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Eduard Rheins Buch über sein Leben (1990)

Der langjährige Chefredakteur der HÖRZU schreibt über sein Leben, seine Jugend, seine Zeit in Berlin bis 1945, den Wiederanfang 1946 und die Zeit im Springer-Verlag in Hamburg. So sind es fast 480 Seiten, bei uns im Fernsehmuseum etwa 120 Kapitel, in denen so gut wie alle "Größen" dieser Zeit vorkommen. Und er schreibt als 90jähriger rückblickend über die Zeit und sich selbst. Darum lesen Sie hier natürlich seine Sicht der Ereignisse bzw. "seinen Blick" teilweise durch die "rosarote Brille". Das sollte man beachten und verstehen. Die Inhaltsübersicht finden Sie hier.

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Kapitel 105
»Herr Außenminister ...«

Daß Springer einen politischen Lehrer und Berater brauchte, wenn er die Rolle spielen wollte, zu der er sich "berufen" fühlte, war ihm schon bald klargeworden, denn der Tanz auf dem aalglatten Parkett der Politik war gefährlich.

Das Abitur - ist überflüssiger Ballast

Geschichtskenntnisse und Politik gehören zusammen wie Kastor und Pollux, und in diesen beiden Fächern hatte es der gutaussehende Verlegerssohn mit dem symbolträchtigen Vornamen Cäsar schon in der Volksschule zu einmaligen Leistungen gebracht: Er hatte sie einfach ignoriert.

Was hätte er auch als Operetten-Täuberich mit diesem überflüssigen Ballast und dem Abitur wohl anfangen können?

Der erfahrene Journalist Hans Zehrer

Der Mann, dem er die ehren- und verantwortungsvolle Rolle eines Mentors zugedacht hatte, hieß Hans Zehrer. Er hatte 1899 das Licht dieser Welt erblickt und war mit geweihtem Spreewasser getauft worden.

Er war ein kluger Berliner, ein gebildeter, erfahrener Journalist und angesehener politischer Leitartikler. 1936 hatte er unter dem Pseudonym Hans Thomas den spritzigen Zeitroman >Percy auf Abwegen< geschrieben und als Chefredakteur dann später ein Kirchenblättchen mit dem Titel >Das Sonntagsblatt< betreut. Eine ehrenwerte, wenn auch finanziell wohl kaum interessante Aufgabe.

Wahrsagerei oder wenn man an einen Gott glaubt . . . .

Es ist schwer zu verstehen, daß dieser Mann nicht seinen ganzen Einfluß aufgewendet hat, die so unwürdige, für das Unternehmen so gefährliche Beziehung zu der Wahrsagerin Ina Hetzel zu unterbinden.

Denn wenn man an einen Gott als den Schöpfer und Lenker des Weltalls glaubt, kann man nicht gleichzeitig glauben, dieser Gott ließe sich von einem Dutzend unbelebter Sterne ins Handwerk pfuschen und das Schicksal jedes einzelnen wie das einer Marionette lenken, Glück oder Unglück über sie streuen.

Hier Gottglaube - hier Sternenglaube - oder keines von beiden! Aber sternengläubige Christen sind rabenschwarze Schimmel. Es ist mir deshalb auch nie klargeworden, weshalb die Glaubens- gemeinschaften, gleich welcher Art, diese Irrlehre nicht schärfer verurteilen.

Er hätte Moskau nicht planen und mitmachen dürfen

Zehrer hat nichts unternommen, um Springers Sterngläubigkeit auf den Boden der Wissenschaft zurückzuführen, denn dann hätte er ihn oft warnen müssen und die für die weitere Entwicklung Springers so entscheidende Reise nach Moskau nicht planen und mitmachen dürfen. Wollte er auf diese Weise seinen Einfluß auf Springer verstärken und damit seine eigene Position im Verlag untermauern?

Ich hatte den Anglomanen Springer in den ersten, besonders schweren Jahren zuweilen scherzhaft als unsern >Außenminister< bezeichnet, denn niemand anders konnte so gut mit den durchweg noblen Engländern umgehen und verhandeln: »Herr Außenminister, ich glaube, Sie müssen bei den Engländern mal wieder Ihren ganzen Charme ausspielen!« - Er hörte es jedesmal schmunzelnd.
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Zwischen Tür und Angel - auf dem Weg nach Moskau

»Herr Außenminister« - das Wort stand eines Tages erschreckend deutlich zwischen Springer und mir, als er überraschend in meinem Büro erschien, um mir zwischen Tür und Angel zu erklären, er sei auf dem Weg nach Moskau, um die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten zu holen.

»Wir werden Redaktionen in Königsberg, Leipzig, Breslau, Dresden errichten, mit HÖR ZU und BILD vielleicht sogar bis Wien vorstoßen und unsere Auflagen verdreifachen.«

Er sagte das mit feierlichem Ernst und in siegessicherem Ton. »Sie glauben das im Ernst?« - »Die Sterne standen nie günstiger als jetzt.«
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Privatdiplomatie eines Zeitungsmannes ?

War in unserer Bundesrepublik eine solche Privatdiplomatie überhaupt denkbar? War es möglich, daß von heute auf morgen Dinge von so gewaltiger Tragweite durch den Flug eines ... Zeitungsverlegers bewegt werden konnten? Adenauer hatte abgeraten.

Mir schwirrte der Kopf. Was für gewaltige neue Aufgaben würden da womöglich auf mich zukommen? In dieser Nacht kam ich vor Aufregung nicht zur Ruhe. Am nächsten Morgen erfuhr ich vom Sekretariat Springers, daß er mit Frau Rosemarie, Hans Zehrer und seinem Sonderbevollmächtigten Christian Kracht >auf einem weiten Weg nach Osten sei< und in drei oder vier Tagen zurückerwartet würde.

So ein Quatsch - Die sind bestimmt nur nach Sylt . . . .

Als ich völlig konsterniert mit Will darüber sprechen wollte, schlug er sich mit der flachen Hand gegen die Stirn: »Wat nich noch? Un uff so'n Quatsch fall'n Sie rin? - Die sind bestimmt nur mal uff die schnelle nach Sylt!«
Hier irrte Will. Die ganze Reise war von Zehrer bis in alle Einzelheiten ausgearbeitet und vorbereitet worden.

Das war die große Rolle, in die sich Springer eines Nachts geträumt hatte und die ihn mit einem Schlag zu einem Politiker von Weltgeltung machen sollte.

Verbrüderung mit Rußland, Förderung Rußlands durch vollen Einsatz der gesamten Springerpresse - und dafür die Wiedervereinigung Deutschlands.

Dieser wahnwitzige Plan stand nach Ina Hetzeis astrologischen Untersuchungen unter einem einmalig günstigen Stern, hing aber von einer peinlich genauen Durchführung und Beachtung ihres gesamten astrologischen Reiseplans ab. Ihn gab die Sterndeuterin Springer und seinem Mentor mit auf die Reise.

Es war angesichts der überdimensionalen Tragweite des ganzen Unternehmens kein gewöhnliches Horoskop: Es war aus dem Lauf der Gestirne für jeden Tag und jede Stunde des ganzen Unternehmens vorausberechnet.

Der Brief an das Außenministerium in Moskau

So beispielsweise für die Überbringung eines Briefes an das Außenministerium in Moskau. Als Christian Kracht ihn übergeben sollte, hatte Springer sich in dem Zeitpunkt für die Briefübergabe geirrt: Der Brief wäre zwei Stunden zu früh abgegeben worden.

Springer rief Kracht noch in letzter Sekunde zurück. Er war bleich wie bei einer Herzattacke ...

Er dachte, er sei ein wichtiger Diplomat

Springer hatte erwartet, daß er schon am Flughafen von einem hohen Staatsbeamten begrüßt würde, mußte aber enttäuscht feststellen, daß man ihm nur einen kleinen Beamten geschickt hatte. Chruschtschow würde ihn, wenn auch nicht sofort, so doch spätestens im Lauf des nächsten Tages empfangen ... glaubte Springer. Undenkbar, daß man ihn länger warten ließe!

Doch nun begann für ihn und sein Gefolge ein demütigendes Ausharren von einer Stunde auf die andere, von einem Tag auf den anderen. Die Russen ließen sich Zeit. Eine Woche lang saß Springer wartend im Hotel und wurde immer nervöser.

Als es dann endlich soweit war, empfing der Kreml-Chef den Mammutverleger für ein peinlich kurzes Gespräch - im Stehen (!) -, um ihm mit dürren Worten eine Abfuhr zu erteilen. Der Traum vom Ministerposten war wie eine Seifenblase zerplatzt ...
Zitternd vor Wut über die eiskalte Behandlung, verließ Springer den Kreml. Aus!

Aus der Traum ... der Traum hat ein Vermögen gekostet

Aus der Traum von einer sensationellen politischen Karriere, von einer gewaltigen Vergrößerung seines Einflußbereiches, von einer Verdreifachung der Auflagen!
Diese schmähliche Niederlage würde er sein ganzes Leben lang nicht vergessen - und er hat sie nie vergessen. »Raus, raus aus diesem Land! - Hier halte ich es nicht eine Stunde länger aus!« Doch das nächste Flugzeug ging erst in drei Tagen. Raus, raus, raus! Wie er dieses Land plötzlich haßte!

Ein Telegramm an Kracht, der schon zwei Tage früher zurückgeflogen war:
»Chartert schnellsten Sonderflug, koste es, was es wolle!« Er bekam eine riesige SAS für die 3 Personen. Dieser überstürzte Rückflug - Zwischenlandung in Stockholm - hat in der Tat ein Vermögen gekostet.

Die Abfuhr war für Springer sehr schlimm

Wenn schon! Die Millionen flogen ihm dank HÖR ZU doch nur so in die Tasche. Tausendmal schlimmer war die Abfuhr, die er sich geholt hatte ... Was mag dieser geschlagene Mann in diesen dunkelsten Stunden seiner Laufbahn wohl über das Walten der Sterne gedacht haben?

Daß Springer und sein hochgeschätzter Mentor Zehrer diese von der ganzen Welt beobachtete und schadenfroh belächelte Niederlage über Nacht verkraften konnten, war nicht zu erwarten. Jäh aufflammender, unlöschbarer Haß auf die Russen fraß sich fest.
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Erste politische Anweisungen an die Redaktionen

Wieder in Hamburg, gab Springer überraschende politische Anweisungen an die eigene Presse. Und suchte in dieser Zeit des inneren Zwiespalts eine neue Aufgabe, in der er seine Macht und seine Milliarden politisch ausspielen konnte: Er fand Israel. Von heute auf morgen wurde er zum leidenschaftlichen Kämpfer für die Rechte dieses Staates. War das nicht eine Messiasmission?

Seine Chefredakteure erhielten klare Anweisungen - und ihnen hatten sie sich unterzuordnen.
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Wer widersprach, mußte gehen

Daß das zu Spannungen führen mußte, war zu erwarten. Wer sich erlaubte, wider den Stachel zu löken, mußte gehen, während er sich selber immer mehr in die Rolle eines neuen Heilsbringers hineinsteigerte.

Kam er sich nicht schon selber als der verheißene Messias vor, wenn er weiß gekleidet, von seinen Pressefotografen im Bild festgehalten, dieselbe Straße ging wie Jesus, der Menschensohn, auf dem Weg nach Golgatha?

»Was Springer mit seiner Presse nach dem fürchterlichen Desaster für seine Schützlinge ideell und materiell getan hat, ist ohnegleichen. Seine gigantischen finanziellen Zuwendungen blieben geheim und werden wohl« - wie der ZEIT-Verleger Dr. Bucerius schrieb - »für immer geheim bleiben.« - Irrtum! Mir liegen geheime Notizen in seiner Handschrift vor, die Erstaunliches offenbaren.

Und immer noch nicht von seiner Wahrsagerin getrennt

Völlig unverständlich bleibt jedem Außenstehenden in diesem Zusammenhang, daß Springer sich nach dem schweren Moskauer Desaster nicht von seiner Wahrsagerin getrennt hat.

Daß die schlaue Hetzel ihn zu seinem >genialen Plan< verleitet hat, ist möglich, denn sie gehörte in die vorderste Reihe jener kritiklosen Schmeichler, Anbeter und Jasager, die Springer in seinem wachsendem Machtwahn unterstützten, statt zu warnen.

Kapitel 106
BILD

Schon in den frühen Hamburger Jahren hatte Springer immer wieder mit mir über das Projekt eines wirklichen Massenblattes gesprochen. Und lange bevor er seinen >deutschen Daily Mirror< starten konnte, machte er sich Gedanken um den Preis. Er dachte an fünf Pfennige.
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Fünf Pfennige ?

»Da könnte man das Blatt ja auch gleich verschenken.«
»Na und? Weshalb eigentlich nicht? Werden uns heute nicht Zeitungen in Millionenauflage geradezu nachgeworfen? Gefüllt mit ein paar billigen Textbeiträgen und den kostenlos erhältlichen Rundfunk- und Fernsehprogrammen.«
Springer >rechnete< nicht immer zur Freude seines traditionsbewußten Partners Voß, aber seine Überlegungen waren nicht selten von umstürzlerischer Originalität:
»Mein 5-Pfennige-Blatt wird bei diesem Preis sofort riesige Auflagen erreichen und sich infolgedessen durch die... Inserate tragen. Die 5 Pfennige betrachte ich nur als eine Art Schutzgebühr.«

Wat nix kost, dat taugt auch nix!

Ich riet trotzdem aus psychologischen Gründen von den fünf Pfennigen ab: "Wat nix kost, dat taugt auch nix! Vox populi."

BILD kam dann mit dem 10-Pfennig-Preis heraus und schlug ein. Daß das zum größten Teil auf die zuweilen verwegenen und unverantwortlichen Schlagzeilen zurückzuführen war und auf die Sorglosigkeit, mit der redaktionell gearbeitet, Sensationsmache und Wahrheit wild durcheinandergeworfen wurden, ist nicht zu bestreiten.
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Hatten wir das nicht schon einmal ?

Wer reißt sich in so hochbrisanten Zeiten wie damals nicht zu Tode erschreckt um ein Blatt mit der riesengroßen Schlagzeile >KRIEG.!< 10 Zentimeter hoch!

Die Schlagzeilen von BILD wurden zu charakteristischen Spottzeilen: »Grausame Mutter kocht Kind auf Sparflamme!« - Und manchmal erscheint auch heute noch eine erschlagende Meldung, die am nächsten Tag zwar nicht widerrufen, aber... vergessen wird.
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Das ist Krawalljournalismus

Das ist Krawalljournalismus - aber schließlich hat jedes Volk die Zeitung, die es sich wünscht ... Zu Springers Ansehen hat seine Lieblingsschöpfung nicht beigetragen.

Der Preis war auf die Dauer nicht zu halten

Trotz des Erfolges war der Preis auf die Dauer nicht zu halten. Wachsende Sorgen des Verlegers.
15 Pfennige? Ein im Straßenhandel unmöglicher Preis. Zwei passende Münzen im Vorübergehen zusammensuchen oder auf das Rausgeld zu warten... Bei dem Tempo unserer Zeit?

Also 20 Pfennige? Eine glatte Verdoppelung? Es ist zu verstehen, daß Verleger und Vertrieb sich davor hüteten.

Da hatte Springer wieder eine verwegene Idee, und die sollte ich - natürlich ohne Hinweis auf die Sorgen von BILD - mit der Millionenauflage und dem Ansehen von HÖR ZU populär machen:

Das 15-Pfennig-Stück

Ich hielt eine solche Münze im Geldverkehr für verwirrend und ebenso unmöglich wie einen 15- oder 150-Mark-Schein. Wo gibt's denn so was? Bitte ohne mich! Springer bekniete mich, Voß gab mir recht.

Es blieb also bei den 10 Pfennigen so lange wie möglich ... und sogar noch weit darüber hinaus, denn wenn die Auflage sinken würde, müßten die Inseratenpreise herabgesetzt werden, und das würde ans Eingemachte gehen ...

  • Anmerkung : Was ich bei den offensichtlichen Verquickung von Inseraten und Artikeln und Gerätetests in den Hochglanz-Hifi-Zeitschriften mehrfach geschrieben hatte, wird hier vom Chefradakteur einer 4 Millionen Zeitung absolut bestätigt. Es gibt also den zwangsläufigen Zusammenhang zwischen Inhalten und Anzeigen-Volumen bzw. Aufträgen.


Doch eines Tages mußte es sein ... Man peppte Inhalt und Umfang kurz vorher geschickt auf, die Auflage sackte zwar etwas ab - wie immer bei Preiserhöhungen -, doch dann ging es wieder bergauf.

Kapitel 107
Der Ullstein-Kauf

Ende der fünfziger Jahre hatte Springer Ullstein gekauft. Das war eine mutige Tat, und die Aufgabe, die sich damit verband, war verantwortungsvoll, denn Ullstein war mehr als ein kaufmännisches Unternehmen; Ullstein, das war ein stolzer Begriff.

Mehr aber auch nicht. Das große Ullsteinhaus an der Kochstraße - ein ganzer Häuserblock - war eine Trümmerstätte. Kein Wunder, daß man sich fragte, was nun aus der Kombination Springer-Ullstein werden sollte.

Jetzt erst recht!

Finanzchef Voß hatte den Plan von Anfang an recht skeptisch beurteilt. Was sollen wir zu dieser Zeit in einer isolierten, durch eine Mauer in zwei Teile zerschnittenen Halbstadt?

Springer war ganz anderer Meinung. Nach der Abfuhr, die er sich bei Chruschtschow geholt und die seine kühnen politischen Pläne zertrümmert hatte, biß er die Zähne zusammen: Jetzt erst recht! Er würde nun sein ganzes Unternehmen einsetzen, um die Wiedervereinigung zu erreichen.
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Springer wollte nach Berlin

Und außerdem drängte es ihn - wie schon bei unseren allerersten Gesprächen - nach Berlin. Der Traum von einer Ausdehnung seines Absatzgebietes über ganz Deutschland war noch lange nicht ausgeträumt. Und so entstand in ihm - fast zwangsweise - der Plan, in Berlin an der Kochstraße ein neues Haus - ein Ullstein-Springer-Haus zu bauen.
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Das neue Ullstein-Springer-Haus direkt an der Mauer

Das alte Gebäude wieder aufzurichten oder an seiner Stelle einen Neubau zu planen war beengend und sinnlos. Aber in der Kochstraße - genau gegenüber dem ehemaligen Ullsteinhaus - bot sich ein riesiges Gelände an.

Hier könnte ein stolzer Neubau entstehen, ein modernes Druckhaus - zugleich ein ständiger Protest gegen die Mauer. Schon die ersten Verhandlungen mit der Stadt, damals unter Willy Brandt als Bürgermeister, bestärkten ihn in seinem Plan.

Alle Bedenken wurden abgebügelt

Alle Bedenken, die Voß vorbrachte - auch schwere Bedenken finanzieller Art -, drangen bei ihm nicht durch. Sie ärgerten ihn sogar.

Schon während des Fluges nach Berlin - zusammen mit Christian Kracht - skizzierte er, wie er sich das stolze neue Haus und die Verwirklichung seines Planes dachte.

Ein imposanter Bau - ganz dicht an der verhaßten Mauer

Natürlich müßte der imposante Bau - schon aus Protest - ganz dicht an der verhaßten Mauer stehen. Finanziell würde er bei diesem Unternehmen mit großzügigen Unterstützungen rechnen können: 10 Millionen würde die Stadt Berlin geben, 4 Millionen waren ihm von den Banken mit Unterstützung der Bundesrepublik zugesagt. Steuerliche Vorteile aller Art waren ohnehin sicher, und der sehr hohen Kirchensteuer würde er sich durch Austritt aus der Kirche entziehen.

Mai 1959 - die groß angekündigte Grundsteinlegung

Am 5. Mai 1959 war es soweit: Springer, Voß und ich flogen zur feierlichen, in der Presse groß angekündigten Grundsteinlegung nach Berlin.

Als wir dann, zu dritt nebeneinander stehend, von zahlreichen Kameras angeblitzt wurden, sah ich geradeaus in der Charlottenstraße die öden Fensterhöhlen, hinter denen ich fünfzehn Jahre lang tagein, tagaus gearbeitet hatte.

Von dieser geschichtlichen Feier, die überall in der Welt große Beachtung gefunden hat, habe ich nie ein Bild bekommen. Alle Versuche, wenigstens das erwähnte Dreierfoto zu erhalten, liefen seltsamerweise ins Leere ...

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