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1946 - Hochzeitsreise ohne Mann

Es mag eine Persiflage auf die immensen Verluste an Männern im 2. Weltkrieg hindeuten, denn nach Kriegsende waren die Frauen gewaltig in der Überzahl.

Nur ein trauriges makabres Beispiel zeigt die Dimensionen dieses Mangels auf.

Im Laufe des Jahres 1942 sind etwa 320.000 deutsche Soldaten Richtung Stalingrad marschiert oder gefahren. Und davon kamen mal ganze 6.000 wieder lebend zurück. (Insgesamt holte Adenauer 1955 ganze 10.000 Gefangene lebend aus Russland zurück.)

Das war vielen Witwen schon in den letzten Kriegsjahren bewußt, doch laut sagen oder gar darüber reden durfte niemand. Und (öffentlich) weinen durften sie auch nicht.
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Es sollte ein Lustspiel sein.

Wenn ich (der Autor gr) als heute zur Zeit als 60jähriger mir die Bilder von damals ansehe, dann fällt auf, daß auf den begleitenden Bildern dieser und vieler anderer Zeitschriften "immer" (oder fast immer) alte "Knacker" mit jungen Frauen gezeigt werden.

Es war also zu der Zeit vermutlich sehr schwierig, junge Männer mit gleichaltrigen jungen Frauen selbst als ("filmische") Ehepaare darzustellen. Auch die Schauspiel-Zunft musste an die Front (und kam viel zu oft nicht wieder).


  • Genehmigt wurde der Druck und die Veranstaltung am 29. März 1946.

Küss mich

Endlich ein Lustspiel im umfunktionierten Kinosaal.

VON DER SEITE DES DICHTERS GESEHEN

Wir haben eine Lage. Die Lage, die ich hier betrachten soll, ist durchaus nicht alkoholischer Natur. Ich habe mich in der letzten Zeit sowieso auf Brusttee verlegt. Brust wird es ja immer geben. Die leichte Muse ist meiner Bitte, „Küß mich", nachgekommen und die geistigen Nachkommen werden in unserem Spiel verewigt, das aus Dank der Muse gegenüber (eine ungefärbte Blondine übrigens) den Titel „KÜSS MICH" erhielt.

Und nun zur Lage: Wir haben eine Grundlage in Form einer Künstlerehe, die von dem berühmten Sänger Berndt Körten und seiner poetisch erleuchteten Frau Regina geführt wird und sich trotzdem ziemlich verlaufen hat.

Warum, weshalb, wieso wird Ihnen unser Spiel berichten. Die Zeitung hat auch eine tragende Rolle, nicht, daß wir einen Zeitungsträger vorstellen wollten, obwohl das heute heißumkämpfte Persönlichkeiten sind, nein, in Gestalt eines waschechten Reporters. Auch eine Empfangsdame hat ihre saubere Hand im Spiel. Sie wird außer ihrem monatlichen Gehalt auch noch den Mann fürs Leben empfangen.

Dann habe ich noch Conchita zu erwähnen vergessen, eine tolle Frau, von Beruf Tänzerin, die vollkommen aus ihrer Ahnenreihe tanzt. Das wäre kurz die Lage, ohne Ihnen im voraus zu viel zu verraten. Meistens kriegen sie sich in die Haare, aber zum Schluß auch fürs Leben. Na eben.

GÜNTHER BERT STOCKER

Fred Benders Schlagertexte des musikalischen Lustspiels »Küß mich«

Erinnern Sie sich noch an das Auftrittslied unseres Stars Bernd Körten:

Laß uns auf unsere Freundschaft trinken,
heute beginnt eine neue Zeit,
laß uns in Seligkeit versinken,
glücklich laß uns sein zu zweit.

Während sich unsere Herzen finden,
wolln wir des Lebens uns erfreun,
denn wir werden niemals diese Liebesnacht bereun.
Schatz, laß uns heute glücklich sein.

Regina ließ uns dann in die Geheimnisse ihres Traumes blicken:

Ich hab so schön geträumt
von Glück und frohen Stunden,
nur Traum wars, doch keine Wirklichkeit,
Ich hab so schön geträumt,
doch wie wirds einmal werden
für mich in allernächster Zeit.

Traumbild ich sehe dich greifbar nah vor mir
doch wo bleibt die Wirklichkeit,
die ich im Traum erschaut.
Ich hab so schön geträumt,
mein Herz ist voller Sehnsucht
nach Liebe und Zärtlichkeit.
Ich hab so schön, so wunderschön,
ich hab so schön geträumt.

Durch die ewig schöne Welt der Oper, Operette und des Tonfilms.

Aus dem Titel sehen wir, daß der Tonfilm immer noch etwas Besonderes gewesen sein mußte.

In der Generation der nach 1950 Geborenen gab es nur den Film an sich, zwischen Stummfilm und Tonfilm wurde nur im Geschichtsunterricht unterscheiden, wenn das Thema als Solches überhaupt angesprochen wurde. Wie man sieht, war das aber nicht immer so.

Varieté von Heute

Das V.V.H. Tanzorchester beginnt den bunten Reigen unter der musikalischen Leitung von Willy Ochs.

Direktion Horst Winkler Wiesbaden
22 "Punkte" reichten für einen Abend

Silvester 1946 - wieder ein Jahr rum nach dem Krieg

Heute lacht man über die trivialen Überschriften wie "Knall-Bonbons" mit Schauorchester William Jacubowski.

Zum Schluß ein Spruch nach dem Krieg:


"Für tausend bittere Stunden sich mit einer einzigen trösten, welche schön ist, und aus Herz und Können immer sein Bestes geben, auch wenn es keinen Dank erfährt. Wer das lernt und kann, ist ein Glücklicher!"
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Die Kinder - Es gab noch mehr als Musik und Verieté.

Es gab die Idee, auch etwas für die kleinen Kinder zu tun, denn die hatten im Krieg meist schweigend gehungert, geweint und gelitten. Ganz viele Menschen dieser Generation haben heute immer noch unsichtbare Erblasten und Traumata. Es gab im Krieg fast nichts, das nicht fürs Militär gebraucht wurde, vor allem gab es keine Teddies und keine Puppen mehr.

Herr Huthmann organisierte ein Puppentheater. Hier geht es weiter.


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