Die Inhalte / Artikel aus Jahrgang 7 - 1960 - geparkt
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Die Titel-Seite von Heft 5/6-1960 (Mai/Juni 1960)
"Die technische Einrichtung eines Auto-Kinos"
Anfang April 1960 wurde in Gravenbruch bei Frankfurt/M. das erste Auto-Kino Deutschlands in Betrieb genommen. Bei einem „Auto-Kino" handelt es sich bekanntlich um eine Film-Vorführungsanlage im Freien, in die man mit dem Auto hineinfahren („Drive-in") und vom Auto aus Filme betrachten kann. Die Fahrzeuge stehen dabei in einzelnen Reihen bogenförmig zur Bildwand, die wegen der großen Ausdehnung der Gesamtfläche ziemlich große Abmessungen haben muß.
Die Auto-Kino-Anlage in Gravenbruch umfaßt eine Gesamtfläche von 82.000 qm und kann bis zu 1.100 Fahrzeuge aufnehmen. Die auf einem stabilen Eisengerüst montierte und aus weiß gestrichenen Eternitplatten bestehende Bildwandfläche ist 36m breit und 15m hoch. Zur Ausleuchtung dieser gewaltigen Fläche werden Universal-Projektoren BAUER U2 mit Hochleistungslampe BAUER HI 170 verwendet, die mit 170 A betrieben wird. Die Projektionsentfernung beträgt 95m; der Abstand der letzten Aufstellungsreihe für Zuschauerwagen von der Bildwand ca. 200m.
Damit von allen Plätzen gute Sicht ist, stehen die Fahrzeuge auf einer schwachen Bodenwelle. Außerdem liegt die Bildwand-Unterkante 7m über dem Erdboden.
Die Tonübertragung
Die Tonübertragung erfolgt nicht durch Großlautsprecher, sondern über insgesamt 600 Lautsprechersäulen, die mit je zwei angehängten Wagen-Lautsprechern ausgerüstet sind. Während der Filmvorführung werden diese - mit einer flexiblenAnschlußschnur versehenen - Lautsprecher in das Wagenfenster eingehängt. Die Lautstärke kann mit Hilfe eines Lautstärken"reglers" (nein = Lautstärkenstellers) an jedem Einzellautsprecher reguliert werden. -
Die gesamte Wiedergabe- und Projektions-Einrichtung ist in einem kleinen Gebäude untergebracht, das sich etwa in der Mitte des Platzes befindet. Es enthält eine Hochspannungsstation mit einer Leistung von 450 kVA, in der die ankommende Hochspannung von 4000 V aus dem Überlandnetz auf Drehstrom 380/220 V umgeformt wird, ferner einen Schaltraum mit den erforderlichen Gleichrichtern und Verteilungstafeln und den eigentlichen Bildwerferraum, den die untenstehende Aufnahme in einer Fotomontage zeigt.
Der Technikraum
In der Mitte und auf der rechten Seite dieser Aufnahme sind die beiden BAUER U2-Projektoren mit der hinter den Projektoren aufgestellten Einrichtung für die Wasser-Umlaufkühlung zu sehen. Daneben die Verstärker-Anlage. Für die Versorgung der angeschlossenen insgesamt 1200 Einzellautsprecher wurde eine Klangfüm-EURODYN-Tonanlage mit Vorverstärkergestell und einem Hauptverstärker für 3 X 100 W-Ausgleichsleistung aufgestellt. Da die Tonwiedergabe von Filmen mit mehrkanalig er Magnetton-Aufzeichnung nur einkanalig erfolgen kann, werden die Tonkanäle durch Parallel- bzw. Serienschaltung der Einzelspulen der Magnetköpfe so zusammengefaßt, daß ihre Impedanz einen für die Vorverstärker günstigen Wert erhält.
Es können Filme aller Verfahren bis zum 70mm-Film vorgeführt werden. Für die Projektion von Werbe-Dias wurde ein getrennter Dia-Projektor aufgestellt. Die Wiedergabe von Schallplatten erfolgt über einen Einschub-Plattenspieler im Hauptverstärker.
Rückschau auf die Deutsche Industriemesse (Mai/Juni 1960)
In unserem Vorbericht über die Deutsche Industrie-Messe Hannover in FV 4/1960 wiesen wir bereits darauf hin, daß die im Herbst dieses Jahres in Köln stattfindende photokina unsere Fachindustrie veranlassen würde, kinotechnische Neuerungen bis zu diesem Zeitpunkt aufzusparen. Diese Vermutung hat sich - bis auf wenige Ausnahmen - bestätigt.
Davon abgesehen war jedoch in Hannover wieder einmal Gelegenheit, einen umfassenden Überblick über die Fabrikationsprogramme unserer einschlägigen Industrie und die in der letzten Zeit auf den Markt gekommenen Neuerungen und Verbesserungen zu erhalten. Auch die Zubehör-Industrie bestätigte durch die Erweiterung ihrer Fabrikationsprogramme erneut, daß sie bestrebt ist, mit der kinotechnischen Entwicklung Schritt zu halten.
Bei der Überprüfung der Fabrikations- und Entwicklungsprogramme unserer kinotechnischen Industrie konnte man feststellen, daß sich heute zwei Schwerpunkte herausgebildet haben. Das ist einmal die Entwicklungstendenz zu Xenon-Einbausätzen für die Umstellung von Bogenlampenbetrieb auf Xenonbetrieb in vorhandenen Lampenhäusern und die Entwicklung von weiteren Universalprojektoren und dazugehörigen Tonanlagen für 35- und 70mm- Film. Durch die Xenon-Einbausätze ist nunmehr auch dem mittleren und kleinen Theater eine technische und finanziell durchführbare Möglichkeit gegeben, die Vorteile des Xenonbetriebes auszunutzen.
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Die letzte Rettung in einem sterbenden Markt
Die Aufstellung von Universalprojektoren für 35- und 70mm-Film gibt andererseits dem Theaterbesitzer die Möglichkeit, zukunftssicher zu disponieren, weil die Anlagen die Wiedergabe aller Verfahren vom Normalfilm mit Lichtton-Aufzeichnung bis zum 70mm-Film mit Sechs-Kanal- Magnetton-Aufzeichnung gewährleisten. Dabei spielt es keine ausschlaggebende Rolle, daß vorläufig das Angebot an 70mm-Filmen in deutscher Version noch verhältnismäßig gering ist, so daß diese Anlagen zunächst noch nicht voll ausgenutzt werden können.
Welchen Wert die kinotechnische Industrie auf die Einführung solcher Universalprojektoren in den deutschen Theatern legt, zeigt die Tatsache, daß bereits drei unserer Fachfirmen solche Projektoren auf den Markt gebracht haben, und daß neuerdings auch zwei italienische Firmen beginnen, den deutschen Markt mit Universalprojektoren zu beliefern.
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Preiswerte Einbausätze für Xenon-Betrieb
Die Verwendung von Xenonkolben als Lichtquelle für die Kinoprojektion nimmt einen immer stärkeren Umfang an. Die Hauptgründe hierfür liegen darin, daß der Xenonbetrieb viel Sicherheit bietet, sehr wirtschaftlich ist, und infolge der ständigen Verbesserung der Kolbenfertigung bei OSRAM die Belastung der Xenonkolben in letzter Zeit weiter gesteigert werden konnte.
So ist es heute möglich, den 1000W-Xenonkolben bis zu 50 A zu belasten und den 2000W-Kolben bis 75 A, was in beiden Fällen einer Steigerung der Lichtleistung von etwa 10% gegenüber den bisherigen Ausführungen entspricht. Man ist daher heute in der Lage, mit Xenonlampen praktisch alle Bildgrößen auszuleuchten, die in den Filmtheatern vorhanden sind.
Bekanntlich begann die Verwendung von Xenonkolben für die Kinoprojektion in der Weise, daß man zunächst lediglich den Kolben an Stelle der bis dahin verwendeten Kinokohlen einsetzte. Es zeigte sich jedoch bald, daß der leuchtende Xenonkolben andere physikalische und technische Eigenschaften hat als der Beckbogen, und daß man optische Hilfsmittel anwenden muß, um das vom Xenonkolben als Rundstrahler abgestrahlte Licht möglichst vollständig ausnutzen zu können. Das führte in der weiteren Entwicklung zu Xenon-Lampen mit Hauptspiegel und Hilfslinse sowie mit organisch-eingebautem Zündgerät.
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Zeiss Ikon-XENOBLOCK eingebaut in das Lampenhaus der MAGNASOL IV 2. Die drei biegsamen Wellen für die Einstellung des Hauptspiegels sind nach rechts durch die Lampenhaus-Rückwand herausgeführt
(Werkfofo: Zeiss Ikon)
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Die Umstellung auf Xenonbetrieb muß erschwinglich sein
Die Umstellung vom früheren Bogenlampenbetrieb auf Xenonbetrieb erforderte also in jedem Fall die Beschaffung eines neuen Lampenhauses. Das Bestreben, auch dem weniger finanzkräftigen Filmtheater die Möglichkeit zu geben, die Vorteile des Xenonbetriebes mit weniger finanziellem Aufwand ausnutzen zu können, führte dazu, besondere Xenon-Einbausätze zu entwickeln, die fast die gleiche gute Lichtausbeute wie die Xenonlampen erreichen und in vorhandene Lampen-häuser eingebaut werden können, sofern diese über einen genügend großen Innenraum verfügen.
Diese Entwicklungstendenz wurde von einer Reihe unserer Fachfirmen mit Erfolg durchgeführt und hat damit der weiteren Einführung des Xenonbetriebes die Wege geebnet. Obwohl die bisher auf den Markt gekommenen Xenon-Einbausätze schon in früheren Ausgaben des FV beschrieben wurden, sollen nachstehend nochmals die wesentlichsten Eigenschaften der einzelnen Fabrikate kurz zusammengefaßt werden.
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- Anmerkung ; Das heißt, wir machen wieder ein Bißchen Werbung für unsere Inserenten.
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ASKANIA-Reflektoreinheit
Zur Umrüstung von Kohlelampen auf Xenonbetrieb liefert Askania eine Xenon-Reflektoreinheit, die aus dem Unterbau, dem Hauptspiegel und dem Hilfsspiegel, der Halterung für den Xenonkolben, einem Ventilator, dem Zündgerät sowie der Verkabelung und dem Schaltzubehör besteht.
Der Hauptspiegel ist ein geteilter Kaltlichtspiegel von 356 mm und kann - wie der Hilfsspiegel - dreifach (in der Höhe, seitlich und in der Richtung der optischen Achse) bei geschlossener Lampe eingestellt werden. Das Zündgerät bildet eine besondere Baueinheit und wird im hinteren Teil des Lampenhauses eingebaut. Die bisher am Lampenhaus angebrachten Schaltelemente (BOigenlampenschalter und Überblendungseinrichtung) bleiben auch nach dem Einbau der Reflektoreinheit dn Funktion.
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FH-Universal-Xenon-Einbausatz
Der Universal-Xenon-Einbausatz von Frieseke & Hoepfner ist ein Bestandteil aller FH-Xenon-Lampenhäuser und läßt sich auch nachträglich in vorhandene FH-Lampenhäuser einbauen. Die Konstruktion des FH-Universal-Xenon-Einbausatzes unterscheidet sich wesentlich von den Xenonlampen anderer Fabrikate durch die Anordnung des Xenonkolbens und durch die Verwendung eines Kaltlicht-Planspiegels, der unter 45° eingebaut ist.
Der gesamte Lichtstrom des Xenonkolbens wird durch einen senkrecht im Lampenhaus angeordneten Hohlspiegel erfaßt, der den Xenonkolben vollkommen umgibt und Hilfsspiegel oder Kondensor überflüssig macht.
Der Kaltlicht-Planspiegel ermöglicht eine verlustlose Trennung von Licht und Wärme, so daß nur die sichtbaren Lichtstrahlen auf das Bildfenster gelangen. Das FH-Universal-Xenon-Lampenhaus kann für Projektoren aller Fabrikate verwendet werden.
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Filmbahnführung und doppelt verzahnte Rollen am Universalprojektor FH 35/70 von Frieseke & Hoepfner (Werkfoto: Frieseke & Hoepfner)
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Xenon-Einbaublock von HASSO
Der von der Fa. HASSO Rudolf Sonhüter, München, entwickelte HASSO-Xenon-Einbaublock ist als Baueinheit konstruiert und besteht aus dem Hauptspiegel, dem Hilfsspiegel, dem angebauten Zündgerät und den verstellbaren Halterungen für die optischen Teile und für die Kolbenhalterung. Diese Teile sind anf einer Bodenplatte montiert und mit den vorgeschriebenen Schutzeinrichtungen gegen unbeabsichtigte Berührung der Hochspannung führenden Teile geschützt.
Der Hauptspiegel ist ein Spezialspiegel mit verquarztem Oberflächenbelag, der aus einer Aluminiumlegierung besteht. Das eingebaute Zündgerät ist für Xenonkolben XBO 1001 und 2001 geeignet. Für den Xenonbogen und das Hilfsspiegelbild ist eine optische Kontrolle vorgesehen. Der HASSO-Xenon-Einbaublock kann in Lampenhäuser aller Fabrikate eingesetzt werden, die einen genügend großen Innenraum besitzen. Die Verstellung von Haupt- und Hilfsspiegel erfolgt von außen bei geschlossenem Lampenhaus.
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Zeiss Ikon-Xenoblock
Die Zeiss Ikon AG, Werk Kiel, die auf dem Gebiet des Xenonbetriebes für die Kinoprojektion die längste praktische Erfahrung besitzt - er wurde von Zeiss Ikon im Jahre 1954 erstmalig im Filmtheater eingeführt -, hat für die Umstellung vorhandener Kohlebogen-Anlagen auf Xenonbetrieb den Zeiss Ikon-XENOBLOCK entwickelt, der sowohl in vorhandene Zeiss Ikon-Lampenhäuser IKOSOL und MAGNASOL, als auch in Lampenhäuser fremden Fabrikates eingebaut wenden kann.
Er umfaßt den Hauptspiegelbalter, den Hilfsspiegelhalter, das angebaute Zündgerät mit Funkenstrecke, 1 Satz Kabel zwischen Zündgerät und Kolbenhalter, den Hauptspieigel von 356 mm, den Hilfsspiegel mit 98 mm d), eine Bogen-Beobachtungsscheibe, den Zündknopf, 1 Mikroschalter und die seitliche Abdeckleiste mit den Löchern für die Befestigung der Hilfsspieigel-Verstellung und des Zündknopfes.
Der XENO-BLOCK bildet eine geschlossene Einheit und kann unter Benutzung vorhandener Löcher in dem jeweiligen Lampenhaus befestigt werden. Für den Einbau in Lampenhäuser fremden Fabrikateis werden besondere Adapterplatten geliefert. Die Einstellung von Haupt- und Hilfeispiegel erfolgt über je 3 biegsame Wellen, die für den Hilfsspiegel durch die seitliche Abdeck-leiste auf der Bedienungsseite, für den Hauptspiegel nach hinten herausgeführt sind, so daß die Einstellung bei geschlossenem Lampenhaus von außen vorgenommen werden kann.
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Sonstige kinotechnische Neuerungen
Zu den Neuentwicklungen der letzten Zeit, die in Hannover erstmals öffentlich gezeigt wurden, gehören u. a. ein Lichtton-Kinoverstärker M2 von Philips, der Universalprojektor von Frieseke & Hoepfner, die Vier/Sechs-Kanal- Stereophonie-Anlage von Klanigfilm, die BAUER-Hochleistungslampe HI90 und der Groß-Dia-Projektor von Zeiss Ikon. Über die Stereophonie-Anlage von Klangfilm und die Bauer-Lampe HI 90 wird an anderer Stelle gesondert berichtet.
Philips-Kinoverstärker M 2
Der Kinoverstärker M 2, Type EL 5341, von Phiiliips ist für Lichtton-Wiedergabe eingerichtet und für kleine und mittlere Filmtheater vorgesehen. Die Vorstufe dieses Verstärkers ist mit Transistoren bestückt, die bekanntlich eine hohe Lebensdauer besitzen und wenig Platz beanspruchen, während die Endstufe in üblicher Weise mit Verstärkerröhren ausgestattet ist. Es werden hierfür verwendet die ECC 83 als Phasenumkehrröhre und zwei PL 36 als Gegentakt-Endstufe. Die PL 36 ist eine Leistunigspentode von solider Konstruktion, die es ermöglicht, daß in der Endstufe des Verstärkers M 2 die Anodenspannung kaum ein Drittel des zulässigen Nennwertes beträgt und auf diese Weise eine große Zuverlässigkeit erzielt wird.
Für die Speisung der Tonlampe wird eine als Hochfrequenz-Generator geschaltete Röhre PL 36 benutzt, wodurch eine ebenso brummfreie Wiedergabe wie mit Gleichstrom-Speisung erreicht wird. Der komplette Verstärker-Einschub wird mittels zweier, sich selbst zentrierender Steckerleisten mit db Verdrahtung des Verstärkerschrankes verbunden und kann leicht gegen einen Reserve-Einschub ausgetauscht werden. Trotz seiner kleinen Abmessungen besitzt der M 2 eine Ausgangsleistung, die für Säle bis zu 1500 Plätzen (ausreicht; er hat dabei noch eine Reserve von 20 dB, so daß er bei normalen Tonspuren bereits die volle Ausgangsleistung liefert, wenn der Lautstärkeregler nur halb geöffnet ist. Der Frequenzgang ist kontinuierlich regelbar und läßt sich leicht an die akustischen Eigenschaften des Zuschauerraumes anpassen.
Wird getrennte Hoch- und Tiefton- Wiedergabe gewünscht, wird eine elektrische Weiche eingebaut, die mit einer (Schalteinrichtung zur gegenseitigen Anpassung von Höhen und Tiefen versehen ist. Sämtliche Bedienungsorgane sind bequem zugänglich und auf einem Bedienungsfeld vereinigt und auch bei geschlossener Tür des Verstärkergestells bedienbar. Wahlschalter für Film, Mikrofon, Gong und Plattenspieler, sowie Lautstärkeregler und Höhen- und Tiefenregler sind dort ebenfalls untergebracht. Infolge seiner geringen Abmessungen kann der Verstärker M 2 im Bedarfsfall auch zwischen den Projektoren an der Kabinen-Vorderwand montiert werden.
FH-Universal-Projektor
Zu den weiteren Neuerungen, die in Hannover gezeigt wurden, gehört der Universalprojektor von Frieseke & Hoepfner für die Wiedergabe von 35-und 70mm-Flllmen, über den in FV 4/1960 schon kurz berichtet wurde. Dieser Projektor dient - wie auch die übrigen auf dem Markt befindlichen Universalprojektoren - zur Vorführung aller zur Zeit bekannten Bildformate von 35 bis 70mm Breite, wobei der Formatwechsel bei laufender Maschine vorgenommen werden kann und die Umstellung auf eines der beiden Formate in wenigen Minuten möglich ist.
Eine neuartige, lastabhängige Aufwickelfriktion mit Direktantrieb sorgt für einwandfreie Aufwicklung bei 35mm Film bis zu einer Länge von 1.600m und ohne Umstellung bei 70mm-Film bis 900 m. Der Filmzug kann von außen eingestellt werden. Ein polumschaltbarer Antriebsniiotor ermöglicht die Umstellung von 24 auf 30 Bilder/Sek. und arbeitet mit einem Synchroflex-Zahnriemen. Die obere Feuerschutztronimel ist so konstruiert, daß die Türscharniere, unabhängig von der Neigung des Projektors, stets eine senkrechte Lage haben. Für einwandfreien Filmablauf sorgt eine einstellbare Ablauffriktion.
Die Zahn- und Laufrollen sind für 35- und 70mm-Filme ausgelegt; die zugehörigen Andruckrollensätze können mit Hilfe von Rastfedern schnell gewechselt werden. Eingebaute Schwinghebel sorgen für die Regulierung des Filmzuges aus der oberen Trommel und zur Aufwickelfriktion, so daß Direktstart möglich ist. Die Filmschleifen werden bei der Bedienung der Bildstrichverstellung nicht verändert.
Eine Kegelblende aus zunderfestem Stahl ermöglicht eine gute Lichtausbeute. Zur Filmkühlung wird ein Gebläse benutzt, dessen Motor gleichzeitig als Antrieb für den Kohlennachschub dient. Zur Konstanthaltung der Projektordrehzahl bei 24 und 30 Bildern/Sek. dient ein besonderer Stützmotor; der Projektorkopf besitzt eine zusätzliche Wasserkühlung. Der Objektivhalter dient zur Aufnahme von Objektiven bis zu einem Durchmesser von 101,6 mm und ermöglicht schnellen Objektivwechsel mit sofortiger Bildschärfe bei jedem Format-wechsel.
Die Filmführungen für 35-und 70-mm-Film sind getrennte, fertige Baugruppen, die mit Hilfe von Führungsstiften beim Wechsel genauen Paßsitz erhalten. Im Gegenstück des Objektivträgers werden Gleitbänder eingesetzt, die mit Hilfe eines Druckknopfes für den richtigen Filmandruck auf der gewölbten Filmbahnführung bei beiden Formaten sorgen. Das Lampenhaus ist mit einer Hochleistungslampe mit Kaltlichtspiegel von 540 mm ausgerüstet und besitzt Schnellzündung. Sie kann bis 150 A belastet werden und hat Kohlenhalter für jede Kohlenstärke bis zu dieser Belastungsgrenze. Die Beobachtung des Knater-bildes erfolgt auf einer Mattscheibe an der Lampenhaustür, wo sich auch eine Ausleuchtungskontrolle des Bildfensters mit Fadenkreuz befindet. Eine Wasserkühlung sorgt für gute Ableitung der Wärme aus dem Lampenhaus. Der Formatwechisel am Bildfenster erfolgt durch entsprechend markierte Bildfensterschieber.
Der Tonteil des FH-Universalprojektors besteht aus dem organisch eingebauten Lichttongerät mit makroskopischer Abbildung und dem kombinierten Vier-/Sechs-Kanal-Magnettongerät mit auswechselbaren Magnetköpfen. Die Gummiandruckrollen am Tongerät sind, wie die übrigen Andruckrollen, schnell auswechselbar. Der Anschluß des Magnettongerätes erfolgt mit Hilfe von Tuchelsteckern. Sämtliche Bedienungsorgane werden durch Drucktasten gesteuert, wobei die Motortaste wahlweise den regulierbaren Langsamlauf mit nachfolgendem Halt oder Durchstart betätigt, die „Aus"-Taste jeweils die laufende Maschine abschaltet und der Hauptschalter beide Maschinen stillsetzt. Die Überblendungstaste steuert Bild und Ton bei Lichtton-und Magnetton-Wiedergabe. Im übrigen ist die Steuerschaltung so ausgelegt, daß die Universalprojektoren fernbedient oder an eine automatische Vorführanlage angeschlossen werden können.
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Groß-Dia-Projektor von Zeiss Ikon
Für die Dia-Projektion auf große Bildwandflächen und für Durch- und Hintergrund-Projektion wurde von Zeiss Ikon ein Groß-Dia-Projektor geschaffen, der in Hannover als Neuerung gezeigt wurde. Da die bisherige Erfahrung gezeigt hat, daß für solche Zwecke eine einwandfreie Projektion mit Kohlebogenlampen nicht möglich ist, wird für diesen Dia-Projektor als Lichtquelle eine XENOSOL-Lampe benutzt, die das erforderliche gleichmäßige und strahlend weiße Licht abgibt und in ihrer Bedienung wesentlich einfacher ist, als eine Kohlebogenlampe.
Der Groß-Dia-Projektor von Zeiss Ikon kann für mehrere Diaformate bis 8,5 x 10cm - auch im wechselweisen Betrieb mit Dias von 8,5 x 8,5cm - benutzt werden. Die Anpassung an die verschiedenen Formate erfolgt durch Streulinsen in Verbindung mit dem Wabenkondensor. Bei voller Ausnutzung der Fläche des 8,5 x 10cm- Dias und bei rechteckiger Nutzungsfläche des 8,5 x 8,5cm-Dias beträgt die Lichtleistung des Diaprojektors etwa 10.000 Lumen; bei Ausnutzung kleinerer Ausschnitte liegt diese etwa zwischen 7000 und 10 000 Lumen.
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Kennlinien des JOVY-Xenon-Gleichrichters Type XENOGA - K, der für Reinkohlen, HI-Kohlen und Xenonlampen verwendbar ist. (Zeichnung: Dr.-Ing. Jovy)
Kino-Gleichrichter
Auf dem Gebiet der Kino-Gleichrichter waren ebenfalls einige Neuerungen festzustellen. Die Fa. Dr.-Ing. Jovy zeigte u. a. einen JOVY-Silizium-Kinogleichrichter ARCOLETTE, der für Reinkohlenlampen bis 30 A ausgelegt ist. Mit Hilfe von Stufendrosseln und einem Vierstufen-Schalter für 15, 20, 25 und 30 A kann der Betriebsstrom verlustlos eingeregelt werden. Der Gleichrichter ARCOLETTE ist bestimmt für kleine Filmtheater, Bordkinos, Dia- und Schmalfilm-Projektion und ähnliche Verwendungszwecke. Infolge der verlustlosen Vorwahl der Bogenlampen^Stromstärke erübrigt sich die Verwendung von Beruhigungswiderständen; außerdem entsteht geringe Wärmeentwicklung und die Betriebskosten werden niedrig gehalten.
Lichtsteuergerät für Leuchtstoffröhren
Eine weitere praktische Neuerung für den Vorführbetrieb zeigte Dr.-Ing. Jovy mit der Lichtsteuer-Vorschalt-Drossel für die Verdunkelung von Leuchtstoffröhren. Kombiniert mit einem Heiztransformator für den starterlosen Betrieb einer Leuchtstoffröhre kann mit dieser Einrichtung die Lichthelligkeit von praktisch Dunkel bis auf den vollen Lichtwert stufenlos und flackerfrei gesteuert werden.
An einer Modellanlage mit 3 Leuchtstoffröhren, die auf die 3 Phasen eines Drehstromnetzes verteilt angeschlossen waren und von einem Erreger-Gleichrichter in ihrer Helligkeit gesteuert wurden, konnte die Funktion einer solchen Einrichtung überzeugend demonstriert werden.
Diese Lichtsteuer-Vorschaltdrosseln werden für die Leuchtstoffröhren-Typen 25, 40 und 65 W hergestellt. Die dazu erforderlichen Gleichrichter zur Lieferung des Vormagnetisierungsstromes für die Lichtsteuerdrosseln werden je nach Anzahl der zu steuernden Leuchtstoffröhren gewählt. Da die Lichtsteuer-Vorschaltdrossel eine Konstantstrom-Kennline aufweist, ist ein Kurzschluß im Lampenkreis ungefährlich. Außerdem besteht die Möglichkeit, bei Konstanthaltung des Erregerstromes den Lampenstrom der Leuchtstoffröhre unabhängig von Netzspannungsschwankungen auf dem eingestellten Wert konstant zu halten.
Philips Kurzbogen-Xenon-Lampe
Mit einer überraschenden Neuerung wartete Philips auf, die auf ihrem Lampenstand in Halle 11 eine Kurzbogen-Xenon-Lampe Type CSX erstmals der Öffentlichkeit vorstellten. Es handelt sich bei dieser Type um eine elektroden-stabilisnerte Entladungslampe mit Xenonfüllung, die durch relativ hohen Druck, hohe Stromdichte und geringen Bogenabstand einen kleinen Lichtbogen in den Abmessungen 2-4mm mit hoher Leuchtdichte (ca. 50.000 sb) und einem tageslichtähnlichen Spektrum mit einer Farbtemperatur von 6300° erzeugt.
Nach den Angaben von Philips sind dem kontinuierlichen Spektrum im sichtbaren Bereich nur wenige Linien bzw. Bandgruppen überlagert, die sich wenig bemerkbar machen. Im Infrarot-Bereich besitzen die CSX-Lampen zwei ausgeprägte Intensitätsmaxima. Der Quarzglaskoliben der CSX-Lampe läßt einen 'merklichen Anteil an UV-iStrah-lung mach äußern treten. Die CSX-Xenonlampe von Philips wird für 150, 450, 900 und 1600 W hergestellt. Die Type CSX 150 W kann mit Wechsel- oder Gleichstrom betrieben werden; die anderen Typen nur mit Gleichstrom. Die Zündung erfolgt mit besonderen Hochspannungs-Zündgeräten.
Die Type CSX 150 W, die für kleine optische Geräte und für Farbabmusterung bestimmt ist, besitzt einen Gewinde-Stiftsockel, während die übrigem Typen mit Prefokus-Stiftsockel ausgerüstet sind, um das Nachjustieren zu ersparen. Die Abmessungen dieser neuen Philips-Xenonlampen sind praktisch die gleichen, wie die entsprechendem OSRAM-Xemomkolben, so daß ein Austausch möglich ist. Abschließend sei noch darauf hingewiesen, daß die einschlägigen Firmen der Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen verschiedene Neuerungen in Hannover zeigten, die auch für das Lichtspieltheater Bedeutung haben und je nach ihrer Ausführung den örtlichen Verhältnissen angepaßt werden könnn.
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Hochleistungslampe HI 90 von Bauer
Zu den kinotechnischen Neuerungen, welche auf der Deutschen Industriemesse in Hannover zu sehen waren, gehörte u. a. eine Hochleistungslampe HI 90 von Kino-Bauer, die im Zuge einer wirtschaftlichen Typenbeschränkung geschaffen wurde, und die bisherigen Bauer-Lampen HI 75 B und HI 110 ersetzen soll.
Der Anlaß für diese Neuentwicklung war einerseits die Tatsache, daß es jetzt gelungen ist, dem Belastungsbereich für den Xenonkolben XBO 2001 auf 75 A zu erhöhen und auf diese Weise Bildwände einwandfrei auszuleuchten, deren Abmessungen bisher dem Arbeitsbereich der HI75 B vorbehalten waren, und daß andererseits für die Ausleuchtung großer und größter Bildwände die neue Hoehstromlampe Bauer HI 170 zur Verfügung steht. Die dazwischen liegende Lücke soll nunmehr durch die Bauer HI 90 geschlossen werden, die bis etwa 95 A belastet werden kann. Da der Preis der neuen Lampe dem der bisherigem HI 75 B entspricht, ergibt sich außerdem durch die Beschaffung dieser neuen Lichtquelle ein wirtschaftlicher Vorteil.
Technische Einzelheiten der HI 90
Abgesehen von der Steigerung der Lichtleistung infolge der höheren Belastbarkeit besitzt die neue HI 90 noch eine Reihe weiterer Vorteile. Das Dach des Lampenhauses ist als Gußstück aufgesetzt und gestattet dadurch einem besserem Abzug der erwärmtem Luft aus dem Lampenhaus. Der Strommesser und die Schalter für den Kohlennachschubmotor sind im die Lampenhausrückwand - nach hinten herausgezogen - eingebaut und mittels einer besonderen Belüftung gegen Erwärmung geschützt. Die Kohlenstütze für die Positivkohle ist mit Keramikführungsrollen im gleicher Weise wie bei der HI 110 ausgestattet. Hierdurch wird ein leichtes Gleiten der Positivkohle und ein einwandfreier Kohlennachschub ermöglicht. Im Betrieb wird die Lampe so einreguliert, daß der leuchtende Krater über der hinterem Spitze der Kohlenstütze steht.
Sofern keine Leuchtfeldlinse verwendet wird, ergibt sich bei dieser Einstellung die richtige Ausleuchtung. Werden hingegen sog. „positive Leuchtfieldlinsen" bemutzt, so muß der Krater im Richtung zum Spiegel verschoben werden; bei Verwendung von „negativen Leuchtfeldlinsen" im Projektionsrichtung, um in jedem Falle eine einwandfreie Lichtfarbe zu erhalten. Es muß jedoch unbedingt verhindert werden, daß der Krater zu dicht an den Keramikrollen liegt, weil diese durch die dann auftretende starke Hitze zerstört werden.
Zum Schutz des Spiegels gegen herab tropfende Kupfer- oder Kohlenteilchen, wird in die Haltestange der positiven Kohlenstütze ein Schutzblech eingehängt; die abtropfenden Teile werden in einer Schale gesammelt. Einem Wunsch aus den Kreisen der Vorführer nachkommend, wurde die HI 90 mit einer Innenbeleuchtung ausgestattet, die an das 220-Volt-Netz angeschlossen ist.
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Stereophonie-Anlage für 2 bis 6-kanal Magnetton (1960)
Die moderne Wiedergabetechnik im Filmtheater beschränkt sich nicht mehr auf Normalfilm-, Breitwand- und CinemaScope-Projektion mit 35mm breiten Filmen, sondern hat sich in jüngster Zeit auch des 70mm-Films bemächtigt. Für die Bildwiedergabe stehen zu diesem Zweck Universalprojektoren für 35- und 70mm- Film zur Verfügung, die zur Erhöhung der Ausnutzungsmöglichkeiten je mit einem Lichttongerät und einem kombinierten Magnettongerät für Vier- und Sechskanalmagnetton ausgestattet sind.
Eine Projektionsanlage dieser Art ist der Universalprojektor Bauer U2, für den von Klangfilm eine Stereophonieanlage für sechs und vier Kanäle entwickelt wurde. Mit dieser Anlage können sowohl 35mm-Filme der vorbezeichne-ten Art mit Lichtton- oder Vierkanal- Magnettonaufzeichnung, als auch 70mm-Filme mit Sechskanal- Magnettonaufzeichnung wiedergegeben werden.
Die technischen Einzelheiten der Film-Tonanlage
Für die Abtastung der vier- und sechs-kanaligen Tonspuren steht das Klangfilm-Magnettongerät „Stereodyn T" zur Verfügung, das für den Anbau an den Bauer U2 konstruiert wurde und sich in das Projektorwerk organisch einfügt. Wie bei dem bisherigen Klangfilm-Vierkanal-Stereodyngerät wird auch hier eine Stabilisierungseinrichtung mit Bremsrolle vor der Abtaststelle, sowie mit Führung des Filmes über Schwungbahnen und Filterrolle vorgesehen, die an einem Pendelhebel befestigt ist.
Dieser Pendelhebel wird durch eine Feder gespannt und ist mit einem Luftdämpfer gekuppelt, dessen Aufgabe es ist, Schwingungen der Pendelrolle aperiodisch, d. h. mit schnell abnehmender Schwungszahl, abklingen zu lassen. Für die Abtastung der Vier- und Sechskanal- Magnettonaufzeichnungen werden bei dem Stereodyn T- Gerät getrennte Magnetköpfe benutzt, im Gegensatz zu anderen Fabrikaten, die Magnettongeräte mit insgesamt 10 Köpfen für diese Zwecke verwenden.
Bild
Kombiniertes Abtastgerät für sechspurige 70-mm- und vierpurige 35-mm- Magnettonfnme, eingebaut in den Universalprojektor BAUER U 2 (Werkfoto: Klangfilm/Bauer)
Die von Klangfilm angewendete Trennung der Abtastsysteme wurde in der Erkenntnis gewählt, daß vorläufig die Häufigkeit der Wiedergabe von Filmen mit Vierkanalaufzeichnungen bedeutend größer sein dürfte als die von Sechskanalfilmen, so daß damit zu rechnen ist, daß die Blechpakete der Abtastspulen für Vierkanal sich schneller abnutzen als die für Sechskanal. Die getrennten Magnetköpfe des Magnettongeräts Stereodyn T haben Steckanschlüsse und sind so vor justiert, daß «ich nach dem Anziehen der Befestigungsschrauben die richtige Lage der Abtastspalte zu den auf dem Film aufgezeichneten Tonspuren zwangsläufig ergibt.
Zur Fernhaltung magnetischer Störfelder sind die Spulen der Magnetköpfe mit Mu-Metall umschlossen (Anmerkung : Welcher Filmvorführer wußte damals, was MU-Metall ist.) und zusätzlich mit einer gemeinsamen Haube aus Mu-Metall für beide Tonköpfe umgeben. Die Abtastung der Magnetspuren erfolgt zwischen Schwungbahnen, die so angeordnet sind, daß eine der beiden Filmsorten zwei Schwungbahnen umschlingt, die andere drei.
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Der Antrieb
Der Antrieb des Films erfolgt im Magnettongerät durch eine Zahnrolle, die über eine senkrechte Welle vom Projektorwerk aus angetrieben wird und den Film aus der oberen Trommel des Projektors herauszieht. Die unter dem Magnettongerät angeordnete Vorwickelrolle zieht den Film durch das Abtastgerät. Zwischen dieser Transportrolle und der Bremsrolle des Magnettongerätes bildet der laufende Film eine Schleife, um auftretende Stöße auszugleichen, die beim Ablaufen von der Zahnrolle auftreten können.
Die für den Betrieb richtige Größe dieser Schleife stellt sich während des Laufens des Projektors selbsttätig ein. Da die Zähne der Transportrollen bei längerem Gebrauch einem Verschleiß unterworfen sind und sich demgemäß bei der Wiedergabe von 35- und 70mm- Filmen unterschiedlich abnutzen, wurde auch hier - wie bei den Magnetköpfen - eine Unterteilung in der Weise vorgenommen, daß für 35-und 70mm-Film auswechselbare Transportrollen zur Verfügung stehen, deren Austausch gegeneinander bequem und schnell möglich ist, indem lediglich eine Innensechskantschraube gelockert wird. Nach dem Abziehen der Rolle wird die für das Auswechseln vorgesehene Rolle auf die Achse gesteckt und die Schraube wieder angezogen.
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Der Andruck des Films
Durch die Bremsung des laufenden Films vor den Schwungbahnen des Abtastgerätes und durch den auf die Pendelrolle wirkenden Federzug entsteht eine Spannung, die dafür sorgt, daß der Andruck des Films gegen die Schwungbahnen vergrößert wird.
Hierdurch wird eine sehr gute Laufkonstanz an der Abtaststelle im Magnettongerät erreicht. Die Bremsung des Films erfolgt durch eine Gummirolle, die den Film gegen eine Metallrolle mit entsprechend abgewogenem Schwungmoment drückt. Für 35- und 70mm-Film sind getrennte Gummirollen vorgesehen, die in einem Hebelsystem so gelagert sind, daß die jeder Filmbreite entsprechende Gummirolle gegen die Metallrolle geklappt werden kann.
Zum Filmeinlegen wird das Hebelsystem in die Mittellage gebracht. Die Konstruktion ist so getroffen, daß mit dem Hebelsystem Mikroschalter gekuppelt sind, die auf verschiedene Relais im Vorverstärkergestell wirken. Mit dem Anklappen der zugehörigen Gummirolle wird im Vorverstärkergestell der dem jeweiligen Filmformat und Tonsystem (Vier- oder Sechskanalaiufzeichnung) entsprechende Verstärkerzug eingeschaltet.
Das Lichttongerät
Das Lichttongerät ist an der üblichen Stelle am Projektorwerk angebaut und bildet mit diesem eine organische Einheit. Es ist für die Wiedergabe von normalen Lichttonfilmen eingerichtet und kann auch für die Abtastung von Lichttonfilmen verwendet werden, die - wie z. B. Perspecta Sound - nach einem Tonsteuerverfahren arbeiten.
Der Film wird über eine Tonbahn mit großer Schwungmasse geführt, die einen guten Tongleichlauf gewährleistet. Eine einstellbare Bremsrolle ermöglicht es, den Filmzug so zu steuern, daß bei guter Filmschonung alle Schwingungen, die durch die ruckweise Fortbewegung des Films entstehen, ausgesiebt werden. Zusätzlich können durch einen Doppelpendelhebel feinste Längsschwingungen, die durch Klebestellen oder Filme mit schadhafter Perforation entstehen können, unterbunden werden.
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Vorverstärkergestell VMT 90 der Klangfilm-Stereophonie-Anlage mit 24 Baueinheiten für Lichtton und Vier/Sechs-Kanal-Magnetton (Werkfoto: Siemens-Klangfilm)
Die Verstärkeranlage
Wie bei den sonstigen Klangfilm- Tonanlagen ist die Verstärkeranlage nach dem Gestellsystem aufgebaut. Sie ist verwendbar für Lichttonfilme und für Filme mit Vier- und Sechskanal-Magnettonaufzeichnung und besteht aus einem Vorverstärkergestell, zwei Hauptverstärkergestellen und einem Sechskanal-Saalregler.
Das Vorverstärkergestell umfaßt 24 Baueinheiten und benutzt für die Magnettonwiedergabe das Prinzip der sog. „Kopfüberblendung"; für Lichtton das der Überblendung hinter den Vorverstärkern. Es enthält zu diesem Zweck sechs Magnettonabtastverstärker, einen Schleusenverstärker und zwei Fotozellenverstärker in Kassettenform.
Für den Fall, daß mit drei Projektoren gearbeitet wird, ist der Einschubraum und die Verdrahtung für einen dritten Fotozellenverstärker vorgesehen. Die weitere Ausrüstung des Vorverstärkergestells der Stereophondeanlage von Klangfilm besteht aus einem Mikrofonvorverstärker und drei Schallplattenverstärkern. Auf diese Weise können sowohl einkanalige als auch Stereo-Schallplatten abgespielt werden.
Zur Speisung der Vorverstärker sind zwei Netzgeräte eingebaut; für ein drittes Netzgerät - als Reserve - ist der erforderliche Einschubraum vorhanden. In dem einen Hauptverstärkergestell sind u. a. die beiden Tonlampengleichrichter für die Lichttonwiedergabe im Überblendungsbetrieb mit zwei Projektoren untergebracht.
Für den Fall, daß ein dritter Projektor - für das Beiprogramm usw. - aufgestellt wird, ist im Vorverstärkergestell ein verdrahteter Leerraum vorgesehen. Das Hauptgerät des Vorverstärkergestells ist der Relaisüberblender. Zu diesem sind alle von den Magnettonabtastgeräten kommenden Leitungen geführt, sowie die Anschlüsse für den Gong und die Tonfrequenz- und Steuerleitungen aus den Ausgängen des Vorverstärkers.
Der Überblender
Der Überblender ist so geschaltet, daß drei Projektoren angeschlossen werden können. Das ergibt die Möglichkeit, daß bedarfsweise von Projektor 1 auf 2 oder von Projektor 2 auf 3 oder auch von 1 auf 3 und umgekehrt überblendet werden kann, ohne daß eine entsprechende Vorwahl mittels Handschalter vorgenommen werden muß.
In Verbindung mit der zwangsläufig richtigen Wahl der zuständigen Relais beim Filmeinleigen in das Magnettonabtastgerät (s. o.), ermöglicht diese Anordnung eine bedienungs sichere und technisch einwandfreie Überblendung. Der Vorführer braucht dabei, nach Inbetriebsetzung des für die Vorführung vorgesehenen Projektors, nur noch den Überblendknopf bzw. den Betätigungshebel zu betätigen. Ebenso wird auch das Zusammenarbeiten dieser Anlage mit einer Vorführautomatik leicht ermöglicht.
Zur Ausgleichung von Pegelunterschieden zwischen solchen Magnettonspuren, die auf den Eingang des gleichen Vorverstärkers überblendet werden, dienen Anzapfungen an den Spulen der Magnetköpfe, die mit einem vor den Abtastverstärker geschalteten Übertrager verbunden sind. Die Verbindung der einzelnen Kopfspulen mit der zugehörigen Anzapfung erfolgt durch Umsetzen eines Überbrückungssteckers.
Und bei Lichttonwiedergabe
Die Überblendung bei Lichttonwiedergabe wird hinter den zugehörigen Fotozellenverstärkern vorgenommen. Zu diesem Zweck ist jedem Lichttongerät ein Fotozellenverstärker und ein Tonlampengleichrichter zugeordnet. Der Tonlampengleichrichter ist gleichstromseitig fest mit seiner Tonlampe verbunden. Da seine Anschaltung an das Netz bereits vom Abtastgerät über ein Relais vorbereitet wird, wird er mit dem Anlassen des Projektormotors an das Netz gelegt. Er hat also die Tonlampe bereits aufgeheizt, wenn die Tonüberblendung gemeinsam mit der Bildüberblendung erfolgt.
Durch diese Maßnahme wird die Tonlampe hinsichtlich ihrer Lebensdauer geschont, da sie nur solange brennen muß, als sie betrieblich erforderlich ist. Die Aufschaltung der Ausgänge für Mikrofon- und Schallplattenverstärkung sowie des Gongs auf den Saalregler erfolgt ebenfalls durch Relais, und zwar durch zwei verschiedene Typen entsprechend den unterschiedlichen Schaltvorgängen. Beide Typen besitzen unverwechselbare Steckvorrichtungen; die Kontaktie sind durch transparente Kunststoffkappen gegen Verstaubung geschützt. Die Betätigung der Relais erfolgt entweder (durch den Überblendknopf des Projektors oder - wie beim Gong und den Plattenspielern - durch Drucktasten.
Auf der Frontplatte des Relaisüberblenders befindet sich eine Drucktaste, bei deren Betätigung alle Tonquellen durch Relais geschaltet werden. Für den Fall, daß ein Relais ausfallen sollte, kann die Überblendung auf die gewünschte Tonquelle auch durch Einzeltastendruck von Hand vorgenommen werden.
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Sechs Haupt-Verstärker je 36 Watt
Die beiden Hauptverstärkergestelle enthalten zusammen sechs Haupt-Verstärker mit einer Ausgangsleistung von je 36 Watt. Der für den Effektkanal vorgesehene Hauptverstärker hat demnach die gleiche Leistung wie die übrigen Verstärker und kann deshalb bei Ausfall eines der anderen Verstärker als Reserve benutzt werden.
Da bei den 70mm- Filmen mitunter dem Effektkanal, insbesondere bei Monumentalfilmen, eine erhöhte Bedeutung zukommt, ist im zweiten Hauptverstärkergestell ein Einbauraum mit vorbereiteter Verkabelung für einen siebenten Haiuptverstärker vorgesehen, der bedarfsweise an die Stelle eines anderen Hiauptverstärkers geschaltet werden kann.
Alle Hauptverstärker- Ein- und ausgänge sind in einem Drucktastenfeld zusammengeführt, mit dem die einzelnen Hauptverstärker mit Hilfe eines Aussteuerungsinstrumentes und des Kontroll-Lautsprechers überwacht werden können. Weitere Drucktasten dienen dazu, die Reserveumschaltung durchzuführen, wobei durch entsprechende Markierung und Lage der Drucktasten dafür gesorgt ist, daß keine Fehlschaltungen vorgenommen werden.
Ein Sechskanal-Lautstärkersteller
Für die Tonregelung wird ein Sechskanal-Lautstärkersteller benutzt, der entweder im Zuschauerraum oder im Bildwerferraum untergebracht wird. Er besitzt zwei Drehknöpfe, von denen der linke die Lautstärke der Lautsprecherkombinationen hinter der Bildwand gemeinsam regelt, während der rechte Drehknopf zur Regelung der Lautstärke des Effektkanalas dient. Beide Regelknöpfe sind mit einer Flutlichtskala umgeben, die von innen her beleuchtet wird. Die Skalenlampen werden aus dem Überblender des Vorverstärkergestells gespeist. Die linke Lampe brennt während der gesamten Einschaltdauer der Anlage; die rechte nur bei Magnettonabtastung.
Für die Tonwiedergabe im Zuschauerraum werden Lautsprecher- Kombiniationen der Klangfilm-Typenreihe benutzt. Für den Fall, daß in sehr großen Theatern einkanalige Darbietungen mit zwei Verstärkern übertragen werden sollen, wird als Mittenlautsprecher eine Doppelkombination benutzt, die bei einkanaligen Übertragungen mit zwei Verstärkern arbeitet. Soll mit der gleichen Anlage mehr-kanalig gearbeitet werden, so werden durch ein Zusatzrelais die Eingänge der beiden Lautsprecherkombinationen parallel geschaltet und die richtige Anpassung dieser Eingänge an den Ausgang des für den Mittenkanal verwendeten Hauptverstärkers durch einen mit dem Relais verbundenen Sparübertrager vorgenommen.
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Rückansicht des Relais-Überblenders der Klangfilm-Stereophonie-Anlage im Vorverstärkergestell VMT 90, Relaisplatine ausgeschwenkt (Werkfoto: Siemens-Klangfilm)
Hauptverstärkergestelle der Klangfilm-Stereophonie-Anlage. Links Typ GT 22 mit zwei Hauptverstärkern und Einbauraum für einen Reseve-verstärker, rechts Typ GT 40 mit vier Hauptverstärkern ('Werkfoto: Siemens-Klangfilm)
Laudatien : 40 Jahre Filmvorführer
Auf eine 40jährige berufliche Tätigkeit konnte am 1. Mai 1960 der Filmvorführer Erwin Sabetzki in Hildesheim zurückblicken. Nach einer beruflichem Ausbildung im Elektrohandwerk ist Herr Sabetzki seit 1920 als Vorführer in mehreren großen Lichtspieltheatern im Bereich Niedersachsen tätig gewesen. Von 1937 bis 1945 war er Zivil-Angestellter der Luftwaffe und wirkte zunächst als Lehrer der Filmvorführer-Lehrgänge und später als Leiter von Filmgruppen im Ausland.
Nach 1945 befaßte er sich mit der Montage und Installation wiedererbauter und neuer Filmtheater und ist seit 1950 als Vorführer in den THEGA-Lichtspielen in Hildesheim tätig. Er gehört damit zu den „alten Hasen", die den Film von der Stummfilmzeit bis zu seinem heutigen modernen technischen Stand mit verfolgen konnten und über reiche Erfahrungen verfügen. -Z-
Neue Vorhang-Anlagen von JOVO (Juni 1960)
Die Fa. JOVO-Apparatebau Johannes Voigt, Kiel, seit Jahren bekannt als Fachfirma für Vorhang- und Verdunkelungs-Anlagen sowie für Vorhang-Zugmaschinen, hat in letzter Zeit mehrere Neuerungen herausgebracht, die vor allem für mittlere und kleine Bühnenbreiten gedacht sind und sich durch einfache Konstruktion, geringe Einbautiefe und ruhigen Lauf auszeichnen. Im Zuge dieser Entwicklungen sind die Vorhang- und Verdunkelungs-Anlagen, Baumuster H, und die einbaufertigen Kleinzug- und Verdunkelungsanlagen, Baumuster EH, in zwei Ausführungen entstanden.
Anlage Baumuster H
Das Baumuster H ist die kleine Ausführung des von früher bekannten Baumusters E. Es unterscheidet sich von dem Baumuster E in erster Linie dadurch, daß die H-Schiene eine Einbautiefe von nur 60mm erfordert, gegenüber 120mm bei Baumuster E. Das Baumuster H verwendet leichte Tragschienen aus blank-gewalztem Profilmaterial in den Abmessungen 28 x 4,5mm, die nur in gerader Ausführung geliefert werden, während für rundverlaufende Vorhänge das Baumuster E benutzt werden muß.
Durch Einschieben von Kupplungsstücken können die Schienen zusammengesetzt und durch Spannschrauben fest aneinandergefügt werden. Auf der Rückseite der Schiene sind im Punktschweißverfahren Laschen zur Befestigung der Träger angebracht. Als Träger können verschiedene Ausführungen benutzt werden. Bei geräuschempfindlichen Decken oder in akustisch schlecht liegenden Räumen stehen Träger mit Gummilagerung zur Verfügung.
Da die Betriebssicherihjeit einer solchen Anlage zum überwiegenden Teil von der einwandfreien Funktion der Lauf- und Zugwagen abhängig ist, wurden auch bei dem Baumuster H keine gleitenden Wagen benutzt, die laufend geschmiert werden müssen, also einer gewissen Wartung bedürfen und außerdem relativ große Zugkräfte erfordern, sondern Spezial-Laufwagen, die nur auf der oberen Rolle laufen, während die untere Rolle erst dann in Funktion tritt, wenn der Wagen aus irgend einem Grunde aus seiner Senkrechtstellung gebracht wird.
Die zulässige Belastung je Wagen beträgt 0,5 kg. Mit Hilfe des mitgelieferten Gurtbandes, das der Schienenlänge entsprechend abgepaßt ist und in die Gurtlaschen gelegt und durch Anziehen der Schraube festgeklemmt wird, kann der Abstand der Wagen so eingestellt werden, daß der Vorhang lose zwischen den Wagen hängt und der Zug der Wagen nur durch das Gurtband erfolgt.
Hierdurch wird erreicht, daß die Wagen, ohne ihre senkrechte Lage zu verändern, gezogen werden, und daß der Vorhang den Wagenlauf nicht beeinflußt.
Zu jeder Anlage gehören ferner 1 Querrolle und 2 Eckrollen, die sintergelagert, d. h. mit Dauerschmierung versehen, sind und infolge ihres geschlossenen Aufbaues das Abgleiten des Zugseiles verhindern.
Das JOVO-Baumuster H eignet sich infolge seiner geringen Einbautiefe von nur 60mm besonders gut für Verdunkelungs-Vorhänge mit Abmessungen, die eine Belastung von 0,5kg je Wagen nicht überschreiten. Für größere Verdunkelungs-Anlagen wird das Fahrwerk, Baumuster E, benutzt. Wenn - wie z. B. bei Mehrzweck-Theatern - mehrere gleichgroße Fenster in einer Front liegen und gleichzeitig verdunkelt werden sollen, genügt eine gemeinsame Antriebsmaschine, wofür entsprechend der Zuglänge und dem Vorhanggewicht die JOVO-Typen AVZ I oder AVZ II in Frage kommen.
Je nachdem, ob die Verdunkelungsschals einteilig oder zweiteilig sind, werden Einfach- oder Doppel-Tragschienen benutzt. Sind hingegen nur einzelne, nicht in einer Front liegende Fenster oder solche verschiedener Breiten zu verdunkeln, dann werden hierfür die einbaufertigen Kleinzug-Anlagen verwendet, die nachstehend beschrieben werden.
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Profilschiene Baumuster EH der Kleinzug-Anlage EH/W 52 von JOVO mit Zug- und Laufwagen, Schaltrolle und Endschalter mit Fänger. Links Vierkantkupplung mit Kardanwelle - (Werkfoto: JOVO)
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Einbaufertige Anlagen Baumuster EH/W
Die Automatisierung des Vorführbetriebes erstreckt sich u. a. auch auf die Betätigung der Vorhangzüge, der Vorhänge, Gardinen und Verdunkelungen. Das bedingt, daß diese Einrichtungen nicht nur elektro-automatiische Antriebe besitzen, sondern auch vollkommen betriebs- und narrensicher arbeiten müssen, da ihre Funktion durch das Zusammenspiel aller mechanischen und elektrischen Konstruktionsteile automatisch erfolgen muß.
Diese Erfahrungen und Erkenntnisse haben zur Entwicklung einer neuen Kleinzug- und Verdunkelungsanlage, Baumuster EH/W, geführt, die in zwei Ausführungen komplett einbaufertig geliefert wird. Diese Einrichtung zeichnet sich ebenfalls durch geringe Einbaumaße und ruhigen Lauf aus.
Als Antrieb werden die Motorantriebe W50 oder W52 benutzt. Das Anwendungsgebiet sind Fenstervorhänge und leichte Verdunkelungsvorhänge bis zu etwa 5m Breite. Der Antrieb W 50 ist vorgesehen für eine Zuglänge von 2x2m bei einer Zugbelastung von 0,5 kg pro Laufwagen; der Antrieb W 52 für 2x2,5 bzw. 1x5m, bei einer Laufwagen-Belastung von 0,35 kg. Die Type W 50 ist als Hochformat gebaut und leistet etwa 20 Watt an der Motorwelle. Ein eingebautes Untersetzungsgetriebe vermindert die Drehzahl zwischen Motor und Abgangswelle. Eingebaute, verstellbare Endschalter sorgen für sichere und genaue Abschaltung bei einer bestimmten Zuglänge bzw. bei einer festeingestellten Drehzahl der Abgangswelle.
Die Umdrehungszahl kann zwischen 3 und 28 Umdrehungen variiert werden. Die mechanische Übertragung vom Antrieb auf die Abgangswelle erfolgt durch eine Vierkant-Kupplung mit Kardanwelle. Der Motorantrieb W 52 hat ein liegendes Format und leistet etwa 17 Watt an der Motorwelle. Die Herabsetzung der Drehzahl erfolgt durch ein eingebautes Schneckengetriebe; die konstante Enddrehzahl beträgt 140 Umdrehungen pro Minute. Auch hier erfolgt die mechanische Übertragung mit Vierkantkupplung und Kardanwelle, die je nach Bedarf oben oder unten angebracht werden kann.
Die Steuerung der Anlage für die drei Stellungen „Auf - Halt - Zu" erfolgt bei einer Steuerstelle mit einem Gruppenschalter; bei mehreren Steuerstellen wird ein Wendeschütz mit Druckknopfschaltern benutzt. Wenn mehrere Antriebe zu gleicher Zeit die Verdunkelung mehrerer Fenster durchführen sollen, bzw. wenn die Verdunkelungsbreite der Fenster verschieden ist, werden Zusatzrelais verwendet. Bei größeren Verdunkelungs-Anlagen wird das Baumuster H (s. o.) mit einer stärkeren Antriebsmaschine benutzt.
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JOVO-Theater-Vorhangzugmaschine Type AVZ 8 mit ausrückbarer Kupplung und Einrichtung für Handbetrieb mit Seilzug (Werkfoto: JOVO)
Motor-Antrieb W 52 der Kleinzug-Anlage EH/W 52 mit Kardanwelle, die je nach Bedarf oben oder unten angebracht werden kann (Werkfoto: JOVO)
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Die Funktion der Kleinzuganlage EH/W
Für die Kleinzuganlage EH/W wird ebenfalls eine Profilschiene verwendet, auf der sich ein Zugwagen mit den zugehörigen Daufwagen bewegt. Am Zugwagen ist ein Stahlzugseil eingehängt und mit Hilfe einer Lasche befestigt. Das Zugseil läuft um die Gegenrolle, das Treibrad, und endet am Zugwagen, wo es mit Hilfe eines Nippels verankert ist und durch Lösen der Nippelmutter bei Bedarf soweit nachgespannt werden kann, wie es die Vorspannung für das Treibrad und die Mitnahme des Seiles erforderlich macht, die im übrigen relativ schlupflos erfolgt.
Die Endschalter für die Stellungen „Zu" und „Auf" sind bei dem Baumuster EH/W 52 an der vorderen Profilschiene angebracht und werden durch eine Schaltrolle ausgelöst; ein angebrachter „Fänger" stoppt den Weiterlauf.
Der im Moment der Stillsetzung des Zugseiles entstehende Widerstand wird durch eine Rutschkupplung aufgefangen und damit gleichzeitig die Schwungkraft des Antriebsmotors ausgeglichen. Infolge der automatischen Zusammenarbeit der einzelnen Teile wird ein Versagen der Gesamtanlage verhindert. Ohne die Endschaltung zu beeinflussen, kann der Vorhang bei ruhender Anlage auch von Hand verstellt werden.
Die Rutschkupplung kann jeder Zugbelastung angepaßt und so eingestellt werden, daß der Vorhang sicher bis zum Fänger gezogen wird und andererseits die Stillsetzung mit geringer Zugkraft über diese erfolgt. Sie ist im übrigen so ausgebildet, daß keine Blockierung möglich ist. Bei der Kleinzuganlage EH/W 50 mit dem Antrieb W 50 werden an den Tragschienen nur die beiden Fänger angebracht; die Endstellung erfolgt in diesem Fall am Antrieb nach dem Anfahren des Fängers, so daß zusätzliche Leitungen zur Profilschiene nicht erforderlich sind. Die vorstehend beschriebene Kleinzuganlage EH/W 50 eignet sich im übrigen auch als Blenden-Zuganlage in kleinen Theatern bis etwa 5m Vorhangbreite.
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Theater-Vorhangzugmaschine AVZ/8
Diese neue, in die Baureihe der Vorhang-Zugmaschinen AVZ/10 und AVZ/12 gehörende Vorhangzugmaschine ermöglicht ein leichtes Umstellen von Motor- auf Handbetrieb durch Auskuppeln des elektrischen Antriebsteiles.
Durch Einschrauben einer Kurbel in die Seilwalze bzw. durch ein Hanfseil, das um 2 Seilräder gelegt ist, entsteht auf einfache Weise im Bedarfsfalle eine Handwinde. Mit angekuppeltem Motorantrieb kann der Vorhang mit zwei Fahrgeschwindigkeiten (30/60 cm/s) gezogen werden.
Als Antrieb wird ein Drehstrommotor von 0,5 PS Leistung mit Schneckengetriebe benutzt, das auf die Seilwalze arbeitet. Die Steuerung für die Stellungen „Auf - Halt - Zu" erfolgt durch Druckknopfschalter über ein Wendeschütz, das im Inneren der Maschine untergebracht und gegen äußere Einflüsse geschützt ist.
Bei zwei Fahrgeschwindigkeiten ist ein getrenntes Schütz für den Schnellgang erforderlich. Die Endschalter mit mehrpoligem Ruhestromkontakt sind leicht zugängig und lassen sich präzise einstellen. Sie bleiben auch beim Handbetrieb unveränderlich eingestellt.
Die Kupplungseinrichtung besteht aus einer, den Antriebsmotor tragenden Schlittenführung, die auf dem Maschinengehäuse gleitet. Wird diese durch Lösen von zwei Kugelgriffmuttern verschoben, so entkuppeln sich die Antriebsteile im Inneren der Maschine. In diesem Zustand ist sie für Handantrieb verwendbar. Die Vorhangzugmaschine AVZ/8 besitzt Befestigungsschienen, auf denen sie durch Verstellung von Rastmuttern gehoben oder gesenkt und damit das Zugseil nachgespannt werden kann.
Für den Schnellgang wird eine Druckknopfschaltertafel mit zusätzlichem Schaltknopf verwendet. Der Hanfseilantrieb besteht aus 2 Seilrädern von 200 mm (/) mit Rillen für ein Hanfseil von 20 mm Dicke, von denen das eine auf der Achse der Maschine sitzt, das zweite an einer Konsole oder direkt an der Decke. Das obere Seilrad ist zur Erreichung der nötigen Spannung verstellbar eingerichtet.
- Anmerkung : Auch dieser Artikel ist ein Füll-Artikel, denn es interessierte den Filmvorführer nur bedngt, welches Vorhangsystem eingebaut wurde und wie die neuen Systeme funktionieren. Die Auswahl machte sowieso nur der Besitzer des Kinos.
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Die Prüfung von Röhren-Gegentakt-Endstufen (1960)
Von der richtigen Einstellung der Gregentakt-Endstufen und der davor liegenden Phasenumkehrröhre hängt in einem weiten Maße die verzerrungsfreie Wiedergabe eines Verstärkers ab.
Wie bekannt sein dürfte, müssen die beiden Endröhren mit einer Spannung angesteuert werden, die in der Amplitude genau gleich groß, in der Phase aber um 180° gedreht sein müssen.
Die Herstellung dieser Spannung - oder besser gesagt, dieser beiden Spannungen - ist Aufgabe der Phasenumkehrstufe. Grundsätzlich kann die Aufgabe durch einen Transformator gelöst werden, dessen Sekundärseite in zwei Wicklungshälften unterteilt ist. Die Schaltung weist aber verschiedene Nachteile auf, so daß man sie nur in älteren Verstärkern findet oder dort, (wo in denen es auf Klangqualität nicht so sehr ankommt.
Die heute gebräuchliche Art ist die Verwendung einer Phasenumkehrröhre. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Schaltungen, - die einfachste und betriebssicherste Anordnung ist die sog. „Kathodynschaltung". Der Arbeitswiderstand Ra der Röhre ist aufgeteilt und liegt zu gleichen Hälften in der Anoden- und Kathodenleitung. Bedingt durch die Röhreneigenschaften hat die am Kathodenwiderstand auftretende Spannung Phasengledchheit mit der steuernden Gitterwechselspannung,
während die an der Anode stehende Spannung um 180° verschoben ist.
Bei Verwendung gleich großer Teilwiderstände steht somit die gewünschte Steuerspannung mit hoher Phasenreinheit und Genauigkeit zur Verfügung. Die Anordnung arbeitet infolge der großen Gegenkopplung sehr stabil; die Verstärkung ist allerdings kleiner als eins. Schaltungen, die gleichzeitig verstärken - sie sind meist mit zwei Röhrensystemen aufgebaut -, haben den Nachteil, daß sie sorgfältig eingestellt werden müssen, wobei sich diese Einstellung im Laufe der Zeit, etwa durch Alterung der Bauteile verschieben kann.
Überprüfung der Symmentrie
Zur Überprüfung und Einstellung sind Meßgeräte erforderlich, über die der Vorführer normalerweise nicht verfügt. Da aber von der richtigen Einstellung der Stufe vieles abhängt, sei hier eine Methode angeführt, die jeder Vorführer mit einfachen Mitteln, nämlich mit Potentiometer und Kopfhörer, durchführen kann.
Gleichgültig, um was für eine Schaltungsvariante es sich handelt, sie bringt immer an ihrem Ausgang zwei Spannungen hervor, die entgegengesetztes Vorzeichen haben. Trennt man nun die Leitungen zu den Steuergittern der Endröhren auf und legt an den Ausgang der Umkehrschaltung ein lineares Potentiometer, so wird in dem zwischen Schleifer und Null eingeschalteten Kopfhörer das NF-Signal hörbar werden.
Wegen der um 180° gedrehten Phasenlage der beiden Spannungen wird sich am Regler ein Punkt einstellen lassen, an dem sich die Spanungen aufheben. Dieser Punkt muß in der Mitte der Widerstandsbahn liegen. In der Praxis werden sich allerdings die beiden Spannungen niemals vollkommen aufheben, wegen der unvermeidlichen Toleranzen der Bauteile.
Sehr deutlich ist aber beim Durchdrehen des Reglers ein Lautstärkeminimum feststellbar. Die Überprüfung der Gegentaktendstufe in bezug auf Symmetrie ist noch einfacher. Symmetrie liegt dann vor, wenn die Anodenströme der beiden Röhren genau gleich groß sind. Da sie im Ausgangstransformator entgegengesetzt fließen, heben sie sich hier gegenseitig auf.
Bei richtiger Einstellung darf somit an der Gesamtwicklung kein Spannungsabfall auftreten, was sich leicht durch ein Voltmeter über der Primärseite kontrollieren läßt. Allerdings wird sich wieder nur ein Spannungsminimum einstellen lassen, wenn es nicht gelingt, zwei genau gleich große, um 180° phasenverschobene Spannungen zu gewinnen.
Vielfach findet man in der gemeinsamen Kathodenleitung der beiden Endröhren einen Steller mit geerdetem Schleifer. Mit seiner Hilfe lassen sich Unsymmetrien in den Anodenströmen bis zu einem gewissen Grad ausgleichen.
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Gegentakt-Endstufen in A-Schaltung
Bei Gegentakt-Endstufen, die in A-Schaltung arbeiten, läßt sich eine Überprüfung durch wechselseitiges Herausziehen der Röhren vornehmen. Die Sprechleistung wird dann zwar geringer, aber die Wiedergabe wird sauber bleiben. Auf diese Weise läßt sich also sehr schnell feststellen, ob und welche der beiden Endröhren verzerrt arbeiten.
Arbeitet die Schaltung in der A/B-oder B/Einstellung - was bei Kinoverstärkern meist der Fall sein dürfte -, versagt diese Methode, da eine Endröhre allein keine unverzerrte Leistung hervorbringen kann.
Ursache der Verzerrungen in der Endstufe sind fast immer voneinander abweichende Anodenströme und damit eine unterschiedliche Lage der Arbeitspunkte der Röhren. Sind alle Bauteile in Ordnung und kommen die Verzerrungen mit Sicherheit nicht bereits vor den Vorstufen herein, so hilft nur ein Austausch der beiden Endröhren.
Wer Schaltbilder aufmerksam studiert, dem wird es aufgefallen sein, daß in neueren Gegentakt-Endverstärkern die vor den Steuergittern liegenden Schutzwiderstände unterschiedliche Werte aufweisen. Der Grund für diese Maßnahme ist in der Phasenumkehrstufe zu suchen. Wegen der starken Gegenkopplung der Umkehrröhre ergibt sich für diese ein kleinerer Innenwiderstand gegenüber der anderen, direkt steuernden Röhre. Dieses wirkt sich nachteilig aus, wenn die Endröhren bis in das Gitterstromgebiet ausgesteuert werden, also in A/B- oder B-Betrieb arbeiten.
Ein Vergrößern des Vorwiderstandes um den Differenzbetrag der Innenwiderstände beider Vorröhren schafft einen Ausgleich. Derartig symmetrierte Endstufen können also weiter ausgesteuert werden als andere, ohne Verzerrungen befürchten zu müssen. Der Vollständigkeit wegen soll noch erwähnt werden, daß es auch Endverstärker gibt, die ohne gesonderte Phasenumkehrstufe arbeiten. Die Phasendrehung wird in diesem Fall unter Einbeziehung des Ausgangstrafos von den Endröhren selbst vorgenommen; auf die Schaltungstechnik soll hier aber nicht näher eingegangen werden. GEW
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Prinzip-Schaltbild einer Gegentakt-Endstufe mit Kathodyn-Phasenumkehrschaltung - (Zeichnung: G. E. Wegner)
Zeiss Ikon ehrt Vorführer in Mainz (Mai 1960)
Unter der Leitung von Herrn Walter Hierse, Vertriebsleitung West der Zeiss Ikon AG, Werk Kiel, fand am 1.5.1960 im „Rex-Theater" in Mainz eine gut besuchte Veranstaltung statt, die sich mit Gegenwartsaufgaben der Kinotechnik beschäftigte. Herr Hierse umriß in seinem gut gegliederten Vortrag, der durch zahlreiche Lichtbilder unterstützt wurde, die heutigen Probleme der Filmvorführung und die technischen Bedingungen, die mit der Wiedergabe der modernen Verfahren verbunden sind.
Die aus Mainz und Umgebung erschienenen Theaterbesitzer und Vorführer hatten dabei Gelegenheit, an Hand von Demonstrations- Vorführungen mit drei gleichzeitig laufenden Projektoren überzeugende Vergleiche der Eigenschaften der heute gebräuchlichen Projektions-Lichtquellen anzustellen, wobei einwandfrei die Überlegenheit des Xenonbetriebes zum Ausdruck kam, insbesondere bei der Wiedergabe von Musterstreifen aus Farbfilmen, die mit halb abgedeckter Bildfenstermaske gezeigt wurden.
Auf die Tätigkeit des Vorführers eingehend, betonte der Vortragende, wie schon bei früheren Veranstaltungen dieser Art, daß der Vorführer bestrebt sein müßte, von seiner bisherigen Tätigkeit als Filmeinleger sich allmählich zum Theatertechniker emporzuarbeiten.
So wertvoll und technisch einwandfrei die Automation der Filmvorführung ist, dürfe sie nicht dazu verleiten, daß der Vorführer zu einem Handlanger wird. Der mit großem Beifall aufgenommene Vortrag schloß mit Hinweisen auf die Möglichkeiten der 70mm-Projektion, der einwandfreien Dia-Projektion und der Fernseh-Großprojektion im Filmtheater.
Im Anschluß an den Vortrag ehrte der kaufmännische Leiter des Kieler Werkes, Herr Illies, eine Reihe von Vorführer-Jubilaren - unter ihnen auch eine Frau -, die 20 Jahre und länger mit Zeiss Ikon-Maschinen arbeiten, durch die Überreichung der „Goldenen Ernemann-Nadel" mit Ehrenurkunde. Als älteste Jubilare konnten dabei ermittelt werden: Herr Bruno Simon (Vorführerschein seit 1912) und Herr P. J. Duchmann sen. mit Vorführschein seit 1917.
Kopienbefund - einmal anders gesehen (1960)
Zu diesem Thema schreibt uns Herr H. Schmitt, Nürnberg:
„Bisher war ich der festen Meinung, daß man unter einem Kopienbefund einen Bericht versteht, den der Vorführer bei Erhalt oder beim ersten Umspulen der Kopie über den Zustand des vom Vorspieler oder vom Verleiher erhaltenen Films abgibt. Es liegt auch vollkommen im Interesse des Verleihers, daß man die erhaltene Kopie prüft und einen Befund vor Einsatz des Programms abschickt.
Was ich aber kürzlich erlebte, hatte mit dieser Praxis durchaus nichts mehr zu tun! .
Ich erhielt von einem amerikanischen Verleih eine Kopie, die am folgenden Tag eingesetzt werden sollte. Wie jeder Vorführer machte ich Akt für Akt fertig und prüfte zugleich den Zustand der Kopie. Diese befand sich in einem geradezu bedauernswerten Zustand. Ich stellte sofort einen Kopien-Befundbericht zusammen und sandte diesen an den Verleih. Nach dem Abspielen ging die Kopie an den Verleih zurück. Hier wurde nun scheinbar das gesamte Personal dafür eingesetzt, die Kopie genau nach Klebestellen, Perforationsfehlern usw. zu untersuchen, die von mir ausgebessert und im Befundbericht aufgeführt worden waren.
Obwohl ich im ersten Befund bei Erhalt der Kopie zu meiner eigenen Sicherheit alles angegeben hatte, was an Fehlern festzustellen war, und aus meinem zweiten Befund ersichtlich war, welche ausgebesserten Stellen hinzugekommen waren, wurde vom Verleih alles abgestritten. Ich nehme dabei an, daß die Kleberinnen des Verleihs sich durch Lügen aus der Schlinge ziehen wollten, weil sie die Kopie in einem solchen Zustand ausgeliefert hatten.
Jedenfalls schrieb der Verleih kurzerhand, wir hätten die Kopie beschädigt. Er wurde jedoch durch meinen Chef, der über die Angelegenheit genau informiert war, eines besseren belehrt. Ein solches Vorkommnis läßt die Frage aufkommen, ob man unter solchen Umständen überhaupt noch eine Befundmeldung ausfüllen soll oder nicht." - H. Schmitt
Was, Sie wollen ein Vorführer sein?
Diese und ähnliche Worte hört man sehr oft in Verbindung mit einer verpatzten Vorführung und meint, daß nur der Mann in der Kabine derjenige ist, den man für das Gelingen einer Vorstellung verantwortlich machen kann; denn nicht immer trifft es zu, daß eine Vorstellung mit dem Können eines Vorführers steht und fällt.
Zum Nichtgelingen einer Vorführung können auch Umstände beitragen, die vom Betriebsklima, der Mitarbeit der Tonsteuerin und dem Kontakt mit der Betriebsführung abhängen, und dadurch eine Filmtheater-Veranstaltung im negativem Sinne beeinflussen können.
Schon am Eingang eines Kinos kann die festliche Stimmung eines Filmfreundes zerstört und damit auch der Grundstein zu einer für den Gast schlecht erscheinenden Vorstellung gelegt werden, wenn die Kassiererin mürrisch ihre Karten verkauft, die Kontrolle unfreundlich ihr Amt ausübt und die Dame vom Süßwarenstand die ausgewählten Süßigkeiten ohne Bitte und Danke zu sagen auf den Verkaufstisch knallt.
Der Gast wird auch um den Genuß seines vielleicht schon lang ersehnten Filmereignisses gebracht, wenn er als Besucher - heute aus Ersparnisgründen aktuell - beim gespenstischen Schein der Sonderbeleuchtung eingelassen und von einer mangelhaft ausgebildeten Platzanweiserin in seine Reihe abkommandiert wird.
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Glossen über Provinztheater ? oder wie nent man das hier ?
Eine Filmvorführung kann auch niemals gelingen, wenn das Saalpersonal, wie es in Provinztheatern oft üblich ist, aus unbezahlten Kräften besteht, die nur, um sich den Film kostenlos ansehen zu können, für einige Minuten die Funktionen des Platzanweisens und des Tonsteuerns übernehmen.
So ist es in solchen Betrieben keine Seltenheit, daß von den un-ausgebildeten Mitarbeitern der falsche Druckknopf betätigt wird und die Panik- oder die Sonderbeleuchtung während der Vorführung eingeschaltet werden. Und wird dann nun einmal von so einem ehrenhalber mitwirkenden Tonsteuerer die richtige Signaltaste gedrückt, dann sicher zur unpassendsten Gelegenheit, wenn zum Beispiel eine dunkle Nachtszene auf der Leinwand erscheint.
Solche und noch andere in Provinztheatern heute sehr oft vorkommenden Übelstände beeinflussen die Vorführungen, ohne daß die Kollegen in
der Kabine etwas dazutun können.
Oft aber gibt es, und jeder schon länger in der Branche arbeitende Kollege wird sich an das eine oder andere selbsterlebte Vorkommnis erinnern können, Dinge, die jeder vernünftigen Arbeit entgegenstehen.
Dies geschieht auch manchmal in größeren Häusern, (wo) in denen Vorführer alle Nebenarbeiten mit übernommen haben (Anmerkung : übernehmen mußten !!) , wenn gerade am Freitag - am Filmwechseltag - plötzlich eine gänzlich unwichtige Arbeit in einem Nebengebäude oder gar in der Wohnung des Chefs erledigt werden muß - und beim Hinweis auf das noch im Vorführraum wartende Filmzurechtmachen folgende oder ähnliche Worte fällig werden:
„Was ? Sie wollen ein alter Vorführer sein? Das bißchen Filmumrollen Freitags habe ich früher, als ich noch in der Kabine stand, in einer halben Stunde erledigt."
An solchen Tagen kann man bestimmt keine gute Vorstellung mehr erwarten.
Sind das alles Kuriositäten ?
Es kommt auch vor, daß bei Selbstabholern das Filmprogramm erst dann gebracht wird, wenn schon die ersten Gäste im Saal Platz genommen haben, so daß in diesem Fall eine gute Vorstellung auch beim besten Fachmann kaum noch zu erwarten ist. Die Lust zur guten und überlegten Programmgestaltung wird einem seinen Beruf liebenden Vorführer auch dann genommen, wenn ein technisch nicht ausgebildeter Vorgesetzter den Vorführraum betritt und Sparmaßnahmen am falschen Platze erwirken will.
Wieviel Kohle haben Sie heute wieder gespart? Warum lassen Sie unnötig in der Pause die Fotozelle brennen - gemeint ist dann die Tonlampe - und stellen Sie sofort die Luft- oder die Wasserkühlung ab, der Film brennt ja nicht mehr. Auch zu wenig Rollen im Vorführraum erschweren die Arbeit und vermindern die Qualität der Vorführung, da jedes zweite oder dritte Sonderprogramm zu jeder Vorführung auf-, wieder abgerollt und verpackt werden muß.
Man sieht aus den bei weitem noch nicht vollzählig erwähnten in unserer Branche vorkommenden Kuriositäten, daß nicht wie immer - und ganz besonders auch von den Außenstehenden angenommen wird -, nur der Vorführer für die gute Filmveranstaltung verantwortlich ist, sondern daß die Programmabwicklung nur gelingen kann, wenn eine gute Gemeinschaftsarbeit aller im Theater beschäftigten Kollegen geleistet wird. F. K.