Klangfilm - ein Mythos wird zu Geld gemacht
Nachdem der Name Klangfilm aus den Siemens-Prospekten und Siemens-Publikationen von professionellen Siemens Audio-Produkten verschwunden war, dauerte es etwas, bis auf einmal für die "alten Kisten" (Verstärker und Lautsprecher) völlig irre Summen auf den Tisch gelegt wurden.
Wer immer die Hype angekurbelt hatte, wollte sich eine goldene Nase verdienen. In den RTMs und auch in der FKT-Zeitschrift waren die Klangfilm Verstärker im Vergleich zu den Zeiss Ikon Verstärkern ausführlich beschrieben. Dort wurden auch die technischen Eigenschaften ausführlich betrachtet.
Langlebigkeit und Zuverlässigkeit kam lange vor der ultimativen Hifi-Qualität. Die Lichtton-Filme jener Zeit konnten doch sowieso nur 100 bis 7000 Hz abspielen. Doch das spielt alles keine Rolle.
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Ganz sicher hatte Siemens mit den Klangfilm-Produkten (Lichtton-Baugruppen, Kino-Verstärkern und Kino-Lautsprechern) gleich zu Beginn des Tonfilm-Syndikates (neben der TOBIS ein weiterer Trust oder ein Monopol in Europa) einen internationalen Erfolg. Sie waren ab 1931 bis vor 1942 deutlich besser als viele internationale (europäische) Kino-Geräte - bis auf die amerikanischen Kinotechniken. Denn dort hatte man recht schnell riesengroße Kino-Paläste mit 3.000 und mehr Sitzplätzen gebaut und das gab es in Europa erstmal nicht. Klangfilm Kinotechnik gab es für fast jede Saalgröße.
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Die Nachfrage kam aus Japan und aus Korea
In beiden Ländern wuchs nach 1965 eine wohlhabende Mittelschicht heran, die sich solchen virtuellen Luxus leisten konnte. Es reichte ein Historien-Artikel in irgendeiner dortigen Kultur- oder Fach-Zeitschrift und die alten Kinos, teilweise schon stilgelegt oder gar bereits abgerissen, wurden nach alten deutschen Kangfilm Überresten durchforstet.
Mit dem Durchbruch der neuen Internet- Versteigerungs- Plattform ebay.com ging der Run dann los. Auf einmal wurden selbst simple 1-kanalige ausgelutschte uralte Röhren-Verstärker mit dem Klangfilm Emblem für 5000 Dollar und mehr in Europa aufgekauft (ersteiert) und für weitere 1000 Dollar nach Fernost verschifft (da mußten nämlich Überseekisten gezimmert werden).
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Es war eine Hype (aufgebauschte Masche) ohnegleichen
Als ein mit der Kinotechnik von Kindesbeinen an aufgewachsem Buben fehlten mir die Worte für so viel Unvernunft. Hier war esoterischer Glaube angesagt. Aber scheinbar funktionierte das Geschäft eine Zeit lang mangels Angebot und gieriger Nachfrage recht gut. Dann wurden aus allen alten Lagerhäusern, Kellern und Dachböden die in den späten 1960ern eingemotteten alten Klangfilmverstärker ausgegraben und auf der ebay-Plattform in Asien angeboten.
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Nach dem Kriegsende im April 1945
Zuerst war bei uns im gesamten Deutschland Ost wie West fast alles kaputt. Die großen Kinos waren ausgebrannt, wenige überlebten und die kleineren Dorfkinos hatten einen ungeahnten Aufschwung und damit auch einen Nachholbedarf. Und Siemens reaktivierte die Kino-Geräte Produktion der alten Klangfilm-Produkte im Wernerwerk für Messtechnik in Karlsruhe. Im Berliner Umfeld (im Umland) waren nicht nur die Kinos sondern auch die Fabriken zerstört oder von den Russen abgebaut worden.
In der Zeit des Normalfilms (also vor der 4-Kanaltechik von Cinemascope 1953) baute Siemens noch die 60 Kilo Gußgehäuse mit dem 25 Watt Mono-Verstärker.
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Die letzten Siemens-Klangfilm- Anzeigen von 1965
Jedenfalls ist mir keine weitere Anzeige mit dem Nameszusatz Klangfilm mehr unter die Augen gekommen. Die Glanzzeit der Kinos war - so erkannte man - endgültig vorbei und so firmierte Siemens noch mit
Wernerwerk für Messtechnik - Karlsruhe - Abteilung Ton und Film
Mit den Magnetfilm- Zusatzgeräten für die 16mm Filmtechnik des aktuellen Fernsehens konnte man noch mithalten. Die ganze 35mm Kinotechnik und der zugehörige Ton-Bereich war seit 1959 wie abgestorben. Mit den geschlossenen Kinos kamen auch jede Meneg gebrauchter Projektoren und gebrauchter Kinoverstärker auf den inzwischen satten Markt. Die allermeisten eingelagerten Gerätschaften - die waren ja mal richtig teuer - wurden irgendwann - und völlig verrostet - entsorgt.
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Nach 1965 habe ich keine Klangfilm Anzeigen mehr entdeckt.
Siemens Karlsruhe hatte den Zug der Teit gesehen und sich auf edle Tontechnik für Rundfunkanstalten und Tonstudios konzentriert.
Diese Anzeigen haben wir auch bereits eingescannt.
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