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Erinnerungen von Manfred Hemmerling (2002) Kapitel 1 - 18

überarbeitet von Gert Redlich im Nov. 2015 - Bei meinem Besuch bei den Pensionären von Radio Bremen im Sept. 2015 legte Nick Kröger dieses Buch auf den Tisch, weil Herr Hemmerling an dem Zeitzeugengespräch leider nicht mehr teilnehmen konnte. Manfred Hemmerling ist wenige Tage vorher am 19. Sept. 2015 im Krankenhaus verstorben. Nach dem groben Durchlesen noch im Hotel in Bremen stand der Entschluß fest, die 260 Seiten der Erinnerungen an 40 Jahre im Rundfunk (bei Radio Bremen) einem erheblich breiteren Publikum vorzulegen.
Um das Ganze lesefreundlich zu gestalten, sind von mir weitere Überschriften zur Trennung von Lese-Blöcken eingefügt worden und natürlich auch Kommentare und Verlinkungen und weitere Bilder, die den jüngeren Lesern einiges besser veranschaulichen.
Das Inhaltsverzeichnis ist auf eine eigene Seite ausgelagert.

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Meine Erinnerungen - 40 Jahre im Rundfunk (bei Radio Bremen)
(2. überarbeitete Ausgabe aus 2002)

Manfred Hemmerling (1935 - Sept. 19. 2015)

Vorbemerkung

Das nachfolgende Werk ist keine Dokumentation im üblichen Sinne, sondern vielmehr als eine Gedächtnisniederschrift zu verstehen und behandelt die Zeit meiner Mitarbeit im Fernsehen bei Radio Bremen von 1958 bis 1998. Der Anlaß für die Niederschrift ist, für mich selbst und Interessierte, diesen Zeitraum von Anfang an noch mal zu betrachten.

Ein guter Freund hatte es geraten . . . .

Ein guter Freund und Autor von Fachbüchern hatte mir allerdings geraten, einige Kapitel vorweg ausführlicher zu erläutern, um einen größeren Kreis von Lesern anzusprechen. Ich bin seinem Rat jedoch nur insoweit gefolgt, wie es mir unbedingt nötig erschien, damit die bewußt gewählte Form des Schilderns nicht zu oft unterbrochen wird. Daher sollen bereits an dieser Stelle die im folgenden Werk wiederholt benutzten Begriffe vorab kurz erläutert werden.

Was ist "Rundfunk" ?

Der Begriff "Rundfunk", entstand in den ersten Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Mit dieser Wortschöpfung verbindet sich ein historisch bedeutsames Ereignis der weltweit ersten nachweislichen Ausbreitung elektromagnetischer Wellen (1886 im Labor der Universität Karlsruhe durch den Physiker Heinrich Hertz).

Es gab da mal sogenannte "Knallfunkensender"

Auf dieser Grundlage entstanden (1904-06) sogenannte "Knallfunkensender". Diese Sender erzeugten nämlich laut knallende Überschläge (Funken), deren Energie sich über eine angekoppelte Antenne als elektromagnetische Wellen ausbreitete. Dadurch entstand der Begriff des "Funken", der zunächst nur für die telegrafische Übertragung von Informationen (Morsezeichen) stand und bis heute geläufig ist.

Am 29. Oktober 1923 gings los

Am 29. Oktober 1923 begann der Unterhaltungsrundfunk in Deutschland. Hans Bredow, der Vater des Rundfunks, hatte aber bereits 1913 und 1917 Musikübertragungen auf der Langwelle durchgeführt.

Wer darf eigentlich "senden" ?

Da die damalige Reichspost und spätere Bundespost das alleinige Recht hatte, drahtlose Übertragungen durchzuführen, entstand nach der Gründung von Rundfunkanstalten (nach Freigabe der jeweiligen Militärregierung in den westlichen Besatzungszonen) das Problem der Senderhoheit.
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Wem "gehören" die Sendeanlagen ?

Im Ergebnis ist kurzgefaßt folgender Sachstand noch heute (in 2002) gegeben:
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  • Die Sender des ARD-Hörfunks und des 1. Fernsehprogramms (ausgenommen die in Ostdeutschland) "gehören" zur ARD (sind also im Eigentum der ARD-Mitglieder) und werden von den Rundfunkanstalten der ARD betrieben.
  • Die Sender des ZDF, der dritten FS-Programme und der "Privaten", sind von der Telekom, als Nachfolgerin der Deutschen Bundespost, angemietet. Wie auch sämtliche Zuführungsleitungen zu allen Sendern und den Studios.

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Die ARD wurde im Juni 1950 in Bremen gegründet

Am 9./10. Juni 1950 beschlossen in Bremen die Intendanten der sechs westdeutschen Sender,

  1. Nordwestdeutscher Rundfunk (NWDR),
  2. Südwestfunk (SWF),
  3. Bayerischer Rundfunk (BR),
  4. Süddeutscher Rundfunk (SDR),
  5. Hessischer Rundfunk (HR) und
  6. Radio Bremen (RB)


die Gründung der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD). Die konstituierende Sitzung fand am 5. August 1950 in München statt.

Im Dez. 1952 startete unser deutsches Fernsehen (erneut)

Am 25. Dezember 1952 begannen die regelmäßigen Fernsehsendungen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Sendungen kamen zunächst vom NWDR aus Hamburg. Erst nach weiterem Aufbau von Richtfunkverbindungen durch die Bundespost konnten mit der Zeit auch Beiträge von anderen Rundfunkanstalten zum Gemeinschaftsprogramm Deutsches Fernsehen beigesteuert werden.

1953 - Der NWDR wurde zerstückelt

Der NWDR wurde (1953-1955) in drei Landesrundfunkanstalten aufgeteilt:
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  1. Norddeutscher Rundfunk (NDR),
  2. Sender Freies Berlin (SFB) und
  3. Westdeutscher Rundfunk (WDR).

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Im Jahr 1959 kam der Saarländische Rundfunk (SR) hinzu.

Heute besteht die ARD aus den o. g. Landesrundfunkanstalten, der nach der Vereinigung von West- und Ostdeutschland inzwischen auch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) und der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) angehören. (Stand 2002)

Die ARD steht für das Erste Deutsche Fernsehen, das auch die dritten FS-Programme verantwortet und für mehr als fünfzig Hörfunkwellen.
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Hör-rundfunk und Fernseh-rundfunk

Zur Unterscheidung von Hörrundfunk und Fernsehrundfunk wurde in den frühen 50er Jahren der Begriff des Hörfunks populär. Unter "Funkhaus" versteht man in der Regel eine Produktionsstätte des Hörfunks, unter "Sender", eine Sendestation zur Ausstrahlung der Hörfunk-und/oder Fernsehprogramme.

Ich hoffe, daß diese kurzen Erläuterungen zum nachfolgenden Werk jenen Lesern eine kleine Einführung bietet, die nicht mit dem Rundfunkgeschehen so vertraut sind.

Ein Dank an die fleißigen Unterstützer

An dieser Stelle danke ich Marleen Alizadeh ganz herzlich für ihre geduldige Unterstützung, die Textfassung für das vorliegende Buch zu korrigieren. Ihren zahlreichen Anregungen, besonders zur Klarstellung vieler Textabschnitte bin ich gerne und dankbar gefolgt. Frau Alizadeh war langjährig als Sekretärin im Fernsehen bei Radio Bremen tätig, zunächst in der Fernseh-Technik, und damit geradezu prädestiniert die unzähligen Fachbegriffe zu verstehen und später im FS-Programm, in der Abteilung FS-Zeitgeschehen.

Ebenfalls danke ich Arnold Müller für seine fachliche Kritik und für seine Geschichten in den RB-Anekdoten. Arnold Müller war von 1959 bis 1962 bei Radio Bremen in der Bildtechnik und anschließend bis 1998 beim ZDF in Mainz tätig.

Nachsatz

Alles hat seine Zeit. Die Nachrichtenübermittlung, im vorherigen Jahrhundert anfänglich über Großsendestationen, ist heute übers "Handy" oder "Internet" für jeden möglich geworden. Hörfunk und Fernsehen wird längst über hunderte von Satellitenkanälen angeboten. Vielleicht wird in weniger als hundert Jahren die Übertragung holographisch komplexer Szenen stattfinden, die nicht mehr auf der Bildröhre, sondern im freien Raum des eigenen Wohnzimmers dargestellt, zu völlig neuen Erlebnisformen führen.

Manfred Hemmerling 1999/2000 und die erweiterte Ausgabe 2002

Kapitel 1
Die Einführung

Die Niederschrift "Meine Erinnerungen" habe ich überarbeitet und erweitert, da in der ursprünglichen Ausgabe manches von mir nur kurz beschrieben worden ist und einiges fehlte. Auch die Abfolge einiger Themen ließ zu wünschen übrig, so daß es mir richtig erschien, einige zusammengehörige Beschreibungen entsprechend neu einzugliedern. Das betrifft auch Textstellen, die in der ersten Fassung als einleitende Worte gedacht waren. Sie sind hier unter dem Titel "Einführung" zusammengefaßt wiedergegeben.

Ferner ist "Der Film im Fernsehen" als neues Kapitel entstanden, dessen Bedeutung, insbesondere in den frühen Fernsehjahren, sehr viel ausführlicher zu beschreiben war. Leider ließ es sich nicht vermeiden, daß die von mir bevorzugte Form des einfachen Schilderns hier und da zugunsten des Sachvortrags unterbrochen werden mußte. Ich nehme aber an, daß der Lesefluß dadurch nicht sonderlich gehemmt wird.
im März 2002

Es war einmal im Jahr 1958 . . . .

Als ich 1958 bei Radio Bremen begann, war ich noch nicht ganz 23 Jahre alt. Das Bild zeigt mich im Alter von ca. 28 Jahren. Aus jenen Tagen gibt es noch recht viele Aufnahmen. Die Anzahl der Fotos für diese Niederschrift habe ich reduziert, damit letztlich nicht ein Bilderbuch daraus entsteht.

Die Bilder kommen im Anhang

Deshalb habe ich mich zu einem Bilderanhang entschlossen, um auch Fotos unterzubringen, die nicht zum Text passen, dennoch in gewisser Weise dazugehören und den einen oder anderen Kollegen ins Gedächtnis rufen, auch jene, die längst nicht mehr unter uns weilen. Auf der Suche nach einem Foto von Otto Kaeseler erhielt ich von Doris Kaiser und Johanna Andre einmalige Dokumentaraufnahmen.

Seltene Fotos kamen von meinen Kollegen

Ähnlich seltene Fotos haben mir freundlicherweise Kollegen für die Niederschrift überlassen. (Bildnachweis im Anhang). Außerdem habe ich im Bildanhang zwei Ansichtskarten (Frontansicht des Funkhauses und eine vom Parkplatz) verwendet, da sie die damaligen Verhältnisse nach meiner Erinnerung besonders anschaulich wiedergeben. Die Aufnahme vom Parkplatz in Richtung zum Sendesaal F zeigt, daß zu der Zeit kaum jemand ein Auto abstellte, vielmehr der ganze Bereich, mit der alten Kastanie davor, eher einem Park glich. Wer die heutigen Zustände kennt, sieht sogleich den Wandel der Zeit!

1958 war für mich die Pionierzeit

Meine Mitarbeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk begann 1958 zu einem Zeitpunkt, als gerade der Aufbau der damaligen Fernsehtechnik einsetzte. Dieser Zeitabschnitt darf zu Recht als Pionierzeit bezeichnet werden; er war besonders durch einen kollegialen Teamgeist geprägt.

Radio Bremen und der legendäre "Beat-Club"

Mit Beginn des Farbfernsehens in Deutschland im August 1967 wurde eine neue, schaffensreiche Periode eingeleitet, die viele Mitarbeiter von Programm und Technik besonders motivierte und zahllose Leitbilder hervorbrachte, wie z. B. bei Radio Bremen nach dem legendären "Beat-Club" den ebenso erfolgreichen "Musikladen" oder eine der ersten Talkshows, "III nach Neun", die heute noch zu sehen ist.

1980 kamen die Bösen - die "Privaten"

Als Mitte der 1980er Jahre die "Privaten" auf den bundesdeutschen Bildschirmen ihre ausschließlich durch Werbung finanzierten Programme ausstrahlen konnten, die primär kommerziellen Aspekten dienen, entstand ein neues Kapitel in der Fernsehgeschichte. Vor allem begann man sich vermehrt auf die sogenannten "Einschaltquoten" zu konzentrieren, eine Entwicklung, die bei den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten von ARD und ZDF nicht ohne Auswirkungen blieb. Mit dem verständlichen Anspruch, auch weiterhin möglichst viele Zuschauer bzw. Zuhörer zu erreichen, wandelte sich in den Folgejahren die Arbeitsweise dahingehend, daß der Präsentation der Programme ein besonderer Stellenwert zukam.

Viele Fernsehmitarbeiter der ersten Generation sahen in dieser unausbleiblichen Entwicklung einen Rückgang des Qualitätsanspruchs und des bis dahin geltenden Prinzips, daß das handwerkliche Können wichtiger ist, als dessen äußere Formgebung. So wird der erste Zeitabschnitt wegen der damaligen Verhältnisse und reizvoller Episoden von mir ausführlicher beschrieben als die späteren Jahre.

So sollen die Erinnerungen nicht verblassen

Dieser kurze Abriß ruft eine Reihe von Erinnerungen aus meiner vielfaltigen und interessanten Mitarbeit im Fernsehen wach. Vor allem aus den ersten Jahren, als das junge Fernsehen noch im Hörfunkgebäude untergebracht war, fallen mir viele Begebenheiten ein, die nun mal dazugehören und nicht in Vergessenheit geraten sollen.

Erwarten Sie bitte keine chronologische Abhandlung

Eine chronologische Abhandlung meines Rückblicks wird allerdings nicht immer möglich sein, da zusätzlich zu einer notwendigen Abfolge einige Episoden geschildert werden sollen, die zeitlos sein könnten, aber eben nur in jener Zeit möglich waren! Dazu gehören einige kuriose Geschichten, die ich selbst erlebt habe (oder die mir erzählt worden sind), und die ich als "Anekdoten" eingefügt habe.

Zum Verständnis des geneigten Lesers ist es nötig, auch wenn er in dem Metier tätig (aber kein "alter Hase") ist, die in der Anfangszeit des Fernsehens bestandenen Schwierigkeiten und technischen Unzulänglichkeiten - heute kaum noch vorstellbare Verhältnisse - manchmal ausführlicher zu beschreiben.

Öfter mal ein Exkurs in alte Begriffe und Termini

Dabei läßt es sich auch nicht ganz vermeiden, neben dem Gebrauch der damaligen Termini für Geräte und Verfahren, hier und da einen kleinen Exkurs in die Schwarzweiß- Fernsehtechnik zu unternehmen. Die damals dominierende Röhrentechnik bescherte uns ja nicht nur eine instabile Technik, in teilweise voluminösen Apparaturen, sondern erreichte auch rasch ihre physikalischen Grenzen, ganz besonders bei den Bildaufnahme- und Wiedergaberöhren. Aber auch mit der Farbfernseh-Technik gab es zu Beginn reichlich Probleme, die hier und da näher erläutert werden. So viel schon mal vorab.

Für uns war es eine erfreuliche Epoche des Miteinanders

Wie bereits erwähnt, habe ich die Schilderung meines Berufslebens bei Radio Bremen aus der Erinnerung aufgeschrieben. Doch trotz mancher Textergänzungen und zusätzlichen Bildern wird auch diese Neuauflage nur ein Streifzug darstellen, der meine persönlichen Erlebnisse im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und von Radio Bremen behandelt. Trotzdem denke ich, daß der eine oder andere Weggefahrte meinen Rückblick viel mehr als ein Andenken an jene Zeit versteht, die ich als eine erfreuliche Epoche des Miteinanders bezeichne, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Und insofern hoffe ich, daß meine Niederschrift nicht nur einige Erinnerungen wachruft, sondern auch etwas von dem Gefühl einer gewachsenen Zusammengehörigkeit vermittelt. Deshalb wünsche ich mir, daß Freunde unseres Hauses dieses Werk als Botschaft verstehen, deren Inhalt von dem Wesen einer kleinen, aber fähigen Gemeinschaft berichtet, die sowohl erfahren als auch hoch motiviert ist und ihr stets fachkundiges und qualifiziertes Handeln bewiesen hat.

Mein Wunsch an die Jüngeren bei Radio Bremen

Den Jüngeren bei Radio Bremen wünsche ich, daß sie noch möglichst eine lange Zeit die gleichen Chancen haben werden, wie sie mir seit den Anfangsjahren zuteil wurden, damit auch sie ihre Fähigkeiten für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk engagiert einsetzen können!

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