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Ein Buch über die "Bogenlicht-Kohle" im Kino (1950)

Das sind neue Kino-Kohlen

von Gert Redlich im Mai 2017 - Dieses Büchlein stammt aus den Jahren 1940 bis 1950, als die damaligen Kinos in unglaublicher Blüte standen und Traumergebnisse und Traumumsätze einfuhren. Niemand konnte sich damals vorstellen, daß das gesamte Kinowesen bereits über dem Zenith gekommen war und die Filmproduzenten sich etwas einfallen lassen mußten. Dieser Einfall hieß extremes Breitbild und das neue Format "Cinemascope" von 1953 kristallisierte sich als das gängigste Breitwand-Format heraus. Da hiervon in dem Büchlein noch nichts zu lesen steht, ist die Datumsangabe von1950 realistisch.

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8. Kohlen für Bühnenscheinwerfer und Film-Aufheller

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A. Reinkohlen

Reinkohlen werden in Bühnenscheinwerferlampen benutzt, die der Vorfeld-Beleuchtung oder Personen-Verfolgung dienen. Die für die Kinoprojektion übliche Kohlepaarung Vega/Gamma S ist für diese Zwecke weniger geeignet, da verhältnismäßig große Durchmesser bei kleiner Querschnittsbelastung zur Verwendung kommen. Um einen möglichst ruhig brennenden Lichtbogen zu erhalten, ist eine Negativ-Kohle mit Docht vorgesehen. Der Docht verhütet ein Wandern des Bogens auf der Negativ-Spitze, die sich bei den in Bühnenscheinwerfern üblichen Stromstärken ziemlich flach ausbildet.

Tabelle 11 - Reinkohlen für Bühnenscheinwerfer

Ampere Positiv: Vega Negativ: Gamma D
40-50 20 14
50-60 22 15
60-70 23 16
70-80 24 17
80-100 27 19

Diese Paarungen sind vorwiegend für Scheinwerfertypen mit Sammellinse bestimmt. Für kleine Spiegel-Scheinwerfer sind Kinoprojektionskohlen nach Tabelle 1 zu verwenden.

B. Beckkohlen

Beckkohlen, die ein besonders intensives, weißes Licht abgeben, verwendet man in Film-Aufheller-Lampen. Die günstigsten Paarungen Sola Effekt R 156 und Gamma D (beide Kohlen verkupfert) sind in der folgenden Tabelle 12 angegeben.

Tabelle 12 - Beckkohlen für Film-Aufheller

Stromstärke A Sola Effekt R Gamma D
40-60 10 8
60-80 14 10
80-100 16 11
100-120 18 12
120-160 22 14
160-175 25 15
175-250 30 18
250-300 34 20

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9. Allgemeine Winke für die Praxis

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Kraterprojektion

Abb. 046
Abb. 047

Die Kontrolle des richtigen Kohleabstandes, die der Vorführer in früheren Zeiten mit einem Blick durch das rote Fenster des Lampenhauses vornahm, erfolgt heute fast ausschließlich durch Krater-Reflektoren. Durch ein optisches System wird eine vergrößerte Abbildung der Kohlespitzen auf einem kleinen Projektionsschirm entworfen, der an der Stirnseite des Bildwerferraumes in der Nähe der Schauöffnung angebracht wird.

Auf diesem Schirm, der etwa die Größe einer Postkarte hat, kann die richtige Stellung der Kohlespitzen markiert werden. Zweckmäßig verwendet man einen für diese Zwecke geschaffenen Vordruck mit Fadenkreuz (Abb. 46 und 47).

Anwendung des Fadenkreuzes

Die senkrechte Achse gibt die richtige Stellung der Positiv-Kohle an. Die Grenzstellung der Negativ-Kohle wird mit einem Bleistift- oder Federstrich markiert. Vorausgesetzt, daß die Kohlehalter gerade sind, was bei neuen Lampen stets der Fall sein dürfte, erscheinen die Abbildungen der Kohlespitzen in Bezug auf die Horizontal-Achse des Kreuzes immer an der gleichen Stelle.

Abweichungen können nur dann vorkommen, wenn z. B. ungenaue Kohlespaare oder ungerade Kohlen verwendet werden. Steht also nach dem Zünden der Lampe die Positiv-Spitze nicht mehr symmetrisch zur Horizontal-Achse, sondern tiefer oder höher, so ist das ein Hinweis für den Vorführer, daß der Spiegel der Lampe in der Höhenrichtung verstellt werden muß, damit der Strahlenkegel konzentrisch auf das Bildfenster fällt.

Anwendung des Fadenkreuzes bei Winkelstellung der Kohlen

Die senkrechte Achse gibt die Grenze für die Oberkante des Positiv-Kraters an. Der untere Kraterrand liegt auf der Horizontal-Achse. Im Kreuzmittelpunkt steht die Negativ-Spitze. Kommen Höhenabweichungen der Positiv-Spitze durch Sparhalter oder ungerade Kohlen vor, so denke man sich die Horizontal-Achse immer durch den unteren Kraterrand gehend und setze die Negativ-Spitze entsprechend höher oder tiefer (Abb. 47). Eine richtige sinngemäße Anwendung des Krater-Reflektors bedeutet einwandfreien Kohleabbrand und gute Schirmbeleuchtung.

Kohlenlagerung.

Kinokohlestifte bestehen aus einem Material, das leicht Feuchtigkeit aufnimmt, wodurch besonders die Eigenschaften der Positiv-Kohle grundlegend verändert werden.

Aufnahme von Wasser beim Transport oder bei der Lagerung haben einen unruhigen Abbrand, bei Beckkohlen explosionsartiges Ausblasen von Dochtmasse zur Folge.

Es ist also darauf zu achten, daß Kinokohlen in vollständig trockenen Räumen aufbewahrt werden. Es ist vielfach Sitte, daß ein Kohlepaar im Lampenhaus liegt und während der Vorstellung auf diese Weise bis zum Gebrauch angewärmt wird. Sendungen von Effekt-Kohlen, deren Packkarton beim Transport zum Kunden durchnäßt worden ist, sind zu beanstanden, da die Kohlen nicht mehr gebraucht werden können.

Lüftung des Lampenhauses

Der elektrische Lichtbogen zwischen zwei Kohleelektroden erzeugt in geringen Mengen Stickoxyd und Kohlenoxyd; das sind Gase, deren Einatmen in größeren Mengen gesundheitsschädlich wirkt.

Aus diesem Grunde muß laut polizeilicher Vorschrift jedes Lampenhaus mit einem ins Freie führenden Abzugsrohr versehen sein. Eine zu starke Zugwirkung ist natürlich unerwünscht, da hierdurch der Lichtbogen unruhig wird und flackert.

Eine zu geringe Absaugewirkung läßt sich bei Reinkohlen mit dem Auge nicht feststellen, da die genannten Gase farblos und damit unsichtbar sind.

Beckkohlen entwickeln beim Brennen die gleichen Gase wie Reinkohlen. Außerdem steigt aber ein sichtbarer blauer Rauch hoch. Das ist die Asche der im Positiv-Krater verdampfenden Leuchtsalzteilchen, die durch die aufsteigende Heißluft mitgenommen wird. Bei ungenügender Zugwirkung des Kamins tritt dieser blaue Rauch seitlich, oben oder unten aus dem Lampengehäuse aus. Man erkennt daran z. B. sofort die schlechte Belüftung einer bisherigen Reinkohlen-Lampe.

Bei Beckkohlen muß die Zugwirkung unter allen Umständen verbessert werden, da sich andernfalls im Laufe der Zeit an den Wänden, an den Maschinenteilen oder im Verstärker weißblaue Niederschläge von Effektsalzasche bilden.

Das Arbeiten mit Beckkohlen ist demnach ganz ungefährlich. Es entstehen auch keine giftigen Kupfergase, wie von ängstlichen Gemütern vielfach befürchtet wird. Dort, wo Beschwerden auftraten, handelte es sich stets um Bildwerferräume, in welchen die Abzugsrohre fehlten und die Raumbelüftung schlecht war, was natürlich auch beim Betrieb mit Reinkohlen schädlich ist.

Lichtbogenberuhigung durch Blasmagnet

Abb. 048
Abb. 049

Bei der Beschreibung der Becklampen wurde der sogenannte Blasmagnet erwähnt. Dieser kann in vielen Eällen auch für Reinkohle-Lampen erforderlich sein, um dem Vorführer die Bedienung derselben zu erleichtern. Er soll daher in den folgenden Zeilen näher erläutert werden.

Jeder elektrische Leiter, der von einem Strom durchflossen wird, ist von einem konzentrischen magnetischen Feld umgeben. Der Kraftlinien verlauf bei Kinolampen geht aus Abbildung 48 hervor.

Das magnetische Feld beeinflußt die Richtung des Lichtbogens, der ja ein beweglicher Leiter ist, um so stärker, je höher die Stromstärke ist. Bei Winkelstellung der Kohlen entsteht durch die Knickung des elektrischen Leiters innerhalb des Winkels, also unter dem Positiv-Krater, ein verstärktes Magnetfeld.

Dieses bewirkt eine Ablenkung des Lichtbogens nach oben, die sich um so stärker und unangenehmer bemerkbar macht, je länger der Lichtbogen ist. Aus diesem Grunde bereitet es Schwierigkeiten, Reinkohlen bei höheren Stromstärken, d. h. etwa ab 35A, in der Winkelstellung nach Abb. 48 ruhig und zischfrei zu brennen. Abhilfe schafft hier ein Blasmagnet, der in einfacher Weise dadurch gebildet wird, daß man ein U-förmig gebogenes Flacheisen so in der Lampe anbringt, daß die Schenkel-Enden über dem Positiv-Krater auslaufen, während das Joch unter der Positiv-Kohle liegt.

Der Flacheisenkörper wird durch die ihn durchdringenden Kraftlinien (Abb. 49) zum Magneten, dessen Pole von den Enden der beiden Schenkel gebildet werden. Das kräftige magnetische Feld zwischen diesen beiden Polen lenkt den Lichtbogen in Pfeilrichtung nach unten.

Der Blasmagnet bei „Beck-Lampen"

Im Abschnitt „Beck-Lampen" (S. 34) wurde darauf hingewiesen, daß zur Erzielung des Beckbogens in axialer Kohlestellung ein Blasmagnet nötig sei, der die Bogenflamme, die den Positiv-Krater allseitig umhüllt, nach oben lenkt.

In diesem Falle muß also das U-förmige Bandeisen so angebracht werden, daß sich die beiden Pole bzw. die Enden der Schenkel unterhalb des Lichtbogens befinden, während das Joch über der Positiv-Kohle liegt.
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Abb. 50

Man merke sich die Regel:
Bei Verwendung eines solchen Blasmagneten wird der Lichtbogen immer nach derjenigen Seite gelenkt, auf der sich das Joch befindet. Die Form eines aus 5mm starkem und 20mm breitem Flacheisen hergestellten Magneten für Reinkohle-Winkellampen zeigt Abb. 50. Ein weiterer Vorteil des Blasmagneten ist der, daß die Bogenflamme bei Winkellampen durch das magnetische Feld vom Spiegel zurückgezogen wird, so daß die Gefahr einer Beschädigung geringer ist.

Die Befestigung eines solchen, nach obigen Gesichtspunkten selbstgefertigten Eisenkörpers an der richtigen Stelle in der Lampe dürfte dem erfahrenen Vorführer keine Schwierigkeiten bereiten.

Ein praktischer Lampenanschluß für Gleichstromnetze

Mancher Vorführer wird schon beobachtet haben, daß eine Bogenlampe bei kurzer Stromunterbrechung erlischt, beim sofortigen Wiedereinschalten jedoch von selbst wieder zündet. Diese Erscheinung beruht darauf, daß im Augenblick der Stromunterbrechung die Kratertemperatur noch so hoch ist, daß die Luftstrecke zwischen Krater und Negativ-Spitze noch ionisiert wird. (Siehe Abschnitt 2, Theoretisches über das Bogenlicht.)

Dadurch ist der Übergangswiderstand so gering, daß die Spannung zwischen den Elektroden wirksam werden kann und der Lichtbogen selbsttätig überspringt. Auf Grund dieses Vorganges kann man eine Universalschaltung anwenden, mit deren Hilfe die Ausnutzung der gesamten Umformerleistung für eine Lampe möglich ist und trotzdem einwandfrei überblendet werden kann.

Bedingung ist das Vorhandensein eines Gleichstromnetzes und zweier Beruhigungswiderstände.

Die Effektkohle als Negative.

Der Wunsch nach mehr Licht, der von Theaterbesitzern und Vorführern allseitig häufig genug ausgesprochen wurde, hatte die Entwicklung der Beck-Lampen und ihre Einführung in den deutschen Theaterbetrieben zur Folge.

In vielen Fällen ist eine Steigerung der Bildhelligkeit erwünscht, ohne daß vorläufig eine Umstellung auf Beck-Licht vorgenommen werden kann. Wir wollen daher für die Besitzer von Reinkohlelampen eine Kohlepaarung erwähnen, die unter gewissen Bedingungen eine Lichtsteigerung von 15-20% ermöglicht.

Brennt man in Verbindung mit einer normalen Positiv-Reinkohle eine Negativ-Kohle mit Effektsalzdocht, so erhält man einen stark gefärbten und leuchtenden Lichtbogen, den man - wie die folgenden Erläuterungen zeigen - zur Beleuchtung des Filmbildes mit verwenden kann.

Ein Kunstgriff für mehr Helligkeit

Bei der Betrachtung der Spiegellampen-Optik wurde darauf hingewiesen, daß der Positiv-Krater in einem bestininiten Abstand vom Spiegelscheitel stehen muß, um einwandfrei auf dem Bildfenster abgebildet zu werden und um ein Höchstmaß an Schirmhelligkeit zu erreichen. Dieser Abstand, der in Abbildung 7 mit b bezeichnet wurde, vergrößert sich bei handbedienten Reinkohlelampen durch den Abbrand der Positiv-Kohle bis zum Augenblick der Nachschubbetätigung durch den Vorführer um 1 bis 2 mm.

Diese Abstandszunahme bewirkt natürlich eine Abnahme der Schirmhelligkeit, die aber sehr gering ist und die das menschliche Auge während des Filmablaufes kaum feststellen kann. Der heute gebräuchliche sogenannte asphärische Kinospiegel hat die Eigenschaft, kleine Abweichungen in der Scharfeinstellung des Positiv-Kraters auf das Bildfenster ohne nennenswerten Einfluß auf die Ausleuchtung des Filmbildes zuzulassen.

Und so geht es :

Dies gestattet ein Erhöhen der Lichtleistung des Projektors hei Reinkohlelampen mit folgendem Kunstgriff:
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  • 1. Als Negativ-Kohle wird eine Effektkohle eingesetzt, deren Querschnitt etwa 1/3 des Positiv-Kohlequerschnittes beträgt. Infolge der ziemlich hohen Stromdichte muß diese Negativ-Kohle verkupfert sein.
  • 2. Nach kurzzeitigem Einbrennen stelle man den Lichtbogen recht kurz ein, aber nicht so kurz, daß es auf der Negativspitze zur Pilzbildung kommt. (Günstige Bogenlänge etwa 2,5 - 3mm). Es bildet sich dann zwischen Positiv- und Negativ-Kohle ein konzentrierter, stark leuchtender Lichtbogen.
  • 3. Nun vergrößere man den Abstand Positiv-Krater bis Spiegelscheitel derart, daß der eben genannte Lichtbogen an derjenigen Stelle der optischen Achse steht, an der sonst die günstigste Stellung des Positiv-Kraters war.

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Der Erfolg

Der Erfolg dieser Handhabung ist eine gleichzeitige Beleuchtung des Bildfensters durch Reinkohle-Krater und Effektlichtbogen, was eine Änderung der Lichtfarben von gelbweiß nach blauweiß einschließlich einer erhöhten Schirmhelligkeit zur Folge hat.

Um eine möglichst große Menge Effektsalz zur Verdampfung zu bringen, nimmt man als Negativ-Kohle am besten eine Beckkohle, die einen großen Dochtquerschnitt besitzt. Für die Wahl der geeigneten Kohlepaarungen seien als Beispiel folgende möglichen Paarungen genannt:

Stromstärke Positiv-Kohle Negativ-Kohle
A (Vega) (Sola
28-30 12 6.5
30-35 13 7
35-40 14 7.5

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Unsere Erfahrung kommt aus 1934

Es dürfte den Leser interessieren, daß der Gedanke der Verwendung einer solchen Kohlepaarung aus Vorführerkreisen stammt und daß schon im Jahre 1934 unsere Positiv-Reinkohlen mit Negativ-Effektkohlen verwendet wurden.

Es sei jedoch auch darauf aufmerksam gemacht, daß es sich bei der Verwendung dieser Paarung um einen Kunstgriff handelt, durch den keineswegs die für die Farbfilmprojektion geforderte Lichtfarbe des Becklichtes erzielt wird.

Lichtmessungen

Eine objektive Beurteilung der Projektionsschirmhelligkeit durch das menschliche Auge ist kaum möglich. Selbst das immerhin erfahrene Auge des Vorführers kann in Bezug auf Beurteilung der Bildhelligkeit mancher Täuschung unterliegen.

Genaue Helligkeitsmessungen sind mit dem Luxmeter möglich. Da Lux-Messungen für den Theaterbesitzer und Vorführer sehr wertvoll sind, vor allem bei der Einführung einer neuen Kohlemarke wie z. B. Beckkohlen oder bei der Anschaffung einer neuen Lampe wichtige Aufschlüsse geben, seien hier kurz einige Hinweise gegeben:

1. Die Helligkeitsmessung wird mit laufender Maschine ohne Film durchgeführt. Bei älteren Bildwerfern mit Vorderblende und ohne Luftkühlung ist hierauf zu achten, daß die Meßzeit nicht zu sehr ausgedehnt wird, damit das Objektiv durch den heißen Lichtkegel nicht beschädigt wird.

2. Der Vorführer, der während der Messungen die Lampe bedient, muß genauestens darauf achten, daß der Positiv-Krater immer an der gleichen Stelle steht sowie Bogenlänge und Stromstärke konstant bleiben. Eine vorhandene Seitenprojektion mit Fadenkreuz ist demnach Grundbedingung für einwandfreie Lichtmessungen.

3. Das Messen auf dem Bildschirm geschieht zweckmäßig in der Bildmitte.

4. Vergleichsmessungen bei Versuchen mit verschiedenen Kohlen führe man nur mit einem der vorhandenen Bildwerfer durch. Die Unterschiede in der optischen Anordnung beider Maschinen sowie allein die Verschiedenheiten der Spiegelausführungen und Spiegelalter können zu erheblichen Fehlergebnissen führen.

Karbidbildung an der Negativspitze

Abb. 052a
Abb. 052b
Abb. 052c
Abb. 052d

Beim Abbrand von Beckkohlen entsteht auf der Spitze der Negativ-Kohle manchmal ein mehr oder weniger starker Niederschlag von Ceritkarbid, der in der Seitenprojektion oder auch durch das "rote" ?? Beobachtungsfenster des Lampenhauses als ein wallender, sich hin und herbewegender Tropfen beobachtet werden kann.

Dieser Karbidtropfen, der durch Niederschlag von heißen Leuchtsalzdämpfen aus dem Positiv-Krater herrührt, übt auf die Ruhe des Lichtbogens einen ungünstigen Einfluß aus. Der Lichtbogen hat nämlich das Bestreben, mit diesem Karbidtropfen bald nach oben, nach unten oder nach der Seite zu wandern und damit hin und wieder ein Schiefbrennen des Positiv-Kraters zu verursachen.

Nach dem Ausschalten der Lampe erstarrt das Karbid und bildet auf der Negativspitze eine harte, gelbbraune Kuppe, die in der trockenen, warmen Luft des Lampenhauses stundenlang erhalten bleibt. Wird die Negativ-Kohle jedoch aus der Lampe entfernt und im Freien niedergelegt, so zerfällt das Karbid durch Aufnahme von Feuchtigkeit aus der Luft nach kurzer Zeit zu einem grauen Pulver. (Abb. 52)

Abhilfe schaffen

Die harte Karbidkuppe, die infolge mangelnder Luftfeuchtigkeit innerhalb des Lampenhauses nicht zerfallen kann, bildet für den elektrischen Strom einen Nichtleiter, so daß ein Wiederzünden der Lampe (durch Gegeneinanderbewegen der Kohlen) Schwierigkeiten machen kann.

 Zur Abhilfe gibt es drei Mittel:

  • 1. Befeuchten der Negativspitze.
  • 2. Abfeilen der Karbidkuppe mit einer kleinen flachen Schlüsselfeile.
  • 3. Zünden mit einer dritten Kohle.


Das letztgenannte Hilfsmittel dürfte wohl das einfachste sein. Als Zündkohle nehme man eine einfache unverkupferte Homogen-Kohle, deren Durchmesser etwas größer ist als der gewählte Abstand zwischen Positiv- und Negativ-Kohle.

Die Kohle kann in einen isolierten Handgriff aus Holz oder Kork gesteckt werden. Zum Zünden streiche man mit der Kohle unterhalb der Negativ-Spitze entlang bis zur Berührung mit dem Rand des Positiv-Kraters. Die geschilderte Karbidbildung ist ein Zeichen für zu kurze Bogenlänge oder fehlerhafte Kohlen und tritt unter normalen Betriebsbedingungen in so geringer Menge auf, daß derartige Störungen ausbleiben.

RW-Meßtafel für Beckkohlen (RW = Ringsdorf-Werke)

Mit der Einführung der Beck-Lampen wurde in Verbraucherkreisen der Wunsch laut, die Abbranddauer von Positivkohle-Reststücken irgendwie rasch feststellen zu können. Ein diesbezüglicher Vorschlag, eine Minuten-Einteilung auf die ganze Länge der Kohlen aufzustempeln, mußte abgelehnt werden, da die Abbrandggeschwindigkeit je nach Strombelastung, Bogenlänge und Kohlestellung in den Theatern verschieden ausfällt. Auch die Herstellung eines Minuten-Meßstabes in der Art eines Zollstockes schied darum aus.

Um den Wünschen der Verbraucherkreise entgegenzukommen, wurde im Prüffeld der Ringsdorff-Werke die Meßtafel für Beckkohlen entwickelt. Diese ist universell für alle praktisch in Frage kommenden Stromstärken und Kohlen verwendbar und muß nur einmal vom Vorführer für seine bestimmten Betriebsverhältnisse eingestellt werden.

Das Meßgerät ist eine Meßtafel

Dieses Meßgerät, dessen Abbildung wir nachfolgend bringen, besteht aus einer Tafel, auf der ein Liniennetz (1) aufgedruckt ist. Dieses Liniennetz ist in Minuten bzw. Film-Meter und Zentimeter eingeteilt.

Auf der Tafel verschiebbar angeordnet befinden sich 2 Lineale (2) und (3), die miteinander einen Winkel bilden und vor Gebrauch einmalig für die betreffenden Lampen- und Strom Verhältnisse eingestellt werden müssen.

Dies geschieht wie folgt:

Der Abstand des Lineals (2) vom Liniennetz (1) muß gleich dem "toten Ende" der Beckkohle sein. Darunter ist diejenige (Rest-) Länge der Positiv-Kohle zu verstehen, die infolge Einspannung im Halter, eventueller Gabelauflage usw. als unverbrennbares Stück übrig bleibt.

Das Lineal (3) ist mit Hilfe der Skala (4) auf die Stunden-Abbrand-Geschwindigkeit einzustellen, die bei Normalbelastung etwa 220-240 mm/h beträgt.

Man kann diesen Abbrandwert je Stunde an Hand praktischer Versuche leicht ermitteln, wenn nach einer bestimmten Brenndauer (Ablauf einer Filmrolle) die Restlänge einer neu eingesetzten Kohle mit dem Zentimetermaß nachgemessen wird.

Die einfachste Art der richtigen Einstellung des Lineals (3) sei durch folgendes Beispiel erläutert:

Die in der Lampe eingespannte Positiv - Kohle sei 230 nun lang. Die Lampe werde kurz vor Beginn des Filmablaufs, z. B. um 15 Uhr 22, gezündet. Nach Ablauf der Filmrolle sei die Lampe um 15 Uhr 45 ausgeschaltet worden. Die Kohle hat demnach 21 Minuten lang gebrannt. Ein Nachmessen der Kohlerestlänge ergäbe 150 mm. Daraus folgt ein Kohleverbrauch von 250 minus 150 gleich 80 mm in 21 Minuten. Auf Grund dieser Feststellung verschiebe man das Lineal (3) derart, daß seine Unterkante den Schnittpunkt der senkrechten Minutenlinie 21 und der horizontalen Zentimeterlinie (8) (= 80 mm) berührt. Damit ist die Tafel für die gegebenen Stromverhältnisse gebrauchsfertig.

Die Bestimmung der Brenndauer von Kohle-Reststücken geschieht nun auf folgende Weise:
Das Positivkohlen-Reststück wird auf der rechten Seite der Tafel auf das Lineal (2) senkrecht aufgesetzt und so weit nach Links verschoben, bis das obere Ende der Kohle das Lineal (3) berührt. Die links von der Kohle befindliche senkrechte Linie bzw. deren Minutenzahl gibt dann die restliche Brenndauer an. Auf der gleichen Senkrechten kann auf der oben befindlichen Film-Meter-Einteilung die in dieser Zeit ablaufende Filmlänge abgelesen werden (24 Bilder/sec).

Selbstverständlich kann eine zweite Meßtafel für Negativ-Kohlen eingestellt und verwendet werden. Die Abbrandgeschwindigkeit der Negativen beträgt je nach Belastung 90-120 mm/h. Die Tafel ist für diese niedrigen Abbrandwerte nicht berechnet, kann jedoch trotzdem dafür verwendet werden, wenn man den doppelten Abbrandwert mit dem Lineal (3) einstellt.

Das war das Handbuch für den Filmvorführer aus 1950

Hier stand das gesammelte Wissen bis 1950 für die Kinoprojektion. Paradoxer Weise kam etwa 1954/1955 die XENON-Lampe von OSRAM. Damit war das ganze Drumherum mit Einstellen und Justieren ein für alle Male zuende. Es hatte aber etwas gedauert, bis die Vorführer und die Kinobesitzer gemerkt haten, daß auch eine XENON Lampe verschleißt, übgrigens ebenso wie die Laser-LEDs in den Millionen von CD-Spielern.

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