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Warum gerade Wiesbaden als Beispiel ?

Der Autor G. Redlich wohnt in Wiesbaden. Darum liegen die Beispiele von Wiesbaden natürlich sehr nahe. Auch bestehen Kontakte zum Wiesbadener Stadtarchiv mit vielen hilfreichen Mitarbeitern, sodaß die Seiten auch anschaulich bebildert werden können.

Mittwoch, der 14. Nov. 1945

Hier kommen Zeitzeugeninformationen der Familie Huthmann aus Wiesbaden.

Wie ein kleines Kino im Wiesbadener Vorort Dotzheim bis 1945 den Krieg überstanden hatte, das bezeugen die Plakate, Programmheftchen und Handzettel, die damals überhaupt gedruckt werden durften.

Vorher, also vor April 1945, gab es die Propagandafilme des Josef Göbbels.

Und dort war per Befehl aus dem Ministerium Zuversicht und Siegeswille auszustrahlen. Laut der Mutter das Autors gr war es selbst in Berlin nicht möglich, irgend etwas Anspruchsvolles im Kino zu sehen. Es gab nur seichte "Brause" mit Schmalz und / oder (Liebes-) Tränen ohne Ende. Und es gab nur (noch) wenige Stars mit Ausstrahlung.

Marlene Dietrich war schon 1930 in die USA gegangen, es verblieben Hans Albers, Zarah Leander, Theo Lingen, Heinz Rühmann und ein paar reichsdeutsche Wasserleichen und mit denen wurden die Tobis- und UFA- Filme abgedreht. Die Historiker und Filmexperten werden sicher noch viel mehr Namen nennen können, doch das soll hier erst mal reichen.
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Vor allem Hans Albers war der Renner.

Auch im 3.Reich waren Kino-Besitzer oder Kino-Betreiber selbständige Geschäftsleute und mussten damit ihr Geld verdienen. Und damit mussten sie sich durch die Zwänge des Systems schlängeln, denn es gab auch ganz offensichtliche Flops bei den deutschen Filmen (Kriegsproduktionen).

Und die wollte sich nicht mal mehr die geschundene Land- bevölkerung ansehen. Doch die Alternativen waren damals rar.

Laut der Mutter des Autors war Hans Albers schon der Traum mancher junger Mädchen in Ermangelung der gesamten jungen Männer ab 20. Auch sahen sich viele Frauen recht verklärt selbst gespiegelt in den irrealen Schönheiten auf der flimmernden Leinwand.

Familie Huthmann hat viele der Handzettel und Progammzettel ihrer Kinos aufgehoben.

Die Römer Lichtspiele in Wiesbaden Dotzheim waren ein typisches Vorstadtkino. Wiesbaden und Dotzheim waren für damalige Verhältnisse zwei Orte mit einiger Entfernung, nämlich fast 5 Kilometer. Da brauchte "man" schon sein eigenes Kino.

Die Vermieterin der ersten Tonstudio-Werkstadt des Autors
gr in Wiesbaden Bierstadt, die um 1974 bereits nahezu 80jährige Frau Frieda Fritz, hatte erzählt, daß sie zu ihrer Jugendzeit (sie ist um 1980 mit etwa 85 Jahren verstorben) 2 !! mal im Jahr in "die Stadt" fuhr. Das war also schon etwas Besonderes.

Bierstadt ist genau auf der entgegengesetzten Seite von Dotzheim und war auch etwa 4 Kilometer von Wiesbaden entfernt (jedenfalls damals, bevor die Stadtteile zusammen gewachsen waren).

Es mußte damals also wirklich etwas Besonderes gewesen sein, in "die Stadt" zu fahren.
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Die alten Film-Handzettel aus den Jahren 39 bis 44

Alle diese Handzettel stammen aus dem Nachlaß des Vaters von Frau Huthmann, die sie und ihr Bruder sorgfältig aufbewahrt hatten.

Angelika
Das Glück wohnt nebenan
Der rettende Engel
Arzt aus Leidenschaft
Gschichten aus dem Wienerwald
Rätsel um Beate

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Auch gab es damals um 1944 ganz merkwürdige Zusatztexte:

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Da steht also wörtlich:

Bei Fliegeralarm bis zu einer Dauer von ca. 1/2 Stunde wird weitergespielt. Bei längerem Alarm während der Vorstellung behalten die gelösten Karten innerhalb der nächsten 8 Tage Gültigkeit für eine beliebige andere volle Vorstellung außer Samstag und Sonntag. Ist das nicht toll ?
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Und ab und zu wurden auch noch Zeitungsinserate geschaltet.


Hier ein paar Beispiele von Druckfahnen
, die in den Unterlagen gefunden wurden.

Auch hier wird heutzutage oft vergessen, es gab damals kein Corel Draw oder gar den Photoshop.

Diese Vorlagen wurden "gesetzt" und dann von Hand montiert.

Selbst der Offsetdruck war damals noch nicht reif. Es war noch der aufwendige Bleisatz mit einem "in Blei" aufbereiteten Bild darinnen. Und billig war das schon gar nicht.

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