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Ein Leitz 16mm Projektor und ein Kinoton-Verstärker

Im Vordergund der Leitz G1, im Hintergrund ein AMPEX 2 Zoll Videorecorder

Von der "mediatec GmbH" in Köln bekamen wir einen ganz alten professionellen 16mm LEITZ (Wetzlar) G1 Projektor und den zugehörigen Telefunken Kinoton-Verstärker geschenkt.

Gedacht war der Leitz G1 Projektor für den "medialen" Neuanfang in unseren westdeutschen Schulen so ab 1950/51 sowie für kleinere "Dorf"-Kinos. Viele ältere Leser erinnern sich sicher an die Filmstunden mit den "KWU Filmen" über das "Liebesleben der Maikäfer" und sonstige "Erhellungen". Ab und zu waren sogar richtig gute (Anti-) Kriegsfilme dabei, wie "Die Brücke" und "Endstation Sehnsucht".

Natürlich war alles noch in schwarz weiß und gerattert hatte dort - jedenfalls bei uns in Wiesbaden - ein grüner SIEMENS 2000 Projektor. Der Siemens 2000 Projektor in der Ur-Version für Schulen wurde etwa ab 1952 angeboten.
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Der Kinoton-Verstärker zum Projektor

Unter dem bereits extrem schweren 16mm Projektor "wohnte" der Kinoton- Verstärker von Telefunken. Das Projektionsgestell war aus gutem Grund nicht zerlegbar, es war verschweißt. Der Telefunken Verstärker, um den es hier geht, ist ein sonderbares Konstrukt. Er ist in Ziehamonika-Form dreiteilig konstruiert. Und Scharniere, richtig massive Scharniere halten die drei Teile zusammen.
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Dieser Kinoton-Verstärker ist ein Unikum

Noch ist mir nicht klar, warum Telefunken solch ein schweres Monster konstruiert und gebaut hatte. Soetwas konnte weder ein Gespann aus zwei Lehrern noch eine ganze Horde von Schülern ins Filmzimmer, (meist der Musikraum) tragen. Und bei uns durfte der Projektor nicht aufgebaut bleiben, sonst wäre er von den allzu neugieriegen Schülern (ich war in einem Gymnasium für Jungen) kaputt gespielt worden.

Der Verstärker war jedenfalls ein Kraftpaket, sowohl vom Gewicht her wie auch von seiner Leistung. Dort drinnen im Endstufenteil sind 2 Stück "EL12" Endröhren mit etwa 35 Watt Sprechleistung samt entsprechenden Transformatoren und Ausgangsübertragern zu sehen. 35 Watt Sprechleistung war damals eine Menge Watt.

Und vor allem, alle drei Teile dieser Zieharmonika sind richtig massiv, als wollten die Telefunken Mannen den 10 Jahre zurückliegenden Krieg doch noch gewinnen.
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Solch ein richtiger Kinoton-Verstärker hat "alles" . . .

Das Bedienteil des KTV-10-010
der Vorvestärkerteil
die 35 Watt Endstufe

Für ein richtiges Kino braucht(e) man natürlich 2 Projektoren, die abwechselnd "Akt" für "Akt" jeweils per Überblendung abspielten, einen Gong für den Beginn des Films und natürlich auch einen Mikrofon-Eingang, falls jemand etwas Einleitendes verkünden wollte. Und diese Eingänge sollten auch mit Lautstärke- bzw. Pegelstellern eingeblendet und überblendet werden können. Alles das war im Bedienteil des Vorverstärkers eingebaut.

Das Mittelteil müsste also das Netzteil sein, damit man sowohl mit 120 Volt wie auch mit 220 Volt Filme abspielen konnte.

Bemerkenswert ist die besonders "dicke" Endstufe. Auf meiner Autorenseite hatte ich bereits erzählt, daß ich von meinem Vater her kinotechnisch vorbelastet war und über Verbindungen mit ca. 16 Jahren das Vorführen an großen 35mm Projektoren erlernt hatte. Nahezu zeitgleich hatte ich auch an der Stadt-Filmbildstelle Wiesbaden das Vorführzeugnis für 16mm Schmalfilm-Geräte an Schulen erlangt.

Im großen 35mm Kino (heute das Wiesbadener Caligari) konnten wir im Notfall mit nur einer 30 Watt Endstufe (von vier Endstufen mit je 2 x EL34) das mit 500 Personen fast voll besetzte Kino ausreichend beschallen. In dem 16mm Siemens 2000 Projektor war wesentlich weniger Leistung in dem Tonverstärker und es reichte dennoch für 30 bis 50 Mitschüler aus. Die Lautsprecher waren damals allesamt hocheffizient.
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35 Watt reichen auch für große Säle

Erwähneswert ist zu den beiden Geräten (Projektor und Verstärker), daß sich da jemand bei Leitz scheinbar "verkonstruiert" hatte. Die Hintergründe sind jetzt in 2016 bestimmt nicht mehr herauszufinden. In den Schulen ist dieses Ungetüm so gut wie nie aufgetaucht. Auch in der Aservatenkammer unserer Schule habe ich zwar ein uraltes Phonorex Tonbandgerät mit ähnlich "rustikalen" Eigenschaften gefunden, aber auch das konnte ich damals schon nicht tragen, es war einfach zu schwer.

Projektor und Verstärker samt dem Projektionsgestell sind überhaupt nicht transportabel. Das sind nahezu 100 Kilo Gewicht.
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