raritäten. Dabei war wohl eine der interessantesten Wiesbadener Produktionen, der jetzt 66 Jahre alte Streifen (gedreht ab Herbst 1918) „Das Schloß des Schreckens" von Edy Dengel - als Vorfilm von „Lemmy Caution" eines ebenfalls schon zu den Oldies zählenden Reißers mit dem in Wiesbaden lebenden Schauspieler Eddie Constantine in der Hauptrolle.

„Das Schloß des Schreckens" ein Detektivfilm nach amerikanischem Vorbild, wurde im Jahre 1918/19 vom Wiesbadener Produzenten, Autor, Hauptdarsteller und Regisseur in einer Person im eigenen Glashausstudio gedreht.

  • Anmerkung : Hier ist viel durcheinander geworfen worden. Edy Dengel war Biebricher mit Leib und Seele und nicht Wiesbadener ! Biebrich war zu der Zeit noch eine selbständige Stadt und Wiesbaden war weit weg - über den Berg. Das sogenannte Glashaus - also das neue Filmstudio in der Weihergasse oder der Henkellstrasse - baute Edy Dengel erst für den zweiten Film - mit dem Geld aus Berlin für den ersten Film.


Für die Außenaufnahmen wurde der Rhein in „Hudson" die Biebricher Bachgasse in „Bowery Street" umgetauft. „Das Schloß des Schreckens" war eine Villa in der heutigen Wingertstraße.

  • Anmerkung : Es gibt keine Aufnahmen "aus" der Villa, nur von "vor" der Villa !


Die Fred Dengel Produktion GmbH in der Henkellstraße
, von Sohn und Enkel des Pioniers geführt, machte es durch einen Zusammenschnitt des Materials möglich, 17 Minuten zusammenzustellen. Das vom Zerfall bedrohte Nitro-Filmmaterial wurde von der Taunusfilm GmbH kopiert.

Edy Dengel, heute 86 Jahre alt (also könnte dieser Artikel aus 1987 stammen), wurde mit anhaltendem Applaus beim Open Air Filmfestival der „Projektgruppe für kommunales Kino" begrüßt.

Anschließend wurde Dengel vom wissensdurstigen Publikum über die damalige Zeit ausgefragt. Sohn Fred (sen.) und Enkel Fred Georg jun. (auf unserem Bild links neben Edy Dengel und Eddie Constantine) führen die Filmtradition ihres berühmten Vaters in der Biebricher Henkellstraße und im Studio in der Weihergasse, direkt neben dem alten Glashausstudio, weiter. Sie beschäftigen sich zur Zeit mit der Erarbeitung weiterer Filmdokumente aus der „Filmstadt Wiesbaden" aus dieser Zeit.
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Zum Vorprogramm

Zum Vorprogramm

Die WIESBADENER FILMNÄCHTE zeigen im Vorprogramm Filme aus Wiesbaden. Zum einen werden Filmdokumente zur Stadtgeschichte Wiesbadens aufgeführt, zum anderen werden Filme vorgestellt, die in den vergangenen acht Jahrzehnten in Wiesbaden produziert wurden.

Wenn hierzulande von einer Filmstadt die Rede ist, assoziiert man allenfalls Berlin, München oder Hamburg - wohl kaum Wiesbaden. Und doch kann mit einem gewissen Recht von der "Filmstadt Wiesbaden" gesprochen werden.

  • Anmerkung : Diese obigen Aussagen sind sehr weit hergeholt. Hier wird mit Lorbeeren geworfen, die so nicht zutreffen. Die Anfänge stammen aus Biebrich und nicht aus Wiesbaden, denn Biebrich war bis 1928 eigenständig und stolz darauf sowie "lokalpatriotisch" veranlagt. Edy Dengel hatte sich stets als Biebricher gesehen, nicht als Wiesbadener.


Wiesbaden ist nicht nur der Sitz vieler Institutionen, die für die Medienlandschaft der BRD (die Bezeichnung "BRD" für die Bundesrepublick kam aus dem Osten und wurde fast nur dort mit Akrebie gepflegt, um den Unterschied zur "DDR" wach zu halten) eine wichtige Rolle spielen. Auch eine Reihe von bundesweit bedeutsamen und viele kleinere Firmen sind in Wiesbaden zuhause. Das Filmschaffen hat in unserer Stadt eine lange Tradition: bereits 1919 entstand in Wiesbaden der erste große Spielfilm!

  • Anmerkung : Unter einem "großen" Spielfilm versteht der normale Leser heute einen eineinhalb Stunden langen Spielfilm (oder noch länger) und damals waren 15 Minuten lange "Schnipsel" ganz normal, bis Edy Dengels "Schloss des Schreckens" kam.


Zweiter thematischer Schwerpunkt des Vorprogramms der WIESBADENER FILMNÄCHTE bilden die Filmdokumente zur Stadtgeschichte. Historische Porträts der Stadt und seiner Vororte werden zum Teil erstmals einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei den Wiesbadener Filmproduktionen und Filmemachern bedanken, die uns bei der Programmerstellung geholfen haben. Unser besonderer Dank gilt der Taunus-Film, deren Entgegenkommen es uns (diese alten Nitro-Filme von Edy Dengel wurde bei der Firma Dengel zusammen geschnitten) erst ermöglicht hat, mehrere historische Filmdokumente, die nur auf dem vom Verfall bedrohten Nitro-Material existierten, umzukopieren, sodaß wir sie anläßlich der WIESBADENER FILMNÄCHTE vorführen können.

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 22 Uhr in den Reissinger Anlagen (Nähe Bahnhof). Open-Air-Veranstaltungen sind wetterabhängig - falls Veranstaltungen ausfallen müssen, kann es zu Verschiebungen innerhalb des Vorprogramms kommen.

VORPROGRAMM 22.8.1986
Edwin Dengel kann mit Fug und Recht als Filmpionier gelten. Bereits 1919 dreht seine AXA-Film in Wiesbaden-Biebrich "sensationelle Abenteuerfilme". Und Filmemachen stellte damals wirklich noch ein Abenteuer dar - Improvisation war alles. Aus Edwin Dengel wurde der amerikanische Detektiv Fred Repps, die Bachgasse hieß Bowery-Street und aus dem Rhein machte man den Hudson. Wir zeigen Ausschnitte aus "DAS SCHLOSS DES SCHRECKENS", dem ersten Spielfilm, der in Wiesbaden entstand. Heute wird die Filmproduktion in der Henkellstraße von Fred Dengel sen. geführt.

  • Anmerkung : Als der oben referenzierte Film im Herbst 1918 angefangen wurde, gab es noch keine AXA Film Firma. Die wurde erst 1919 beantragt und gegründet, da Edy Dengel seinen Film nicht gegen Entgeld vorführen durfte. Er war noch nicht volljährig. So war das damals. In der "AXA Film GmbH" war darum auch sein Onkel Herr Dietz Teilhaber.

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MEDIEN BULLETIN - Das Info-Magazin für Funk & Fernsehen, Neue Medien

5.Jahrgang Nr. 8 - 19. August 1986 Preis: DM 8,-

Diese Zeitschrift war nur in einschlägigen Fiilm- und Fernseh- "Umgebungen" bekannt. Das war ebenso wie bei der "FKT Zeitschrift" sowie dem "Kameramann". Draußen in der Bevölkerung kannte man diese Blätter nicht.

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Drei Generationen »Dengel« im Filmgeschäft: Licht und Schattenseiten (redadktionelle Werbung für "Dengel Film")

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Johanns

»Wir machen nicht hell, sondern beleuchten«, sagt Fred Dengel sen. liebevoll über 70 Jahre Familientradition. Mittlerweile drei Generationen sind im Hause Dengel in irgendeiner Form mit Filmproduktionen verbunden. Heute verdient die Wiesbadener Firma in der Henkelstraße ihre Brötchen hauptsächlich damit, daß sie Filmszenen ins rechte Licht rückt. Nach Aussage des Produzenten Fred Dengel zählt sie auf diesem Gebiet mit 25 festangestellten Technikern zu den größten in der Bundesrepublik. Neben dem Ausleuchten stellt die Firma ihre Dienste noch auf dem Gebiet der Ton- und Griptechnik wie auch für Film- und Videoproduktionen zur Verfügung. 15 Beleuchtungswagen sind täglich unterwegs.

Eine solche Entwicklung hätte sich Edy Dengel, heute 85 Jahre alt, sicherlich nicht träumen lassen, als er 1916 (es war Herbst 1918 !!) seinen ersten Spielfilm produzierte. Er war damals nahezu noch alles in einer Person: Drehbuchautor, Regisseur, Hauptdarsteller und selbstverständlich gleichzeitig Double.

Mit bekannten Stummfilmen wie »Der Mann mit der Todesmaske« oder »Schloß des Schreckens« leistete Allround-Filmer Edy Dengel quasi einen der ersten Beiträge zur Entwicklung der Filmstadt Wiesbaden, die heute von Kennern der Szene gleich nach München, Hamburg und Berlin genannt wird.

  • Anmerkung : Das war aber sehr weit hergeholt. Da ist erstens nichts mehr von der Filmstadt Wiesbaden zu hören und zweitens war Edy Dengel patriotischer Biebricher, lange bevor Biebrich von Wiesbaden eingemeindet worden war. Die ersten Filme haben also fast nichts mit Wiesbaden zu tun. Das wird nach wie vor und viel zu oft (bewußt ?) falsch dargestellt. Diese Lobeeren sind da fehl am Platz.


Zwischen rund 1.200 Scheinwerfern und einer Unzahl von anderem Equipment präsentiert Dengel sen. ein Filmplakat seines Vaters Edy Dengel aus dieser Zeit (siehe dazu Seite 53), der in seinen Axa-Film-Studios auch für die Wochenschau noch in mühevoller Handarbeit Filmrollen mit laufenden Zelluloidbildern vollspulte.

Heute wird in den selben und anderen Räumlichkeiten unter der Firmierung "Fred Dengel Produktionen GmbH" für das ZDF, HR, WDR, SWF, SDR oder freie Produktionsfirmen gearbeitet. Man schreibt zwar keine Filmgeschichte mehr wie zu Zeiten von »Opas Kino« (Dengel jun.: »Qualität erfordert heute Spezialisierung und keine Allround-Leute«), wirkt aber bei etlichen namhaften Produktionen mit: so bei den ZDF-Sendungen Fernsehgarten, Tele-Illustrierte, Sportstudio oder den HR-Produktionen »Blauer Bock« und auch »Treffpunkt Airport« oder auch beim SWF »Heute in ...«.

Aber nicht nur hier erzeugen die Spezialisten von Fred Dengel, dem gelernten Kameramann, Licht- und Schattenseiten, sondern auch bei Shows, wie der Cosmopoliten-Trend-Show, die in 30Tagen in 25 Städten gastierte.

Ein zweites Standbein der Firma sind nach Aussage der Dengels Produktionen von Dokumentar- oder Werbefilmen auf etwa 200 Meter Studiofläche. Gestützt wird es durch den Verleih von Equipment aus einem Sortiment von etwa 8.000 Teilen. Vergibt eine Fernsehanstalt oder eine freie Produktionsgesellschaft an Dengel-Produktionen Beleuchtungsarbeiten, so wird ihr der Mietpreis für das benötigte Gerät berechnet. Der Personaleinsatz muß pro Stunde bezahlt werden. Ein Tageslicht-Scheinwerfer mit 4.000 Watt kostet beispielsweise komplett 98.- Mark und ein Tulip-Kamera-Kran mit Zubehör 400 Mark. Demnächst wird Fred Dengel sen., der sich auch aufs Regieführen und Bühnentechnik versteht, ein Herzenswunsch erfüllt: eine eigene Serie im eigenen Studio drehen.

Ein weiterer ebenfalls lancierter Werbetext :

In den wenigen Fachzeitschriften für Film- und Fernsehen durften sich Firmen oft selbst portraitieren und ihre Firmen- oder Geschäfts- Philosophie darstellen, so auch hier. Dabei überwogen gerne die Ziele und Vorhaben die tatsächliche Realität. Aber das war gar nicht so wichtig, wenn es ins Konzept (des Blattes) paßte.
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(über die) "Fred Dengel Produktion GmbH" Wiesbaden
(München, 20. Dezember 1986)

Außer bei Firmen in Hamburg, Berlin und München gibt es in der Bundesrepublik Deutschland einen Tulip-Kran lediglich noch in Wiesbaden: bei der Firma Dengel. Dies lediglich als ein Indiz, welche Rolle dieses alteingesessene Familienunternehmen bei der Ausstattung von Dreharbeiten spielt. Nicht nur auf das Rhein-Main-Gebiet beschränkt, sondern im gesamten Bundesgebiet. Dreht hierzulande ein ausländisches Team, wird es vom Bundespresseamt gern zu den beiden Dengels geschickt. Denn wie gesagt, es ist ein Familienunternehmen mit Tradition. Schon der Großvater drehte ab 1916 (falsch, es war im Herbst 1918) mit seiner Firma Axa-Film (die gab es in 1918 noch gar nicht) die ersten Spielfilme.

Fred Dengel sen. lernte sein Gewerbe also von der Pike auf.

  • Anmerkung : Da war der Fred Dengel sen.noch gar nicht auf der Welt.


1953 gründete er seine Fred Dengel Produktion, die er heute mit Frau und seinem Sohn Fred Dengel jun. leitet. »Wir legen großen Wert darauf, daß wir uns Filmleute nennen«, betont Dengel Senior. Dabei meint er insbesondere den Unterschied in der Beleuchtung zwischen Film und elektronischer Produktion: »Beim Fernsehen macht man hell; beim Film macht man Licht«.
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  • Anmerkung : Es fehlt natürlich der Hinweis, daß er sich zuvor mit seinem Vater Edy beim Thema "Ausrichtung der Firma auf die Zukunft" überworfen hatte und deshalb seine eigene Firma gründete und eben nicht mit der Firma des Vaters weiter machte.

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Und genau darauf hat sich das Wiesbadener Unternehmen spezialisiert. Im Verleih sind nicht nur 1.200 Scheinwerfer und jegliche Filmtechnik, sondern ebenso diverse Effektgeräte. Von Regen, Nebel und Gewitter bis hin zu Schnee und Seifenblasen kann fast alles gezaubert werden.

Nicht umsonst heißt ein Motto der Firma: »Es ist nicht's unmöglich!! Nach Möglichkeit machen wir möglichst ALLES möglich«. Wir, daß heißt ein sehr kleines, engagiertes Team von Fachleuten. Insgesamt hat die Firma 23 Beschäftigte, die alle eine solide Ausbildung im Handwerk besitzen. Dies ist Voraussetzung, um als Beleuchter oder Ton- und Video-Techniker bei Dengel angestellt zu werden.

Auch bei den Dreharbeiten zu »Der Name der Rose« konnte die Firma ihre Erfahrungen einbringen und die italienischen Kollegen beraten. Doch Filmproduktionen sind eigentlich die Ausnahme. Der Schwerpunkt liegt eindeutig bei der Ausstattung von Fernsehproduktionen, und gelegentlich greift Fred Dengel auch selbst zur Kamera.

Neben dem Geräte-Verleih haben sich noch weitere Standbeine entwickelt. Gleich hinter dem Beleuchtungslager und den Werkstätten, in denen neue Produkte getestet werden, gibt es ein kleines Insertstudio und Videobearbeitungsplätze.

In der Nachbarschaft steht ein Aufnahmestudio mit 140 Quadratmetern und 3/4-Zoll- (Video-) Schneidetischen zur Verfügung. Die Dengels tragen sich mit dem Gedanken, demnächst eine 1-Zoll-Anlage (das wäre eine BOCH BCN oder eine SONY C-Format Maschine) zu installieren.

In der Einrichtung ganzer Studios sind sie schließlich Spezialisten und haben die Deutschlandvertretung für verschiedene Gerätehersteller übernommen. Ein ausführlicher Katalog informiert über dies Angebot. Ein Geschäft für sich ist die Lichtgestaltung bei Promotion-Veranstaltungen und Modeschauen, bei denen schon längst nicht mehr auf Licht- und Showeffekte verzichtet werden kann. Alle möglichen Effekte sind heute notwendig, um die Kunden noch beeindrucken und animieren zu können.

Kay Hoffmann.

Bild 1
1200 Scheinwerfer aller Art stehen den Kunden der beiden Dengel für Film- und Fernsehausleuchtungen zur Verfügung.
Bild 2
Fred Dengel sen. im 3/4-Zoll-Schnittstudio der Dengel-Produktion GmbH Wiesbaden. Hinter ihm Fred Dengel jr.

1986 - Bob Chelton alias Edy Dengel lebt heute in Wildsachsen

Edy Dengel ist einer der letzten noch lebenden Stummfilmstars - Erinnerungen an vergangene Zeiten des Kintopps - Von unserer Mitarbeiterin Karin Schehler
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  • Anmerkung : Die Zeitschrift MORGENSPIEGEL ist in 2019 vollkommen unbekannt. Wer hat darüber noch Informationen ?

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„Hier Dengel, nicht Bengel", so meldet sich auch heute noch einer der letzten noch lebenden „deutschen Stummfllmstars", Edwin Georg Dengel, genannt Edy. Seit zwölf Jahren wohnt er in Hofheim-Wildsachsen in einem kleinen bescheidenen Hans. Besucher empfangt er in seinem alten Büro, das mit alten Filmplakaten und Bildern seiner längst verstorbenen Kollegen geschmückt ist. Die Todesanzeigen hat Edy Dengel teilweise neben dem Namensplakat befestigt. Aus seinem Leben als Autor, Darsteller, Regisseur, Stuntman, Kinobesitzer und Filmverleiher weiß er viel zu erzählen.

Vergangene Woche (wann war das ?) sprach Edy Dengel mit MORGENSPIEGEL-Mitarbeiterin Karin Schehler.

Der geborene Wiesbadener begann seine Karriere als „Zirkusdirektor" im Alter von zehn Jahren. Er hatte Nachbarjungen als Gaukler und Artisten engagiert und zog mit ihnen einen kleinen Zirkus auf. Er selbst spielte den „Dummen August". Die Zirkuszeit ging jedoch abrupt zu Ende, als eines Tages die Polizei bei Edy Dengels Vater erschien und die fälligen Steuern eintrieb, die bei dem gut florierenden Zirkusgeschäft fällig geworden waren.

  • Anmerkung : Das stimmt so nicht, weil er in früheren Interviews von einem (1) Polizisten gesprochen hatte, der ihm angedroht hatte, er müsse auch Steuern bezahlen und darauf hin hatte der kleine Zirkus aufgehört.


Mit 18 Jahren (1919) gründete Edy Dengel seine eigene Filmfirma, die Axa-Film-Gesellschaft.

  • Anmerkung : Auch das stimmt nicht, die früheste noch im Original vorhandene Gründungsurkunde einer Gewerbeanlmeldung datiert aus dem Jahr 1917. Die Eintragung der ersten Dengel-Firma, der AXA Film Company GmbH aus Okt. 1919. Die Scans kommen noch.


Zunächst drehte er Detektivgeschichten. Die Drehbücher schrieb er selber. „Das Haus des Schreckens" hieß sein erster Film, der "in" einer Villa in Wiesbaden Biebrich gedreht wurde.

  • Anmerkung : Falsch !! Ein paar Szenen wurden "vor" der Villa gedreht, aber nicht "in" der Villa.


„Die Besitzerin war uns noch lange Zeit böse, weil wir ihr den Titel des Streifens verschwiegen hatten", erinnert sich Dengel (das ist leider "verklärt" falsch).

Die Filmstudios befanden sich damals in Wiesbaden-Biebrich gegenüber der Kohlenhandlung seines Vaters (Anmerkung : in der Weihergasse).
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Der Ruhm des Jungfilmers Dengel

Der Ruhm des Jungfilmers Dengel eilte schnell bis nach Berlin. Nach einem kurzen Gastspiel in der Reichshauptstadt, er drehte Filme für „Imperator-Film", zog es ihn jedoch wieder zurück nach Wiesbaden.

  • Anmerkung : Laut einem früheren Interview hatte er nie in Berlin einen Film angefaßt. In einem anderen Interview ist von einem Film die Rede. Er selbst hatte aber erzählt, er hätte das Angebot in Berlin nie angenommen.


Das Filme-Machen in Berlin war einfach zu teuer, wahrend in Berlin ein Drehtag 5000 Reichsmark kostete, konnte Dengel ein komplettes eigenes Werk für den gleichen Preis auf die Beine stellen. Die junge Axa-Film-Gesellschaft kam immer besser ins Geschäft, auch ein Verbot des Films „Der Mann mit der Totenmaske", der für die damaligen Verhältnisse zu reißerisch gedreht war, bedeutete keinen finanziellen Verlust, Edy Dengel kaufte nun Lichtspielhauser im Rhein-Main-Gebiet und drehte weiter Filme im Auftrag anderer Kinohesitzer.

  • Anmerkung : Für den Kauf bzw. den Besitz von Lichtspielhausern fehlen nach wie vor jegliche Informationen. Da hat jemand den alten Herrn Dengel gründlich mißverstanden.

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Filmfirma gegründet

Der Filmfirma und den Lichtspielhäusern (Kommentar siehe oben drüber) folgte bald ein eigener Filmverleih. Bei allen Geschäften vergas er jedoch nie das Filmen an sich, neben Western und Detektivgeschichten verfaßte er auch viele Lustspiele, in denen meist seine eigene Frau Kitty Corvin die Hauptdarstellerin war.

1925 spielte er den Westernheldcn Bob Chelton. Ende der zwanziger Jahre (1927) kam so langsam der Tonfilm auf, viele der Schauspieler und Akteure, die mit dem Stummfilm groß geworden waren, konnten sich mit dieser neuen Art des Films nicht anfreunden.

Auch Edy Dengel ließ sich etwas anderes einfallen. „Ich fing an, die ersten Autorennen auf dem Nürburgring zu filmen (aber leider ohne Ton) und zeigte sie in "meinen" Kinos. Der Besucherstrom nahm immer stärkere Ausmaße an. Andere Kinos liehen oder kauften meine Kunstwerke", erzählt Dengel auch heute noch nicht ohne Stolz.

Daß die damalige Zeit des Films in keinster Weise mehr mit der heutigen zu vergleichen ist, zeigt auch die Tatsache, daß ein Mann wie Dengel, der Regisseur, Schauspieler, Autor und Kinobesitzer war, auch Stunts noch selber spielen konnte. „Ich war damals in der Lage, von einer fahrenden Straßenbahn auf einen Bus und danach auf ein Auto zu springen."
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Filme aus der Heimat

Sich selbst auf der Leinwand zu sehen, hatte für die Menschen der damaligen Zeit eine ungeheure Wirkung: „Die Zuschauer waren hellauf begeistert, wenn sie sich im Kino sahen. Das war dann auch eine große Attraktion für das betreffende Kino."

Edy Dengel kann sich noch erinnern, daß er auch in Hofheim einen Film gemacht hat: „1928 habe ich das Feuerwehrfest gefilmt und vom damaligen Kinobesitzer, einem gewissen Herrn Herr, 1,50 Reichsmark pro Filmmeier erhalten. Auch die 650-Jahr-Feier in Idstein hatte ich im Kasten und die Leute lachten sich halb tot, wenn sie sich selbst sehen konnten."

Dengels Filmkunst zog immer weitere Kreise. Hindenburg engagierte ihn und ließ Filme über sein Leben drehen. Auch Hitler interessierte sich für Dengel (sinnierte Herr Dengel im Nachhinein, ist aber in anderen Unterlage nirgendwo festgehalten), und heute noch klagt er: „In der Hitlerzeit ging es besonders hektisch zu, denn der Führer weilte an jedem Wochenende in einer anderen Stadt. Alles habe ich aufgenommen und meine Sammlung alter Stummfilme hat heute sicher einen großen Wert. Das Filmen mußte ich aufgeben, weil ich nicht bereit war, in die Hitlerpartei einzutreten."

Nach dem Krieg (dem 2.Weltkrieg) drehte Dengel keine Filme mehr, seine Lichtspielhäuser verkaufte er 1972.

  • Anmerkung : Hier nocheinmal ..... Der Besitz oder der Betrieb von 12 oder mehr Lichtspielhäusern in Rhein-Main ist nirgendwo nachvollziehbar belegt, und in den dicken großen Lichtspielhäuser- und Kino- Verzeichnissen von 1948 bis 1956 ist ein Edwin Georg Dengel nirgendwo aufgeführt.

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Ein Blick auf Heute (1986)

Die Axa-Film hat heute einen anderen Namen (falsch : es war eine Neugründung von Sohn Fred) und wird von seinem Sohn geleitet. Als alter Stummfilmer hängt Dengel noch sehr an seinen alten Filmen, die teilweise historischen Wert haben. So könnte er beispielsweise Filme über die Pferderennen auf dem Rennplatz in Erbenheim zeigen, heute landen auf diesem Areal die Hubschrauber der USA.

Momentan muß es allerdings noch „könnte" heißen, denn für einen Blick in die Vergangenheit, den Hunderte von Filmrollen, die im Keiler gelagert sind, bieten könnten, benötigt man ein altes Filmvorführgerat (Anmerkung : ein altes 35mm Projektionsgerät mit der Möglichkeit, diesen besonders leicht brennbaren und gefährlichen Nitrofilm abzuspielen - was übrigens seit eingen Jahren verboten war), und das fehlt in der Sammlung von Edy Dengel, die ansonsten ein ganzes Filmmuseum füllen würde.

  • Anmerkung :
    Hier steht es also: Die Redakteurin Frau Schehler wußte von den hunderten von Filmdosen, die die beiden Initiatoren der Wiesbadener Filmnächte so stolz - angeblich völlig zufällig - entdeckt hätten.


Vielleicht hat einer der MORGENSPIEGEL-Leser irgendwo im Keller oder auf dem Dachboden ein solches altes Vorführgerat. Es würde einem Pionier aus der Zeit des Stummfilms sicher viel Spaß machen.

Bilder
Edy Dengel 1985 vor einem alten Filmplakat. - Foto; Bach

Edy Dengel als „Bob Chelton, der Aussiedler". Dieser Film wurde 1925 von der Axa-Film gedreht. Ein altes Privatfoto

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