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Laudatien sind meist Lobhudeleien aus der Retroperspektive. Bitte lesen Sie vorab zwei erklärende Seiten hier im Museum :

Laudatien 1

und

Laudatien 2.
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Jetzt gehts los :
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H. Tümmel 80 Jahre

Ein Kinomacher kommt in die Jahre: Bei nunmehr wieder guter Gesundheit wird Dipl.-Ing. Herbert Tümmel am 6. November 1989 seinen 80. Geburtstag feiern. Dazu gratulieren ihm Freunde und Kollegen von nah und fern ganz herzlich. Wir wünschen ihm für die Zukunft Glück und Wohlergehen.

Erfreulicherweise ist sein Interesse am technischen und wirtschaftlichen Geschehen der Branche ungebrochen. Stets steht er mit Rat und Auskünften zur Verfügung, wenn Fragen aus dem weiten Feld der Kinotheater-Technik zu klären sind.

Über die Verdienste des Jubilars wurde in dieser Zeitschrift mehrfach berichtet, letztmalig im Heft 6/1988 anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied der FKTG. Nachzutragen ist der Hinweis auf ein neues Buch, an dem er jahrelang gearbeitet hat: "Deutsche Laufbildprojektoren für 35 und 70mm Film", verlegt von der Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin. Er hat damit die einschlägige Fachliteratur um Informationen ergänzt, die wohl sonst größtenteils verloren gegangen wären.

H. Thiele
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Erich Pommer zum 100sten Geburstag -
Der zweifache Vater des deutschen Films

"Es ist gleichgültig, welchen Stoff man wählt, um einen künstlerischen Film zu schaffen -, Bedingung ist nur, daß er von Künstlern geschaffen wird, die wissen, was das Publikum will, aber auch wissen, was sie wollen, denen das Werk über alles geht -, selbst über die liebe persönliche Eitelkeit."

Der Mann, der dieses Credo vertrat, wurde 1889, im gleichen Jahr wie Charlie Chaplin, in Hildesheim geboren. 1907 kann er bei der Berliner Kinematographien- und Filmfirma Leon Gaumont als Verkäufer anfangen.

Nebenbei lernt er Filme vorführen, schneiden, kurbelt Werbekampagnen an, muß hin und wieder als Schauspieler einspringen und den Kameramann ersetzen und - macht schnell Karriere.

Jahre später wird er zu Fritz Lang sagen: "Wenn Sie ein guter Regisseur werden wollen, dann müssen Sie zuerst den Aufnahmeapparat beherrschen".

Schon 1910 ist er Filialchef der Gaumont in Wien, wechselt nach dem Militärdienst zur Eclair, gründet die Wiener Autoren Film-Gesellschaft, die erste von vielen Filmfirmen, von denen die Decla-Bioscop die bedeutendste und die Rossmore Productions Hollywood die letzte sein werden.

Der Kriegsausbruch 1914 bringt ihn nach Berlin zurück, wo er zusammen mit dem Kinobesitzer Fritz Holz die deutsche Ecla(ir) gründet. Keiner der produzierten Melodramen, Grotesken, Liebes- und Detektivfilme deutet auf ein künstlerisches Niveau hin, das sich von den Produkten anderer Firmen unterscheidet.

1917 kommt der Auftrag, für das vom Kriegsministerium gegründete Bild- und Filmamt die Filmpropaganda in Rumänien zu organisieren. Die Mission ist so erfolgreich, daß die aus dem Bild- und Filmamt hervorgehende Ufa bis Ende der 30er Jahre den osteuropäischen Filmmarkt mit Kopien beliefern kann.

Die Nachkriegssituation (nach 1918) auf dem deutschen Filmmarkt markieren wenige Zahlen. Die Auslandskonkurrenz ist durch Importbeschränkungen nahezu ausgeschaltet, dafür aber droht der drittgrößte Industriezweig (130 Filmgesellschaften haben 20 Milliarden Mark investiert, 14.000 Arbeiter, 6.000 Angestellte und 2.000 Schauspieler sind beschäftigt) an einer hausgemachten Filminflation mittelmäßiger Produktionen zu ersticken.

Erich Pommer ist sich dieser Sackgasse völlig bewußt. Sein Rezept ist einfach: weg von den Durchschnittsproduktionen, hin zu Großfilmen, die sich weltweit absetzen lassen.

Die Fusion zur Decla-Bioscop mit einem Firmenkapital von 30 Millionen (Reichs-)Mark schaffen die materielle Grundlage zur Großfilmproduktion. Erfolge wie "Das Cabinet des Dr. Caligari" rücken Pommers Idee vom künstlerischen Film in realisierbare Nähe.

1923 übernimmt er die Direktion der Ufa, bleibt weiterhin Vorstand der Decla-Bioscop, der Union AG und der Messter-Gesellschaft und ist so zum wichtigsten Mann im deutschen Film geworden.

1940 wird ihm die amerikanische Filmzeitschrift "Script" als den Entdecker von Fritz Lang, Marlene Dietrich und Charles Boyer, den Produzenten solcher Erfolge wie "Der blaue Engel", "Variete" und den Erfinder von Farbfiltern und Stummfilmen ohne Zwischentitel feiern.

Die Liste seiner Entdeckungen und Neuerungen in der Filmtechnik läßt sich jedoch beliebig verlängern. Kein Wunder bei Zeit seines Lebens 227 produzierten Filmen, kein Wunder bei Namen wie Paul Czinner, Ludwig Berger, Carl Froelich, FW. Murnau, Rochus Gliese, Paul Leni, Erich Kettelhut, Erich Waschnek, Hermann Warm, deren Bühnenbilder und Kameraführung die Filmgeschichte der 1920er Jahre historisch machten.

Es gelingt Pommer nicht, den finanziell angeschlagenen Ufa-Konzern zu sanieren. Gerüchte von überzogenen Produktionsbudgets zwingen ihn zum Rücktritt. Daß er für den deutschen Film unentbehrlich ist, beweist die Tatsache, daß sein Nachfolger bei der
mittlerweile vom Pressezaren Alfred Hugenberg sanierten Ufa ihn 1927 wieder unter Vertrag nimmt.

Zwischenzeitlich produziert er für die Paramount "Hotel Imperial" mit Emil Jannings und Pola Negri und läßt einen Vorläufer des schwenkbaren Kamerakrans konstruieren, der es möglich macht, die Kamera horizontal und vertikal stufenlos zu bewegen und so den Eindruck der Schwerelosigkeit zu erzielen.

Die verbesserte Version dieses Krans läßt Pommer für den Film "Asphalt" auf Räder montieren, um so fahrbare Kamera und Schwenkkran zu kombinieren.

Als frei arbeitender Ufa-Produzent haben Pommers Filme Vorrang vor den anderen Produktionen. Deshalb kann er beim Aufkommen des Tonfilms sofort über alle Apparaturen verfügen und experimentieren. Der plumpe Einsatz von Geräuschen interessiert ihn nicht. Was er sofort erkennt, sind die Möglichkeiten der Tondramaturgie, die Möglichkeiten des Einsatzes gezielt verwendeter Geräusche, Dialoge und Hintergrundmusik.

Das Resultat seiner Überlegungen sind Filme wie "Der Blaue Engel", die Superproduktion des Jahres 1930, Kassenschlager wie "Melodie des Herzens" und "Der Kongress tanzt" sowie Operettenfilme, die später unter dem verfälschenden Begriff "Zerstreuungskultur" der Vor-Nazizeit in die Geschichte eingehen werden.

1933 muß Pommer zum zweiten Mal zurücktreten. Dieses Mal sind die Gründe klar antisemitischer Natur. Bestrebungen, ihn über Umwege für den deutschen Film einzusetzen, scheitern am kategorischen Widerstand Pommers.

Die Odyssee über Frankreich und England (wo er mit Charles Laughton die Mayflower-Film gründet, die u.a. Alfred Hitchcocks "Jamaica Inn" produziert) in die USA, wo er für die RKO arbeitet. "Dance, Girl, Dance" mit Maureen O'Hara und Lucille Ball wird nach einigen Filmen mit Charles Laughton seine letzte Arbeit in Amerika, Projekte, mit Max Ophüls einen Anti-Hitler-Film zu machen, das "Cabinet des Dr. Caligari" und den "Blauen Engel" als Remake zu produzieren, scheitern.

1946 ist Pommer wieder in Deutschland, nicht als Filmproduzent, sondern als amerikanischer Offizier des "Office of Military Government" for Germany/United States, in dessen Auftrag er zunächst in Berlin die Entnazifizierung Filmschaffender durchführt, mit Hans Scharoun die Tempelhofer Ufa-Studios wieder in Betrieb setzen läßt und ab 1946 in München die Wiederaufnahme der Studios in Geiselgasteig initiiert.

Schon 1946 geht die erste deutsche, von den Amerikanern lizensierte Produktion "Und über uns der Himmel" los. Und Pommer engagiert sich so stark beim zweiten Nachkriegsaufbau der Filmindustrie, daß die Amerikaner ihm zuviel Eigenmächtigkeit vorwerfen - was schließlich Amerikas Filminteressen tangieren könnte - und die Deutschen ihn zum "Totengräber" der deutschen
Filmindustrie verkennen.

1951 gründet Pommer die Intercontinental-Film, mit der er "Nachts auf den Straßen", "Romanze in Moll", "Eine Liebesgeschichte" und "Kinder, Mütter und ein General" produziert. Gesundheitliche Gründe zwingen Pommer, nach Hollywood zurückzukehren.

Verhandlungen über die Produktionen von Fernsehsendungen kommen nicht mehr zustande.

Am 20. Juli 1989 wäre Erich Pommer 100 Jahre alt geworden.

C. Nordau
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  • Anmerkung : Über Erich Pommer lesen Sie viel viel mehr bei den beiden Autoren Heinrich Fraenkel und Curt Riess, die diese Zeit miterlebt hatten und sehr sehr ausfürhlich beschrieben haben, natürlich auch nur aus ihrer eigenen Sicht.

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