Zwischenstand aus Die ZEIT Nr. 43/1966 vom 21. Oktober 1966
Der Titel des 6. Artikels von Will Tremper wurde geändert auf :
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"Erfahrungen in einer gewissen Industrie"
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Gegen uns wurde verfügt - jedenfalls "einstweilig" .......
Rudolf Walter Leonhardt kommentiert in Die ZEIT Nr. 43/1966 :
Vor einer Woche lagen sie auf dem Tisch, ganz harmlos, zwischen viel anderer Post: Die einstweiligen Verfügungen gegen Will Tremper als Autor einer Artikel-Reihe über den deutschen Film, gegen mich als verantwortlichen Redakteur und gegen den Verlag, in dem die ZEIT erscheint.
Es wird uns darin untersagt, "eine Reihe unrichtiger, geschäftsschädigender und ehrenrühriger Behauptungen" (gezählt, sind es sieben) "aufzustellen und/oder zu verbreiten".
Geschädigt und/oder in ihrer Ehre berührt fühlen sich:
- Die Gruppe Spielfilm im Verband Deutscher Film- und Fernsehproduzenten, Wiesbaden;
- Herr Artur Brauner, Berlin;
- die CCC-Filmkunst GmbH, Berlin;
- Herr Horst Wendlandt, Berlin;
- Herr Franz Seitz, München;
- Herr Luggi Waldleitner, München;
- der Atlas-Filmverleih, Hanns Eckelkamp, Duisburg.
Wir werden uns bemühen, vor Gericht den Nachweis zu führen, daß Will Trempers Artikel nicht unrichtig waren, und unsere Leser vom Erfolg unserer Bemühungen unterrichten, sobald uns das vom Hohen Gericht erlaubt wird.
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Lauter komische und abwegige Gedanken
Die Filmproduzenten, die das Gericht gegen uns in Anspruch nehmen, machen sich in ihrem Antrag auch Gedanken darüber, "warum eine so seriöse Wochenzeitung wie die ZEIT ihre Spalten für diese Artikel zur Verfügung stellt".
Antwort: "Da ... der ZEIT-Journalist und Mitarbeiter dieser Wochenzeitung, Herr Enno Patalas, zu den Anführern der sogenannten ,neuen' Produzentenrichtung zählt."
Diese Gedanken sind abwegig. Herr Patalas hatte mit der Veröffentlichung überhaupt nichts zu tun. Spiritus rector der Tremper-Artikel war der Film-Redakteur der ZEIT, Uwe Nettelbeck, dessen Urteil ich in langen Jahren der Zusammenarbeit als zuweilen extravagant, aber immer integer zu schätzen gelernt habe.
Rudolf Walter Leonhardt
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Worum es geht
Wir haben Will Trempers Artikel veröffentlicht in der Absicht, unsere Leser detailliert über skandalöse Zustände in der bundesdeutschen Filmbranche aufzuklären.
Es ging uns dabei nicht darum, die nun schon seit Jahren an die Adresse der alten Produzenten gerichteten Vorwürfe zu wiederholen, also noch einmal zu schreiben, was jeder deutsche Kinogänger weiß, der es sich abgewöhnt hat, in die Filme jener Produzenten zu gehen: daß das Niveau dieser Filme jeder Beschreibung spottet.
Es ging uns auch nicht darum, nur ein paar alten deutschen Filmbossen das "Munkeln im Dunkeln" zu verleiden - den Ausdruck entnehme ich dem Fachblatt der deutschen Filmwirtschaft film-echo (auch aus Wiesbaden) - sondern vor allem darum, zu verhindern, daß sie dieses "Munkeln im Dunkeln" - und als ob es sich nur darum handelte! - wie bisher abwickeln, und zwar auf Kosten des Steuerzahlers und des Jungen Deutschen Films.
Denn in dem Klima, das sie damt geschaffen haben und weiterhin erhalten, kann der Film, auf den wir warten, nicht gedeihen: Er braucht saubere Produktionsbedingungen.
Es schien uns außerdem niemand geeigneter, diese Artikel für uns zu schreiben, als der Journalist Will Tremper, der die Branche kennt wie kaum ein anderer, und zwar von innen, weil er nebenher auch noch Filme macht und dabei zwangsläufig die Usancen der Branche kennenlernen mußte.
Und wir haben sie um so lieber gedruckt, weil es uns nicht verborgen geblieben ist, daß Will Tremper auch das persönliche Risiko nicht gescheut hat, das mit seiner Parteinahme für den Jungen Deutschen Film in dieser Sache verbunden war: Wir wissen, daß die alten Bosse alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, um ihrerseits Will Tremper in die Quere zu kommen.
Uwe Nettelbeck
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