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Ein historischer Rückblick auf die Entwicklungen von

Schall, Optik, Foto, Film und die moderne Technik. Viele Daten sind sehr sauber recherchiert bzw. aneinander gereiht, manche Daten stimmen aber doch nicht und manche Daten/Zeiten sind an der falschen Stelle. Doch insgesamt sind die Kapitel angenehm zu lesen und beeindruckend illustriert.
Der 1. Teil steht im Hifi-Museum, der 2. Teil beginnt hier im Fernseh-Museum.

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Die Kleinbildkameras rücken vor

Ab 1924 von Simons & Co. in Bern hergestellte Sico mit Projektionsansatz.

In Thomas Alva Edisons Erfinderfabrik wurde der 70 Millimeter breite Eastman-Rollfilm, wie schon berichtet, der Länge nach halbiert, mit Randperforationen versehen und für Laufbildaufnahmen (wir sagen "Filme" dazu)verwendet.

Erstmals 1908 machte ein französisches Erfinderteam, bestehend aus A. Leo, P. Audobard und C. Baradat, den Vorschlag, den Kinofilm, in einem Magazin untergebracht, für Stehbildaufnahmen zu verwenden. In der Folgezeit kamen Erfinder immer wieder auf diesen Gedanken zurück - so beispielsweise Paul Dietz, dessen "Tourist Multiple" mit einem 750-Aufnahmen-Magazin 1913 in New York herauskam („Damit können Sie eine ganze Europareise aufzeichnen", hieß es in der Werbung), oder J. Singer, dessen Patent auf eine Kleinbildkamera namens "Amourette" die Österreichische Telephon AG ab etwa 1925 auswertete.
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Die Leica, einer der berühmtesten Kameras der Welt

Die ab 1915 von Levy-Roth in Berlin gebaute Minnigraph war die erste deutsche Kamera für den perforierten 35mm-Film und machte Aufnahmen im Format 18x24mm.
Die 1934 von Otto Beming & Co. herausgebrachte Robot war als erste Fotokamera der Welt mit einem eingebauten Federwerkmotor für den Filmtransport ausgestattet.
Als erste Kleinbildspiegelreflex kam 1936 die Kine Exakta bei Ihagee in Dresden heraus.

Den Durchbruch verdankte der 35mm-Film jedoch erst der Leica, einer der berühmtesten Kameras der Welt. Ihr Schöpfer war Oskar Barnack (1879-1936), ein aus Lynow in Brandenburg stammender Feinmechaniker, der seit 1911 bei den optischen Werken von Ernst Leitz in Wetzlar als Entwicklungskonstrukteur arbeitete.

Den begeisterten Bergsteiger ärgerte es, daß er auf seinen Touren stets eine schwere und schwerfällige Kameraausrüstung mitschleppen mußte. Ihm schwebte ein bedeutend leichterer und kleinerer Apparat vor.

Ab 1913 arbeitete er an ersten Entwürfen. Er wich dabei völlig von den bis dahin erprobten Formen und Konstruktionsdetails ab. Seine Kamera sah ganz anders aus als alle anderen Kameras. Und sie funktionierte in vielen Einzelheiten auch anders.

Zu den Barnackschen Ideen gehörte beispielsweise die Koppelung von Filmtransport und Kameraverschluß, die Doppelbelichtungen ausschloß. Barnack baute das Objektiv in einen versenkbaren Tubus ein, um Platz zu sparen.

Seine Kamera, die Ur-Leica, bestand ganz aus Metall und hatte einen Schlitzverschluß. Zuerst experimentierte Barnack mit normalem Kinobildformat (18 x 24mm), dann ging er auf 24 x 36 Millimeter über, um bei starken Vergrößerungen bessere Ergebnisse zu erzielen.

Wie immer sind die Chefs skeptisch

Die Firma Leitz, bis dahin kein Kameraproduzent, entschloß sich nur unter größten Bedenken, eine Versuchsserie aufzulegen.

1925 wurde die Leica auf der Leipziger Frühjahrsmesse erstmals vorgeführt. Im Sommer dieses Jahres kam sie in den Verkauf.

Noch 1925 konnten 1.000 Apparate abgesetzt werden. Seit dieser Zeit wurden ständig Verbesserungen vorgenommen und neue Modelle herausgebracht. Das Grundprinzip blieb erhalten, es wurde mit Wechselobjektiven und Zubehör aller Art zu einem viel nachgeahmten System ausgebaut.
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Nachgeahmt oder sogar geklaut ?

Ihre Leica-Verwandtschaft konnte weder die Contax von Zeiss Ikon (1932) noch die Retina von Kodak (1934) verleugnen.

Die Retina wartete erstmals mit Wegwerfpatronen auf. Bis dahin waren bei Leica und Contax Kassetten verwendet worden, die in der Dunkelkammer neu geladen werden mußten.

Das Patent für die Kleinbildpatrone stammt von AGFA

Eine der vielen Taschenkameras aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war die Atom der Ica-Kamerawerke, Dresden. Auf einen Knopfdruck klappt der Kameraboden mit dem Objektiv und dem Sucher nach vorn. Trotz ihrer schnellen Aufnahmebereitschaft hatte der Fotograf ein Handicap: Statt einen Rollfilm weiterzudrehen, mußte er die Platte wechseln; Format 4,5 x 6cm.
1934 kam die Ikoflex aus dem Hause Zeiss Ikon heraus.
Eine der populärsten Kleinbildkameras war die Retina der deutschen Kodak AG von 1934. Nachfolgemodelle wurden bis in die sechziger Jahre produziert.
Die Leica gilt seit zwei Generationen für viele Fotografen als das Ideal einer Kleinbildkamera.

Das heute übliche 35mm Kleinbild-Patronensystem, das Patronen mit tropfenförmigem Querschnitt und Samt-Abdichtung verwendet, geht auf ein Patent aus dem Jahre 1936 zurück, das sich die I. G. Farbenindustrie erteilen ließ. Die Agfa verwendete es zuerst für ihre erfolgreiche Kleinbildkamera Agfa Karat.

Eine Kleinbildkamera war auch die erste motorisierte Kamera, die Robot aus dem Jahre 1934. Ein Federwerk besorgte den Filmtransport und das Spannen des Verschlusses.

Das Großbild Format und das Spiegelreflexsystem

Den nächsten großen Entwicklungsschritt tat die Kleinbildkamera mit der Übernahme des Spiegelreflexsystems.  Aber vorher .....

Mit Verfahren, einen Spiegel in den Strahlengang des Objektivs einzuschalten, der die 100% genaue Fokussierung ermöglichte und der im Augenblick der Aufnahme weggeklappt wurde, beschäftigten sich Thomas Sutton (1819 bis 1875), ein englischer Fotograf, schon 1861, der Amerikaner Calvin Rae Smith mit seiner Monocular Duplex im Jahre 1884.

Bis 1908 wurden zahlreiche Modelle patentiert, bei denen der Spiegel durch Druck auf den Auslösehebel hochklappte und automatisch zurückfiel, wenn der Hebel losgelassen wurde.

In diesem Jahr erhielt A. L. Adams ein Patent auf einen Spiegel, der sich beim Spannen des Verschlusses zurückstellte - so wußte der Fotograf stets, ob seine Kamera betriebsbereit war. Alle diese Verfahren galten für normale, größerformatige Rollfilmkameras.

1936 - die "Kine Exakta" von Ihagee in Dresden

Erst 1933 (Identoskopvorsatz für die Leica) wurde das Spiegelreflexsystem auch für die Kleinbildfotografie eingeführt.

Die erste einäugige Kleinbild-Spiegelreflexkamera im heutigen Sinn war die Kine Exakta, die die Ihagee in Dresden seit 1936 produzierte.

1949 rüstete Zeiss Ikon die erste einäugige Spiegelreflexkamera mit einem Dachkantprisma aus. Die auch Pentaprisma genannte Vorrichtung sorgt dafür, daß das Bild im Sucher seitenrichtig erscheint. Das Verfahren wurde bei der neuen Contax S erstmals angewandt.

Das Umkehrprisma im Sucher - die Leicaflex

Erst das Umkehrprisma leitete den Siegeszug der einäugigen Spiegelreflexkamera ein. Dieser Kameratyp wurde bald zum Standardmodell der 35mm-Fotografie. Ab 1965 produzierte auch Leitz eine Spiegelreflex-Leica, die Leicaflex.

Zuvor schon hatten japanische Konstrukteure den Rückschwingspiegel erfunden, mit dem zuerst die Asahi Pentax (1957) und die Nikon F (1959) ausgerüstet waren.

Kamera-Computer, die reden können

In den folgenden Jahren (nach 1965) wurden die Spiegelreflexkameras immer komfortabler. Eingebaute Minischaltkreise sorgen z. B. bei den Zeitautomaten für die automatische Einstellung der Belichtungszeit passend zu der von Hand eingestellten Blende.

Bei den Blendenautomaten gibt der Fotograf die gewünschte Belichtungszeit vor - die passende Blende sucht sich die Automatik dann selbst heraus. Mehrfachautomaten schließlich bieten wahlweise beide Möglichkeiten, lassen sich aber auch auf vollautomatisches Fotografieren einstellen.

In diesem Fall regelt die Kamera die ideale Kombination von Belichtungszeit und Blende entsprechend den jeweiligen Lichtverhältnissen. Der Fotograf braucht nur noch die Entfernung einzustellen und auf den Knopf zu drücken.
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Als die Japaner den Siegeszug antraten

In der Asahi Pentax gab es ab 1957 erstmals einen Rückschwingspiegel.

Die japanische Canon T 70 verfügte z. B. über eine Computersteuerung mit Tastenbedienung. Filmeinfädelung und -transport übernahm ein eingebauter Motor. Acht Belichtungsprogramme steuerten den Schlitzverschluß oder die Blenden der Standard-, Weitwinkel- und Teleobjektive. Die Belichtungszeit konnte wahlweise mittenbetont integral oder selektiv gemessen werden.
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1986 - der Höhepunkt der manuell zu fokussierenden Kameras

1986 wird mit der T90 von Canon der Höhepunkt der manuell zu fokussierenden Kameras erreicht, und zugleich der Schlußpunkt dieser Kamerageneration gesetzt. Das Gehäuse der T90 wurde von dem Designer Collani geprägt, was auch zu neuen Maßstäben des Kamera-Design führte.

Die Technik im Inneren der T90 umfaßte alles, was mach- und brauchbar war - nur Autofocus und Mehrfeldmessung waren noch nicht verwirklicht.

Wer an seine Kleinbildkamera keine so hohen Ansprüche stellt, sondern einfach nur bequem fotografieren will, hat eine reiche Auswahl unter zahllosen Modellen - bis hin zu einer Kamera wie der Minolta SF-Sv, die nicht nur alle Einstellungen einschließlich der Entfernung automatisch erledigt, sondern auch noch reden kann: Ein Sprach-Synthesizer befiehlt etwa „Film einlegen" oder „Blitz einschalten".

Die Autofocus-Technologie setzt sich durch

Die Idee, die hinter dieser neuen Kameratechnik steckte, ist im Grunde sehr simpel: der Fotograf sollte von dem zeitraubenden manuellen Einstellen der Bildschärfe entbunden werden. Um das Prinzip der Autofocuskameras technisch zu verwirklichen, mußten die Kamerakonstrukteure tief in die „Elektronik-Kiste" greifen.

Die erste Autofocuskamera der Welt war dann auch ein Gemeinschaftsprodukt des amerikanischen Elektronikkonzerns „Honeywell" und dem großen Film-, aber kleinen Kamerahersteller „Konica".

Honeywell lieferte an Konica den sogennanten „Visitronic"-Baustein, so daß 1977 die Konica C35 als vollautomatisches Suchermodell auf den Markt kam. Diese erste Autofocuskamera wirkte als Trendsetter und löste einen Siegeszug dieser neuen Technik aus.
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Wie „Visitronic" funktioniert

Das Visitronicsystem basierte auf ein Doppelbildsystem, das zwei Bildkomponenten in einen scharfen Punkt automatisch vereinigt. Wird der Auslöser gedrückt, nehmen zwei kleine Spiegel im Suchersystem, von denen der eine beweglich ist, durch das Kamerafenster das anvisierte Motiv auf.

Ein integrierter Schaltkreis vergleicht die Doppelbilder, während ein Motor das Objektiv genau so lange focussiert, bis die beiden Bilder deckungsgleich sind. Der Vorgang dauert etwa 80 Millisekunden.

Da diese Konstruktion, auch als passives Autofocus-System bezeichnet, bei schwachen Lichtstärken schnell an seine Grenzen stößt, wurde es bei Kompaktkameras vom aktiven Infrarotsystem abgelöst.

1980 - Canon brachte die AF35 raus

Canon brachte 1980 die AF35 auf den Markt, eine Kompakt-Sucherkamera mit Infrarotmeßstrahl. Das damals neuartige Prinzip lößte bei einem Druck auf den Auslöser einen unsichtbaren Meßstrahl aus, der vom Motiv reflektiert und von einem Sensor in der Kamera wieder aufgefangen wurde.

In einem Prozessor wurde die Zeitdifferenz zwischen Aussenden und Wiedereintreffen des Meßstrahls und daraus der Abstand zum Motiv errechnet. Ein Motor stellte dann das Objektiv auf die entsprechende Entfernung ein.

Bei den Spiegelreflexkameras dauerte es eine ganze Weile länger, bevor sie mit einem Autofocus-System ausgestattet werden konnten: Die Verbindung der komplizierten Spiegelreflextechnik mit einem Autofocussystem stellte die Techniker vor eine Reihe von ungelösten Problemen.

1985 - die Minolta 7000

Erst 1985 wurde eine Autofocus-Spiegelreflex-kamera, die Minolta 7000, auf den Markt gebracht. Das „Hi-Tech Autofocus-System" getaufte Scharfstellsystem arbeitete mit sogenannten Zwillings-Separatorlinsen, die den Bildinhalt des Zielfeldes, welches im Sucher markiert war, in zwei Bilder aufspaltete und diese auf die CCD-Sensorzeile ("charged coupled divices") im Autofocus-Modul der Kamera projizierte.

Minolta verfolgte das Konzept des gehäuseintegrierten Autofocussystems für Spiegelreflexkameras. Dieses Konzept wurde mit markenspezifischen Umwandlungen von der Konkurrenz mehrfach übernommen. Kamerahersteller wie Nikon, Yashica, Olympus und Pentax wetteiferten demgemäß auch noch eine Weile um Patente und Lizenzen.

Die „Canon T80" wurde kein Erfolg

Der Welt größter Kamerahersteller ließ lange mit einer Autofocus Spiegelreflexkamera auf sich warten. Die „Canon T80" wurde kein Erfolg, da sich zeigte, daß man ein AF-System nicht einfach von einer AF-Kompaktkamera ableiten konnte.

1987 kamen die EOS-Kameras 620 und 650 auf den Markt. Diese waren nun eine Alternative zu den gehäuseintegrierten AF-Kameras. Sie hatten das Ziel, mehr Schnelligkeit, mehr Genauigkeit und größere Lichtempfindlichkeit in die AF-Technik einzubringen.

Das Power-Eye-Autofocus von Canon setzte die AF-Motoren wieder in die Objektive, gehorchte ansonsten aber auch dem CCD-Phasendetektionsprinzip.

Das EOS-Prinzip brachte eine ganze Generation von Kameras hervor, deren Verbesserungen nicht nur auf den AF-Bereich beschränkt waren. Die Entwicklungen im Bereich der Kameratechnik sind auf das Engste mit denen der Mikroelektronik verknüpft, denn nur mit Mikrocomputern ist die Informationsverarbeitung möglich, die eine moderne Kamera leisten muß.

Die Kameraformate schrumpfen

Die von Walter Zapp erfundene Minox für 50 Aufnahmen 8x 11mm in Spezialkassette ist seit 1936 die berühmteste Kleinstbildkamera. In der Miniaturisierung waren die Geheimkameras Schrittmacher, so z. B. die Ticka, die Houghtons Ltd. in London ab 1907 herstellte.
Ab 1972 machte Eastman Kodak mit Pocket-Instamatic-Kameras für Kassettenfilm 12 x 18 Millimeter die Handtaschenkamera für jeden erschwinglich.
Das von Eastman Kodak 1982 kreierte Prinzip der Filmscheibe (Disc) erlaubt die Konstruktion sehr flacher Kameras.

Ausgesprochene Kleinstbildkameras sind nicht neu. Mit Formaten von etwa 25 x 25 Millimetern experimentierte Talbot schon 1835, und eine der ersten Metallkameras aus dem Jahre 1839, die Carl August von Steinhell in München herstellte, war auf ein Format von 8x11 Millimetern eingerichtet.

Die damit angefertigten Daguerreotypien wurden in Medaillons und andere Schmuckstücke eingesetzt. Viele Mini-Kameras mit Winzigformaten waren als Geheimkameras gedacht, mit denen man unbeobachtet Bilder schießen konnte. Den Erfindern mangelte es dabei nicht an Einfällen.

Es gab Kameras dieser Art, die in Ferngläser oder Uhren, Plastronkrawatten oder Fotoalben, Handtaschen und Spazierstöcke, Revolver oder Puppenköpfe eingebaut waren.

1932 - Fritz Kaftanski aus Berlin

Die erste ernstzunehmende Kleinstkamera konstruierte Fritz Kaftanski 1932 in Berlin. Das Bildformat seiner Minifex betrug 13 x 18 Millimeter. Mit 8,3 x 11,4 Millimetern kam die berühmte Minox aus, die der Lette Walter Zapp erfand. Das Patent darauf erwarb die Firma Valsts Elektrotechniska Fabrika in Riga 1936 in England.

In der lettischen Hauptstadt wurde die nur 15 x 18 x 76 Millimeter große Kamera zunächst auch hergestellt. Sie kam 1937 auf den Markt und bestand ursprünglich aus rostfreiem Stahl. Seit 1949 wird sie mit einem Leichtmetallgehäuse in Gießen produziert. War die Minox noch etwas für Leute, die es sich leisten konnten (und für Geheimagenten), so spekulierte die 1972 herausgebrachte Kodak Pocket Instamatic auf eine breite Marktlücke.

Die mit Schnellade-Kassetten ausgerüstete Kleinstkamera hat einen 16 Millimeter breiten Film, ihr Bildformat beträgt 12 x 18 Millimeter. Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten Gebrauchskameras für jedermann und wurde inzwischen in vielen Versionen auch von anderen Herstellern nachempfunden bzw. mit einer Lizenz aus Rochester nachgebaut.
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1982 - Kodak und die Disc-Kamera

Unterdessen war Kodak aber schon wieder auf einer neuen Spur. Im Herbst 1982 kam die erste Disc-Kamera auf den Markt, nicht viel größer als ein Taschenrechner und mit einer runden Filmscheibe anstelle des Rollfilms ausgestattet.

Auf der Scheibe haben 15 Farbfotos im Format 8 x 10,5 Millimeter Platz. Das lästige Filmeinfädeln entfällt. Ein Blitzgerät ist eingebaut, es schaltet sich bei Bedarf automatisch zu.

  • Anmerkung : Bekannter wurde die Diskettenkamera von SONY - die Sony Mavica FD73.

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Objektive

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Vom Achromat zum Weichzeichner: Objektive

Der Achromat mit einer Bikonvexlinse aus Kronglas (hellblau) und einer Bikonkavlinse aus Flintglas (weiß) geht auf John Dollond (1706-1761) zurück. Das Prinzip des Vierlinsers nach Josef Max Petzval war ab 1840 mehr als acht Jahrzehnte lang gebräuchlich.

Dem Objektiv, also demjenigen Bauteil der Kamera, das auf das Aufnahmeobjekt gerichtet ist, wandten schon die ersten Fotografen große Aufmerksamkeit zu. Sie profitierten dabei von den Erfahrungen mit gleichartigen Bauteilen, die beim Bau von Fernrohren und Mikroskopen schon gemacht worden waren. Später gingen die Kamerakonstrukteure jedoch eigene Wege.

Die Entwicklung - die „chromatische Aberration"

Eine einfache Sammellinse, ob bikonvex oder konkav-konvex, liefert nur bei kleiner Blendenöffnung ein scharfes Bild. Im allgemeinen wird das Bild unscharf, weil diese Linsen die verschiedenen Farben, aus denen das Licht besteht, unterschiedlich ablenken.

Ein diese „chromatische Aberration" verhinderndes Objektiv baute erstmals der Engländer John Dollond um 1757 für seine Fernrohre. Er verkittete eine bikonvexe Linse aus Kronglas mit einer bikonkaven (beiderseits nach innen gewölbt) aus Flintglas.

Dieses achromatische Objektiv, 1812 von Joseph von Fraunhofer (1787-1826) durch reinere Glassorten und wirkungsvollere Schleifverfahren verbessert, wurde bis in unser Jahrhundert in einfache Kameras eingebaut.

Bessere Ergebnisse waren mit Vierlinsern zu erreichen, bei denen einem Achromaten zwei weitere Linsen vorgeschaltet wurden. Solche Kombinationen schuf als erster der Franzose Charles Chevalier im Jahre 1840.

Im selben Jahr konstruierte der Österreicher Josef Max Petzval seinen wesentlich erfolgreicheren Vierlinser für die Messingkamera von Voigtländer.
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Das war Stand der Technik bis etwa 1925

Objektive dieser Art wurden bis etwa 1925 für Kameras aller Art verwendet, vor allem das berühmte Rapid-Rectilinear von J. H. Dallmeyer und der damit verwandte Aplanat von Carl August von Steinhell, beide von 1866.

Selbst gute Objektive dieser Art litten unter dem Problem des Astigmatismus: Sie konnten entweder vertikale oder horizontale Linien deutlich abbilden, aber nicht beides zugleich.

Diesem Nachteil war nur mit der Erfindung neuer optischer Glasarten beizukommen, wie sie Otto Schott ab 1888 in seinen Jenaer Glaswerken herstellte. Durch Beigaben bestimmter Chemikalien, zum Beispiel Barium, Zink und Borsäure, gewann Schott ein Glas, aus dem die Linsen für Anastigmate geschliffen werden konnten.

Das erste Tessar von Paul Rudolph 1902

Die weitere Entwicklung führte zu Kombinationen aus vier und mehr Linsen oder Linsenverbindungen. Bekannt wurde vor allem die vierlinsige Kombination, die Paul Rudolph 1902 vorstellte.

Sie hieß Tessar und wurde zum erfolgreichsten Objektiv des 20. Jahrhunderts. Heute sind hochwertige Kameras mit sechs-oder auch siebenteiligen Objektiven ausgerüstet, die Lichtstärken von 1:1,2 erlauben.

Teleobjektive und Weitwinkelobjektive

Das erste Teleobjektiv schuf Thomas Rudolf Dallmeyer, der Sohn J. H. Dallmeyers. Es wurde 1891 in England patentiert und bestand aus einem langbrennweitigen Objektiv, hinter dem eine Zerstreuungslinse angeordnet war.

Weitwinkelobjektive gibt es, seit Thomas Sutton 1859 seine Liquid- Panoramic- Linse mit einem Bildwinkel von 120 Grad herausbrachte. Bis zu 180 Grad reicht der Bildwinkel der Fischaugenobjektive, deren erstes Robin Hill 1923 für seine Sky-Kamera verwendete.
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Weichzeichnerobjektive

Die Weichzeichnerobjektive, mit deren Hilfe man dezente Unschärfe erzeugen kann, gehen auf J. H. Dallmeyer zurück, der 1866 sein Porträtobjektiv konstruierte. Mit Hilfe eines solchen Objektivs konnte (und kann) man bei Porträtaufnahmen kleinere Schönheitsfehler, vor allem Falten, durch leichte Überstrahlung verschwinden lassen.
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Als die Fotos farbig wurden

Daß unser weißes Sonnenlicht in Wirklichkeit ein Mischlicht ist, zusammengesetzt aus allen Farben des Spektrums, hatte Isaac Newton (1643-1727) herausgefunden und bewiesen. Aber wie wurde das Auge mit der Fülle der durch das Sonnenlicht hervorgerufenen Farbeindrücke fertig?

Der englische Physiker Thomas Young (1773-1829), ein sehr vielseitiger Wissenschaftler, der als erster den endgültigen Beweis für die Wellennatur des Lichtes lieferte, die Erscheinungen bei der Überlagerung von Lichtstrahlen (Interferenz) untersuchte, sich an Hieroglyphen- Entzifferungsversuche heranwagte und als erster das Wort Energie in seiner modernen Bedeutung gebrauchte, war auch bahnbrechend auf dem Gebiet des Farbempfindens.

Thomas Young stellte die These auf, daß das menschliche Auge nicht etwa für jede Farbnuance über einen eigenen physiologischen Mechanismus verfüge, sondern daß drei Farben, beispielsweise Rot, Grün und Blau, völlig ausreichten, um auch alle Farbkombinationen zu erkennen bzw. wiederzugeben.

Hermann Ludwig Ferdinand von Helmholtz

Der Physiker und Physiologe Hermann Ludwig Ferdinand von Helmholtz (1821 bis 1894), unter anderem Erfinder des Augenspiegels und des Scherenfernrohrs, entwickelte die Youngsche Dreifarbentheorie weiter.

Seitdem heißt sie Young-Helmholtzsche Dreifarbentheorie, und jedes Kind lernt in der Schule, daß unsere Augen in der Netzhaut Rezeptoren für rote, grüne und blaue Farbeindrücke besitzen - fehlt eine Sorte oder ist sie zu schwach vertreten, spricht man von Farbenfehlsichtigkeit oder Farbenblindheit. Auf der Young-Helmholtzschen Theorie beruhen der Farbendruck, das Farbfernsehen und subtraktive Farbmischung, eben die Farbfotografie.

Um farbige Fotos zu erzielen, sollte man von einem Objekt drei Aufnahmen machen und der Reihe nach einen Rot-, Grün- und Blaufilter vorschalten, schlug der englische Physiker James Clerk Maxwell (1831 bis 1879), aufbauend auf Young und Helmholtz, 1855 vor. Das Ergebnis wären drei Schwarzweiß-Diapositive gewesen, die nach Maxwells Vorstellung mit blauem, grünem und rotem Licht übereinanderprojiziert werden sollten.

Grundlagen der Farbfotografie

Dieses Prinzip, das additive oder Spreizverfahren, wurde zu einer der Grundlagen der Farbfotografie. Eine andere Basis bildete das subtraktive oder Siebverfahren. Dabei werden von den drei Farbauszügen nach der Maxwell-Methode farbige Diapositive hergestellt, so daß der blaue Auszug ein gelbes, der grüne ein purpurnes und der rote ein blaugrünes Farbbild liefert.

Legt man alle drei Diapositive aufeinander und durchstrahlt sie mit weißem Licht, entsteht eine farbige Projektion, bei der die Farben nicht addiert, sondern subtrahiert den Gesamteindruck ergeben.

In der Anfangszeit der Farbfotografie wurde ausschließlich nach dem additiven Verfahren gearbeitet. Die zweite Generation des Farbmaterials funktioniert nach dem subtraktiven Verfahren. Wir werden unten noch darauf zurückkommen.

Ducos du Hauron und die ersten Anfänge

Arthur Louis Ducos du Hauron zeigte 1868 seine ersten farbigen Bilder nach dem Pigmentverfahren und ließ es sich patentieren. Ein Patent für seine Camera Heliochromatique folgte 1874. Diese Heliochromie eines Hahns und eines Wellensittichs aus dem Jahr 1879 befindet sich im Musee National des Techniques, Paris.

Die ersten "farbigen" Fotos gab es in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Man sollte sie eher "bunte" Fotos nennen, denn sie waren schlicht handkoloriert - ein Verfahren, das sich jahrzehntelang größter Beliebtheit erfreute. Jeder wollte „angemalte" Daguerreotypien besitzen.

Ein diesbezügliches Verfahren wurde 1842 für Richard Beard in England patentiert. Beard schnitt für jede Farbe eine Schablone, durch die er mit Klebepulver gemischte Farbe auf das Bild aufstäubte. Anschließend hauchte er das Bild vorsichtig an, damit die Farbe durch den auf diese Weise angefeuchteten Klebstoff Halt bekam. Beard muß gut bei Lunge gewesen sein.

Der Mann, der mit der Dreifarbentheorie schon frühzeitig etwas anzufangen wußte, war der geniale französische Fototechniker Arthur Louis Ducos du Hauron (1837 bis 1920), der eigentliche Vater der Farbfotografie - sein Name ist heute nur noch Spezialisten bekannt.

Eine berühmt gewordene Abhandlung - mit nur 25 Jahren

Ducos du Hauron veröffentlichte als 25jähriger eine berühmt gewordene Abhandlung mit dem Titel „Physikalische Lösung des Problems der Reproduktion der Farben durch die Photographie", die er der Academie des Sciences zuleitete. 1869 erschien seine Arbeit als Buch.

Es ist eines der erstaunlichsten Dokumente der Fotogeschichte, weil darin die meisten bis 1935 realisierten Verfahren der Farbfotografie bereits in der Grundkonzeption beschrieben werden, und zwar einschließlich der farbigen Papierbilder, an die andere Fachleute damals noch längst nicht dachten.

Was er beschrieb, hatte er selbstredend ausprobiert. Eines seiner frühen Farbfotos wird in Rochester im George-Eastman-House aufbewahrt. Es stammt aus dem Jahre 1877. Daß sich Ducos du Hauron letztlich nicht durchsetzen konnte, lag daran, daß er seiner Zeit weit voraus war.
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Der "panchromatische" Schwarzweiß-Film

Eine der Voraussetzungen für farbrichtige Abbildungen war der "panchromatische", d. h. alle Farben gleichmäßig in tonwertrichtige Grau- und Schwarztöne übersetzende Schwarzweiß-Film. Den gab es aber, wie weiter oben dargelegt, erst zu Beginn des 20. Jh.

Beim subtraktiven Farbverfahren werden von weißem Licht durch Farbfilter die Komplementärfarben „abgezogen" oder ausge„siebt". Wenn sich drei Filter überdecken, kommt kein Licht mehr durch.

Beim additiven Farbverfahren wird rötlich-blaues, grünes und rotes Licht „addiert", so daß Mischfarben entstehen; beim Zusammenfallen aller drei Farbstrahlen in gleicher Stärke entsteht Weiß.

1874 - Ein Patent für die Camera Heliochromatique

Übrigens war Ducos du Hauron nicht der einzige, der in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts am farbigen Foto arbeitete. Kurz nach Ducos du Hauron veröffentlichte Charles Cros in der Zeitschrift „Les Mondes" einen Aufsatz mit der Überschrift „Die Lösung des Problems der Farbphotographie".

Auch Cros beschrieb mehrere Techniken. Die beiden Erfinder ließen sich nicht auf Prioritätsstreitigkeiten ein. Sie lernten einander kennen und schätzen, wurden Freunde und arbeiteten fortan auf manchen Gebieten gemeinsam weiter.

1891 - Professor Gabriel Jonas Lippmann

Ein eigenes Verfahren, das nicht auf chemischen, sondern auf physikalischen Grundlagen beruhte, brachte 1891 der französische Physiker und spätere Nobelpreisträger Gabriel Jonas Lippmann (1845-1921) heraus.

Aufbauend auf den Forschungen Newtons und Youngs entwickelte er die Interferenztechnik, das später nach ihm benannte Lippmann-Verfahren der Farbfotografie.

Er beschichtete seine Platten mit sehr feinkörnigen Emulsionen und einer Quecksilberrückschicht. Durch Reflexion an der Quecksilberschicht entstanden bei der Belichtung stehende Wellen, die sich zum Teil überlagerten.

An den Knotenpunkten der Überlagerung bildeten sich Silberkeime als Grundlage des Bildes. Nach der Entwicklung erschienen diese Stellen bei der Betrachtung in reflektiertem weißem Licht wieder in der ursprünglichen Farbe. Das Lippmann-Verfahren lieferte ausgezeichnete Farbfotos.

Für die Anwendung in der Praxis war es viel zu umständlich, schon wegen der erforderlichen langen Belichtungszeiten.

Professor Lippmann forschte an Interferenzerscheinungen bei stehenden Wellen

Aber wahrscheinlich interessierte das den Professor Lippmann auch nicht besonders. Ihm genügte es wohl, durch sein Verfahren die Interferenzerscheinungen bei stehenden Wellen nachgewiesen zu haben.

Nicht praktisch verwertbar war auch das von dem Fotochemiker Adolf Miethe (1862-1927) im Jahre 1902 erstmals vorgeführte Farbfotografieverfahren. Miethe, Professor an der Technischen Hochschule in Berlin, verbesserte das Magnesium-Blitzlicht, erfand ein anastigmatisches Objektiv und ein Teleobjektiv und stellte synthetische Korunde und Spinelle her.

Als er 1925 behauptete, er könne Quecksilber auf elektrischem Weg in Gold verwandeln, wurden die Kollegen skeptisch. Sein Farbverfahren stützte sich auf drei deckungsgleiche, aber unter Verwendung jeweils andersfarbiger Filter hergestellter Diapositive, die er übereinandergelegt projizierte.
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Die Lumieres und ihre Kartoffelstärkeplatte

Eines der ganz wenigen erhaltenen Anwendungsbeispiele des Interferenzverfahrens von Gabriel Jonas Lippmann ist dieses Papageienfoto von Dr. Neuhauss aus dem Jahr 1899, heute im Deutschen Museum. Das Lippmann-Verfahren wurde nur bis zum Ersten Weltkrieg experimentell angewandt.
Das additive Dreifanben-Filterverfahren von Maxwell griff Ende des 19. Jahrhunderts der Amerikaner Frederick Eugene Ives (1856-1937) auf. Seine Ideen benutzte ab 1899 vor allem Adolf Miethe zur Konstruktion von Wechselschlittenkameras wie der abgebildeten (ab 1903). Der Wechselschlitten wurde manuell oder pneumatisch auf- und abwärts bewegt, so daß nacheinander die blau, grün und rot gefilterten Teilaufnahmen gemacht werden konnten.

Als Erfinder der ersten Farbfotoplatte, bei der das Bild in einem Belichtungsgang erzeugt werden konnte, gelten gemeinhin die Brüder Auguste Marie Nicolas (1862 bis 1954) und Louis Jean Lumiere (1864 bis 1948), Söhne eines Fabrikanten fotografischer Platten in Lyon, Erfinder zahlreicher fototechnischer Verfahren, vor allem des ersten brauchbaren Kinematografen.

Sie brachten 1907 die schon 1903 entwickelte farbige Autochrome-Platte heraus. Die Vorarbeiten dazu lieferten Georges Balagny und Etienne Carjat.

Balagny, 1837 in Les Batignolles bei Paris geboren, studierte Jura, besuchte aber nebenbei auch physikalische Vorlesungen, die sich mit der jungen Kunst der Fotografie befaßten.

Gemeinsam mit seinem Freund, dem Journalisten und Karikaturisten Etienne Carjat, der später als Porträtfotograf prominenter Zeitgenossen bekannt wurde, richtete er sich in Paris ein kleines Laboratorium ein. Ab 1885 galt das Interesse der beiden Tüftler vor allem der Möglichkeit, mit Farbe zu fotografieren und zu reproduzieren. 1890 konnte Balagny die ersten Ergebnisse publizieren.

Kartoffelstärke als Träger für die Farb-Partikel

Balagny verwendete Kartoffelstärke als Träger für die winzigen lichtempfindlichen Partikel, mit denen er seine Platten und Filme beschichtete. Dieses Verfahren übernahmen die Lumieres und meldeten es 1903 zum Patent an.

Von Balagny würde kaum noch jemand etwas wissen, wenn er nicht mehr als 300 erstaunlich gut gelungene Farbfotos hinterlassen hätte, die erst lange nach seinem Tod wiedergefunden und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden: zarte und melancholische Landschaften, sorgfältig komponierte Genrebilder und Porträts, sogar Aktaufnahmen.

Die Balagny-Lumiere-Technik war ein additives Rasterverfahren, wie es schon Ducos du Hauron vorgeschlagen hatte. Mikroskopisch kleine Körner von Kartoffelstärke wurden zu gleichen Teilen rot, grün und blau eingefärbt, dann gemischt und auf die Platte aufgebracht. Die Zwischenräume zwischen den Stärkekörnern füllten die Lumieres mit Ruß.

Unter der Stärkekörner-Rußlage befand sich die normale lichtempfindliche Bromsilber-Gelatineschicht. Diese Autochrome-Platten lieferten nach der Entwicklung ein Diapositiv.

Sie paßten in jede normale Kamera. Die Belichtungszeiten waren allerdings etwas länger als bei Schwarzweiß-Platten. Im Freien bei bedecktem Himmel konnten aber mit Belichtungszeiten um 8 Sekunden bei Blende 5,6 durchaus noch Porträtaufnahmen gemacht werden.

In der 1882 in Lyon gegründeten Plattenfabrik von Vater Antoine Lumiere wurden die Autochrome-Farbrasterplatten ab 1907 hergestellt. Die Bilder hatten schöne, wohlabgestufte Töne, sie eigneten sich auch als Vorlagen für den Farbendruck.
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1932 kam der erste Farbfilm

Für den Amateur war diese Technik weniger geeignet. Erst eine wesentliche Verbesserung des Kornrasterverfahrens durch die Agfa-Farbenplatte führte zu Aufnahmematerial, mit dem auch der fotografische Laie etwas anfangen konnte.

Die Kornrasterplatte, im Kriegsjahr 1916 auf den Markt gebracht, lieferte brillantere Farbbilder als die Autochrome-Platte von Lumiere. Überdies war sie empfindlicher und feinkörniger. Ihr Raster bestand nicht mehr aus Stärkekörnchen, sondern aus gefärbten Harzpartikeln.

1932 kam der erste, nach dem gleichen Verfahren hergestellte Colorfilm heraus. Aber er machte schon bald den Dreischichtenfilmen Platz. Sie waren den Rasterfilmen in mancher Beziehung überlegen und lieferten v. a. Dias, die mit V3 der bei Rasterfilmen notwendigen Lichtmenge auskamen.
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Rudolf Fischer und der Dreischichtenfilm

In den Forschungsabteilungen der großen Fotokonzerne wurde intensiv an der Entwicklung besserer Farbfotoverfahren gearbeitet. Agfa und Kodak kamen schließlich Mitte der dreißiger Jahre fast gleichzeitig mit neuen Techniken auf den Markt.

Aber es dauerte immerhin ein Vierteljahrhundert, bevor die Mehrschichtenverfahren anwendungsreif waren. Die entscheidende Idee des Agfa-Verfahrens lieferte der Chemiker Rudolf Fischer (1881-1957), der sich vor allem in den Jahren von 1910 bis 1914 mit Farbfoto-Entwicklungen beschäftigte.

Schon 1907 hatte Benno von Homolka, ebenfalls Chemiker, herausgefunden, daß bestimmte Farbzwischenprodukte Bromsilber zu entwickeln vermögen, wobei sich gleichzeitig mit dem Silber wasserunlösliche Farbstoffe bilden.

Fischer stellte fest, daß man bei der Entwicklung des Bromsilbers in Gegenwart von Farbstoffkomponenten auch Chinonimin- und Azomethinfarbstoffe bilden und an reduziertem Silber abscheiden kann. Nach der Entfernung des Silbers durch ein Lösungsmittel erhielt man ein reines Farbstoffbild.

Versuch mit dem subtraktiven Dreischichtenverfahren

Fischer wollte seine Erkenntnisse in einem Dreischichtenverfahren anwenden, das nach dem subtraktiven Verfahren arbeitete. Die praktische Umsetzung seiner Theorie gelang ihm allerdings nicht. Zwar baute er die lichtempfindliche Schicht dreistufig auf. Aber er mußte erleben, daß die Farbstoffe immer wieder aus der einen Schicht in die nächste abwanderten (diffundierten), (wo) in der sie bildmäßig gar nichts zu suchen hatten.

G. Wilmanns und sein Mitarbeiter Wilhelm Schneider fanden viel später und nach endlosen Versuchen die Lösung. Sie machten die Farbkomponenten dadurch diffusionsecht, daß sie ihnen, bildlich gesprochen, einen Schwanz anhängten, der sie daran hinderte, in die falsche Schicht zu wandern.

Das moderne, auf Rudolf Fischer zurückgehende Dreischichten verfahren hat drei lichtempfindliche Schichten. Die oberste Schicht ist für blaues Licht, die mittlere für grünes und blaues und die unterste für rotes und blaues Licht empfindlich.

Eine dünn gelbe Filterschicht nach der obersten Schicht verhindert, daß blaues Licht die beiden unteren Schichten erreicht. Bei der Belichtung zeichnet also jede Schicht nur die ihr zukommende Farbe auf.

Bei der Entwicklung ergibt sich in der obersten Schicht ein gelbes, in der mittleren ein magentafarbenes und in der untersten Schicht ein cyanfarbenes Bild. Nach dem Ausbleichen des restlichen Silbers in der Emulsion und des Gelbfilters zeigt sich ein Bild in allen Farben mit naturgetreuen Abstufungen.

Die Farbbildner (Kupplungskomponenten) waren beim „Agfacolor-Neu" (seit 1936) schon in den Schichten enthalten. Auf diese Weise war mit einem einheitlichen Entwickler auszukommen.

Beim Kodachrome-Film (ab 1935 als Schmalfilm 16mm, ab 1936 als Diafilm) befand sich die Kupplungskomponente dagegen im Entwickler. Deshalb waren mehrere getrennte Entwicklungsgänge erforderlich.

Um dieses Verfahren machten sich vor allem die amerikanischen Musiker und Fotoamateure Leopold Mannes und Leopold Godowsky verdient. Sowohl Agfa als auch Kodak produzierten zunächst nur Umkehr-(Dia-)Filme im Kleinbildformat.

1939 veröffentlichte Agfa die Technik des Negativ-Positiv-Verfahrens, die im Prinzip ebenso arbeitete wie das Umkehrverfahren. 1942 folgte Kodak mit einer eigenen Negativ-Positiv-Technik (Kodacolor). Nun war es auch möglich, farbige Papierabzüge und -Vergrößerungen herzustellen - eine Technik, die in Deutschland erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges populär wurde.
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In den bereits eingepflegten Ausgaben und Artikeln der Spezial-Zeitschrift Die Kino-Technik der Jahrgänge 1935 und folgende sind mehrere sehr ausführliche und fachlich hervorragende Abhandlungen der "reichsdeutschen" Wissenschaftler über die Entwicklung des "Farben-Films" mit allen Varianten von Kodak bis AGFA enthalten.

Beim Lesen dieser Artikel sollten Sie aber unbedingt beachten, daß diese Zeitschrift seit 1934 dem Reichspropaganda-Ministerium und damit direkt Josef Goebbels unterstand. Der damalige nationalsozialistische Sprachgebrauch ist für uns heutzutage sehr gewöhnungsbedürtig. Ab den Ausgaben 1938, als der 2. Welt-Krieg bereits beschlossen war, wird der Sprachgebrauch regelrecht heroisch und kämpferisch und die Artikel wurden immer länger und inhaltlich "dünner".
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