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Hier kommen Leseproben aus der »BILD UND TON« 1948

Die Kino-Zeitschrift  "Film und Ton" wurde im Herbst 1948 in Ost-Berlin (im Einflußgebiet der Russen) neu gegründet und war eine Zeit lang für ganz Deutschland verfügbar und lesbar. Im Film-Museum Romboy in Wesseling am Rhein sind die Ausgaben alle noch vorhanden. Doch das Scannen kostet viel Zeit und darum gibt es hier nur einige zufällig ausgewählte Artikel in unsortierter Reihenfolge. Im Rückblick spielt es keine bedeutende Rolle mehr, ob der Artikel jetzt in 1948 oder 1949 gedruckt worden war.

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aus »BILD UND TON« Jahrgang 1948/1949

D.W.Griffith zum Gedenken

Im Alter von 68 (wirklich ??) Jahren ist D. W. Griffith in Kalifornien gestorben. - (Jan. 1875 in Crestwood, Kentucky; † Juli 1948 in Hollywood) (bei mir sind das 1948 abzüglich 1875 aber 73 Jahre) - Für unsere Generation bedeutet dieser Name eine schon fast sagenhafte Gestalt, umwittert vom Hauch des Genies, denn er war der Mann, der den Film aus der Schaubudenatmosphäre in das Reich der Kunst hob.

In den Südstaaten geboren, wandte er sich nach dem Universitätsstudium dem Journalismus zu, wurde Schauspieler an einem Wandertheater, sah etwa 1906 den ersten Film - und war ihm endgültig verfallen.

Die äußeren Umstände seiner beruflichen Laufbahn sind für uns weniger wichtig; wichtig dagegen die Feststellung, daß er zu dem Kreis von Intellektuellen gehörte, der sich mit dem Studium sozialer Probleme abgab und die gewonnenen Erkenntnisse in seinen Filmwerken niederlegte.
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Das neue Massen-Vermittlungsmittel Film

Zum erstenmal also wurde bewußt dem neuen Massen-Vermittlungsmittel Film die Rolle zugewiesen, die ihm dann in späteren Dezennien den gewaltigen Aufstieg gebracht hat. Mehr noch: bis dahin waren alle Filme fotografiertes Theater gewesen, die Spieldauer betrug höchstens 20 bis 30 Minuten. Die Kamera stand unbeweglich am gleichen Ort und fotografierte die Handlung, als ob sie sich auf der Bühne abspielte.

Griffith jedoch machte sie beweglich. Er ist der Schöpfer der filmfotografischen Details, ohne die wir uns den Film heute gar nicht mehr vorstellen können: der Großaufnahme, der fahrenden Kamera, sei es vor- und rückwärts oder seitlich.

Griffith neue Bildbewegtheit

Diese neue Bildbewegtheit machte eine neue Technik der Szenen-Zusammenstellung notwendig, und so erfand Griffith die Montage, jene Fähigkeit, die einzelnen Teile der Szene oder des ganzen Films rhythmisch und spannungserzeugend zusammenzuschneiden, von deren Beherrschung heute noch - und es wird immer so bleiben - die Güte eines Films zum größten Teil abhängt.

Ein Erfinder wird sich in den seltensten Fällen später erinnern, warum ihm plötzlich dieser oder jener Einfall kam. Bei Griffith können wir wohl annehmen, daß er ein Besessener war, denn seine Themen sind ungeheuer aufrüttelnd, er wollte einfach die Menschen zwingen, diese oder jene Geste, diesen oder jenen Gesichtsausdruck des Schauspielers mit aller Deutlichkeit aus der Nähe zu sehen.

Ich weiß nicht, ob sich Griffith je als Revolutionär bezeichnet hat, aber er war es. Er stand nicht auf den Barrikaden - aber er kämpfte für die Zukunft, indem er das Publikum, das bis dahin der neuen Erfindung sehr ablehnend gegenüberstand und sie nur von Jahrmärkten kannte, hineinriß in die Lebenswirklichkeit. Und den Film zur Kunst erhob.

Über die Filme von Griffith

Griffith hat viele Filme gedreht, uns interessieren hier nur zwei: »Die Geburt der Nation« und »Intoleranz«. Der erste behandelt das Negerproblem zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges.

Es ist viel um dieses Werk diskutiert worden, bis auf den heutigen Tag; die einen werfen ihm - heute würden wir sagen - faschistische Tendenzen vor, die positiven Stimmen behaupten, es beruhe auf dem dokumentarischen Material eines bekannten Romans und es sei echt; und noch im vorigen Jahr hat Griffith in einem Brief auf seine positive Haltung in der Rassenfrage hingewiesen.

Er war es ganz bestimmt in dem Film »Broken blossoms« (der heute noch wunderschön ist, mit Lillian Gish in der Hauptrolle), denn in diesem Film ist der einzige anständige Mensch ein
Chinese.

Sein Hauptwerk ist »Intoleranz«

Sein zweites, eigentliches Hauptwerk ist »Intoleranz«, das er in zweijähriger Arbeit mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen Dollar fertigstellte. Interessant ist, daß kein geschriebenes Manuskript vorlag, »niemand wußte, was Griffith am nächsten Drehtag vorhatte«, schreibt ein ehemaliger Mitarbeiter.

Ungeheure, meilenlange Bauten, zum Teil auf dem heutigen Gelände der Disney-Studio, wurden errichtet, die Eisenbahnen legten besondere Gleise bis zur Dekoration »Tor von Babylon«, um das Baumaterial besser transportieren zu können. Welche Überraschung.

Wenn wir heute die Schauspielerliste durchsehen! Da sind Lillian Gish, Constance und Norma Talmadge, ColIeen Moore, Ruth St. Denis mit ihrer berühmten Tanzgruppe, Erich v. Stroheim und Douglas Fairbanks-Vater.

Erstmalig einmalig und gigantisch - 100.000m Film

100.000m Film wurden verdreht für einen Film von 3 1/2 Stunden Spieldauer. Warum nun dieser ungeheure Aufwand, der bis heute kaum übertroffen worden ist?

War er es, der die Menschen anzog? Nicht ausschließlich, denn hören wir uns die Überschriften der vier Teile an, in die der Film eingeteilt ist. »Intoleranz« ist ein Querschnitt durch unsere historische Zeit:

  • 1. Die Babylonische Geschichte (539 v.Chr.),
  • 2. Die Geschichte vom Nazarener (27 v. Chr.),
  • 3. Im mittelalterlichen Frankreich (die Hugenotten um 1592) und 4. Die Moderne Geschichte (Die Mutter und das Gesetz, 1914).


Der Inhalt jeder Fabel ist überall sinngemäß der gleiche: daß Intoleranz, Unduldsamkeit die Ursache aller Kriege und allen Übels der Welt sei. Unduldsamkeit im Gefühl, in der Politik, bei einzelnen und bei der Masse, in der Religion und bei den herrschenden Klassen - überall führt sie zum Unglück.

Griffiths Film hat also eine deutliche Tendenz, was er mit ihm erreichen wollte, war Einsicht, Buße und Umkehr, und das will nicht in religiöser, sondern in sozialer Hinsicht verstanden werden.

Grosse Bewunderer

Zeitgenössische Kritiken vergleichen ihn mit Tolstojs »Krieg und Frieden«, mit Beethovens 9. Symphonie oder mit Shakespeares »Hamlet«. In einer Privatvorführung wurde er am englischen Königshof gezeigt, Churchill, Lloyd George, Asquith, H. G. Wells gehörten zu seinen Bewunderern.

Es gab aber darüber hinaus noch einen Bewunderer, einen großen Staatsmann, der damals, eine Delegation nach New York schickte und Griffith einlud, in sein Heimatland zu kommen, um ihm die Leitung der gesamten Filmproduktion in die Hände zu legen.

Dieser Staatsmann war Lenin. Griffiths Pläne aber waren anderer Art; er gründete später mit Mary Pickford, Chaplin und Fairbanks die »United Artits Film Ges.«, schuf so bemerkenswerte Filme wie »Zwei Waisen im Sturm der Zeit« (die französische Revolution von 1789 diente als Thema) und den Tonfilm »Abraham Lincoln«.

Persönicher Rückzug 1933

Es ist erstaunlich, daß er sich auch mit den neuen Anforderungen, die der Tonfilm stellte, abfinden konnte. 1933 zog er sich von der aktiven Filmarbeit zurück, war aber hinter den Kulissen unermüdlich tätig.

Wir können seinen Einfluß gar nicht hoch genug einschätzen. Kopien seiner Filme ruhen heute in den Filmarchiven zum Studium für den filmischen Nachwuchs und auch für Sozialwissenschaftler.

Griffith ist und bleibt der Schöpfer der modernen Filmtechnik; die Montage, die er erfand, wurde später von den Russen zur Meisterschaft entwickelt. Stroheim ist sein unmittelbarster Schüler, auch Lubitsch, der Franzose Abel Gance und Fritz Lang bekannten sich zu ihm als ihren Lehrmeister.

M. E. Kähnert im Herbst 1948

aus »BILD UND TON« Jahrgang 1948/1949

Dr. Jo Engl gestorben

Erst jetzt erreicht uns die Nachricht, daß der bekannte Tonfilmpionier der Tri-Ergon-Gruppe, der Mitarbeiter von Hans Vogt und J. Massolle, bereits im April 1942 an einem Krebsleiden in den Vereinigten Staaten gestorben ist. Dr. Jo Engl, dessen Name mit der Entwicklung des Tonfilms eng verknüpft ist, emigrierte 1938 nach New York und betätigte sich dort in freier wissenschaftlicher Arbeit mit physikalisch-chemischen und auch raumakustischen Untersuchungen.

U. a. erschien im Jahre 1939 bei der Akademischen Verlagsgesellschaft in Leipzig ein Werk aus seiner Feder mit dem Titel »Raum- und Bauakustik«, welches vielseitige und grundlegende Beiträge zu diesem Thema enthält. Allzufrüh ist damit im Alter von 49 Jahren wieder einer der Pioniere des Tonfilms von uns gegangen, der sicherlich noch wertvolle Beiträge für dieses Gebiet hätte bringen können.

aus »BILD UND TON« Jahrgang 1948/1949

Ein bemerkenswertes Ereignis - 20 Jahre Klangfilm GmbH

Am 8. Oktober 1948 konnte die Klangfilm GmbH, auf 20 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. Die Geburtsstunde der Firma Klangfilm ist zugleich auch die Geburtsstunde des Tonfilms in Deutschland, wie überhaupt die Geschichte Klangfilms aufs engste mit der Geschichte der deutschen Tonfilmtechnik verbunden ist.

20 bewegte Jahre umschließen das bisherige Bestehen Klangfilms, Jahre großartiger Erfolge und Jahre der Not. Die Zahl der Filmtheater auf dem Kontinent und in Übersee, die auf Klangfilm-Apparaturen vorführen, ist außerordentlich groß. Auch sind alle deutschen Tonfilm-Aufnahmeateliers und eine große Anzahl ausländischer Ateliers mit Klangfilm-Apparaturen technisch ausgerüstet worden, die sich überall durch ihre Qualität eine vorherrschende Anerkennung erringen konnten.

Der Krieg mit seinen Folgeerscheinungen unterbrach diese Entwicklung. Nach dem Zusammenbruch 1945 waren die Verluste wichtiger Fabrikationsstätten und fast aller Lagerbestände zu beklagen. Es mußte faktisch neu angefangen werden, und dies geschah mit jener Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit, der die Klangfilm-Erzeugnisse seit je ihren Ruf verdankten.

Dazu aber war Zeit notwendig. Andererseits stand der eingetretenen Erzeugungslücke ein großer Bedarf an Tonfilmgeräten gegenüber, und es ist nicht wunderzunehmen, daß in der vergangenen Zeit viele Geräte mehr oder weniger unbekannter Herkunft und Güte auf dem deutschen Markt erschienen waren.

Wenn hierdurch die Firma Klangfilm zunächst auch Absatzgebiete verloren hatte, das wichtigste war ihr erhalten geblieben: ein Stamm altbewährter Entwicklungsingenieure, Techniker und sonstiger namhafter Mitarbeiter. Und damit war die Voraussetzung vorhanden, wieder an die alte Tradition anzuknüpfen.

In beiden Werken der Klangfilm GmbH., in Berlin und Emmendingen (Baden), wurde daher nicht nur eine Fabrikation bisheriger bewährter Konstruktionen aufgezogen, sondern gleichzeitig auch die in den vergangenen Jahrzehnten gewonnenen Erkenntnisse auf dem Wiedergabe- und Aufnahmegebiet durch Neukonstruktionen verwirklicht.

Durch eine vor kurzem möglich gewordene Erweiterung ihrer Berliner Fabrikationsräume konnte auch eine große und modern eingerichtete Werkstatt in Betrieb genommen werden, in der alle Instandsetzungs- und Fertigungsarbeiten an Teilen von Tonfilmapparaturen und Kinoeinrichtungen schnell und sachgemäß durchgeführt werden können.

Im Rahmen eines technischen Theaterdienstes werden, sowohl in Berlin als auch in allen Zonen, die technischen Einrichtungen der Filmtheater wieder durch erfahrenes Fachpersonal instandgehalten und gepflegt.

Aber nicht nur nach außen hin repräsentiert sich die Klangfilm GmbH als Firma von Ruf, sondern auch innerhalb ihres Mitarbeiterkreises genießt sie schon seit je und heute noch viel mehr den Ruf, auch den sozialen Verpflichtungen gegenüber ihrer Mitarbeiterschaft höchste Aufmerksamkeit zu widmen. Gerade diese Tatsache wirkt sich auch auf die Steigerung der Einzelleistungen in nicht zu verkennendem Maße aus und gibt der Leitung des Betriebes die Möglichkeit, von ihren Mitarbeitern höchste Qualitätsleistungen zu fordern.

In mühevoller und unbeirrter Aufbauarbeit wurde in den letzten drei Jahren trotz der Ungunst der Zeitverhältnisse viel erreicht.

Vieles wird noch geschehen müssen, und man kann sicher sein, daß die Klangfilm GmbH ihre vornehmste Aufgabe darin sehen wird, ihre Erzeugnisse und deren technische Leistungen auch in Zukunft auf einem möglichst hohen Stand zu halten.

aus »BILD UND TON« Jahrgang 1948

Kommende Magnettontechnik im Filmtheater

Unsere wieder auf eine friedensmäßige Fertigung umgestellte Apparateindustrie besitzt nun die Möglichkeit, neuzeitliche Tonaufzeichnungsverfahren für die Herstellung gewerblich und privat einzusetzender Apparaturen auszuwerten. Die Anwendung des Magnettonverfahrens gewinnt nicht nur in den Tonfilmateliers, sondern auch in den Filmtheatern daher immer mehr an Bedeutung.

Das bis zum Kriegsende hauptsächlich nur in der Rundfunksendetechnik benutzte Verfahren der Hochfrequenz-Magnettonaufnahme und -wiedergabe besitzt infolge seines außerordentlich geringen Eigengeräusches eine weit über die der Schallplatte und dem Lichttonverfahren gesetzte Grenze hinausgehende Tonqualität und Dynamik.

Die Vorteile auch der frühen Magnettontechnik

Neben der Tatsache, daß das Magnettonband sofort nach der Aufnahme durch Abspielen über einen Abhörkopf vorgeführt werden und jede mißlungene Aufnahme auf einfachste Weise durch einen Löschkopf wieder ausgelöscht werden kann, wodurch das Tonband dann wieder zur Herstellung einer neuen Aufnahme benutzbar ist, bietet das Verfahren noch weitere Vorteile. Das Tonband kann beliebig geschnitten und geklebt werden, und es läßt eine größere Abspieldauer als eine Schallplatte üblicher Größe zu.

In einigen unserer größeren Tonfilmateliers wird es deshalb bereits recht vielseitig und mit gutem Erfolg benutzt, um die beim Tonfilm bisher als sehr lästig empfundene und zeitraubende Entwicklung und Trocknung der Lichttonaufnahme von einer gedrehten Szene auszuschalten, weil beim Magnettonband die sofortige Kontrolle der Aufnahme nach dem Abdrehen der Szene möglich ist.

Erst das zur Herstellung der Theaterkopien notwendige Bildton-Negativ oder das Schnitt-Negativ wird neuerdings von einigen Produktionsfirmen auf die Lichttonspur umgespielt, weil ja eine Magnettonkopie in unseren Filmtheatern mit den zur Zeit vorhandenen Lichttongeräten nicht abgetastet und vorgeführt werden kann. Aber auch hier wird über kurz oder lang eingeführt . . . . der Rest steht auf der Folgeseite - im Heft . . .

aus »BILD UND TON« Jahrgang 1948 - 2 neue Bücher

»Rundfunkröhren.« Eigenschaften und Anwendung

»Rundfunkröhren.« Eigenschaften und Anwendung. Von L. Ratheiser, Relegiens Verlag, Berlin-Grunewald, - 140 Seiten Kunstdruckpapier mit 823 Fotos. Halbleineneinband. Preis 27.- DM West.

Das für alle technischen Fachkreise, die mit Röhren und Verstärkereinrichtungen zu tun haben, äußerst interessante und seit langem vielerorts sehr entbehrte Rundfunkröhrenbuch ist wieder da. Es wurde von G. Hinku und H. Hönger neu bearbeitet und erweitert. Das Buch ist ein unentbehrlicher Wegweiser und enthält über 200 Abbildungen im theoretischen Teil, der genaue Angaben über Kennzeichnung, Aufbau und Wirkungsweise der Elektronenröhren und die technischen Verwendungsformen der einzelnen Röhrentypen bringt.

Die Kennlinien und ihre Auswertung in Verbindung mit den Röhrendaten sowie Probleme der auftretenden linearen und nichtlinearen Verzerrungen und bestehende Entzerrungsmöglichkeiten sind ebenfalls erläutert.

Im 2. Teil sind Daten und Kurven und für die dort behandelten Röhren jeder einzelnen Serie einige typische Schaltungsbeispiele von Empfangs- und Verstärkerschaltungen dargestellt. In Erweiterung der früheren Ausgabe sind nicht nur Telefunken- sondern auch Valvo-Röhren behandelt worden. Wir glauben, daß dieses in der Neubearbeitung vorliegende Werk sich ebenso viele treue Leser und Anhänger gewinnen wird, als es seine Vorveröffentlichungen getan haben. Es dürfte in keiner Bücherei des wissenschaftlich oder praktisch arbeitenden Rundfunkverstärker- und Tonfilmfachmannes fehlen. -W -

»Der Lichtbildvorführer.« Von Hugo Linse.

»Der Lichtbildvorführer.« Von Hugo Linse. Francksche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. 64 Seiten mit 72 Abbildungen, 1. bis 3. Tausend. Preis brosch. 4,20 DM West.

Der Verfasser hat den Versuch unternommen, in einem von allem unnötigen Beiwerk befreiten, kurz und übersichtlich gestalteten Buch eine grundlegende Schilderung und Behandlung aller mechanischen und technischen Einheiten, Gesetze, Schaltungen und Ausführungsformen der in der Vorführerpraxis auftretenden Wissensgebiete, Apparate und Maschinen zu geben.

Auf Grund seiner eigenen Praxis sowie selbst ausgeübter Lehrtätigkeit bei der Ausbildung von Lichtspielvorführern hat er den einzelnen Kapiteln eine beachtliche Übersichtlichkeit und den darin gezeigten Abbildungen und Berechnungsbeispielen eine allgemein verständliche Klarheit und leichte Erfaßlichkeit unterlegt. Man kann daher den Versuch als gut gelungen bezeichnen.

Das Buch wird für den sich auf den Beruf des Filmvorführers vorbereitenden Nachwuchs ein wertvolles Hilfswerk sein, aus dem dieser sich auf den in der Prüfung zu behandelnden Stoff vorbereiten und die Handhabung sowie Wirkungsweise der von ihm zu bedienenden Apparate und Einrichtungen aneignen kann.

Aber auch dem jungen, bereits berufstätigen Vorführer wird es noch eine wertvolle Stütze sein können, an Hand der sich von Zeit zu Zeit sein allzu leicht in Vergessenheit geratenes - weil nicht alltäglich benötigtes - Wissen immer wieder einmal neu auffrischen läßt.

Darüber hinausgehend dürfte dieses trotz aller Kürze doch umfassend gestaltetete Buch dem mit der Ausbildung von Nachwuchskräften beschäftigten Vorführer und Lehrer ein wertvoller Helfer und Berater für die dabei anzuwendende und empfehlenswerte Lehrpraxis sein. - Wae -

aus »BILD UND TON« Jahrgang 1948

Bildtonmaschinen im Großtheaterbetrieb

Die in allen Städten immer mehr in Fluß kommenden Wiederaufbauarbeiten haben auch in der Reihe der Filmtheater in letzter Zeit wieder eine große Anzahl beachtenswerter Neubauten der Fertigstellung und Eröffnung entgegengeführt.

Darunter befinden sich Theater der verschiedensten Größen und Ortslagen. Neben der Beschaffung der notwendigen und zweckmäßigen Ausstattung, Beleuchtungs-, Heizungs- und Lüftungseinrichtungen ist die Frage immer wieder aktuell, mit welcher "Vorführungsmaschine" die Filmvorführungen durchgeführt werden müssen, um eine ausreichende Qualität in der Bildausleuchtung, in der Tonwiedergabe und auch in bezug auf die Möglichkeit weitgehender Schonung der vorzuführenden Filmkopien zu erreichen.

Das Teuerste ist nicht immer sinnvoll

Selbstverständlich können diese Voraussetzungen mühelos mit Spitzenfabrikationen unserer Projektorentechnik erreicht werden, die sich ja seit längeren Jahren bereits in dieser Beziehung bestens bewährt haben. Andererseits ist es aber nicht unbedingt notwendig, in allen Fällen derartige, im Anschaffungspreis und auch in den Betriebskosten recht hoch liegende Einrichtungen generell für jedes Theater zu benutzen.

Hier entscheidet vor allem die Größe des Zuschauerraumes, die Größe der auszuleuchtenden Bildfläche, die Wahl des Projektionslichtes und auch die wirtschaftliche Situation des Theaters in erster Linie, ob man sich hier einer Maschine einfacherer Konstruktion und Bauart oder einer hochwertigen Bildtonmaschine bedient.

Für alle Theater aber, die in Abhängigkeit von der Größe und Länge des Zuschauerraumes mit Bildflächen arbeiten, zu deren befriedigender Ausleuchtung Hochleistungsbogenlampen im Becklichtbetrieb mit größeren Bogenlampenströmen eingesetzt werden müssen, wird sich die Notwendigkeit der Beschaffung wirklich hochwertiger Maschinenkombinationen nicht umgehen lassen.

Die normalen Voraussetzungen für ein Kino

Die einwandfreie Vorführung der Tonfilmkopien bedingt hier das Vorhandensein einer in allen Filmführungsteilen außerordentlich präzise ausgeführten Projektoranordnung, und die hohe Lichtleistung der Lampen fordert Sicherheit und Kühleinrichtungen, die den dabei entstehenden Betriebsverhältnissen in jeder Weise gerecht werden müssen.

Da sich infolge der Notwendigkeit dieser Einrichtungen naturgemäß höhere konstruktive und fertigungstechnische Kosten bei der Herstellung derartiger Maschinen nicht umgehen lassen, so dürfte die Frage der erhöhten Aufwendungen für den Zusammenbau der Toneinheit mit dem Bildprojektor innerhalb eines gemeinsamen Gehäuses ebenfalls nicht mehr allzusehr die Endkalkulation für eine solche Kinomaschine beeinflussen, zumal hier der Gesamtweg der Filmführung zwischen ablaufender oberer Filmrolle und Aufwicklung auf der unteren Filmspule in exaktester Weise schon fabrikatorisch vorausbestimmt, festgelegt und ausgerichtet werden kann.

Während bei einfacheren Theatermaschinen durchaus die getrennte Anordnung des Tongerätes hinter dem Bildprojektor aus wirtschaftlichen Gründen berechtigt ist, wird bei einem Großtheaterbetrieb also diese Wirtschaftlichkeitsfrage nicht mehr so sehr entscheidend sein.


Aus dem gleichen Grunde kann man hier auch die Anwendung einer zusätzlichen Wasserkühlung mit den durch Herstellung des für ihren Betrieb erforderlichen Rohrleitungsnetzes erhöhten Montagekosten und den im laufenden Betrieb entstehenden Betriebskosten als weniger wesentlich betrachten.

1948 war der Ernemann 7B Projektor die Referenz

In unseren neu errichteten Großtheatern fällt die Wahl daher jetzt sehr oft auf die von den Zeiss-Ikon-Werken wieder lieferbare Großtheater - Bildtonmaschine Ernemann VIIB mit Hochleistungs-Spiegelbogenlampe und Luft-und Wasserkühlungsanschluß.

Erst neuerdings haben sich einige namhafte und neu eröffnete Filmtheater, die »Blumen-Lichtspiele« in Frankfurt am Main, das »Neuberin-Haus« in Reichenbach i. Vogtland und das »Delphi-Theater« in Berlin-Charlottenburg zur Aufstellung dieser Bildtoneinheiten entschlossen.

Die »Blumen-Lichtspiele« in Frankfurt am Main

Es wird für unsere Leser sicher interessant sein, einmal einen Blick in die Räumlichkeiten der »Blumen-Lichtspiele«, Frankfurt am Main, zu tun, von denen uns gerade eine Anzahl guter Fotos vorliegt.

Der geräumige Zuschauerraum verfügt über eine gut ausgestattete Bühne mit einer Bildwand von 7,6 X 5,5 Meter, die der Länge des Theaters (40 Meter) in ihren Dimensionen angepaßt ist (Abb.l), und ist mit einer hervorragenden und wieder friedensmäßigen Bestuhlung ausgerüstet. Abbildung 2 vermittelt einen Blick von der Bühne in das Theater mit den an der Rückwand sichtbaren Projektionsöffnungen des Vorführungsraumes und den über dem Vorführungsraum an der Decke liegenden Entlüftungskanälen.

Abbildung 3 zeigt einen seitlichen Blick auf die beiden mit Maguzsol-II-Lampen ausgerüsteten Bildtonmaschinen mit Luft- und Kühlwasseranschluß sowie die Verstärkereinrichtung des Theaters, die in Gestellform mit Scharnieren abklappbar an der Wand montiert ist.

Besondere Sauberkeit wird durch die vorgesehene Wandkachelung und den staubfreien Fußboden gewährleistet. Abbildung 4 zeigt eine Ansicht der für die beiden Projektionsmaschinen in übersichtlicher Weise errichteten Schaltanlage, die eine Überwachung der an den Bogenlampen liegenden Spannungen, der aufgenommenen Bogenlampenströme und eine wahlweise Umschaltung der einzelnen Lampen auf die in Abbildung 5 sichtbaren Metallgleichrichter zuläßt.

Das in Abbildung 4 sichtbare, an der Wand montierte kleinere Gleichrichtergerät dient zur Feldstromversorgung der Bühnenlautsprecher, während die über den Bogenlampen-Gleichrichtern in Abbildung 5 sichtbaren Geräte zur Fernsteuerung der Gleichrichteranordnungen vorgesehen sind.

Eingerichtet von der Ufa-Handel-GmbH, Frankfurt am Main

Die hier gezeigten Bilder aus den »Blumen-Lichtspielen«, deren technische Einrichtung von der Ufa-Handelsgesellschaft mbH., Frankfurt am Main, geliefert und von dem für die Einrichtung und Installation solcher Anlagen bestens geschulten Personal der Firma vorbildlich durchgeführt wurde, . . . . .

  • Anmerkung : Der Vater des Autors Gert Redlich kam erst nach der Installation dieses Kinos zur UFA Handel nach Frankfurt und wurde sofort im Raum Heidelberg- Mannheim und Mainz- Wiesbaden eingesetzt. Mehr steht bei den "Tagebüchern eines Kinotechnikers". Mein Vater hatte alles lückenlos aufnotiert.


...... wie auch die Vorführungsräume und technischen Einrichtungen der anderen genannten Theater, von denen wir gelegentlich ebenfalls einmal Bildberichte bringen werden, geben uns jedenfalls beachtenswerte Beispiele dafür, wie die Erzeugnisse eines neuzeitlichen elektrotechnischen und mechanischen Gerätebaues in ein die Betriebssicherheit und qualitative Leistungsfähigkeit eines Filmtheaters gewährleistendes Zusammenspiel gebracht werden können.

- Ing. W. Waegelein -

aus »BILD UND TON« Jahrgang 1948

Der neue Askania-Projektor

Das in einem geschlossenen Gehäuse untergebrachte Maltesergetriebe (Abb. 4) ist mit höchster Präzision ausgeführt. Die hochbeanspruchten Teile sind gehärtet und geschliffen, das Kreuz selbst auf Bruchteile von 1/1000 Millimeter geläppt und gehont.

Zur Verstellung des Bildstriches wird das gesamte Getriebe um die Zahntrommel bzw. die Kreuzachse gedreht. Dabei verstellt sich das in der Abbildung sichtbare Schraubenrad in achsialer Richtung und gleicht die somit auftretende Phasenverschiebung der Blende aus.

Das dem Kreuz durch die Öl-Umlaufschmierung zugeführte Öl wird, bevor es in das Gehäuse einläuft, nochmals durch ein feines Gaze-Sieb von etwaigen Fremdkörpern gereinigt.

Als Tongerät läßt sich jedes beliebige System verwenden, so daß man auch bei fortschreitender Entwicklung auf diesem Gebiet in der Lage ist, Auswechselungen vorzunehmen.

Die Reihe einzelner Besonderheiten dieses Projektors ließe sich noch weiter fortsetzen. Aus den hier aufgeführten Beispielen geht hervor, daß die Askania- Werke mit diesem Gerät den Kinotheatern eine Maschine zur Verfügung stellen, die allen modernen Anforderungen entspricht und die Möglichkeit gibt, Schwarzweiß- sowie Farbfilme in einer Bildgüte vorzuführen, die dem
heutigen Stand der Filmprojektion gerecht wird.

Die Abbildungen lassen den einfachen, übersichtlichen Aufbau der Askania - Theatermaschine erkennen. Wer in der letzten Zeit Gelegenheit hatte, ausländische und deutsche Nachkriegsfertigungen zu sehen, dem wird im Vergleich dazu die betont stabile Bauart des Askania-Projektors auffallen. Man erkennt in ihr eine auf die Gewohnheiten unseren deutschen Marktes abgestimmte Wertarbeit, die - wie schon von den Askania-Aufnahmegeräten her bekannt ist - eine lange Lebensdauer und zuverlässige Arbeitsweise gewährleistet.

- Ing. K. Schencke - Herbst 1948

Abb. 4. Maltesergetriebe
Abb. 5. VorFührkabine des neuen Lichtspieltheaters ,,Die Brücke" in Düsseldorf mit 2 Askania-Projektoren

aus »BILD UND TON« Jahrgang 1948

UNSER BILDBERICHT - Das »CAPITOL« SCHWERIN

EIN REPRÄSENTATIVES LICHTSPIELTHEATER DES LANDES MECKLENBURG

  • Anmerkung : Das ist natürlich damals schon unglaubwürdig gewesen. Es war ein Kino "in" Meklenburg - aber nicht ein Kino "des Landes Mecklenburg". Es war ein Kino der sowietischen Militäradministration ähnlich wie spezielle Kinos der Engländer.


Das große und geräumige Foyer mit dem breiten Treppenaufgang zu den Balkonplätzen läßt eine schnelle und reibungslose Füllung und Leerung des Theaters zu.

Bemerkenswert ist die sich in das Gesamtbild des Raumes gut einfügende halb indirekte Deckenbeleuchtung und die ansprechende Plazierung der großen Schaukästen für den Fotoaushang an den Wandflächen des sehr geräumigen Vorraumes.

Das unter der Regie der "Soviet-Exportfilm" in Deutschland stehende repräsentative Theater des Landes Mecklenburg faßt in seinem Zuschauerraum 1123 Besucher. Ein Blick von der Bühne in den Zuschauerraum zeigt die Anordnung des Parkett und Ranggestühls, die für jeden Zuschauer gute Sicht auf Bildwand und Bühne gewährleistet.
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Die Linienführung der Decke, der Wandflächen, der Balkonrampe und des Theatergestühls gibt zusammen mit der in Stoff von verschiedener Webrichtung hergestellten Wandbespannung dem Raum ein beschwingtes Fluidum, das durch die gewählte indirekte Deckenbeleuchtung und Führung der Lichtvouten weitgehend unterstützt wird.

Die mit einer Spielfläche von 7x9 Metern praktikabel eingerichtete Bühne fügt sich dem aus akustischen Gesichtspunkten eiförmig gestalteten Theaterraum an seiner engsten Stelle ein.

Die auf ihr untergebrachte Tonfilmwand von 4 l/2 x 6 Metern Bildfläche sowie die Tonfilm-Lautsprecherkombination wird in den oberen Teil des Bühnenhauses hochgezogen, wenn die Bühne anderweitig ausgewertet werden soll.

aus »BILD UND TON« Jahrgang 1948

Das Lichtspielhaus bei Einführung des Tonfilms

Eigentlich ist es erstaunlich, wie umfangreich und gediegen ausgestattet der deutsche Theaterpark bereits im Jahre 1928 war, als der Tonfilm neu und mit vielen Kinderkrankheiten behaftet auftrat. Uns erscheint heute das stumme Bild, die sich bewegenden Lippen ohne Wort, der Schuß ohne Knall, die zahlreichen Zwischentitel zur Klarstellung des Handlungsablaufs so primitiv, daß man es zunächst kaum glaublich findet, daß die wesentliche bauliche Entwicklung des Lichtspielhauses zu Zeiten des Stummfilms durchlaufen und finanziert werden konnte.

Die Entwicklung bis zu 2000 Sitzplätzen

Diese Entwicklung war damals auch nur etwas mehr als 20 Jahre alt und hatte von dem provisorischen Vorführungsraum in einem ehemaligen Laden mit einfachster Einrichtung und zweifelhaftem Ansehen zu den repräsentativen Uraufführungstheatern mit 2000 Plätzen und mehr auf Polstersesseln geführt.

Das war ein unbestreitbar gewaltiger Erfolg für den jüngsten Zweig theatralischer Darstellung, der zunächst erst einmal seine künstlerisch-kulturelle Stellung erringen mußte und das alles in zwei Jahrzehnten, von denen eines durch Krieg und Not für neue Unternehmungen und Neubauten verloren ging.

In 1929 bereits 8000 Kinos

Bis zum Jahre 1929 waren nahezu 8000 Theaterunternehmungen gegründet worden, von denen noch mehr als 5000 zu Beginn der Tonfilmtechnik bestanden; im Jahre 1918 werden etwa 1200 Betriebe bestanden haben.

Leider geht aus den alten Statistiken nicht hervor, welcher Prozentsatz dieser Gesamtzahlen für selbständige Theaterbauten oder aber nur für Einrichtungen anzusetzen ist.

Ein gewisser Teil der Lichtspielhäuser wurde in ehemaligen Varietetheatern oder in Vergnügungsstäitten und Tanzsälen nur entsprechend eingerichtet. Aber als Ergebnis der Stummfilmzeit ist festzuhalten, daß durchschnittlich im "Reichsgebiet" für je 1.000 Einwohner etwa 30 Sitzplätze in Filmtheatern bereit standen und daß sich diese Ziffer nur wenig bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges erhöht hat.

Vom Schmierentheater zum Lichtspielhaus

Neben diesem rein materiellen Erfolg des jungen Gewerbes nötigt aber etwas andres in fast höherem Maße unsre Achtung ab: Daß man trotz der technischen und vielfach künstlerischen Unzulänglichkeiten des Stummfilms das Lichtspieltheater so schnell aus seiner ursprünglichen Atmosphäre der Sensationsschau herausführte und Bauten errichtete, deren künstlerischer Ernst und würdige Erscheinung weit über alles hinausgingen, was die Filmproduktion bis dahin im allgemeinen zu bieten hatte.

Vielleicht lag darin nicht immer Weitsicht und richtige Einschätzung der zukünftigen Entwicklung. In vielen Einzelfällen regte sich der Ehrgeiz, die durch lange Tradition geheiligten alten Schauspiel- und Opernhäuser zu übertreffen.

Es war nur zu verständlich, daß im Schwung des wirtschaftlichen Aufstiegs auch in Deutschland die Form des dekorativ überladenen Filmtheaters auftrat. Daß mit Vergoldung und Effektlicht, mit jedem nur erdenklichen Aufwand in den Raumabmessungen und in der Ausstattung gearbeitet wurde, der in keinem Verhältnis mehr zur Benutzung und zum Zweck des Gebäudes stand.

Eine gewaltige geschichtliche Leistung

Aber gleichgültig, welche Antriebe die verantwortlichen Unternehmer bewegten, die geschichtliche Leistung bleibt bestehen, daß damals in wenigen Jahren und in rascher Folge nach Platzanordnung und Raumform, für Bequemlichkeit und Sicherheit des Publikums neuzeitliche Lösungen erarbeitet und verwirklicht wurden, (die der traditionelle Bühnenhausbau schuldig geblieben war und von denen der gesamte Theaterbau gelernt hat (siehe auch die Abbildungen).

Die amerikanischen zirkusartig aufgeputzten Riesensäle

Im Rahmen eines so kurzen Überblicks fällt es schwer, aus der großen Zahl der Bauten einzelne Beispiele und Architektennamen herauszugreifen, weil man spürt, wie viele andre ungenannt bleiben müßten, die es ebenso verdienten, hervorgehoben zu werden.

Aber mehr als jede wortreiche Würdigung bedeutet die praktische Anerkennung, daß viele dieser Bauten, soweit sie vom Krieg verschont blieben, heute vollwertige Theater- und Konzertsäle für, Aufführungen der hohen Kunst geworden sind.

Das wäre nie möglich gewesen, wenn das Vorbild der ausländischen Theater - besonders der amerikanischen mit ihren zirkusartig aufgeputzten Riesensälen in maurischen und andren Stilformen oder sogenannte »atmosphärische« Räume mit künstlichen Himmeln als Decke - stärker nachgeahmt worden wäre.

Die deutschen Theater hatten ganz im Gegensatz zu diesen einige Jahre früher entstandenen Bauten eine gewisse Einfachheit mindestens des Zuschauerraumes angestrebt.

  • Anmerkung : Mein Kommentar : der Not gehorchend, für so viele große Kinos war ab 1936 fast kein Geld mehr. Nur wenige der UFA unterstellte Kins wurden zu UFA-Palästen ausgebaut.


Es sprach sich darin nicht nur ein andrer Geschmack aus, sondern die ernstere Auffassung von Theater und Kunstgenuß, die nicht nur Unterhaltung und Zerstreuung bedeuten sollen, sondern geistige Konzentration und auch innere Erhebung.

Nur aus dieser ganz anderen Einstellung zum Wesen des Lichtspiels, nicht nur aus einer bloß formalen Ästhetik heraus lassen sich die wahrhaft würdigen und schönen Räume jener Jahre verstehen, zu einer Zeit, als kaum drei oder vier unter hundert produzierten Filmen einer so anspruchsvollen Auffassung entsprachen.

Was ist ein künstlerisch wertvoller Film ?

So umstritten die Frage des künstlerisch wertvollen Filmes und seines wirtschaftlichen Erfolges auch immer war, die Bauherren und Architekten der führenden deutschen Theater haben sich grundsätzlich für die kulturelle Verantwortlichkeit und den künstlerischen Wert und gegen den dekorativen Effekt und die sensationelle Aufmachung bekannt.

  • Anmerkung : Das stimmte nach dem 2. Weltkrieg überhaupt nicht, Konkurrenz war das Gebot der Stunde, größer und shcöner als der oder die anderen am Ort.


Es ist wohl noch immer etwas von Schillers Anspruch, das Theater solle eine »moralische Anstalt« für das Volk sein, lebendig geblieben, auch bei allem Abstand, den der Film zeitweise vom klassischen Theater nahm.
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Als nun der Ton zum Bild hinzukam, . . .

. . . trat auch das Wort zur bisher allein schaubaren Handlung. Es ist keine neue Behauptung, wenn man feststellt, daß durch die neue technische Errungenschaft des Tonfilms zunächst sogar im rein Künstlerischen ein Nachlassen des Wertes zu beobachten war, aber für die Gesamtentwicklung bedeutet das gesprochene Wort doch eine unendliche Erweiterung der Möglichkeiten, seelische Vorgänge zu schildern und die geistigen Hintergründe eines dramatischen Geschehens auszudrücken.

Die Tonfilmtechnik hat somit schließlich auch den Teil des Publikums gewonnen, der bis dahin abseits stand und glaubte, daß echte künstlerische Werte dem Bühnenspiel allein vorbehalten seien.

Im Theaterbau konnte sich nach dem Vorhergehenden dieser Schritt der Entwicklung nicht mehr abzeichnen, weil er schon vorweggenommen war. Die hohen wirtschaftlichen Aufwendungen für die Einrichtungen der Tonfilmapparaturen veranlaßten sogar einen mehrjährigen Stillstand, die Gründungen neuer Unternehmungen und die Neubauten wurden seltener.

Die akustische Eignung der Theatersäle . . . .

Aber eine neue technische Schwierigkeit, die nur mit bautechnischen Mitteln behoben werden konnte, trat auf und hatte für manches Theater zunächst Verhängnis volle Folgen: Die akustische Eignung der Theatersäle hatte bisher als unwesentlich übersehen werden können. Dagegen waren die ersten Tonfilmapparaturen und -aufnahmen besonders empfindlich gegenüber Nachhallfehlern. Manche kostbare Vergoldung der Innenausstattung war gerade das Gegenteil des technisch Notwendigen und verschwand unter nicht weniger kostspieliger Velvetbespannung, was allerdings nicht nur akustisch, sondern auch optisch - wegen der störenden Lichtreflexe - gut war.

Die großen Häuser allerdings hatten häufig bereits annähernd richtig "abgestimmte Nachhallzeiten, weil das . . . .

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