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6 Artikel aus 1966 - von Will Tremper
Er war über Jahre beim Film dabei.
"Erfahrungen in einer verrotteten Industrie"

Will Tremper hatte seit 1948 in der kleinen überschaubaren Filmbranche bereits viel erlebt und bekam 1966 in der Zeitschrift "Die Zeit" die Gelegenheit, virtuell in die über Jahrzehnte gut versteckten Hinterzimmer (und die geheimen Abgründe) der weltweiten Film-Industrie einzublicken und den Lesern und natürlich den Kinobesuchern mal anschaulich darzulegen, daß er in der ganzen Filmwirtschaft nicht die geringste Rolle spielt, außer daß er seine Kinokarte kaufen darf und zu bezahlen hat. Da wir inzwischen mehrere historische Biografien der beteiligten Personen publiziert haben, ist diese sehr kritische und oft schelmische Sicht der Filmwirtschaft realistisch glaubwürdig und ganz ganz dicht an der Wahrheit dran - (darum wurde "Die Zeit" auch verklagt) und die Artikel lesen sich gut. Hinzuzufügen ist, daß der Vater des Redakteurs Gert Redlich bei der UFA über 14 Jahre Kinos gebaut hatte und mitten drin steckte.

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Erfahrungen in einer verrotteten Industrie Teil V
"Erklärungen an Eides Statt"

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Artikel 5 vom Okt. 1966 aus "Die ZEIT" Nr. 43/1966 von Will Tremper
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Die fünfte (und vorletzte) Folge einer Artikel-Serie

"Wenn unsere heutige Jugend abartig veranlagt ist, dann doch nur auf Grund ausländischer Filme!"

..... verkündet Luggi Waldleitner, Vorstandsmitglied des Produzentenverbandes, Delegierter im Vorstand der Export-Union

Nun wird also die Frau Oberregierungsrätin Dr. Franke, Filmreferentin im Bundeswirtschafts- ministerium, als Zeugin herhalten müssen, die am Montag, dem 22. August 1966 in den Geschäftsräumen des Verbandes Deutscher Film- und Fernsehproduzenten e. V. in Wiesbaden anrief, nachdem sie über Sonntag die ZEIT Nr. 34 vom 19. August (bei uns der Artikel 1) gelesen hatte.
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Ein "Hinweis" von ganz oben .....

Sie machte den Vorstandsvorsitzenden des Produzentenverbandes, Dr. Alexander Grüter, der noch ahnungslos zu sein schien, auf den Artikel "Die Zelluloid-Belichter" aufmerksam und "gab ihre Empörung über diese Ausführung kund", wie der Vorstandsvorsitzende Dr. Grüter am Tag danach in einer eidesstattlichen Erklärung "zu Gebrauch vor Gericht" aktenkundig machte.

Und da heißt es über die Empörung der Frau Oberregierungsrätin nun:

  • "Sie erklärte, daß dieser Artikel in ihrem Hause großes Aufsehen erregt habe und daß sie der Meinung sei, dieser Artikel könne bei den Herren, die die Verhältnisse im einzelnen nicht so genau beurteilen könnten wie sie als Filmreferentin, eine für die Filmindustrie sehr abträgliche Wirkung haben, das gleiche gelte insbesondere auch hinsichtlich der Bundestagsabgeordneten im Hinblick auf die künftigen Beratungen des Filmhilfsgesetzes."


Mit anderen Worten:
Frau Dr. Franke stellt sich sozusagen als Interessenvertreterin des Dr. Grüter in Bonn vor. Die "Herren des Bundeswirtschaftsministeriums" und "insbesondere" (einige) Bundestagsabgeordnete sind in Gefahr, mit Material bedient zu werden, das ihnen unter Umständen helfen könnte, sich eine Meinung über die Zelluloid-Belichter zu bilden, die wenig mit der Meinung harmoniert, die man ihnen in den Bonner Wandelgängen seit Jahren einzuflüstern bestrebt ist.

"Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung"

"Aus dem ganzen ..... Artikel", so heißt es in dem "Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung", der mir und der ZEIT am 30. September 1966 zugegangen ist, "ergibt sich die Zielsetzung ..... die ganze deutsche Filmindustrie alten Schlages zu diffamieren ....."

Sagen wir besser : ..... zu treffen .....

Denn was an der deutschen Filmindustrie alten Schlages noch zu diffamieren - das heißt, in der Ehre herabzusetzen - ist, das fragt sich vergeblich, wer in den widersprüchlichen Äußerungen der gekränkten fünf Filmproduzenten

  1. Artur Brauner,
  2. Horst Wendlandt,
  3. Franz Seitz,
  4. Luggi Waldleitner,
  5. Hanns Eckelkamp


und ihres Verbandes blättert.
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Ein paar Beispiele - Artur Brauner, beispielsweise .....

Artur Brauner, beispielsweise, Inhaber der CCC-Filmkunst GmbH SC Co. KG. in Berlin, entfesselte im März 1965 eine wilde Pressekampagne gegen den Berliner Senat und die Bundesregierung, weil er am Ende sei, wie er laut tönte.

"Ich habe alles versucht, den Betrieb aufrechtzuerhalten," erklärte er am 14. März 1965 dem Filmredakteur des Stern, Wilfried Achterfeld, "aber ich werde im Juni fünf meiner sieben Hallen schließen und von meinen jetzt noch 260 Leuten die Hälfte entlassen müssen. Der Grund: Die Einspielergebnisse bringen die Herstellungskosten nicht mehr ein - bei achtzig Prozent der deutschen Filme."

Der Film ist tot ..... warum nur ?

"Der Film ist tot", hatte er schon am 1. März 1965 in der Frankfurter Abendpost gewettert. "Und das alles hat die Regierung mit ihrer großartigen Politik verschuldet."

Am 21. Februar 1965 in der Welt am Sonntag: "Als Ateliervermieter bin ich pleite. Ich kann es mir nicht länger leisten, pro Tag 10.000 D-Mark zuzuschießen für nichts."

Er gab bis zu drei Interviews pro Tag, packte schriftliche Unterlagen aus, jonglierte mit Zahlen und Prozentsätzen, daß es den Journalisten nur so vor den Augen flimmerte.


Und er schaffte es immerhin, daß ein so angesehenes Blatt wie die Stuttgarter Zeitung unter dem Datum vom 12. März 1965 orakelte:

  • "Und wenn er es tut, was von Juni dieses Jahres (1965) an der Fall sein soll - er hat seiner Belegschaft zum 30. Juni 1965 gekündigt -, dann gibt es von Mitte dieses Jahres an weder in der Bundesrepublik noch in Westberlin noch sonstwo versteckt einen freien Produzenten von Filmen und Fernsehproduktionen mehr, der über eigene Studios verfügt.

    Dann ist die deutsche Filmproduktion effektiv am Ende, gestorben, nach knapp siebzig Jahren ausgelöscht, und dies nur, weil sich im Gegensatz zu anderen europäischen Filmländern die Bundesregierung zusammen mit den Bundesländern nicht hat entschließen können, den deutschen Film finanziell zu sichern."

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Doch hier kühle Worte im Vorwärts vom 21. April 196

Das las sich, als habe Brauner es dem Reporter eigenhändig in die Maschine diktiert, aber im Vorwärts vom 21. April 1965 hängte ihn der Filmpublizist und Kritiker Kurt Habernoll mit kühlen Worten schon etwas tiefer:

"Das begreifliche Gewinnstreben unserer deutschen Film-Produzenten, deren fleißigster und erfolgreichster Artur Brauner ist, hat das Entstehen von ,Filmkunst' nicht gerade begünstigt.

Schuld an der Misere ist nach Meinung unserer Filmwirtschaftler die mangelnde Hilfestellung des Staates. Doch es ist ein von interessierten Leuten eifrig geförderter Aberglaube, man müsse bloß die staatlichen Geldhähne großzügiger aufdrehen, dann käme schon Filmkunst heraus. Es fehlt aber am rechten geistigen Klima, an schöpferischen Ideen und Persönlichkeiten.
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Ob eine Filmreferentin Dr. Franke den "Vorwärts" liest ?

Leider ist nicht anzunehmen, daß auch der Vorwärts zur Wochenendlektüre der Filmreferentin Dr. Franke gehört, doch befindet sich möglicherweise die erwähnte Nummer der Abendpost vom 1. März bei ihren Akten, in der der Filmproduzent Horst Wendlandt an anderer Stelle des Artikels über Brauners Zeter-und-Mordio- Geschrei die Ansicht vertritt:

"Das hört sich an, als ob Brauner am Hungertuch nagt. Aber keiner fragt ihn, wo die Gewinne aus 20 Jahren Filmproduktion geblieben sind. In Berlin baut er ein Haus nach dem anderen. Gerade jetzt hat er ein 12-Millionen-Projekt begonnen. Brauner ist überhaupt kein armer Mann. Das Ganze ist ein großer Bluff."
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Damit wäre Horst Wendlandt auf der falschen Seite ???

Das wiegt um so schwerer, als auch Wendlandt zu den Antragstellern einer einstweiligen Verfügung gegen die ZEIT gehört. Aber er muß es wissen, er war lange Jahre Brauners Produktionschef.

Und Brauner selbst zierte sich überhaupt nicht, als es galt, mit den anderen zum Kadi zu laufen und Beweise und eidesstattliche Erklärungen vorzulegen, die mir den Mund verbieten sollten, ja, in den Schrftsätzen, in denen die Kameraden aus dem Produzenten-Vorstand sich mit (nur) einer Erklärung begnügten, da feuerte er gleich drei auf den Tisch der 15. Zivilkammer beim Landgericht Hamburg.

Und als Beweis legte er noch eine Bestätigung seines Wirtschaftsprüfers Dipl.-Kfm. Fritz Renger, fein gesiegelt obendrauf, betreffend den "Konzernabschluß der CCC-Film Artur Brauner" über jenes Jahr 1965, in welchem Brauner die ganze deutsche Presse vor seinen Karren spannte, weil er - "zumindest als Atelierbesitzer" - "pleite" war.

Wirtschaftsprüfer Renger: "Als Gewinn (des Jahres 1965 der CCC-Film Artur Brauner) ist ein siebenstelliger DM-Betrag ausgewiesen, von dem 41,51 Prozent auf die Ateliergesellschaft entfällt."
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  • Anmerkung : Hier blamiert sich Will Tremper mit fiskalischem Nichtwissen, denn ein fiskalisch ausgewiesener Buchgewinn ist überhaupt nicht identisch mit der aktuellen Firmen-Situation - und das müsste ganz speziell Will Tremper aus den letzten 10 Jahren wissen.

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Soviel über die diversen Hilferufe, die Filmproduzent Artur Brauner in seinen Pressezusammenkünften im Jahr 1965 an die Öffentlichkeit gerichtet hat. Senat und Bundesregierung halfen Brauner nicht - und er machte trotzdem Millionengewinne.
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Und endlich kamen auch mal die geheimen Zahlen auf den Tisch

Wie überhaupt die zahlreichen eidesstattlichen Erklärungen der antragstellenden Filmproduzenten zum erstenmal - o Wunder! - Zahlenmaterial enthalten, das normalerweise nie bekannt wird.

Danach hat zum Beispiel der Filmproduzent Dr. Hermann Schwerin für drei Filme (1961: "Der Transport", 1962: "Das Feuerschiff", 1964: "Das Lamm") in einem Zeitraum 3.741.000,33 DM auf die Beine gestellt, in dem er selbst als Funktionär des Produzentenverbandes wiederholt beteuert hat, was auch alle anderen Filmproduzenten - nicht nur Artur Brauner - schon zu wissen schienen, nämlich daß schlichte Schwarz-Weiß-Filme, die eine Million und mehr kosten, ihr Geld nicht mehr einspielen. Prompt verlor Dr. Hermann Schwerin an diesen drei Filmen seiner Produktion 1.348.259 DM.

Dennoch war es dem Dr. Schwerin möglich, sich zur gleichen Zeit an dem Kauf der Ufa-Studios in Berlin-Tempelhof mit siebenstelligen Beträgen zu beteiligen.

Die Frage, ob wir es bei solchen Geschäftsleuten wirklich noch mit Filmproduzenten zu tun haben oder schon mit Zauberkünstlern, ist gestellt -die Antwort zu geben, wird mir erst möglich sein, wenn die einstweiligen Verfügungen des Landgerichts Hamburg aufgehoben sein werden.
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Und noch ein paar "Zahlen" aus Brauners Erklärung

Bei dieser Sachlage kann Brauners eidesstattlichen Erklärungen nur noch milde Nachsicht entgegengebracht werden. Er behauptet, er habe für vier Filme allein, die er in diesem Jahr produziert hat, zehn Millionen und zweihundertfünfundzwanzigtausend Mark ohne Mithilfe von anderen aufgebracht, die Verleiher selbst hätten dabei nur 3,75 Millionen an Garantie übernommen.

Verleih-Garantie, das heißt mit anderen Worten: Die Leute (gestandene Fachleute aus der Branche), die den direkten Kontakt mit den Kinos pflegen, glauben nur an eine Kasseneinnahme von 3,75 Millionen - Brauners Gesamtkosten von 14 Millionen für vier Filme müßten demnach etwa 20 Millionen einspielen, um ihm die 14 Millionen wiederzubringen, denn der Verleih kostet bei diesen Summen, die umgesetzt werden wollen, noch ein Drittel zusätzlich. Danach erst würde Brauner die erste Mark verdienen.
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Ist der Mann (Artur Brauner) wahnsinnig?

Beileibe nicht. Das Geheimnis ist ein anderes, und es wird, so hoffe ich Zuversichtlich, bald zu verraten sein.

In den Jahren 1964, 1965 und 1966 habe, beziehungsweise werde Brauner - immer nach seinen eigenen Angaben - ein Spielfilm-Herstellungsvolumen von insgesamt 50,5 Millionen Mark aufbringen müssen - 40 Millionen müßten demnach bei seinen Garantie-Methoden von ihm selbst aufgebracht worden sein.

Ich höre das Gelächter aus der Filmbranche bei diesen Zahlen, und hoffentlich hört es Frau Dr. Franke vom Bundeswirtschaftsministerium, die sich um Produzenten wie Brauner Sorgen macht.

"... die Industrie alten Schlages zu diffamieren..."

Ich nenne es bloßstellen, und es tut mir leid, wenn es in dem folgenden Fall nicht einen Produzenten des "alten Schlages" trifft, sondern Hanns Eckelkamp, den ATLAS-Verleiher.
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Dazu Hanns Eckelkamp, der ATLAS-"Verleiher" .....

Er hat erklärt, daß er nicht anders konnte, als mit den Produzenten zu heulen - er ist wirtschaftlich schon zu sehr mit ihnen verbandelt.

Im Oktober 1963 rief Eckelkamp einer Drehbuchprämie vom Bundesinnenministerium, Ministerialrat Dr. Fuchs, die Drehbuchprämie für das Filmvorhaben "Weekend" in Höhe von 200.000 DM ab. Sie wird fällig "bei Drehbeginn" doch der Film "Weekend" ist bis heute, Oktober 1966, noch nicht gedreht worden.

Im Januar 1964 rief Eckelkamp die Drehbuchprämie für das Filmvorhaben "Polizeirevier Davidswache", wiederum in Höhe von 200.000 DM, vom Bundesinnenministerium ab - der Film wurde aber erst Ende Mai 1964 begonnen.

Hat der Filmproduzent Eckelkamp die Drehbuchprämien zurückgeschickt, sofort als er feststellte, daß der Drehbeginn dieser Filme doch nicht so eilig zu realisieren war, wie er es telegraphisch, nach Bonn gemeldet hatte?

Oder hat der Filmproduzent Eckelkamp insgesamt 400.000 DM Bundesgelder längere Zeit benutzt, um sich vor dem damals drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch zu retten?
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Die Gerüchteküche kocht weiter und weiter - im Nebel

Es wäre gut, wenn Eckelkamp und das Bundesinnenministerium bald einmal eine Erklärung über den Lauf dieser Gelder, vor oder zurück, abgeben würden, damit die Gerüchte, die seit längerer Zeit darum schweben, sich verflüchtigen.

Ich frage mich, wie man eine Industrie nennen soll, deren hervorragendster Vertreter öffentliche Gelder zu Zwecken mißbraucht, für die sie nicht bestimmt waren.

Die Frage wird akut, wann sich der Bundestag einmal um die Abwicklung der Prämien-Investitionen des Bundes kümmern wird. Und die Hoffnung muß geäußert werden, daß es geschieht, bevor das Wirken des so erfolgreichen Kuratoriums "Junger Deutscher Film" heillos mit der Aktivität der übrigen Prämienkommissionen zusammengeschmolzen ist, in den Augen der Öffentlichkeit jedenfalls.
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Lauter Lesestoff für Frau Dr. Franke

Aus der umfangreichen Antragsbegründung der 5 Produzenten und ihrer Verbandsgruppe springt mir bei jedem Absatz die blinde Hartnäckigkeit ins Auge, mit der am Thema meiner ZEIT-Artikel vorbeigerechtet wird.

Ich versuche "in offensichtlicher Wettbewerbsabsicht geschäfts- und ehrenschädigende Behauptungen über die sogenannten ,alten' Produzenten aufzustellen, um seinen (also meinen) eigenen Wettbewerb durch Herausstreichung seiner (also meiner) Person zu fördern, wobei die Wochenzeitung ,DIE ZEIT' aus den oben hervorgehobenen Gründen ihm (also mir) hierzu Gelegenheit gibt, um damit fremden Wettbewerb, d. h. den ... anderer Junger' Produzenten zu fördern".
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Oder:

"Was die Person des Antragsgegners (das bin ich) betrifft, so muß es als besonders eigenartig bezeichnet werden, daß gerade er glaubt, dazu berechtigt zu sein, eine angeblich bestehende mangelnde finanzielle Seriosität der alten deutschen Filmproduzenten an den Pranger zu stellen."

Und es wird mit Bierernst an Eides Statt bestätigt, wieviel Gerichtsvollzieher bei mir aus und ein gegangen seien und - in einem extra in Auftrag gegebenen Pamphlet - welchen Kameramann ich niedergeschlagen habe, welchen jungen Schauspieler ich zu Boden geworfen habe und welche Cutterin beleidigt wurde.

Es wird unterstellt, daß es mir "trotz mehrfacher Versuche nicht gelungen ist, in dieser heute von (mir) geschmähten Filmwirtschaft für (meine) Vorstellungen von Individualismus Anerkennung und festen Boden zu finden".

Ach, als ob ich je mich um einen Auftrag von ihnen beworben, als ob ich je an einer ihrer Tagungen teilgenommen oder auch nur eine Mitgliedschaft in ihrem Verband angestrebt hätte! Der Einladungen, mitzuspielen, ermangelte es nicht.

Die Angebote, Drehbücher zu schreiben, Filme zu inszenieren, Projekte mit ihren Verleihern auszuhandeln, kamen genug im Laufe der Jahre.
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Ich kann zu meinen Prinzipien stehen - die anderen auch ?

Aber ich hielt es - zu diesem Vergleich werde ich gezwungen - mit Fellini, der sich lieber pfänden ließ, als Projekte auszuführen, die er im Laufe ihrer
Vorbereitungen für unvereinbar halten mußte mit seinen künstlerischen Vorstellungen, auch dann noch, als er bereits den Vorschuß der Produzenten ausgegeben hatte.

Ja, ich habe "Sperrbezirk" gemacht, einen Film, der mir nicht zur Ehre gereicht, aber nun weiß ich wenigstens genau, was ich vorher nur vermuten konnte: daß zu den alten Herren aus Ufa-Zeiten keine Brücke führt.

Ja, natürlich, ich habe in der Erregung einen Kameramann niedergeschlagen, der nicht so wollte wie ich, ich war der Regisseur und nicht er. Ich habe Schauspieler geohrfeigt und einer Cutterin sagen müssen, was ich von ihren Leistungen hielt (nicht besonders viel).

Hindert mich das, zu sagen, was ich denke, zu schreiben, wofür ich eintrete? Ist der Unrat im deutschen Film geringer, weil ich, nach Meinung der fünf alten Produzenten, der "schlechteste Kronzeuge" bin?
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Kronzeuge, ..... immerhin.

So wird das alte Spiel weitergespielt, das seit jeher darin bestanden hat, sich selbst Sand in die Augen zu streuen und alles (eigene) wundervoll zu finden. Man bestätigt sich reihum an Eides Statt, daß man weder aus der eigenen Praxis "noch aus Kollegenkreisen" jemals "solche Manipulationen", wie ich sie beschrieben habe, gehört hat.

Und man glaubt im Ernst, damit durchkommen zu können, in einer Branche, die den Begriff der geschäftlichen Loyalität nicht kennt, in der jeder jedem die Krätze an den Hals wünscht.

Den beschließenden Landgerichtsräten der 15. Zivilkammer legen sie einen Schriftsatz vor, der den Eindruck erweckt, die gesamte Filmbranche sei sich, was das in Bonn beratene Filmförderungsgesetz angeht, vollkommen einig, und nur ein gewisser Illustriertenschreiber stehe der Verabschiedung des Gesetzes noch im Wege.
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Die Hauptargumentation .....

"Die ... Zielsetzung der vorgenannten Pressekampagne ist demgemäß ganz offensichtlich, die Bestrebungen des deutschen Bundestages, ein solches Filmforderungsgesetz für die jetzt bestehende Filmindustrie zu beschließen, zu inhibieren (zu verhindern, auf deutsch), und zwar durch eine Diffamierung der Filmindustrie, wie sie hier geschehen ist, um zu erreichen, daß damit die Bundestagsabgeordneten und die Bundesregierung die Lust an den Hilfsmaßnahmen verliert."

CCC-Boß Artur Brauner sagte dazu in seinem Interview mit dem stern: "Ich bin auch hundertprozentig gegen diese Form des Filmhilfegesetzes, und ich werde mich mit Händen und Füßen dagegen sträuben.

Das war, natürlich, bevor er ganz oben auf der Liste den Antrag auf eine einstweilige Verfügung unterschrieb. Im Augenblick also muß er seine Hände und Füße stillhalten.

Und als der von Frau Dr. Franke alarmierte Vorstandsvorsitzende des Produzentenverbandes, Herr Dr. Alexander Grüter, die Initiative ergriff und die Kollegen Vorstandsmitglieder für die einstweilige Verfügung zusammentrommelte, da arbeitete er gerade an einem Referat "Zukunftssicherung des Films durch den Staat?", das er zwischen dem 4. und 6. Oktober 1966 auf der Tagung des Internationalen Evangelischen Filmzentrums in Arnoldshain zu halten gedachte. Vielleicht floß ihm aus diesem Grund soviel Zuversicht über das ungeborene Filmhilfegesetz in die Feder, die kurz darauf den Schriftsatz für das Gericht in Hamburg entwarf.
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Und was schreibt die Fachzeitschrift "film-echo" ?

Jedenfalls war zehn Tage später in der Fachzeitschrift film-echo, dem offiziellen Organ des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater e. V., die Reaktion der Filmwirtschaft auf Dr. Grüters Ausführungen zu lesen:

"In Arnoldshain konnte - angeblich aus Zeitgründen - keine Diskussion mehr über das höchst umstrittene Referat des Herrn Dr. Grüter Platz greifen. Es scheint daher notwendig, daß diese Diskussion nunmehr auf dem publizistischen Wege stattfindet; denn es ist höchst gefährlich, derart eitle und persönliche Wunschträume, die den gesamtwirtschaftlichen Interessen gravierend widersprechen, ohne entsprechende Gegenrede als etwa gültige Aussage an einschlägiger Stelle wirken zu lassen."
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Dr. Manfred Köhniechner von Bertelsmann ist anderer Meinung

"Das grundsätzlichste und klarste Referat'', so heißt es an anderer Stelle des Fachblattes, "hielt Dr. Manfred Köhniechner, der Generalbevollmächtigte des Hauses Bertelsmann, aus dem wir nachstehend wesentliche Auszüge im Wortlaut veröffmtlichen.

Dr. Köhnlechners Ausführungen, im ideellen Sinne (?) von Dr. Hermann Schwerin in einer knappen Diskussion ergänzt, zeichnen sich vor allem dadurch aus, daß sie sich nicht auf Branchenusancen und die Ausrede ,So haben wir das immer gemacht!' stützen, sondern endlich frischen Wind in eine verstaubte Atmosphäre blasen, die seither deshalb so sehr als unantastbar galt, weil ,im Dunkeln bekanntlich gut munkeln' ist".

Unverkennbar das Deutsch des Herausgebers des Fachblattes.
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Anregungen : "Der Film in der Gesellschaft von morgen"

Um aber auch den gewichtigen Generalbevollmächtigten des Verlagshauses Bertelsmann zu Worte kommen zu lassen, der den größten deutschen Filmverleih, einen mittelgroßen, einen kleinen und - immerhin - die größte Theaterkette kontrolliert, ganz abgesehen von der Ufa-Wochenschau, seien zwei wichtige Sätze aus seinem Referat "Der Film in der Gesellschaft von morgen" wiedergegeben.

"Ein kritischer Punkt unserer heutigen Fümindustrie ist der Mangel an gutem kaufmännischen, technischen und künstlerischen Nachwuchs. Der Ruf der Filmindustrie ist nachgerade so schlecht geworden, daß sie weder für den Nachwuchs noch für bereits in anderen Branchen bewährte Kräfte genügend attraktiv ist."

Auch Bertelsmann also ruft nach dem Jungen Deutschen Film. Wer hätte das gedacht?
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Im Jahr 2026 immer noch unklar - wie ging das aus ?

Wenn selbst google nichts auswirft, wurde da etwas unter den Tisch gekehrt ? Wer weis mehr darüber ?

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