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aus der F.N.P., der "Frankfurter Neue Presse" vom 28.5.1949

Um 1949 war das die Frankfurter Neue Presse (FNP-Nacht), dann ab 1951 die Frankfurter Nachtausgabe und später dann die Abendpost-Nachtausgabe.

Viele Verbesserungen — wenig Neuheiten
Ein Streifzug durch die technische Exportmesse Hannover

rZr. Hannover. Infolge der diesmaligen Messeteilung, von der man übrigens wieder abgehen wird, kommen die Aussteller der technischen Branchen einmal voll zur Geltung; Maschinen und Kraftfahrzeuge herrschen vor. Fast 35% der gesamten Ausstellerzahl sind Maschinenbaufirmen. Die gezeigten Erzeugnisse präsentieren sich diesmal in ausgewählter Form, qualitativ sofort erkennbar verbessert. In der Darstellungsart merkt man schon keinerlei Improvisationen mehr, was sich von der Standgestaltung bis zur Toilette der Damen sowie auf das gesamte Messegelände bezieht.

Bekannte, nahmhafte und neuere Unternehmen bieten Meßinstrumente, photooptische Apparate, Lichtpausseräte, Präzisionsreißzeuge und Zeichenmaschinen an. Kameras und Ferngläser sind zwar in mehreren Ausführungen und qualitativ anziehend vertreten, könnten aber den früheren Exportverhältnissen entsprechend in noch stärkerem Maße angeboten sein. „Robot" und „Steineck" waren u. a. Brennpunkte für den Besucherstrom und hoffentlich auch im weiteren Verlauf der Messe für Käufer. Kleinbildprojektoren und Mikrobuchaufnahmegeräte, die neben den zugehörigen Lesegeräten neuerdings von mehreren Firmen produziert werden, fehlten natürlich nicht.

Interessant fand man das „Lytax-Auswertegerät", das dem Studium von Bewegungsvorgängen aller Art in Wissenschaft und Technik aus Filmaufnahmen dient. Sein Alleinhersteller sind die Lytax-Werke in Freiburg i. Br., und im Ausland wird es wegen seiner Monopolstellung u. a. auch von französischen Instituten sehr geschätzt. Es erlaubt bspw. die Auswertung von Bewegungsvorgängen wie Flugzeuglandungen, die gefilmt, damit graphisch exakt und sicher ables- und feststellbar sind.

Elektrische Hand und „eiserne" Lunge

Am Stand der Firma Friesecke & Hoepfner aus Erlangen-Bruck wurde neben einer Kinomaschine eine elektrische Hand als moderne Prothese bewundert, die gegenüber den bisherigen Behelfslösungen einen großen Fortschritt darstellt, weil die Fingerglieder mittels Elektromotors unabhängig voneinander bewegt werden können. Die Steuerung geschieht durch sinnvoll angeordnete Kontakte, die an beliebiger Stelle des Körpers sich durch Druck betätigen lassen. Man erwartet aus dem gezeigten Entwicklungsmuster ein baldiges Anlaufen der Serienproduktion.

Radioempfänger in allen Variationen

Halle III ist beinahe überladen mit Rundfunkempfängern aller Größen, Ausführungen und Preise. Die Geräte sind wieder mit allen Schikanen wie magischem Auge, mehreren Kurzwellenteilen, auch vereinzelt mit UKW-Teil, und unter Berücksichtigung der Frequenzbereichverschiebung des Kopenhagener Wellenplanes zu schon wesentlich günstigeren Preisen lieferbar, woraus man auf einen beinahe friedensmäßigen Bauwettbewerb mit fühlbarer Leistungssteigerung schließen kann.

Neben den vielen großen Superkonstruktionen bildete sich an einem kleinen Stand um den winzigsten Empfänger der größte Betrachterkreis, und jeder einzelne versuchte bei dem Lärm der zahlreichen Lautsprecher sein Ohr an den kleinen WOBBE-Allstrom-Super „Rendsburg" zu pressen, um sich auch von dem wirklich guten Klang des Apparates überzeugen zu können. Der Empfänger ist nicht größer als eine normale Brille lang ist. Er wird als Allstromgerät für 110/220 V Netzanschluß geliefert. In formschönem Gehäuse untergebracht und mit zwei RV 12 P 2000-Röhren und einem Trockengleichrichter ausgestattet, wiegt er nur 550g und kostet mit MW- und KW-Be-reich 176.— DM. Das Gerät fand starke Beachtung, und alle, die seinerzeit an seinem Erscheinen zweifelten, konnten sich vom Vorhandensein überzeugen, obwohl vielen die Zweckmäßigkeit eines derartigen Kleinstgerätes dann erst einleuchtet, wenn dieses transportabel spielt und batteriebetrieben seinem Besitzer von jedem beliebigen Ort aus die Rundfunksendungen zugänglich macht.

Leider wird der vielbegehrte Rundfunkkoffer mit gleichzeitigem Batterie- und Netzbetrieb noch immer vermißt; überhaupt waren Batteriekofferempfänger nur von einer Firma vom Gerätebau Offenbach a. M., als „Akkord-Kofferradio" für 348.— DM, sehr formschön vertreten.

Magnettongeräte — eine Exportchance

„Opta-Magnetbandgerät", von „Opta", vormals Loewe Radio AG., hier als Doppeltruhe gebaut.

Nur wenig Messebesucher stellten wohl fest, daß das wichtige Gebiet der Magnettongeräte mit ihren Exportchancen erstmals wieder sehr stark mit mehreren Produzenten auftrat. So zeigte die AEG Magnetophone in verschiedenen Ausführungen, wobei ihr Standardgerät inzwischen auf 13.000.— DM heruntergegangen ist. Als Neuheit bot AEG ein Haus-Magnetophon-Muster für private Benutzung in Art eines Plattenspielers. Es wird unter einem Radiogerät aufgestellt und sieht ein Aufnehmen von Rundfunksendungen auf doppelt bespielbarem Band mit 2 x 20min bzw. 2 x 35 Minuten Aufnahmekapazität ohne Rückspulung sowie Selbstbesprechen über Mikrophon und Löschen außerhalb des Gerätes vor. Der Preis des im Herbst lieferbaren Seriengerätes soll etwa 900.— bis 1000.— DM betragen.

In ähnlicher Weise führt Schaub ein Draht-Magnettongerät vor, das kombiniert mit einem Plattenspieler auf der Oberseite eines Rundfunkempfängers die gleichen Vorgänge zuläßt und komplett, mit Empfänger nach Serienreife 1.300.— bis 1.500.— DM kosten wird. Lorenz brachte ein Drahtdiktaphon für Büroverwendung, und Opta-Radio AG., vorm. Loewe Radio AG., aus Berlin bot neben Rundfunkempfängern, Plattenschneidgeräten neuzeitlichster Systeme mehrere Magnetbandgeräte ähnlich den Magnetophonen, von denen eine Doppeltruhe mit zwei kompletten Apparaturen sowie Verstärkern und Kontrollautsprecher in gebeiztem Möbel für Rundfunkstudios sogar nur kompl. 23.000.— DM kostet.

Das ist ein entscheidender Schritt in der deutschen Magnetton-Produktion, die leider durch die ausgewerteten deutschen Patente nun schon eine starke, wenn auch qualitativ nicht besonders hochwertige Auslandskonkurrenz vorfindet. Nicht zu vergessen sind neben sehr zahlreichen Multiplattenspielern, Telephon- und Fernschreibapparaturen, Hochfrequenzgeneratoren, Elektronenmikroskop und Ultraschall-Heilgeräte. Letztere werden von sehr vielen Firmen produziert und angepriesen, obgleich diese und ihre Anwendung noch verhältnismäßig jung sind.

Maschinenbau dominierend vertreten

Die Maschinenbau-Aussteller haben durch die Messeteilung räumlich die größtmöglichen Ausstellchancen. Es fehlt wohl kein Produktionszweig mit Ausnahme der verbotenen schweren Werkzeugmaschinen. Ueberall bemerkt man Verbesserungen und Neukonstruktionen. Nur Textilmaschinen sind weniger als vielleicht erwartet vertreten, was auf das Vorzugsgebiet Ostzone der Textilmaschinenhersteller zurückzuführen ist.

Das graphische Gewerbe mit allen seinen Nebenzweigen stellt einmal zusammengefaßt in einer Halle aus. Man sieht wieder Druckmaschinen, die bisher auf den Messen meist vermißt wurden. Bei den Schreibmaschinen werden die mittelgroßen Reisemaschinen noch immer bevorzugt, in Preislagen um DM 450.— fabriziert, während Büromaschinen nicht so stark vertreten, und die gesuchten Kleinstmaschinen nicht vorhanden sind. Registrierkassen mit verschiedenen zweckmäßigen Neuerungen, neuartige Kleindruck- und Vervielfältigungsapparate sowie Frankiermaschinen, ideale Papierscheren fehlen nicht.


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