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Es geht um die deutschen Filme nach 1946 bis 1962

von Gert Redlich im Okt. 2026 - Zum Ende dieser Nachkriegs-Periode war der deutsche Film sowie der zeitweise Sturm auf die Kinos, - und dabei war es fast völlig egal, was es gab, - nicht nur am Abklingen, der Sturm war vorbei. Es herrschte zunehmend Windstille und das große Jammern fing an. Nur wenige Kenner der Branche haben sich an eine echte Ursachenforschung heran gemacht.
Auf diese Nachkriegs-Zeit blickte in 1989 eine Ausstellung im Frankfurter Filmmuseum zurück. Diese Ausstellung wurde mit einem dicken erklärenden und mehrere Kilo schweren Wälzer begleitet. Aus diesem Begleitbuch / Katalog entnehmen wir einige Themen, die bei dem Verstehen des Niederganges des deutschen Films und des Kinos helfen.

Das Beschönigen, Leugnen und Verdrehen der Ursachen .....

Es ist schon erstaunlich. Sogar im Jahr 2026 werden immer noch falsche populistische Ursachen und scheinheilige Gründe für den damaligen brachialgewaltigen Niedergang unserer deutschen Kino-Filme und das Sterben der Kinos insgesamt angeführt, die lange widerlegt sind. Aber je nach Interessenslage sind nach wie vor offensichtlich alle Argumente erlaubt, und seien sie noch so fadenscheinig bis falsch.

Lesen wir, was die Autoren in 1989 zusammengetragen hatten :

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"Zwischen Gestern und Morgen"
Westdeutscher Nachkriegsfilm 1946 - 1962

deutsches filmmuseum frankfurt am main - Ausstellung/Filme 25.05 - 30.08.1989
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Der Inhalt

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  1. Inhaltsverzeichnis und Vorwort ab Seite 2
  2. Klaus Kreimeier auf Seite 8 - Die Ökonomie der Gefühle - Aspekte des westdeutschen Nachkriegsfilms
  3. Thomas Brandlmeier auf Seite 33 - Von Hitler zu Adenauer - Deutsche Trümmerfilme
  4. Hans Abich auf Seite 62 - Die Göttinger Produktionen und der Film der fünfziger Jahre Eine Ortsbeschreibung
  5. Jürgen Berger auf Seite 80 - Bürgen heißt zahlen - und manchmal auch zensieren - Die Filmbürgschaften des Bundes 1950 - 1955
  6. Wolfgang Gersch auf Seite 100 - Die Verdoppelung der Ferne Notizen von der anderen Seite
  7. Ulrich Kurowski auf Seite 112 - „Denn viele von uns sind verlorene Kinder" Schauspielerinnen und Schauspieler im deutschen Nachkriegsfilm
  8. Georg Seeßlen auf Seite 136 - Durch die Heimat und so weiter Heimatfüme, Schlagerfilme und Ferienfilme der fünfziger Jahre
  9. Marli Feldvoß auf Seite 164 - Wer hat Angst vor Rosemarie Nitribitt? Eine Chronik mit Mord, Sitte und Kunst aus den fünfziger Jahren
  10. Jens Thiele auf Seite 186 - Gesellschaftsbezüge und Filmklischees im „Zeitfilm" der fünfziger Jahre :Die grosse Versuchung von Rolf Hansen
  11. Norbert Grob auf Seite 206 - „Es gibt keine bessere Kulisse als die Straße..." - Berlin-Filme von Gerd Oswald und Georg Tressler in den fünfziger Jahren
  12. Anne Paech auf Seite 226 - Die Schule der Zuschauer Zur Geschichte der deutschen Filmclub-Bewegung
  13. Ulrich von Thüna auf Seite 248 - Filmzeitschriften der fünfziger Jahre
  14. Joachim Paech auf Seite 266 - Die Anfänge der Filmwissenschaft in Westdeutschland nach 1945
  15. Knut Hickethier auf Seite 282 - Vom Ende des Kinos und vom Anfang des Fernsehens - Das Verhältnis von Film und Fernsehen in den fünfziger Jahren
  16. Fernand Jung auf Seite 318 - Das Kino der frühen Jahre - Herbert Vesely und die Filmavantgarde in der Bundesrepublik
  17. 70 Filme - Eine Auswahl auf Seite 341 - (Filmographische Daten: Rüdiger Koschnitzki)
  18. Anhang ab Seite 424 - Literaturhinweise - Autoren

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Das Vorwort der Frankfurter Autoren von 1989

1961, ein Jahr bevor die Generation der Oberhausener den endgültigen Tod von „Papas Kino" verkündete, wurde einer breiten Öffentlichkeit bewußt, daß die deutsche Film-Unterhaltungsindustrie, im Verlauf ihrer Nachkriegsgeschichte ohnehin schon von Krisen geschüttelt, abgewirtschaftet hatte.

Die Zuschauer blieben dem Kino fern, die Zahl der Lichtspieltheater ging zurück, der Zusammenbruch der UFA deutete sich an. Die vom Bundesinnenministerium eingesetzte Jury weigerte sich, einen Spielfilm mit dem Bundesfilmpreis auszuzeichnen.

 1961 erschienen auch die zwei großen Abrechnungen mit dem (west-)deutschen Nachkriegsfilm, Walther Schmiedings „Kunst oder Kasse. Der Ärger mit dem deutschen Film" und, unversöhnlicher, Joe Hembus' Polemik „Der deutsche Film kann gar nicht besser sein". In ihr fallen, gleich zu Beginn, über den deutschen Film die Sätze: „Er ist schlecht. Es geht ihm schlecht. Er macht uns schlecht. Er wird schlecht behandelt. Er will auch weiterhin schlecht bleiben."

Schmieding und Hembus brachten auf einen Nenner, worüber die seriöse Filmkritik, auch wenn sie weder ein ausgeprägtes ästhetisches noch ein politisches Instrumentarium anzubieten hatte, während der gesamten fünfziger Jahre sich mokiert hatte: über die Misere des deutschen Films.
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Eine "Stunde Null" für den Film ???

Daß es für den westdeutschen Film keine Stunde Null gegeben habe (für wen in diesem unserem Land gab es denn eine?), statt dessen eine unselige personelle, dramaturgische, stilistische Kontinuität; daß man oft nicht auf Anhieb sagen kann, ob ein Film vor oder nach 1945 gedreht wurde; daß das Kino UFA-Traum- und Verdrängungsfabrik blieb; daß nach kurzer Entnazifizierung vor und hinter der Kamera die gleichen Leute standen; daß die (und die meisten waren ja wirklich keine Nazis, sondern „nur Mitläufer") gar nicht daran interessiert sein könnten, zwölf Jahre aufzuarbeiten, in Erinnerung zu halten, gar die eigene Rolle zu hinterfragen, so daß die alte UFA-Herrlichkeit in Opas Kino der Ära Adenauer fröhliche Urständ feierte und den Aulbau der jungen Republik absicherte: das sind Erkenntnisse und Wahrheiten, die auch heute, in der nicht mehr jungen Republik, nicht jeder wahrhaben will.

1947 in "Und über uns der Himmel", spielt Hans Albers einen Kriegsheimkehrer, der wie nach einem Urlaub in das zerstörte Berlin zurückkehrt, unbeschädigt, seine zertrümmerte Wohnung wieder in Besitz nimmt, der anpackt und aufbaut. „Es muß doch weitergehen", singt Hans Albers im Titelsong. Und es ging weiter.

Ein fieberhaftes Aufbaupathos, flankiert von ökonomischen Stimulantien, ist charakteristisch für die prosperierende westdeutsche Filmindustrie, die nach den vom Publikum sowieso ungeliebten Trümmerfilmen auf Heimatgefühl, Lustspielchen und (damals) zündende Rhythmen setzte, aber auch für das Befinden einer Gesellschaft, deren Regierung die Bevölkerung mit dem Locken des Wirtschaftswunders und der Devise „Keine Experimente" an sich band.
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Wenn wir auf den Film der 1950er Jahre zurückblicken

Politisch haben die 19fünfziger Jahre einiges mit uns Heutigen (wir sind in 1989) zu tun. Die derzeit zu beobachtende Nierentisch-Renaissance, Übereinstimmungen in der Mode und ein salonfähig gewordenes Kokettiern mit damaligen Konsumträumen beweisen, daß sich die Zukunftsfurcht der 19achtziger zum Aufbauoptimismus der 19fünfziger Jahre flüchtet.

Die Filme dieser Zeit dagegen scheinen verstaubt, ihre Betrachtung denjenigen vorbehalten, die seinerzeit von den Kinositzen auf die Fernsehsessel wechselten und heute Heimatfilme und Klamotten in den Kabelkanälen goutieren.

Dennoch sind die Filme der unmittelbaren Nachkriegszeit und der 19fünfziger Jahre mehr als nur Bewältigungs-, Illusions- und Verdrängungskino. Sie geben fast seismographisch darüber Aufschluß, welchen Tagträumen, Wünschen und Ängsten die Zuschauer im Kino anhingen: „Der Film wird zum Klistier der Volkspsyche", wie Wilfried Berghahn das einmal formulierte.
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Ein Fehler folgte dem nächsten .....

Die 19fünfziger Jahre waren auch die letzten Jahre der deutschen Filmstars, der Studioproduktion, auch des Bemühens um handwerkliche Perfektion, der großen Ausstattung. Und heute trauern wir jenen Funktionen des Kinos nach, die es damals selbstverständlich erfüllte. Kino war öffentlicher Erlebnisraum, räumliche Inszenierung, urbaner und provinzieller Fixpunkt.

Verschiedene Aspekte des Films der 19fünfziger Jahre reichen bis heute. Die Dramaturgie des
westdeutschen Familienfilms (samt seiner Regisseure) übernahm das Fernsehen genauso wie den Motivkanon des Heimatfilms. Die Arbeit der Filmclubs präformierte die kommunalen und Programm-Kinos.

Es gab eine, von der Zahl her allerdings unbedeutende Filmavantgarde, es gab Ansätze, die „kleinen", realitätsnahen Themen ohne UFA-Ästhetik anzupacken. Zeigen, wie selbst in den 19Fünfzigern Altes und Neues sich durchdringen: auch das will dieser Katalog.

Hans-Peter Reichmann und Rudolf Worschech waren die treibende Kraft hinter dem Projekt „Der westdeutsche Nachkriegsfilm 1946 - 1962". Für Ihr Engagement und Ihre Beharrlichkeit bei der Recherche und der Konzeption dieses „Medienpakets", bestehend aus Katalog, Ausstellung, Seminaren (in der Reihe unserer Filmfrühstücke) und der Filmauswahl der Retrospektive sei Ihnen hiermit herzlich gedankt.

Einige Autoren der in diesem Band abgedruckten Filmkritiken stehen ihren mehr als 30 Jahre zurückliegenden Texten äußerst distanziert gegenüber. Daß sie sich dennoch dazu entschlossen haben, ihre Abdruckerlaubnis zu geben und ihre Arbeiten als Zeitzeugnis sprechen zu lassen, ist ihnen hoch anzurechnen. Wir bedanken uns dafür.

Walter Schobert in 1989

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