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Die Ausgaben von Bild und Ton (Ost-Berlin)

Lange Zeit ist uns diese Zeitschrift nicht zugänglich gewesen und damit gab es auch keinen Einblick in die ostzonale bzw. ostdeutsche Kinolandschaft nach 1945. Wir wußten nur, daß die russischen Besatzer in ihrer Zone viel früher den Wert einer funktionierenden Indoktrinations- und Propaganda- Maschine erkannt hatten und die intakten Kinos von staatswegen förderten, mit den entsprechenden Filmen natürlich. Im kapitalistischen Westen in der Trizone war das zwar irgendwie ähnlich, aber nicht ganz so offensichtlich und es gab keinen direkten Zwang für bestimmte Filme. Hier kommen Sie zur einführenden Start-Seite.

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"Bild und Ton" 1. JAHRGANG - OKTOBER 1948 - HEFT NR.1

FACHZEITSCHRIFT FÜR DAS GESAMTE GEBIET DER FILMTECHNIK „ MIT BEILAGE »FOTOTECHNIK« - DEUTSCHER FILMVERLAG GMBH., BERLIN W 8 (diese Adresse lag im Ostteil von Berlin)

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Die erste Ausgabe in 1948 von Dr. Albert Wilkening

Im Film-Museum Romboy in Wesseling bei Köln stehen die Bände dieser Zeitschrift als gebundene Bücher und dort darf ich einscannen, was hoffentlich interessant für die Nachkommen und Film- und Kinofreunde ist. Da das Einscannen im fremden Umfeld mühsam ist, läuft die Zeit aus den Fingern. So geht es also nicht.
Doch das Glück kam im Dez. 2019 mit 38 einzelnen (also nicht gebundenen) Ausgaben, zwar bereits leicht verschmutzt und arg vergilbt und mit weiträumig völlig verrosteten Heftklammern. Doch der Scanner hat die verklebten Seiten dann doch "geschluckt" = eingescannt. Die Anzeigen von damals sind super erhalten.

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ZUM GELEIT

Der Film, vor allen Dingen unser heutiger Tonfilm, ist ein Kind der modernen Technik. Wenn mit ihm auch künstlerische Aufgaben erfüllt werden sollen, so ist doch einzig und allein entscheidend, was im Filmtheater zu hören und zu sehen ist.

Die Aufgabe der Filmtechnik besteht also darin, sich der besten technischen Mittel zu bedienen, um durch sie eine größtmögliche Illusion bei dem Besucher des Filmtheaters hervorzurufen. Aufgabe aller im Film Schaffenden ist es denn auch, die ungeheuerlich vielseitigen Möglichkeiten der modernen Technik so anzuwenden und einzusetzen, daß der Beschauer ganz in den Bann des darzubietenden künstlerischen Geschehens gezogen wird.

Durch die ihm von der technischen Seite gebotenen Möglichkeiten, insbesondere durch die zu großer Vollendung geführte Tonfilmtechnik, ist dem Stummfilm von einst eine hohe Vollkommenheit gegeben worden. Der Film ist aus dem heutigen kulturellen Leben daher nicht mehr wegzudenken, und ich glaube, daß er auch gegenüber dem Fernsehen immer seine Bedeutung behalten wird, genau so, wie das gute Konzert sich gegenüber dem Rundfunk behauptet hat.

Die Perspektive

Mit der fortschreitenden Entwicklung werden allerdings auch die Anforderungen an die Vervollkommnung der heute erreichten Tonfilmtechnik noch immer weiter steigen. Es gehört daher zu den vornehmsten Aufgaben aller am Film Beteiligten, kein technisches Mittel außer acht zu lassen, mit Hilfe dessen die Illusion auf der Leinwand dem Geschehen in der Wirklichkeit nahegebracht werden kann.

Eine Reihe von Problemen sind bereits aufgegriffen worden, wie z.B. die Stereophonie und Stereoskopie. Der Krieg mit seinen Nachwirkungen hat bei uns jedoch die eigentlichen Entwicklungsarbeiten in vieler Hinsicht gehemmt. Wir müssen deshalb vieles nachholen.

Hierbei soll unsere neue Fachzeitschrift »Bild und Ton« mithelfen. Sie soll auf der einen Seite einen Einblick geben in die Möglichkeiten, die wir in Deutschland selbst schaffen und verwirklichen können. Sie soll aber auch zeigen, was außerhalb unserer Grenzen geschieht.

Über unsere Zeitschrift »Bild und Ton«

Die heute noch in vieler Hinsicht bestehenden Schwierigkeiten werden uns nicht gestatten, unser Programm sofort und in jeder Hinsicht in die Wirklichkeit umzusetzen. Wir rechnen jedoch auf eine aktive Mitwirkung aller in der Filmarbeit stehenden Fachkräfte und werden daher für jede Anregung aus dem Leserkreis sehr dankbar sein. Nur durch eine enge Verbundenheit mit der Praxis wird ein wirklicher Fortschritt zu erzielen sein und diese enge Verbundenheit wollen wir herstellen.

Unsere Zeitschrift »Bild und Ton« wird sich vornehmlich mit technischen Problemen beschäftigen, die das Bild und den Ton im Film betreffen. Daneben soll ein Überblick über die Filmwirtschaft gegeben werden, soweit es sich um die technische Seite handelt. Außerdem haben wir uns vorgenommen, auch dem Nachwuchs einen Einblick in die Vielfalt der beim Film zu bewältigenden Aufgaben zu gehen.

Der Krieg hat ja nicht nur die technische Entwicklung der Filmindustrie gehemmt, sondern sich auch ganz besonders nachteilig auf die Ausbildung und Weiterentwicklung des technischen Nachwuchses ausgewirkt. Es ist daher nicht nur wichtig, jungen Nachwuchs heranzubilden, sondern auch den Älteren einen Überblick und Einblick in die Entwicklung seit Beginn des Krieges zu geben, da diese Entwicklungen meist unter Ausschluß der Öffentlichkeit erfolgten.

Es ist uns klar, daß hier noch Schwierigkeiten zu überwinden sind, weil durch das Fehlen eines Patentschutzes in Deutschland vieles noch nicht veröffentlicht wird. Da jedoch die Wiedereinführung des Patentschutzes in nicht allzu großer Ferne liegen dürfte, werden sich auch bald größere Möglichkeiten zur Veröffentlichung neuer Ideen ergeben.

Anmerkung : Mehr Informatione über das Problem mit den konfiszierten Patenten und der Situation in Deutschland finden Sie in den Funkschau- Ausgaben dieser Jahre.

Die Beilage über Fototechnik

Neben der reinen Bild- und Tontechnik wird unsere Zeitschrift eine Beilage über Fototechnik erhalten. Die Fotografie ist ja der Ausgangspunkt der Filmtechnik, und sie findet heute im Film - in der sogenannten Standfotografie - noch sehr entscheidende Anwendung. In jeder Filmproduktion nimmt der Standfotograf eine sehr bedeutende Stellung ein.

An seine Aufnahmen werden höchste Anforderungen gestellt. Das, was für einen Standfotografen gilt, ist gleichzeitig auch für den Berufs- und Amateurfotografen von Interesse. Wir hoffen daher, durch unsere Beilage »Fototechnik« gleichzeitig eine enge Verbindung zwischen dem immerhin beschränkten Kreis der Filmfotografen und Filmkameraleute und der großen Zahl von Berufs- und Amateurfotografen herzustellen.

Wir wollen Ihnen nicht ein großes Programm vorlegen, das wir uns zu erfüllen vorgenommen haben, sondern wir wollen uns bemühen, Ihr Interesse an unserer Zeitschrift in jeder Hinsicht zu wecken; und Sie mögen dann nach einiger Zeit selbst entscheiden, ob uns dieses Ziel gelungen ist. Dabei haben wir - das möchte ich noch einmal betonen - an Sie die große Bitte, uns Ihre Wünsche ebenso wie Ihre Kritik freimütig mitzuteilen.
Dr. Albert Wilkening
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