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Die Komponententechnik ist für viele ein Buch mit 7 Siegeln

Durch die Komplexität der Fernsehnormen und der Vielfalt der Formate-Entwicklungen blickt fast keiner der Aussenstehenden mehr durch und viele Artikel in vielen Publikationen sind so komplex und unverständlich ausgeführt, daß selbst der Fachmann nach dem Lesen verwirrt ist. Herr Richter von der BTS/ Bosch/Fernseh hat 1991 einen Artikel für die FKTG verfaßt, der - sehr oft in Tabellenform - das Dickicht etwas anschaulicher werden läßt. Natürlich sind auch hier ein paar Grundbegriffe der Fernsehtechnik wie auch der EDV-Technik hilfreich. Einem Laien ist (als Beispiel) der Unterschied zwischden Multi-mode und Single-mode nur schwer zu erklären.

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Komponentensignale in der Videotechnik
- Ein Grundlagen-Beitrag -

von H.-R Richter in der FERNSEH- UND KINO-TECHNIK Nr. 6/1991
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Auch wenn die Komponenten-Technik in den Fernsehstudios bereits verstärkt Einzug hält, so gibt es eine Reihe von Anfragen an die Redaktion, dieses in vielen Einzelbeiträgen in dieser Zeitschrift behandelte Thema in einer übergeordneten Darstellung zu behandeln.

FKTG-Mitglied Dipl.-Ing. Hans-Peter Richter von der Broadcast Television Systems GmbH (BTS), Darmstadt, zeigt im vorliegenden Beitrag Eigenschaften, Vorteile gegenüber der geschlossenen Codierung (FBAS), aber auch wahrscheinliche Weiterentwicklungen und noch vorhandene Schwachpunkte der Komponententechnik auf. - Dipl.-Ing. Hans-Peter Richter ist Leiter des Bereichs Produktentwicklung bei der BTS Broadcast Television Systems GmbH, Darmstadt
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1. Komponentensignale - eine revolutionäre Neuerung ?

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Ja und nein.

Bild 1. Komponenten des FBAS-Signals

Wie Bild 1 zeigt, existiert die Komponente Nr. 1 (BAS) seit Anbeginn des Schwarzweiß-Fernsehens, die Komponenten Nr. 2 (FBAS) und Nr. 3 (U+V) wurden mit dem Start des Farbfernsehens eingeführt.

In der Essenz bilden diese drei Komponenten Helligkeitssignal (Luminanzsignal, Y-Signal), erstes Farbdifferenzsignal (U-Signal) und zweites Farbdifferenz-Signal (V-Signal) unser heutiges Komponentensystem.

Geändert haben sich lediglich Amplituden und Bandbreiten, Bezeichnungen und Darstellungsformen.

Komponenten waren und sind in aller Regel Ausgangs- und Endpunkt einer Videosignal Verarbeitung: Kameras und Filmabtaster wandeln optische Vorlagen in Komponentensignale; Testsignalgeber und Graphikgeneratoren erzeugen sie in der Regel direkt aus einem Muttertakt.

Die "Signalsenke" Display allgemein und Monitor im speziellen führt die elektrooptische Wandlung ebenfalls auf der Basis von Komponentensignalen durch.

Übertragungsverfahren und die Kompatibilität

Sind Komponentensignale im Studio also doch ein nur aufgewärmtes Thema? Das "FBAS"-Signal - oftmals auch als geschlossen codiertes Signal bezeichnet - ist aus der Not heraus entstanden, über einen bereits belegten Kanal mit fester Bandbreite zusätzliche Information (Farbe) übertragen zu müssen.

Die Codierung wurde so gewählt, daß der kompatible Schwarzweiß-Empfang mit nur geringen Qualitätseinbußen möglich war. Die FBAS-Systeme NTSC, PAL und SECAM sind also in erster Linie Übertragungsverfahren.

Signalspeicherung und Signalverteilung

Aus verschiedenen Gründen haben sich diese Verfahren aber auch im Produktionsbereich etabliert (Tabelle I). Als wichtigster Faktor sind hier die - im Vergleich zu Komponentensignalen - günstigen Ökonomischen Randbedingungen vor allem im Bereich der Signalspeicherung und Signalverteilung zu nennen.
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Tabelle I. Komponenten, in der Außenseiterrolle

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  • >>> technische/technologische Probleme
    • Signalspeicherung
    • Signalverteilung und -Verarbeitung
  • >>> mangelnde Ökonomie
    • Aufwandserhöhung um den Faktor zwei bis drei
    >>> Akzeptanzproblem
  • • geringer Qualitätsabstand zu FBAS (PAL)
  • • Einführung von HDTV wird verzögert

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Wenn heute über die Einführung der Komponententechnik im Produktionsbereich diskutiert wird, so ist damit eine durchgehende Signaldarstellung im Komponentenformat gemeint - angefangen bei den Bildquellen über die Verteil-, Verarbeitungs- und Speichereinrichtungen, bis hin zu den Displays - ein durchaus revolutionärer Ansatz !
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Die Einführung der Komponententechnik

Zweifelsohne haben sich in den letzten zwanzig Jahren (etwa ab 1971) aufgrund der technischen Weiterentwicklung die Randbedingungen für die Einführung der Komponententechnik deutlich verbessert.

Aber auch bislang akzeptable Einschränkungen des FBAS-Signalformats sind aufgrund neuer Entwicklungen in der Produktions- und Übertragungstechnik nicht mehr länger tolerierbar (Tabellen II und III).

Tabelle II. FBAS-Schwächen einer Übertragungsnorm

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  • >>> qualitative Mängel
    • Luminanz-Chrominanz-Übersprechen
    • reale horizontale Luminanzauflösung ist unzureichend
    • eingeschränkte Chrominanzauflösung beeinträchtigt Chromakey-Qualität
    • reduzierter Chrominanz störabstand bei FM-Äufzeichnung
  • >>> operationelle Mängel
    • komplexes Signalformat erschwert Nachbearbeitung und den Einsatz digitaler Signal Verarbeitungstechniken
    • Kompatibilität der verschiedenen Systeme zueinander ist unzureichend

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Tabelle III. Vorteile der Komponententechnik

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  • >>> Einsatz moderner Produktionstechniken
    • Computergraphik und Animation, Multilayer-Compositing
  • >>> verbesserte Systemkompatibilität bei der Programmverbreitung
    • MAC-Verfahren, PALplus
  • >>> steigende Qualitätsanforderungen auf der Konsumentenseite
    • größere Displays
    • digitale Nachverarbeitung im Empfänger
    • verbesserte Bild/Ton-Qualität über Videokassetten

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Neue moderne Produktionstechniken

So erfordern zum Beispiel moderne Produktionstechniken, wie Animation, Computergraphik und Multilayer-Compositing einen wahlfreien Einzelbildzugriff, der mit dem komplexen FBAS-Signalformal nur bedingt und verbunden mit QualitätsVerlusten realisiert werden kann.

Generell gilt die Feststellung, daß digitale Systeme, insbesondere solche mit Bildspeicherapplikationen, mit weniger Aufwand und qualitativ besserem Ergebnis auf der Basis von Komponentensignalen realisiert werden können.

Die Bildqualität

Was das Qualitätsempfinden des Fernsehzuschauers anbelangt, so hat die These von der vergleichsweise schlechteren Bildqualität anderer Videoquellen heute sicher noch ihre Gültigkeit. In Anbetracht der jüngsten Fortschritte auf dem Heimvideorecorder-Sektor, dem Trend zu größeren Bildschirmen und einer digitalen Nachverarbeitung, die fehlerverdeckende Effekte reduziert, muß bezweifelt werden, ob diese Aussage auch noch in der nahen Zukunft hält.

Neue Übertragungsstandards

Ausschlaggebend für den starken Trend in Richtung Komponententechnik sind aber nicht zuletzt die in der Diskussion befindlichen Übertragungsstandards D/D2-MAC und PALplus. Beide basieren auf einer Komponentensignalverarbeitung im Studio.

Auf der Geräteseite sind es im wesentlichen zwei Entwicklungen, die der Komponententechnik den Einzug in die Fernsehstudios ebneten. Der 1/2"-Analogrecorder als Arbeitspferd im Studio sowie der D1-Digitalrecorder für höhere Qualitätsansprüche.
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2. Standards

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Der Wandel in der Videotechnik

Bild 2. Komponenten - digital und analog

Parallel zu der Entwicklung von "FBAS" zu "Komponenten" vollzog sich im Bereich der Videotechnik auch ein Wandel in der Schaltungstechnologie.

"Digital Video" lautete das Schlagwort und führte dazu, daß in den frühen 1980er Jahren in der "CCIR-Empfehlung 601" zuerst der digitale Repräsentant der Videokomponenten standardisiert wurde (Bild 2).

Die Urheber dieser ersten digitalen Videonorm bewiesen großen Weitblick: Die CCIR-Empfehlung 601 umfaßt nicht allein die unter dem Namen "4:2:2" bekannte Studionorm, sondern beschreibt darüber hinaus ein hierarchisches System zueinander kompatibler Standards, verbunden mit der Forderung nach einfacher Konvertierbarkeit.

  • Anmerkung : Professor Dr. Hausdörfer schrieb sich auf die Fahnen, daß er dominierend gegen alle Widerstände aus dem Rest der Welt für diesen Vorschlag einer variablen Definition der 4:2.2 Norm gekämpft hatte und ihn am Ende durchgebracht hatte.

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Die Flexibilität der Bandbreiten

Bild 3. Wandlung von Analogkomponenten in Digitalkomponenten

Diese Flexibilität betrifft im wesentlichen die Bandbreiten der Komponentensignale und eröffnet die Möglichkeit, Systeme sowohl mit geringerer als auch höherer Auflösung in die vorgegebene Abtasthierarchie zu integrieren.

Bei der später erfolgenden Standardisierung der analogen Komponentensignale hatte man aus dieser Tatsache gelernt und auf eine Angabe von Signalbandbreiten bewußt verzichtet.

Bild 3 dient zur Erläuterung der Parameter eines digitalen Komponentensignals:
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  • Beim Übergang von analogen zu digitalen Komponenten wird ein wert- und zeit kontinuierliches Eingangssignal in ein wert- und zeitdiskretes Ausgangssignal gewandelt.
  • Die Abtastfrequenz f(A) bestimmt dabei die maximal zulässige Eingangssignalbandbreite und die Wortbreite B die an das menschliche Auge angepaßte Amplitudenquantisierung.

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Tabelle IV. Signalparameter der CCIR-Rec. 601

Standard TV Normen   525 Zeilen gemeinsam 625 Zeilen
Anzahl Abtastwerte        
- pro Zeile Y 858   864
- pro Zeile C 429   432
- pro aktiver Zeile Y   720  
- pro aktiver Zeile C   360  
Abtastfrequenz Y   13,5 MHz  
Abtastfrequenz C   6,75 MHz  
Abtaststruktur     orthogonal  
Codierung     8 bit PCM  
Aussteuerung und Quantisierung     0 ... 255  
- Schwarzwert     16  
- Weiß wert     235  
- Unbunt wert     128  
- C-Aussteuerung     138 ±112  
reservierte Codeworte     0, 255  

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Tabelle V. Signalparameter der CCIR-Rec. 656

  parallel seriell  
Signalbestandteile; - Videodaten (nRZ)    
  - Zusatzdaten (in den Austastlücken)    
  - Zeit-Referenzsignale    
  - Identifikationssignale    
Wortbreite : 8 bit + Takt (10 bit + Takt) 8 bit + Takt (10 bit + Takt)  
Taktrate : 27 MByte/s, Cb Y Cr Y 243 Mbit/s (270 Mbit/s)  
Synchronisation : Zeitref.Signale in der horizontalen Austastlücke (mit Fehlerschutz)  
Signalparameter :      
- elektrisch Gegentaktsignale (ECL) 0,4 ... 0,7 Vss/75 Ohm  
- mechanisch Subminiatur D 25 1 x BNC (LWL)  

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Die CCIR-"Empfehlungen" 601 und 656

Bild 4. Signalparameter des Komponentenformats nach dem EBU Technical Standard N10

Die wesentlichen Parameter der CCIR-Empfehlung 601 und 656 sind in den Tabellen IV und V dargestellt.

In der CCIR-Empfehlung 601 ist die Signal- codierung niedergelegt, während die CCIR-Empfehlung 656 die Signalschnittstelle und damit auch die Codierung für die Signalverteilung beschreibt.

Die Standardisierung der analogen Komponentensignale ist auf dem Status eines "EBU Technical Standard" (N 10) für die 625-Zeilen-Norm bzw. eines "SMPTE Draft" für die 525-Zeilen-Norm zum Stillstand gekommen
(Bild 4).

Keine einheitliche Bezeichnung für analoge Komponentensignale

Nicht zuletzt aus diesem Grund gibt es auch erhebliche Schwierigkeiten, eine einheitliche Bezeichnung für analoge Komponentensignale durchzusetzen (Tabelle VI).
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Tabelle VI. Komponentenbezeichnungen

analoge Komponenten digitale Komponenten
-----------------------------------------  
Y, Cr, Cb Y, Cr, Cb
Y, Ecr, Ecb (EBU N 10)  
Y, PR, PB (SMPTE Draft) es existieren keine verbindlichen Bezeichnungen
  für parallele und serielle Schnittstellen
Y C1 C2  
Y, E-Y, B-Y  
Y, Ul, V,  

Im Einflußbereich der EBU ist Cr, Cb bzw. Ecr, Ecb verbreitet, während das 525-Zeilen-Lager die Pr, Pb-Variante bevorzugt. Die anderen Spielarten können ihre Legitimation aus keinem der Standardisierungsvorschläge ableiten.
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Der Unterschied zwischen der 625- und der 525-Zeilen-Norm

Bedingt durch die Entwicklungshistorie gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen der 625- und der 525-Zeilen-Norm:

Die ursprünglich als Schnittstellennorm für ENG-Anwendungen erarbeitete N 10 versteht unter "Komponenten" allein die Kombination von Helligkeitssignal und Farbdifferenzstgnalen, also Y, Ecr, Ecb, während die spätere SMPTE-Norm sowohl die Y, Ecr, Ecb- als auch die R,G,B-Codierung als zulässig ansieht.

3. Signalverteilung mit Hindernissen

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Bild 5. "Durchgängige" und "gesplittete" Videonormen ?

Die Festlegung eines Verteilformats für Komponentensignale im Studio ist das entscheidende Problem bei der Einführung der Komponententechnik.

Bild 5 verdeutlicht dazu nochmals den Unterschied zwischen einer "durchgängigen" Videonorm
für die Bereiche Produktion, Verteilung und Ausstrahlung (also zum Beispiel FBAS) und einer gesplitteten Videonorm (Komponenten).

Für die Verteilung von Komponentensignalen im Studio stehen vier Formate zur Wahl:

  1. analog /parallel,
  2. analog/seriell (S-MAC),
  3. digital/parallel und
  4. digital/seriell.


FBAS ist hier nicht aufgeführt, kann aber in der Einführungsphase für qualitativ weniger relevante Anwendungen (zum Beispiel Monitoring) zum Einsatz kommen.

Die wesentlichen Eigenschaften der verschiedenen Verteilnormen sind in Tabelle VII aufgeführt.
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Tabelle VII. Eigenschaften der Verteilformate für Komponentensignale

Komponentensignale analog analog digital digital
  parallel seriell parallel seriell
1. Kompatibilität        
- FBAS-Kanal -- ++ -- ++
Schalteinrichtungen -- + --- -- (2)
- HDTV-Kanal + -- -- + (1)
Schalteinrichtungen + (1) -- + +
2. Aufwand /Kosten        
- Kanalcodierung + + --- + +
- Übertragungskanal - + -- +
- Kreuzschiene, Verteiler - + - + (2)
3. Qualitätseinbußen        
- systematisch ++ + ++ ++
- potentiell - - + +
4. Handling - - (3) -- +

Nachsatz zu Tabelle VII : (1) Faktor 5 Bandbreitenreserve, (2) technologieabhängig, (3) Probleme resultierend aus vertikalem Bildversatz
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Kompatibilität zu FBAS

Bild 6. SMAC-Signalcodierung

Die Kompatibilität zu FBAS ist dann gefragt, wenn Komponentensignale auf vorhandenen FBAS-Verteileinrichtungen übertragen werden sollen; ein Feature, das gerade in der Einführungsphase der Komponententechnik mit einer großen Zahl von Hybridstudios, also Studios, in denen sowohl FBAS- als auch Komponentensignale verarbeitet werden, von Bedeutung ist.

Diese Anforderung erfüllt, mit Einschränkungen, das analog/serielle S-MAC-Verteilformat (Bild 6).

Die Einschränkung besteht darin, daß Bandbreiten von kleiner 12,5 MHz auf der Übertragungsstrecke zu proportionalen AuflösungsVerlusten im übertragenen Signal führen.
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Erläuterung zu Bild 6.

Signale: Y (+S), Ecr, Ecb
Bandbreite: keine Angabe
Synchronisation: nach CCIR-Empfehlung 624-2
Signalparamete r:  
- elektrisch: 1 Vss an 75 Ohm (einschließlich 0,3 Vss Sync)
- mechanisch: 3 x BNC (oder Dreifachstecker)

Bezüglich einer künftigen Verteilung von HDTV-Signalen im Studio ist bei keinem der vier Formate eine direkte Abwärtskompatibilität gegeben. Lediglich das analoge Parallelformat wäre mit einem Faktor fünf Bandbreitenreserve als Übertragungsmedium für HDTV-Signale geeignet.
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Ein Wort zu den Kosten .....

Der Aufwand bzw. die Kosten für die Signalverteilung können untergliedert werden in die Bereiche

  1. Kanalcodierung (Kanalcoder und -decoder),
  2. das eigentliche Übertragungsmedium (Kabel und Geräteadaption) sowie
  3. Schalt- und Verteileinrichtungen (Kreuzschiene, Verteiler).


Hier ergeben sich eindeutige Vorteile für die seriellen Verteilkonzepte, wobei das S-MAC-Format aufgrund seiner relativ aufwendigen Kanalcodierung gegenüber dem digital/seriellen Signalformat doch erheblich abfällt.
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Gibt es Qualitätseinbußen

Systematische oder verfahrensbedingte Qualitätseinbußen sind bei keinem der vier Verfahren in großem Umfang zu erwarten (Tabelle VIII).
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Tabelle VIII. systematische und potentielle Qualitätseinbußen bei einer Verteilung von Komponentensignalen

  parallel analog seriell analog parallel digital seriell digital
Frequenzgangfehler P P - -
Laufzeitdifferenzen zwischen Y, Ecr, Ecb, P P - -
S/N-Verluste P P - -
Versatz zwischen Bild- und Synchronsignal - S - -
Überschwingeffekte - S - -
Bitfehler - - P P
Ausfall der Synchronisierung - - P P
EMV-Probleme - - P P

Nachsatz zur obigen Tabelle VIII
P ~ potentielle Qualitätseinbußen, s ~ systematische Qualitätseinbußen

Bezüglich potentieller Qualitätsmängel haben die digitalen Systeme aufgrund der besseren Signalreproduzierbarkeit Vorteile im Vergleich zu den analogen Verfahren.
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Jedes der 4 Verteilformate hat Vor- und Nachteile

Als letzter Punkt in der vergleichenden Übersicht ist das Handling angeführt. Darunter fallen zum Beispiel die mechanischen Parameter des Übertragungskanals ebenso wie elektrische Systemeigenschaften, die eine nachfolgende Verarbeitung beeinflussen (vertikaler Bildversatz bei S-MAC).

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß jedes der vier Verteilformate Vor- und Nachteile hat; die meisten Pluspunkte sind in einer Gesamtwürdigung aber dem digital/seriellen Format zuzuschreiben.

Wie in Tabelle VII dargestellt, kann die Technik der Signaldelegation in zwei Problemfelder unterteilt werden: Da ist zum einen das Übertragungsmedium in Form einer Koaxialleitung oder Glasfaserverbindung sowie die eigentliche Gerätetechnik der Schalt- und Verteileinrichtungen.

Die Tabellen IX und X zeigen in zusammengefaßter Form die Zusammenhänge zwischen diesen beiden technischen Parametern einerseits und den im Einsatz bzw. in der Diskussion befindlichen Videonormen andererseits.
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Tabelle IX. Signalverteilung im Studio - Kompatibilität bezüglich des Übertragungsmediums

Verteilstandard Kupferkabel Kupferkabel Lichtwellenleiter Lichtwellenleiter
  einkanalig dreikanalig Multimode Monomode
FBAS X X (X) (X)
Analoge Komponenten - X (X) (X)
Digitale Komponenten        
- 4:2:2 seriell X X X X
- 4 x 4 seriell ? ? ? X
HDTV        
- analog - X (X) (X)
- seriell digital - - ? X
FBAS Highband X X (X) (X)
SMAC X X (X) (X)

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Tabelle X. Signal Verteilung im Studio - Kompatibilität bezüglich der Schalt- und Verteilgeräte

Verteilerstandard Kreuzschienen und Verteiler  
Verteilerstandard analog analog digital digital digital
  (MHz) (MHz) (Mbit/s) (Mbit/s) (Mbit/s)
  10 (15) 30 300 600 1200
FBAS          
- analog X X - - -
- digital - - X X X
Analoge Komponenten X X - - -
Digitale Komponenten          
- 4:2:2 seriell - - X X X
- 4 x 4 seriell - - - X X
HDTV          
- analog - X - - -
- seriell digital - - - - X
FBAS Highband X X - - -
SMAC (X) X - - -

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4. Schnittstellen

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Mit der Einführung neuer Video-Normen und der gleichzeitigen Standard-Diversifikation in Abhängigkeit vom jeweiligen Einsatzgebiet geht eine rasche Zunahme der Video-Schnittstellen einher.

Bezogen auf die Komponententechnik kann man grob zwischen zwei Schnittstellen- kategorien unterscheiden (Bild 7).

  1. Es sind dies einmal die komponenteninternen Schnittstellen, die im wesentlichen den Übergang zwischen unterschiedlichen Schaltungstechniken und Verteilformaten abdecken (zum Beispiel Analog/Digital-Wandler, Serializer für Digitalsignale, MAC-Coder).

  2. Zum zweiten gibt es die Schnittstellen zu anderen Videonormen und hier im besonderen die Schnittstellen zum bestehenden FBAS-System (PAL-Coder/Decoder) sowie das Interface zum künftigen HDTV-Standard (Down-Converter und Up-Converter).

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Bild 7, Videoschnittseilen (a = analog, d = digital)

Erläuterungen zu Bild 7
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  • 1 FBAS-Decoder,
  • 2 FBAS-Coder,
  • 3 4:2:2-Coder
  • 4 4:2:2-Decoder
  • 5 FBAS-Prazisions-Decoder
  • 6 FBAS-Präzisions-Coder
  • 7 D2-Decoder
  • 8 D2-Coder
  • 9 Up-Konverter
  • 10 Down-Konverter
  • 11 HDTV-Digital/Analog-Konverter
  • 12 HDTV-Analog/Digital-Konverter

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Der Problemkreis Videoschnittstellen stellt aus standardisierungspolitischen als auch qualitätsrelevanten Gründen eine interessante und zum Teil auch brisante Thematik dar, die allerdings im Rahmen dieses Beitrags nicht weiter vertieft werden soll.

5. Komponententechnik - Wandel ohne Ende?

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Wird also heute über Komponentensignale in der Videotechnik diskutiert, dann kann man auf einer Reihe von Standards, Defacto-Standards und anderweitigen Festlegungen aufbauen.

Dazu gehören beispielsweise die grundlegenden Parameter der CCIR-Empfehlung 601 ebenso wie die Aufzeichnungsformate der 1/2"-Analog-Recorder. Sehr viele andere Parameter und Einflußgrößen sind aber noch keineswegs ausdiskutiert (wir schreiben das Jahr 1991) oder befinden sich im Zustand einer fortlaufenden Weiterentwicklung.

1991 - Die aktuellen Diskussionsschwerpunkte

Tabelle XI zeigt in schlaglichtartiger Betrachtungsweise die aktuellen Diskussionsschwerpunkte:
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Tabelle XI. Komponententechnik im Wandel (Stand 1991)

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  • • CCIR-Empfehlung 601/656
    - 8 bit -» 10 bit
    - 243 Mbit/s -> 270 Mbit/s
    - Ton und Zusatzdaten im seriellen Datenstrom
  • • 4:2:2-Noxm -» 4:4:4:4-Norm (4 x 4}
  • • Bandbreitenbedarf für 16:9-Bildformat
  • • Zwischenzeilenabtastung -> Progressivabtastung?

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  • und jetzt -» HDTV ???

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Die Forderung nach einer größeren Amplitudenauflösung (10 bit anstelle von 8 bit) kommt aus dem Bereich der Computergraphik. Die CCIR-Empfehlung 601/656 läßt sich in dieser Beziehung leicht nacharbeiten und 10-bit-Equipment ist heute (1991) im Bereich der Signalverarbeitung bereits Stand der Technik (auch wenn bis heute keine Bandmaschine für diese Bitbreite zur Verfügung steht).

Der Übergang von der in der CCIR-Empfehlung 656 festgeschriebenen seriellen Digitalnorm mit 243 Mbit/s auf die 270-Mbit/s-Norm hat dagegen neben der technischen auch eine politische Komponente.

Gegenstand aktueller Standardisierungsbemühungen ist auch die Übertragung von Ton und Zusatzinformationen im seriell-digitalen Videosignal.
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Zukunft und grundlegende Erweiterung der Norm

Eine grundlegende Erweiterung der 4:2:2-Digitalnorm fordern Gerätehersteller und Anwender im Bereich der Videoeffekttechnik und Animation. Der Wunsch geht hier in Richtung höherer Chrominanzauflösung (4:4:4) zur Vermeidung von Aliasstrukturen bei Stanz-Vorgängen (zum Beispiel Chromakey) und einem zusätzlichen Kanal für Key-Signale (4:4:4:4).

Ein ganz aktuelles Thema im Rahmen der PAL-plus-Überlegungen ist der Bandbreitenbedarf für 16:9-Anwendungen sowie die Vor- und Nachteile im Zusammenhang mit der Einführung neuer progressiv und/oder hochzeiliger abtastender Produktionsstandards.

Da die damit aufgeworfenen Fragen aber vielmehr die Grundlagen von Medien- und Industriepolitik ansprechen als die Grundlagen der Videokomponententechnik, sei darauf nicht weiter eingegangen.
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Ein Artikel von Dipl.-Ing. Hans-Peter Richter von der Broadcast Television Systems GmbH (BTS) in 1991
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