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Die Radio Bremen "Ampex 1000C" Story

Die Fernsehmannschaft von Radio-Bremen nach 1959
Eine ganz junge Mannschaft - rechts Herr Hemmerling, der Autor des Buches 40 Jahre Radio Bremen
Das Beat-Club Studio

Es war einmal eine Story, die sich die alten Radio Bremen Kämpfer auch nach 60 Jahren immer wieder erzählen. Denn es war ziemlich außergewöhnlich, daß Mitarbeiter ihren höchsten Chef "austricksten" und auch voll auflaufen ließen - und das im wirklich positiven Sinne, ganz im Gegenteil zu anderen "Anstalten des öffentlichen Rechts".

(Doch davon - also den nicht ganz so schönen und "wenig positiven" Vorgängen - erzählt nur noch Dr. Wagenführ in seinen aufgehobenen "Fernseh Informationen".

Wie mir als neugierigem Besucher in Bremen authetisch glaubhaft vorgetragen wurde, war das RB Fernsehteam eine eingeschworene Clicke, die mit Leib und Seele dabei war. Alle in dem kleinen Team waren motiviert, mit ihrem "ärmsten und kleinsten Sender" innerhalb der ARD Programmgemeinschaft mal was Großes auf die Beine zustellen. Das mit dem Beat-Club von Herrn Leckebusch war ja anfänglich noch nicht abzusehen, das kam später.

Auf jeden Fall wußten die jungen Techniker und Ingenieure dort in Bremen, daß die Zeit der (aktuellen) 35mm und auch der (aktuellen) 16mm Filme quasi schon abgelaufen war. Nur hatten es viele Kollegen aus den Redaktionen und auch Vorgesetzte in den "oberen Etagen" noch gar nicht realisiert. Andere - in der Werbeabteilung - hatten es sehr wohl realisiert, brauchten aber die Fernseh-Techniker dazu und die mußten deshalb in den großen Coup eingeweiht werden.
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Ganz plötzlich stand da in der Technik ein "Unikum"

Ein technologisches Wunderwerk
so teuer wie 10 Reihenhäuser

Wir sind ganz am Anfang der 1960er Jahre. In den USA war bei AMPEX zum Ende von 1956 die erste Video-Aufzeichnungs- anlage fertig entwickelt worden, sogar nach der Idee des Deutschen Dr. Fritz Schröter aus Berlin.

Und Ampex hatte schon 1957 auf Anhieb 2 oder 3 der gessamten Jahresproduktionen vorab verkauft. Ende 1958 hatte es der SWF Baden Baden dennoch geschafft, mit allen nur möglichen wirtschaftlichen und politischen Tricks - über den Umweg der steinreichen Siemens Karlsruhe - solch eine rare Ampex MAZ aus Amerika zu entführen und in Baden Baden aufzubauen.

Und eines darf man inzwischen nicht vergessen - in 1958 waren 600.000 DM eine richtig große Menge Geld. Der Sender (als öffentliche Anstalt) durfte das nicht und schon gar nicht an eine "kleine" Firma in die USA Vorkasse leisten. Siemens als Weltkonzern machte das. Diese "MAZ" war ein Wunderwerk, mit der sich manche Intendanten und Technik-Chefs brüsteten, - sobald sie eine hatten.
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Ja, auf einmal war "sie" da, die AMPEX 1000C ..... in Bremen

Die 1000C in der Aufbauphase

In einem der wenigen kleinen und deshalb "übersichtlichen" Technikräume der Bremer Fersehabteilung stand auf einmal solch fremdes gewalltiges Teil - unverkennbar eine Video-Bandmaschine - und es roch sogar funkelnagelneu. Der große Doppelschrank mit den vielen Röhren war ja neu und 6 bis 8 Kilowatt an Leistung mussten ja irgendwie raus aus dem Schrank. Man roch es also, es stank direkt nach Geld.

Es dauerte eine Weile, bis der Intendant zufällig mal wieder reinschaute und quasi explodierte, als er das neue fremde Teil dort (in seinem !! Technikbereich) sah. Woher er wußte, daß soetwas weit außerhalb seiner finanziellen Möglichkeiten lag, die 600.000 DM entsprachen zu der Zeit dem Wert von 10 Reihenhäusern (in Bremen) und außerdem das war sein Jahrebudget fürs Fernsehen.
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Die befragten Abteilungsleiter und Ingenieure wußten von nichts

Was diese Maschine da mache und wo die her komme und wer die bestellt hatte und vor allem, wer das bezahlen soll.

Also so ginge das ja nun mal überhaupt nicht und dann auch noch, ohne ihn zu informieren und sein "ok" einzuholen.

"Keiner" wußte von irgendetwas, diese Maschine sei irgendwie des Nachts da "rein geflogen" oder so ähnlich. Jedenfalls sei sie auf einmal da gestanden. Und es sei doch ein tolles Teil, das man sehr gut und gewinnbringend einsetzen wolle.
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Zufriedene Radio Bremen Gesichter nach Feierabend

Man "habe nur gehört", die Radio Bremen Werbung GmbH habe das irgendwie arrangiert. (Und die Entscheider in der RB Werbe GmbH mußten ihren Intendanten gar nicht fragen, und das tat weh.) Es könnte vielleicht ja ein Leasing Geschäft sein, sodaß der Sender dabei nicht pleite gehen würde, eher im Gegenteil.
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Es ist nicht mehr so ganz nachzuvollziehen, wie lange es gedauert hatte, bis sich der Rauch der Explosion verzogen hatte. Jedenfalls hatte der kleine Sender Radio Bremen jetzt auch eine MAZ - und alle in der Fernsehabteilung waren "stolz wie Leo" - nicht nur auf dieses Teil.
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