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Ein historischer Rückblick auf die Entwicklungen von

Schall, Optik, Foto, Film und die moderne Technik. Viele Daten sind sehr sauber recherchiert bzw. aneinander gereiht, manche Daten stimmen aber doch nicht und manche Daten/Zeiten sind an der falschen Stelle. Doch insgesamt sind die Kapitel angenehm zu lesen und beeindruckend illustriert.
Der 1. Teil steht im Hifi-Museum, der 2. Teil beginnt hier im Fernseh-Museum.

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Filmtechnik

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Bilder, die sich bewegen

Der Franzose Emile Reynaud verbesserte 1877 mit seinem Praxi-noskop William George Homers Zoetrop oder Wundertrommel. Die auf einer zweiten, inneren Trommel angebrachten Planspiegel reflektierten intermittierend die in der äußeren Trommel fortlaufend kreisenden Bilder, die von einer darüberstehenden Lampe angestrahlt wurden. Später kombinierte Reynaud sein Gerät mit einer Laterna magica, so daß ein größerer Personenkreis die laufenden Bilder in der Projektion betrachten konnte.

Wenn das menschliche Auge nicht so träge reagieren würde, gäbe es keine Kinematografie. Der englische Arzt und Erfinder eines periodischen Stromunterbrechers Peter Mark Roget (1779-1869) untersuchte als einer der ersten, was schon Jahrhunderte vor ihm bekannt war: daß man dem Auge eine fortlaufende Bewegung vortäuschen kann, die in Wirklichkeit aus lauter Einzelbildern besteht.

Vom Phenakistiskop zum Praxinoskop

Die Vorläufer der Kinematografie hatten eines gemeinsam: Sie konstruierten Vorrichtungen, mit deren Hilfe gezeichnete Bilder (also keine fotografisch festgehaltenen) so dargeboten werden konnten, daß eine Art Bewegungs vor gang vorgetäuscht wurde.

Auf Roget fußend, machte sich der belgische Professor Joseph Antoine Ferdinand Plateau (1801-1883), der an der Universität Gent Anatomie und Physik lehrte, Gedanken über die „Nachbildwirkung" und legte die Gesetze des „stroboskopischen Effektes" 1836 in einem seiner Werke fest.
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Anmerkung aus April 2022 :

Hier in der Historie der Film- und Kino-Technik gibt es bereits mehrere dicke Bücher über dieses Thema - ebenfalls mit einer chronologischen Auflistung der beteiligten Erfinder und Entwickler. Auch in der Fachzeitschrift KINOTECHNIK werden mehrere filmhistorische Artikel aus den Jahren 1935 bis 1940 publiziert, die zwar historisch korrekt sind, jedoch den "nationalsozia- listischen Sprachgebrauch" pflegen und die ausländishen Beteiligten geschickt ausblenden bzw. ignorieren. In diesen Artikeln haben fast nur "reichsdeutsche Volksgenossen" alles rund um den Film erfunden.

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Das Phenakistiskop oder Phantaskop

Schon 1832 hatte er zur Erprobung seiner Ideen eine Vorrichtung gebaut, die er Phenakistiskop oder Phantaskop nannte. Sie bestand aus einer kreisrunden, am Rand mit Bildern besetzten Scheibe, die gegenüber einem Spiegel in schnelle Drehung versetzt wurde. Durch Schlitze im Scheibenrand konnte man die vorbeiflitzenden Spiegelbilder betrachten.

Plateau versuchte es mit 16 Bildern in der Sekunde, eine Wiedergabefrequenz, die später auch der Stummfilm verwendete.
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Stroboskop oder Kreisdrehseher

Fast gleichzeitig mit Plateau erfand der Wiener Mathematikprofessor Simon Ritter von Stampfer (1792-1864), ein Vermessungsspezialist, einen verblüffend ähnlichen Apparat, Stroboskop oder Kreisdrehseher genannt.

Im Gegensatz zu Plateau arbeitete er jedoch mit zwei Scheiben, die einander genau gegenüber auf einer Achse angebracht waren. Eine Scheibe enthielt die Bilder, die andere war mit Schlitzen versehen. Sowohl das Phenakistiskop als auch das Stroboskop hatten den Nachteil, daß die Bilder winkelförmig verzerrt wurden, weil sie am Scheibenrand einen größeren Weg zurückzulegen hatten als in Achsennähe.
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Lebensdreher oder Wundertrommel

Diesen Nachteil beseitigte der Engländer William George Horner (1786-1837) mit seinem Zoetrop, auch Lebensdreher oder Wundertrommel genannt. Bei diesem Apparat blickte man durch Schlitze auf die gegenüberliegende, mit Bildern besetzte Innenseite der Trommel, die sich auf einer vertikalen Achse drehte. Die Papierstreifen mit den Bildphasen konnten ausgewechselt werden. So gab es mehrere Programme, und außerdem konnten auch mehrere Personen zugleich das Spektakulum bewundern.

Das Praxinoskop

Emile Reynaud (1844-1918) schließlich kam 1877 mit seinem Praxinoskop heraus, einem verbesserten Zoetrop mit einer Spiegelanordnung, die die Dunkelzeiten zwischen den Bildphasen ausschaltete. Auch das Praxinoskop arbeitete noch mit gemalten bzw. gezeichneten Bildern.

Aber schon 1849, wenige Jahre nach Einführung der Daguerreotypie, schlug Plateau, der 1843 erblindet war und seine Arbeit durch Mitarbeiter weiterführen ließ, die Verwendung von Fotografien an Stelle der Phasenzeichnung vor. Dazu kam es aber erst fast dreißig Jahre später.
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Uchatius und die erste Bildprojektion

Über eine Möglichkeit, Phasenbilder gleichzeitig einem größeren Zuschauerkreis zugänglich zu machen, dachte um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein österreichischer Offizier nach, der nach einem Verfahren suchte, wie man die militärischen Instruktionsstunden anschaulicher gestalten könne: Franz Freiherr von Uchatius (1811-1881), ein vielseitiger Erfinder und Tüftler vor dem Herrn.

Die Spezialität des österreichischen Generals war die Herstellung verbesserter Waffen. So erfand er 1856 eine neuartige Stahlerzeugungsmethode, den sogenannten Üchatiusstahl. Von ihm stammen aber auch eine Hartbronze für Geschützrohre, die Uchatiusbronze, ferner ein neues Schießpulver, ein Gerät zur Messung des Gasdrucks in Geschützrohren und neue Ringhohlgeschosse.

Für seine Verdienste um den Neuaufbau und die verbesserte Ausstattung der österreichischen Feldartillerie wurde er in den Freiherrnstand erhoben, außerdem wählte ihn die Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitglied, eine für einen Offizier sehr seltene Ehrung.

Uchatius gehörte zu den Vätern der Kinematografie

Dank seiner militärischen Erfindungen war Uchatius zu seiner Zeit weit über Osterreich hinaus bekannt. Aber nur wenige wußten (und wissen heute), daß er zu den Vätern der Kinematografie gehört.

1852 stellte er das Ergebnis seiner Überlegungen vor, die auf einer Kombination aus den Prinzipien der Laterna magica und des Phenakistiskops beruhten. Uchatius baute mehrere Laternae magicae im Halbkreis vor einer Projektionswand auf, bestückte sie mit gezeichneten Phasenbildern und beleuchtete sie mit einer Fackel, die schnell hinter den Zauberlaternen vorbeigetragen wurde.

Die Bilder tauchten nacheinander auf der Projektionsfläche auf und täuschten Bewegung vor. 1853 kam Uchatius mit einem verbesserten Modell heraus. Ein Bildwerfer projizierte zwölf Phasenbilder, die kranzförmig auf einer Scheibe angeordnet waren, schnell hintereinander auf die Wand.
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Von der Fotoserie zum Film

Eadweard Muybridge baute Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhun-derts in Kalifornien eine riesige Anlage, in der ein Pferd sich selbst „filmte". Die Verschlüsse von 24 in einer Reihe aufgebauten Fotokameras wurden nacheinander ausgelöst, wenn ein Pferd vorbeigaloppierte und dabei die zu den Verschlüssen gespannten Fäden berührte.
Für die ersten Versuche liehen die Anwohner des Rennplatzes ihre Leintücher aus, damit das Pferd als Silhouette auf hellem Boden und Hintergrund erschien. Muybridge konnte mit den 24 Fotos nachweisen, daß das Pferd im Galopp zeitweise nicht den Boden berührt.

Als Plateau sein Phenakistiskop und Horner sein Zoetrop bauten, war die Fotografie noch nicht erfunden - zumindest wußte keiner davon, daß sich auf diesem Gebiet etwas tat.

Nach der ersten Vorstellung der Daguerreotypie und des Talbot-Verfahrens im Jahre 1839 änderte sich die Situation. Nun war es theoretisch möglich, die gezeichneten Phasenbilder der Wundertrommeln und Lebensräder durch fotografierte zu ersetzen.

Der erste, der sich damit auseinandersetzte, war Eadweard Muybridge (1830-1904) in Kalifornien. Die Entwicklungslinie reicht von ihm über Anschütz und Marey bis zu Edison, in dessen Laboratorium der allererste „richtige" Film entstand.
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Muybridge und die ersten Reihenfotos

Die Legende berichtet, der in den USA als „Offizieller Fotograf der US-Regierung für die Pazifikküste" arbeitende und in San Francisco lebende Engländer Eadweard Muybridge habe es einer Wette zu verdanken, daß er sich mit Reihenaufnahmen galoppierender Pferde befaßte, die ihn später weltweit berühmt machten.

Das Wissenschaftler und Maler erregende Problem, ob ein Pferd beim Galopp jemals alle vier Beine gleichzeitig von der Erde hebt, war damals noch ungelöst.

Leland Stanford, der Gouverneur von Kalifornien, wettete mit einem seiner Freunde, daß dies der Fall sei. Er beauftragte Muybridge damit, den Beweis zu liefern.

So knobelte der Regierungsfotograf eine Versuchsanordnung aus, die das möglich machte - der Gouverneur trat für die Kosten ein. Muybridge stellte 24 Kameras für Naßkollodiumplatten (später verwendete er Trockenplatten) in der Reitbahn nebeneinander auf.

Die Wette gewonnen

Die Verschlüsse sollten der Reihe nach durch Fäden ausgelöst werden, die das galoppierende Pferd auf seinem Weg zerriß.

Das Verfahren funktionierte. Der Gouverneur gewann seine Wette: Das Pferd hatte wirklich hin und wieder alle vier Beine in der Luft.

Und Muybridge setzte seine Versuche fort. Sein erstes chronofotogra-fisches Verfahren aus dem Jahre 1877 wurde weiter ausgebaut.

Dabei interessierte ihn weniger die Möglichkeit, Tiere und Menschen so zu fotografieren, daß sich die Abbildungen später für die öffentliche Vorführung eigneten. Ihm kam es auf die Bewegungsanalyse als wissenschaftliche Methode an.

So faßte er seine Reihenaufnahmen zunächst nur in Büchern zusammen oder stellte Diapositive her, die er bei seinen Vorträgen zeigte.

1879 das Zoopraxiskop

1879 konstruierte er eine Art Projektions-Phenakistiskop, das er Zoopraxiskop nannte. Es konnte bis zu 200 Diapositive auf einer Scheibe aufnehmen. Inzwischen arbeitete er mit bis zu 40 Kameras, Linsen von Dallmeyer und elektromagnetisch gesteuerten Verschlüssen.

Für die Chicagoer Weltausstellung von 1893 wurde eigens ein Vorführgebäude für ihn errichtet, in dem er seine Projektionen vor großem Publikum zeigen konnte. Diese Zoopraxographical Hall wurde zum Vorläufer der Filmtheater.
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Der Schnellseher von Ottomar Anschütz

Der Schnellseher von Ottomar Anschütz, ab 1892 von Siemens & Halske gebaut, trug auf einer Scheibe 23 Diapositive von Reihenfotos. Nach Einwurf einer Zehnpfennigmünze wurde die Scheibe von einem Elektromotor angetrieben, und eine Geißlersche Röhre durchleuchtete blitzartig jedes Dia beim Durchgang hinter dem links sichtbaren Einblickschlitz.

Nicht weniger ertragreich waren die Reihenaufnahmen des deutschen Schlitzverschluß-Erfinders Ottomar Anschütz (1846-1907). Er richtete sich nach dem Muybridge-Verfahren, von dem er gehört hatte, erzielte aber 1884 wesentlich bessere Aufnahmen als der Engländer.

Als Betrachtungsgerät für seine Reihenbilder konstruierte er einen Schnellseher. Die Aufnahmen waren dabei auf einen Papierstreifen kopiert, der in eine drehbare, am Rand mit schmalen Schlitzen versehene Trommel eingelegt und von jeweils einer Person betrachtet werden konnte. Die Trommeldrehung machte die Bilder „lebendig". Von diesem Zoetrop-Verfahren kam er aber bald wieder ab.

Nun kopierte er die Phasenfotos auf Glasplättchen, die am Rand einer senkrecht stehenden, um ihren Mittelpunkt drehbaren Scheibe angebracht wurden. Wenn die Bilder von der Rückseite aus mit elektrischen Lichtblitzen beleuchtet wurden, konnte man sie in der Durchsicht betrachten.

Für den elektrischen Schnellseher, auch Elektrotachyskop genannt, interessierten sich Siemens & Halske. Ab 1892 brachten sie den Schnellseher in einer Serie von 78 Exemplaren heraus.

Das Betrachtungsgerät hatte schon 1891 auf der elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt am Main Aufsehen erregt und brachte dem Erfinder neuen Ruhm, so daß sich die deutsche Kaiserin von ihm in der Kunst der Fotografie unterrichten ließ und er 1898 das kaiserliche Paar auf einer Palästinareise begleiten durfte.

Schon 1894 gab es eine Methode, die Bilder des Elektrotachyskops auch zu projizieren. Der erste Versuch fand mit einer sechs mal acht Meter großen Bildwand in einem Berliner Postgebäude statt und verlief sehr erfreulich.
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Der Professor Etienne Jules Marey

Etienne Jules Marey (1830-1904) war von Hause aus Physiologe und richtete schon als 34jähriger in Paris ein physiologisches Laboratorium ein. Die Forschungen des späteren Professors am College de France und Mitglieds der Academie des Sciences galten vor allem der Einführung von Methoden der quantitativen Messung in der Physiologie.

So erfand er ein Verfahren zur Aufzeichnung von Puls, Herztätigkeit und Blutdruck, die sogenannte Marey-Trommel, untersuchte Wärme, Herzarbeit und Bewegung von Tieren und beschäftigte sich mit der Technik der Elektrophysiologie.

Bei der Erforschung tierischer Bewegungsabläufe kam er mit der Mehrfachfotografie in Berührung. Im Lauf der Jahre entwickelte er zahlreiche Verfahren, Bewegungen zu fotografieren, wobei er im Gegensatz zu seinen Vorläufern stets mit einer Kamera arbeitete, also nicht mehrere Apparate in Reihe nebeneinander aufstellte.
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Die fotografische Flinte

Als erster, der Reihenbilder mit nur einer Kamera aufnahm, gilt Etienne Jules Maray. Hier sein Fotogewehr von 1882.

Am bekanntesten wurde seine fotografische Flinte, eine gewehrähnliche Kamera mit einer Wechselkassette und sprungweise bewegter fotografischer Platte. Den Lauf bildete ein Teleobjektiv. Über Kimme und Korn konnte er die Objekte im Bildfeld behalten.

Mit der Fotoflinte nahm er unter anderem fliegende Vögel mit 25 Einzelaufnahmen auf einer Platte auf. Im selben Jahr, 1882, konstruierte Marey eine "chronofotografische" Kammer, bestehend aus einer Kamera, bei der sich vor der feststehenden Platte eine umlaufende Schlitzscheibe bewegte.

1888 brachte er eine Rollfilmkamera heraus, deren Papierfilm schnell und ruckweise transportiert werden konnte; er stellte sie 1889 auf Celluloidfilm um.

Zur genaueren Kontrolle erfand er gleichzeitig ein Verfahren, die Uhrzeit in das Kamerabild einzublenden und mitzufotografieren.

Die mit dieser Kamera produzierten Filmstreifen führte Marey mit seinem chronografischen Projektor vor. Während der Dunkelphasen war das Bildfeld abgedeckt. Ein stehendes Bild konnte er jedoch noch nicht damit erzeugen — es fehlte an der Perforation für den sicheren Transport.

Marey schaffte es schließlich, Tierbewegungen in hundert Phasenfotos je Sekunde zu zerlegen. Seine Aufnahmegeräte hatten überdies im Gegensatz zu Muybridge und Anschütz den Vorteil, daß sie sich leicht überallhin mitnehmen ließen.
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Edisons kinematografische Aktivitäten

Thomas Alva Edison stellte 1889 den ersten wirklichen Film her, auf einem 35mm breiten perforierten Celluloidstreifen. Schon bald trieb er seine Kamera elektrisch an. Rechts im Bild der Fliehkraftregler.

Es wäre verwunderlich, hätte sich Thomas Alva Edison nicht auch um Verfahren bemüht, Bewegungsabläufe so aufzuzeichnen, daß sie naturgetreu wiedergegeben werden konnten. 1887 hatte der amerikanische Supererfinder seine neue „Erfinderfabrik" in West Orange eingeweiht.

Im selben Jahr kümmerte er sich erstmals um ein Instrument, das „für das Auge sein sollte, was der Phonograph für das Ohr war". Die einschlägigen Versuche von Muybridge, Anschütz und Marey waren ihm ebenso bekannt wie die früheren Erfindungen aus der Zeit des Zoetrops.

Vom Phonographen angeregt, versuchte er es aber erst einmal mit einem anderen Weg. Er ließ einen lichtempfindlichen Zylinder bauen, der ruckartig weitergedreht werden konnte. Bei jedem Ruck erfolgte eine Aufnahme. Edison schaffte bis zu 48 Bilder in der Sekunde.

Es zeigte sich aber bald, daß die schneckenartig auf dem Zylinder untergebrachten Minibilder nicht scharf genug waren. Die Versuche wurden aufgegeben.

Mittlerweile produzierte George Eastman in Rochester den ersten Celluloidfilm. Er schien Edison besser geeignet zu sein als das bisher übliche Material. Edison-Mitarbeiter William Kennedy Laurie Dickson, der Leiter der Fotoabteilung von West Orange, wurde damit beauftragt, sich um die Sache zu kümmern.

Aus 70mm Eastman-Film Breite mache 2 x 35mm ....

Von William Kennedy Laurie Dickson stammt die Idee, den 70 Millimeter breiten Eastman-Film zu halbieren und mit Randperforation zu versehen, damit ihn die Kamera präziser transportieren konnte - weiter oben wurde darüber berichtet.

Diese Kamera, von Edison Kinetograph genannt, 1889 fertiggestellt und 1891 zum Patent eingereicht, wurde mit einer Filmrolle bestückt, die durch eine Reihe von Walzen an der Linsenkombination vorbeigezogen und automatisch wieder hochgewunden wurde. Eine von einer Kurbel getriebene Kette besorgte den ruckartigen Transport.

Wenn der Film stillstand, löste die Kurbeldrehung den Verschluß aus. Der Kinetograph schaffte in der Sekunde 20 bis 40 Belichtungen.

Das erste Filmatelier „Schwarze Marie" in West Orange

Für Aufnahmen mit dem Kinetographen wurde in West Orange ein Atelier gebaut. Es sah wie ein großer schwarzer Kasten aus und hieß deshalb bald „Schwarze Marie". Das Dach ließ sich öffnen, um Licht hereinzulassen, und damit die Sonne immer von der richtigen Seite auf das Aufnahmeobjekt schien, konnte man das ganze Atelier beliebig drehen.

Es folgte ein Gerät für die Betrachtung der Filme, das Kinetoskop. Sein Mechanismus bewegte den Filmstreifen vorwärts. Es wurde von hinten elektrisch angestrahlt. Durch ein Guckloch konnte immer nur ein Zuschauer den Film sehen.

Fünf dieser Apparate wurden erstmals 1894 in New York am Broadway aufgestellt. Sie waren als Münzautomaten eingerichtet und fanden sofort regen Zulauf.

Nach dem Münzeinwurf bekam der Zuschauer einen Film von 600 Bildern zu sehen. Es ging um so unterschiedliche Themen wie „Der Hufschmied", „Der Hahnenkampf", „Trapezakt" oder „Der Friseurladen", verfilmt in West Orange, dem ersten Filmatelier der Welt.

1894 - Die Lambda Company - Dickson und Major Woodville Latham

Dickson, der eigentliche Konstrukteur des Kinetoskops, beurteilte die Möglichkeiten des Ein-Mann-Besichtigungsgerätes nicht sehr positiv. Er ging bald an die Erfindung eines Apparates für die Laufbildprojektion. Aber Edison wollte davon nichts wissen. Er befürchtete Konkurrenz für das sich gut anlassende Kinetoskopgeschäft.

Außerdem war er davon überzeugt, daß ein Projektionsverfahren die Filmvorführung zum Jahrmarktsspektakel herabwürdigen könnte. Es blieb also beim Laboratoriumsversuch mit dem Projektor, und Dickson zerstritt sich deswegen ernsthaft mit Edison.

Auf einer Kinetoskop-Ausstellung hatte Dickson den Major Woodville Latham und dessen Söhne Grey und Otway kennengelernt, denen eine Kinetoskop-Vorführgesellschaft gehörte, mit der sie aber nicht besonders zufrieden waren.

Es gelang ihnen, Dickson als beratenden Mitarbeiter zu gewinnen, als sie 1894 die Lambda Company gründeten mit dem Ziel, öffentliche Filmvorführungen zu veranstalten.

Einen Filmprojektor sollte ihnen ein ehemaliger Edison-Mechaniker, Eugene Lauste, konstruieren, den Dickson abgeworben hatte. Edison tobte, als er von der Sache erfuhr, und warf Dickson Verrat und Diebstahl von Herstellungstechniken vor.

Da eine Einigung nicht mehr möglich schien, gab Dickson seine Stellung in West Orange auf und widmete sich fortan ganz der Arbeit in der Lambda Company. 1895 war der Projektionsapparat, Panoptikum oder auch Eidoloskop genannt, fertig und wurde mit mäßigem Erfolg eingesetzt.
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