Der "Deutsche Film" 1933-45 - eine fatale Lobhudelei aus 1980
Sept. 2026 von Gert Redlich - Obwohl in der Einleitung des Buches auf die besonderen Gegebenheiten der Krigeszeit von 1939-45 hingewiesen wird, strotzen die einzelnen Kapitel und Biografien mit überbordender kritikloser Lobhudelei. Wer die ausführliche und seitenlange Einleitung übergeht, landet in einer super tollen heilen Film-Welt der großen bewundernswerten deutschen Filmkunst.
Daß dem überhaupt nicht so war, geht in den Lobeshymnen des italienischen Autors Michele Sakkara unter und verfälscht die Geschichte der damaligen Zeit. Während in den Filmstudios triviale Seifenopern gedreht wurden, konnten die Kinobesucher über die oppulenten Buffets, die aufwendigen Kostüme undi die Traum-Kulissen nur staunen. Und daß die Macher von damals nach dem Krieg alle "entlastet" wurden stinkt zum Himmel.
Selbst mittelmäßig intelligente Reichsbürger wußten spätestens im Herbst 1933, was die Stunde geschlagen hatte und mit welchen Regime sie sich ab jetzt verheiraten müssten oder alternativ mühsam arrangieren und das war überhaupt nicht lobenswert. Mit diesem Buch aus 1980 wird das 3.Reich und der deutsche Film als Werkzeug einer Diktatur aufgewertet und damit wird die unrühmliche deutsche Geschichte heftigst verdreht.
.
Die Aufzählung und die Texte stammen alle aus 1980
.
Erklärungen für eine Korrektur (gross ? oder bekannt ?)
Das Kapitel heiß zwar "Grosse Schauspieler", sollte aber besser "Bekannte Schauspieler" heißen. Bei den Regisseuren im ersten Kapitel ist das weniger interessant, weil die allermeisten Kinobesucher diese Information überhaupt nicht interessiert hatte. Auch wer die Story und die Musik geschrieben hatte, war wenig interessant. Der möglichst reißerische Titel des Films und die ersten drei Hauptdarsteller waren die eigentlichen Zugnummern.
.
HANS ALBERS
HANS ALBERS wurde am 22. September 1892 in Hamburg geboren. Nach einer unglücklichen Erfahrung in der Geschäftswelt schloß er sich plötzlich einer Gruppe von fahrenden Schauspielern an und erhielt danach eine Anstellung (Vertrag) beim Hamburger Schauspielhaus.
Nach dem Ersten Weltkrieg verbrachte er eine Zeit der Rekonvaleszenz in Berlin und entdeckte sein komisches Talent. In kurzer Zeit waren ihm Türen beim Metropoltheater, an der Komischen Oper und in vielen Operetten-Theatern offen; dort trat er als Komiker, Sänger, Charakterdarsteller und sogar als Akrobat auf.
Im Jahre 1926 kam er zum „Deutschen Theater", wurde von einem Impresario entdeckt, der an sein großes Talent glaubte und ihn lancierte. Die Etappen seines wachsenden Erfolgs waren: „Verbrecher" mit Klein, „Rivalen" mit Piscator, „Peer Gynt" und „Der Kaiser von Amerika" (an der Reinhardt-Bühne in Wien) sowie „Liliom" mit Molnar.
1929 - Eintritt in die Welt des Films
Albers trat im Jahre 1929 in die Welt des Films ein, zu einer Zeit, da die Filmregisseure ihre Schauspieler in den Theatern suchen mußten, wenn auch die ausgesuchten nicht immer genügend künstlerische Garantien boten.
Es reichte, ein sogenanntes „Physique du role" zu besitzen, und man konnte sich auf die Reklame und die eigene persönliche Ausstrahlung verlassen; um zur Berühmtheit zu gelangen. Eigentlich hat sein Talent nicht für eine erfolgreiche Filmkarriere ausgereicht, dies zeigte sich 1929, als Carl Froelich ihm 1929 eine Rolle im Film „Die Nacht gehört uns" gab.
Auf der Welle dieses Films gab ihm Josef von Sternberg im Jahre 1930 eine Rolle im „Blauen Engel" (als Gegenspieler von Jannings). Albers hat den großen Erfolg des Films „Blauer Engel" teilweise gut ausgenützt und erreichte eine wichtige Rolle in dem Film von Heinz Hilpert mit dem Titel „Drei Tage Liebe" (1931).
Es folgten „Bomben auf Montecarlo", „Der Sieger", „Der weiße Dämon" (alle im Jahre 1932). Albers hat in all diesen Filmen hauptsächlich seinen Charme und seine erfrischende Ausstrahlung eingesetzt, die ihm die Sympathie des großen Publikums ..... und bei den Frauen den Titel „Der blonde Hans" gebracht haben.
.
Die ersten "Mode-Filme" .......
Dies bestätigte ihm auch wieder seine Popularität, als er nach mehreren Filmen die Rolle des Hauptdarstellers in dem Film „Gold" an der Seite von Brigitte Helm mit dem Regisseur Karl Hartl bekam. Der Film „Gold" war ein Vorläufer der heutigen Modefilme und handelte von einem Alchemisten, der sich eines riesenhaften Reaktors bediente, um rohes Metall in echtes Gold zu verwandeln.
In den Jahren 1935 - 1938 spielte er in mehreren durchschnittlichen Filmen, dann kam 1938 die historische Begegnung mit dem Regisseur Herbert Selepin.
Die Zusammenarbeit brachte in den Jahren 1938 bis 1945 fünf Filme hervor: „Sergant Berry", „Wasser für Canitoga", „Ein Mann auf Abwegen", „Trenck, der Pandur" und „Carl Peters". Sie brachten ihm den Gipfel des Ruhms im europäischen Film (Anmerkung : Es gab da nicht viel "europäischen" Wettbewerb) und wachsende Beliebtheit beim Publikum. Immer verkörperte er den „Helden".
Zu bemerken ist, daß Albers im Jahre 1938 das Glück hatte, in der französisch-deutschen Co-Produktion des Films „Fahrendes Volk" von Jaques Feyder mit den Schauspielerinnen Franchise Rosay und Camilla Horn mitzuwirken.
.
Dann kam „Münchhausen" - in Farbe
Sein wahrer magischer Moment kam 1942, als er die Figur des Titelhelden in dem Film „Münchhausen" spielte, welchen die UFA anläßlich ihres 25jährigen Bestehens (in Agfacolor) herausgebracht hat, Josef von Baky führte Regie und wählte Albers aus, umgab ihn mit dem Besten an Schauspielern des damaligen Film-Firmaments wie Ilse Werner, Brigitte Horney und Ferdinand Marian.
Und hier, man muß es unbedingt sagen, erreichte Albers den Höhepunkt all seiner Darstellungen der Vergangenheit und der Zukunft. Er trat mit einer Spontanität und einer Unbefangenheit auf, die alle fesselten. Zu Beginn des Jahres 1944 arbeiteten Albers und Ilse Werner wieder zusammen in dem Film „Die große Freiheit Nr. 7" (besser als „La Paloma" bekannt, unter der Regie von Helmut Käutner). Diese romantische Geschichte in altem Stil war dosiert mit Realismus, Gefühl und Moral und wurde an den eindruckvollsten Plätzen in Hamburg und Umgebung (in Agfacolor) gedreht.
Hier sang dann Albers das unvergeßliche und noch heute berühmte Lied „La Paloma" und sein spritziges „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins". Dies mußte ein Erfolg werden und das nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa - auch nach dem Kriege. Nach den Dreharbeiten in Käutners Film übersiedelte Albers 1945 nach Prag, um dort einen psychologischen antikomunistischen Kriminalfilm „Schiva und die Galgenblume" (der 15. Film in Agfacolor) zu drehen, der leider wegen des plötzlichen Todes von H. Steinhoff, dem Regisseur, nicht fertiggestellt wurde.
Danach (also nach dem April 1945) überstürzten sich die politischen Ereignisse und ließen Albers „schadlos" am üblichen Ablauf der damaligen Zeit mit Lager, Ärger und Entnazifizierung.
Dies half dem „supergeschätzten" und glücklichen Schauspieler (das Equivalent zu Fred Mac Murray, George Bent und Joel Mc Crea), sich schnell wieder an die Filmarbeit zu machen.
- Nachtrag : Hans Albes hatte eine jüdische Frau und stand zu ihr. Die Nazis insbesondere Göbbels konnten ihm nicht recht an den Kragen, denn er war das Sinnbild des blonden deutschen Ariers und durch seine erfolgreichen Filme in der Bevölkerung sehr beliebt. So sind die späteren Nachkriegs-Meinungen über Albers und seine Nachkriegs-Karriere sehr gemischt und unterschiedlich streng bzw. einseitig.
WILLY BIRGEL
Er wurde am 19. September 1892 in Köln geboren. Sein Filmdebüt hatte er im Jahre 1934 in „Ein Mann will nach Deutschland". Von da ab begeisterte er das Publikum mit einer Serie von Filmen von außerordentlichem künstlerischen Prestige.
1937 erhielt er von den Nazis für seine künstlerischen Verdienste den Titel „Staatsschauspieler". Er war eine vornehme romantische Persönlichkeit, teils als fataler „Herr von Welt", teils als unwiderstehlicher Herzensbrecher mit einem Einschlag von feinem liebenswürdigen Humor, der bestens mit der Art seiner Rollen verschmolz.
Unter seinen besten Rollen wollen wir aufzählen: „Barcarole" (1935), „Verräter" (1936), „Unternehmen Michael" (1937), „Zu neuen Ufern" (1937), „Der Blaufuchs" (1938), „Der Fall Deru-ga" (1938), „Geheimzeichen LB 17", (1938) „Ver-klungene Melodie" (1938), „Der Gouveneur" (1939), „Hotel Sacher" (1939), „Kongo-Expreß" (1939), „Maria Ilona" (1939), „Das Herz der Königin" (1940), „Feinde" (1940), „Kameraden" (1941), „Diesel" (1942), „Der dunkle Tag" (1943), „Du gehörst zu mir" (1943), „Der Majoratsherr" (1944), „Ich brauche Dich" (1944), „Musik in Salzburg" (1944), „Die Brüder Noltenius" (1945), „Leb wohl Christina" (1945) (unvollendet).
Willy Birgel wurde unendlich populär in ganz Europa in den 40er Jahren. Elegant, sympathisch, aufgeschlossen, entwickelte er einen ganz persönlichen Stil und hatte großen Einfluß auf die anderen beim deutschen Film nachkommenden Schauspieler, wenn ihn auch dann keiner ersetzen konnte, als er für immer von der Szene des Lebens und der Bühne abtrat.
- Nachtrag : Er spielte in Unterhaltungsfilmen zusammen mit Zarah Leander, Gustaf Gründgens und Heinrich George, aber auch in Propagandafilmen des NS-Regimes wie Unternehmen Michael (1937), Feinde (1940) und Kameraden (1941). Nicht zuletzt deshalb wurde er 1937 von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels zum Staatsschauspieler ernannt und später in die „Gottbegnadeten-Liste“ aufgenommen. 1941 spielte Birgel in dem Propaganda-Film "… reitet für Deutschland" die Hauptrolle.
- Wegen der Rolle in diesem Film und anderer Auftritte in nationalsozialistischen Propagandafilmen verhängten die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg ein zeitweiliges Auftrittsverbot über Birgel.
RENE DELTGEN
Auch „Staatsschauspieler", wurde am 30. April 1909 in Eschsur Alzette (Luxemburg) geboren († 29. Januar 1979) und studierte an der Schule des Kölner Schauspielhauses Rezitation. Dort war er anschließend als Charakterdarsteller unter Vertrag, um dann an das Schillertheater in Berlin zu gehen. Sein Debüt beim Film hatte er im Jahre 1935 und bekam sofort Rollen erster Ordnung. Seine Popularität war mit Deutschland verbunden, nachdem er sich in den Jahren 1938 - 1945 als absoluter Hauptdarsteller profilierte:
1935: „Das Mädchen Johanna", „Einer zuviel an Bord".
1936: „Port Arthur,,, „Savoy Hotel 217", „Unter heißem Himmel".
1937: „Starke Herzen", „Urlaub auf Ehrenwort".
1938: „Ab Mitternacht", „Geheimzeichen LB17", „Katschuk", „Nordlicht".
1939: „Der grüne Kaiser", „Kongo-Express", „12 Minuten nach 12".
1940: „Achtung, Feind hört mit", „Das leichte Mädchen".
1941: „Mein Leben für Irland", „Spähtrupp Allgarten".
1942: „Anschlag auf Baku", „Das große Spiel", „Dr. Crippen an Bord".
1943: „Zirkus Renz", „Wenn der junge Wein blüht", „Wen die Götter lieben". 1944: „Das Hochzeitshotel", „Sommernächte". 1945: „Der stumme Gast", „Wir beide liebten Katharina" (unvollendet).
Seine künstlerischen Ausdrucksfähigkeiten bauten sich größtenteils auf seine stark anziehende, dunkle Persönlichkeit auf. Er konnte sich in die Psychologie seiner Rollen gut versetzen. Wegen dieser Geschmeidigkeit und Anpassungsfähigkeit haben ihn berühmte Regisseure wie Carl Ritter, Gustav Ucicky, Eduard von Borsody, Arthur Maria Rabenalt etc. etc. verpflichtet.
.
- Nachtrag : 1939 wurde er anlässlich des 50. Geburtstages Adolf Hitlers in Deutschland zum Staatsschauspieler ernannt. Deltgen stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Plakate, auf denen er für den Eintritt der luxemburgischen Jugend in die Hitler-Jugend warb, verleideten vielen Luxemburgern ihren früheren Stolz auf den bekanntesten Schauspieler ihres Landes. Auch in den Nachkriegsjahren wurde ihm die Kollaboration mit den Deutschen nicht verziehen. 1945/1946 kam es deshalb in Luxemburg zu einem vielbeachteten Gerichtsverfahren gegen Deltgen wegen Landesverrats. Das Urteil lautete auf zwei Jahre Gefängnis, 100.000 Francs Geldbuße und den Verlust der luxemburgischen Staatsangehörigkeit, die ihm aber 1952 wieder zuerkannt wurde. Die Haftstrafe musste er nur zum Teil absitzen.
HEINRICH GEORGE
Heinrich George, am 9. 10. 1893 in Stettin geboren, gehörte zu der Gruppe deutscher Schauspieler, welche die große Tradition Baumeisters fortsetzten und seine Rollen aus der Tiefe des Gefühls und einem unverfälschten Empfinden gestaltete und erlebte.
Von Gestalt eine „Rubensfigur", die das Leben genoß, hatte dieser große volkstümliche Mime doch das Talent der Einfachheit. Nie wirkte er jedoch vulgär, vielmehr zwar robust, jedoch unbefangen und leidenschaftlich. Mit der goßen massigen Gestalt und dem breiten Gesicht des kraftvollen Mannes liebte er besonders die Rollen, in denen er, im Gegensatz zu seinem kräftigen Aussehen, eine zarte Feinfühligkeit oder auch eine offene Komik zeigen konnte.
Dieser intelligente Schauspieler wußte seiner Darstellung immer maßvolle und genaue Konturen zu verleihen. Er ging sparsam mit seinen durchaus
„kraftvollen" Ausdrucksmitteln um und ließ seiner Phantasie und seinem natürlichen Elan nicht die Zügel schießen.
George liebte die Kunst, die sich elementarer und starker Zugaben bediente wie Leben, Zorn, Liebe, Tod, Kampf, Kraft und Mut. Er traf immer ins „Schwarze" im Herzen des Publikums (seit seinem Debüt war er für Charakterrollen bestimmt). Er fand eine unermeßliche Popularität beim Publikum, die kein Nachlassen kannte.
Dann spielte er 1926 in dem Film „Metropolis"
Nach seinem Debüt im Jahre 1921 spielte er in zweitrangigen Filmen, bis ihm Fritz Lang in den Jahren 1925-26 die große Rolle des Maschinenmeisters in „Metropolis" anbot. Nach weiteren beachtlichen Charakterrollen wurde er von E. A. Dupont nach England gerufen und verkörperte dort im Film „Menschen im Käfig" (1930) die grobe Person des Leuchtturmwärters. Trotz seiner nicht gerade gefälligen Figur verlieh er dieser Gestalt eine glühende Welle von Erotik und seine ganze dramatische Kraft.
Zu seinen besten Filmen in den ersten Jahren des Tonfilms gehört „Berlin Alexander Platz" (1931) v. P. Jutzi. Dieser Film ist ein Klassiker der Leinwand und verdankt seinen Ruhm einer wahrheitsgetreuen Darstellung menschlicher Fülle im Licht eines großzügigen sozialen Porträts. Im „Filigran" des Namens George (Hauptdarsteller) standen auf dem Cast weitere bekannte Namen der Bühne und des Vorkriegsfilms.
Nun kannte seine Filmtätigkeit, die sich immer mit der Bühnentätigkeit abwechselte, keine Ruhe mehr.
In den Jahren 1931 - 1933 spielte er die Hauptrollen in den Filmen „Menschen hinter Gittern" von P. Fejos, „Das Meer ruft" von Hinrich, „Reifende Jugend" von C. Froelich und „Schleppzug M 17", in dem er auch seine Feuertaufe als Regisseur bestand und nun auch in dieser Eigenschaft sein Talent zeigte.
Seitdem zogen viele künstlerische Leiter Vorteile aus seiner monolitischen Maske. So sehen wir ihn in „Der Andere", sowie in „Dreyfuß (1931), „Der Mann, der den Mond beging" und „Wir schalten um auf Hollywood" (1932), „Goethe lebt". . . und „Die letzten Tage vor dem Weltbrand" (1933).
„Hitlerjunge Quex" war kein Ruhmesblatt
Im gleichen Jahr verpflichtete ihn Steinhoff für die Rolle des Vaters in „Hitlerjunge Quex". Dieser Film wurde berühmt und George zeigte sein hohes Niveau mit einer Darstellung, die zur Bewunderung zwang und zum Nachdenken anregte.
Der Erfolg von „Quex" zog eine Lawine von weiteren Engagements für George nach sich. Die von zahlreichen Filmen am nennenswertesten sind „Hermine und die sieben Aufrechten" und „Stützen der Gesellschaft" (1935), „Die große und die kleine Welt" (1936), „Ball im Metropol" und „Unternehmen Michael" (1937) sowie „Die Frau Sylvelin" (1938).
Im Jahre 1938 wurde der bekannte Film „Heimat" von Carl Froelich gedreht. Das voll aufeinander eingespielte Gespann Regisseur - Darsteller hatte einen sensationellen Publikums- und Kritikererfolg.
Im Jahre 1939 erfolgte dann die große Begegnung mit Harlan - die für beide eine fruchtbringende Zusammenarbeit bis zum Ende brachte. In dem ersten gemeinsamen Film „Das unsterbliche Herz" hat George in der Rolle des Hauptdarstellers einer vielschichtigen Person Leben und Gesicht verliehen, hat die verborgensten Regungen ihrer Seele erforscht und sie in Aktion und Gedankenbewegung umgeformt.
Der Höhepunkt von Georges künstlerischer Popularität
1940 ist das Jahr des Höhepunktes von Georges künstlerischer Popularität mit der Darstellung in einer Anzahl von "hochwertigen" Filmen. Nach „Sensationsprozeß Casilla" folgte „Friedrich Schiller" (Der Traum eines Genies) von Herbert Maisch. Diesen Film würden auch noch heute in den 19-achtziger Jahren viele Mode-Regisseure gern noch selbst gemacht haben.
Wieder mit Harlan, spielte er die Rolle in „Jud Süß" und zeigte einen Herzog von Württemberg (Karl Alexander), wie er nicht überzeugender und lebensechter gespielt werden kann.
Zum Abschluß der Saison ist er als Hauptdarsteller in Gustav Ucickys hervorragendem Film „Der Postmeister" zu sehen. Worte sind zu arm, um die Größe seiner Darstellung auszudrücken; bald zeigte er sich robust, dann zart verhalten, dann wieder dramatisch, leidenschaftlich, lyrisch, das Ganze verschmolz perfekt mit den Bildern Hans Schneebergers. . . eine wahre Magie!
1941 hat er mit Harlan den weniger nennenswerten Film „Petro soll nicht hängen" gedreht. Die neuerliche Zusammenarbeit mit Carl Froelich hat im Jahre 1942 den Film „Die Hochzeit auf Bärenhof" hervorgebracht, den einige Kritiker als ..... „den Film von unauslöschlichen Eindruck" bezeichnet haben.
In „Andreas Schlüter", ebenfalls 1942 von Herbert Maisch gedreht, verkörperte George den im 18. Jahrhundert lebenden sogenannten „preußischen Michelangelo". Nur ein Darsteller seines Formats konnte eine solche Person auf der Ebene der Intuiton glaubwürdig zeigen.
Es folgten „Der große Schatten" und „Schicksal" (1943), „Wien 1910" und „Der Verteidiger hat das Wort" (1944). Mit den Filmen „Die Degenhardts" und „Kolberg" beendete George dann 1945 seine strahlende Laufbahn und mußte sich von dem Publikum verabschieden, das ihn so treu geliebt und stets mit Beifall überschüttet hatte, nicht zuletzt im Schiller-Theater in Berlin.
Im Mai 1945, als die Sowjets Berlin eroberten, wurde er als einer der ersten „Nazis" verhaftet und in das KZ-Lager Sachsenhausen verbracht. Dort starb er nach brutaler und grausamer Behandlung am 26. August 1946. Es gibt keine genauen Mitteilungen über Georges letzte Lebenstage in sowjetischer Haft.
- Nachtrag aus 2026 - In den geöffneten russischen Archiven der Gorbatschow Zeit stand, die Russen haben ihn als nachweislich strammen Nazi- Anhänger damals im Gefängnis schlicht verhungern lassen.
HEIDEMARIE HATHEYER
Sie wurde am 8. April 1919 in Villach (Kärnten) geboren. Im Jahre 1937 wurde sie von Luis Trenker für den Bergfilm „Der Berg ruft" verpflichtet. Sie war eine wirkliche Überraschung für alle ... sofort sah man, daß hier eine energische, pflichtbewußte Schauspielerin auftrat.
Anmerkung : Die Darstellung von Pflichtbewußtsein (gegenüber dem Führer ud dem Staat) wurde im Hitler-Deutschland ab 1933 fast mit Gewalt gefördert. Das fing mit der Hitlerjugend an, und ging über den BDM bis zum Arbeitsdienst und dann rüber zur der Wehrmacht. Wenn eine Schauspielerin soetwas auch nur unterschwellig vermittelte, hatte sie bei Göbbels bereits gewonnen.
Mit ihrem ausdrucksvollen leidenschaftlichem Gesicht und der „besonderen" Stimme ließ sie schnell die kleinen Unregelmäßigkeit ihres Gesichts vergessen. Nach einigen weniger auffallenden Filmen in den Jahren 1938 bis 1939 wurde sie von Steinhoff für die weibliche Hauptrolle der „Geyerwally" (1940) ausgesucht. Man hätte kein besseres Gesicht, als das stolze herbe Antlitz der Hatheyer für diese rebellische, unnahbare Frauengestalt finden können.
Dies war ihre beste filmische Leistung und damit erreichte sie die größten Triumpfe. Die Kritiker (Anmerkung : auch wieder) aus aller Welt und ein begeistertes Publikum waren die Bestätigung dafür.
Auch in dem folgenden Film „Ich klage an" (1941) von Liebeneiner hat sie sich in die Rolle einer gequälten unglücklichen Pianistin versetzt und damit dem Film zu ungeahntem Erfolg verholfen.
1942 kam dann der Film „Der große Schatten" und „Eine Nacht in Venedig", dann 1943 „Man rede mir nicht von Liebe". Leider war hier ihre besonders vornehme Art des Spiels eine Fehlbesetzung.
Mit „Die Jahre vergehen" (1944) und „Ich glaube an Dich" (1945) hatte die phantastische, aber kurze Karriere beim Film ihr Ende gefunden. Die Schauspielerin betrat nun mit Erfolg die Bühne des Staatsschauspiels in München und wartete auf eine Rückkehr zum Film.
.
- Anmerkung : Im Jahr 1954 hatte sie den jüdischen Autor und inzwischden amerikanischen Presseoffizier Curt Riess (ehemals deutscher Staatsbürger geboren in Berlin) geheiratet.
MARIANNE HOPPE
Auch sie eine „Staatsschauspielerin". Sie wurde am 26. April 1911 in Rostock geboren, ging in die Handelsschule nach Weimar und besuchte das „Königin-Luise-Stift", dann trat sie in das „Deutsche Theater" in Berlin ein, war dort bis 1935, um dann ununterbrochen bis Ende 1944 am Staatstheater zu wirken.
Als Schauspielerin von feiner und lieblicher Ausstrahlung und Eleganz, mit herben interessanten Geischtszügen, kam sie ab 1935 beim Deutschen Film an, hatte jedoch nicht immer die glücklichsten Rollen, die ihrem Talent entsprochen hätten. In der geschickten maliziösen Darstellung ihrer Rolle in der sonst banalen Person im Film „Oberwachtmeister Schwenke" (1935) zeigten sich ihre außerordentlichen künstlerischen Fähigkeiten und ließen die Mittelmäßigkeit des Films fast vergessen.
Im Jahre 1937 sah man sie dann in „Der Herrscher" von Harlan. Der starke Konflikt in diesem Film wurde von ausgezeichneten Schauspielern (an der Seite der Hoppe spielte Jannings, der für diese Rolle in Venedig zum besten Schauspieler im gleichnamigen Film gewählt wurde) überzeugend dargestellt.
Dann ... nach „Capriolen", (1937) „Gabriele eins, zwei, drei" (1937), „Kongo Express" (1939) gab sie einer klassischen Figur der deutschen Erzählung Leben - Effi Briest - in „Der Schritt vom Wege" (39) von Gustav Gründgens.
Hier hat die Hoppe wieder gezeigt, daß sie die Seelenzustände und psychologischen Momente ihrer Heldin mit aristokratisch-stilistischer Form glaubhaft machen konnte. Die Regie führte ihr Ehemann G. Gründgens.
Nach der Begegnung zwischen Hoppe und Käutner folgte unweigerlich ein Film, der Marianne Hoppe Weltruhm bescherte „Auf Wiedersehen, Franziska". Hier spielt sie die „Verlobte des Soldaten" und war die Verkörperung der deutschen Frau „par excellence".
Der Film sicherte ihr auch die Sympathie von Millionen Müttern, die hier auf der Leinwand die gleichen Situationen sahen, die ihr eigenes Schicksal in der Zeit des Krieges widerspiegelten. Auch in der späteren Zusammenarbeit mit Käutner in „Romanze in Moll" (1943) sah man die Hoppe wieder in der Hauptrolle und sie war überzeugend und präzise.
„Ich brauche Dich" (1944) und „Das Leben geht weiter" (1945) - leider unvollendet -, haben der strahlenden Karriere der Hoppe vorerst ein Ende gemacht. Eine humane, rührende Schauspielerin voll Vitalität und Spontanität, die in allen Rollen ihr künstlerisches Niveau und ihr großes dramatisches Potential gezeigt hat.
.
- Anmerkung : Lobeshymnen allerorts, doch Marianne Hoppe hat bereits 1934 mitbekommen, was für ein Staat da aufgebaut wurde und sie hat die ganze Zeit mitgemacht, (weil es so schön bequem war ?).
- Nachtrag : Marianne Hoppe war von 1936 bis 1946 mit dem berühmten Schauspieler und Intendanten Gustaf Gründgens verheiratet. Doch Gustaf Gründgens war homosexuell und alle wußten es. Und sie stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Sie gehörte während des „Dritten Reiches“ zur absoluten Spitzengarde der deutschen Theater- und Filmschauspielerinnen.
- Hoppe selbst beschrieb verniedlichend diese Zeit im Rückblick als „schwarze Seiten ihres Poesiealbums“. Und so hat sie sich geschickt durch die Entnazifizierung durchgeschlängelt. Doch das alles ist nach wie vor nicht glaubwürdig.
Ein Zitat aus dem Spiegel : - Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 in Berlin die Macht ergreift, spielt Gustaf Gründgens abends im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt den Mephisto. Draußen marschieren SA und SS mit Fahnen, Fackeln und Kampfliedern durch die Innenstadt. Drinnen verfolgen die festlich gekleideten Theaterbesucher gebannt, wie Faust den Pakt mit dem Teufel schließt. Die Symbolik dieses denkwürdigen Abends wird den wenigsten damals aufgegangen sein.
- Noch dauert es etwas mehr als ein Jahr, bis auch Gustaf Gründgens seinen Teufelspakt eingeht: 1934 wird der brillante Schauspieler und Regisseur Intendant der renommierten Bühne am Gendarmenmarkt. Zusammen mit seiner späteren Frau, der Schauspielerin Marianne Hoppe, ist er fortan Aushängeschild der nationalsozialistischen Machthaber. Hoppe repräsentiert in zahlreichen Filmen den Prototyp der Nazi-Traumfrau - blond, fügsam, opferbereit.
CAMILLA HORN
Camilla Horn wurde am 25. April 1908 in Frankfurt am Main geboren und trat bereits mit 16 Jahren in die Theaterwelt ein. Ihr Debüt gab sie in Berlin unter Rudolf Nelson.
Als Darstellerin von Nebenrollen kam sie zur UFA, genau zum richtigen Moment, als der Regisseur Murnau eine Heldin für den „Faust" suchte. Kaum hatte er sie gesehen, war er sicher, in diesem blonden Mädchen mit dem sauberen Gesicht sein „Gretchen" gefunden zu haben. So rückte Camilla Hörn mit einem Schlag in die Elite des internationalen Films auf.
Sie wurde sofort danach nach Hollywood gerufen, um dort an der Seite von John Barrymore in „Tempest" (1927) die Rolle einer starken, Zorn erregenden Prinzessin in den Wirren der russischen Revolution zu spielen. Dann kam Lubitsch, um sie für sein „Eternal Love" (1929) zu engagieren, einer Geschichte einer Madonna der Berge mit tragischem Ende. Dann kam die Hörn nach Deutschland zurück und fand ab 1933 Rollen, die sie dank ihrer physisch starken Ausstrahlung und ihrer dramatischen Fähigkeit zu einer gesuchten Schauspielerin von Qualität und Vornehmheit machten.
Es folgten dann einige Co-Produktionen England-Ungarn-Italien, welche sich doch nicht in das Licht der internationalen Öffentlichkeit rückten und in denen sie ihre großen Qualitäten, die sie besaß, nicht richtig ausleben konnte.
- Anmerkung : Camilla Horn hatte sich in den 1930er- und 1940er-Jahren geweigert, der offiziellen Linie der Nationalsozialisten zu folgen. Bereits 1935 wurde sie aus der Reichsfilmkammer ausgeschlossen. Gegen Kriegsende versuchte sie erfolglos, in die Schweiz zu fliehen, und zog sich schließlich auf ihr Landgut zurück. Diese frühe Denunziation und ihr De-facto-Berufsverbot wirkten bei Kriegsende bei den alliierten Behörden entlastend.
BRIGITTE HORNEY
Sie ist am 29. März 1911 in Berlin geboren († 27. Juli 1988 in Hamburg). Zum ersten Mal trat sie mit „Abschied" (1930) vor die Filmkamera, hatte aber nicht sofort den durchschlagenden Erfolg. Sie verfügt über ein sprühendes Temperament mit humoristischem Einschlag, das jedoch durch ihre fast mongolischen Züge und das harte durchgeistigte Gesicht nicht beim Publikum ankam, zumindest am Anfang ihrer Laufbahn.
In ihren ersten und einfachen Filmen wie „Rasputin" (1932), „Heideschulmeister Uwe Karsten" (1933), „Der König des Mont Blanc" (1934), „Der grüne Domino" (1935), „Savoy Hotel" (1936), „Der Katzensteg" (1937), „Du und ich" (1938), „Aufruhr in Damaskus" (1939) lernte sie, sich zu einer kraftvollen Darstellerin zu entwickeln.
In diesen Filmen reifte die Schauspielerin heran und spielte, begünstigt durch ihr herbes, stolzes Gesicht meist Rollen von Bauernmädchen oder Frauen aus den Bergen. Endlich kam der Film, der ihr den internationalen Erfolg brachte.
Der Regisseur Hans Schweikart drehte mit ihr „Befreite Hände" und dieser Film war entscheidend für eine strahlende Zukunft der Horney. Sie konnte endlich die ganze Palette ihrer vielfältigen und bemerkenswerten künstlerischen Qualitäten zeigen.
So sehr war ihr Name im Kommen, daß sie nun auf ganz anderem Gebiet, nämlich als abenteuerliche mysteriöse Aristokratin feinsten Schnitts auftrat. Auch in späteren Rollen zeigte sie großes dramatisches Können, wie in „Der Gouverneur" (1939), „Das Mädchen von Fanö", und „Feinde" (1940).
Sie bewies erneut große Darstellungskunst und die ganz persönliche undurchdringliche Herbheit, die sie schon zu Beginn ihrer Karriere unverwechselbar machte. Im Jahre 1942 spielte sie in „Geliebte Welt und Illusion", dann wieder eine ganz andere Horney in der malerischen Fabel „Münchhausen" v. v. Baky im Jahre 1943.
Zu Beginn des Jahres 1944 sah man dann ihr Gesicht nicht mehr beim Film - aus unerklärlichen Motiven. Als sie dann 1949 wieder vor die Kamera trat, spielte sie kleinere Charakterrollen. Die Horney war mit Konstantin Irmen-Tschet, einem der besten Fotografen des deutschen Films verheiratet.
- Anmerkung : Laut anderen Biografien mußte sie 1944 wieder in ein Sanatorium, ihre Krankheit erneut auskurieren (da sie seit ihrem sechsten Lebensjahr an Tuberkulose litt ).
EMIL JANNINGS
Ich (der italienische Autor Michele Sakkara schreibt das aus Rom) bin heute noch überzeugt, daß an jenem grauen regnerischen und so traurigen Tag des 2. Januar 1950 auf dem rosigen Gesicht Emil Jannings noch ein Strahlen seines Lächelns war, das so gütig sein konnte und die Traurigkeit derer wegwischen wollte, die voller Ungläubigkeit seinen Verlust beklagten.
Ich erinnere mich seines lachenden, überraschten Gesichts, als er bei seiner Ankunft zusammen mit seiner Frau von einem wahren Ansturm römischer Journalisten und Filmleuten empfangen wurde.
Er konnte all diese Aufregungen und das Aufheben, das man um seine Person machte, nicht recht glauben, obwohl er doch daran gewöhnt war und stets mit exquisiter und menschlicher Solidarität der Presse Rede und Antwort stand und schnell eine kameradschaftliche Atmosphäre schuf, die für eine Pressekonferenz ganz ungewöhnlich war.
Emil Jannings war schweizer Staatsbürger
Er wurde am 23. Juli 1884 in Rorschach (Schweiz) geboren und seit seiner frühesten Jugendzeit vom Theater angezogen, das er durch Herumziehen der Künstler schon etwas kennengelernt hatte, da er sich ihnen anschloß. Diese Lehrzeit war hart und voller Opfer, aber nützlich, denn sie hat ihm später als Schauspieler wertvolle Dienste geleistet.
Auf den Brettern von Rudolstadt, Halle, Stettin, Bonn, Königsberg und Nürnberg schloß er Freundschaft mit Krauß. In Darmstadt, Bremen und endlich in Berlin (im Jahre 1941) am Deutschen Theater hatte er bei Max Reinhardt Gelegenheit, seine ausgezeichneten schauspielerischen Fähigkeiten einzusetzen. Er zeigte sein außergewöhnliches, fröhliches Temperament, voll Vitalität strotzend, voller Optimismus und sein herzliches Wesen.
Es schien, daß Autoren wie Goethe, Schiller, Kleist, Wedekind und Goering für ihn „maßgeschneidert" geschrieben haben. Für sein Debüt beim Film (in den Jahren 1915 und 1919) hatte er zwei bereits berühmte Paten, nämlich Robert Wiene (3 Filme) und Ernst Lubitsch (4 Filme). Beide hatten ein Gespür dafür, welche stilistische Möglichkeiten auch in grotesker Art, und welch überfließendes Komödiantentum mit naturalistischen Tendenzen in diesem großen Schauspieler steckten.
In dieser Zeit war Lubitsch mit den Vorbereitungen für einige Filme mit historischem Hintergrund, die berühmte Personen der Vergangenheit sozusagen „in Pantoffeln" zeigen sollten und voller pikanter Geschichten und gewöhnlicher Karikaturen steckten.
Dies war Jannings' Glück, denn er konnte einen entscheidenden Schritt auf dem Wege des heiteren Charakterdarstellers machen und brillierte in den Rollen der beiden Herrscher wie Ludwig XV in „Madame Bovary" und Heinrich VIII in „Anna Boleyn" (1920).
Seine Filme
Von gleicher Art, nur diesmal weitaus dramatischer, waren seine Rollen in „Das Weib des Pharao", wieder mit Lubitsch, und eine Serie von Filmen von Buchowetzki „Danton" (1920), „Die Brüder Karamasoff" (1921), „Othello" (1922) und „Peter der Große" (1923). Im Jahre 1924, zwischen der Co-Regie in „Alles für Geld" (hier spielte er auch eine Rolle) und seinem Ruf nach Rom, um in die Kleider des massigen Nero zu schlüpfen und im Film von Georg Jacoby „Quo Vadis" die Hauptrolle zu spielen, wirkte er in weiteren drei Filmen mit, in denen sich die Entwicklung des deutschen Films entscheidend abspielte. Dies insbesondere in der neuen Strömung des Films, und zwar in „Das Wachsfigurenkabinett" von Paul Leni, wo Jannings die Karikatur des dicken Kalifen von Bagdad darstellte.
„Der letzte Mann in Murnau", ein Höhepunkt des Film-Kammerspiels. Hier hat Jannings mit allen Mitteln des Ausdrucks den pathetischen Portier des Hotels gespielt, der degradiert wurde. Dann „Nju" von Czinner mit seinem realistisch psychologischem Spiel, die letzte Erbschaft des Film-Kammerspiels und Vorgeschmack auf die in Zukunft vorherrschende Tendenz des deutschen Films, einem letzten Rest vom Stummfilm, und ausgesprochen günstig für Jannings Persönlichkeit als Schauspieler.
Es folgten „Tartüff" mit Murnai (1925). Hier hat Jannings die Scheinheiligkeit der Moliere-Gestalt mit verblüffender Echtheit dargestellt. Dann folgte „Faust" (1926), in dem er einem Mephistopheles Leben gab, der mehr irritierend als erstarrt war und einen Höhepunkt der Entwicklung in der Schauspielkunst darstellte.
Man erwähne auch den unglücklichen, unschuldigen Boss im berühmten „Variete" (1925) von Dupont, wahrscheinlich eine der am stärksten von Jannings5 empfundenen Figuren.
.
1926 ging es nach Hollywood
Im Jahre 1926 wurde er nach Hollywood gerufen und spielte dort u. a. in „The Way of all Flesh" und „The last Command" (1928) mit Josef von Sternberg, „The Street of sin" mit Maurice Stiller und „The Patriot" von Lubitsch im Jahre 1929.
Im Jahre 1930 kehrte E. Jannings definitiv nach Deutschland zurück und zeichnete im „Blauen Engel" die pathetische Dekadenz des Prof. Rath. Auch zu Beginn des Tonfilms war Jannings' Arbeit einzigartig und er erhielt von der Internationalen Kritik den Beinamen „der beste Schauspieler des internationalen Films."
Unter den vielen Rollen, die Jannings' im nationalsozialistischen Filmschaffen spielte, waren „Die Abenteuer des Königs Pausole" (1933) „Der Schwarze Walfisch" (1934), „Der zerbrochene Krug" (1937), „Altes Herz wird wieder jung" (1943).
Es gab Filme, die einen absoluten Höhepunkt in der Entwicklung des Vortrags (Rezitation) waren und für den deutschen Film einen wirklichen Fortschritt bedeuteten. „Der alte und der junge König", „Traumulus", „Robert Koch - der Bekämpfer des Todes", „Ohm Krüger", „Der Herrscher" und „Die Entlassung" sind Titel, die Jannings' weltberühmt machten und somit den deutschen Film auf das Niveau von Hollywood hoben.
Besonders glücklich war die Begegnung Jannings'-Steinhoff bei den Dreharbeiten zum Film „Der alte und der junge König" (1935), in welchem der Schauspieler die Rolle des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. spielte.
Dann kam „Traumulus" mit Karl Froelich als überragender Erfolg und dem Titel „besonders empfohlen" wegen seines künstlerischen und seines "politischen" Wertes. Dann drehten Harlan und Jannings' den „Herrscher". Dafür erhielt Jannings den (reichsdeutschen) Nationalen Preis des Deutschen Films (1937).
Es folgten die ganzen Propaganda- und Durchhalte-Filme
Internationale Anerkennung wurde Jannings' auch mit dem Film „Der Alte und der Junge König" zusammen mit Steinhoff zuteil. Dieser Film wurde auf der Internationalen Filmausstellung in Venedig mit dem Preis für den besten internationalen Film ausgezeichnet. Dann folgte „Ohm Krüger". Es war einer der größten Triumpfe seiner Karriere.
Im Jahre 1942 spielte Jannings' die Rolle von Bismarck in dem Film „Die Entlassung". Dieser Film erhielt mehrere "nationalsozialistische" Prädikte, wie „Film der Nation" (gemeint ist das 3.Reich), „Film für die Jugend geeignet" und „Film besonders wegen seines hohen politischen, künstlerischen und kulturellen Werts empfohlen".
Obwohl keine Zweifel einer Nutzung für politisch-propagandistische Zwecke von Seiten der Führenden (insbesondere Josef Göbbels) der damaligen Zeit bestehen, muß bemerkt werden, daß der Film im Jahre 1963 wiederaufgeführt wurde mit dem Titel „Schicksalswende". Er hatte erneut einen großen Publikumserfolg und eine gute Kritik.
Der Katholische Filmdienst schrieb:
„Der Film ist wert, besonders von der Jugend gesehen zu werden."
Als 1944 sich die Zeichen des Untergangs anzeigten, trat der bereits 60jährige Jannings' noch einmal vor die Kamera mit dem Film „Wo ist Herr Belling?" von Erich Engel. Der Film blieb unvollendet und seine Spuren verloren sich 1945.
Verbittert, müde und krank zog sich Jannings' 1945 auf sein Gut im Salzkammergut zurück und verbrachte Jahre größter Melancholie (u. a. hat ihn die Todesnachricht seines großen Freundes und Kollegen Heinrich George schwer getroffen). Dieser starb in einem sowjetischen Lager. Dann schlug auch Jannings' großzügiges, gutes Herz nicht mehr.
Es war am 2. Januar 1950, als einer der stärksten und vollkommensten Schauspieler (Charakterdarsteller), die der Film jemals hervorgebracht hat, starb. Er gehörte zu denen, deren Kunst keine Grenzen kannte, um mit untrüglichem Instinkt die größten und ausdrucksvollsten Rollen zu verkörpern.
Wir erinnern uns gerne an ihn und halten ihm einen Ehrenplatz frei, besonders die junge Generation des deutschen Films.
Nach seinem überragenden Erfolg mit dem Film „Der alte und der junge König" hat Hitler den Schauspieler empfangen (Goering und Goebbels waren ebenfalls anwesend) und übertrugen ihm die Direktion der „Deutschen Filmgesellschaft" (Berlin 1936).
.
Der Preis für den Erfolg war hoch
.
- Nachtrag : Emil Jannings erhielt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten ein lebenslanges Berufsverbot, da er sich als Hitlers Lieblingsschauspieler eng mit dem NS-Regime und dessen Propaganda verstrickt hatte.
- Er zog sich daraufhin enttäuscht und isoliert auf seinen Janningshof in Strobl an den Wolfgangsee in Österreich zurück. - In seinen letzten Lebensjahren wandte er sich stark dem Katholizismus zu. Er starb im Januar 1950 im Alter von 65 Jahren an Leberkrebs, ohne je wieder auf die Bühne oder vor die Kamera zurückgekehrt zu sein.
.
HILDE KRAHL
(bürgerlich: Hildegard Kolačný) Ehefrau des Schauspielers und Regisseurs Wolfgang Liebeneiner. Die Österreicherin Hilde Krahl wurde am 10. Januar 1917 geboren. Noch blutjung, studierte sie bereits an der Musikakademie in Wien. Bei Lamberg-Offer erhielt sie dann Schauspielunterricht. Ihr Debüt gab sie beim Cabaret „Literatur" am Wiener Naschmarkt.
Dann kam sie zum Deutschen Theater nach Berlin und war dort von 1938 bis 1944. Beim Theater wurde ihre große Begabung, Frauenrollen voll großen Temperaments und verwickelter Moral darzustellen (Klara in „Maria Magdalena" von Hebbel, die Luise in „Kabale und Liebe" von Schiller, „Maria Stuart", Nora in „Et Dukkehjem" von Ibsen) entdeckt.
Beim Film kam ihre verblüffende Schönheit sofort an und sie wurde schnell ein Star. Ihr Debüt beim Film war dann 1936 in der „Puppenfee", jedoch ihr richtiger großer Erfolg in dem W. Forst-Film „Serenade" (1937).
Ein Kritiker der damaligen Zeit schrieb begeiserrt über die Krahl: „Sie scheint für eine Heldin des großen Dramas geschaffen zu sein, mit ihren tiefschwarzen ausdrucksvollen Augen".
Es folgten eine Serie von Filmen wie „Lumpazivagabundus" (1937), „Der Hampelmann" und „Gastspiel im Paradies" (1938), „Die barmherzige Lüge" und „Der Weg zu Babel" (1939), „Herz modern möbliert" und „Donauschiffer" (1940), bis sie dann die große Gelegenheit bekam, im „Postmeister" (1940) von Gustav Ucicky zu spielen.
Dieser Film stellte ihre feurige Schönheit und ihre dramatische Fähigkeit heraus. Nun war sie über Nacht „berühmt" geworden. 1941 hatte sie dann wieder die Gelegenheit, in einem internationalen Film mitzuwirken: „Komödianten" von G. Pabst. Auch hier kam ihr Spiel voller Faszination und Suggestion wieder zur Geltung.
Die schon starke Attraktion, besonders auf das männliche Publikum, vertiefte sich noch mit den folgenden Filmen „Das andere Ich" (1941) von W. Liebeneiner und in „Anuschka" (1942) von H. Käutner.
Weitere brilliante Etappen der Karriere eines der beliebtesten Stars des deutschen Films in den 40er Jahren waren: „Meine Freundin Josefine" (1942), „Großstadtmelodie" (1943), „Träumerei" (1944), „Das Gesetz der Liebe" (1945), „Das Leben geht weiter" (1945), ein Film, der leider unvollendet blieb.
.
- Anmerkung : Über die Zeit nach dem April 1945 ist wenig bis nichts überliefert.
.
WERNER KRAUSS
Wie war der Mensch Werner Krauss, wenn er nicht Theater spielte? Ein Energiebündel, das sich mit Diskretion und Vornehmheit ausdrückte. Er hatte klare und präzise Ideen bei seiner Arbeit, die er mit großer Disziplin und auf sich selbst und seine Möglichkeiten bauend, ausführte. Er wirkte auf seine Umwelt als strenger, würdevoller Bürger.
Seiner selbst und seiner Erfolge sicher, wirkte er trotz seiner Einfachheit faszinierend und ließ keinen Zweifel daran, daß er auch autoritär sein konnte. Er huldigte dem Kult der Freundschaft und verschob andere Verpflichtungen, wenn es um eine - oft auch nur zufällige - Begegnung mit einem Freund ging.
Er nahm sich besonders der jungen Künstler an, die von ihm die Geheimnisse des „Berufs", der so faszinierend und vielfältig war, erfahren wollten. „Othello, Mephistofeles, Caligari, Falstaff, Or-gon, Paracelsus, Attila, Nero . . . dies sind Verkörperungen von Krauss, von ihm kreiert und nicht nur in die Theater- und Filmgeschichte, sondern in die Geschichte der deutschen Kultur eingegangen.
Er wurde am 23. Juni 1884 in Gestungshausen (Coburg) geboren und hatte eine schwierige, stürmische Kindheit in ärmlichen familiären Verhältnissen. Schon in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts fing er seinen Weg als vielversprechender Schauspieler auf der Bühne des Stadttheaters in Guben an. Sofort zeigte er ein vielseitiges künstlerisches Temperament und war imstande, einer großen Anzahl von wichtigen Gestalten auf der Bühne Leben zu verleihen.
Im Jahre 1915 zog es ihn zur Filmarbeit und er begann mit dem teuflischen „Dapertutto" in „Hoffmanns Erzählungen". Diese Rolle war für seine weitere Entwicklung als Filmschauspieler entscheidend. Sie war der Beginn einer langen und strahlenden Karriere. Krauss spielte in 77 Filmen, einige davon waren „fundamentale" Etappen auf dem stürmischen Weg des deutschen
Films.
.
Hier ein Auszug aus der Schauspielerzeit von Krauss:
.
- 1919 „Galigari" von Robert Wiese. Die Faszination und die Bedeutung dieses Films waren in der ausgezeichneten Interpretation von Krauss zu suchen; er hat sich seiner physischen Charakteristik bedient und eine unvergeßliche Persönlichkeit treffend herausgearbeitet.
- 1921 „Die Brüder Karamasoff", absolut außergewöhnlich war sein Dimitri gespielt, in einer zupackenden Pantomime.
- 1922 „Othello", von besonderem Reiz seine ungewöhnliche Darstellung des Jago.
- 1924 „Das Wachsfigurenkabinett" von Paul Leni. Ein finsterer Jack in der Unbewegtheit der Maske und der bedrohenden Unbeweglichkeit der Figur.
- 1925 „Die Freudlose Gasse". Eine einmalige Mischung von bestechenden Ausbrüchen, von teuflischer Bosheit gezeichnet.
- 1925 „Tartüff", psychologisches Bild eines farblosen und schwachen Orgon, gequält von unnützer Hingabe.
- 1926 „Geheimnisse einer Seele". Unübertroffen - ausgezeichnet - unwiederholbar, in welcher Krauss die pathologische Schwäche des Hauptdarstellers verkörpert hat.
- 1926 „Eifersucht". Hier stilisiert Krauss die Rolle des Hauptdarstellers, ohne zu den traditionellen Mitteln des psychologischen Ausdrucks zu greifen.
- 1927 „Die Hose". Die Interpretation von Krauss ist ein Gedicht von perfekter Grazie. Hier findet man die aufrechte Natürlichkeit seines Ausdrucks.
- 1932 „Mensch ohne Namen". Eine metaphysische Darstellung von fundamentaler Bedeutung für die Zukunft des deutschen Films, auf welchen sie ganz bestimmt einen entscheidenden Einfluß hatte.
- 1935 „Hundert Tage" von Franz Wenzler. Krauss hat alle pathetischen und epischen Gründe der großen Geschichte Napoleons zuerst in St. Helena und dann in Waterloo verkörpert und uns eine frohe Interpretation voller Enthusiasmus geschenkt.
- 1936 „Burgtheater", ein Film mit Bravour gemacht. Es ist das Verdienst von Krauss, daß er uns ein Bild von besonderer Feinheit der Persönlichkeit von starker dramatischer Färbung zeigt.
- 1940 „Jud Süss" von Veit Harlan. Bewundernswerter Werner Krauss, der sich noch einmal seiner ausgesprochenen Emotion bedient und auf das Publikum einen unauslöschlichen Eindruck gemacht hat.
- 1941 „Annelie" von Josef von Baky. An der Seite von Luise Ulrich trägt Krauss zum Durchbruch dieses Films bei.
- 1941 „Robert Koch - der Bekämpfer des Todes" von Hans Steinhoff. In der Rolle dess Anthropologen Virchow zeigt uns Krauss wieder einmal eine spektakuläre Darstellung auf dem gleichen Niveau von E. Jannings, dem Hauptdarsteller.
- 1942 „Die Entlassung" von Wolfgang Liebeneiner. Auch in der unsympathischen Rolle des Kanzlers von Holstein finden wir den Krauss von eh und je - alles besteht aus Begeisterung, Diskretion.
- 1943 „Paracelsus" von G. W. Pabst. Nur Krauss konnte ein so unglaublich echtes Bild von einem Mann wie Theophiestus Bombastus von Hohen-heim, genannt Paracelsus malen.
.
Auch hier ging es nach dem April 1945 ans Bezahlen
Dann kam 1945 das Gefängnis, die Entnazifizierung. - Ein Bewunderungsseufzer durchfuhr in jenen Tagen die wenigen Anhänger von Krauss, der mit Ruhe und heiterer Gelassenheit diesen weiteren Sturm seines Lebens über sich ergehen ließ.
Dazu kam noch der Selbstmord seines Sohnes, der wegen der Verfolgung des Vaters keine Ruhe fand. Dem großen Schauspieler wurden nun gewaltige
physische, vor allem aber moralische Leiden abverlangt.
Als er wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, erhielt er eine Woge von Telegrammen, Glückwünschen und Solidaritätsbezeigungen aus ganz Deutschland . . . ein sicheres Zeichen, daß seine unverwechselbare Darstellungskunst ihre Spuren hinterlassen hatte.
Er übersiedelte im Jahre 1950 nach Österreich und spielte in den Filmen „Prämien auf den Tod" und dann im „Der fallende Stern". Im Jahre 1955 dann sein letzter Auftritt in „Sohn ohne Heimat" . . ., bevor er den anderen zwei Großen, Heinrich George und Emil Jannings', in den Tod nachfolgte.
.
- Anmerkung : Die deutschen Spruchkammern benötigten vier Instanzen und Urteile, um den Fall des prominenten Staatsschauspielers juristisch zu bewerten. Denn Krauß rechtfertigte seine Rollen in "Jud Süß" damit, dass er durch eine besonders „saubere“ Darstellung Schlimmeres habe verhindern wollen und zudem für sich Repressalien bis hin zum Konzentrationslager befürchtete. Nach Freisprüchen in den ersten Instanzen und einer Verurteilung als „Minderbelasteter“ stufte man ihn im vierten Anlauf schließlich als „Mitläufer“ ein.
- Der Schriftsteller Lion Feuchtwanger schrieb: „Ich kenne Werner Krauss persönlich und von der Bühne her. Ich würde es bedauern, falls die deutschen Bühnen diesen großen Künstler verlören. Andernteils ist Werner Krauss ein überaus gescheiter Schauspieler, der mehr aus dem Verstande als aus dem Herzen heraus schafft. Es ist mehr als unglaubhaft, dass er sich der Wirkung seiner Darstellung niederträchtiger Judentypen nicht von vornherein bewusst gewesen sein sollte. Diese Meinung wird von vielen hier in Amerika lebenden Schriftstellern, Theaterleuten und Kritikern geteilt, die Gelegenheit hatten, ihn auf der Bühne und im Leben zu sehen, und die seine Tätigkeit während der Nazi-Jahre verfolgten.“
- Als Krauß die Rolle in Jud Süß annahm, fragte ihn der Regisseur Wolfgang Liebeneiner: „Werner, warum machst du das?“ „Weißt du, wie viele Juden ich in diesem Film spiele? Fünf! Und jeden anders“, gab Krauß zur Antwort. „Aber weißt du nicht, welchen Schaden du damit anrichtest?“ „Das geht mich nichts an – ich bin Schauspieler!
.
ZARAH LEANDER
Eine Femme Fatale - eine bezaubernde Sirene von beunruhigender Schönheit, ein sprühender Funkenregen voll Sinnlichkeit, das sind nur einige der Komplimente, die man der Tochter eines protestantischen Pastors, die am 15. März 1900 in Karlstadt (Schweden) geboren wurde, machte.
In den 1940er Jahren ist Zarah eine der „Säulen" des Films im Dritten Reich geworden. Nach einem Klavier- Gesang- und Tanzstudium trat sie bereits als 17jährige im Theater auf und hatte beachtlichen Erfolg. Sie heiratete einen Kollegen, den Schauspieler Leander und ging weiterhin auf Tournee als Sängerin und Tänzerin.
Die Etappen dieser Reisen waren nicht nur die großen schwedischen Städte, sondern auch Riga, Danzig, Kopenhagen und Wien. In Wien ist sie dann Geza von Bolvary aufgefallen und wurde für seinen Film „Premiere" verpflichtet. Hier konnte sie ihre Persönlichkeit, ihren Charme und ihre warme, rauchige Stimme zur Geltung bringen. Der geschmeidige, sinnliche Körper hat den Akzent gesetzt - ein Star war geboren.
.
Ein steiler Weg nach oben
Wie ihr Entdecker und Impresario Ernst Rolf vorausgesagt hatte, begann für Zarah Leander nun ein steiler Weg nach oben, von rauschenden Erfolgen gekrönt, bis ein verlorener Krieg dem ein Ende setzte und alles unterbrach. Obwohl die Leander mit großer Leichtigkeit vom Melodrama zur leichten Muse überwechseln konnte, verlor sie doch nie ihre Glaubwürdigkeit als echte Schauspielerin. Viele ihrer Filme wurden „wahre Klassiker" der Leinwand.
Im Jahre 1937 spielte sie bei der UFA die Hauptrolle in dem Film „Zu neuen Ufern" von Detlef Sierck (in Hollywood Douglas Sierk genannt). Sofort war sie von bereits berühmten Kollegen, wie Viktor Staal, Willy Birgel und Carola Höhn umgeben.
So entstand ein bewundernswerter Film, der nicht nur auf dem künstlerischen, sondern auf allen Gebieten guten Geschmack bewies.
Dann folgte - immer noch im Jahre 1937 - und wieder unter der Regie von Sierck „La Habanera". Die Geschichte einer jungen Schwedin, die sich rettungslos in einen portorikanischen Stierkämpfer verliebt, ihn heiratet und erst nach vielen Wirren und Sorgen mit ihrem Sohn (aus dieser Ehe) und ihrer Jugendliebe nach Schweden zurückkehrt. Hier hat sie ihr unvergeßliches Lied „Der Wind hat mir ein Lied erzählt" gesungen, das später einer der größten Schallplatten- verkaufsschlager der 1940er Jahre wurde.
Zarah Leander und die UFA und das 3.Reich
1938 hatte die UFA die Regie für den Film „Der Blaufuchs" Victor Touriansky übertragen. Als dieser die Leander in einem Film unter der Regie Siercks erlebte, rief er begeistert aus: „Ich habe meinen Blaufuchs endlich gefunden!"
Hier war sie noch einmal die Partnerin von Willy Birgel und hat ihre unverwechselbare Stimme und den ganzen Glamour des deutschen Films eingesetzt in der Verkörperung der Frau eines Wissenschaftlers, der ganz in seinen Studien aufging.
Es dauerte nicht lange, und die vernachlässigte Frau ließ sich von einem jungen Piloten derart bezaubern, daß sie völlig den Kopf verlor. Sie gestand ihrem Mann alles und bat um die Scheidung. Ihrem Geliebten jedoch war es nicht so ernst und er wollte schon auf die schöne Frau verzichten. Da aber setzte sie ihren unwiderstehlichen Charme ein und folgte ihm.
Dieser Film ist ein Produkt der puritanischen Erotik. Er hatte den Vorzug, die Leander in ein „künstlerisches" Licht zu setzen, wie es in Europa kein anderes Beispiel dafür gab.
Er machte auch den Regisseur Carl Froelich auf die Schauspielerin aufmerksam. Dieser schätzte ihre Leistung so hoch ein, daß er ihr die Rolle in „Heimat" mit Heinrich George übertrug. Dieser Film erzählte das Leben der berühmten Sängerin Magdalena Dall'orte, die als erwachsene Frau in ihre Heimatstadt zurückkehrt und ihre bittere Erfahrung mit Keller (dem Mann, der sie als junges Mädchen verführt und mit einem Kind alleingelassen hat) wieder aufleben ließ. Carl Froelich erhielt für diesen Film den Preis des Ministeriums für Nationale Erziehung bei der Filmausstellung in Venedig.
In Hitlers Deutschland erhielt er das Prädikat „von künstlerischem und politischem Wert" und den Großen nationalen Filmpreis. Der enorme Erfolg von „Heimat" brachte Zarah Leander nicht nur einen großen persönlichen Triumph, sondern auch auf die oberste Sprosse auf der Leiter des Films.
.
1940 - „Das Herz der Königin"
Sofort danach - im Jahre 1939 - noch ein Film mit Carl Froelich, der hier die beiden großen künstlerischen Rivalinnen Zarah Leander und Marika Rökk gemeinsam einsetzte. Dennoch, oder vielleicht deshalb wurde es ein Erfolg, obwohl man in den Studios von Babelsberg das Gegenteil prophezeit hatte. Die beiden Stars arbeiteten in voller Harmonie zusammen und trugen beide zum Gelingen dieses Films bei, der wegen seines künstlerischen und kulturellen Wertes ausgezeichent wurde.
Im „Lied der Wüste" spielte Zarah Leander wieder eine Sängerin. Dann drehte sie mit Carl Froelich ihren wohl besten Film überhaupt, „Das Herz der Königin" (1940). Mit der Darstellung der unglücklichen Maria Stuart hinterließ sie eine wichtige Spur in der Geschichte des europäischen Films. Besonders heshalb, weil die bekannte Katherine Hepburn unter der Regie von John Ford in Hollywood mit der gleichen Rolle einen zweifelhaften Erfolg hatte.
Der nun folgende Film „Der Weg ins Freie" hatte etwas weniger Erfolg (im Jahre
1941 gedreht). Die Leander jedoch zeigte auch hier ihr perfektes künstlerisches Können in der Rolle einer italienischen Sängerin.
.
1942 der Durchhalte-Film „Die Große Liebe"
1942 kam der Film „Die Große Liebe" von Rolf Hansen, die Geschichte einer Beziehung zwischen einer berühmten Sängerin und einem Offizier der Luftwaffe (Viktor Staal). Leider mußte der Mann wieder an die Front zurück. Nach einigen Monaten will er im Heimaturlaub die geliebte Frau heiraten, muß aber plötzlich an die russische Front. Nach vielen Abenteuern und einem Lazarettaufenthalt kann er endlich zurückkehren und seinen Lebenstraum die Heirat mit der geliebten Frau - erfüllen.
An und für sich eine sehr banale Geschichte, die jedoch mit den richtigen Beigaben und gut manipuliert einen „großen Film" ergab. Was sind diese „Zutaten"? Also, eine Diva auf der höchsten Woge des Erfolgs, ein kleiner Schuß Vaterlandsliebe, eine prachtvolle musikalische Revue in vielen magischen Aufzügen, einige Erfolgsschlager, eine reichliche Beimischung von wunderschönen Tänzerinnen mit langen rassigen Beinen.
An der Behauptung, daß es ein „großer Film" war, können keine Zweifel entstehen, denn die hohen Einspielergebnisse von 8 Millionen Mark in der Zeit von 1942 - 1943 sprechen eine beredte Sprache. Auch bei der gekürzten und „demokratisierten" Form der Wiederaufführung des Films in den 60er Jahren wurde er ein großer Erfolg.
Man schnitt die Szenen heraus, in denen Zarah Leander vor den deutschen Soldaten im besetzten Paris singt. Dem Film wurden höchste Bewertungen zuteil, wie etwa „Film von großem künstlerischen und politischen Wert", und wegen seines dokumentarischen Inhalts (an den verschiedenen Fronten gedreht und mit Außenaufnahmen in Paris, Rom und Berlin).
Er enthielt aufsehenerregendes Material voller Realistik und hat deshalb einen
tiefen Eindruck auf das Publikum gemacht. Deshalb wurde er auch als „populärer" Film bezeichnet.
Die „Moral der Geschichte" hat dem Zuschauer die tiefe Vaterlandsliebe und Zurückstellung aller persönlichen Bedürfnisse (wie Liebes- und Heiratspläne des Helden) in einer Zeit vor Augen geführt, als alle noch an den deutschen Sieg glaubten.
Zarah Leander sang hier noch einmal das Lied „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn", das ihr in dem Film „Ein Leben für die Liebe", umrahmt von 50 engelsgleichen Tänzerinnen, den Applaus aller Zuschauer gesichert hatte.
1943 - der Film „Damals" - und das Jahr von Stalingrad
Im folgenden Jahr 1943 hatte die UFA den eingespielten Partnern Leander-Hansen den Film „Damals" anvertraut. Auch diese Geschichte war besonders für Frauen geschrieben. Die Heldin war eine Ärztin, die des Mordes angeklagt war und erst am Ende des Films Gerechtigkeit fand, nachdem sie eine lange Odyssee von Beleidigungen erlebt hatte.
Das Resultat des Films war nicht eklatant. Dies hatte eine tiefgreifende Wirkung auf die sensible Künstlerin, die schon durch mehrere Bombenangriffe auf Berlin und durch den Verlust ihrer Villa im Grunewald, die vom Feuer zerstört wurde, angegriffen war.
- Anmerkung : Als die Bombe in die edle Villa einschlug, hatte auch Zarah Leander gerafft, daß sich Deutschland im Krieg - auf der Seite der Verlierer - befindet.
So kamen die ersten Meinungsverschiedenheiten mit der UFA zustande. Diese vertieften sich noch, als die Produktionsfirma ihr die Überweisung der Tantiemen in bevorzugter Währung verweigerte. Die Schauspielerin wollte diese Gelder an ihre Familienangehörigen nach Schweden schicken.
- Anmerkung : Das stimmt so nicht. Mit Göbbels hatte sie klug und vorausschauend vereinbart, daß sie 50% der jeweiligen Gage in Schwedenkronen zur völlig freien Verfügung erhält. Und die schickte sie immer Nachhause - nach Schweden.
.
Zarah Leanders lautloser Abgang im März 1943
Dann kam dazu, genau am 3. 3. 1943, als die Festlichkeiten zum Jubiläum der UFA in vollem Gange waren und alle die Ankunft des großen Stars erwarteten, die Nachricht wie ein Lauffeuer, die Zarah Leander sei mit einem einfachen Luftticket nach Stockholm zurückgekehrt.
- Anmerkung : Laut Curt Ries war das auch ganz normal, da sie mehrfach pro Jahr nach Schweden geflogen war.
Dies war das Ende einer glorreichen Karriere, die Folge einer „Parabel", in deren Mitte eine stolze aufrechte Frau stand, die in einer mysteriösen Faszination, mit ihrem tiefen Blick und strahlendem Lächeln in kurzer Zeit zum Star aufgestiegen und doch noch immer voller Einfachheit und Spontanität war.
Jetzt, auf der Höhe des Erfolges, unbeobachtet von ihrem Publikum, das sie verehrte und liebte, verließ sie auf Zehenspitzen die Szene.
Nach dem Krieg ist die Leander wieder beim Film und im Theater aufgetreten, aber mit bescheideneren Erfolgen, selbst in „ihrem" Berlin, das sie als die „Königin" in den 40er Jahren erwählt hatte.
- Anmerkung : In der Historie fehlt der entscheidende Hinweis, daß sich der eigentliche von Hitler und Göbbels verehrte deutsche Star, Marlene Dietrich, frühzeitig nach USA abgesetzt hatte.
FERDINAND MARIAN
Ferdinand Marian, mit seiner männlichen Ausstrahlung und seinem vertrauenserweckenden Lächeln war nicht ein „schöner Mann" im üblichen Sinn, aber er war sympathisch und gefiel den Frauen und seltsamerweise war er auch für die männlichen Zuschauer anziehend, denn er bewies, daß man nicht unbedingt strahlend schön sein muß, um zu gefallen .... dies alles war für einen Star der 1940er Jahre die wichtigste Qualität, um seinen Schauspielerberuf zu einem erfolgreichen zu machen.
Wie gesagt, die Frauen liebten ihn und die Männer bewunderten ihn, er verkaufte Träume ... die damals alle (Europäer) bitter nötig hatten. Natürlich dachte man nicht daran, daß Marian in seinem privaten Leben seinen Filmfiguren sehr
ähnlich war.
Nach den Informationen des Pressebüros der UFA ist Ferdinand Marian am 1. Februar 1911 in Wien geboren. Seine Eltern waren beide Sänger und seine Theaterleidenschaft soll nach einem Stück von Werner Krauss „Der Kaufmann in
Venedig", angefacht worden sein.
Mit Hilfe einer älteren Schauspielerin, die er per Zufall kennengelernt hatte, erhielt er Gelegenheit, auf einer Münchner Bühne sein Debüt zu geben. Nach einer kurzen Lehrzeit begann er mit dem Hin- und Herpendeln zwischen Gladbach, Hagen, Hamburg, München und endlich Berlin; ein äußerst schwieriger Anfang, um das Schauspielhandwerk zu lernen.
Berlin im Jahre 1933
Er war in Berlin im Jahre 1933, als er seine ersten Beziehungen mit dem Film anknüpfte, in einem Stück „Der Tunnel". Obwohl die Vorzeichen für eine erfolgreiche Laufbahn gut waren, mußte er doch noch bis 1936 warten und drehte dann „Ein Hochzeitstraum", ein seltsamer, aber brillianter Film, der für ein großes Publikum geeignet war.
Im Jahre 1937 stieg sein Stern auf. Marian spielte drei Rollen ... „Stimme des Herzens", „Madame Bovary" und „La Habanera" ... hier konnte seine Persönlichkeit richtig eingesetzt werden. „La Habanera" von Detlev Sierck (in Hollywood Douglas Sirk) war der beste Film der Saison (UFA) und man hatte den neuen Star Zarah Leander für die weibliche Hauptrolle verpflichtet.
Der Film stellte für die damaligen Verhältnisse ein imponierendes Unternehmen dar. Das Publikum drängt in die Filmtheater und die Popularität von Ferdinand Marian wuchs. Er wurde sofort für „Nordlicht" (1938) verpflichtet. Das gab Marian wahrscheinlich die Überzeugung, richtig „Fuß gefaßt" zu haben. Doch dies war vorläufig ein relativer Sieg, denn er konnte in der ihm übertragenen Rolle nicht alle seine Qualitäten zeigen.
Die folgenden Filme „Der vierte kommt nicht", „Morgen werde ich verhaftet" (1939), „Der Fuchs von Glenarvon" „Aus erster Ehe", „Herz ohne Heimat" (1940) zeigten dann einen soliden, beruflich engagierten und intuitiven Marian, aber noch nicht mehr. ..... Dann .... endlich ... hatte er die Gelegenheit zur totalen künstlerischen Dimension zu kommen in der Rolle des Hauptdarstellers im Film von Veit Harlan „Jud Süß". Ein großer Film, ein Vorspann bestehend aus lauter Stars, die in Zusammenarbeit das Beste herausholten.
Hinter dem Film standen (Anmerkug : böse !) ideologische, politische, kulturelle und propagandistische Motive ... also ein sehr starker psychologischer
Druck, der Marian dazu brachte; sein absolut Bestes zu geben. Resultat: nach einigen Monaten der Spielzeit des Films „Jud Süß" war der Name Marian in aller Munde.
Auf der Welle des Erfolges und Triumphs von „Jud Süß" kam 1941 noch einmal eine fabelhafte Gelegenheit für Marian, nämlich die Rolle des Cecil Rhodes in „Ohm Krüger" mit Steinhoff und Jannings.
Der Film hat viele große Darsteller gehabt, wie Marian in „Ohm Krüger". Nach zwei weniger brillanten Rollen in „Ein Zug fährt ab" und „Tonelli" im Jahre 1942, kam wieder eine glückliche Gelegenheit in Helmut Käutners „Romanze in Moll" an der Seite von Marianne Hoppe die Rolle von Michael, einem eleganten, raffinierten Künstler, zu spielen und ihr Geliebter zu werden. Als das Dreiecksverhältnis für die Ehefrau unhaltbar wurde, nahm sie sich einach das Leben. Die Geschichte war nach der besten Novelle von Maupassant (tes Bijoux) gedreht worden. Auch hier mußte sich der tollste Marian herauskristallisieren.
Im Jahre 1943 hat die UFA anläßlich ihres Jubiläums eine große Produktion in Agfacolor herausgebracht. Es war der Film „Münchhausen" unter der Regie von Josef von Baky und einer Elite der deutschen Filmschauspieler, angefangen von Hans Albers (Münchhausen), Brigitte Horney (Catarina II), Ilse Werner (Isabelle d'Este) und Marina von Ditmar (Sofia von Riedesel) und natürlich Ferdinand Marian ... in der Rolle von Cagliostro. Es wurde ein rauschender Erfolg und von seiten Marians eine wahrhaft treffende Charakterisierung seiner Rolle.
.
Auch bei Ferdinand Marian ging es ans Bezahlen
Bis April 1945 hatte Marian keine großen filmischen Möglichkeiten mehr und widmete sich - mit kleinen Ausnahmen - nur noch dem Theater. Nach Einzug der Alliierten wurde Marian sofort inhaftiert und in eine Liste eingetragen, wonach er als schuldig befunden wurde, in antisemitischen und antienglischen Filmen mitgewirkt zu haben.
Und jetzt - er der auf der Leinwand immer den Eindruck großer Selbstsicherheit erweckte, zeigte starke Symptome von Panik und Angst und fürchtete sich wegen seiner künstlerischen Vergangenheit, die er unbedingt verbergen wollte. Nun war er kein faszinierender Mann mehr, sondern schwach und in sich verschlossen. Als er an die Grenzen seiner psychischen und physischen Kräfte gekommen war, suchte er den Tod und fand ihn - sein Auto fuhr „gewollt" an einen Baum.
Wie eine Ironie des Schicksals war es, daß am nächsten Tag sein Name von der schwarzen Liste der Amerikaner gestrichen wurde - und er seine Aktivität wieder hätte aufnehmen können.
- Anmerkung : Im Jahre 1948 hat die Frau von Ferdinand Marian zugunsten von Veit Harlan im Prozeß von Hamburg ausgesagt. Man fand sie später in einem Hotelzimmer tot und man sagte, es sei Selbstmord gewesen, - aber Harlan hat es nie geglaubt.
- Die Frau von Ferdinand Marian hatte einem mit ihrem Mann bekannten Menschen zu einem Persilschein verholfen, von dem sie ganz genau wußte, der war ein strammer Nazi.
CARL RADDATZ
Die Schnelligkeit, mit der Raddatz aufgestiegen ist, war einmalig in der Filmgeschichte. Hochgewachsen, schlank, mit klarem lebendigem Blick, strahlte seine ganze Person einen Charme aus, der ohne Fatalität, von entwaffnender Einfachheit und trotzdem faszinierend war. Nur diese gewiß sehr schönen Äußerlichkeiten hätten jedoch nicht zu andauernden Erfolg geführt, wenn da nicht noch andere Qualitäten gewesen wären. Eine wohlklingende Stimme mit samtenem Timbre machte seine Rollen oft so suggestiv.
Im Mannheim geboren, begann Raddatz nach der klassischen Reifeprüfung seine Theaterlaufbahn als „jugendlicher Liebhaber". Während einer Tournee entdeckte ihn in Köln ein Funktionär der UFA und gab ihm eine Rolle in „Urlaub auf Ehrenwort" (1937) unter der Regie von Karl Ritter.
Für das weibliche Publikum Europas bedeutete Raddatz der „ideale Mann", der als Geliebter das Sinnbild der Männlichkeit war. So hatte er einen enormen Erfolg und wirkte überall als Publikumsmagnet.
Sicher hat die Begegnung mit Ritter zu seiner künstlerischen Reife beigetragen und hat ihm noch mehr darstellerische Inspiration gegeben. In den Filmen „Über alles in der Welt" und „Stukas" spielte er jeweils imponierende Offiziere der Luftwaffe.
Auch im „Wunschkonzert" v. Eduard v. Borsody (1940) fanden wir ihn wieder in Luftwaffenuniform, während er im Film „5. Juni" die Uniform der Wehrmacht trug (eine Geschichte die sich im Frankreichfeldzug abspielte). In den Jahren 1938-1941 hat Raddatz in zahlreichen Filmen mitgewirkt wie: „Verklungene Melodie", „Zwielicht", „Befreite Hände", „Liebelei", „Wir tanzen um die Welt" sowie „Kampfgeschwader".
Im Jahre 1941 arbeitete Raddatz zusammen mit Paula Wessely in dem Film „Die Heimkehr" (v. G. Ucicky), der den Pokal des italienischen Ministeriums für Volkserziehung beim Internat. Filmfestival in Venedig gewann. In der Heimat wurde er als „Film der Nation" und wegen seines politischen und künstlerischen Wertes „besonders für die Jugend geeignet" empfohlen.
Es folgten „Immensee" (1943) und „Opfergang" (1944), zwei Superproduktionen von Veit Harlan, die den Triumph des Filmpaares Raddatz-Söderbaum vertieften. Zwei vielseitige, intelligente Partner in ihrer künstlerischen Selbstständigkeit. Im Jahre 1945 hat Raddatz dann noch den Film „Unter den Brücken" m. H. Käutner gedreht, der bei seiner Aufführung im Jahre 1950 großen Erfolg hatte.
- Anmerkung : Obwohl er während der NS-Zeit ein gefeierter Star der UFA war und in mehreren zentralen Propagandafilmen dominierend mitwirkte, war er kein eingetragenes Mitglied der NSDAP.
- Carl Raddatz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Entnazifizierung als „Mitläufer“ (Kategorie IV) eingestuft. - Die Einstufung als Mitläufer bedeutete rechtlich, dass er gegen Zahlung einer geringen Geldbuße (Sühneleistung) rehabilitiert wurde und keine bleibenden Berufsverbote erhielt.
MARIKA RÖKK
Marika Rökk, der Liebling des europäischen Filmpublikums der 1940er Jahre, ist die „Verkörperung" des Erfolgs schlechthin. Am 3. November 1913 in Kairo geboren, kam sie bereits in ihrer Kinderzeit in die Heimat ihrer Eltern - Ungarn.
Dort nahm sie Tanzunterricht und konnte ihre Fähigkeiten bei Rutowsky in Paris, bei Legant in London und Fokine in New York verbessern. Sie begleitete ihren Vater auf langen Auslandsreisen. Im Jahre 1928 war sie bereits eine perfekte Tänzerin und gab mit der Hoffmann-Ballett-Gruppe in San Franzisco ihr Debüt. Man konnte sie als „klassische" orientalische Tänzerin bezeichnen. Mit ihrer temperamentvollen quirligen Art, den makellosen Beinen und einem echten Können errang sie bald die Publikumsgunst und großen Erfolg. Das war der Anfang einer Blitzkarriere, die noch heute (der Text ist von1980) anhält.
Im Jahre 1929 hat Marika Rökk auch Erfahrungen mit dem Variete und dem „Circo Equestre" gemacht. Meisterhaft tanzte sie den Modetanz „Tip-Tap" und man glaubte, es seien die frenetischen Takte eines Schlagzeugs. Mit ihren Beinen machte sie Piroutten mit derartiger Leichtigkeit, daß sie scheinbar alle Gesetze der Schwerkraft in Frage stellte. Einen solchen Stil und eine solche Meisterschaft konnte man später nur noch bei dem Tanzpaar Ginger Rogers und Fred Astaire feststellen.
.
Rückkehr nach Europa im Jahre 1930
Der „magische Moment" der Rökk kommt jedoch bei ihrer Rückkehr nach Europa im Jahre 1930, als sie Budapest, London, Paris und Berlin in einem ununterbrochenen Karussell als Tänzerin, Sängerin und Seiltänzerin sowie als Amazone der Hohen Schule und nicht zuletzt als Schauspielerin erobert.
Anfang des Jahres 1933 wird die Rökk von Rom nach Wien verpflichtet und dreht dort eine Serie von Musicals. Diese bringen dem überschäumenden Star neuerliche Triumphe. Ihr durchschlagender Erfolg beim Film begann 1934 mit der „Leichten Kavallerie" von Wolfgang Hochbaum, eine Reproduktion der gleichnamigen Operette von Franz von Suppe.
Weitere populäre Filme dieser Art, die in allen Ländern Mitteleuropas kursierten und von oberflächlicher Leichtigkeit waren, „Heißes Blut" und „Und Du mein Schatz fährst mit", wurden als Reproduktion von Operetten im Jahre 1936 gedreht. Von höherem künstlerischen Niveau waren „Karussell" (1937), gefolgt vom „Bettelstudent", einem Produkt von geringem kaufmännischen Erfolg.
Im Jahre 1938 folgte „Eine Nacht im Mai". Dieser Film fand beim Publikum begeisterten Anklang wegen seiner abwechslungsreichen Szenen und der Schlager, von Marika Rökk gesungen. Im folgenden Jahr wurde „Hallo Janine" von Carl Boese gedreht. In dieser brillianten Komödie stellt die Rökk eine junge Tänzerin dar, die mit ihrer aufregenden Stimme und ihrem Charme und Talent eine berühmte Vedette wird.
Das Stück spielt am Montmatre und gibt Marika die Gelegenheit, ihr später so berühmtes Lied „Musik-Musik" zu singen und auch als Sängerin Fuß zu fassen.
.
„Es war eine rauschende Ballnacht"
Noch im Jahre 1939 spielt sie die Rolle der „Natasia" in „Es war eine rauschende Ballnacht" von Carl Froelich. Mit ihr agierte die große Gegenspielerin Zarah Leander, der andere Superstar des deutschen Films.
Die kleine Rivalität zwischen der blonden Ungarin und der rothaarigen Schwedin hat einen ganz besonderen Film hervorgebracht, der noch heute nach 40 Jahren (wir sind hier in 1980) wegen seines hohen künstlerischen und kulturellen Wertes empfohlen wird. Damals feierte er bei der Filmausstellung in Venedig große Triumphe und noch nach dem Krieg hat ihn das Fernsehen immer wieder übertragen. Der Inhalt des Films war die Geschichte einer Liebesromanze Tschaikowskys. Geza von Ciffrä führte Regie und Paul Dahlke und Fritz wirkten als Darsteller mit.
Der folgende Film für die UFA war einer der besten in Marikas Karriere und wurde mit großer Bravour von ihrem wirklichen Ehemann Georg Jacoby gedreht. Hier spielte sie die Doppelrolle der Zwillinge Mara und Kora, die das Gute und das Böse verkörpern sollten.
Der Kontrast zwischen den beiden Gegensätzen wurde im Film fast etwas zu stark hervorgehoben. Der Erfolg beim Publikum, das den Film sehr genoß, wurde jedoch dadurch nicht geschmälert. Es gab außergewöhnliche Bilder einer herrlichen Revue, unter denen besonders der frenetische spanische Tanz Koras (im schwarzen Korsett) und die exotische ägyptische Nummer eines Bauchtanzes auf einem Sarg auffielen.
Derart sinnliche Verruchtheit war bisher in keinem Film zu sehen und wären der berühmten amerikanischen Musicals und Revuen würdig gewesen. Der Film hatte ein großes Publikum. „Ein Film, der großzügig und weise Kriminalfall, Anständigkeit, Spionage und Abenteuer mischt ..."
.
1940 Eine Rolle in „Wunschkonzert"
Dann folgte 1940 eine Rolle der Rökk in „Wunschkonzert" von Eduard v. Borsody. Hier spielt sie eine Sängerin, die das berühmte Lied aus dem Film „Eine Nacht im Mai" singt.
Im Jahr 1941 tritt sie vor die Kamera mit dem (Farb-) Film „Frauen sind doch bessere Diplomaten" von Georg Jacoby. Marika Rökk und Willy Fritsch bestreiten die beiden Hauptrollen. Dieser Film wurde ungeduldig erwartet, da er das erste Experiment in Farbe sein sollte. Der Film spielte in der Biedermeierzeit. Er war leider wegen der noch ungenügenden Erfahrung mit der Farbe kein durchschlagender Erfolg, wie man ihn erwartet hatte.
Unmittelbar darauf, im Jahre 1942, spielte Marika Rökk im „Tanz mit dem Kaiser", „Hab mich lieb" von Harold Braun und in der musikalischen Operette „Die Frau meiner Träume" von Georg Jacoby.
Der in Agfacolor gedrehte Film erzählte die aufregende Geschichte einer anmutigen Tänzerin (Julia Koster). Sie spielt in einem verschneiten Kärtner Bergdorf. Dort schockiert Julia ihre Umgebung, die Bewohner des Ortes und die Gäste, denn sie spaziert ungeniert, äußerst leichtbekleidet, im Schnee herum. Diese Extravaganz bringt sie fast vor den Richter, doch vorher hat sie Glück und findet einen verständnisvollen Herrn in „verantwortungsvoller Stelle", den sie total verwirrt, bezaubert und mit ihm am Traualtar landet.
An und für sich eine leichte, nichtssagende (Trivial-) Story, die aber, als rauschende Super-Revue dargeboten, ein Einspielergebnis von 9 Millionen Reichs Mark erzielte. Und das im Jahre 1944, genau 8 Monate vor dem totalen Zusammenbruch.
.
Marika im ersten Musical
Marika brilliert in ihrem ersten Musical mit einer feuerroten Feder-Boa, zwei Baccara-Rosen in der schwarzen Perücke und einem üppigen Blumenkorb am Arm. Sie tänzelt damit in einer Hafenszene auf und ab und singt das unvergessliche, berühmte Lied „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine".
Noch ein akrobatischer Tanz - und Marika verschwindet unter einem Riesenhut, um kurz darauf wieder aufzutauchen, diesmal in elegenter Abendtoilette. Die Szene endet in einem großen Restaurant unter dem frenetischen Rhythmus eines Can-Can.
Das zweite Bild ist noch prachtvoller und zeigt Marika in ein langes, transparentes rosa Kleid gehüllt mit einer silbernen Federboa, wie sie gerade den Juristen bezaubert. Danach, noch fataler als vorher - ganz in blond - mit den entsprechenden Kostümen in einem chinesischen Tanz. Dann tritt sie als feurige Carmen auf. Zum Schluß ein toller Tip-Tap, mit ihrem Partner, der Fred Astaire auf's Haar gleicht.
Im großen Finale kommt die Hochzeitsszene, das Brautpaar ganz in strahlendem Weiß, hebt sich von der zartpastellfarbenen Dekoration ab und wird von lieblichen Mädchen eingerahmt, die auf riesengroßen Harfen spielen.
Dieser letzte, noch im Dritten Reich gedrehte Musikfilm hat einen einzigartigen Erfolg erzielt. Dank der wundervollen Farben und der einmaligen Interpretation von Marika Rökk, die, wie in gewisser „Vorahnung" ihres Abschieds vom Publikum (durch die kommenden Ereignisse - Kriegsende - Katastrophe - Kapitulation erzwungen) ihr Bestes gab und ihre Begabung als Tänzerin richtig auslebte.
.
Und auch Marika Rökk mußte bezahlen
Dann kam das Dunkel - das Gefängnis - die Entnazifizierung. Als ob im gegenteiligen Fall die Deutschen eine Greta Garbo oder Joan Crawford so behandelt hätten. Anmerkung : Ja das hätten "wir" auch so gemacht - und in den 12 Jahren im 3. Reich sowieso.
Nachsatz des italienischen Autors : Marika Rökk - die unverwüstliche - hat nach dem Krieg zuerst in Österreich, dann in Deutschland wieder auf den Brettern gestanden und gefilmt. Erst 1978 feierte sie ihren 65. Geburtstag und tanzte und sang am Theater an der Wien in dem Musical „Die Gräfin vom Naschmarkt". Dieses Stück wurde extra für sie komponiert und noch einmal zeigte sie die herrlichen Beine und einen großzügigen Ausschnitt.
- Anmerkung : Wegen ihrer prominenten Rolle im NS-Kino – sie war einer der größten Stars in den Durchhalte- und Unterhaltungsfilmen von Propagandaminister Joseph Goebbels (wie Frau meiner Träume, 1944) – belegten die alliierten Behörden Marika Rökk direkt nach Kriegsende 1945 mit einem Auftritts- und Berufsverbot.
Nachdem es der Nachfolgestaat - das heutige Österreich - nach dem Kriegsende geschafft hatte, aus der Täter-Rolle der NS-Zeit in die bemitleidenswerte Opfer-Rolle "zu wechseln" (oder zu entkommen) und die Amerikaner das akzeptiert hatten, wurde ihr Verfahren schließlich in Österreich verhandelt, wohin sie sich nach dem Krieg zurückgezogen hatte.
1947 stufte ein österreichischer Untersuchungsausschuss ihr Verhalten während der NS-Diktatur als „politisch unbedenklich“ ein. Sie wurde offiziell rehabilitiert.
Das Berufsverbot wurde aufgehoben, sodass sie ab 1948 ihre Karriere nahtlos fortsetzen und an ihre früheren Erfolge anknüpfen konnte. Das funktionierte dort fast genauso wie bei uns in den 3 West-Besatzungszonen die gekauften Persilscheine für Alt-Nazis.
.
KRISTINA SODERBAUM
wurde am 5. September 1912 in Stockholm (Schweden) geboren. Sie siedelte nach kurzen künstlerischen Erfahrungen in Stockholm im Jahre 1928 nach Deutschland über. Sofort begann sie mit einem intensiven Studium der deutschen Sprache, unter der Anleitung des Schauspielers R. Klein-Rogge.
Im Film faßte sie 1936 Fuß. Bereits in ihrem ersten Film „Otto Bräsig" fiel sie den Männern vom Fach auf mit ihrem einfachen sauberen Image als romantische Darstellerin.
Ihre entscheidende Begegnung mit Veit Harlan machte sie zur wohl populärsten Schauspielerin der 1940er Jahre. Von da an führte er die Regie all ihrer Filme und wurde schließlich ihr Ehemann. Einer steil aufsteigenden Karriere stand nichts mehr im Wege.
Kristina überzeugte mit ihrer nordischen blühenden Schönheit (Anmerkung : ein richtiges arisches Mädchen entsprechend Hitlers Vorstellungen), den sprechenden Augen, einem reinen und strahlenden Gesicht und nicht zuletzt mit ihren Beinen.
.
Eine Reihe ihrer Filme:
„Verwehte Spuren", „Jugend" (1938), „Das unsterbliche Herz (1939), „Die Reise nach Tilsit" (1939), „Jud Süss" (1940), „Die Goldene Stadt" (1942), „Der große König" (1942), „Immensee" (1943), „Opfergang" (1944), „Kolberg" (1945).
Dies waren die fundamentalen Etappen der filmischen Verschmelzung eines der berühmtesten Paare des deutschen Films in der Zeit des Dritten Reichs. Es war auch die Zeit, in der das Zweigespann Söderbaum-Harlan der Inbegriff des Erfolgs war und künstlerischen Triumph ohnegleichen hatte.
Es gab (von Minister Göbbels) Prämien, Medaillen, Ehrungen und „Ehrentitel" zur Krönung einer beständigen und geschickten künstlerischen Ausdruckskraft, die das typisch deutsche geistige Erbe waren.
Die Söderbaum war auf dem Zenit ihres Könnens und ihrer Karriere angelangt, als (schon wieder) "die Ereignisse des Jahres 1945" sie dazu zwangen, an der Seite ihres Ehemannes zu bleiben und wenn auch langsam, in den Schatten zu treten.
Sie, die so viele Persönlichkeiten mit menschlicher, tief empfundener Sensibilität dargestellt hatte in der großen Zeit ihres Ruhms. Nach dem Krieg baute sie sich als Photographin eine neue Existenz auf.
.
- Anmerkung : Die Spruchkammer stufte Söderbaum als Mitläuferin ein. Das bedeutete eine weitgehende Entlastung von einer aktiven Hauptschuld. Betrachtung und Wertung ihrer Verantwortung für „Jud Süß“: Wegen ihrer Hauptrolle in dem berüchtigten, antisemitischen Hetzfilm Jud Süß (1940) musste sie sich nach dem Krieg gerichtlich verantworten. Sie verteidigte sich (ähnlich wie ihr Ehemann) mit der Argumentation, sie habe unter dem Druck von Propagandaminister Joseph Goebbels gestanden.
Ihre schwedische Staatsbürgerschaft (sie stammte aus Stockholm) und die Tatsache, dass sie rein formal „nur“ ausführende Schauspielerin und nicht die Regisseurin oder Produzentin der Propagandawerke war, schützten sie vor härteren rechtlichen Konsequenzen.
Die Jahre des Berufsverbots (1945–1950) Während des langwierigen Entnazifizierungs- und Strafverfahrens gegen ihren Ehemann Veit Harlan (dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen wurden, woraus jedoch ein - vermutlich gekaufter - Freispruch resultierte) durfte Söderbaum nicht drehen
Diese fünfjährige Filmpause bis 1950 entsprach einem faktischen, temporären Berufsverbot durch die alliierten Behörden, da Filme mit ihrer Beteiligung nicht zugelassen wurden. An ihre früheren Publikumserfolge der NS-Zeit konnte sie in der Bundesrepublik nicht mehr lückenlos anknüpfen. Nach Harlans Tod (1964) zog sie sich weitgehend zurück, ließ sich in München zur Fotografin ausbilden und veröffentlichte 1983 ihre Biografie „Nichts bleibt immer so“.
HANS SOHNKER
Hans Söhnker (1903–1981) wurde von Gustav Gründgens angeregt, Schauspieler zu werden. Er ist in Kiel geboren und betrat die Welt des Films im Jahre 1934 in Berlin. Sofort wurde er für eine Rolle in der „Czardasfürstin" engagiert.
Die männliche sichere Ausstrahlung und die seltsame Faszination, die von seiner sympathischen Erscheinung ausging, erleichterten ihm die Wege beim Film; er wurde auch fast immer für die Ansprüche des kommerziellen Films eingesetzt. Vornehm, agil und von äußerst anziehender Ausstrahlung, wurde er der Prototyp des Mannes, der man(n) selbst gern gewesen wäre.
Nach dem Film „Eva und der junge Graf" (1935), „Liebesträume" , „Truxa" und „Die Fledermaus" (1936) kam „Der Mustergatte" (1937) und „Musik für Dich" und „Die vier Gesellen" (1938) wurde Söhnker von Günther Rittau als Hauptdarsteller für einen Abenteuerfilm (am Meer) ausgesucht und konnte die breite Palette seiner Fähigkeiten - gutes Aussehen und gewähltes und variables Spiel - unter Beweis stellen. Dann, nach „Nannette" (1940) kam der Triumph in „Auf Wiedersehen Franziska" von Helmut Käutner.
Im Jahre 1942 nochmals das Zweigespann Söhnker-Rittau im Film „Der Strom". Wieder im Jahre 1942 spielte Söhnker in „Nacht ohne Abschied", ein Film, der wie die späteren Filme nicht so großes Aufsehen erregte. Dann kam „Eine Frau Teresa" und „Axel an der Himmelstüre" (1943). 1944 kam „Eine Nacht in St. Pauli", ein wertvolles kommerzielles Produkt, dem 1944 die „Große Freiheit Nr. 7" folgte, v. H. Käutner.
Hier spielte Söhnker mit Hans Albers und Ilse Werner; er hat sein Bestes in der Zusammenarbeit und im Messen der Kräfte mit seinen Partnern gegeben. Er gab seiner Rolle eine humane Ausdruckskraft, die ihm den vollen Erfolg bei den Kritikern und beim Publikum zusicherte. Im Jahre 1945 spielte H. Söhnker im „Sieg der Herren". Seine Popularität sollte sich jedoch noch lange und bis heute erhalten.
.
- Anmerkung : Der deutsche Schauspieler Hans Söhnker (1903–1981) musste sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Entnazifizierung verantworten, da er als prominenter UFA-Filmstar im NS-Staat gearbeitet hatte.
- Er wurde jedoch vollständig entlastet, da er das NS-Regime innerlich zutiefst ablehnte und sich unter erheblichem persönlichem Risiko aktiv im Widerstand engagiert hatte.
- Aktive Hilfe für Verfolgte: Ab 1943 versteckte Söhnker in seinem Wochenendhaus am Wünsdorfer See in Brandenburg mehrere untergetauchte jüdische Mitbürger (darunter den Überlebenden Walter Frankenstein) und versorgte sie mit Kleidung, Nahrung und Unterkünften.
- Söhnker stand wegen seiner bekannten regimekritischen Haltung bereits unter scharfer Beobachtung der Gestapo und entging einer Verhaftung mutmaßlich nur durch das Kriegsende 1945.
- Durch seine offen gezeigte Ablehnung des Nationalsozialismus beeindruckte er unter anderem den damaligen jungen Jungschauspieler Hardy Krüger, der sich daraufhin ebenfalls dem Widerstand anschloss und Söhnker unterstützte.
LUISE ULLRICH
„Staatsschauspielerin" Aloisia Ullrich, Komtesse von Castell-Rüdenhausen, wurde am 31. Oktober 1911 in Wien geboren. Nach ihrem Studium für musikalische und darstellende Kunst (an der Akademie) hatte sie 1932 vor den Kameras der UFA ihr Debüt im „Goethe-Film".
Schnell entpuppte sie sich als Schauspielerin voll frischer Grazie, Spontaneität und instinktiver, fast poetischer Art. Luis Trenker engagierte sie wegen ihrer hohen Qualitäten, um die Frauenrolle mit ihm zusammen im „Rebell" zu spielen (1932). Hier konnte sie ihre großen künstlerischen Fähigkeiten bestätigen.
Ihr großer Durchbruch beim Film kam dann 1933, als Max Ophüls sie als „Mitzi" in seiner romantischen Wiener Tragödie „Liebelei" einsetzte. Ein Stück von A. Schnitzler gab die Inspiration zu diesem Film. Die Ullrich hat mit ihrer echten unverfälschten Fröhlichkeit und echt weiblich, bis in die kleinsten Einzelheiten nachempfunden.
Nach dem Erfolg in „Liebelei" war die Begeisterung über sie in „Leise flehen meine Lieder" noch größer (v. W. Forst). Hier hat sie die zärtliche Figur des „süßen Mädels" gespielt, das bei ihrer Arbeit in einer Pfandleihe den damals armen Musiker Schubert kennenlernte und ihm ihre ganze herrliche Liebe schenkte. Dem Film war ein riesengroßer Triumph beschieden.
Dann folgten einige künstlerisch mittelmäßigere Filme wie: „Das Einmaleins der Liebe" (1935), „Schatten der Vergangenheit" (1936), „Der Tag nach der Scheidung" (1938). Im Gegensatz dazu konnten die folgenden Filme wieder einen Ehrenplatz einnehmen im filmischen „Curriculum" der Ullrich und zwar: „Versprich mir nichts" (1937) von Wolfgang Liebeneiner, ein humorvolles und sehr geschmackvolles Bild der Biografie als Romanze „Annelie" (1941) von Josef von Baky. Dieser Film reihte die Ullrich unter die 2 „großen Damen" des Films ein und brachte ihr den Preis für die beste weibliche Hauptrolle beim Filmfestival in Venedig (1941).
Mit großer Gewissenhaftigkeit in ihren künstlerischen Ambitionen, romantisch und aristokratisch im Ausdruck, hat Luise Ullrich in all ihren Rollen nicht vergessen, daß der Film sich an die Sensibilität und die Intelligenz des Publikums wenden muß. Luise Ullrich ist noch heute (das war 1980) mit Erfolg am Theater etc. tätig und hat nichts von ihrer lebendigen sprühenden Art eingebüßt. Ein Beispiel dafür ist das Musical „Gigi".
.
ILSE WERNER
Ilse Charlotte Still (Werner war der Name ihrer Mutter) ist am 11. Juli 1918 in Batavia (Java) geboren. Nach einem Kunststudium (dramatische Kunst) in Wien, spielte sie an österreichischen und deutschen Theatern.
Erst 20jährig, war sie bereits eine der bekanntesten und beliebtesten deutschen Schauspielerinnen und besonders im Fach der Komödie sehr profiliert. Die dunkle Schönheit, das attraktive Äußere und ihr sprudelndes Wesen kamen ihr dabei sehr zu Hilfe. Doch auch ihr großes Talent fiel überall auf.
Einer der größten Erfolgsfilme ist „Bei-Ami" von W. Forst (1939). Hier hat die bezaubernde Ilse Werner die Rolle der Susanne gespielt. Dann kam „Bal Pare" von C. Ritter (1940), hier spielte sie eine graziöse Ballettratte.
„Münchhausen" von J. von Baky (1942) sah sie dann als dekorative Prinzessin. Es folgten „Wir machen Musik" (1942) und „Große Freiheit Nr. 7" (1944) von H. Käutner. Sie spielte auch im „Wunschkonzert" (1940), „U-Boote Westwärts" (1941), „Hochzeit auf Bärenhof" (1942), „Das Seltsame Fräulein Silvia" (1945) und „Ein toller Tag" (1945). Die letztgenannten beiden Filme konnten nicht fertiggestellt werden.
Wenn man ein wenig in den Kritiken der damaligen Zeit stöbert, ist, wie folgt, zu finden:
- Magyarorszag (Budapest) 18.10.1940. „Während meiner Karriere als Kritiker habe ich selten ein so leuchtendes offenes Gesicht mit lebendigem und eindringlichem Ausdruck, wie das von Ilse Werner gesehen." (Laszlo Csakyi).
- Nouveau Journal (Paris) 7.5.1941 ... „Ilse Werner verdient es, ganz besonders erwähnt zu werden, sie ist eine Schauspielerin mit großer Faszination, die ihre Sensibilität und Persönlichkeit einsetzt, um ihren Gestalten alle Schattierungen zu geben. (P.Marteaux).
- Hoja Madrid 28.10.1942: „Von durchdringender Ausdruckskraft, fällt sie besonders auf bei der Darstellung frischer, spontaner und vergnügter Rollen." (Tebib Arumi).
- Berliner Illustrierte (Berlin) 3.9.1943 ... „Von der Werner können wir nur verblüfft sagen, daß sie uns bei jeder neuen Begegnung noch unerforschte Seiten ihrer großen Sensibilität als Künstlerin zeigt." (Fritz Lampe).
- Illustrazione Italiana (Mailand) 8.3.1942 „Ilse Werner ist eine Verkörperung der sinnlich frivolen Frau und bereits in die Filmgeschichte eingegangen. Sie hat sich in den Herzen von Millionen Zuschauern einen Platz erobert."
.
- Anmerkung : Ilse Werner ist - wie viele Ufa-Stars - während der NS-Zeit mehrfach Gast im "Waldhof am Bogensee", einem von der Ufa finanzierten sogenannten "Kulturgemeinschaftshaus", das auch "das Liebesnest des Dr. Goebbels" genannt wird. Hier trifft sich der Reichspropagandaminister mit den Größen des deutschen Films, mit Schauspielern und Künstlern. Als der Krieg endet, ist Ilse Werner 24 Jahre alt. Die Rolle, die sie in der nationalsozialistischen Propaganda gespielt hat, bringt ihr nach dem Krieg ein Berufsverbot ein.
Die Alliierten stuften sie aufgrund ihrer intensiven Verflechtung mit der NS-Propagandamaschine als belastet ein. Zu den Hauptgründen für das Berufsverbot gehörten. Sie war einer der Top-Stars der UFA und spielte die Hauptrolle im staatspolitisch wertvollen NS-Auftragsfilm „Wunschkonzert“ (1940). - Vorwurf der Unterstützung der Kriegsmoral: Sie war regelmäßiger Gast in Joseph Goebbels’ Hörfunk-Durchhaltesendung „Wunschkonzert für die Wehrmacht“ und engagierte sich in der Truppenbetreuung. Wegen ihrer prägnanten Kunstpfeif-Einlagen erhielt sie während der NS-Zeit den Spitznamen „Reichspfeife“
MATTHIAS WIEMANN (richtig WIEMAN)
wurde am 23. Juni 1902 in Osnabrück geboren. Er mußte große familiäre Schwierigkeiten und Hindernisse überbrücken, bevor er beim Theater Fuß fassen konnte. Im Jahre 1932 spielte er dann in „Pilade in Efigenia" beim Deutschen Theater in Berlin mit großem Erfolg.
Sein Debüt beim Film war zwar bereits im Jahre 1927 erfolgt, jedoch seine erste erfolgreiche große Rolle spielte er in „Stürme über dem Montblanc" von A. Franck, dem dann im Jahre 1931 der Film „Marius" von A. Korda folgte. Wir sehen Wiemann wieder im Film „Das Blaue Licht" von Leni Riefenstahl und dann kam die „Gelegenheit" für ihn mit der Hauptrolle im Film „Atlantide" von G. W. Pabst. Es folgten „Anna und Elisabeth", von F. Wysbar (1933) und die „Ewige Maske" (1935) von W. Hochbaum. In diesem Film entpuppte sich Wiemann nun als einer der entsthaftesten und talentiertesten Schauspieler des neuen Deutschen Films.
Das Jahr 1936 brachte ihm die Begegnung mit dem Regisseur Karl Ritter. Das Resultat war eine hervorragende Zusammenarbeit - als Schauspieler und Drehbuchautor und eine Reihe von 3 ausgezeichneten Filmen „Patrioten" (1937), „Unternehmen Michael" und „Kadetten" (1942). Es sind noch aufzuzählen „Ich klage an" von W. Liebeneiner (1941) und „Paracelsus" von G. W. Pabst (1943), „Träumer" (1944) von H. Braun, „Das Herz muß schweigen" (1944) von G. Ucikky, und das leider nicht vollendete Werk „Wie sagen wir es unseren Kindern".
Das fast strenge, dramatische Gesicht wußte mit Vollendung psychologische Konflikte und Verwirrungen auszudrücken. Als der deutsche Film 1945 „stranguliert" (eine sehr komische Umschreibung für das Kriegsende) wurde, hatte Wiemann bereits einen der ersten Plätze in der Beurteilung der in Europa berühmtesten Schauspieler erreicht.
Man denke nur an Filme wie „Das andere Ich" oder „Man rede mir nicht von Liebe". Da er seine großen Erfolge in der Zeit des Dritten Reichs gehabt hatte, und u. a. auch Berater der Administration der UFA war, mußte er seinen Obulus für sein politisches und künstlerisches Engagement bezahlen.
.
- Anmerkung : Während der NS-Zeit gehörte Wieman zu den populären Vorzeigekünstlern des Regimes. Er spielte tragende Rollen in mehreren propagandistischen Filmen (wie Ich klage an, 1941), wurde 1937 von Adolf Hitler zum Staatsschauspieler ernannt, saß zeitweise im Vorstand der Filmgesellschaft UFA und wurde 1944 auf die „Gottbegnadeten-Liste" des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda gesetzt.
Unmittelbar nach Kriegsende kam es zu einer historisch vielbeachteten Episode:
Im September 1945 wurde Mathias Wieman im Rahmen einer Radioübertragung des neu gegründeten Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) vom Publizisten Axel Eggebrecht interviewt. Dies brachte Wieman dazu, sein persönliches und künstlerisches Versagen sowie seine Verstrickung in der NS-Ära noch vor den offiziellen Spruchkammerverfahren öffentlich einzugestehen. - Dieses Radiointerview galt in der frühen Nachkriegszeit als ein seltenes und wegweisendes Beispiel für eine ehrliche, selbstkritische Auseinandersetzung eines prominenten Kulturschaffenden mit der eigenen Mitschuld. - Durch sein frühes Einlenken und die Einstufung in den Entnazifizierungsprozessen der westlichen Besatzungszonen konnte Wieman seine Karriere schnell fortsetzen. Er wurde gesellschaftlich rehabilitiert.
Weitere "große" Schauspieler :
.
.
- LIDA BAROVA
geboren in Prag am 12. März 1910, hatte die Gelegenheit, sich mit dramatischen, brillianten und sogar humoristischen Persönlichkeiten zu messen. Ihre Darstellung war immer von ergreifender Wirkung auf das Publikum. - HORST CASPAR
geboren in Badegast am 20. Januar 1913. Im Film hat er 1940 „Friedrich Schiller" verkörpert. Besonders aufgefallen ist er in seiner Rolle im Film „Kolberg" (1945). Caspar ist Schüler von Heinrich George. - LIL DAGOVER (Marta Maria Lilitts)
Staatsschauspielerin (seit 1937). Geboren am 30. September 1897 in Madiven auf Java. Sie hat seit 1920 in mehr als 80 Filmen mitgewirkt und viele davon waren ausgezeichnet. Sie arbeitete mit großen, bekannten Regisseuren wie F. Lang, R. Wiene, C. Froelich, F. Murnau und W. Liebeneiner zusammen. Sie war die „große Dame" des deutschen Films. - PAUL DAHLKE
Staatsschauspieler (seit 1937). Er wurde am 1. April 1904 in Streitz (Pommern) geboren und gab sein Debüt beim Film im Jahre 1934. Daran hat er in zahlreichen Rollen, oft als Hauptdarsteller mitgewirkt. Von sehr gewinnender sympathischer Ausstrahlung - ein Publikumsliebling. - GUSTAV DIESSL
geboren am 30. Dezember 1899 in Wien. Er war mit Maria Cebotari verheiratet. Am 19. März 1948 verstarb er in Wien. Er war zwar seit 1921 beim Film, hatte aber erst 1928 seine große Chance mit dem Film „Abwege" (von G. W. Pabst). Hier spielte er an der Seite von Brigitte Helm eine Hauptrolle. Er war und blieb einer der bevorzugtesten Darsteller des großen Wiener Meisters Pabst. Seine Rollen: „Die Büchse der Pandora" (1929), „Die weiße Hölle von Piz Palü" (1939), „Westfront 1918" (1930), „Die Herren von Atlantis" (1932) und „Komödianten" (1941). Diessl war sicher einer der bedeutendsten Schauspieler seiner Zeit und war maßvoll, ohne zu vergessen, sich auch psychologisch in die dargestellte Persönlichkeit zu vertiefen. - KÄTHE DORSCH
geboren am 29. Dezember 1890. Eine der größten dramatischen Schauspielerinnen der damaligen Zeit. Sie war eine der wenigen, die es verstanden haben, eine Galerie von Persönlichkeiten darzustellen (in den Jahren 1922 bis 1945) und jedes Mal ganz in ihre Rolle einzutauchen. - WILLI FRITSCH
wurde am 27. Januar 1901 in Kattowitz (Schlesien) geboren. Sein besonderer Vortragsstil, mit all seinen Vor- und Nachteilen, hat ihn besonders zu Beginn des Tonfilms fast „unersetzbar" gemacht, vor allem in den musikalischen Komödien. Er und Lilian Harvey waren das strahlende Filmliebespaar und die Publikumslieblinge der 1930er und 1940er Jahre. Sie hatten eine Serie von rauschenden Erfolgen in „Der Kongress tanzt" (1931), „Liebeswalzer" (1932), „Amphitryon" (1935) und „Wiener Blut" (1942). - GUSTAV FRÖHLICH
wurde am 21. März 1902 geboren. Er war nacheinander mit der Schauspielerin Gitta Alpar und Lida Barova verheiratet und dann geschieden. Er wurde von Fritz Lang für den Film entdeckt und debütierte im Jahre 1926 mit „Metropolis". Während seiner langen, glücklichen Karriere spielte er in mehr als 70 Filmen und führte in einigen davon auch die Regie. - OTTO GEBÜHR
Staatsschauspieler (seit 1935) geb. am 29. Mai 1877, ist am 13. März 1954 in Wiesbaden gestorben. Er war mit der Schauspielerin Doris Krüger verheiratet. Im Jahre 1920 suchte der Regisseur C. Boese einen Schauspieler, um den jungen Friedrich II. im Film „Die Tänzerin Barbarina" darzustellen. Er war sofort betroffen von der großen Ähnlichkeit des Schauspielers mit dem Preußenkönig (vor allem im Profil) und hat Otto Gebühr unter vielen Bewerbern ausgewählt. Seit dieser Zeit wurde kein Friedrich-II-Film mehr gedreht, ohne Otto v. Gebühr die Rolle des Königs zu geben. Er spielte sie einmal unter A. Cserepy, dann unter G. Lamprecht, G. Ucicky, F. Zelnik und C. Froelich. - PAUL HARTMANN
Staatsschauspieler (seit 1935). Präsident der Reichstheaterkammer seit 1942. Er wurde am 8. Januar 1889 in Fürth (Bayern) geboren und war von hoher, schlanker Gestalt, sehr männlicher Ausstrahlung und klarer, reiner Stimme im Vortrag. In allen seinen Rollen sah man ihn in ernster Nachdenklichkeit, die er auch gegen die Invasion der „Matadore" beim deutschen Film verteidigt hat. Im Jahre 1940 hat er einen „Bismarck" voll strenger Würde und großer Menschlichkeit, mit aristokratischer Ausstrahlung dargestellt. - ATTILA HÖRBIGER
geboren am 21. April 1896. Ein großer Schauspieler voll sicherer Ausdruckskraft, mit angenehmem Äußeren und gediegener plastischer Stimme. Er hat besonders die Persönlichkeiten von konkreter menschlicher Weisheit dargestellt und war einmal ein überzeugender Mann aus dem Volk, dann wieder ein echter Bauer oder ein guter Soldat. Die österreichische Kritik nannte ihn das „Equivalent" zu Hans Albers. Auf dem internationalen Feld wurde er bekannt mit seiner Darstellung in „Die Julischka" (1936) und „Spiegel des Lebens" (1938), in der er mit seiner Frau Paula Wessely zu sehen war. - PAUL HÖRBIGER
wurde am 29. April 1894 in Budapest geboren. Während der langen Jahre aktiver und stark imponierender Filmarbeit hat er viele große Hauptrollen gespielt. Seine Beliebtheit und Berühmtheit datiert aus Rollen voll herzlicher echter Komik und voller Melancholie. Er war und ist der Liebling eines großen Publikums. Wir erinnern insbesondere an „Heimat" (1937) von C. Froelich, „Wunschkonzert" (1940) von C. Froelich, „Operette" (1940) von W. Forst und die „Große Liebe" (1942) von R. Hansen. Seine teils verschmitzte, menschliche Ausstrahlung ist und bleibt unvergeßlich. - LA JANA (Henriette Hiebl)
ist am 24. Februar 1905 in Mauer (Wien) geboren und am 19. März 1940 in Berlin gestorben. Ihre dunkle, rassige Schönheit hat sie besonders zur Darstellung von exotischen Frauen, orientalischen Odalisken und feurigen spanischen Tänzerinnen befähigt. Ihre erste Hauptrolle bekam sie in „Truxa" (1936). Der echte künstlerische Durchbruch gelang ihr erst im Jahre 1938 mit dem berühmten Film in zwei Episoden „Der Tiger von Eschnapur" und „Das indische Grabmahl". Beide Filme wurden auch wegen der herrlichen farbenprächtigen Choreographie überall bekannt. Nach Beendigung der Dreharbeiten zum „Stern von Rio" (1940), der sehr begeistert vom Publikum aufgenommen wurde, starb die „Schönste Tänzerin des 3.Reichs". - EUGEN KLOPFER
geboren in Thalheim-Rauenstich (b. Heilbronn) am 10. März 1886, ist am 3. März 1950 in Wiesbaden gestorben. In den Jahren ab 1919 bis 1945 war er von ununterbrochener Aktivität. Hervorstechend waren seine Rollen in „Jugend" (1936) von V. Harlan, „Jud Süss" (1940) von V. Harlan, „Die goldene Stadt" (1942) von V. Harlan und „Gabriele Dambrone (1943) von H. Steinhoff sowie „Schiva und die Galgenblume" (1945) ebenfalls von H. Steinhoff. - VIKTOR DE KOWA
geboren am 8. März 1904 in Hochkirch (b. Görlitz/Schlesien). Er war ein Schauspieler von gemessener Eleganz. Viele Jahre hat er den Gentleman alten Stils, den Offizier mit dem Herzen voller Liebe unter einer steifen Uniform oder einen Aristokraten gespielt. Immer aber hing ein Hauch von feinem Humor über seinen Rollen. Er führte in drei „echten" Filmen die Regie: „Schneider Wibbel" (1939), „Casanova heiratet" (1940) und „Kopf hoch, Johannes" (1941).
VIKTOR STAAL - geboren in Frankfurt/Oder, verheiratet mit der sympathischen Hansi Knoteck. Ein strahlender Darsteller in zahllosen Filmen. Man muß wenigstens die folgenden nennen: „Zu neuen Ufern" (1937), „Capriccio" (1938), „Liebesschule" (1940), „Die große Liebe" (1942) und „Via Mala" (1944).
- OLGA TSCHECHOWA (Ol'Ga Cechova Knipper)
wurde am 26. April 1897 in Alex. (Kaukasus) geboren. Sie war eine Nichte des großen A. Cechov. Hochgewachsen und von schöner Gestalt, war sie vor allem dekorativ in jeder Rolle, mit ihren klaren Augen, dem strahlenden Lächeln und den spitzbübischen Grübchen. Sie arbeitete mit berühmten Regisseuren wie R. Clair, M. Ophüls, E. A. Dupont, W. Forst, H. Maisch und immer waren es Filme von internationalem Ruf. Es kamen mehr als 100 Titel zusammen. Sie führte auch 2mal Regie in „Der Narr seiner Liebe" (1929) und „Kapitän-Leutnant" (1933). Olga Tschechowa ist bis ins hohe Alter eine anziehende Frau geblieben und baute mit großer Tüchtigkeit später eine Kosmetikfirma unter ihrem Namen auf. 1980 starb sie in München. - HEINZ RÜHMANN
wurde am 7. März 1902 in Essen geboren. Er war mit der schönen Schauspielerin Herta Feiler verheiratet, die leider zu früh gestorben ist. Hier haben wir es nicht nur mit einem Komiker, sondern mit einem ausgesprochenen Charakterdarsteller zu tun. Er hat bereits im Film „Allotria" (1936) von W. Forst die tiefe Verbundenheit mit seiner Arbeit und eine aktive Mitarbeit an der Konstruktion der Aufführungen gezeigt. Seine künstlerische Persönlichkeit ist fern von aller Eitelkeit oder protziger Zurschaustellung. Ein großer Künstler, der immer bescheiden geblieben ist und mit seiner Heiterkeit und seinem Spiel unzählige Freunde gewonnen hat. Von besonderer Art war seine Darstellung im „Florentiner Hut" (1939) von W. Liebeneiner. Ab 1938 hat er auch mit großem Erfolg einige Male selbst Regie geführt.
Anmerkung : Hiervon stimmt einiges nicht. Es ist fast zur Hälfte wirkliche Lobhudelei. - PAUL WEGENER
geboren am 11. Dezember 1874 in Bischofdorf (Ostpreußen), gestorben in Berlin am 13. September 1948. Er war nacheinander mit Ida Ahlers, dann der Sängerin Anny Hindermann und den Schauspielerinnen Lyda Salmonava, Greta Schröder und Elisabeth Wegner verheiratet. Paul Wegener kam aus vornehmer und vermögender Familie und war einer der ersten in Deutschland, die begriffen, welche enormen Möglichkeiten der Film bot, wenn man sich ihm mit Feuereifer und Hingabe widmete, sei es als Schauspieler oder als Regisseur. Er hatte den Vorzug einer imponierenden Erscheinung und interessante östliche Gesichtszüge. Damit hat er seinen Rollen Leben eingehaucht und einen intensiven, unvergesslichen Stil praktiziert. Unter den unzähligen Filmen in denen er gespielt hat, erinnern wir uns besonders an: „Das unsterbliche Herz" (1939), „Der große König" (1942), beide mit Veit Harlan als Regisseur. - OTTO WERNICKE
wurde am 30. September 1893 in Osterode (Harz) geboren und wirkte in Filmen erster Ordnung wie „M" (1929) von F. Lang, „Das Testament des Dr. Mabuse" (1933) von F. Lang, „SA-Mann Brand" (1933) von F. Seitz, „OHM Krüger" (1941) von H. Steinhoff, „Der große König" (1942) von Veit Harlan, „Titanic" (1943) von H. Selpin und „Kolberg" (1945) von V. Harlan mit. - PAULA WESSELY
(Ehefrau des Schauspielers Attila Hörbiger) ist am 20. Januar 1908 in Wien geboren. Sie hat bereits die Coppa Volpi als „beste Schauspielerin" für ihren Film „Episode" beim Internationalen Filmfestival in Venedig gewonnen (1935). Ihr filmisches Meisterstück war „Maskerade" (1934) von Willi Forst; hier konnte ein feines Gefühl für die Kunst und ein großes Talent zum Vorschein kommen. Der Kritiker M. Gromo schrieb über sie: „Man müßte ihr eine Rolle geben, in der sie zum ersten Mal das Prickeln des Champagners und das Herzklopfen für ihren Begleiter darstellt, und bereits hier würde sie zeigen, welch großes schauspielerisches Talent in ihr steckt". - DOROTHEA WIECK
geboren am 3. Januar 1908 in Davos (Schweiz) kam nach ihrer Mitwirkung im Film „Mädchen in Uniform" (1931) zu internationaler Popularität. Als erstes fiel das reine Gesicht und ihre aufregende Schönheit auf. Sie wirkte noch in mehreren Filmen mit und hatte immer Rollen, die einen tiefen Eindruck auf das Publikum machten.
.
Nein ..... wir haben sie nicht vergessen!
.......... Die Popularität, die sie in den Herzen und die Sympathie, die sie in den Millionen von Zuschauern in der ganzen Welt entfacht haben, bleibt und wird immer lebendig sein in der Erinnerung von vorrangigen, großartigen Schauspielern „unauslöschlicher" Art.

