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Filmgeschichte(n) und Filmchronik(en) - Von 0 bis 1957

überarbeitet, korrigiert und kommentiert von Gert Redlich im Juli 2016 - Hier findenSie die bislang umfangreichste und detailierteste Historie der weltweiten Entwicklung des Films, der Filmwirtschaft (und des Kinos). Der Deutsch-Engländer Heinrich Fraenkel (geb. 1897) war hautnah dabei gewesen und beschreibt 1956/57 zwei weltweite Epochen des Films :
Es beginnt mit Teil I "Von der Laterna Magica bis zum Tonfilm" und geht weiter mit Teil II "Vom Tonfilm bis zum Farbfilm"

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Ereignisse aus dem Jahr [1945] - Kriegsende

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Von einer im nur allzu wahren Wortsinne brennenden Aktualität ist der von Veit Harlan inszenierte Film Kolberg, der auf Befehl des Propagandaministers mit einem Aufwand hergestellt wird, der in erstaunlichem Gegensatz zu den Nöten der Zeit steht. Das Thema ist der tapfere Widerstand der Stadt Kolberg im napoleonischen Krieg, es ist also ein „Durchhalte"-Film, mit Heinrich George als Bürgermeister Nettelbeck, mit Horst Caspar als Gneisenau, und mit Irene v. Meyendorff, Gustav Dießl und Kristina Söderbaum in den anderen Hauptrollen.

Den propagandistischen Grundgedanken betont Goebbels dadurch, daß er den Film durch Fallschirm über La Rochelle, also der letzten noch uneroberten Festung des „Antlantikwalles" abwerfen läßt, damit er dort zum 12. Jahrestag der Machtergreifung zur Uraufführung kommt. Eine ebenso ungewöhnliche wie makabre Filmpremiere, aber das deutsche Publikum hat den Film kaum mehr zu Gesicht bekommen.
[30. 1. 1945]

Während der Belagerung von Berlin brennt Harry Liedtkes Haus ab, der Künstler kommt dabei ums Leben. In den letzten Jahren war Liedtke nicht annähernd nach Verdienst beschäftigt, aber er bleibt unvergessen als einer der sympathischsten und viele Jahre lang erfolgreichsten Schauspieler der deutschen Filmgeschichte.
[27. IV. 1945]

Der von Leo McCarey inszenierte Musik-Film >The bells of St. Mary's< erscheint unter dem Titel "Die Glocken von St. Marien". Buch: Dudley Nichols. Hauptrollen: Bing Crosby, Ingrid Bergman, Henry Travers, Ruth Donnely.
[1945]

Unter dem Titel "Die Frau ohne Herz" erscheint der von Leslie Arliss geschriebene und inszenierte Gainsborough-Tilm des J. Arthur Rank-Konzerns >The wicked Lady<, ein zur Zeit Karls II. spielender Kostümfilm mit Margaret Lockwood in der Rolle einer aus Abenteuerlust zur Straßenräuberin gewordenen Dame der Gesellschaft. Neben ihr: James Mason, Patricia Roc, Michael Rennie, Felix Aylmer, Griiiith Jones. Kamera: Jack Cox.
[1945]

Erst kurz vor Kriegsschluß gelingt es Leni Riefenstahl, ihren langjährigen Plan einer Verfilmung von Tiefland zu verwirklichen Musik und Stoff nach Motiven der Oper von Eugen d'Albert. Hauptrollen: Leni Riefenstahl, Franz Eichberger, Bernhard Minetti, Aribert Wäscher, Maria Koppenhöfer, Frieda Richard, Luis Rainer.
[1945]

Nach dem gleichnamigen Roman von Hans Gustl Kernmayr schreibt Peter Francke das Drehbuch des Bavaria-Films "Regimentsmusik". Regie: Arthur Maria Rabenalt. Hauptdarsteller: Heidemarie Hatheyer, Friedrich Domin, Siegfried Breuer, Gustav Waldau, Anton Pointner, Gabriele Reismüller.
[1945]

Unter der Regie von Karl Anton und mit Viktor de Kowa, Hans Leibelt, Else v. Möllendorff, Georg Thomalla und Fritz Kampers in den Hauptrollen wird der Tobis-Film "Peter Voss, der Millionendieb" hergestellt, also ein „Remake" der berühmten Weltreisejagd aus der Stummfilmzeit. Das Buch stammt von Felix von Eckardt. Kamera: Eduard Hoesch.
[1945]

Unter der Regie von Compton Bennett und der Produktionsleitung von Sidney Box entsteht der in seinem englischen Ursprungsland wegen seiner anspruchsvollen Thematik vielbeachtete Film >The seventh veil<. Ein psychoanalytisches Thema und das umstrittene Problem der Hypnose-Heilung einer schwermütigen und vermeintlich ihrer Kunst beraubten Pianistin. Deutscher Titel: "Der letzte Schleier". Hauptrollen: Ann Todd, James Mason, Herbert Lom, Hugh McDermott und Albert Lieven.
[1945]

Unter dem Titel >The story of G.I. Joe< erscheint ein von William Wellman inszenierter United Artists-Film, der Freud und Leid des amerikanischen Landsers in einer durchaus nicht hurrapatriotischen Art, sondern ungemein menschlich darstellt. Der Film gilt eben deshalb als einer der besten aller Kriegerfilme. In den Hauptrollen Burgess Meredith, Robert Mitchum, Freddie Steele, Jimmy Lloyd, Jack Reilly.
[1945]

In dem zweifellos besten seiner Hollywood-Filme >The Southerner< gibt Jean Renoir nicht nur eine sehr eindringliche atmosphärische Schilderung der Südstaaten, sondern auch eine in ihrer krassen Realistik fast dokumentarfilmisch anmutende Darstellung der Leidenschaften, die in einem verschlafenen kleinen Nest durch das Negerproblem entfesselt werden. In den Hauptrollen: Zachary Scott, Betty Field, Beulah Bondi, Percy Killbride. Drehbuch: Dudley Nichols. Kamera: Luden Andriot.
[1945]

Nach dem gleichnamigen Stück von Noel Coward inszeniert David Lean >Blithe Spirit<, einen nicht nur farbtechnisch, sondern auch durch seine Trickeffekte beachtlichen Film. Es ist die Geschichte des Schriftstellers, der, teils um seine Gäste zu amüsieren, teils auf der Stoffsuche für seinen neuen Roman, eine Spiritistin engagiert, die dann versehentlich seine verstorbene erste Frau „zitiert": begreiflicherweise sehr zum Mißvergnügen seiner lebendigen Ehefrau.
[1945]

Bei der Verfilmung von Bernard Shaws Bühnenstück "Cäsar und Cleopatra" übernimmt der Produzent Gabriel Pascal selbst die Regie, mit dem Resultat, daß der Film zwar sehr groß und teuer, aber nicht so gut wird, wie er hätte sein können. Die Titelrollen spielen Claude Rains, Vivien Leigh; in anderen Hauptrollen: Stewart Granger, Flora Robson, Francis L. Sullivan, Ernest Thesiger, Cecil Parker, Leo Genn. Musik: Georges Auric. Das Drehbuch (von Marjorie Deans) folgt auf Verlangen des Dichters sehr genau seinem Werk.
[1945]

Mit dem Minerva-Film "Rom, offene Stadt" gelingt Roberto Rosselini der Durchbruch zum Weltruhm. Die Stadt Rom und ihre Menschen sind die Helden dieses in der erregenden Zeit kurz vor dem Waffenstillstand spielenden Werkes, dessen Hauptakzent auf der Gestaltung des Atmosphärischen und in der Milieuschilderung liegt. Mit Ausnahme von Anna Magnani, die in diesem Film einen der Gipfelpunkte ihrer großen Karriere erreicht, holt der Regisseur sich die meisten seiner Darsteller buchstäblich von der Straße. Es ist übrigens bezeichnend, daß dieser Film in seinem Ursprungsland (wo ja das „Atmosphärische" sattsam bekannt war) nicht annähernd den Erfolg erzielte, der ihm fast in der ganzen Welt beschieden war.
[1945]

Mit seinem in der Gestaltung des landschaftlichen Hintergrundes erstaunlich eindringlichen Film >Skuggor över Snön< („Schatten über dem Schnee") schildert Arne Sucksdorf eine erfolglose Bärenjagd und die Heimkehr der Jäger durch die optisch wie akustisch unheimlich wirkungsvolle Dunkelheit des nächtlichen Waldes.
[1945]

Die Erlebnisse einer Gruppe von Waisenkindern sind mit starkem Einfühlungsvermögen in die Kinderseele und mit sehr liebevoller Darstellung der nordschwedischen Landschaft in Rolf Husbergs Film >Barnen frän Frostmofjället< gestaltet.
[1945]

Unter dem Titel >Vi vil Leve< inszeniert Olaf Dalgard einen Film, der den Opfermut der Widerstandsbewegung während der Norwegischen Besatzungszeit schildert. Einige Szenen werden in dem ehemaligen Gestapo-Hauptquartier in Oslo gedreht.
[1945]
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Filme aus dem Jahr 1945

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  • BEGEGNUNG (>Brief Encounter<)
    Cineguild. Regie: David Lean. Buch: Noel Coward. Hauptdarsteller: Celia Johnson, Trevor Howard, Stanley Holloway, Joyce Carey, Valentine Dyall. Kamera: Robert Krasker. Die zufällige Begegnung eines Mannes und einer Frau führt zu einer leidenschaftlichen Liebe, die aber im Verzicht enden muß, weil die Frau ihre (keineswegs etwa unglückliche) Ehe nicht zerstören und vor allem ihre Kinder nicht aufgeben will.
    [1945]

  • DAS MÄDCHEN JUANITA
    UFA: Buch und Regie: Wolfgang Staudte. Hauptdarsteller: Heinrich George, Anneliese ühlig, Charlotte Schellhorn, Karl Schönböck, Hubert von Meyerinck, Will Dohm, Axel von Ambesser. Musik: Werner Eisbrenner. George spielt einen Bremer Senator, der seiner erbschleichenden Familie ein Schnippchen schlägt, während der sympathische Neffe mit exotischer Damenbegleitung aus Tanger heimkommt.
    [1945]

  • DAS VERLORENE WOCHENENDE (>The lost weekend<)
    Paramount. Regie: Billy Wilder. Buch: Charles Brackett, Billy Wilder (nach dem Roman von Charles Jackson). Hauptdarsteller: Ray Milland, Jane Wyman, Philip Terry, Howard da Silva, Doris Dowling. Musik: Micklos Rozsa. Kamera: John P. Seitz. - Mit außerordentlich realistischer Anschaulichkeit wird der Verzweiflungskampf eines hemmungslosen Säufers geschildert, ein Kampf, der schließlich doch infolge der aufopfernden Liebe einer Frau gewonnen wird.
    1945

  • UNTER DEN BRÜCKEN
    UFA. Buch und Regie: Helmut Käutner. Hauptdarsteiler: Hannelore Schroth, Carl Raddatz, Gustav Knuth. Diese sehr eindringliche Darstellung des „Dreiecksthemas'' galt einem der letzten noch vor dem Zusammenbruch fertiggestellten deutschen Filme.
    [1945]

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Ereignisse aus dem Jahr [1946] - Frieden

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Gründung der Defa (Deutsche Film A. G.), die sämtliche im Ostsektor Berlins und in der Ostzone verfügbaren Filmwerte übernimmt, also auch die UFA-Ateliers in Babelsberg, das ehemalige UFA-Atelier in Johannistal und das ehemalige UFA-Haus in der Krausenstraße. Sepp Schwab wird zum ersten Vorsitzenden des Defa Vorstandes ernannt.
[17. V. 1946]

Im 73. Lebensjahre stirbt in Tegernsee Kammersänger Leo Slezak, dem der deutsche Operettenfilm manche schöne Rolle zu verdanken hat.
[1. VI. 1946]

Im 59. Lebensjahr stirbt in Potsdam, wo er zuletzt als Intendant des Schauspielhauses tätig war, Georg Alexander. In der Chronik des deutschen Films - im letzten Jahrzehnt des Stummfilms und in anderthalb Jahrzehnten deutscher Tonfilmentwicklung - bleibt sein Name mit zahlreichen charmanten „Bon-vivanf-Rollen verknüpft.
[21. X. 1946]

Kaum zwei Wochen vor Vollendung seines 53. Lebensjahres stirbt Heinrich George im russischen Konzentrationslager Sachsenhausen. Er war einer der bedeutendsten Charakterdarsteller des deutschen Films.
[27. IX. 1946]

Die Anzahl der ortsfesten Kinotheater in den Westzonen und in Westberlin ist auf 2.125 gestiegen. Es wurden im Kalenderjahr (1946) 300 Millionen Eintrittskarten verkauft, was einer jährlichen Besucherfrequenz von 6,5 pro Kopf der Bevölkerung entspricht.
[31. XII. 1946]

Mit fast 100 langen Spielfilmen hat Frankreich die quantitativ größte Produktion Europas. In Italien werden im Laufe des Kalenderjahres 70 Spielfilme hergestellt. In Deutschland nur 4.
[31. XII. 1946]

Unter dem Titel >La Belle et la Bete< inszeniert Jean Cocteau ein Traumspiel vom Sieg des Guten über das Böse. In Deutschland erscheint der Film unter dem Titel "Es war einmal". Hauptdarsteller: Josette Day, Jean Marais und Mila Pareley. Die in diesem Film besonders wichtige musikalische Bearbeitung stammt von Georges Auric.
[1946]

Mit Große Erwartungen inszeniert David Lean den ersten seiner Dickensfilme für die Cineguild-Produktion von Ronald Neame und Anthony Havelock-Allan. Hauptdarsteller: John Mills, Valerie Hobson, Bernard Miles, Martita Hunt, Francis L. Sullivan. Musik: Walter Goehr. Kamera: Guy Green.
[1946]

Unter dem Titel >Englandsfarerne< inszeniert Toralf Sandö einen Film nach dem Erlebnisbericht von Sigurd Evensmoe, dem einzigen überlebenden einer Gruppe von norwegischen Widerstandskämpfern, die auf einem Fischkutter nach England zu entkommen versuchten, aber von der Gestapo verhaftet wurden.
[1946]

In Norwegen wird die Betreuung der filmindustriellen Interessen vom Justizministerium aufs Kultusministerium übertragen und gleichzeitig der „Statens Filmrad", als ein amtlicher „Filmrat" ins Leben gerufen, um das Ministerium in Steuerfragen, sowie auch in Fragen der Finanzhilfe für die Herstellung von Spielfilmen und Lehrfilmen zu beraten.
[1946]

Mit dem Centfox Film "Faustrecht der Prärie" (>My darling Clementine<) findet John Ford wieder zu dem Typ des groß angelegten „Wild-West" Films zurück, den er mit Vorliebe (und gewissermaßen zur Erholung) zwischen seinen geistig anspruchsvolleren und zumeist sozialkritisch betonten Werken pflegte. Der genannte Film freilich, mit Henry Fonda und Victor Mature in den Hauptrollen, steht turmhoch über dem Niveau des üblichen „Western", denn es ist eine auch sozialhistorisch interessante und ungemein lebendige Darstellung des primitiven Lebenskampfes in den romantischen Gründerjahren des amerikanischen Westens.
[1946]

Unter dem Titel "In Frieden leben" erscheint in Deutschland der von Luigi Zampa inszenierte Lux-Film mit Aldo Fabrizi, Mirella Monti, Gar Moore, John Kitzmiller und Heinrich Bode in den Hauptrollen. Der Film spielt im italienischen Bauern-Milieu, zur Zeit der deutschen Besetzung. Das Drehbuch stammt von Suso d'Amico. Kamera: Mario Mon-tuori.
[1946]

Unter der Regie von Maurice Elvey spielen Ulli Palmer, Albert hieven, Cedric Hardwicke, Gladys Cooper, Ernest Thesiger und Frederick Wendhausen die Hauptrollen in dem Arthur Rank-Film "Ungeduld des Herzens" (>Beware of Pity<). Das Drehbuch hat W. P. Lipscomb nach der Novelle von Stefan Zweig bearbeitet, der Geschichte von den Grenzen zwischen Mitleid und echter Liebe in der Beziehung eines jungen Offiziers und eines sehr schönen, aber verkrüppelten Mädchens.
[1946]

In Paris kommen im Frühjahr erstmalig nach dem Krieg Vertreter von 14 Nationen der Föderation Internationale des Archives du Film zusammen, um über die großen Verluste der europäischen Film-Archive, die durch Kriegseinwirkung zerstört sind, zu beraten. (Deutschland zählte 1936 zu den vier Begründern der Föderation).
[1946]

Der von Harry Watt inszenierte Michael Balcon-Film >The Overlanders< spielt im Milieu der riesigen australischen Viehtreiber-Kolonnen und erscheint unter dem Titel "Das große Treiben". In den Hauptrollen: Chips Raiierty, Daphne Campbell. Kamera: Osmond Borrodaile.
[1946]

Der von Robert Z. Leonard inszenierte MGM-Film >Ziegfeld Gir< erscheint in Deutschland unter dem Titel "Mädchen im Rampenlicht". Er ist einer der großen Operettenfilme des Jahres. Hauptrollen: Judy Garland, Hedy Lamarr, Lana Turner, James Stewart, Tony Martin und Charles Winninger.
[1946]
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Filme aus dem Jahr 1946

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  • AFFAIRE BLUM
    Defa. Buch und Regie: Erich Engel. Hauptdarsteller: Kurt Ehrhardt, Paul Bildt, Karin Evans, Ernst Waldow, Gisela Trowe, Herbert Hübner. - Dem Stoff liegt ein Kriminalfall aus den 1920er Jahren zugrunde, ein durch Engstirnigkeit und Antisemitismus erlogener Mordverdacht, der schließlich, dank dem Scharfsinn eines Berliner Kriminalbeamten, aufgeklärt wird.
    [1946]

  • DIE BESTEN JAHRE UNSERES LEBENS (>The best years of our life<)
    Sam Goldwyn. Regie: William Wyler. Buch: Robert E. Sherwood. Hauptdarsteller: Myrna Loy, Frederic March, Teresa Wright, Virginia Mayo, Dana Andrews. Kamera: Gregg Toland. - Ein sehr berühmter und stofflich sowie künstlerisch richtunggebender Film zum Thema der Schwierigkeiten, die von der jungen Generation zu überwinden waren, um mit dem Kriegserlebnis innerlich und materiell fertig zu werden.
    [1946]

  • DIE MÖRDER SIND UNTER UNS
    Defa. Buch und Regie: Wolfgang Staudte. Hauptdarsteller: Hildegard Knef, Wilhelm Bordiert, Arno Paulsen, Robert Forsch, Erna Sellmer, Albert Johann. Kamera: Friedel Behn-Grund. Bauten: Otto Hunte. - In diesem ersten deutschen Nachkriegsfilm bietet die Berliner Trümmerwelt den symbolischen Hintergrund für die seelische Trümmerwelt. Ein sensitiver junger Arzt kommt über das Grauen des Kriegserlebnisses nicht hinweg; unfaßbar ist ihm die „Gemütsathletik", mit der sein ehemaliger Hauptmann sich über den Mordbefehl hinwegsetzt, den er an Dutzenden von russischen und polnischen Frauen und Kindern ausführen ließ. Er will den Mörder erschießen, aber das Mädchen, das ihn liebt, überzeugt ihn davon, daß er sich ein solches Richteramt nicht anmaßen darf.
    [19461

  • DIE STEINERNE BLUME
    Mosfilm. Regie: A. Ptuschko. Buch: Bashow. I. Keller. Hauptdarsteller: W. Krawtschenko, Tamara Makarowa, W. Drushnikow. Musik: h. Schwarz. Kamera: F. Proworow. - Ein Märchenfilm von der steinernen Blume, deren Anblick nach alter russischer Legende jedes Geheimnis erschließt. Der Film ist farbtechnisch dank der Ausnützung des in Berlin von den Russen übernommenen Agfa-Color-Systems bemerkenswert.
    [1946]

  • PAISA
    Buch und Regie: Roberto Rosselini. Hauptdarsteller: Carmela Sazio, Robert Vanloon, Dots M. Johnson, Maria Michi, Gar Moore, Harriet White, Renzo Rosselini. Kamera: Otello Maitelli. - In sechs sehr verschiedenen und stofflich nur locker miteinander verbundenen Episoden wird nicht so sehr der Fortschritt der alliierten Armeen von Sizilien bis Norditalien verfolgt, als die rein menschliche Wirkung der Ereignisse in verschiedenen Schichten und auf verschiedene Typen des italienischen Volkes.
    [1946]

  • UNGEDULD DES HERZENS
    Eagle-Lion. Buch und Regie: Maurice Elvey, Hauptdarsteller: Lilli Palmer, Albert hieven und Frederick Wendhausen. - Der Stoff stammt aus der gleichnamigen Novelle von Stefan Zweig von dem durch einen Unfall gelähmten Mädchen, das bei dem geliebten Mann nicht Gegenliebe, sondern nur Mitleid zu finden glaubt und über diesen Seelenkonflikt, nicht hinwegkommt.
    [1946]

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Ereignisse aus dem Jahr [1947]

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Als Nachfolgerin des Allgemeinen Filmverleihs wird der neugegründeten Atlas Film G.m.b.H. das alleinige Auswertungsrecht der allierten Filme für die Britische Zone übertragen.
[1. 1. 1947]

In Berlin wird der Verband Berliner Filmtheater gegründet.
[10. II. 1947]

Beginn der Nachkriegsproduktion in Geiselgasteig.
[IV. 1947]

In der anglo-amerikanischen Zone kommt es zu einer 20% Senkung der Kino-Eintrittspreise.
[I.V. 1947]

Erstmaliges Erscheinen des von Horst G. Feldt gegründeten Fachblattes "Der neue Film".
[21. V. 1947]

Die am 10. Januar gegründete Real-Film-Co. von Walter Koppel und Gyula Trebitsch beginnt die Aufnahmen ihres ersten Films "Arche Nora".
[18. VII. 1947]

Der von Kurt Maetzig inszenierte Defa Film "Ehe im Schatten" kommt in allen vier Sektoren Berlins gleichzeitig zur erfolgreichen Uraufführung. Von jeder parteipolitischen Tendenz befreit, besticht dieses Werk durch sein künstlerisches Niveau, sowie seine anständige Gesinnung.
[3. X. 1947]

Unter Leitung von Dr. H. W. Lavies wird das "Deutsche Institut für Filmkunde" gegründet. Die umfangreiche Bibliothek und das Bilderarchiv werden in Schloß zu Wiesbaden Biebrich zu einer der bedeutendsten Sammlungen Europas ausgebaut.
[17. XI. 1947]

In seinem 56. Lebensjahr stirbt Ernst Lubitsch, der bis zum Jahre 1923 in Deutschland und später in Hollywood einige der bedeutendsten Werke der Filmgeschichte schuf.
[30. XL 1947]

Die Ziffer der ortsfesten Kinotheater ist im Laufe des Kalenderjahres auf 2.850 gestiegen, die der verkauften Eintrittskarten auf 459,6 Millionen, was einer jährlichen Besuchsfrequenz von 9,7 pro Kopf der Bevölkerung entspricht.
[31. XII. 1947]

In Jugoslawien steigt im Laufe des Kalenderjahres die Anzahl der Kinotheater um 39 auf 635. Die Besuchsziffer ist mit 40.613.429 verzeichnet.
[1947]

Unter dem Titel >Kampen om Tungtvannet< (Der Kampf ums Schwere Wasser) inszeniert Titus Wibe Müller eine von Herofilm, Oslo und Le Trident, Paris hergestellte Co-Produktion, die sich mit der von der norwegischen Widerstandsbewegung unternommenen Sabotage der Vorbereitungen zur Herstellung einer Atombombe befaßt.
[1947]

In dem von Josef v. Baky inszenierten Objektiv-Schorcht-Film "Und über uns der Himmel" spielt Hans Albers die Rolle eines Heimkehrers, der sich mit der Trümmerwelt - der materiellen und der seelischen - mutig auseinandersetzt. Dieser Film (unter der Produktionsleitung von Richard König) bietet Albers seine erste Nachkriegsrolle, in anderen Hauptrollen: Otto Gebühr, Lotte Koch, Elsa Wagner, Heidi Scharf, Annemarie Hase, Paul Edwin Roth. Buch: Gerhard Grindel. Musik: Theo Mackeben. Kamera: Werner Krien.
[1947]

In dem von Cavalcanti für die Michael Balcon-Produktion inszenierten "Nicholas Nickleby", einer Verfilmung des Romans von Charles Dickens, spielt Derek Bond die Titelrolle und Cedric Hardwicke den Ralph. In den anderen Rollen: Sally Ann Howes, Bernard Miles, Athene Seyler, Sybil Thorndike. Buch: John Dighton. Kamera: Gordon Dines.
[1947]

Nach eigenem Drehbuch inszeniert Georg C. Klaren für die Deia Georg Büchners "Wozzeck" mit Kurt Meisel in der Titelrolle und Max Eckard, Helga Zülch, Paul Henckels in anderen Hauptrollen. Kamera: B. Mondi.
[1947]

In dem von Alfred Hitchcock inszenierten Selznick-Film "Der Fall Paradin" spielt Gregory Peck die Rolle eines Anwalts, der sich bei der Verteidigung eines Kriminalfalles in seine Mandantin (Ann Todd) verliebt. Andere Hauptrollen: Charles Laughton, Charles Coburn, Ethel Barrymore, Alida Valli. Kamera: Lee Garmes.
[1947]

Nach Graham Greenes Roman „Die Kraft und die Herrlichkeit" inszeniert John Ford den RKO-Film „Befehl des Gewissens". Hauptdarsteller: Henry Fonda, Dolores del Rio, Pedro Armendariz.
[1947]

Käutners langjähriger Regieassistent Rudolf Jugert hat seine erste erfolgreiche Regie-Chance in „Film ohne Titel". Das Drehbuch schreibt Helmut Käutner. Hauptdarsteller: Hildegard Knef, Willy Fritsch, Hans Söhnker, Irene von Meyendorff. Kamera: Igor Oberberg.
[1947]

Für eine abermalige Verfilmung von „Anna Karenina" mit Vivien Leigh in der Titelrolle läßt Korda die Drehbuchbearbeitung von Jean Anouilh schreiben und überträgt Duvivier die Regie. In anderen Hauptrollen: Kenneth Moore, Ralf Richardson.
[1947]
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Filme aus dem Jahr 1947

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  • DER IDEALE GATTE (>An ideal husband<)
    London Film. Regie: Alexander Korda. Buch: Lajos Biro (nach Oscar Wilde). Darsteller: Michael Wilding, Paulette Goddard, Diana Winyard. Kamera: Georges Perinal. Bauten: Vincent Korda. - Ein filmhistorisch u. a. dadurch bemerkenswertes Werk, daß es der erste Film für Kordas durch den Krieg zersplitterte und nach Kriegsende wieder neugruppierte „London-Film" war. Der Film wurde in sehr großem Stil und mit entsprechenden Kosten hergestellt, wurde aber von der Presse (nicht ganz zu Unrecht) dafür getadelt, daß er allzu „statisch" sei, mehr prunkvoll photographiertes Theater als lebendig bewegter Film.
    [1947]

  • EHE IM SCHATTEN
    Defa. Buch und Regie: Kurt Maetzig. Hauptdarsteller: Paul Klinger, Ilse Steppat, Alfred Balthoff, Claus Holm, Willi Prager, Hans Leibelt, Hilde von Stolz. Musik: Wolfgang Zeller. Kamera: Friedel Behn-Grund. - Den Stoff dieses Films bietet das Schicksal des Schauspielers Joachim Gottschalk, der lieber mit seiner Frau und seinem Kinde in den Tod ging, als ihm das Propaganda-Ministerium zumutete, sich von seiner „nichtarischen" Familie zu trennen. Einer der wenigen Defa-Filme, der auch in Westdeutschland Anklang fand.
    [1947]

  • DER HEIRATSSCHWINDLER VON PARIS (>Monsieur Verdoux<)
    Buch und Regie: Charles Chaplin. Hauptdarsteller: Charles Chaplin, Martha Raye, Isabel Elsom, Marilyn Nash, Robert Lewis. Kamera: Roland Totheroh. - Ein schon deshalb filmhistorisch bedeutsames Werk, weil es der erste Film ist, in dem Chaplin nicht als die von ihm geschaffene weltberühmte Stromerfigur erscheint, sondern als ein sehr penibel angezogener Herr. In einer bitter sozialkritischen Satire spielt Chaplin einen in der Wirtschaftskrise abgebauten Bankbeamten, der, um sein (musterhaftes) Familienleben zu finanzieren, nunmehr ein Doppelleben führt und zum professionellen Heiratsschwindler und Frauenmörder wird.
    [1947]

  • IN JENEN TAGEN
    Camera+Regie: Helmut Käutner. Drehbuch: Helmut Käutner, Ernst Schnabel. Hauptdarsteller: Winnie Markus, Werner Hinz, Franz Schafheitlin, Alice Treff, Hans Nielsen, Willy Maertens, Ida Ehre, Erika Balque, Eva Gotthardt, Hermann Schomberg, Hermann Speel-mans, Fritz Wagner, Isa Vermehren, Margarete Haagen, Erwin Geschonnek, Carl Raddatz, Bettina Moissi. Kamera: Igor Oberberg. Mit der „Laufbahn" eines 1932 fabrikneuen und 1945 verschrotteten Opelwagens und dem Schicksal seiner sukzessiven Eigentümer wird in sieben Episoden das Schicksal Deutschlands „in jenen Tagen" aufgerollt. Dieses unter grossen materiellen und technischen Schwierigkeiten (und größtenteils ohne Atelier) hergestellte Werk ist der erste deutsche Nachkriegsfilm, der nicht nur als „document humain", sondern auch als filmisches Kunstwerk internationale Anerkennung fand.
    [1947]

  • LIEBE 47
    Filmaufbau Göttingen. Regie: Wolfgang Liebeneiner. Buch: Wolfgang Liebeneiner, (nach Wolfgang Borchert). Hauptdarsteller: Hilde Krahl, Karl John, Grete Weiser, Erich Ponto, Hubert v. Meyerinck. Musik: Hans Martin Majewski. - Obschon einer der nach „Aussage" und künstlerischer Gestaltung stärksten deutschen Nachkriegsfilme, wurde er vom Publikum abgelehnt. Denn dieser Film geriet an die Grenze der Zeit, in der die Menschen vom Trümmererlebnis übersättigt waren. Filmhistorisch interessant ist, daß die Thematik gewissermaßen eine Auflage der Besatzungsbehörde war. Liebeneiner hatte Kleists „Marquise von O." vorbereitet, mußte aber „zeitnäher" sein und schrieb in einer Woche das Drehbuch.
    [1947]

  • ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN
    NDF. Regie: Harald Braun. Buch: Herbert Witt. Hauptdarsteller: Hildegard Knef, Willy Birgel, Winnie Markus, Viktor de Kowa, Sybille Schmitz, Viktor Staal, Erich Ponto. Kamera: Günther Anders. - Ein Heimkehrer wird nicht nur in seelische, sondern auch in kriminelle Konflikte verwickelt, weil seine aus politischen Gründen erfolgte Flucht irrtümlicherweise mit einem Kriminalfall in Verbindung gebracht wird. Aber wesentlich an dem Stoff ist die Gestaltung der seelischen wie der physiologischen Trümerwelt der ersten Nachkriegsjahre.
    [1947]

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