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Das METROPOL in Berlin im Jahr 2020

Der Nollendorfplatz
Das METROPOL im Aug. 2020
Das METROPOL ohne Strassenbahn
Das METROPOL in bunt
Das METROPOL mit Strassenbahn
Das METROPOL mit Autos um1930
Das METROPOL leicht verwahrlost

Aug./Sept. 2020 - Hier kommt mehr über das Auf und Ab des METROPOL Gebäudes in Berlin Schöneberg.

Im August 2020 war das Fernsehmuseum wieder zu einem historischen Film-Dreh nach Berlin eingeladen worden. Diesmal ging es nicht in die diversen Berliner Fimstudios, sondern in einen ehemalligen Theater-Saal, später ein Kino und dann unerfolgreich umgebaut zu einem Event-Palast. Und das dort Erlebte war wieder 3 DIN A4 Seiten groß.
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Ein Vorwort für NICHT-Berliner

Der Nollendorfplatz war einmal eines der Zentren von Berlin. In der östlichen Verlängerung von dem sehr langen Kurfürstendamm (auch "Kudamm" genannt  - also nicht die Kurfürstenstrasse) kommt (im Stadtplan rechts) nach der Kaiser-Wilhelm Gedächtnis-Kirche erst die kurze Tauentzienstrasse mit dem KADEWE und dann die ebenso kurze Kleiststrasse.

Rund um diese weltweit bekannte Berliner Kirche gab es mal 3 sehr große Kinos, den Zoo-Palast, den UFA-Palast und den GLORIA Palast. Am Nollendorfplatz gab es dann noch zwei weitere recht große Kinos, das CINE und das METROPOL.

Das CINE war optisch architektonisch bei weitem nicht so beeindruckend wie das METROPOL und wurde nach 1945 nicht mehr aufgebaut, es war völlig zerstört und ausgebrannt. Das METROPOL wurde repariert, der Gloria-Palast auch.
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Die bombastische Fassade des METROPOL

Es begann als "Neues Schauspielhaus am Nollendorfplatz". Später hieß es auch mal "Theater am Nollendorfplatz". In der Film-Literatur bekannt wurde dieser Bau aber als "Mozartsaal". Als dann immer mehr Filme gezeigt wurden, wurde das Haus zu "METROPOL" umbenannt.

Die von Anfang an bombastische Fassade des METROPOL war trotz der Bomben auf Berlin stehen geblieben, nur der Rest war weg. Und so steht sie heute noch, sogar unter Denkmalschutz, obwohl es eher nach Hollywood Kulisse riecht und das ganze gar nicht mehr ins moderne Stadtbild paßt.

Von hinten gesehen ist von der kulissenhaften Front nicht mehr viel übrig, nur fensterlose Steinwände. Auf der Fassade vorne sind links und rechts viele Figuren plastisch modelliert, die mit der aktuellen Gegend als Berliner Schwulen-Zentrum in der Motzstraße und Nollendorfstrasse nicht mehr harmonieren. Die vielen Gay-Hotels, also die Puffs für diese Art von Sex, sind für unsereins als auswärtigem Besucher schon sehr auffällig.

Die übergrossen nackten "Männlein" haben ebenso große gut gebaute nackte "Weiblein" im Arm, und das paßt einfach nicht zu obigem "Zentrum".
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Das Innenleben des umgebauten METROPOL ist jetzt Kulisse

Der ursprüngliche Konzertsaal
dann als Kino und Theater
umgebaut zum Event-Palast
die jetzige kleine Bühne

Das METROPOL - noch als Mozartsaal - also als Konzertsaal hatte nur einen mehrreihig eng bestuhlten Rang. Später als Theater oder Kino hatte es zusätzlich zum Parkett zwei große weit ausladende geschwungene Ränge mit bis zu 10 Sitzreihen in Richtung Bühne und auf dem ersten Rang in wenigen Reihen Sitze an der Seite mit niedrigen Brüstungen, sodaß auch diese Zuschauer das Geschehen auf der Bühne (oder der Bildwand) im Sitzen verfolgen konnten.

Der damalige Bildwerferraum (zu den Kinozeiten) ist auf dem Foto mit seinen kleinen Projektions-Fenstern über der mittigen Ehrenloge ganz oben hinter dem 2 Rang zu erkennen, sehr ähnlich dem Wiesbadener Walhalla Theater, dem UFA im Park und vielen anderen umgebauten ehemaligen Theatern auch. Doch davon ist hier nichts mehr übrig.

Dieses ganze ursprüngliche Interieur wurde bei der Entkernung (bereits vor 1990) entfernt und es wurden dicke römische Säulen installiert. Diese neuen dicken Säulen von ganz unten nach ganz oben haben aber (bis auf die beiden Säulen an der Bühne) überhaupt keine tragende Funktion, die Decke war ehemals weit überspannend freitragend. Die beiden Ränge wurden für die neuen Bars verbreitert und die Brüstungen der beiden Ränge wurden deutlich erhöht - also nur noch für Stehpublikum - geeignet mit Blick auf die Tanzenden.
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Mit diesen zwölf dicken monumentalen Säulen ist der optische ehemals weiträumige Eindruck ziemlich geschrumpft. Der 15m hohe Saal sieht jetzt viel kleiner und viel höher aus. Die ehemals gelungenen Proportionen (nach dem sogenannten "Goldenen Schnitt") stimmen nicht mehr. Die Bühne ist für diese Optik beinahe unscheinbar klein.
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Als etwa 1954 die ersten Cinemascope Filme mit der "255:1" Überbreite in den moderneren Kinos angeboten wurden, war hier die maximal mögliche Bildbreite duch die Statik der beiden tragenden Säulen vor der Bildwand vorne neben der Bühne arg begrenzt und für dieses neue Breitbild-Filmformat untauglich. Das Bild war damit viel zu klein und schon gar nicht mehr beeindruckend.
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Positiv : Jede Menge Nebenräume und Nottreppen

Der breite Haupteingang von dem Vorplatz auf der Straße führt zuerst mal ins Erdgeschoß. Der eigentliche Saal befindet sich in der ersten Etage. Zwei große breite geschwungene Treppen ermöglichen vom Eingang her den Saal-Zugang. Zwei weitere breite Treppen innerhalb des Saales führen zu den Rängen.

Beachtlich sind 4 große Not- und 2 kleinere versteckte Versorgungs- Treppenhäuser sowie jede Menge Toiletten auf den 3 Ebenen. Die eigentllich nutzbare Saalfläche ist nahezu doppelt so lang wie breit. Jedoch der angebliche Platz für Events mit bis zu 500 (sitzenden) Personen ist weit her geholt.

Was sich im Erdgeschoß (außer der Garderobe und den Nebenräumen) unter dem Saal befand, war für mich nicht ersichtlich. Ein kleiner Veranstaltungsraum, vielleicht ein Kino, liegt im 2. OG gegenüber den Toiletten und erstreckt sich über 2 Etagen.
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Es muß aber auch Mängel geben, denn .....

Die Prozzo Optik ist schon gut
Die große Troreinfahrt rechts vor dem LKW ist durchaus repäsentativ
und der Hof wäre ausbaufähig

...... in der Geschichte dieses Gebäudes häuften sich die Konkurse. Das hatte ich bereits vorher gelesen, daß die jeweiligen diversen Betreiber mit ihren Ideen nicht glücklich geworden waren. Insbesondere in der Berliner TAZ (und natürlich im SPIEGEL und in der FAZ) steht im Blog (ganz sicher etwas bissig formuliert), was da alles schief gelaufen war - und vor allem, auch wie oft es schief gelaufen war und wieviele kleine arme und große betuchte Investoren ihr "Spielgeld" verloren bzw. abgeschrieben hatten.

Da ich vor dem Film-Dreh und in den Pausen Gelegenheit hatte, das räumliche Umfeld zu betrachten, fiel natürlich die Parkplatz-Situation auf. Vor dem Gebäude gab es mal 30 oder 40 Stellplatze. Die wurden so nach und nach "umfunktioniert" und es sind davon jetzt vielleicht noch 10 oder 15 übrig.

Die sind aber - von der verbliebenen Breite her - weder für Ferraris noch für Lamborginis geeignet, und auch der 500er oder 600er Mercedes paßt da nicht mehr rein. Und von dem angestrebten potenten (also zahlenden) Publikum kam nun mal keiner mit der S-Bahn (direkt gegenüber) oder mit dem Fahrrad oder dem Roller oder gar mit dem VW-Polo, dem Opel-Corsa oder dem Ford-"KA".

Auf der Rückseite des Gebäudes ist ein gewaltiger großer Innen-Hof auszumachen, in den ganz sicher ein Mehretagen-Parkhaus auf Stelzen hinein passen würde. Mit einer Etage und einem direkten Zugang zum METROPOL ließe sich dieses heutige Problem lösen (das wir in Wiesbaden im Walhalla genau so haben). Auf dem Hof wäre sogar Platz für eine Belieferung mit großen LKW für Technik und Gastronomie (den wir zum Beipiel in Wiesbaden für das völlig verbaute Walhalla überhaupt nicht haben).
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Ach du meine Güte - ein 1 (ein !) Quadratmeter Lastenaufzug

Unsere historischen Kameras auf kleinst möglichen Stativen

Das war natürlich der absolute Overkill. Die Bewirtung sowohl im 1.OG (dem Haupt-Saal) wie auch für die Bars auf den beiden Rängen (im 2. und im 3. OG) erfordert jede Menge an Wasser-, Wein- und Sekt-Kisten zuzüglich der nicht flüssigen Bewirtung.

Und das sollte mit diesem Aufzug funktionieren, in den unsere mobilen Fernsehstative mühsamst (mit weniger als 1cm Spiel) hinein gepaßt hatten. Das konnte nicht gut gehen. Wenn der Getränkemann dann nämlich die Kisten nur einfach vor diesen Aufzug hinstellt und dann wieder weiter fährt, sind sie eben weg.

Also diese Versorgungs-Infrastruktur war und ist für einen modernen und vor allem effizienten und rentablen Event-Betrieb überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Ich habe auch keine Küche gefunden, in der die ehemals beworbene Edel-Gastronomie ihre Speisen hätte zubereiten können.
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Damit war sowohl das Event-Konzept 2004 und 2007 für das METROPOL wie auch das spätere GOYA-Konzept in 2019 verfehlt.
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Der aktuelle Zustand des Gebäudes

Die Zauberer von UFA Fiction
Hier hängt noch ein Lautsprecher
hier ist der Versuch gescheitert

Die UFA Fiction Requisite kann zaubern, das haben sie bewiesen. Die ehemaligen Betreiber konnten es offensichtlich nicht. Die "Hütte" ist nach dem letzten Konkurs verwahrlost und ziemlich verdreckt. Die Toiletten sind seit Monaten nicht mehr gepflegt worden. Fast alle Türgriffe sind wackelig oder hängen gerade noch an der letzten Schraube. Von den vielen Hand-Waschbecken mit viel zu dunkler Beleuchtung sind viele Armaturen defekt. Die Fußböden der Treppenhäuser und die der Nebenräume sind ziemlich verdreckt, der Saal übrigens auch. Da hat schon lange niemand mehr geputzt. Wenn einer der Scheinwerfer "aus Versehen" mal waagrecht über den Fußboden leuchtet, dann sieht man das alles überdeutlich.

Offensichtlich konnten die geprellten Lieferanten oder aber die flüchtenden Betreiber noch ein paar ehemals teure Electro Voice Lautsprecher von der Decke über den Rängen herunter reißen. Einige hängen noch an dicken Schrauben, die vermutlich nicht so einfach zu lösen waren.

Die 4 Hochton-Hörner über der Bühne waren ohne Gerüst nicht erreichbar und hängen daher noch. Auch von der oder den Disco-Anlagen sind noch Fragmente verblieben. Jedenfall sprechen die aus den Löchern heraushängenen Kabel eine eigene Sprache. Das alles hatten wir hier bei uns in dem hochgelobten aber dennoch Pleite gegangenen Rhein-Main-Theater an der Autobahnabfahrt Niedernhausen an der A3 auch schon mal.

Nach meinen Erfahrungen mit den gesetzlich vorgeschriebenen Notlichtanlagen und Fluchtwegleuchten in Bars und Diskotheken, die bereits vor über 30 Jahren zwingend gefordert waren, ist hier auch nicht viel zu erkennen gewesen. Eine Herrentoilette und mehrere Treppenhäuser waren fast gänzich dunkel, also unbeleuchtet. Das hätte bei uns hier richtigen Ärger gegeben.
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Es gibt sogar eine offizelle Website

Dort werden diverse Veranstaltungen angekündigt, die aber wegen Corona aus 2020 nach 2021 verschoben wurden.

Ob man vorher doch mal ein Besengeschwader und einen Installateur und einen Elektriker anheuern sollte ?
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