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Ein Vorwort zu dem Artikel über die Ossi-Kinos von Kurt Enz

von Gert Redlich im Sept. 2021

Der Artikel ist im Sommer 1990 in der FKT Nr. 7/1990 abgedruckt worden, weil auch Norbert Bolewski als Chefredakteur der FKT ehemals in der Ostzone aufgewachsen war. Somit hat Bolewski einen anderen Bezug zu den Aussagen und Feststellungen von Herrn Enz als ich als Wessi. Von den Kinos im Ossiland haben wir jungen Wessis sowieso nichts mitbekommen, denn in Berlin Karow wie auch in Ellrich/Harz gab es kein Kino, auch nicht für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren.

Und als ich später mit über 20 Jahren mit meinem VW-Käfer unsere Oma in Ostberlin besuchte und durch die Interzonen-Autobahn von Helmstedt bis Drewitz durch die Ostzone hindurch musste und mir das ziemlich dämliche Gelaber von den DDR-lern anhören mußte, kam Ost-Kino sowieso nicht mehr infrage.

In den Büchern von Heinrich Fraenkel und Curt Riess sowie von Will Tremper über Deutschland und Berlin nach 1945 lesen Sie die ganzen wilden Stories, wie die Russen ab 1945 in der SBZ Film und Kinos (und natürlich den Rundfunk) indoktriniert hatten und was die westlichen Beobachter so in Erfahrung brachten. Ein Artikel über die Ost-Kinos von 1951 steht hier.

Mit den drei Buchstaben "DDR" stehe ich heute mit über 70 Jahren immer noch auf Kriegsfuß, weil nichts davon gestimmt hatte. Nach der Lektüre von Gerhard Ronneberger "Deckname Saale" und auch Schalck Golodkowskis Buch wurde meine Meinung über den politisch wie wirtschaftlich maroden Ostzonen Staat weiter gefestigt.

Der nachfolgende Artikel hat immer noch das "Geschmäckle" von Ost-Propaganda - die "DDR" war doch gar nicht so schlecht.

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"Filmwiedergabetechnik" in der DDR

von K. Enz in FERNSEH- UND KINO-TECHNIK - Nr. 7/1990
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  • Anmerkung : Die "Wende" vom Herbst 1989 ist gerade mal wenige Monate vorüber und ein Ost-Autor könnte jetzt schon gefahrlos aus seinem Tätigkeitsbereich von vor der Wende berichten. Denn MFS und STASI waren bereits abgetaucht.

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Der Bericht ist eine Bestandsaufnahme der gesamten Filmwiedergabetechnik in der DDR, in der der Filmtheaterbesuch allgemein einen höheren Stellenwert bei den Bürgern einnimmt als in der Bundesrepublik Deutschland.

Der Beitrag beschreibt das Filmtheaternetz, die Grundlagen der Filmtheatergestaltung und insbesondere den technischen Stand der Filmwiedergabeanlagen.

Abschließend wird auf die Normungsarbeiten in diesem Bereich und auf die sehr vorbildliche Ausbildung der filmwiedergabetechnischen Fachkräfte eingegangen. Die neuen politischen Entwicklungen werden auch in diesem Bereich sicherlich zu Veränderungen führen, vor allem auf die nötige Automatisierung der Filmwiedergabe wird hingewiesen.

Oberingenieur Kurt Enz ist Mitarbeiter der Kino- und Elektrotechnik GmbH i. Gr. (vormals VEB Filmtheatertechnik) und Vorsitzender des Fachausschusses Film- und Fernsehtechnik der Kammer der Technik in der DDR

  • Anmerkung : Die in den letzen Jahren (seit etwa 2010) aufgebauten Kontakte und angebahnten Freundschaften sowohl in die großen Städte im Ossiland wie auch in die kleinsten Käffer sprechen eine ganz andere Sprache. Der "DDR"-Normalbürger hatte die politsche Bevormundung grenzenlos satt und da in fast allen Ossi Filmen immer Partei und Sozialismus unüberhörbar eingebaut wurden, gingen nur noch hartgesottene Ossis ins Kino. Die gelebte Realität hatte sich in den letzten 10 Jahren vor der Wende (1989) von der heilen sozialistischen Sicht so ziemlich ins Gegenteil gedreht.

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Eine Übersicht zum Stand der Filmwiedergabetechnik

...... in der DDR erfordert zuerst eine Information zum Netz der Filmvorführungsstätten an sich, zu seiner bisherigen Struktur und zu den Leistungen seiner Mitarbeiter, die trotz vieler Probleme wie fehlende handwerkliche Kapazitäten zur Erhaltung der Bausubstanz und Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Ausstattungsmaterialien, Lösungen und Wege fanden, aus einer Reihe von Filmtheatern ansprechende Kulturstätten mit interessantem Image zu entwickeln.

  • Anmerkung : Die hier im Absatz oben drüber genannten "kleinen" Einschränkungen betrafen die überwiegende Zahl der Ossis-Kinos. Weiter unten werden dann doch wieder Lobeshymnen ausgeschüttet, wie toll das alles (im Ossiland) war. Viel zu oft war genau das Gegenteil die Realität. Für einen inzwischen politisch risikolosen Rückblick im Jahr 1990 hätte ich doch etwas mehr Wahrheit gewünscht. Lesen Sie die beiden Bücher von Gerhard Ronnneberger (Deckname Saale) und von Schalck Golodkowski, wie verrottet und marode das ganze Ossi-System - politisch wie wirtschaftlich - ab 1986 war und beschrieben wurde.


Aber auch die anderen Filmvorführungsstätten wie die Freilichtkinos in verschiedenen Orten und Sommerkinos in den Urlauberzentren sprechen für den Ideenreichtum der Techniker und der leitenden Mitarbeiter.

Leider reichte es in der allgemeinen und bilanzierten Planwirtschaft nicht, das Niveau der Bezirks-Erstaufführungsfilmtheater und einiger anderer Schmuckstücke auf alle Kinos auszudehnen.
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Die Filmwiedergabetechnik - modern und betriebssicher

Immerhin war aber die eigentliche Filmwiedergabetechnik, das heißt die Filmprojektoren und die dazu gehörenden Ausrüstungen, so modern und betriebssicher, daß stets alle vom Verleih zum Einsatz gebrachten Filme in den international üblichen Filmwiedergabeverfahren problemlos und in guter Qualität vorgefühlt werden konnten.

So wurden zur Zeit des Vierkanal-Magnettons im Zusammenhang mit CinemaScope in etwa 300 Filmtheatern die technischen Voraussetzungen für eine einwandfreie Wiedergabe geschaffen, die durch einen Meßwagen der DEFA Zentralstelle für Filmtechnik überwacht wurde.

Es kann auch festgestellt werden, daß Filmtheaterschließungen wegen mangelhafter wiedergabetechnischer Ausrüstungen nicht vorkamen und Vorstellungsausfälle wegen technischer Störungen äußerst selten waren.

Auch das Normenwerk für die Filmwiedergabetechnik, die gültigen Fachbereichsstandards, war sehr weit gefächert und gaben eine gute Arbeitsgrundlage.

Nach der Produktionseinstellung von Filmprojektoren im Inland in den bekannten Kamera-und Kinowerken des VEB Pentacon Dresden (früher Zeiss Ikon) konnte durch die Aufnahme einer sehr guten und engen Zusammenarbeit des zuständigen Dienstleistungsbetriebes für das Lichtspielwesen, dem VEB Filmtheatertechnik, mit den tschechoslowakischen Meopta-Werken der optimale technische Anschluß an das vorangegangene hohe technische Niveau (Anmerkung : im Ostblock) der Filmwiedergabegeräte weitergeführt werden.

Die Entwicklungsingenieure von Meopta boten mit ihren leistungsstarken und soliden Projektorenentwicklungen sehr gute Voraussetzungen für die Fortsetzung der optimalen Ausrüstung der Bildwerferräume in den Filmtheatern der DDR.
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1. Das Filmtheater-Netz und die technische Betreuung

Etwa 825 Filmtheater zählt das Netz heute (also 1990 - wie das "Statistische Jahrbuch der DDR" aussagt). Daneben gibt es im Bereich des Lichtspielwesens noch eine Reihe von Freilicht-Filmvorführungsstätten mit stationären Filmwiedergabeanlagen, die ebenso wie die in Urlauberzentren und auf großen Zeltplätzen errichteten Leichtbau- und Sommerkinos - Nachfolger der Ende der sechziger Jahre entwickelten Zeltkinos - in der Zeit vom oft zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein in Betrieb sind.

Zum Verwaltungsbereich des staatlichen Lichtspielwesens gehören auch noch eine Reihe kleiner Spielstellen in Landgemeinden, die mit stationär aufgestellten, leichten, an sich transportablen, Filmwiedergabeanlagen ausgestattet sind.

Schließlich gehören zu diesen Filmwiedergabeeinrichtungen auch noch eine nicht geringe Anzahl transportabler Filmwiedergabeanlagen, mit denen eine filmische Betreuung in Kinderheimen, Heimen für betagte Bürger sowie auf besondere Anforderung in Betrieben, Organisationen oder Landgemeinden erfolgt.

Außerhalb des Netzes der Filmvorführungsstätten des Lichtspielwesens werden von Betrieben, Behörden, Institutionen und Organisationen viele eigene Kulturhäuser mit stationären Filmwiedergabeanlagen oder bewegliche Filmwiedergabegeräte mehr oder weniger intensiv für kommerzielle oder interne Filmvorführungen genutzt.

Schaut man einmal in das statistische RGW-Handbuch, so weist es für die DDR etwa 4.500 Filmwiedergabeanlagen aus.

Die organisatorische Struktur des Lichtspielwesens der DDR

Die organisatorische Struktur des Lichtspielwesens der DDR, innerhalb der die Filmtheater und Spielstellen sowie die im ambulanten Betrieb eingesetzten Filmwiedergabeanlagen verwaltet und betreut werden, ist durch die in den 15 Bezirken des Landes ansässigen Bezirksfilmdirektionen gekennzeichnet.

Zu den Aufgaben dieser den bezirklichen Verwaltungsorganen - dem Rat des Bezirkes und seiner Struktur - unterstellten Betriebe gehört neben der Filmtheaterverwaltung auch die Aufgabe der Lagerung, Instandhaltung, Einsatzdisposition und Bereitstellung der vom Progress Film-Verleih im Verleihprogramm angebotenen Filmkopien, die in der DDR zur Vorführung gelangen.

Für deren Auswertung gelten technische Grundsätze, die sowohl von den Filmtheatern als auch den betriebseigenen Kopienprüfstellen einzuhalten sind. Hier ist eine direkte Verbindung von der kulturpolitisch-kommerziellen Aufgabenstellung der Bezirksfilmdirektion zum Direktionsbereich Technik, der für alle filmwiedergabetechnisehen Belange vom Entstörungsdienst, der Wartung und Instandhaltung bis zur Planung und Realisierung von Rekonstruktionsmaßnahmen in den Filmvorführungsstätten zuständig ist.

Auch die fachliche Durchführung der Ausbildung von Filmvorführern zur Erlangung des gesetzlich geregelten Befähigungsnachweises für Filmvorführer gehört zu den Aufgaben der Techniker.

Die Realisierung von Erhaltungsmaßnahmen .......

Bei der Realisierung von Erhaltungsmaßnahmen für die Filmvorführungsstätten sowie ihre technische Ausrüstung sind in den Bezirken keine völlig übereinstimmenden Strukturen vorhanden. Technische Stützpunkte in einer Reihe von Kreisen für die technische Kontrolle und Wartung der Filmwiedergabeanlagen sind die wichtigste Stütze für den praktischen Betrieb. Sie sind je nach Größe und Aufgabenstellung mit einem oder mehreren Facharbeitern für Wiedergabetechnik und einem Meister für Wiedergabetechnik - als selbständige Berufe an der Zentralen Betriebsschule des Lichtspielwesens ausgebildet - besetzt.

Aus Gründen der oft notwendigen Selbsthilfe haben einzelne Bezirksfilmdirektionen eigene Handwerkerbrigaden für verschiedene Gewerbe, zum Beispiel Maurer oder Tischler, gebildet, um die Substanzerhaltung zu gewährleisten.

Die Hauptprobleme der Sicherung des Spielbetriebes bildeten immer der Verschleiß der Bausubstanz, und dabei insbesondere der Dächer der Filmtheaterbauten, aber auch der Heizungsanlagen und der Innenausstattung der Filmtheater, zum Beispiel des Filmtheaterklappgestühls.

Erneuerungen in diesen Bereichen scheiterten nicht selten an fehlenden Bilanzen für die Bereitstellung von Kapazitäten, das heißt von Arbeitskräften und Arbeitsleistungen, oder der Lieferung von Heizanlagen oder neuem Fimtheatergestuhl.

Aufwendige Reparaturen oder Aufarbeitungen waren nicht selten teure Aktionen zur Verbesserung des Niveaus der Filmtheater im Rahmen von Rekonstruktionsmaßnahmen. Fehlende Heizungsanlagen verurteilten verschiedentlich einzelne Filmtheater zum Sommerbetrieb.
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  • Anmerkung : Das ist wirklich Verdummung pur von Herrn Enz. Es sind immer noch typische SED Formulierungen. Die Ossi Kinos mußten nie Profit machen. Und selbst bei nur 4 Besuchern in der Vorstellung wurde schon sozialistisch gejubelt. Und ohne Heizung war eben nur der Bildwerferraum schön warm.

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Filmtheaterschließungen oder Betriebsunterbrechungen

Filmtheaterschließungen oder Betriebsunterbrechungen erfolgten ausschließlich aus Gründen mangelnden Bauzustandes oder fehlender Haustechnik. Die Filmwiedergabetechnik, also die im Bildwerferraum wie im Zuschauerraum und auf der Bühne installierten Geräte und Ausrüstungen für die Filmwiedergabe, ist infolge der permanent wirksamen Technik-Politik der Leitungen in den Bezirksfilmdireküonen - die auch durch den zuständigen Bereich Technik in der Hauptverwaltung Film des Ministeriums für Kultur unterstützt wurde - wie des initiativreichen Wirkens der technischen Mitarbeiter, in den seltensten Fällen, wenn überhaupt, Ursache für eine Unterbrechung des Spielbetriebes in einem Filmtheater gewesen.

Der technische Stand der Filmwiedergabeanlagen war und ist somit im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten im allgemeinen immer auf der Höhe der Zeit.

Der technische Stand ist somit auf der Höhe der Zeit .......

Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hatte der VEB Filmtheatertechnik als einziger Dienstleistungsbetrieb für das Lichtspielwesen mit Handelsmonopol für die Lieferung filmwiedergabetechnischer Geräte und Ausrüstungen. Er stellte in den letzten Jahren das technische Zentrum für alle Fragen und Probleme der Filmwiedergabetechnik und ihre Lösung dar.

Der VEB Filmtheatertechnik ist autorisierter Händler und Kundendienstbetrieb für Meopta-Filmprojektoren aus der CSFR für 16mm- und 35mm-Film - im Jahre 1989 wurde der 1000. Meopta-Filmprojektor für die 35mm-Filmwiedergabe für den Einsatz in der DDR übergeben.

Auch Tungsram-Xenonlampen und 16mm-Filmprojektoren von Fite aus Ungarn gehören zum Handelsprogramm. In jüngster Zeit autorisierte auch Dolby Lab. Inc. den VEB Filmtheatertechnik für die Fertigung von Filmwiedergabe- verstärkerkomplexen mit Dolby-Prozessoren CP 55 für die Wiedergabe von Filmen mit Dolby-Stereoton und ihre Betreuung mit der vorhandenen Meßtechnik, nachdem inzwischen in elf Filmtheatern der DDR diese Ausrüstungen erfolgreich in Betrieb genommen wurden.

Neben diesen Verstärkerkomplexen gehören unter anderem zum Fertigungsprogramm des Betriebes Zubehörgeräte für Filmwiedergabeanlagen wie Vorhandwinden, Kaschierungswinden, Kabinenfenster, Bedienungssteuerfelder, weiße Weichplastbildwände beliebiger Größe in Schweißtechnologie gefertigt und ein elektronischer Dreiklanggong.

Die Projektierung und Montage von Filmwiedergabeanlagen sowie deren Wartung und Reparatur gehören zum weiten Leistungsangebot des Betriebes auf dem Gebiet der Filmwiedergabetechnik.
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  • Anmerkung : Auf welcher Höhe welcher Zeit wird dabei nicht verraten. Es ist doch bezeichnend, daß diese super tollen angeblich hochmodernen 35mm Projektoren nie den Weg ins kapitalistische Ausland gefunden hatten, obwohl doch alle Ost-Staaten ganz intensiv nach West-Devisen schielten bzw. gierten.

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2. Filmtheaterformen und Grundlagen der Filmtheatergestaltung

Abgesehen von den Erhaltungs-Problemen für Bausubstanz, Dächer und Heizungsanlagen und daraus resultierende Folgen für Aussehen und Betrieb der Filmtheater wurden in einer Reihe von Filmvorführungsstätten nicht nur anspruchsvolle Zuschauerräume gestaltet, sondern auch Service-Angebote für den Zuschauer integriert, die in Form und Gestaltung zu interessanten Varianten führten.

  • Anmerkung : Die allermeisten Kinos außerhalb der 4 Großstädte sahen von außen aus wie direkt nach dem Krieg 1945 "gerade so stehen gelassen" (Bilder gibt es genügend). Von den Türen und den Fenstern und insbesondere den sanitären Einrichtungen - den Toiletten - wird überhaupt nicht gesprochen. Auch über die Hygiene bzw. die Sauberkeit gibt es kein Wort.

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In der DDR geläufige Begriffe wie "Kino-Kaffee" oder "Kinovisionsbar" kennzeichnen solche Filmvorführungsstätten, die eine gastronomische Betreuung der Zuschauer des Hauses im gesamten Zuschauerraum oder in einem Teil davon ermöglichen.

Sie sind bei den Besuchern sehr beliebt und nicht selten ist eine langfristige Vorbestellung der Eintrittskarten erforderlich, um einen Platz in einer solchen Einrichtung zu erhalten.

Viele Filmtheater sind verhältnismäßig alt.

Viele Filmtheater sind hinsichtlich der Bausubstanz verhältnismäßig alt. Sie befinden sich in nicht geringer Zahl in Bauten, die um die Jahrhundertwende und davor errichtet wurden. Neubauten wurden in einer Reihe von Orten in allen Bezirken vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren errichtet. Die siebziger und achtziger Jahre brachten nur einige wenige Neubauten.

Eines der Hauptprobleme der Zuschauerraumgestaltung war, wie schon erwähnt, das Filmtheatergestühl. Das in geringem Umfang in Filmtheatern anzutreffende neue Kinogestühl entspricht im Prinzip dem Standard der 19sechziger und 19siebziger Jahre.

Lange Bestellzeiten, begrenzte Sortimente und vielfach ausbleibende Lieferungen (wenn die Bilanz wegen dringender Exportaufgaben nicht bestätigt wurde) ermöglichten es meist nur in Erstaufführungstheatern, neues, einem internationalen Niveau annähernd entsprechendes Gestühl einzusetzen.

Darum wurden Auswege gesucht und gefunden, durch Klubkinos und solche mit gastronomischer Betreuung, also unter Einsatz von Sessel-Tisch-Kombinationen, einer Ausstattung, die den Anforderungen der Zuschauer an die Sitzmöbel entsprach.

Der Ideenreichtum der Mitarbeiter der Bezirksfilmdirektionen und der Filmtheater selbst sowie gute Kontakte zu DDR-Betrieben halfen immer wieder, Zuschauerwünsche hinsichtlich Bequemlichkeit beim Filmbesuch zu erfüllen.

Oft Jahrzehnte altes Klappgestühl .......

So wurde einmal oft Jahrzehnte altes Klappgestühl repariert und neu aufgespolstert. Reihenabstände von 90cm und mehr führten zu einem verbesserten Sitzangebot. Andererseits wurde über den Umweg der Gestaltung von Klubkinos und solchen mit Gastronomie durch Wohnraummöbel, Sessel und Klubtische, aber auch mittels Spezialanfertigungen örtlich ansässiger Betriebe, Lösungen gefunden, die von den Filmbesuchern gern angenommen wurden.

Neben den stationären Filmtheatern gibt es noch eine Reihe von Freilicht-Filmvorführungsstätten mit stationärer Filmwiedergabetechnik. Die größte befindet sich in Chemnitz (Karl-Marx-Stadt) auf dem Küchwald, einem beliebten Naherholungszentrum der Stadt. Dort können auf einer 31m breiten Bildwand 70mm-Filme außerordentlich eindrucksvoll wiedergegeben werden. Auch ein Autokino wird in der DDR, im Bezirk Potsdam, betrieben und erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Sehr beliebte Filmvorführungsstätten sind die Sommerkinos auf vielen Zeltplätzen und in Urlauberzentren an der Ostsee, den Binnenseen, aber auch im Gebirge. Ihre Gestaltung hat sich vom einfachen Zeltkino mit Sitzbänken zu ansprechenden Filmvorführungsstätten mit einer Metallaußenhaut entwickelt.

Nicht selten enthalten sie eine akustisch wie ästhetisch angenehme Innenraumgestaltung, mit noch gutem Kinogestühl aus Filmtheatern, die das "Glück hatten", eine neue Ausstattung zu bekommen.

  • Anmerkung : Hier kann man besonders lange schmunzeln, denn wenn in einem Ossi-Kino die Bestuhlung ausgetauscht werden mußte !!!, war es allerhöchste Eisenbahn, den Müll raus zu karren und dies "noch gute Kinogestühl" kam dann in die Urlaubsgebiete.

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Die Filmwiedergabeanlagen

Als Filmwiedergabeanlagen werden stationär aufgestellte, transportable Filmwiedergabeanlagen genutzt (Anmerkung : es waren die russischen Kofferprojektoren), die für Bildbreiten bis 5m eine "brauchbare" Bildausleuchtung und eine "ausreichende" Tonwiedergabe ermöglichen.

Campingurlauber stellen keine so hohen Ansprüche (das sozialistische Film-Angebot im Urlaub war ja sowieso "alternativlos") wie die Besucher in einem Erstaufführungsfilmtheater. Einzelne Leichtbaukinos sind auch mit stationären Filmwiedergabeanlagen ausgerüstet.

Die technischen Bedingungen der Filmwiedergabe in den Filmvorführungsstätten wurden in den meisten Fällen gut und vorbildlich gelöst. Entsprechend den gültigen Normvorschriften, den in der DDR verbindlichen Fachbereichsstandards (TGL) für die Filmwiedergabe, stimmen die realisierten Kennwerte, zum Beispiel für das Verhältnis von Bildbreite und maximaler Sichtentfernung, weitgehend überein.

Bei Filmtheaterneubauten wurden die technischen Forderungen immer gut gelöst und auch die Arbeitsbedingungen für den Filmvorführer sind in den meisten Fällen als vorbildlich zu bezeichnen. Bei Anpassung älterer Filmtheater, vor allem alter Saalbauten, die zu Stummfilmzeiten in Kinos umfunktioniert wurden, oder Bauten aus der frühen Tonfilmzeit, mußten mitunter gestalterische Kompromisse eingegangen werden. In jedem Fall vorbildlich sind die Bedingungen in den Klub- und Kaffee-Kinos gelöst.
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Die Sicherung der optimalen Bildwandleuchtdichte

Zu den technischen Bedingungen einer guten Filmwiedergabe gehört vor allem die Sicherung der optimalen Bildwandleuchtdichte. In den Filmtheatern mit Xenonlampen und den wenigen, die noch mit Kohlebogenlampen betrieben werden, sind die genormten Kennwerte innerhalb der zugestandenen Toleranzbereiche gesichert.

  • Anmerkung : Auch hier erzählt Herr Enz großen Unsinn. Das war doch alles nur Ossi-Theorie. Die Xenon Kolben waren in der Produktion extrem sensible Gesellen und die wurden deshalb importiert, gegen West-Devisen. Und Xenon-Kolben altern, sie werden braun und die Leuchtkraft nimmt ab. Wenn es aber keine Neuen gibt, weil kein (West-) Geld da ist, brennen die alten Kolben eben weiter, bis sie ganz ausgehen.


Der Nennwert der Bildwandleuchtdichte liegt bei 40cd/m2 der untere Grenzwert bei 30cd/m2. Bei Filmwiedergabeanlagen, die eine Halogenlampe als Projektionsquelle nutzen, wird diese untere Grenze mitunter nicht eingehalten, vor allem bei der Projektion von Breitwandbildern.

Die Tonwiedergabe entspricht den jahrzehntelang verbindlichen Grundsätzen der Lichttonqualität. Moderne Anlagen mit Dolby-Stereotonwiedergabe befinden sich nur in etwa einem Prozent (1%) der Gesamtzahl der (Ossi-) Filmtheater. Hier ist ein starker Nachholbedarf gegenüber dem internationalen Filmtheaterstandard festzustellen.

3. Filmwiedergabeanlagen und Zubehör

Der älteste noch im Einsatz befindliche Filmprojektorentyp ist die berühmte Ernemann VIIB, teilweise noch mit der bekannten Magnasol-II- Kohlebogenlampe, wie sie von Zeiss-Ikon Dresden bereits 1936 auf den Markt kam und auch nach dem 2. Weltkrieg von 1949 bis 1951 noch einmal gefertigt wurde.

Mehr als die Hälfte der Filmprojektoren aus den fünfziger und sechziger Jahren wurde im VEB Pentacon-Kamera- und Kinowerke in Dresden gebaut. Die stabilen Filmprojektoren des Typs "Dresden" (D1, D2, DU, D21) sind heute in der Mehrzahl mit Xenonlampenhäusern ausgestattet, die zum größten Teil von Fite, Budapest, für vertikal brennende Xenonlampen gebaut wurden.

Die etwa zehn Filmtheater, in denen noch 70mm-Filmprojektoren des Typs "Pyrcon UP 700" stehen, arbeiten zum Teil noch mit Hochleistungskohlebogenlampen mit einer Belastungsfähigkeit bis 250 A. Aber auch Lampenhäuser von Fite mit 4kW-Xenonlampen in vertikaler Brennstellung sind im Einsatz.

In diesen Filmtheatern wurde in der ersten Hälfte der achtziger Jahre mit einer nach sowjetischem Vorbild in der DEFA Zentralstelle für Filmtechnik vom Verfasser entwickelten Zusatzeinrichtung stereoskopische Filme des von NIKFI Moskau geschaffenen Stereo'70-Verfahrens mehrere 70mm-3D-Filme (in der DDR als "Stereofilm" bezeichnet) in guter Qualität vorgeführt.

Nach 1973 wurden nur noch tschechoslowakische Filmprojektoren eingesetzt. In etwa 80 Filmtheatern ist der Typ Meo IVX mit Xenonlampenhäusern für Lampen bis 2,5 kW in Betrieb.

In weitaus größerer Anzahl sind inzwischen die modernen Meo-5X- und Meo-5XB-Projektoren in Betrieb, von denen die letzteren bereits mit horizontal brennenden Xenonlampen bestückt sind. Es dominieren dabei die Lampenhäuser H1 für Lampen bis 2,5 kW; es sind aber auch einige mit H2-Lampenhäusern für 4kW-Xenonlampen im Einsatz.

Die Projektoren der Typreihe Dresden

Hier muß noch einmal auf die Projektoren der Typenreihe "Dresden" aus Dresden eingegangen werden. Sie sind für kleinere Filmtheater mit einer aus einem Neuerervorschlag stammenden Beleuchtungseinrichtung mit 36V/400W- Halogenlampe ausgestattet und ergeben damit eine mechanisch recht zweckmäßige, lichttechnisch aber nicht für alle Einsatzfälle optimale Lösung.
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Die Automatisierung der Filmwiedergabe

Was die Automatisierung der Filmwiedergabe betrifft, so sind die Bildwerferräume der DDR gegenüber denen in westlichen Ländern sicher unterentwickelt. Die Überblendungsautomatik ist im Zusammenhang mit dem Einsatz der Meo-5X- und Meo-5XB-Projektoren durch den Einsatz serienmäßig von Meopta gelieferter Impulsmarkenabtaster öfter anzutreffen.

Auch die 1800m-Technik wird neuerdings in vielen Filmtheatern zur Schonung der Filmkopien gepflegt. Sie ist aber noch nicht durchgängige Praxis.

Programmautomaten zur Steuerung der gesamten Vorstellung sind nur vereinzelt im Zusammenhang mit den 70/35mm-Projektoren Pyrcon UP 700 vom VEB Pentacon installiert, aber nur selten optimal genutzt worden. Spulentürme oder Filmtelleranlagen waren bisher nur von einzelnen Bezirksfilmdirektionen gefragt, so daß sich keine Entwicklung und Fertigungsaufnahme lohnte.

Die Projektorenhersteller in den RGW-Ländern interessierten sich daher auch nicht dafür (außer in der UdSSR für den Inlandbedarf). Eine einzige Filmtelleranlage von Kinoton, München, ist seit mehr als etwa zwanzig Jahren im Berliner Filmtheater "International" störungsfrei in Betrieb und wird von den dortigen Filmvorführern auch gern genutzt.

Das Fehlen solcher Einrichtungen ist weniger auf technische Fehleinschätzung notwendiger Rationalisierung bei den Filmtechnikern zurückzuführen, als vielmehr auf den Filmeinsatz, der überwiegend Terminierungszeiträume von einer Vorstellung bis zu wenigen Tagen je Kopie und Filmvorführungsstätte vorsah, so daß sich der Arbeitsaufwand für die Verkopplung der in 600m-Akten gelieferten Filmkopien nicht rentierte.

Durch die Verwendung von 1800m-Spulen an den modernen Meopta-Filmprojektoren, war der möglichen Rationalisierung der Filmvorführung bei mehr als einwöchiger Spielzeit eines Films für die wenigen Filmtheater in den Bezirkshaupt- und einigen Kreisstädten weitgehend Genüge getan.
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Die Projektionsobjektive

Die Projektionsobjektive für die Wiedergabe der verschiedenen Bildformate des 35mm-Films stammen seit Jahren ausschließlich von Zeiss-Jena, die aus Gründen der Produktionsrationalisierung die Objektive von ROW Rathenow ablösten.

Die dominierenden Objektive des Typs Visionär von Zeiss-Jena gewährleisten noch immer eine gute Wiedergabequalität, stammen aber aus den frühen sechziger Jahren. Vielfach sind aber auch noch ältere Objektivtypen im Einsatz.
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  • Anmerkung : Die neuen West-Objektive (zum Beispiel von ISCO Göttingen) hatten ab 1955 eine wesentlich gesteigerte Lichtstärke, sodaß mit weniger starken Lampen und damit weniger Hitze im Filmfenster projiziert werden konnte. Insbesondre bei den Cinemascope Optiken war das extrem wichtig. Bei Zeiss in Jena waren offensichtlich keine Ressourcen für die paar Kinoobjektive mehr vorhanden (die alten Objektive waren ja noch da) und Westdevisen für neue Optiken wären ein Traum gewesen.

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Die Filmwiedergabeverstärker

Die überwiegend anzutreffenden Filmwiedergabeverstärker P12 und P22 des VEB Metra, Radebeul, mit einer Ausgangsleistung von 50W sind solide aufgebaut und betriebssicher, aber vom Entwicklungsstand her auch nicht mehr ganz neu.

Ihre Entwicklung geht noch auf Arbeiten des VEB Präcitronic zurück, der bis 1972 unter der Firmenbezeichnung "Clamann & Grahnert" international bekannt war. Filmwiedergabeverstärker und Meßgeräte dieser Firma hatten und haben auch heute noch (in 1990 ?? wirklich ?) international einen guten Ruf.

Lautsprecher und Lautsprecherkombinationen

Etwas problematischer war die Bereitstellung geeigneter Lautsprecher für die Filmton-Wiedergabe. Lautsprecherkombinationen des Typs Capitol aus den fünfziger Jahren sind heute noch verhältnismäßig stark verbreitet und bieten eine recht angenehme Wiedergabequalität. Als deren Produktion 1963 nicht mehr weitergeführt wurde, kamen 30W-Lautsprecherkombinationen des Typs AKR 330 von Tesla aus der CSFR und später eine Boxenkombination mit der Typbezeichnung TZ 128 von einer handwerklichen Produktionsgenossenschaft (PGH) aus Meissen.

Für die modernen Dolby-Anlagen werden neben einzelnen Importlautsprecher- kombinationen von Kinoton, München, und GBL-Lautsprecherkombinationen des VEB Musikelektronik Geithain mit der Typbezeichnung KS 200-2 eingesetzt, die eine auch von Vertretern der Firma Dolby Lab. Inc. anerkannte Wiedergabequalität gewährleisten.

Diese Typenvielfalt wird noch durch den Einsatz verschiedener Lautsprecherboxen aus industrieller Fertigung, eigener Herstellung des VEB Filmtheatertechnik oder der Bezirksfilmdirektionen erweitert.
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Die transportablen Filmwiedergabeanlagen

Als transportable Filmwiedergabeanlagen dominieren auch heute noch die bis 1963 von Zeiss Jena gefertigten Ttf-35-Anlagen. Heute mit 36V/400W- Halogenlampen bestückt und durch einen modernen Filmwiedergabeverstärker P12Kn vom VEB Metra, Radebeul, mit integriertem Gong ergänzt, erfüllen sie noch immer stabil die an sie gestellten Anforderungen.

Seit 1963 werden sie nicht mehr produziert, behaupten sich aber nach wie vor gegenüber den ähnlich aufgebauten sowjetischen "ortsveränderlichen" Filmwiedergabeanlagen KN-17 und KN-20, die zeitweilig importiert wurden, um die guten alten TK-35 abzulösen.

Beide stammen ja von den gleichen "Urgroßeltern" ab, einer Konstruktion aus dem Jahre 1934, und wurden einerseits in der UdSSR in Odessa und Minsk weiterentwickelt und andererseits im Rahmen von Reparationsleistungen für die UdSSR bei Zeiss-Jena 1947 als TK 35 in einer eigenständigen Konstruktion vorgestellt und bis 1963 in verschiedenen verbesserten Varianten (Anmerkung : als Reparation an die Russen - extrem kostengünstig) geliefert.
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16mm-Schmalfilmprojektoren

Noch ein Wort zu den Schmalfilmprojektoren für 16mm-Film. Sie sind in den Schulen der DDR weit verbreitet. Während bis in die sechziger Jahre derartige Projektoren in Jena bei Zeiss produziert wurden, erfolgte danach der Einsatz von tschechoslowakischen 16mm-Projektoren des Typs Meoclub 16 mit Lichttonwiedergabe und Magnettonaufzeichnung und -Wiedergabe in den jeweils weiterentwickelten Varianten Meoclub 16 automatic, automatic H (erstmalig mit Halogenlampe), Standard (ohne Magnetton), electronic, electronic 2 und 3 sowie AS2 und AS3 (nur Licht- und Magnettonwiedergabe).

Diese sehr leistungsfähigen Geräte wurden von den Entwicklungsingenieuren immer wieder in einer engen wissenschaftlichtechnischen Zusammenarbeit mit Vertretern des VEB Filmtheatertechnik und der Nutzer im Bereich des Schulwesens der DDR und der CSFR vorgestellt und diskutiert.

Sie berücksichtigten die vielen in der Wiedergabepraxis gewonnenen Erfahrungen und führten so zu immer weiter verbesserten Detaillösungen bei den jeweils weiterentwickelten Typen.

Neben diesen 16mm-Filmprojektoren sind noch einige stationäre Geräte der ungarischen Firma Fite im Einsatz. Die Projektoren mit der Typbezeichnung Fite 16 SXM sind mit horizontal brennenden 0,5kW-Xenonlampen, in einem elliptischen Metallspiegel angeordnet, ausgestattet.

Sie sind für die Licht- und Magnettonwiedergäbe und die Verwendung von 1500m-Filmspulen konzipiert. Aber auch eine Reihe von transportablen Geräten des Typs Fite 16CN sind im Einsatz. Sie benutzen als Projektionslichtquelle Tungsram-Halogen-Kompaktlampen 24V/250W und gewährleisten eine gute Lichtausbeute.

4. Normung in der Filmwiedergabetechnik

Die filmtechnische Normung wurde in der DDR sehr intensiv betrieben. Darunter wurde allein für die Filmwiedergabetechnik ein recht breites Standardwerk geschaffen. Neben den an die internationale Normung anschließenden Grundsatzstandards wie die für die Filmbild- und Tonspurabmessungen wurden viele technische Forderungen an Geräte und Ausrüstungen sowie Teilprozesse der Filmwiedergabetechnik, aber auch für die Betriebspraxis und für Prüfverfahren für Geräte wie Filmkopien in Standards verarbeitet.

Auch für die Gestaltung von Filmtheatern und Freilicht-Filmvorführungsstätten und die Ausrüstung von Bildwerferräumen entstanden Standards. Nicht zuletzt müssen in diesem Zusammenhang auch die für das breite Programm an Prüf- und Meßfilmen der DEFA zugrunde liegenden Standards genannt werden.

Um immer den neuesten technischen Stand zu berücksichtigen, wurden diese Standards in Abständen von zwei bis fünf Jahren überprüft und nötigenfalls überarbeitet. Dabei wurden die jeweiligen Bearbeiter durch Diskussionen in Fachgremien unterstützt.

Der Fachunterausschuß Filmtheatertechnik in der Ingenieurorganisation der DDR, der Kammer der Technik, hat dabei einen nicht unwesentlichen Anteil an ihrer Gestaltung und praxisgerechten Abfassung. Der Standardisierungskreis Filmtechnik und der Prüfungsausschuß für filmtechnische Standards der Hauptverwaltung Film im Ministerium für Kultur sorgten schließlich dafür, daß die Standardisierungsarbeit zu einem optimalen fachlichen Ergebnis führten.

5. Ausbildung der filmwiedergabetechnischen Fachkräfte

Filmvorführer wurden in Lehrgängen in den Bezirksfilmdirektionen in zwei Stufen geführt. Sie konnten einen C-Schein für transportable 35mm- Filmwiedergabeanlagen oder den A-Schein für alle Filmwiedergabeanlagen auf der Basis eines verbindlichen, einheitlichen Ausbildungsplanes und einer staatlichen Prüfungsanordnung erwerben.

Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, in einer ordentlichen zweijährigen Berufsausbildung das Facharbeiterzeugnis für Wiedergabetechnik, also einen anerkannten Lehrberuf, zu erwerben.

Er schloß den Befähigungsnachweis A für Filmvorführer ein. Mit dieser Ausbildung konnte entweder eine Weiterbildung zum Theaterleiter eingeschlagen werden oder die fachtechnische Seite zum Meister für Wiedergabetechnik und zum Ingenieur für Wiedergabetechnik erfolgen, einem Ingenieurabschluß mit mehrjährigem Studium - in den letzten Jahren meist nur noch im Fernstudium - an der Fachschulabteilung der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR in Potsdam-Babelsberg.
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Eine eigenständige Berufsrichtung

Damit war eine eigenständige Berufsrichtung mit staatlich anerkannten Ausbildungsplänen besiegelt. Mitarbeiter mit einer solchen Ausbildung konnten in verschiedenen Branchen und Einrichtungen Fuß fassen und waren gern gesehene technische Mitarbeiter in Theatern und Kulturhäusern, bei Diskotheken und Musikgruppen sowie in handwerklichen Betrieben der Elektrotechnik- und Elektronikbranche.

Die Ausbildung ist sehr vielseitig konzipiert und umfaßt neben den theoretischen und praktischen filmwiedergabespezifischen Fächern sowohl die Vermittlung von Grundlagen der Metallbearbeitung als auch wichtigen Basiswissens und -könnens auf den Gebieten Elektrotechnik und Elektronik.

Je nach persönlicher Neigung und Initiative war somit die Voraussetzung gegeben, sich auch außerhalb der Film Wiedergabetechnik beruflich zu orientieren und zu profilieren. Die Ausbildungsstätten, die Zentrale Betriebsschule des Lichtspielwesens in Langenau/Erzgebirge - eine mit Internatsunterbringung arbeitende Ausbildungsstätte - und die Ingenieurausbildung an der Hochschule für Film und Fernsehen erfolgten auf der Basis guter technischer Ausrüstungen durch spezialisierte und auch praktisch erfahrener Lehrkräfte, die nach etwa 30jährigem Bestehen reiche Erfahrungen auf dem Gebiet der spezifischen filmtechnischen Fachausbildung haben.

6. Schlußbemerkungen

Die Filmwiedergabetechnik in der DDR besitzt somit ein recht solides technisches Fundament einerseits und einen breiten Stamm an ausgebildeten Fachkräften mit reichen Berufserfahrungen andererseits. Und wenn man die Zahl der insgesamt ausgebildeten Filmvorführer, also die Inhaber des Befähigungsnachweises A und C addieren würde, so sind sie "Legion".

Trotzdem sind viele Filmvorführer in den Filmtheatern, zum Glück der Branche, trotz erreichten Rentenalters noch "begeistert" (??) tätig. Jungen Leuten mißfällt die Arbeit zu Zeiten, in denen die anderen Arbeitnehmer Feierabend und Freizeit haben. Darum ist in den Filmtheatern der DDR in Zukunft ein breites offenes Feld für die Automatisierungstechnik vorhanden, mit der der derzeitig verschiedentlich feststellbare Vorführermangel zu beheben sein dürfte.

Die nach der "Wende" zu erwartenden neuen Formen der Leitung und Lenkung der Filmtheater wie auch der technischen Betreuung und Weiterentwicklung wird manchem alten Hasen Überraschungen bringen. Es wird dann aber sicher auch einen weiteren technischen Fortschritt geben, der auf den vorhandenen guten technischen Grundlagen aufbaut.
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Anmerkung und Nachsatz

Als ich vor vielen Jahren zum ersten Male die beiden Bücher von Gerhard Ronneberger und Schalck Golodkowski vorgelegt berkam, vermutete ich auch eine solche "weichgespülte" und "aufgehübschte" "DDR"-Story. Aber ich hatte mich geirrt, erstaunlicherweise wirklich geirrt. Diese beiden Autoren haben erstaunlich wertneutral beschrieben und berichtet, was sich dort in den oberen Etagen des Politbüros bei den alten Opas abgespielt hatte.

Das hatte ich wirklich nicht erwartet. Darum auch meine besonders kritischen Kommentare zu dem, was uns der Herr Oberingenieur Kurt Enz hier weismachen möchte. Der gesamte Bereich Kino wurde mit dem Durchbruch des Ost-und des empfangbaren West-Fernsehens auf absoluter Schmalflamme gefahren.

Investiert wurde schon lange nichts mehr, denn es konnte auch nicht mehr finanziert werden. Die wenigen Vorzeigekinos mußten populäre system-unkritische Westfilme spielen, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Was mir die heute über 70jährigen Zeitzeugen aus dem Ossiland erzählen, ist hahnebüchen. Teilweise gab es nicht mal mehr Eintrittskarten. Dei Vorhänge gingen nicht mehr auf oder zu und die Lüftung war schon lange außer Betrieb.

Dennoch sind hier in dem Artikel einige Zahlen zu entnehmen, die uns bislang ziemlich fremd waren. Das alleine war der Grund, den Artikel komplett zu veröffentlichen.

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Schrifttum (fast alles kommt aus Bild und Ton)

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  • [1] Enz. K.: Ein neuer Standard für die Projektierung von Filmvorführungsstätten. Bild und Ton Bd. 34 (1981), Nr. 8, S. 243,
  • [2] Schulz, D: 35-mm-Kinoprojektions-Bild-testfilm, gemeinsame Entwicklung der sozialistischen Länder. Bild und Ten Bd. 34 (19811, Nr. 1, S. 13.
  • [3] Enz, K.: Entwicklung der Filmwiedergabe-technLk und des Filmtheaternetzes in der DDR von 194S bis zur Gegenwart. DEFA Beiträge zur Filmtechnik. Heft 4, Berlin, 1982
  • [4] Enz, K; Kabisch, D.: Filmtheater "Sojus" in Berlin-Marzahn. Bild und Ton Bd. 35 (1982), Nr. 2, S. 51.
  • [5] Czogiel, E.: Freilichtbühnenüberdachung als Projektionswand. Bild und Ton Bd. 36 (19B2), Nr. 2, S. 57,
  • [6] Enz, K.: "Prisma" - ein neues Filmtheater in Halle-Neustadt, Bild und Ton Bd. 36 (1983), Nr, 11, S. 346
  • [7] Hoffmann, A,: 20 Jahre VEB Filmtheatertechnik. Bild und Ton Bd. 37 (1984), Nr. S, S. 144.
  • [8] Enz, K.: Neue Filmprojektoren von Meopta, CSSR. Bild und Ton Bd. 38 (1985), Nr. 4, S. 109.
  • [9] Wilkening, A.: Berlin und das Kino. Bild und Ton Bd. 40 (1973), Nr. 3, S. 65
  • [10] Enz, K.: 16mm-Filmprojektoren gestern, heute und morgen. Bild und Ton Bd, 41 (1988), Nr. 10, S. 393, u. Nr. 11, S. 323.
  • [11] Charrat, J.: Pelikan, W.D: Tschechoslowakische Film Wiedergabeanlagen in den Kinos der DDR. Bild und Ton Bd, 41 81988), Nr. 11, S. 385.
  • [12] Cepnik, Q: Über die materiell-technische Basis des Filmwesens, Bild und Ton Bd, 42 (19S9), Nr. 4, S. 97.
  • [13] Enz, K.: 1000. 35mm-Filmprojektor von Meopta übergeben. Bild and Ton Bd. 43 (1989), Nr. 8, S 252.

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