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Ein Artikel aus Schneider-Kreuznach Hausmitteilungen 1959-74

Zu den Hausmitteilungen des Dr. Klarmann geht es hier lang. Die Schneider Kreuznach Hausmitteilungen gab es von 1949 bis 1974. Uns liegen sie leider erst ab 1959 vor. Die Inhalte sollten das Haus Schneider /ISCO nicht verlassen, so jedenfalls stand es fast immer hinten drauf.

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50 JAHRE Jos. Schneider & Co. • Optische Werke

Von J. Buscher, Bad Kreuznach (Mit 9 Abbildungen)
"Im Sinn der Arbeit steckt mehr Rentabilität als in ihrem Ertrag" - H. Kasper

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Zurück aus Amerika nach Bad Kreuznach

Mit 35 Jahren kehrte der 1855 in Bad Kreuznach geborene Josef Schneider aus den Vereinigten Staaten von Amerika, wohin er in jungen Jahren ausgewandert war, in seine Vaterstadt zurück.

Er hatte in Marion, Iowa, dann in Springfield, Ohio, eine Brauerei mit seinen Brüdern August und Karl betrieben und sich durch seinen Fleiß und seine kaufmännische Begabung ein ansehnliches Vermögen erworben. Er galt als geachteter Bürger Springfields und stellte seine Kraft auch dem Allgemeinwohl zur Verfügung. Seine Mitarbeit im Stadtrat von Springfield wurde sehr geschätzt. Dieser Wesenszug, für seine Mitbürger tätig zu sein, war ein hervorragendes Charaktermerkmal Josef Schneiders.

Auch in Bad Kreuznach wirkte er bald nach seiner Rückkehr im öffentlichen Leben als Stadtverordneter und ehrenamtlicher Beigeordneter. Für seine Verdienste wurde er zum Ehrenbürger ernannt. Eine Straße seiner Vaterstadt trägt seinen Namen. In Bad Kreuznach widmete sich Josef Schneider zunächst dem landschaftsbedingten Weinbau. Er erwarb ein geeignetes Gebäude mit Kellereianlagen und dazu das erforderliche Weinbergsgelände.

Sein Sohn Josef August (begoren 1888)

Sein 1888 in Amerika geborener Sohn Josef August wuchs in diesem durch die weltweite Offenheit geprägten Lebenskreis auf. Seine Interessen lagen aber mehr auf wissenschaftlichem Gebiet als auf Weinbau und Weinhandel.

Nach dem Besuch des Gymnasiums hatte sich Josef August Schneider an der Universität Frankfurt/M. mit Problemen der Optik befaßt und sein Bestreben, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu verwerten, führte zu einem Patent. Dies veranlaßte den Vater, die Möglichkeiten zu untersuchen, welche die Photographie und Kinematographie zur praktischen Ausnutzung bot.

Abb. 1. Josef Schneider (1855 bis 1933)

Nach sorgfältig geplanten Vorbereitungen gründete Josef Schneider (der Vater) am 18. Januar 1913 die Firma „Optische Anstalt Jos. Schneider & Co", die mit 20 Arbeitskräften die Herstellung photographischer Objektive aufnahm.

Zuerst wurde ein Teil des Kellereigebäudes als Werkstatt benutzt. Mit dem Wachsen des Unternehmens erwies sich dieser Raum jedoch bald als zu klein, so daß weitere Bauten auf dem in der Nähe liegenden eigenen Weinbergsgelände errichtet werden mußten. Emsige Arbeit, kaufmännischer Weitblick und wirtschaftliches Handeln waren die Grundlagen für dieses rasche Wachsen des Unternehmens.

Der 1. Weltkrieg

Die so hoffnungsvoll begonnene Entwicklung wurde nach kaum einem Jahr durch den ersten Weltkrieg unterbrochen. Die Fabrikation mußte auf Parabolspiegel und sonstige Ausrüstung für den Heeresbedarf umgestellt werden.

Nach Kriegsende wurde die Herstellung von Objektiven für alle Zwecke der Photographie wieder aufgenommen. Anknüpfend an die Vorkriegsbeziehungen zu den Kamerafabriken gelang es, innerhalb kurzer Zeit in steigendem Maße auf dem Markt bekannt zu werden.

1933 - Josef Schneider (Vater) im Alter von 79 Jahren gestorben

Im Jahre 1933 schloß Josef Schneider im Alter von 79 Jahren die Augen und sein Sohn Josef August übernahm die alleinige Leitung des Unternehmens. Zunächst galt es nun, in einer durch die politische Entwicklung veränderten Welt die Geschäftsverbindungen im In- und Ausland auszuweiten.

Im Jahre 1936 wurde eine Tochterfirma in Göttingen gegründet.
Sodann stand die Verlegung des gesamten Unternehmens in ein weiträumiges Industriegelände bevor, da auf dem bisher benutzten Grundstück keine Ausdehnungsmöglichkeiten bestanden. Seit 1934 bis in die letzten Einzelheiten geplant, wurde in zweijähriger Bauzeit 1936-1938 das neue Werk in der Ringstraße erstellt. Durch beispielhaften Einsatz der gesamten Belegschaft konnte der Umzug ohne Einbuße in der Produktion durchgeführt werden.

Der 2. Weltkrieg

Wie gut waren nun die Aussichten, in zweckmäßigen und modernen Räumlichkeiten zu arbeiten. Doch zeichneten sich wieder am politischen Horizont Verwicklungen ab, die im Jahre 1939 den Ausbruch des zweiten Weltkrieges zur Folge hatten.

  • Anmerkung : Das mit den verursachenden Problemen des Kriegsausbruchs 1939 war wieder mal geschickt durch die Blume formuliert, um ja nirgendwo anzuecken. Wir sind noch im Jahr 1960 und der Staatsanwalt Fritz Bauer aus Frankfurt hatte sehr sehr große Mühe, den Eichmann Prozess anzukurbeln. Zu viele alte Akteure und Mitläufer saßen immer noch in den höchsten Positionen und schossen aus allen Rohren, um das zu unterminieren.


Wieder mußte, wie schon einmal vor 25 Jahren, die Fabrikation umgestellt werden. Krieg und Nachkriegszeiten mit allen bekannten Begleiterscheinungen und der zunächst durch die Zonengrenzen erschwerte oder sogar verhinderte Kontakt mit den Kamerafabriken erforderten große Anstrengungen, um die Substanz des Unternehmens zu erhalten.

1950 - Josef August Schneider (der Sohn) verstroben

Als Josef August Schneider 1950 starb, hinterließ er ein Werk, das nicht nur alle Fährnisse der Zeit überstanden hatte, sondern noch leistungsfähiger geworden war.

Seine Gattin, Frau Senator Grete Schneider, führte die Firma in seinem Sinne weiter. Die wissenschaftlich-technische Grundlage der Fabrikation wurde durch die Anschaffung elektronischer Rechenautomaten auf eine breitere Grundlage gestellt und die Werkstätten durch stete Modernisierung des Maschinenparks den Erfordernissen der Technik angepaßt.

Die Leitung dieses Unternehmens erforderte in immer größerem Maße vorausschauendes Denken und überlegtes Handeln. Frau Senator Grete Schneider fand hierbei in ihrem Sohn Hans Joseph, der heute (wir sind noc in 1961) Mitinhaber der Firma ist, einen treuen Helfer. Mit ihm tritt nun die dritte Generation an die Spitze des Unternehmens.
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Ein Blick auf die Schneider-Objektive

Die Schneider-Objektive haben sich in den vergangenen 50 Jahren einen nicht mehr wegzudenkenden Platz erorbert. In der Fachwelt und bei den Amateuren sind sie zu einem Begriff für Qualitätsarbeit und fortschrittliche technische Entwicklungen geworden. Markennamen wie

  • XENON,
  • XENAR,
  • XENOTAR,
  • RADIONAR,
  • ANGULON,
  • TELE-XENAR,
  • SYMMAR,
  • COMPONAR,
  • COMPONON und
  • VARIOGON


sind heute in der ganzen Welt bekannt.

In 50 Jahren eine völlig veränderte Welt

In dieser Schilderung der 50jährigen Entwicklung des Hauses Schneider konnte nur eine gedrängte Übersicht über das Werden und Wachsen des Unternehmens gegeben werden. Wie hat sich in dieser Zeit die Welt verändert!

Als die Firma gegründet wurde, war die Photographie noch ziemlich im Anfang ihrer Entwicklung. Heute ist man um viele Erkenntnisse reicher geworden, über die rein bildmäßige Ausnutzung der Objektive hinaus werden diese jetzt für wissenschaftliche und technische Zwecke verwendet, sei es z. B. in Kernreaktoren oder beim Fernsehen.

Sogar ein Astronaut hat jüngst Aufnahmen des Weltraumes mit einem Schneider-Objektiv gemacht. Doch ist das nur eine Perfektion der Technik. Die schöpferische Leistung des Hauses Schneider liegt trotz aller Achtung vor dem erfinderischen Geist in dem Entschluß der Gründer, sich auf dem ihnen zunächst unbekannten Gebiet der Objektivherstellung zu betätigen.

Sie wollten nicht der Technik dienen, sondern sich ihrer bedienen zum Nutzen und zur Freude ihrer Mitmenschen.

Josef Schneider - ein Haus für Forschung und Technik

Unermüdlich geht im Hause Schneider die Arbeit in Forschung und Technik weiter, sorgfältig wird auf kaufmännischem Gebiet geplant und gehandelt. Mit Zuversicht geht die Firma Schneider der Zukunft entgegen und vertraut darauf, daß es ihr vergönnt sein möge, in friedlichen Zeiten das ihre dazu beizutragen, allen Menschen, die in der Photographie und deren Anwendungsgebieten ihren Beruf sehen oder sie zu ihrer Freude ausüben, die besten Objektive zur Verfügung zu stellen.
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Abb. 2. Josef August Schneider (1888 bis 1950)
Abb. 3. Titelseite des ersten Patentes von Josef August Schneider
Abb. 4. Die ersten Werkstätten der „Optischen Anstalt" in der Stromberger Straße
Abb 5. Erweiterungsbauten in der Hofgartenstraße 6
Abb. 6. Frau Senator Grete Schneider
Abb. 7. Hans Joseph Schneider
1920 1925 1930 1935 1940 1945 1950 1955 1960 1965 Abb.>8. Die Objektivproduktion der Optischen Werke Jos. Schneider & Co.
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Der Vortrag von Hans Joseph Schneider am 4.9.1963

50 JAHRE Jos. Schneider & Co. Optische Werke

Am 4. September 1963 fand im Kurhaus zu Bad Kreuznach eine offizielle Feier zum 50jährigen Bestehen unseres Hauses statt. Im folgenden bringen wir von den dort gehaltenen Ansprachen die des Herrn Hans Joseph Schneider und die des Betriebsratsvorsitzenden Herrn Willy Bechtoldt.
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Herr Regierungspräsident, meine hochverehrten Damen und Herren!

Im Namen der Familie und der Firma Schneider begrüße ich Sie alle auf das herzlichste zu unserem 50. Geburtstag im Kurhaus von Bad Kreuznach. Sie sind in so großer Zahl gekommen, daß wir daraus Ihre Verbundenheit mit uns mit Dankbarkeit empfinden.

Sie werden Verständnis dafür gehabt haben, daß wir dieses Jubiläum nicht in einer Zeit abhalten wollten, in der sozialpolitische Spannungen das Jubiläum eines Hauses doch eigenartig hätten erscheinen lassen, das in 5 Jahrzehnten weder einen Lohnstreik noch eine Aussperrung gekannt hat.

Ihre große Anzahl macht es dem Redner aber auch nicht leicht, eine gerechte Form der Begrüßung zu finden. Ich bitte deshalb von vornherein um Generalpardon, wenn ich nur einige wenige offizielle Vertreter hier begrüßen kann.

Ich begrüße an der Spitze den Herrn Regierungspräsidenten Dr. Schmitt und danke ihm für sein Kommen. Seine Anwesenheit zeigt uns die Verbundenheit der Landesregierung mit der Wirtschaft und mit unserem Hause.

Ich begrüße weiter Herrn Landrat Graf, den Herrn Oberbürgermeister der Stadt Bad Kreuznach, unseren Stadtvater Herrn Dr. Muhs, und den Herrn Präsidenten der Industrie- und Handelskammer, Herrn Dr. Barth.

Es ist mir eine große Freude, daß seine Magnifizenz, der Rektor der Technischen Hochschule Braunschweig, Herr Prof. Dr. Kroepelin, heute den Weg zu uns gefunden hat, seien auch Sie uns herzlichst mit Ihrer Gattin willkommen.

Ich freue mich weiter, den Herrn Vorsitzenden unseres Verbandes der feinmechanischen und optischen Industrie und Vizepräsidenten des Verbandes der deutschen Industrie, Herrn Prof. Dr. Rodenstock, bei uns willkommen zu heißen.

Mein weiterer Gruß geht an den Vorsitzenden des Vereins der Metallindustriellen Herrn Dr. Caemmerer und an das Vorstandsmitglied der IG-Metall Herrn Philippi. Ich begrüße weiter sehr herzlich den Vorsitzenden des Photo- und Kinohändlerbundes, Herrn Prien, und den Vertreter des Vorsitzenden des Vereins der deutschen photographischen Industrie Herrn Dr. Kindermanns, Herrn Ernst.

Ein besonderer Gruß gilt der Presse, sowohl der einheimischen wie der Fachpresse und der Wochenschau, die deutlich sichtbar unter uns ist und dem Funk. Die große Zahl unserer Abnehmer macht es mir leider nicht möglich, auch Sie alle persönlich und einzeln zu begrüßen.

Aber ich möchte an den Anfang meiner Ausführungen den herzlichsten Dank aller Mitarbeiter an unsere Kunden stellen, deren Vertrauen in uns während ihrer Kameraentwicklungen und deren Zutrauen zu unserer Qualitätsarbeit mit eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die Entwicklung der Firma Josef Schneider gewesen ist.
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Meine Damen und Herren,

ich bin sehr oft gefragt worden, wie es eigentlich dazu kam, daß ausgerechnet in Bad Kreuznach, in einem von der Landwirtschaft und vom Weinbau her bestimmten Gebiet, eine technisch so spezialisierte Fabrikation entstanden ist.

Manche glaubten, daß vielleicht durch die Edelsteinschleifereien in Idar-Oberstein eine Verbindung bestünde, andere waren der Annahme, daß vielleicht die ehemalige Glashütte in Kreuznach, die etwa um die Jahrhundertwende fast so viele Menschen beschäftigt hat wie wir heute, eventuelle Beziehungen zu uns darstellt; alles dies ist nicht der Fall.

Wir haben hier den vielleicht seltenen Fall, daß in einem Gebiet eine vollkommen branchenfremde Industrie entstanden ist durch zwei Menschen, von denen der ältere, mein Großvater Josef Schneider, mit reichen kaufmännischen Erfahrungen aus den Vereinigten Staaten, aber auch mit der nötigen Härte gegenüber sich und gegenüber seinen Mitarbeitern in der Pflichtauffassung kam und meinen Vater Josef August Schneider, der an der Universität Frankfurt am Main sich für die angewandte Optik interessierte und schon 1910 ein Patent erhielt, das dann später zu der Entscheidung führte, die Herstellung von photographischen Objektiven aufzunehmen. Das war 1913.

Meine Damen und Herren,

die Zeit reicht nicht aus, Ihnen die Firmengeschichte hier, wenn es auch nur im Zeitraffertempo wäre, im einzelnen darzulegen.

Aber allein schon aus der Zahl 1913 werden Sie ersehen, daß wir in außerordentlich schwere Zeiten hineingekommen sind. Kaum, daß das Unternehmen gegründet war, damals mit 20 Mitarbeitern, von denen die Fachleute aus dem süddeutschen, aus dem Münchner Raum kamen, brach der 1.Weltkrieg aus und ihm im Gefolge eine Teilzerstörung der Maschinen, dann die Inflation, und eigentlich erst danach begann eine systematische Erweiterung des Unternehmens und die Festigung der eingegangenen Kontakte zu unseren Kunden.

Es ist vielleicht eine Tragik in diesem Hause, daß zweimal die beiden an der Gründung beteiligten Inhaber den Zeitpunkt des Aufwärtsgehens nur kurz oder gar nicht erlebt haben. Es war nach den Krisenjahren 1931 und 1932, als der Umsatz des Hauses auf ein Drittel des vorherigen zurückgefallen war, mein Großvater, der 1933 starb, und es war mein Vater 1950, der nach den schweren Jahren 1945 bis 1947 mit den Demontagen und all den Dingen eigentlich nur ein halbes Jahr den endgültigen Wiederaufbau miterleben durfte.

Wir haben in den Jahren zwischen den beiden Kriegen 1935 aus zum Teil militärgeographischen Überlegungen heraus die Gründung eines Tochterunternehmens in Göttingen vorgenommen, ein Unternehmen, das heute unter der Firma ISCO 600 Mitarbeiter zählt, und in Bad Kreuznach ist der Betrieb von 20 auf über 1200 Mitarbeiter angewachsen.

So zeigt diese Entwicklung, und wir Jüngeren wollen es mit Dankbarkeit aussprechen, daß der Weg, den die Gründer beschritten, in dem eine Belegschaft, die an ihnen hing, von Erfolg gekrönt war und daß es unsere Aufgabe ist, auf diesem Wege weiterzuschreiten.
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Gedanken über die Zukunft machen

Aber ein Tag wie der heutige ist nicht nur für den Blick nach rückwärts, sondern man muß sich auch Gedanken machen über die Zukunft. Es waren 3 Dinge von wesentlichem Einfluß, die die Entwicklung bestimmten:

Erstens war es der Entschluß der ausschließlichen Herstellung von photographischen Objektiven in der Rolle des Zulieferanten der Kameraindustrie mit entsprechend großem Entwicklungsvolumen und entsprechender Breite von Typen und Anwendungsbereichen.

Zum zweiten war von tiefem Einfluß die extrem technisch-wissenschaftliche Natur des Produkts und durch sie bedingt die Investitionen, die Personalpolitik und anderes.

Die dritte Wurzel aber war die stark persönliche Note, die die Inhaber dem Unternehmen gaben. Vielleicht, daß der genius loci hier etwas hereinspielte. Die geglückte Kombination jedoch, mit der die Gründer die Menschen in ihrer Mitarbeit streng fordernd und zugleich menschlich versöhnend ansprachen, hat als gutes Klima des Hauses auf die Art des Zugehörigkeitsgefühls und auf die Produktion und damit auf das Produkt eine tiefe Wirkung gehabt.

Wir sind uns durchaus bewußt, daß heute gewissermaßen in einer geänderten Form der patriarchalischen Betriebsführung die neue Führungsgeneration einen Teil des Dankes an die Verstorbenen nur darin abstatten kann, daß sie das Zeitlose und immer Wahrhaftige des damaligen Beispiels in die Formen gießt, die unsere Zeit langsam und unaufhaltsam entwickelt.

Gerade in Zeiten vermehrten Wettbewerbs, dann, wenn nicht mehr, um ein Beispiel aus dem Rennen zu bringen, der gleichgute Wagen sondern das bessere Team dahinter entscheidet, dann wird deutlich, wie groß diese nicht quantitativ bestimmbare Substanz ist, die in einem Betrieb wohnt und die man niemals kaufen kann.

Die Zukunft habe ich genannt.

Die Zukunft, meine Damen und Herren, beginnt jeden Tag. Gesehen von der Gesamtheit her schrumpft die Welt. Durch Wegfall von Grenzen bilden sich in Zentraleuropa große gewaltige Märkte. Vielleicht ist es die letzte große Chance, diesen Kontinent in Partnerschaft, aber auf eigenen Füßen, neben den Blöcken bestehen zu lassen. Vielleicht, im letzten ist es eine politische nicht so sehr ökonomische Frage.

In der Wirtschaft aber wird das Rennen um diese neuen Absatzgebiete gerade für Deutschland durchaus zwei Seiten haben. Nicht auf den Absatzzuwachs allein, sondern auf die verschärften zwischen den Nationen durch unterschiedliche Gesetzgebung in Wirkung auf das Kostengefüge der Volkswirtschaften verschiedenen Verhältnisse heißt es sich einstellen.

Ist dies die ökonomisch-technische, so gesellt sich ihr gleich auch die menschliche Seite zu. Diesem geänderten, wie wir hoffen für alle günstigeren Wirtschaftsgefüge, müssen wir mit allen, vielleicht mit ganz neuen Mitteln das erhalten, was Deutschlands Ansehen in der Welt verschafft hat: unsere Qualität.

Alle in unserem Hause bemühen sich darum, jeder weiß, daß das keine leichte Sache ist. Wenn zu ihr, die uns groß gemacht hat, die Ergebnisse einer verstärkten Entwicklung treten, dann kann man getrost den kommenden Jahren entgegensehen. Es wird aber, und das sei hier offen ausgesprochen, auch darauf ankommen, daß Deutschland in seiner Wettbewerbsfähigkeit mit den anderen Mitbewerbern in Europa gleichgestellt wird.

In der Behandlung der Entwicklungskosten ist dies ebenso wichtig wie bei der Modernisierungsgeschwindigkeit der Produktionsanlagen. Gerade im Zeitalter der Automation ist die wettbewerbsnotwendige Modernisierungsgeschwindigkeit mit dem bisherigen Instrumentarium der Fiskalpolitik einfach nicht mehr zu fassen und verlangt nach neuen Formen.
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Die Zukunft in einem großen Wirtschaftsraum

Diese Zukunft in einem großen Wirtschaftsraum gesehen ist aber auch vom Produkt her, von der Branche, voller Reize, um nicht Abenteuer zu sagen. Die optische Abbildung von Gegenständen und Vorgängen dieser Erde geht in ihrem Umfang und in ihrer Vielfältigkeit mit der wissenschaftlichen und technischen Potenz der modernen Naturwissenschaften, und gerade da hat man manchmal den Eindruck als stünden wir erst am Anfang.

Nicht nur, und das wäre vielleicht die grandioseste Rechtfertigung der Technik überhaupt, nicht nur, daß sie über die Existenzangst den Krieg ad absurdum zu führen im Begriff ist, tagtäglich wächst in ihr die Photographie in einem nicht geringen Ausmaß.

Ich habe mir manchmal die Frage nach dem Warum gestellt. Ich glaube, zu viel Flüchtiges kommt auf uns zu, zu viele Eindrücke beanspruchen unsere Augen und unsere Nerven.

Nicht die servierte, sondern die selbst entdeckte Welt gewinnt wieder an Reiz, parallel zu den Entdeckungen, die in der Forschung gemacht werden, parallel zu den technischen Anwendungsgebieten, die eine optische Sicherung oder Überwachung im Zeitalter der Massengesellschaft geboten erscheinen läßt.

Es ist vielleicht einmal ganz reizvoll, leider nur zu zeitraubend, sich zu verdeutlichen, was unsere 8 Millionen Objektive in dieser Welt alles gesehen haben: Leid und Glück. Die Erinnerung an Edward Steichens Ausstellung „The family of men" kommt hier auf. Größte Zerstörung auf dieser Erde und dann den langsamen Aufbau in den letzten Jahren seit 1945.

Indem die Welt kleiner wird, indem die Menschen häufiger und unmittelbarer miteinander konfrontiert werden, erhält das Abbild die Rolle einer Sprache. Unsere Photographie redet wieder zu den Menschen wie zu Daguerres Zeiten. An diesier Zukunft mitzuwirken, sie mit unseren immer besser werdenden Augen zu begleiten, schicken wir uns an, mit Ihnen, meine verehrten Damen und Herren, in das neue halbe Jahrhundert zu gehen.

Möge es ein Gutes sein, für Sie, für uns, für eine gespaltene Welt, in der viele gequälte Menschen auf den Frieden warten.
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Herr Willy Bechtoldt ergreift das Wort

Sehr verehrte Frau Schneider, sehr geehrter Herr Schneider, werte Damen und Herren!

Im Namen unserer Belegschaft darf ich Ihnen als Betriebsratsvorsitzender zum 50jährigen Bestehen unseres Werkes die besten Wünsche überbringen. So wie man die Schöpfer großer Werke der Musik, Literatur und Malerei in Dankbarkeit verehrt, weil sie das Leben der Menschen durch ihre Taten bereichert haben, so wollen auch wir heute der Männer gedenken, die ebenfalls eine große Leistung vollbrachten, indem sie unser Werk gründeten, das in zweierlei Hinsicht segensreich wirkt.

Einmal bietet es für viele Menschen Beschäftigung und damit die wirtschaftliche Grundlage für deren Leben und das ihrer Familien, und darüber hinaus dient unser Werk durch seine Erzeugnisse dem Nutzen der Menschheit und zur Bereitung von Freude.

Aller Anfang mit Josef Schneider

Der eigentliche Gründer der Optischen Werke, Josef Schneider, wurde von seinem Sohne Josef August Schneider, dessen Interessen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Optik beruhten, veranlaßt, photographische Objektive herzustellen.

Diese hoffnungsvolle Entwicklung wurde durch den 1. Weltkrieg unterbrochen. Die Fabrikation mußte umgestellt werden. Erst 1918 wurde die Produktion von photographischen Objektiven wieder aufgenommen. Was auch immer gewesen sein mag, der Weg unseres Hauses war kein leichter. Weltkriege, Inflationen, wirtschaftliche Katastrophen und politische Wirren waren Klippen, durch die das Schifflein hindurchgesteuert werden mußte; dazu Aufbau, Umbau, Neubau.

Das waren die steten Begleiterscheinungen unseres ständig wachsenden Werkes. Doch der Gründer unseres Werkes, Ihr verehrter Schwiegervater und Großvater, Herr Josef Schneider, Ehrenbürger seiner Vaterstadt Bad Kreuznach, verstand es immer wieder, durch seine weltweite Erfahrung und die Ausgewogenheit seines Urteils im richtigen Augenblick das Richtige zu tun zum Wohle unserer Firma.
1933 schloß er die Augen für immer.

Sein Sohn Josef August Schneider übernahm die alleinige Leitung des bereits Weltruf genießenden Unternehmens. Er erkannte die Notwendigkeit, sein Wissen zu erweitern und verstand es, die daraus resultierenden Erweiterungen und Veränderungen seiner bisherigen Vorstellungswelt in der praktischen Arbeit anzuwenden.

Seine außergewöhnliche Persönlichkeit und sein großes menschliches Verstehen gaben ihm immer wieder die Kraft durch innerliches Verbundensein mit seiner Belegschaft, Neues und Großes zu schaffen. Nur so war es möglich, das neue Werk in der Ringstraße zu erstellen, das Tochterwerk in Göttingen zu gründen.
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Und wieder begann ein Krieg

Doch bereits im Jahre 1939 zeichneten sich schon wieder schwarze Wolken am politischen Horizont ab. Der 2. Weltkrieg begann: Wieder Umstellung der Produktion bis zum völligen Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft. Viele vergessen heute, daß am Anfang des Wirtschaftswunders der Wiederaufbau stand, daß der schaffende Mensch unter vielen Opfern und Entbehrungen sein Bestes gab, um unser Werk wieder in Gang zu bringen.

Es erforderte große Anstrengungen, unser Haus in seiner Substanz zu erhalten. Als Herr Josef August Schneider im Jahre 1950 für immer von uns ging, übernahm seine Gattin, Frau Senator Grete Schneider, die schwere Verantwortung und führte in seinem Sinne die Firma weiter. -

In weiser Voraussicht im Denken und Handeln fand Frau Schneider in ihrem Sohne Hans Joseph Schneider einen treuen Mitarbeiter und Helfer. Mit ihm tritt die 3. Generation an die Spitze des Unternehmens.

Wir als Belegschaft erkennen dankbar an, daß in unserem Hause die menschlichen und sozialen Belange immer Berücksichtigung gefunden haben. Wir können nur hoffen und wünschen, daß dies auch in Zukunft so sein möge. In diesem Sinne geloben wir: Füreinander und miteinander zum Wohle unseres Hauses und uns allen!
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