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Filmgeschichte(n) und Filmchronik(en) - Von 0 bis 1957

überarbeitet, korrigiert und kommentiert von Gert Redlich im Juli 2016 - Hier findenSie die bislang umfangreichste und detailierteste Historie der weltweiten Entwicklung des Films, der Filmwirtschaft (und des Kinos). Der Deutsch-Engländer Heinrich Fraenkel (geb. 1897) war hautnah dabei gewesen und beschreibt 1956/57 zwei weltweite Epochen des Films :
Es beginnt mit Teil I "Von der Laterna Magica bis zum Tonfilm" und geht weiter mit Teil II "Vom Tonfilm bis zum Farbfilm"

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Rückblick auf die Vorgeschichte von [1877] bis [1900]

Beachten Sie die extrem kleine Schrift, die unserer Technik einige Sorgen bereitet hatte

Bei den Versuchen und der Konstruktion von Telegraphie- und Telefon-Apparaten wird von Thomas Alva Edison erstmalig ein Kohlenkörner-Mikrophon in einer zweckmäßigen Konstruktion verwendet.
[1876]

Thomas Alva Edison erfindet den Sprech-Apparat (Phonograph).
[1877]

Am 31. März bringt die Zeitschrift „Scientific American" eine genaue Beschreibung eines Apparates, mit dem man über weite Entfernungen deutlich sprechen kann. Es handelt sich dabei um eine patentierte Konstruktion des Amerikaners Graham A. Bell.
[1877]

Hughes in London erfindet eine neue Form des Mikrophons; es ist - immer wieder verbessert und abgewandelt - neben dem Edisonschen Kohlekörnermikrophon das erste Tongerät, ohne das Film, Funk und Fernsehen undenkbar wären.
[1878]

Der Physiker Ernst arbeitet an dem Prinzip der optischen Zerrbilder, sogenannter Anamorphose-Linsen - ein Prinzip, auf dem spätere Entwicklungsarbeiten des Panorama- und Breitwandfilms beruhen.
[1880]

Thomas A. Edison wird von seinem Mitarbeiter W. K. L. Dickson durch die Vorführung eines filmischen Selbstporträts überrascht, das den jungen Dickson zeigt, wie er den Hut abnimmt. Gleichzeitig erklingt durch einen von der Edisonschen Walze abgenommenen Hörschlauch der Satz: „Guten Morgen, Mr. Edison, wie gefällt Ihnen die Sache?" - Gewissermaßen also der erste komplette Tonfilm.
[1889]

Leon Gaumont etabliert sich in der Rue des Alouettes in Paris und baut dort ein eigenes Film-Atelier für Tonaufnahmen.
[1897]

Als „Kinematographisch - Phonographische Vorführungen" sind in dem Kinotheater "Unter den Linden" in Berlin die Darbietungen von Oskar Messter angezeigt. Während der Pausen ertönen aus zwei Phonographen Musikstücke . . . erste Zwischenaktmusik im Kino.
[1897]

Die ersten Kopplungs-Versuche von Bild und Ton entstehen dadurch, daß man neben den gebräuchlichen Kino-Apparaten die Edison-Phonographen gleichzeitig spielen läßt. Oskar Messter führt Tonfilmaufnahme-Versuche durch, bei denen eine Übereinstimmung der Bilderscheinungen mit den ablaufenden Phonowalzen gelingt.
[1900]

Ereignisse aus den Jahren [1901] - [1910]

Mit einer neuartigen, „singenden Bogenlampe" demonstriert Ernst Ruhmer, wie Schallwellen in Licht verwandelt und filmisch festgehalten werden können. Am gleichen Problem arbeiten auch A. Th. Simon und W. Duddel.
[1901]

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Von Oskar Messter werden sogenannte „Tonbilder" angeboten. Die von ihm aufgenommenen kinematographischen Bilder sind mit dazu passenden Grammophon-Aufnahmen mechanisch gekoppelt; sein Vorführgerät heißt „Biophon".
[1902]

Leon Gaumont zeigt seine ersten Tonbilder in der „Societe de Photographie". Das „Chronophone" ist ein Apparat mit Schallplatte und synchroner Bildwiedergabe. Auch im "Musee Grevin und im Theätre du Gymnase" sieht und hört man Gaumont auf der Leinwand persönlich über seine Erfindung sprechen.
[1903]

Gaumont wie Messter lassen bei den von ihnen hergestellten Tonbildern die bespielten Platten mehrmals vorführen, um damit den Darstellern Gelegenheit zu geben, ihre Mundbewegungen der kinematographischen Aufnahme anzupassen, eine Methode, die noch heute in den Synchron-Ateliers angewandt wird.
[1903]

Marconi erhält ein Patent auf eine Vakuum-Röhre, die als DRP unter der Nummer 186 084 eingetragen wird. Dieses Patent ist - wie sich erweisen wird - für die Tonfilmentwicklung von entscheidender Bedeutung.
[1905]

Robert von Lieben wird für die Anwendung einer stromverstärkenden Glühkathoden-Röhre das Patent erteilt. Daß die Stromverstärkung zum Kernproblem der Tonfilmentwicklung werden soll, erweist sich erst später, denn es dauert noch sieben Jahre, bis zweckmäßige Elektronenröhren gebaut werden können.
[4. III. 1906]

Eugene Lauste, ein früherer Mitarbeiter von Edison, der in Berlin die gelungenen Versuche von Ernst Ruhmer kennenlernt, erhält ein englisches Patent für die Konstruktion einer kinematographischen Kamera, in der Ton und Bild, gleichzeitig aufgenommen, eine Übereinstimmung (Synchronität) erzielen. Lauste greift experimentell zurück auf das Prinzip der Umwandlung von Schallwellen in elektrischen Strom, wie sie Ruhmer praktizierte.
[1906]

Bei der kurzen Szene „Lohengrin", die Messter fertiggestellt hat, entspricht die Länge (ca. 65m) genau der Grammophonplatte, die neben dem Film abläuft. In dem Tonbild spielen Vater und Tochter Porten mit, Henny als Elsa, Franz Porten als Lohengrin.
[1907]

Oskar Messter und der damals sehr prominente Berliner Kinobesitzer und Filmfabrikant Alfred Duskes geraten in einen Rechtsstreit über die Patentrechte ihrer „Tonbilder". - Der erste, aber keineswegs letzte der zahllosen Patentprozesse aus der Frühgeschichte des Tonfilms.
[1908]

Nach dem großen Erfolg der Opernsängerin Emmi Destinn in der Titelrolle von Richard Strauß' Oper „Salome" geht man an die „Vertonfilmung", indem man die Destinn den Tanz der Salome spielen und bei der Vorführung ihre Stimme durch ein hinter der Leinwand aufgestelltes Grammophon erklingen läßt.
[1908]

Patentstreitigkeiten zwischen Messter und Gaumont werden geregelt und dahin entschieden: Gaumonts „Tonbilder" dürfen nicht in Deutschland, und Messters nicht in Frankreich vertrieben werden.
[1909]

Guido Seeber, erster Kameramann bei Messter, ist Spezialist für Trick-Aufnahmen. Zu den Tonbildern werden die Aufnahmen nicht gleichzeitig mit dem Ton gemacht, sondern nach den Bewegungen des Mundes nachgedreht; eine frühe Art der Nachsynchronisation.
[1910]

Ereignisse aus den Jahren [1912] - [1920]

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Die Verstärkerröhre von Robert v. Lieben, „Gitterröhre" genannt, wird unter der Patentnummer 249 412 eingetragen. Weitere verbesserte Konstruktionen bauen im wesentlichen auf dieser Röhre auf.
[12. VII. 1912]

Die Erfinder Hans Vogt, Josef Masolle und Dr. Josef Engl schließen sich mit den Vorarbeiten ihres Werkes zusammen, das unter dem Namen Triergon eine sehr wesentliche Rolle in der technischen Vorgeschichte des Tonfilmes spielt. Die ersten Versuchsreihen finden bei der Firma Seibt in Berlin statt.
[1918]

Die Erfinder Hans Vogt, Josef Masolle und Dr. Josef Engl sind schon früh von der damals allein gebräuchlichen Idee des Nadelton-Verfahrens (also der getrennten Aufnahme des Tons auf einer Platte) abgekommen und haben es durch das Lichtton-Verfahren ersetzt, wonach der Ton unmittelbar auf den Filmstreifen „fotografiert" wird.
[1918]

Die drei Erfinder Vogt, Masolle und Dr. Engl bekommen im Laufe des Jahres die wesentlichen Patente zum Schutze ihres Tonfilm-Verfahrens.
[IV.-VIII. 1919]

Die Vorarbeiten der Erfinder Vogt, Masolle und Engl an ihrem Triergon-Verfahren finden finanzielle Unterstützung durch Robert Held (von der Lorenz A.G.), sowie durch Dr. Hans Harbig und Dr. Fritz Eisner.
[1919]

Die Triergon-Erfinder Vogt, Masolle und Dr. Engl richten sich in Berlin-Wilmersdorf, Bamberger Straße 49, ein Versuchslaboratorium ein, und zwar in einem früheren Blumenladen, in dem ihre entscheidenden Experimente durchgeführt werden. 30 Jahre später wird an dem Haus eine Gedenktafel angebracht, die auf die Anfänge des Tonfilms hinweist.
[1919]

In dem „Tonfilm" Quellen der Liebe (mit Conny Carstensen) werden bekannte Volkslieder musikalisch interpretiert. Der Sänger erscheint in einem weißen Rechteck, das im Bildfeld ausgespart ist. Die Musik ist durch Plattenaufnahmen mit dem Filmstreifen synchronisiert.
[1920]

Die Versuchsreihen der drei Triergon-Erfin-der Vogt, Masolle und Dr. Engl haben jetzt solche Fortschritte gemacht, daß zum ersten Male ein ganzer Satz ohne Verwendung eines Kopfhörers gehört werden kann, und zwar der Satz: „So spricht der sprechende Film."
[1920]
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Ereignisse aus den Jahren [1921] - [1925]

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Sven Ason Berglund zeigt in Schweden zum erstenmal sprechende Filme.
[1921]

Carl Froelich, früher Oskar Messters erster Mitarbeiter bei seinen „Tonbild"-Aufnahmen, macht sich selbständig und gründet unter der Firma Carl Froelich G.m.b.H. (später Carl Froelich & Co.) sein eigenes Tonfilmatelier.
[1921]

Im ersten Triergon-Atelier (in der Friedrich-Straße in Berlin) löst man das Problem der Schalldämpfung durch die Aufhängung von Hunderten von leeren Kartoffelsäcken. Auf diese Weise entsteht eine der ersten Spielfilmszenen des Tonfilms unter dem Titel „Der Brandstifter".
[VIII. 1922]

Zum erstenmal wird ein ganzes Programm von Tonfilmen öffentlich vorgeführt. Es enthält den „Brandstifter" und einige andere nach dem Triergon-Verfahren aufgenommene Spielfilmszenen sowie auch eine von der Schauspielerin Friedel Hintze vorgetragene Rezitation von Goethes „Heideröslein". Die Veranstaltung findet in der Berliner „Alhambra" statt. Sie ist von tonfilm-historischer Bedeutung, weil das Triergon-System damit öffentlich durchgesetzt ist.
[17. IX. 1922]

Der Erfolg der öffentlichen Triergon-Vorführung in der Berliner „Alhambra" bewegt eine Schweizer Interessentengruppe, sich finanziell an dem weiteren technischen Ausbau des Systems zu beteiligen.
[X. 1922]

Im Berliner Marmorhaus am Kurfürstendamm wird der nach dem Triergon-Verfahren herqestellte Film „Ein Tag auf dem Bauernhof" vorgeführt. Der Film hat eine Länge von 440 Metern (also eine Laufzeit von etwas über 1/4 Stunde). Regie: Walter Dörry. Kamera: O. Paulmann.
[11. I. 1924]

Mit einem Kapitel von 2 Millionen Schweizer Franken wird in Zürich eine neue Triergon A.G. gegründet, die sich der Förderung des von den drei Erfindern geschaffenen Verfahrens widmet.
[1. VII. 1924]

In Hannover wird mit Hilfe der Niederdeutschen Wirtschafts A.G. die Deutsche Tonfilm A.G. gegründet, die sich mit dem Erwerb und der Verwertung von Tonfilmpatenten befaßt. (Die Aktien gehen später in den Besitz der Tobis über.)
[IX. 1924]

In Kopenhagen wird zur Auswertung des von den dänischen Erfindern Petersen und Poulsen entwickelten Tonfilm-Verfahrens die Electrical-Phonofilm gegründet, von der die Lizenzen an Gaumont in Paris, an Gaumont British in London und an die Deutsche Tonfilm-A.G. vergeben werden.
[1924]

Einer der nach dem Triergon-System hergestellten Versuchsfilme enthält eine Szene aus Mozarts „Zauberflöte" mit dem Kammersänger Habich als Papageno und mit Else Knepel als Papagena.
[I. 1925]

Zwischen der UFA und der Triergon A.G. Zürich kommt es zu einem Abkommen, wonach die Ufa eine bis zum Jahresende laufende Option auf die Weltrechte des Verfahrens erwirbt.
[31.1.1925]

In Berlin-Weißensee wird auf Kosten der UFA ein Tonfilm-Atelier errichtet, wo den drei Erfindern des Triergon-Verfahrens die Möglichkeit zum Ausbau ihres Systems gegeben ist.
[II. 1925]

Von der Ufa sowie der Triergon A.G. finanziert, entstehen bei Ernemann Vorführapparaturen, die für Tonvorführungen eingerichtet sind.

[V.-VIII. 1925]

Die Option der UFA auf die Weltrechte des Triergon-Verfahrens läuft ab. Die UFA versäumt es, von dem Optionsrecht Gebrauch zu machen.
[31. XII. 1925]

Sämtliche Lizenzrechte des Nadelton-Verfahrens der Firma Vitaphone werden von der Firma Warner erworben.
[1925]

Nach dem dänischen Petersen- und Poulsen-Verfahren werden die Aufnahmen für den Film „Fliegerlied" hergestellt. Hauptrolle: Wolfgang Zilzer. Auch ein Text von Alfred Kerr wird in einem nach dem dänischen System hergestellten "Tonband" verwendet.
[1925]

Im Rahmen des mit der Triergon getroffenen Abkommens bereitet die UFA einen kurzen Tonfilm vor, dessen Stoff Andersens Märchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" entnommen wird. Den Drehbuchauftrag erhält Hans Kyser, der für dieses erste aller Tonfilm-Drehbücher die naheliegende Form wählt, die optischen Angaben auf die linke und den Dialog sowie andere akustische Angaben auf die rechte Seite des Manuskripts zu schreiben - eine Form, die für alle Zeiten gültig blieb.
[1925]
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