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Die Ausgaben von Bild und Ton (Ost-Berlin)

Lange Zeit ist uns diese Zeitschrift nicht zugänglich gewesen und damit gab es auch keinen Einblick in die ostzonale bzw. ostdeutsche Kinolandschaft nach 1945. Wir wußten nur, daß die russischen Besatzer in ihrer Zone viel früher den Wert einer funktionierenden Indoktrinations- und Propaganda- Maschine erkannt hatten und die intakten Kinos von staatswegen förderten, mit den entsprechenden Filmen natürlich. Im kapitalistischen Westen in der Trizone war das zwar irgendwie ähnlich, aber nicht ganz so offensichtlich und es gab keinen direkten Zwang für bestimmte Filme. Hier kommen Sie zur einführenden Start-Seite.

"Bild und Ton" 1.JAHRGANG - NOVEMBER 1948 HEFT - NR.2

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Filme - außen gedreht ...
Erfahrungen eines Produktionsleiters

Filmaufnahmen im Freien erfordern ein immenses Mehr an Konzentration und Energie von allen Beteiligten, soll das Ergebnis der Dreharbeit nicht hinter den künstlerischen Erwartungen zurückbleiben.

Wenn sich die für die neue deutsche Filmproduktion Verantwortlichen immer lebhafter Filmstoffen zuwenden, die sich ganz oder zum größten Teil außen drehen lassen, so sind die Gründe dafür rasch aufgezählt: die Vernichtung des vorerst nicht zu ersetzenden Atelierraumes, der katastrophale Mangel an Material, der besonders empfindlich die Ausstattung der Filme trifft, und nicht zuletzt der sich rasch vollendende Verschleiß der uns noch verbliebenen technischen Ausrüstung, für die Industrie und Handel noch immer keinen Ersatz anbieten können.

Also müssen sich in dem Maße, in dem die neue deutsche Filmindustrie auf Touren kommt, auch die Produktionsleiter mit dem Gedanken vertraut machen, mit ihren Filmen aus den Ateliers nach außen zu gehen. Sie werden dabei eine Reihe neuer und alles andere als angenehmer Erfahrungen machen.

Sie werden sich ungleich größeren Schwierigkeiten gegenübersehen, als sie sie irgendwie vorausgesehen haben. Und sie werden deshalb auch kaum auf die Idee kommen, in außen gedrehten Filmen mehr zu sehen als einen durch die Zeitverhältnisse diktierten Zwang.

Über die Schwierigkeiten draußen

Vielleicht wird nun gefragt werden, worin diese außerordentlichen Schwierigkeiten bei außen gedrehten Filmen eigentlich bestehen?

Denn, so wird leichtfertig argumentiert werden, die Sonne scheint überall, und Motive lassen sich für jeden Film in Hülle und Fülle finden. Aber erstens scheint die Sonne selten, wenn sie wirklich gebraucht wird, und scheint sie schon einmal, dann ist sie als Lichtquelle für ein Motiv auch kaum mehr als 1 bis 2 Stunden am Tag brauchbar. Das bedeutet also, daß ein Motiv oder ein Bild an mehreren Tagen oder auf verschiedenen Schauplätzen gedreht werden muß. Schon deshalb also muß ein außen gedrehter Film sehr viel sorgfältiger geplant werden als ein reiner Atelierfilm.

Wieviel Sonnentage aber gibt es schon, die eine reibungslose Abwicklung des Drehplanes ermöglichen? "Wenn er Pech hat, kann der Produktionsleiter mit einem ganzen Stab wochenlang auf schönes Wetter warten.

Wenn Zeit auf einmal Geld ist

Er muß also auf die Möglichkeit bedacht sein, den anderen Teil seines Films in Originaldekorationen innen oder aber, weil etwa der Regisseur oder Autor meistens allzu berechtigte Bedenken dagegen haben, in Dekorationen, die in Not-Ateliers (etwa in Tanzsälen, Turnhallen oder Fabriken) errichtet werden, abzudrehen, um damit den unvermeidlichen Leerlauf in der Dreharbeit zu überbrücken, denn Zeit kostet im Film mehr noch als anderswo viel Geld.

Ein Fachman wie der Produktionsleiter

Man sieht, dieses Verfahren erfordert die Fähigkeit zum blitzschnellen Umdisponieren, entweder vom Atelier nach außen oder von außen ins Atelier. Der Fachmann weiß, was das bei Außenaufnahmen bedeutet, nämlich den Umtransport von Tausenden von Metern Kabel, schwerer Scheinwerfer, Schienen, Auf- und Abbau von Brücken usw.

Also ist eine ungewöhnliche Begabung des Produktionsleiters notwendig, über seine Produktionslinie hinaus improvisieren zu können, eine rasche Entschlußkraft, die oft mit großer finanzieller Verantwortung verbunden ist und von seinem gesamten Stab ein ungewöhnliches Maß an Arbeitswillen und Arbeitskraft verlangt.

Die verschiedenen Schauplätze

Daß die verschiedenen Schauplätze, an denen gedreht werden muß, oft kilometerweit auseinander liegen, also auch die Transportfrage eine Schwierigkeit mehr bedeutet, liegt auf der Hand. Im Atelier steht dem Produktionsleiter ein eingespielter Apparat zur Verfügung, er hat seine Büros, seine Telefonverbindungen, kurz — die ganze ausgeklügelte Organisation zur Hand. Das alles muß er sich bei Außenaufnahmen selber organisieren.

Was das heute bedeutet, ist gleichfalls klar. Die Unterbringung seines Stabes und der Schauspieler, die oft bis zu 80 Köpfen zählen, deren Verpflegung und nicht zuletzt das Heranschaffen der Schauspieler an den Drehort, zusätzliche Beleuchtungen, Brücken, Möbel, Requisiten usw. erfordern ein Transportvolumen, das heute kaum aufzutreiben ist.

Im Atelier bietet es weiter keine Schwierigkeiten, Schauspieler, die meistens noch Theater spielen oder Proben haben, rechtzeitig vor die Kamera zu bekommen, aber 80 oder 100 Kilometer von Berlin wird die Tatsache, daß ein bestimmter Schauspieler abends Theater spielt, ein Problem, das wieder nur durch die gerissenste Disposition und durch Ausnützen jeder Tag- und Nachtstunde möglich ist. Dazu kommt der Strombedarf, der ....... (Die Seite 2 fehlt noch)

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