Anspruch und Wirklichkeit - Deutsches Fernsehmuseum
Ein eigenes Museum mit der anspruchsvollen Bezeichnung "Deutsches Fernsehmuseum" mit dem Zusatz "für Fernsehtechnik" muß schon gewissen Mindestansprüchen gerecht werden. In Berlin ist nach weniger als einem halben Jahr die herausfordernde Bezeichnung "Deutsches Fernsehmuseum" vollends verschwunden. Man spricht nur noch von einer Abteilung der Mediathek im Filmmuseum.
Es ist also Qualität und Quantität (der Exponate) gefordert.
Nach längeren Gesprächen mit langjährigen Fachleuten und Begleitern der Fernseh-, Film- und Foto- Museumsszene und der professionellen Fernsehtechnik wurde in etwa der Rahmen (des historischen Teils) eines "Deutschen Museums für Fernehtechnik" abgesteckt.
Durch den Einblick in die divesen aktuellen Sammlungen kam ganz klar heraus, daß keine der bekannten Sammlungen für sich alleine (einschließlich des Wiesbadener und Frankfurter Fundus) auch nur im Ansatz diesem Anspruch gerecht werden kann.
Die meisten (begeisterten oder auch verbohrten) Sammler schwelgen in ihrer (eigenen) Einzigartigkeit und lassen solche Kritik (fast) nicht gelten.
Insbesondere die Wiesbadener Fundus-Wächter fühlen sich als die ungekrönten Könige der Vollständigkeit. Und gerade hier ist bei echten historischen Exponaten von professioneller Fernsehtechnik vor 1952 so gut wie nichts vorhanden. (Es wurde vor 20 Jahren verhökert oder verkauft.) Da fehlen einfach 30 ganze Jahre der Fernsehgeschichte. Der Nachbau der "Olympia Kamera" von 1936 ist zwar ein tolles Papp-Modell, hat aber keinerlei historische Bedeutung, die Kamera ist eben nicht echt.
So kamen wir im Arbeitskreis Fernsehmuseum zu dem Schluß, daß vielleicht eine gemeinsame Anstrengung einschließlich der Zusammenlegung der Sammlungen einen historisch wertigen Überblick (bzw. Zusammenhang) ergeben könnte. Doch auch da sind die Einzelinteressen der diversen Sammler diametral entgegengesetzt und bedürfen der sensiblen Moderation der Gemeinsamkeiten.
Nachtrag 2009:
Und noch etwas ist ganz wichtig:
Eine reine Technik-Ausstellung, also das reine "zur Schau stellen" von alten Kameras und Videorecordern und Mischpulten und Filmabtastern und Monitoren mit eventuell einem halben alten Fernsehstudio, das reicht heute nicht mehr.
Den Besuchern muß mehr geboten werden als historischer Hammerschlag lackierter "Metallschrott", und seien es sogar mehr als 400 Tonnen.
10 Jahre nach der Jahrtausendwende wollen die Besucher ein Event-Museum sehen, alles Andere ist oder wird (oder war) langweilig.





