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Ein langer FKT Artikel aus Heft 1 und 2 vom Januar 1961

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DKG und FAKI gehen ins fünfte Jahrzehnt

aus der Zeitschrift KINO-TECHNIK - "SCHMALFILM • FERNSEHEN • FILMTHEATER"
15. Jahrgang • Heft 1+2 • Januar 1961 - Chefredakteur: WILHELM ROTH
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Vorwort zu den beiden Seiten "Herbsttagung 1960" der
Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft (DKG)

Die Herbsttagung der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft (DKG) und des Fachnormenausschusses Kinotechnik (FAKI) im November 1960 in München war Anlaß, auf die während der vergangenen vier Jahrzehnte geleistete Arbeit mit berechtigtem Stolz zurückzublicken.

Während dieser Zeitspanne haben beide Gremien sich nicht nur zu den maßgebenden Repräsentanten deutscher Kinotechnik innerhalb der Landesgrenzen entwickelt, sondern wegen ihrer sachlichen und minuziösen Arbeit auch in der internationalen Fachwelt hohe Anerkennung gefunden.

In enger Zusammenarbeit mit den ausländischen Fachvereinigungen kam es zu einem regen Meinungs- und Erfahrungsaustausch, der während der letzten Jahre sinnvoll ergänzt wurde durch zahlreiche Besuche deutscher Experten und Repräsentanten bei ausländischen Fachkollegen und Firmen.

An der Schwelle zu einem neuen Jahrzehnt fachlicher Arbeit von DKG und FAKI ist die Frage naheliegend, wie die Entwicklung weitergehen wird und welche Aufgaben DKG und FAKI im Rahmen der kommenden Dinge zu erfüllen haben werden.

In seiner Festansprache anläßlich der DKG-Herbsttagung wies der Präsident der Gesellschaff, Professor Dr. A. Narath, schon darauf hin, daß die technische Entwicklung der letzten Jahre durch den verstärkten Einsatz elektronischer Mittel gekennzeichnet sei. Diese Tendenz scheint richtungweisend für das kommende Jahrzehnt zu sein.
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Die neue Bedeutung der Elektronik

Obwohl wir heute erst am Anfang dieser Entwicklung stehen, kann man durch sorgfältige Beobachtung der Vorgänge auf Nachbargebieten jedoch schon ahnen, welche Bedeutung der Elektronik für die Steuerungs- und Regelungstechnik sowie für die Automatisierung im Bereich der Film- und Kinotechnik zukommen wird.

Der verstärkte Einsatz einer neuen Technik wird sich - ebenso wie auf vielen anderen Gebieten - auch im Bereich der Kinotechnik nicht immer glatt und reibungslos vollziehen. Es kann mancherlei Schwierigkeiten geben, von denen die technischen möglicherweise noch die kleinsten sind.

Es ist zwecklos, den technischen Fortschritt ignorieren zu wollen oder sich dagegen aufzulehnen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß der Fortschritt nicht aufzuhalten ist.

Jedes scheinbare Contra ist letzten Endes nur ein Verlust an Zeit, Geld und menschlicher Schaffenskraft gewesen. Der sinnvolle Einsatz der Elektronik hingegen kann wesentlich mit dazu beitragen, die Rentabilitäfsgrundlagen günstig zu verändern und auf manchen Gebieten den Mangel an Facharbeitern zu mildern.

Die Betonung liegt dabei aber sehr stark auf „sinnvoll", denn nichts wäre so falsch, als Elektronik um jeden Preis - gewissermaßen einer Modelaune folgend - einsetzen zu wollen. Um diesen sinnvollen Einsatz zu ermöglichen, muß - und das ist der entscheidende Punkt - der Mensch in vielerlei Hinsicht umdenken lernen, muß er bereit sein, die sicheren Pfade einer oft altbewährten Technik zu verlassen und sich auf technisches Neuland zu begeben.
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Das Kernproblem ist der Mensch

Dieses menschliche Problem ist vielfach das Kernproblem. Nicht selten spielen sich, unbemerkt von der Außenwelt, menschliche Tragödien ab, wenn beispielsweise ein seit vielen Jahren bewährter Konstrukteur oder Entwickler sich nicht mehr in der Lage fühlt, auf diesem neuen Gebiet der Technik noch das Wissen und die Erfahrungen zu sammeln, die nun einmal unabdingbare Voraussetzungen für schöpferische Tätigkeit sind.

Hier gilt es, der älteren Generation den Weg zur neuen Technik zu ebnen und gleichzeitig einen neuen, qualifizierten Nachwuchs heranzubilden, damit aus der Synthese von Wissen, Können und Erfahrung der Alten und den vorwärtsstürmenden neuen Ideen der jungen die Technik von Morgen entstehen kann.

In der Vergangenheit hat die DKG es stets als eine ihrer vornehmsten Aufgaben betrachtet, ihre Mitglieder durch Vortragsveranstaltungen und andere geeignete Maßnahmen mit dem Fortschritt der Technik bekanntzumachen.

Es ist zu erwarten, daß sie auch im neuen Jahrzehnt diese gute Tradition fortsetzen wird, um immer wieder die vielfältigen Beziehungen zwischen der neuen Technik und der Kinotechnik aufzuzeigen und zu diskutieren.

Ebenso wird sich der FAKI unter der tatkräftigen Leitung seines langjährigen Vorsitzenden, Direktor Leo Mayer, wohl wieder frühzeitig in den internationalen Gedanken- und Erfahrungsaustausch einschalten, um die Festlegung internationaler Normen zu erleichtern und zu beschleunigen.
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Die internationale Normung

Denn: Internationale Normung ist für das jetzt begonnene Jahrzehnt der FAKI-Arbeit von noch größerer Bedeutung als in der Vergangenheit.
Will man versuchen, den denkbaren Anwendungsbereich der Elektronik zu umreißen, so muß man sich im Bereich der Film- und Kinotechnik in Deutschland vorläufig noch auf allgemeine Aussagen beschränken.

Wenn die Mechanisierung dem Menschen kräfteverbrauchende, immer wiederkehrende Arbeiten abnahm und dadurch gewissermaßen seine Muskelkraft erhöhte, so wird die Elektronik vergleichsweise die Empfindlichkeit und das Auflösungsvermögen seiner Sinnesorgane erhöhen, das genauere und schnellere Messen und das Vergleichen des gemessenen Wertes mit einem vorgegebenen Wert ermöglichen und schließlich aus der daraus automatisch festgestellten Abweichung nach Richtung und Größe eine neue Größe bilden, die ein Regelorgan so feinfühlig steuern kann, daß die Abweichung vom Sollwert auch über beliebig lange Zeiträume ein Minimum bleibt oder ein Vorgang exakt einer beliebig vorgegebenen Funktion folgt, gleichgültig, welche störenden Einflüsse von außen auch auf ihn einwirken mögen.
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Neu : die elektronische Regelung

Besonders für die elektronische Messung nichtelektrischer Größen bietet sich ein weites Anwendungsfeld. Für solche Aufgaben stehen heute schon zahlreiche Arten von elektronischen Fühlern und Meßwertumformern zur Verfügung, die große Meßgenauigkeit mit kleiner Einstellzeit und hoher Reproduzierbarkeit vereinigen.

Die von diesen Fühlern gelieferten Daten lassen sich fast beliebig schnell auswerten. Über für beinahe jeden nur denkbaren Anwendungsfall erhältliche Regler kann man Zustandsgrößen, lineare oder rotierende Bewegungen, Stellungen von Klappen und Ventilen usw, mit fast jeder gewünschten Genauigkeit verändern.

Nimmt man hierzu noch - als Teilgebiet der Elektronik - die Anwendungsmöglichkeiten fernsehtechnischer Hilfsmittel im Bereich der Kinotechnik, dann kann man ermessen, welche großen Aufgaben den Kinotechniker in der Zukunft erwarten.

Die enge Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch mit den Fachleuten vom Fernsehen wird die Lösung mancher Aufgaben erleichtern. Trotzdem werden es der neuen Aufgaben nach viele, manchmal gar zu viele sein. Aber ebenso wie es in der Vergangenheit gelungen ist, die zu ihrer Zeit nicht minder komplizierten Probleme zu lösen, so wird es auch in der Zukunft menschlichem Geist und menschlicher technischer Phantasie, vereint mit Wissen, Können und Erfahrung möglich sein, die wissenschaftlichen und technischen Aufgaben der Zukunft zu meisfern, deren Umbruch in unserer Zeit schon begonnen hat.

- th (das müsste ebenfalls Herr Narath gewesen sein)
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Hier geht es weiter mit dem Teil 1 von Prof. A. Naraths Artikel
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