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Aus der Zeitschrift "Bild und Ton" aus Ostberlin - 1950

Der Kugelwellentrichter (1950)

Der Kugelwellentrichter - ein entscheidender Fortschritt in der Tonfilm-Wiedergabetechnik (es ist kein Autor benannt)

In der Tonfilmtechnik haben wir es mit einer Reihe von Umwandlungsprozessen zu tun. Schall muß in Elektrizität, Elektrizität in Licht, Licht über den zwischengeschalteten Film wieder in Elektrizität und diese wieder in mechanische Schwingungen umgesetzt werden, die ihrerseits wieder im Lautsprecher Schall erzeugen sollen.

Am Anfang und Ende dieser Reihe
soll das gleiche Ergebnis stehen. Bei jedem dieser Übergänge von einer physikalischen Erscheinungsform zur anderen gibt es aber Schwierigkeiten, da jede Erscheinungsform einer anderen Gesetzmäßigkeit unterliegt. Seit Beginn des Tonfilms ist gerade die Umwandlung von elektrischen Schwingungen im Lautsprecher ein besonderes Problem, denn es handelt sich ja darum, die ganze Welt des Schalls, der auf vielfache Weise in der Natur und künstlich erzeugt wird, klanggetreu und in ihrem ganzen Umfang wiederzugeben.

Wenn man sich diese Vielfalt einmal deutlich vor Augen führt, scheint es ein Wunder, daß es überhaupt möglich sein soll, mit einem einzigen schwingungsfähigen Gebilde, wie es die Lautsprechermembrane ist, die auf vielerlei Weise erzeugten Schallschwingungen von der Pauke bis zur Vogelstimme oder bis zum Knirschen des Schnees in gleicher Weise vollkommen nachzuahmen.

Der Kombinationslautsprecher von 1930

Euronor II Großlautsprecher, Vorderansicht
Euronor II Großlautsprecher, Rückansicht

Man erkannte schon bald, daß dieser weite Bereich mit einem Lautsprechersystem nur unvollkommen zu beherrschen war. So entstanden die Kombinationslautsprecher, zusammengesetzt aus zwei oder mehreren Systemen.

  • Anmerkung : Heute nennt man solche Boxen 2-Wege oder 3-Wege oder auch Mehrwege-Systeme.


Schon um 1930 hat der Europa-Lautsprecher
der Klangfilm-Gesellschaft revolutionierend auf die Wiedergabe von Tonfilmen gewirkt und auch bei allen hochwertigen Musikübertragungen Eingang gefunden.

Das Bemühen aller Techniker und Ingenieure ist stets, den Wirkungsgrad einer Anlage so zu steigern, daß die zugeführte Energie ein Minimum ist oder die Umwandlungsverluste möglichst gering bleiben. Wir kennen hierfür ein prägnantes Beispiel in der Geschichte, nämlich die Entwicklung des Dieselmotors. Es war ein Kampf um wenige, aber für den Erfolg entscheidende Prozente.

In der Lautsprechertechnik ist es ähnlich. Hier gelang eine wesentliche Erhöhung des Wirkungsgrades durch die Einführung des Trichterlautsprechers.
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  • Anmerkung : Das waren wirklich Trichter wie beim Kaffeefilter. Erst später waren es dann genau berechnete Exponential-Hörner, die aber nicht so genannt wurden. Paul Klipsch hatte bereits 1941 über die physikalischen Zusammenhänge von ganz bestimmten "Trichter"-Formen wie zum Beispiel sein Klipsch-Horn ein ganzes Buch geschrieben.

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Solche Trichterlautsprecher wurden in Lautsprecherkombinationen vorzugsweise zunächst nur für den Bereich der hohen Frequenzen benutzt. Für den Bereich der tiefen Frequenzen erzielte die Klangfilm GmbH, im Europa-Klartonlautsprecher und Euronor-Lautsprecher zeitentsprechende vorbildliche Lösungen.
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»Der Ton kommt wie aus einem Trichter«

Dem aufmerksamen Beobachter entging jedoch nicht, besonders im Vergleich mit der Natur, daß ein dem Trichter charakteristischer Klang die allgemeine Ton-Wiedergabe überdeckte. »Der Ton kommt wie aus einem Trichter« wird zur Redensart für eine derartige Wiedergabe.

  • Anmerkung : Wie weiter oben bereits angemerkt, waren das symmetrische lineare Trichter, die zwar den Schall bzw. die Lautstärke erheblich verstärkten, aber dennoch eine Verfärbung hinzufügten.


Man erkennt, worauf es bei dem Bau von Lautsprechern ankommt. Weiter Tonbereich, hoher Wirkungsgrad und Echtheit des Klanges sind die Eigenschaften, die ein Lautsprecher haben muß. Sie sind das Ziel des technischen Strebens.
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Eine neue Trichterform

Der Verwirklichung dieses Zieles dient eine neue Trichterform, die Klangfilm nach außerordentlich gründlichen und zeitraubenden Versuchen gefunden hat - der »Kugelwellentrichter«. Er ist das Vollendetste auf diesem Gebiet und etwas völlig Neuartiges.

  • Anmerkung : Man liest aus diesen Sätzen, daß die Lautsprecher- Entwicklung in den USA damals vermutlich immer noch nicht den Weg über den Atlantik gefunden hatte. Die damals großen Filmstudios in Hollywood hatten für ihre eigenen richtig großen Kinos - es gab die Warner Paläste und die MGM Paläste - bereits Lautsprecherkombinationen auf der Basis des Exponentialhornes bauen lassen und auch dokumentiert. In den USA gab es nach unseren Recherchen mehrere große Kinoketten mit riesigen Lichtspielhäusern mit bis zu 2.800 Sitzplätzen und bis zu 100m Projektionsabstand.


Eine solche Trichterform ist bei der Eurodyn-Kombination und der Euronor-II - Großlautsprecherkombination der Klangfilm GmbH zur Anwendung gekommen. Das Ergebnis ist überzeugend. Hier steht der Ton wirklich vor dem Lautsprecher, der Trichterklang ist verschwunden, und der Zuhörer gewinnt ohne weiteres den Eindruck einer erhöhten Plastik, hervorgerufen durch die Differenziertheit der Tonwiedergabe, die diesem Lautsprecher eigen ist. Durch Anwendung des Prinzips des »Kugelwellentrichters« erreicht man gerade und kurze Bauformen.

Eine geringe Bautiefe für die Kinos

Während der gerade Trichter zur Steigerung der Qualität beiträgt, ist die geringe Bautiefe für die Kinotheater mit ihren beschränkten Bühnentiefen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
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  • Anmerkung : Nicht nur das Klipschhorn von 1941 und danach beweist, daß das gefaltete Basshorn nun wirklich nichts Neues mehr war, für die Redakteure in Ost-Berlin vielleicht. In meiner Diskotheken- Sturm und Drang-Zeit von 1975 hatte ich von JBL die sogenannte gefaltete "Bassrutsche" - ein ebenfalls gefalteter Exponentialtrichter - als Leergehäuse gekauft und mit einem 38cm Bass Chassis gewaltige Lautstärken erzeugt. Diese Gehäuse waren eine JBL-Konstruktion aus der Mitte der 1940er Jahre für kleinere amerikanische Kinos und hatten eine Standfläche nur von 80cm x 80cm.

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Wie die Wirkung des Kugelwellentrichters zustande kommt, ist ein Problem der höheren Mathematik. Es würde zu weit führen, dies hier auseinanderzusetzen.

  • Anmerkung : Das kann man alles bei Paul Klipsch nachlesen.


Der Vorgang, der sich im Eurodyn-Lautsprecher abspielt, ist laienhaft so zu versinnbildlichen, daß die Schallwellen ohne qualitätsmindernde Reflexionen und Resonanzen im Trichter selbst sich sozusagen zwanglos vom Trichter lösen.

  • Anmerkung : Das ist eine sehr sehr laienhafte Umschreibung : Ich weiss auch nicht genau, wie es funktioniert, aber es funktioniert.


Damit wird nicht nur eine Frequenzkurve, die frei von »Löchern« ist, gewonnen, sondern auch der für das Theater erforderliche Streuwinkel von 80°.

Nicht nur das deutsche Lichtspieltheater wird von dieser neuartigen Technik Nutzen ziehen, auch das Ausland bekundet in zunehmendem Maße sein großes Interesse für diese neuartige Lösung eines akustischen Problems.

  • Anmerkung : Der letzte Satz ist 1:1 aus dem Klangfilm Verkaufsprospekt übernommen worden. Da kann man nur noch lächeln.

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Ein weiterer Artikel von Paul Klipsch aus 1951

Wie man die besten Ergebnisse aus einem Klipschorn herausholt. Ein ebenfalls recht langer Artikel in Englisch.
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